Werkstatt oder Schaufenster?

Bürgerversammlung zur Schöneberger Schleife

Podium

Das Podium

Seit Jahren gefordert und beharrlich beantragt, dann am 16.12.09 von der BVV Tempelhof-Schöneberg fürs 1. Quartal 2010 beschlossen − letzten Donnerstag (22.4.) war’s endlich so weit: Im Theodor-Heuß-Saal des Schöneberger Rathauses sollte das erste „Werkstattgespräch“ zum „‚Stadtumbau SÜDKREUZ‘ − Entwicklung des Grünzuges zwischen Gleisdreieck und Südgelände“ geführt werden. Rund fünfzig Menschen waren der Einladung gefolgt, von denen längst nicht alle einfach nur interessierte BürgerInnen waren. Die „Gesprächsrunde“ aber entpuppte sich als Informationsveranstaltung mit ein bisschen „Sie fragen − Wir antworten“ und war auch keine Runde, sondern Frontalunterricht, dessen Bürgernähe sich darin erschöpfte, dass das Podium nicht erhöht war. Daran Platz genommen hatten Klaus Müller von der Senatsverwaltung, vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg Siegmund Kroll, Amtsleiter Planung und Denkmalschutz, Baustadtrat Bernd Krömer und Manfred Sperling vom Fachbereich Planen sowie von den beauftragten Planungsbüros Eva Mühlbauer vom Atelier Loidl und Eva-Maria Boemans vom Landschaftsarchitekturbüro Thomanek Duquesnoy Boemans. − Weitere PlanerInnen und VertreterInnen von Grün Berlin hatten sich unters Volk gemischt.

Siegmund Kroll galoppierte, sichtlich stolz über das schon Geleistete [siehe auch hier], zunächst durch die fünf Teilbereiche des Stadtumbaugebiets innerhalb der sog. Schöneberger Schleife, des als Schlüsselprojekt zur (grünen) Vernetzung von Bahnhof Südkreuz und Innenstadt, Südgelände und Potsdamer Platz/Tiergarten konzipierten Rundwegs: Ausgehend vom Gleisdreieck-Park im Norden, der geplante Park auf der Bahnbrache „Flaschenhals“; das untergenutzte, aber bereits von starker Umbautätigkeit erfasste Gewerbegebiet Naumannstraße mit geplanter Ost-West-Grünverbindung bis Cherusker Park inkl. Fuß- und Radweg-Brücke über die Dresdener Bahn; die Gewerbe- und Kulturkaserne General-Papestraße mit Geschichtsparcour, Schwerbelastungskörper, Messpunkt und dem als Gedenkort zur NS-Frühzeit geplanten ehem. SA-Gefängnis Haus 54a; der sog. Schöneberger Linse, wo eine vom Senat unterstützte Eigentümer-Initiative gerade ein Marketing-Konzept für ein neues Stadtteilzentrum entwickle; und schließlich das ehem. GASAG-Gebiet mit dem heftig umstrittenen B-Plan 7-29, auf dem das Mammutprojekt des Europäischen Energieforums (EUREF) verwirklicht werden soll, mit dem Gasometer als Wahrzeichen.

Ab Festsetzung des Stadtumbaugebiets 2005 seien nach bescheiden Anfängen erst ab 2008 durch das Programm Stadtumbau West größere Summen geflossen und bislang 7,5 Mio. Euro investiert worden. Der Bezirk wünsche sich für die folgenden Programmjahre bis 2013 jeweils weitere 4,1 Mio., also insgesamt 12,3 Mio. Euro, müsse hierbei jedoch sicher noch Abstriche machen.

Manfred Sperling machte sich anheischig, diese abstrakten Ausführungen zu konkretisieren und betonte, wie zentral das Thema Fahrrad für die Gestaltung der Schöneberger Schleife im zu entwickelnden übergeordneten Nord-Süd-Grünzug sei. Seit 1997 habe eine Bereichsentwicklungsplanung (Schöneberg Ost) [siehe auch hier] vorgelegen, deren Nutzungskonzept für das Plangebiet überwiegend „Grünfläche“ mit der Zweckbestimmung „Parkanlage“ vorsah, doch erst das Förderprogramm habe die Chance zur Verwirklichung geboten. Zahlreiche Flächenankäufe seien ermöglicht und getätigt worden, weitere Erwerbsverhandlungen im Gange, z. B. an der Torgauer Straße, um den Cherusker Park durch Grünflächen nach Norden und Süden zu erweitern, sowie nördlich und westlich der Monumentenbrücke mit der Deutschen Bahn, wobei es auch um den Rückbau der Kabelverbindungen gehe. Vordringliches Ziel sei jetzt die Grünvernetzung von „Flaschenhals“ und Gleisdreieck-Park aus der Bautzener Straße heraus und übers York-Dreieck hinweg.

Fertige Pläne

Damit hatten die Planerinnen das Wort, die dem verblüfften Publikum in sehr zügigem Tempo jeweils sehr weit gediehene Konzepte präsentierten, welche wir hier unmöglich en detail darstellen können; wir verweisen auf die abfotografierten Folien in unserer Galerie.

Loidl will Natur integrieren

Eva Mühlbauer vom Atelier Loidl, das nach dem Gleisdreieck nun auch den „Flaschenhals“ zwischen Yorckstraße und Monumentenbrücke beplanen darf, stellte die Konzepte für Zugänge, Durchwegung und Vegetation vor. Gegenüber Sport und Spiel im Gleisdreieck-Westpark liege der Schwerpunkt beim Flaschenhals-Park auf der Naturerfahrung und einer extensiven Nutzung dieser naturnahen Fläche inmitten der Stadt. − Das Gebiet unterteile sich in Gleisanlagen, Stadtwald und Ruderalflora mit ökologisch besonders wertvollen offenen Bereichen, sei jedoch wenig erschlossen und werde als Müllplatz missbraucht.

Barrierefreie Eingänge sind von York- und Monumentenstraße und einem „Stadtbalkon“ Kreuzbergstraße her vorgesehen, außer den beidseitigen Rampen soll noch eine Treppe von der Monumentenbrücke hinunterführen. − Der schwarz asphaltierte Fernradweg Berlin – Leipzig werde, um wenig Baumfällungen nötig zu machen, auf der Trasse doppelter Gleisanlagen durch den Stadtwald geführt, soll unter der Monumentenbrücke hindurch verlaufen, dann nach einer 180-Grad-Kehre als Rampe auf die Brücke hinaufführen, um die Fernbahn zu überqueren und anschließend auf der westlichen Seite über eine ähnliche Konstruktion mit vier Prozent Gefälle wieder hinunter in die Grünanlage.

Bei den offenen blütenreichen Trockenrasen und Ruderalfloren gelte es, verschattenden Unterwuchs auszulichten; einzelne Baumgruppen und Solitärbäume sollen zur Gliederung der Offenfläche erhalten werden, während der geschlossene Stadtwald nur durchwegt, aber zur Gänze erhalten werden soll.

Erschließung

Eva-Maria Boemans von Thomanek Duquesnoy Boemans, mit der Planung des Nord-Südgrünzugs befasst, betonte die Wichtigkeit der Ost-West-Grünbeziehung zwischen den voneinander noch immer isolierten Bezirksteilen Tempelhof und Schöneberg und stellte die Frage, wie das Areal für Behinderte, Eltern mit Kinderwagen und den Radverkehr optimal zu erschließen sei. Sieben Eingänge soll es geben, für die schon eine detaillierte Objektplanung vorliegt. An Bautzener Straße bzw. Platz wird ebenfalls ein „Stadtbalkon“ geschaffen, und hier sei die Herstellung von Sichtbeziehungen nötig, damit die Eltern von der Straße bzw. den Wohnungen aus ihre Kinder auf den geplanten beiden sportbetonten Spielflächen und dem Kinderspielplatz immer im Auge haben können. Andererseits wolle man aber „den Charakter des Ortes nicht komplett überformen“ und die Ruderalvegetation einbeziehen. Böschungsschnitte lassen jedoch Schlimmes für die Vorwaldvegetation ahnen, und wir wollen die Darstellung der schon sehr ausgefeilten Planungen hier auch mal abbrechen.

Sie fragen − Wir antworten

Auditorium

Das Auditorium

Nach dieser Informations-Breitseite hatte das Auditorium das Wort. Ralf Kühne, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in der BVV Tempelhof-Schöneberg, erkundigte sich zunächst mal, wer hier eigentlich den „Entscheiderhut“ aufhabe. (Frau Boemans sprach von ihrer Auftraggeberin, der Grün Berlin GmbH, als dem „Vertreter des Bezirksamts“.) Drei Jahre hätten Bezirksverordnete und engagierte BürgerInnen vor einer black box gesessen, außerhalb des Wettbewerbs sollte es allenfalls Vorplanungen zum „Flaschenhals“ geben, doch jetzt hätten Atelier Loidl und Grün Berlin hinter verschlossenen Türen schon eine volle Planung realisiert.

Und wir möchten an dieser Stelle fragen, wie nach dem zweifachen Fiasko beider Unternehmen auf dem Gleisdreieck: namentlich der fast restlosen Planierung vergleichbar ökologisch wertvoller Ruderalvegetation auf dem Ostpark und der noch bevorstehenden „Beräumung“ des Westparks für Sport und Spiel einerseits, der Missachtung des erklärten BürgerInnenwillens nach einer naturnahen Parkgestaltung und der Ausmanövrierung seiner VertreterInnen im Zuge der Planungsumsetzung andererseits − wie nach diesen schlimmen, engagierte BürgerInnen regelrecht traumatisierenden Erfahrungen und anerkannte Umwelt- und Naturschutzverbände empörenden Missbrauch vieler Millionen an Kompensationsmitteln sozusagen automatisch, ohne neuerliche Ausschreibung und Vergabeverfahren, die Planung und Realisierung wieder in dieselben − ums vorsichtig auszudrücken − ungeschickten Hände gelegt werden kann?! Und was bitte bedeutet der Teminus „Werkstattgespräche“ (es sollen nun noch „Workshops“ für Feinarbeit folgen), wenn das Aufmaß des Werkstücks vor aller echten BürgerInnenbeteiligung längst feststeht und allenfalls noch feinjustiert werden darf?

Dass es, wie sich Amtsleiter Kroll äußerte, über die Jahre doch zahlreiche Gespräche mit Bürgervertretern „in meinem Büro“ gegeben habe, eine „Steuerungsgruppe“ entscheide und Loidl eben über die Kapazitäten verfüge, sind da doch höchst unbefriedigende Auskünfte. Offenbar entscheidet mal wieder Grün Berlin.

Vehemente Kritik

Podium

Senats- und Bezirksamtsvertreter

Mitglieder des Quartiersrats Schöneberger Norden und der Anwohnerintiative Flaschenhals/Bautzener Straße (AIF) fragten beharrlich, weshalb die Planung an der Großgörschen- bzw. Bautzener Straße 11, wo das eigentliche Sanierungsgebiet beginnt, einfach abbreche und dieser Teil sozusagen abgehängt werde. Und warum der Bezirk nicht die sog. Bautzener Brache zwischen York- und Großgörschenstraße, die im Besitz der Vivico sei und als Bauland verwertet, also überbaut werden soll, überhaupt als solches ausgewiesen habe. Da es ursprünglich planfestgestelltes Bahn- und Außenbereichsgelände gewesen sei, hätte es in seiner Planungshoheit gelegen, es auch so auszuweisen und der Vivico zum entsprechend niedrigeren Grundstückspreis abzukaufen, denn es handele sich, worauf die AIF seit 2007 immer wieder hinweise, um eine für die Entwicklung der Parklandschaft insgesamt sehr bedeutsame Fläche, doch hier habe es offensichtlich einfach am politischen Willen gefehlt. – Baustadtrat Krömer indessen bestand darauf, dass es sich um privates Bauland handele, dessen Eigentümer ein „berechtigtes Verwertungsinteresse“ habe und dass die AIF mit ihrer Ablehnung des Selfstorage-Lagergebäudes eine Option zur Finanzierung z.B. des Projekts „Gebrüder-Grimm-Märchenpark“1 schließlich selber vertan hätte.

Darin konnten die AIF-VertreterInnen nur noch blanken Zynismus sehen, denn dieser hässliche Gebäuderiegel hätte den AnwohnerInnen der Bautzener mal eben den Blick auf den Park verstellt, das (LKW-) Verkehrsaufkommen und damit Lärm und Luftverschmutzung erheblich erhöht und die mühevoll erreichte Aufwertung des ganzen Quartiers wieder entscheidend zurückgeworfen. Und wo bitte hätte der Märchenpark, für den bereits rund 50 Kottbusser Studierenden eine Palette von 19 Entwürfen vorgelegt haben, denn nun entstehen sollen?! – Alles weitere Nachfragen zur Bautzener wurde jedoch als Ausdruck von Partikularinteressen abgewürgt, aber auch Fragen nach dem Cherusker Park, der nach seiner „Anbindung“ mit Asphaltwegen aussehe wie ein „Parkplatz mit Bäumen“ oder nach der Kompensation der Fällung großkroniger Bäume durch Pflanzung kleinkroniger, wurden mit Ausflüchten beantwortet.

Wie viele Fällungen?

Nicht zuletzt kamen Fragen nach der Baum- und Vegetationsbilanz, also wie viel davon denn nun tatsächlich Radwegen, Stadtbalkonen, der Auslichtung und Herstellung von Sichtbeziehungen, der Böschungsgestaltung etc. geopfert werden soll: „Wie viele einzelne Baumgruppen werden denn nicht erhalten?“ − Doch obwohl längst auf der Ebene der Objektplanung angelangt, fanden es die Planerinnen im jetzigen Stadium verfrüht, hierüber auch nur ungefähre Angaben zu machen.

Auch die Frage, warum denn der Fernradweg Berlin-Leipzig nicht gleich, also bereits auf dem Gleisdreieck-Park, westlich geführt worden sei, so dass die Querung des Stadtwalds und das umständliche Auf- und Ab an der Monumentenbrücke entfallen wäre und warum er sich nicht dem geschwungenen Gleisverlauf anschmiege, sondern auf Kosten des Baumbestands eckige Kurven beschreibe, wurden, wenn überhaupt, absolut unzureichend beantwortet à la da der Teltow-Hochrücken hier ins Spreetal übergehe, würden die Rampen den Geländesprung erlebbar machen (Kroll). Im Übrigen solle der „Flaschenhals“ ja gerade nicht die Erholungsnutzung „aufnehmen“, sondern dem Naturerleben dienen; gleichwohl könne man den Aspekt, dass Joggen auf Asphalt als wenig attraktiv beurteilt werde, ja ohne größere Änderungen sicher noch berücksichtigen. − Ein Vertreter des ADFC, der vorwiegend den Fahrrad-Fernverkehr berücksichtigt sieht, zu wenig aber den Alltagsverkehr, zögerte übrigens nicht, noch mehr Eingänge und Rampen zu fordern…

Wann wird endlich die Einsicht Platz greifen, dass durch alles Erschließen, Aufbrechen, Verbinden und Vernetzen das, was sich da im Geschützten, Verborgenen und nur von Wenigen gestört entwickeln konnte und nun für die Massen „erlebbar“ gemacht werden soll, im Nu verschwunden sein wird? Die Analogie zur Tourismusindustrie und ihrer Vermarktung des „Unberührten“ drängt sich auf.

Böschungsauslichtung an der Bautzener Straße 2008

Böschungsauslichtung an der Bautzener Straße 2008

Rückstand in Sachen Bürgerbeteiligung

Abschließend ist festzuhalten, dass diese „Werkstatt“ oder „Bürgerversammlung“ − ob nun absichtlich oder nicht − ausnehmend dilettantisch organisiert war: noch nicht einmal eine TeilnehmerInnen-Liste lag aus, worin sich die E-Mail-Adresse zwecks Zusendung weiterer Infos hätte eintragen lassen. Der Einsatz der neuen Medien beschränkte sich auf die Veröffentlichung der Einladung auf der Bezirksamts-Website. „Werkstattgespräche“ sollten ergebnisoffen geführt und ihr Verlauf muss dokumentiert werden! Die Kriterien, wonach die „Steuerungsgruppe“ Vorschläge und Kritik der BürgerInnen aufnimmt oder verwirft, müssen transparent und nachvollziehbar sein! Und bei zweieinhalb Stunden Dauer konnte es auch wenig verwundern, dass Punkt 5 der Tagesordnung „Diskussion des weiteren Vorgehens zum Werkstattverfahren“ sang- und klanglos hinten runterfiel.

Den Vorschlag, das Protokoll dieser Veranstaltung sowie die Planunterlagen online zugänglich zu machen, will Baustadtrat Krömer auch gerne erwägen. Wir befürchten allerdings, es wurde am 22.4. offiziell gar nichts protokolliert. Und der im persönlichen Gespräch geäußerte Vorschlag, ein interaktives Modul einzurichten, sodass auch Menschen, die am realen Besuch solcher Veranstaltungen verhindert sind, virtuell ihre Wünsche und Interessen, Ergänzungen und Kritik ins Beteiligungsverfahren einspeisen können, wurde mit verdrehten Augen quittiert, so als seien für solchen Tinnef nun wirklich keine personellen Kapazitäten vorhanden.

[Siehe auch Gleisdreieck-Blog]

Noch ein aktueller Termin:
Montag, 26.4., 17 Uhr tagt der Umweltausschuss der BVV Tempelhof-Schöneberg, Raum 2113 im Rathaus Schöneberg −, und wer zu unserem Bericht über den Werkstatt-Auftakt Ergänzungen hat, Korrekturen oder Kritik: das Kommentarfeld steht weit offen!

[Update vom 24.6.: Das offizielle Protokoll wurde am 15.6. er- bzw. online gestellt.]

Die Präsentationen


1 Die Grabstätte der Gebrüder Grimm befindet sich auf dem dortigen St. Matthäus Kirchhof

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Krisensitzung zum Spandauer Schifffahrskanal

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Torsi

Torsi

Es war dringlich und das Mediationsteam um Beate Voskamp und Stefan Kessen machte es möglich: Am vergangenen Montag (19.4.) kam es innerhalb des Mediationsverfahrens zum Landwehrkanal, noch relativ zeitnah zu den großflächigen Uferbiotopzerstörungen an der benachbarten Bundeswasserstraße, dem Berlin-Spandauer Schifffahrts- bzw. Hohenzollernkanal, zu einer Sondersitzung, und trotz der notorisch schwierigen Terminabstimmung nahmen nicht nur WSA-Leiter Scholz, die zuständige Sachbereichsleiterin Riemer und Vertreter der auch hier wieder betroffenen Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte teil, dazu als Fachleute der BUND-Gewässerexperte, Manfred Krauß, und der Baumsachverständige, Dr. Barsig, sondern auch der erst am gleichen Tag noch eingeladene Reinhard Schubert, bei SenStadt zuständig für Artenschutz und Artenhilfsprogramme, machte sein Kommen möglich. Sechs Personen vertraten die Bürgerinteressen, und die Leiterin der AG LWK, Dr. Ernst, nebst Pressesprecherin Bodenmeier verfolgten die fünfstündigen Verhandlungen als Gäste.

[Update 27.04.: Fotoprotokoll des Mediationsteams über die Vereinbarungen zum künftigen Vorgehen.]

Wenn auch, wie Kessen betonte, formal der BSK nicht Gegenstand des Mediationsverfahrens ist, so muss es, wie die BürgervertreterInnen sogleich in Erinnerung riefen, inhaltlich doch auch immer um ökologische Gewässerunterhaltung und ufernahe Baum- und Vegetationspflege des WSA Berlin als solche gehen − und nicht zuletzt um das Verhältnis zwischen Verwaltung und BürgerInnen.

Das aber hat infolge des fortgesetzten brachialen Agierens des WSA-Abz Spandau mal wieder arg gelitten. Vor allem die doch sehr merkwürdige Art und Weise, wie der Amtsleiter offenbar immer erst post festum, wenn die Bäume längst gefällt oder gekappt, Strauchwerk und Aufwuchs akribisch gerodet waren, davon erfuhr oder als − nach unseren scharfen Protesten gegen den abschnittsweisen Kahlschlag zwischen Kieler und Föhrer Brücke − von weiteren beabsichtigten Maßnahmen des Abz unterrichtet, die Informationen an die BürgerInnen einfach nicht weitergab resp. sie mit notwendigerweise misszuverstehenden abspeisen ließ, wonach die Baumarbeiten gestoppt und auf den nächsten Winter verschoben seien −, dieses intransparente Lavieren hat das Vertrauen der BürgerInnen erneut empfindlich gestört und ungeachtet einiger beispielhaft baumschonender Wasserbaumaßnahmen am LWK (Tempelhofer Ufer) oder der beachtlichen Fortschritte in fachgerechter Gehölzpflege in der Zuständigkeit des Abz Neukölln die Erfolge des „lernenden Systems“ zur Unzeit relativiert. Wieder sind starke Zweifel aufgekommen, ob das behauptete Umdenken der Behörde, ihr Eintritt in eine neue Ära der Transparenz, Umweltverträglichkeit und Bürgernähe tatsächlich schon stattgefunden habe. Manche unter den BürgerInnen fühlen sich auch nach dieser Sitzung persönlich verletzt und beleidigt.

Was sollen wir auch denken, wenn wir hören, dass der Chef zurzeit unserer ersten Intervention nur Kenntnis eines einzigen „Loses“ hatte, es aber noch drei weitere gab, also unter Amtshilfe oder doch eher Regie der BIMA (vorm. Bundesforsten) zur Bearbeitung an Baumpflegefirmen vergebene Uferabschnitte über die Schleuse Plötzensee hinaus, und zwar von beidseitig insgesamt zehn Kilometern Länge!? Dass auch die Sachbereichsleiterin nichts davon gewusst hat, obwohl das Benehmen mit den vier betroffenen bezirklichen Grünflächenämtern darüber bereits im Oktober 09 ordnungsgemäß hergestellt worden sei; und dass die Leitungsebene angesichts der öffentlichen Entrüstung von Abz-Leiter Spandau, Matthias Moneke, endlich in Kenntnis gesetzt, offenbar die Eigendynamik der einmal in Bewegung geratenen Maschinerie von Verwaltungsabläufen nicht mehr zu stoppen vermag.

Neben BaL-VertreterInnen hatten auch das QM Sparrplatz in Moabit im Wedding und der Betroffenenrat Lehrter Straße im Wedding in Moabit gegen die Fällung von Baum- und Vegetationsbestand protestiert, der ursprünglich als Ausgleichsmaßnahme gepflanzt worden war und sich noch dazu in Bezirkszuständigkeit befand. Am Tag der Krisensitzung, so Scholz, habe er die Mail des Betroffenenrats vom 1. März beantwortet, also nach sieben Wochen. − So räunte der Amtsleiter mal wieder „informatorische Lücken“ ein, dass vieles verbesserungsbedürftig und was an Bausteinen am LWK erarbeitet und über die Partizipation gelernt wurde, diesmal am BSK „übersprungen“ worden sei.

Der Bezirksvertreter von Charlottenburg-Wilmersdorf stellte zunächst klar, dass nicht etwa gemeinsam mit dem WSA eine Baumpflege-Maßnahmenliste erarbeitet, sondern von Bundesforsten eine Tabelle vorgelegt werde, die bei einer gemeinsamen Begehung vor Ort überprüft werde. 140 Bäume seien dabei im Herbst in Augenschein genommen worden. Gegen die 16 Fällungen habe man keine Einwände gehabt, doch von Strauchrodungen sei überhaupt keine Rede gewesen!

Hierzu wurde übereinstimmend berichtet, dass es viele Tage gedauert habe, bis alles sich am Ufer auftürmende Schnittgut abtransportiert worden sei. Die Anzahl der Schuten, so Sachbereichsleiterin Riemer, lasse sich jedoch nicht mehr ermitteln. Scholz wiederum lag ein zehnseitiges Papier vor, worin der in Antwort auf die Stellungnahme des BUND seinerseits zur Positionierung aufgeforderte Abz-Leiter Moneke, der sich im verwaltungstechnischen Sinne unheimlich Mühe gebe, korrekt zu arbeiten, sehr detailliert die aus seiner Sicht unumgängliche abschnittsweise Rodung der Ufervegetation begründet habe: Die Biber sollen nur an den dafür vorgesehenen Uferbereichen fressen, heißt es u.a. darin, und Manfred Krauß versprach, es ihnen auszurichten…

Auf Anfrage einer Bürgervertreterin teilte Frau Riemer mit, dass über die BIMA die Fällung von insgesamt 270 Bäumen beauftragt und vom WSA bislang für 109 Bäume bezahlt worden sei. Insgesamt belaufe sich das Auftragsvolumen für die Unterhaltungsmaßnahmen entlang des BSK auf 250.000 Euro! [Wäre naturschutzfachlich und baumpflegerisch korrekt gearbeitet worden, hätten ca.15 Prozent dieser Summe mit Sicherheit ausgereicht. Wir schlagen deshalb vor, dem Abz Spandau in der lfd. Haushaltperiode allenfalls noch 5000 Euro für Böschungsunterhaltung zu bewilligen: das käme einer naturnahen Pflege der Kanalufer und damit menschlichen wie nichtmenschlichen AnwohnerInnen zugute!]

Fakt sei jedenfalls, so fuhr der NGA-Mitarbeiter fort, dass die WSA-Leute die Bäume nicht lieben und man zudem im Abz Spandau ständig mit neuen Kräften konfrontiert sei, die man immer erst wieder neu an die Natur heranführen müsse, damit auch wirklich nur das gemacht werde, was notwendig sei.

Dass es zumal bei Fällungen auf Grund mangelnder Verkehrssicherheit nicht etwa nur die Baumschau nach der VTA den Ausschlag geben darf, sondern dort, wo die Gefahr im Verzug nicht evident ist, die Notwendigkeit finaler Maßnahmen immer durch weitere Diagnoseverfahren erhärtet werden muss, für deren Einsatz die WSA-Baumprüfer wiederum nicht geschult sind, weshalb die Hinzuziehung externen Sachverstands vorgeschrieben ist, steht zwar in den Leitlinien, aber ist in der Behörde offenbar weitgehend unbekannt. Deswegen meinte Michael Scholz am 16.2. mit den „selbstverständlich“ vorliegenden und lediglich noch nachzureichenden Dokumenten auch nicht etwa externe Gutachten − die gibt es nicht −, sondern die Protokolle der Benehmensherstellung. [Nach diesen Dokumenten erkundigten wir uns übrigens noch mal in der 21. Forumssitzung am 22.2., doch liegen sie uns bis heute nicht vor.]

Kahlschlag

Kahlschlag

Angesichts dieser eher mühsam und unbefriedigend verlaufenden Aufklärungsversuche, was wann wo warum veranlasst und wem bekannt wurde, womit ohnehin das Kind nicht mehr aus dem Brunnen gezogen werden kann, wurde BUND-Vertreter Krauß grundsätzlich und mahnte seinerseits ein völliges Umdenken an: Selten habe er derart massive Eingriffe in natürlichen Uferbestand gesehen; so könne es einfach nicht weitergehen! Bei der Gewässerunterhaltung müsse endlich zu einem ganz anderen Umgang mit den Uferböschungen gefunden werden, der ein strukturiert mit Bäumen, Büschen und Unterwuchs bestandendes Uferbiotop als schützenswerten Lebensraum einer Vielzahl von Tierarten begreift − von Rote-Liste-Arten wie Biber und Fischotter über Sumpf- und Teichrohrsänger bis zu den dort brütenden Nachtigallen −, und nicht alle Jahre wieder wie ein Wohnzimmer aufräumen will.

„Die Berliner Oberste Naturschutzbehörde hat im Jahr 2007/2008 den zuständigen Landes- und Bundesbehörden, also auch dem WSA Berlin, ein Artenhilfsprogramm für Biber und Fischotter vorgestellt, in dem die Lebensbedingungen des Bibers an den innerstädtischen Kanälen detailliert beschrieben werden. Diese Empfehlungen wurden hier eindeutig nicht beachtet“, heißt es in seiner Stellungnahme für den BUND, und weiter: „Das WSA will offensichtlich an allen Wasserstraßen ein anderes Ufer- und Landschaftsbild als bisher. Es besteht aus einer weitestgehend kahlen Böschung, die oben von wenigen und nicht zu großen Einzelbäumen bestanden ist. Dies bestätigen auch die Eingriffe an anderen Gewässerabschnitten wie z.B. an der Havel im Bereich der Tiefwerder Wiesen oder am Berliner Abschnitt des Oder-Spree-Kanals. Die Kanalufer in ihrer Funktion als Lebensraum und Biotopverbindungselement werden dadurch zusehends entwertet.“ Am genannten Oder-Spree-Kanals bspw. sei solches Aufräumen auch schon mitten im Sommer erfolgt, was nach Berliner Naturschutzgesetz einen Straftatbestand erfülle. (Und der Baumsachverständige Dr. Barsig erinnerte an den Vortrag von Dr. Wolter vom IGB im AK Naturhaushalt und Landschaftsbild am 4.11.09, welcher die Wichtigkeit überhängender Vegetation für phytophile Fischarten wie den Hecht hervorgehoben hatte. Solche fachliche Inputs hinterließen in der Behörde einfach zu wenig Spuren.)

Seit 10, 15 Jahren gebe es eine für die WSV bindende ökologische ausgerichtete Erlasslage: allmählich werde es Zeit, sie auch zu implementieren. Wenn dies innerhalb des WSA oder der WSD nicht möglich sei, müsse das BMVBS
eingreifen. − An dieser Stelle verwies Frau Riemer auf den aktuell erstellten „Unterhaltungsplan Spree“, in den die Öko-Erlasse doch einflössen, doch was nützen die besten Planwerke, wurde ihr entgegnet, wenn Bauingenieure nicht motiviert werden können, sie auch umsetzen.

Den Einkauf externen Sachverstands hielt der Vertreter des NGA Mitte für wenig zielführend: Man brauche keine Baumbiologen, sondern alles hänge vom Engagement der Baumkontrolleure und -pfleger vor Ort ab! Man müsse bei den Menschen ansetzen, und hier helfe nur schulen und immer wieder schulen mit praktischer Anleitung, denn die Angst, für Unterlassungen, zu geringe Eingriffe und anschließende Schäden haftbar gemacht zu werden, sei bei den Mitarbeitern übergroß.

Auch sei es, so wandten Bezirksvertretern wie der Baumsachverständige ein, überhaupt fraglich, ob im urbanen Bereich mit seinen ganz spezifischen stadtökologischen Bedingungen Bundesforsten bzw. die BIMA sachgerechte Amtshilfe leisten könne, denn der hier dominierende Blick des Försters auf den Wald, der etwa einen Gehölzumbau unter Entfernung „fremdländischer“ [!] Neophyten und abgestorbener, aber als Habitat für eine Vielfalt von Arten in ihrem ökologischen Wert kaum zu übeschätzender „Biotopbäume“ bzw. Hochstubben fordere, sei gerade im Stadtgebiet völlig verfehlt.

Der Vertreter des Artenschutzes und Artenhilfsprogramme bei der Obersten Naturschutzbehörde (ONB), Reinhard Schubert, der sich in einer persönlichen Vorbemerkung zunächst einer Kritik des Performativen widmete, indem er, bei eingestandener Unkenntnis von Vorgeschichte und Kontext, die Redeweise von „Umerziehung, Sanktionen und personellen Konsequenzen“ geißelte (Letztgenanntes sei allein Sache des Amtsleiters), sah sein Haus durch die in Rede stehende Problematik ungerechtfertigter Fällungen und Kappungen am BSK nur mittelbar betroffen und lediglich unter komplexer, ganzheitlicher Perspektive, also was die Biotopzerstörung betreffe, direkt involviert. Vielen berechtigten Interessen auf verschiedenen Rechtsebenen gelte es, Rechnung zu tragen. Die BfG habe das Instrumentarium in Form von Leitlinien und Unterhaltungsplänen bereitzustellen, woraufhin die landesseitige Gestaltung der Biotopverbundsysteme unter frühzeitiger Einbindung und in Berücksichtigung der unterschiedlichen Interessen abgeklärt werden müsse. Konkreter könne sich Schubert jedoch erst äußern, wenn er die Unterlagen gesichtet habe, doch sei das Kind ja ohnehin schon in den Brunnen gefallen.

Wir haben uns bekanntlich am LWK fast drei Jahre lang bemüht, SenStadt als ONB für das Potential dieser innerstädtischen Wasserstraße und ihre Aufwertung als Ausbreitungs- und Wanderkorridor im Rahmen der Biotopvernetzung zu interessieren und zu ermuntern versucht, die Sanierung im Rahmen dieses interdisziplinären und interinstitutionellen Mediationsverfahrens unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft zu nutzen, um gemeinsam eine die Verwaltungsebenen von Bund, Land und Bezirken übergreifende integrierte Planung eines modellhaften stadtökologischen Projekts auf den Weg zu bringen, doch SenStadt blieb bis dato jeder Aktivität in dieser Richtung abhold. – Wenn nun aber die ONB selbst dort, wo, wenn auch nur ganz indirekt und „mittelbar“ in ihrem Zuständigkeitsbereich, weil Baum und Busch Bezirkssache sind, jedoch die Habitate von FFH-Leitarten durch bundesbehördliches Handeln zuschanden gemacht werden, derart zögerlich, übervorsichtig und verklausuliert reagiert und abermals jede Aktivität, jeden Anschein von Entschiedenheit vermissen lässt, wundert uns natürlich gar nichts mehr. Ohne engagierte BürgerInnen und das durch ihren Protest veranlasste Mediationsverfahren hätte sie von den Vorgängen am BSK womöglich gar nichts mitbekommen.

Da sich das Unrechtsbewusstsein auf Seiten des WSA in sehr engen Grenzen hielt − Scholz: „Ich habe ein blütenreines Gewissen!“ − sollten nach der Halbzeit dieser Krisensitzung gemeinsam Lösungsmöglichkeiten ausgelotet werden, und zwar auf mehreren Ebenen und in mehreren Stufen:

Zunächst sprach sich der WSA-Chef für eine transparente Bilanzierung, Monetarisierung und konkrete Kompensierung aus. In Anlehnung an Dr. Barsigs Validierung der Maßnahmen innerhalb des ersten Loses (von Kieler bis Föhrer Brücke), die 75 Prozent für ungerechtfertigt, überflüssig und fachlich unzureichend erklärt hatte, sollten die entstandenen Schäden nach der Koch’schen Methode exemplarisch ermittelt, überschlägig hochgerechnet und dann unter Einbeziehung der Bezirke, von Fachleuten und Verbänden konkrete Kompensationsmaßnahmen geplant und umgesetzt werden. Von einer genauen Validierung, die selber wertvolle Mittel verschlinge, sei indessen abzuraten, denn sie könne unter Einbeziehung des erweiterten ökologischen Schadens leicht in die Millionen gehen.

Um also künftig solche Desaster zu vermeiden, sollte frühzeitig über Vorhaben (auch im Web, jedoch unter Berücksichtigung vergaberechtlicher Einschränkungen) informiert und auf diese Weise die Benehmensherstellung als Informations- und Vorstellungstermin genutzt werden. − Anschließend sollte mit den verschiedenen Gruppen, zunächst natürlich den VertreterInnen der bezirklichen Grünflächenämter, aber auch der BürgerInnen, der Naturschutzverbände und der ONB ein Dialog über die geplanten Maßnahmen geführt werden.

Manfred Krauß forderte das WSA auf, vorab generell zu akzeptieren, dass die Uferböschungen der Bundeswasserstraßen vegetationsbestanden sind, ausgenommen dort, wo es den Schiffsverkehr definitiv behindert. Es gehe um Akzeptanz des „Gesamtkunstwerks“ einer strukturiert gehölz- und strauchbestandenen Böschung“. Eingriffe seien durchaus nötig und zulässig, bspw. das Auf-den-Stock-Setzen von Weiden unproblematisch, dürften jedoch jeweils nur kleinräumig erfolgen. − Hier räumte Scholz ein, dass anders als bei natürlichen Wasserläufen an Kanälen bislang Strauchwerk aus Gründen der Inspizierbarkeit der Fußsicherung tatsächlich immer noch entfernt werde, konzedierte jedoch, dass dies flächendeckend geändert und „Verstrauchung“ zugelassen werden müsse.

Um die fachliche Qualität der Leistungsbeschreibung bei der Auftragsvergabe sicherzustellen, regte eine Bürgervertreterin die personelle Aufstockung der Behörde etwa durch Baumbiologen an, doch liegt dies einerseits außerhalb der Wirkungsmöglichkeit des Amtsleiters und andererseits ist er sich sicher, hierfür keine zusätzliche Stelle bewilligt zu bekommen. Im Gegenteil treibe der Personalmangel solche Blüten, dass versierte Baumkletterer des WSA inzwischen als Schleusenwärter arbeiten müssten. Der Personalabbau aber sei bekanntlich politisch gewollt, und daran könne auch ein WSD-Chef Menzel in Magdeburg nichts ändern. – Gleichwohl wurde ein Brief ans BMVBS vorgeschlagen, die ambitionierten ökologischen Erlasse mit Blick auf ihre Anwendung personell zu unterfüttern.

Auch der NGA-Vertreter aus Mitte sah, wie gesagt, die Erhöhung fachlicher Kompetenz auf diesem Weg letztlich nicht zielführend. Alles komme auf das Engagement der Baumpfleger vor Ort und deren regelmäßiges Coaching an. Dann würde bspw. ausgeschlossen, dass die Kronen jener fünf Platanen am Nordhafen, die er seit zwanzig Jahren kenne und die weder an Massaria noch sonst wie erkrankt waren, ohne Sinn und Verstand zusammengeschnitten, von innen her ausgeräumt und bleibend geschädigt worden seien. − Vor allem aber dürften die Mitarbeiter nicht das Gefühl bekommen, nunmehr kontrolliert und überwacht zu werden: das brächte überhaupt nichts.

Der Vorschlag regelmäßiger Gesprächsrunden von Abz-Baumkontrolleure und den UNB unter Hinzuziehung von Fachleuten und Verbändevertretern sowie der Vorstellung von Best-Practice-Beispielen fand große Zustimmung. Fachreferenten könne z. B. die BfG stellen, was wenig koste und viel bewirke. Ansonsten könne die BfG laut Scholz aber nur exemplarisch unterstützen und davon ausgehend zu analogem Vorgehen ermuntern, denn diese Fachbehörde verfüge ja selbst nur über ca. dreihundert MitarbeiterInnen

Von konkreten Kompensationsmaßnahmen noch in dieser Pflanzperiode, etwa Pflanzung von Container-Weiden am Nordufer, wo die A&E-Weiden gerodet wurden, sei angesichts der fortgeschrittenen Zeit und bald zu erwartendem Hitzestress abzuraten. Ferner gab es den Vorschlag der Anlage einer Flachwasserzone mit Pflanzung von Röhricht an einer von Schiffs- und Bootsverkehr geschützten Stelle nahe dem Saatwinkler Steg in Spandau.

Zweckmäßiger sei es, zeitig im Herbst auf, unter Beteiligung der Bezirke auszuwählenden Flächen sozusagen strukturierte Modellpflanzungen zur Unterstützung der Fauna anzulegen.

In Übereinstimmung mit Manfred Krauß schlug Reinhard Schubert von der ONB vor, an einem noch intakten Uferbereich gewissermaßen den Zustand zu beschreiben, der in einem bestimmten Zeitraum hergestellt werden soll, also die Zielvorstellung zu exemplifizieren, ein Leitbild naturnaher Uferbiotop-Gestaltung, woran sich sowohl die Kompensationsmaßnahmen als auch die künftige Pflege ausrichten sollte. Hier schlug Krauß die Tiefwerder Wiesen an der Havel vor.

Für [am besten Anfang] Juni wurde ein Treffen von Amtsleiter Scholz, drei bis vier Abz-Mitarbeitern, dazu Dr. Barsig, Manfred Krauß sowie eines Bürgervertreters und Frau Dr. Ernst als Lernende an einer noch auszuwählenden bearbeiteten Stelle am BSK verabredet, um sich im gemeinsamen Austausch darüber zu vergewissern, was getan [angerichtet] wurde, wie es kompensiert und wie ähnliches künftig vermieden werden könne.

Mit temperierter Hoffnung − sichtlicher Erleichterung auf Seiten des Amts und viel Skepsis bei den BürgervertreterInnen − gingen die Beteiligten an dieser fünfstündigen Krisensitzung auseinander.

Schnittgut

Schnittgut

Gleisdreieck: Führung übers Westpark-Gelände

Bürger kompensieren organisatorisches Desaster

Treff

Treff Kurfürsten-/ Dennewitzstraße

Ein Schwung von 2.500 Einladungsflyer in Holz war an die Haushalte der Umgebung verteilt, auf einschlägigen Seiten im Web wiederholt drauf hingewiesen worden, schon zur Auftaktveranstaltung im November der Festsaal der Elisabeth-Klinik übergequollen und nun noch strahlender Frühlingssonnenschein: So kamen denn auch über 250 Interessierte (manche schätzen noch deutlich mehr), um an der Führung übers Gelände des ehemaligen Potsdamer Güterbahnhofs teilzunehmen, wo die senatseigene Grün Berlin GmbH nach dem Sieger-Entwurf des Atelier Loidl den Westteil des „Parks auf dem Gleisdreieck“ errichten will.

Da sich bei jener ersten Bürgerversammlung zahlreiche Konfliktpunkte zwischen den Vorstellungen der Planer und jenen der zukünftigen NutzerInnen vernehmlich zeigten und sich bspw. wettkampfgerechter oder wenigstens informeller Fußball mit dem Fortbestand der interkulturellen Kleingartenkolonie POG einerseits, der Parkplanung andererseits als unvereinbar erwies [siehe auch hier], hatten Mitglieder des Quartiersrat Schöneberger Norden und der AG Gleisdreieck vorgeschlagen, die Loidl-Planung per Flatterband und anderer Markierungen zu visualisieren, damit sich die vielen Interessierten während einer Führung vor Ort selber einen Eindruck verschaffen sollten.

Verständigungsprobleme

Ausnahmsweise hatte sich Grün Berlin mal eine Idee der BürgervertreterInnen zueigen gemacht, allerdings deren Vorschlag, schon angesichts der zu erwartenden TeilnehmerInnenzahl die Menge aufzuteilen und kooperativ in Gruppen zu führen, brüsk zurückgewiesen: das schaffe man schon alleine. Als sich nun die Hundertschaften um Grün-Berlin-Vertreterin Regina Krokowski drängten und sie nicht einmal, wie ausdrücklich angeraten, ein Megaphon mitgebracht hatte und die Menschen in den hinteren Reihen fragten, wonach man denn hier anstehe, hieß es jedoch, mit so einem Ansturm habe ja niemand rechnen können. Ein Glück für Frau Krokowski, dass wenigstens Felix Schwarz von Loidl sie unterstützte (die ebenfalls gekommene Senatsvertreterin Ursula Renker sagte kaum ein Wort, derweil Loidl-Planer Joosten mit Basecap und Fliegerbrille den die Planung verteidigenden Bürger gab − seine Stunde kam aber in der Diskussionsrunde im Anschluss an die Begehung!) −, doch wenn droben die Hochbahn der U1 vorüberbretterte, drang auch Schwarzens Stimme kaum mehr durch. Da unter diesen Umständen alles „Lauter! Lauter!“-Rufen nichts fruchten konnte, schrumpfte die Menge schon in der ersten Stunde um mehr als die Hälfte.

Bescheidene Visualisierung

Westparkplanung kommentiert

Westparkplanung kommentiert (zum Vergrößern anklicken)

Die „Visualisierung“, die eine halbe Stunde vor Beginn der Begehung noch hastig durch eine einzige Flatterleine zur Kennzeichnung der asphaltierten Multifunktionsfläche vervollständigt wurde, ansonsten aber nur aus in den Boden gesteckten farbigen Pflöcken bestand, erschloss sich nur den mit der Materie schon sehr Vertrauten. Wenigstens verteilte ein Mitglied von Quartiersrat Schöneberger Norden und AGG eine Planskizze, in der sorgfältig und übersichtlich alle Konfliktpunkte eingezeichnet waren. Sie fand ebenso reißenden Absatz wie die Kopien der BUND-Pressemitteilung zur millionenschweren Zweckentfremdung von Ausgleichsmitteln, die es via dpa sogar in die BZ geschafft hatte. Anhand einer Fotodokumentation zum aktuellen Stand auf dem Ostpark konnte Interessierten das dortige Desaster plastisch vor Augen geführt werden.

Frau Krokowski pries zunächst das „Pilotprojekt Garten im Garten“, die Integration der Kleingartenkolonie POG in den Park, also von privater in öffentliche Fläche, als sei solches deutschlandweit einzigartig. Man erwartet dafür eine Öffnung der Gärten für die ParknutzerInnen und Entwicklung zu einem Ort, „an dem unter der sozialen Obhut der ansässigen Kleingärtner schöpferische und gärtnerische Tätigkeiten für alle Interessierten möglich werden“. − Dass Kleingärten auch ökologisch von weit höherem Wert sind als die geplante große Rasen-Weite mit „einzigartigem Blick“ auf den Potsdamer Platz, wovon Felix Schwarz so zu schwärmen weiß, interessiert die Planer naturgemäß weniger, sonst würde z. B. ihr geplanter westlicher Sechs-Meter-Asphaltweg mit einer „langsamen und einer schnellen Spur“ und seiner sich an der Luftbild-Ästhetik orientierenden Verschwenkung nicht auf Kosten wertvollen Baumbestands mitten durch die Kolonie führen. Und die Menschen, so gaben AnwohnerInnen gleich zu bedenken, werden weiterhin den kürzeren Weg nehmen, der dann halt über den Rasen führt.

Die nördlich der U1 sich erstreckende Wiese wird − nicht nur durch Umwandlung in strapazierfähigen Rasen − einen völlig anderen Charakter annehmen, denn fast mitten durch verläuft die Grenze zu den westlich liegenden Vivico-Baufeldern, die bei einer zulässigen GFZ von 3,5 zweiundzwanzig Meter hoch bebaut werden dürfen: ab dem frühen Nachmittag läge der schmale Zipfel auch noch im Schatten.

Planung und Streitpunkte unverändert

Plakate

Plakate

Ob die geplante multifunktionale 6000m2 -Fläche unter der Hochbahn − dort, wo sich die Wege zahlreich kreuzen sollen − asphaltiert werden muss (und sei’s auch in Grün), um Freizeitaktivitäten der Jugend dienen zu können, wurde vielfach bezweifelt; die Idee eines Freiluftkinos auf der nebenan geplanten Eventfläche erregte angesichts des Hochbahnlärms, der alle zwei Minuten kaum das eigene Wort verstehen ließ, allgemeine Heiterkeit; und dass der Errichtung von Holzterrassen als Sitzstufen für ein Strandcafé samt Aufschüttung von Sand eine komplette Baumreihe geopfert werden soll, stieß mindestens auf Unverständnis, zumeist aber entschiedene Ablehnung. VertreterInnen der AGG hatten Birken, Weiden und Holunder mit Schildern drapiert, worauf der vielfältige ökologische Wert eines Baums in Zahlen verdeutlicht wurde, und Plakate und Transparente angebracht mit Slogans wie „Artenvielfalt statt Asphalt!“ und „Stoppt die rot-rote Naturvernichtung!“

Baumdaten

Ökologische Quantifizierung

Fragen kamen nach der Art der Zuwegung von der tiefer liegenden Flottwellstraße, den aus Gründen der Barrierefreiheit erforderlichen Rampen, nach der Abgrenzung der Rasenfläche von den Baufeldern, der Verbindung von Ost- und Westpark via Generalszug (suboptimal, da die ursprünglich geplante Brücke zu teuer), dem Datum der Fertigstellung (Ost voraussichtlich 2011, West 2013) und vielem mehr, und trotz der schlechten Akustik wollten immer wieder Debatten aufflammen, doch Regina Krokowski − „Ich will hier nur informieren!“ − verwies genauso oft auf die anschließende Diskussionsveranstaltung im POG-Vereinshaus.

BürgerInnen improvisieren Runden Tisch

Plakat

Plakat

Dort erwiesen sich alle Befürchtungen, die Anzahl der BesucherInnen nicht bewältigen zu können, als unbegründet, denn kaum fünfzig Personen waren noch übrig. Die KleingärtnerInnen aber hatten sich alle erdenkliche Mühe gegeben, die Gäste mit Würstchen, Kaffee und Kuchen gebührend zu empfangen und von dieser Seite aus war es ein rundum gelungener Einstand ins soziale Sich-Öffnen für die ParkbesucherInnen.

Als jedoch in der am runden Tisch unter knallblauem Frühlingshimmel streng mit Rednerliste und Redezeit-Begrenzung geführten Diskussion BürgerInnen ihrem Unmut darüber Luft zu machen begannen, dass trotz all ihrer schon im November geäußerten Kritikpunkte die Planung ein halbes Jahr lang um kein Jota verändert worden sei, sich daran nur wieder mal die Unzulänglichkeit der Bürgerbeteiligung zeige und von der Tragödie im Ostpark klagten, wurde es Frau Krokowski sogleich zu viel: sie habe genug von diesen ständigen undankbaren Behauptungen der Naturvernichtung und mangelnden Beteiligung! 43mal habe die PAG getagt, an so vielen Stellen − vom Erhalt von Vegetationsinseln bis zum Naturerfahrungsraum − sei man Bürgerwünschen entgegengekommen, doch nichts werde anerkannt, und sie könne diese Tribunalstimmung nicht länger ertragen, sprach’s und verabschiedete sich nach allenfalls zwanzig Minuten Diskussion ins Privatleben. Vorher hatte sie allerdings die unterbliebene Veränderung der Planung damit begründet, dass diese Veranstaltung abgewartet werden sollte, damit auch die Schöneberger bessere Gelegenheit hätten, sich stärker einzubringen. Will sagen, die Veranstaltung im Elisabeth-Krankenhaus und diese Begehung wurden als gleichrangig beurteilt.

Verantwortliche scheuen Diskussion

Diskussionsrunde am POG-Vereinshaus

Diskussionsrunde vorm POG-Vereinshaus

Dann aber wiegen die schlechte Organisation, die eine höhere Beteiligung einmal mehr verhinderte, und das Verweigern der eigentlichen Diskussion umso schwerer, von der mangelnden Dokumentation der wieder zahlreich geäußerten Vorschläge, Wünsche und Kritikpunkte der BürgerInnen ganz abgesehen. − Frau Renker war erst gar nicht zum Vereinshaus mitgekommen, ebenso wenig Felix Schwarz, der wohl sein Teil getan glaubte, und dass Frau Krokowski nicht die Galionsfigur der Senatsposition geben mochte, ist persönlich sicher nur allzu verständlich. Ihr unerschrockener Einsatz verdient jedenfalls Respekt.

Als einziger harrte Bernd Joosten aus, dessen demonstrativ zur Schau getragene Selbstsicherheit wenig Gutes ahnen lässt, was einschneidende Modifikationen der Planung betrifft. Er sieht sich tatsächlich zugleich als beteiligter Bürger, räumte aber, nachdem er unterwegs schon mal ein apodiktisches: „Der Bauherr entscheidet!“, verkündet hatte, nun überraschend ein, dass auch er die Bürgerbeteiligung für verbesserungswürdig halte. Ansonsten verteidigte er strittige Details mit ästhetischen und formalistischen Gründen und begegnete Vorwürfen mangelnder Flexibilität oder eindringlichen Mahnungen, doch mal raus zu gehen, weg von Computergrafiken und Luftbildern, um, wenn irgend möglich, den natürlichen und historischen Bestand in seine Planung zu integrieren, mit völligem Unverständnis. Der Auslobungstext für den Wettbewerb habe auf zweihundert Seiten ausgebreitet, was der Park alles enthalten solle, und man habe einen Kompromiss zwischen Freizeit- und Aktivitätspark, urbanem Aufenthalts- und Naturpark gefunden.

Huflattich

Huflattich

Auch die BürgerInnen-Meinung bildet nichts weniger als eine homogene Einheit. Manche fragten, von welchem Bestand denn da die Rede sei − „Da gibt’s doch nüscht! Da ist jetzt Wüste.“ − und vertraten das bekannte Argument, wegen des Bahnbetriebs sei doch alles kontaminiert, schwer belastet und müsse ausgetauscht werden. Zum Glück war ein Experte in Sachen Altlastensanierung zugegen und klärte auf, dass z. B. Herbizide von der Bahn erst nach dem Krieg intensiv auf Gleiskörper und Böschungen eingesetzt worden seien, als der Betrieb auf dem Gleisdreieck längst ruhte. Blieben noch Öle und Teere, doch hätten Untersuchungen ergeben, dass ein vergleichbares Belastungsniveau sich an vielen Stellen der Stadt finde und dort kein Mensch einen Bodenaustausch vorschlage. Dies sei vielmehr ein Totschlagsargument, um erst mal unter hohem Kapitaleinsatz tabula rasa schaffen zu können. Wertvolle Ruderalvegetation, seltene Trockenrasen-Biotope und auf solche Trockenstandorte spezialisierte Kleinlebewesen blieben in einer Zeit galoppierenden Artensterbens dabei auf der Strecke.

Aber auch die breite Asphaltierung von Wegen und Plätzen fand ihre BefürworterInnen mit dem Argument, Kinder müssten doch irgendwo Radfahren und Skaten lernen können −, doch lässt sich sagen, dass sich wieder einmal die übergroße Mehrheit für eine naturnahe Gestaltung aussprach. − Einzelnen war die Auseinandersetzung mit Grün Berlin und der Verwaltung auch schlicht zu konfrontativ.

Ein einsamer Volksvertreter

Mit am Tisch saß ein MdA der Grünen, Thomas Birk, der im Schöneberger Norden seinen Wahlkreis hat und erst einmal bedauerte, der einzige anwesende Politiker zu sein. Im ganzen Verfahren sei die Politik bislang schlecht vertreten gewesen. Als Sprecher der Verwaltungsreform setzte er sich auch gleich für ein Bezirksverwaltungsgesetz ein, dass in solchen Konfliktsituationen die Einberufung von Bürgerversammlungen zur Pflicht mache, und unterstützte die Forderungen nach einer grundlegenden Änderung der Verfahrens- und Entscheidungsstruktur in Richtung auf externe Moderation oder besser Mediation, gerade auch was die Beplanung des Flaschenhalses angehe.

Ein AGG-Mitglied forderte, dass schon bei der Bebauung der Vivico-Flächen, die ja ursprünglich als Ausgleichsflächen gedacht waren, bis sie ein städtebaulicher Vertrag zu Bauland erklärte, müsse echte Bürgerbeteiligung eine inakzeptable Verdichtung verhindern. Dass angesichts der geplanten fünf PAG-Sitzungen mit ihren unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten die Planung noch ganz offen sei, wie von Grün Berlin gelegentlich behauptet, glaubt indessen niemand. Wir erwarten allenfalls kosmetische Korrekturen.

Dennoch wurde die Diskussion (auch dank der professionellen Moderation!) als konstruktiv empfunden, den KleingärtnerInnen für die Gastlichkeit herzlich gedankt und Bernd Joosten Anerkennung fürs Durchhalten über die volle Distanz gezollt.

Wir laden an dieser Stelle noch einmal nachdrücklich dazu ein, am Donnerstag, 22. April, um 18 Uhr zum ersten Werkstattgespräch zum „Stadtumbau Südkreuz“ ins Schöneberger Rathaus (Theodor-Heuß-Saal) zu kommen und sich dort für ein ergebnisoffenes Beteiligungsverfahren einzusetzen, dass die Frustrationen der 43 PAG-Sitzungen vermeiden hilft.

Transparent

Transparent

Siehe auch Gleisdreieck-Blog und QM Schöneberger Norden

BUND kritisiert durch Ausgleichsmillionen finanzierte Naturvernichtung

Baustopp und Mediation gefordert

Pünktlich zur Führung Grün Berlins übers künftige Westparkgelände auf dem Gleisdreieck am heutigen Samstag, 14 Uhr, hat der BUND Berlin in einer Pressemitteilung noch einmal scharfe Kritik daran geäußert, dass die 24 Mio. Euro Ausgleichsgelder, die für die Kompensation der Eingriffe in Natur und Landschaft durchs hochverdichtete Bebauen von Potsdamer und Leipziger Platz hinterlegt werden mussten, vorwiegend zur Vernichtung wertvoller Stadtnatur missbraucht werden. Gegen den erklärten Bürgerwillen soll ein repräsentativer Stadt- und „Aktivitätspark“ errichtet werden, den − wie vom Senat selber veranstaltete repräsentative Umfragen belegen − nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung wünscht.

Die übergroße Mehrheit votierte dagegen für einen naturnahen Park, der die inmitten malerischer bahnhistorischer Relikte eigendynamisch entstandene sog. Ruderalvegetation mit ihren wertvollen Biotopen und seltenen Pflanzen, die nicht nur einer Vielzahl von Vögeln und Kleintieren, sondern auch Fuchs, Feldhase und Marder Lebensraum und Schutz boten, integrieren sollte. Für solch eine naturnahe Gestaltung gibt es auch durchaus gelungene Beispiele in unserer Stadt, doch offenbar stand für ein behutsames, ökologisch verträgliches Vorgehen einfach zu viel Geld zur Verfügung. Die Stiftung Naturschutz Berlin (SNB) darf es zwar treuhänderisch verwalten, doch auf seine Verausgabung hat weder sie noch haben die Naturschutzverbände irgendwelchen Einfluss − und, überflüssig zu bemerken, die sich seit Jahrzehnten engagierenden Inititativen und BürgerInnen schon gar nicht.

BUND-Brief an die Staatssekretärin

Auch in einem Brief an Staatssekretärin Maria Krautzberger (SPD) protestiert der BUND entschieden gegen diese offenkundige Zweckentfremdung von Ausgleichs- und Ersatzmitteln, bezeichnet „alle auf dem Gleisdreieck getätigten und noch geplanten Eingriffe als ausgleichsrelevant im Sinne des Gesetzes, [will] dies auch einfordern, sollte bei der Planung und Fertigstellung kein Umdenken erfolgen“ und fordert darüber hinaus, „die Planungs- und Baumaßnahmen sowohl für den Ost- als auch Westbereich des Gleisdreiecksgeländes vorerst auszusetzen, um Zeit für gemeinsam Lösungen für eine naturschutzverträgliche Gestaltung des Gebiets zu gewinnen.“

Angesichts der mangelhaften zivilgesellschaftlichen Partizipation, welche die BürgervertreterInnen in der sog. Projektbegleitenden Arbeitsgruppe (PAG) immer erst im Nachhinein von den außerhalb dieses Gremiums gefallenen Entscheidungen in Kenntnis setzt und regelmäßig vor vollendete Tatsachen stellt, fordert der BUND „äquivalent zum Verfahren am Landwehrkanal außerdem die sofortige Einsetzung eines externen Mediators, der den Diskussions- und Planungsprozess lenkt. Die Ergebnisse dieses Prozesses müssen dann auch für [die Senatsverwaltung] bzw. die Grün Berlin GmbH bindend sein.“

Hochkarätig besetztes Bürgergespräch

Unterdessen hat die Staatssekretärin drei Bürgerdelegierten aus der PAG zu einer über einstündigen Unterredung empfangen, woran neben der Referatsleiterin für Stadtgrün und Freiraumplanung, Beate Profé, der Gruppenleiterin für öffentliches Grün, Ursula Renker, sowie dem Geschäftsführer der senatseigenen Grün Berlin GmbH, Christoph Schmidt, überraschend auch Abteilungsleiter Freiraumplanung und Stadtgrün, Reiner Nagel, teilnahm.

Die Bürgerinnen gewannen durchaus den Eindruck, dass insbesodere Reiner Nagel die Kritik an der mangelnden Naturverträglichkeit von Planung und Umsetzung nachvollziehen konnte, indem er meinte, dass die Waage zugunsten des Naturschutzes ausschlagen müsse: „letztlich“ wäre der Park ja eine Ausgleichsmaßnahme. Und als Frau Profé die Forderung einer Ökozone entlang der sechzehn Kleingarten-Parzellen zwischen U1 und U2 mit der Begründung ablehnte, das würde doch alles zertrampelt werden, und sich auch von gelungenen Beispielen wie etwa der Wildblumenwiese im Balluscheckpark nicht überzeugen ließ, meinte Frau Krautzberger: „Probieren wir es doch einmal! Wagen wir das Experiment und schauen, wie das nach ein oder zwei Jahren dort aussieht!“ Und Reiner Nagel pflichtete ihr bei. − Er wies übrigens auch daraufhin, dass fünfzehn Prozent der Ausgleichssumme, immerhin 3,6 Mio. Euro, für spätere Nachbereitungsmaßnahmen zurückgelegt würden.

Dass das Atelier Loidl ohne neuerlichen Wettbewerb auch den Auftrag für die Beplanung des sog. Flaschenhalses bekommen habe, erkläre sich dadurch, dass auch dieses Gelände Teil des Ideenwettbewerbs gewesen sei, weshalb der Gewinner, eben Loidl, automatisch auch den Zuschlag für die Flaschenhals-Gestaltung erhalten habe.

Christoph Schmidt vertritt bekanntlich die Position, dass der Wettbewerbssieger das Konzept bestimme und deshalb schon mit der Wettbewerbsentscheidung eventuell die falschen Weichen gestellt worden seien. Bspw. die Vegetationsinseln oder die Integration jener sechzehn Kleingärten habe man den Planern regelrecht abringen müssen. Auch wenn Frau Krautzberger betonte, das Atelier Loidl sei nur Dienstleister: Für den „Flaschenhals“ verheißt das wahrlich nichts Gutes. Auch Schmidts Verweis auf die geplanten fünf Workshop-Gespräche zur Westpark-Gestaltung, deren thematische Gliederung doch beweise, dass noch alles offen bzw. nichts endgültig entschieden sei, begegnen die Bürgervertreterinnen verständlicherweise mit größter Skepsis.

Retten, was zu retten ist!

Angesichts der unmittelbar bevorstehenden Freiräumung kommt jetzt alles drauf an, sich nicht auseinander dividieren zu lassen, sondern Geschlossenheit zu zeigen und gemeinsam zu verteidigen, was noch zu verteidigen ist! Die Tragödie auf dem Gelände des ehem. Anhalter Güterbahnhofs darf sich nicht wiederholen!

Deshalb noch einmal die herzliche Einladung:

Kommt zahlreich zur Führung übers Westparkgelände heute, Samstag, 17. April um 14 Uhr sowie am 22.4., 18 Uhr zum Werkstattgespräch / Bürgerversammlung „Stadtumbau Südkreuz“ ins Rathaus Schöneberg (Theodor-Heuss-Saal), wenn es unter anderem auch um den „Flaschenhals“ geht!

Weitere Infos, Fotos und ein Bericht vom 4. Runden Tisch zu Gärten vs. Sport auf dem Gleisdreieck bzw. Tempelhofer Feld auf dem Gleisdreieck-Blog

Und hier ein aktuelles Handout mit Bildmaterial von der Führung über den Ostpark am letzten Sonntag (11.04.10) fürs Vergleiche ziehen…

Renaturierung des nordöstlichen Görli

BürgerInnen-Initiative Bäume für Kreuzberg

Ein Vorschlag der BI Bäume für Kreuzberg

Toreinfahrten und Wegeverbreiterung

Überdimensionierte Toreinfahrten und Wege

Die nach Meinung zahlreicher BürgerInnen erhebliche Abwertung des eher naturnah gestalteten nordöstlichen Teils des ansonsten weitestgehend der Freizeit(über)nutzung vorbehaltenen Görlitzer Parks in Kreuzberg durch die aus Mitteln des Programms Stadtumbau West finanzierte Umgestaltung im vergangenen November ist hinlänglich bekannt. Ihre völlig unzureichende Beteiligung haben AnwohnerInnen und BürgervertreterInnen immer wieder deutlich gemacht, ohne freilich der Verwaltung hier auch nur das kleinste Eingeständnis abringen zu können, wogegen beharrliches Engagement bislang nur vermochte, ganze zwei ursprünglich ebenfalls zur Fällung vorgesehene Bäume zu retten.

Umgekehrt haben sowohl Bezirksbürgermeister Franz Schulz als auch seine Baustadträtin, Jutta Kalepky, wiederholt betont, dass die umstrittenen Maßnahmen gerade der Degradierung dieses ökologisch, naturschutzfachlich und ästhetisch wertvollen Parkbereichs (vor allem durch massenhaft freilaufende Hunde) abhelfen sollen, aber in diesem Bestreben nur ein erster Schritt sein könnten und deshalb die kritischen BürgerInnen aufgefordert, ihrerseits Vorschläge zu machen, durch welche weiteren Maßnahmen und Gestaltungen das gemeinsame Ziel: eine erneute ökologische Aufwertung des Biotops um den künstlichem Teich und Wasserlauf erreicht werden könne.

Die BfK wiederum sind der Meinung, dass die erfolgten Maßnahmen einen Eingriff in Natur und Landschaft darstellen, der dringend kompensiert werden muss, sieht hingegen die allen Ernstes beabsichtigte Einzäunung des Teichs überaus kritisch. Nach unserer Meinung ist ein niedriger Zaun weder geeignet, Kinder vorm Ertrinken zu schützen noch Wasservögel vor freilaufenden Hunden, sondern einzig dazu, die Parklandschaft weiter zu verschandeln. Wir können, um Kleinkinder vorm Ertrinken zu bewahren, nicht alle Parkteiche und sonstigen Gewässer mit Zäunen umgeben, die einerseits nur zum Überklettern einladen, andererseits aber eine Barriere bilden, die Kinder bei der doch gerade zu fördernden spielerischen Begegnung mit dem Wasser, seinem ungezwungenen Erkunden und Erleben behindern.

Allerdings ist es durchaus notwendig, geschützte Bereiche, Deckungs- und Nistmöglichkeiten für Vogelwelt und Kleintiere gerade auch im innerstädtischen Bereich zu schaffen: aus Gründen des Natur- und Artenschutzes wie des wohnungsnahen Naturerlebens!

Deshalb haben die BfK in einem Offenen Brief an Baustadträtin Kalepky und die BVV-Fraktionen kürzlich einen Vorschlag unterbreitet, wie durch „lebendige“ Barrieren − dornige Hecken zu Lande, scharfkantigen Schilf im Wasser − im östlichen Görli solche Deckungs- und Rückzugsmöglichkeiten geschaffen werden können und gerade durch eine gezielte Beschränkung der Durchwegung das Wiederentstehen einer Ruhe- und Erholungszone mit Möglichkeiten der Naturbeobachtung und -erfahrung gefördert werden kann und erhoffen sich eine konstruktive Diskussion.

Skizze zur Einfriedung des östlichen Görli-Bereichs

Skizze zur Einfriedung des östlichen Görli-Bereichs

Berichtigung

Baumgutachter sieht Weidenkappung am Landwehrkanal gerechtfertigt

In unserer begründeten Empörung über die WSA-Holzungen entlang des BSK haben wir am Salzufer des LWK in Charlottenburg bedauerlicherweise einen Fehlalarm ausgelöst. Die dortige dreistämmige Weide, die nach unserer Behauptung unter Bruch der entsprechenden Vereinbarungen ohne Einbeziehung des Arbeitskreises „Umgang mit kurzfristigen Maßnahmen“ gefällt worden sein sollte, war sehr wohl in der Liste notwendiger Baumarbeiten aufgeführt, die im Anschluss an eine gemeinsame Begehung von WSA-Mitarbeitern und dem Baumsachverständigen, Dr. Barsig, im November ’09 erstellt worden war. Bei der weitgehenden Kappung aller drei Stämmlinge  (ca. 1,50 m) war auch die Nummer (A240) abhanden gekommen, wodurch die Verwechslung unterlief. − Wir bitten, das Versehen zu entschuldigen!

Flacher Lackporling

Flacher Lackporling

Nach Einschätzung des Sachverständigen geschah aus Verkehrssicherungsgründen die Kappung  völlig zu recht, da neben den drei Stämmlingen auch die Hauptzugwurzel der Weide vom „Flachen Lackporling“ (Ganoderma applanatum) stark befallen war, einem wurzelbürtigen Pilz, der zu Holzerweichung und Windwurf nach Wurzelbruch führt *. „Solche Bäume können nur dann verkehrssicher bleiben, wenn die Wurzelanläufe und Haltewurzeln intakt bleiben. Das war hier nicht der Fall. Der Pilz zersetzt das Holz vom Boden aus, deshalb können Sägeschnittstellen in 1,50 m Höhe den falschen Eindruck eines intakten Holzzustands erwecken“, heißt es in Barsigs Protokollierung des Nachgangs zu den im Herbst vereinbarten, inzwischen durchgeführten Baumpflegemaßnahmen.

Abz Neukölln pflegte akkurat

Flacher Lackporling an Zugwurzelanlauf

Flacher Lackporling an Zugwurzelanlauf

Darin hebt der Gutachter auch hervor, dass vereinbarte Schnittmaßnahmen an den großen Pappeln auf der Halbinsel nahe Unterschleuse „absolut fachgerecht und auch der jeweiligen Baumstatik angemessen erfolgt sind“; dass im Fall vereinbarter Kronenrückschnitte an anderen Bäumen, die aus Zeitgründen noch nicht vorgenommen wurden, wegen des Beginns der Vogelbrutperiode über eine Verschiebung auf den Herbst rasch Konsens erzielt werden konnte etc.

Double Standards

Diese Beispiele bestätigen den Eindruck, dass bei den Unterhaltungsmaßnahmen an LWK und BSK ganz offensichtlich nach zweierlei Maß gemessen wird. Wenn aber die bei der Umsetzung der geltenden Richtlinien und Erlasse zur ökologischen Wasserstraßenunterhaltung erzielten Lernerfolge am LWK noch nicht einmal innerhalb des WSA Berlin vom einen Außenbezirk zum andern vermittelt werden können, nicht ausstrahlen und Schule machen, dann bleiben die Erfolge des größten laufenden Mediationsverfahrens in Deutschland trotz seiner Länge und der Anstrengungen aller Beteiligten ephemer und das aufwendige Unternehmen ein Schaufenster-Projekt.


* Siehe Weber, Mattheck: Taschenbuch der Holzfäulen, Karlsruhe 2001, S. 69

Grün Berlin lässt übers Gleisdreieck führen

Wie das Löschen kulturgeschichtlicher Spuren einen Arbeitsplatz schafft

Ungeachtet der eher nasskalten Witterung fanden letzten Sonntag (11.4.)  rund siebzig Interessierte den Weg aufs Gleisdreieck, um sich einer von Grün Berlin bestellten professionellen Führung über das Gelände anzuvertrauen, wo seit nunmehr anderthalb Jahren unter der Regie dieser senatseigenen Unternehmung viele Millionen Ausgleichsgelder dafür verwandt werden, die einst erstaunlich artenreiche Brachlandschaft mit ihrem unverwechselbaren Flair durch Bagger, Planierraupe und Kettensäge in einen nutzbaren Aktivitäts- und Freizeitpark zu verwandeln, wie ihn sich angeblich die Bevölkerungsmehrheit sehnlichst wünscht. Solche Führungen soll es künftig im zweiwöchigen Rhythmus geben, die nächste also am Sonntag, 25. April.

Gleisdreieck Panorama 04

Häuflein in Mondlandschaft | zum Vergrößern anklicken

Der Guide von conTour, versiert und nicht unsympathisch, hielt sich bei seinen Erläuterungen zu Vergangenheit und Zukunft des Gleisdreiecks natürlich strikt an die Vorgaben seiner AuftraggeberInnen, mühte sich also tapfer, selbst im Angesicht beklemmender Ödnis und akribisch getilgter natürlicher wie kultureller Spuren, wenigstens vor dem geistigen Auge seines Publikums blühende Parklandschaften hervorzuzaubern und zugleich diese selbst in Berlin wohl beispiellose, noch dazu mit Ausgleichs- und Ersatzmitteln finanzierte Vernichtung wertvoller Stadtnatur und vielgestaltiger Ruderalvegetation mitsamt pittoresk überwucherter bahnhistorischer Relikte auch noch als Erfolgsstory zu verkaufen: Dass nämlich unbeschadet der gefährlichen Hinterlassenschaften einer katastrophenreichen Stadtgeschichte, auf gewissermaßen vermintem Gelände also, ein Park für alle entstünde, grenze doch wirklich an ein Wunder!

Gleisdreieck-Panorama 01

Frisch gepflügt für Raseneinsaat

Folgerichtig wies der Guide die Schar seiner ZuhörerInnen wiederholt auf die Gefahren hin, welche bspw. von ungesicherten Bäumen ausgingen, die sich doch „nur an den alten, verrosteten Schienen festkrallten“ und deshalb schleunigst hätten gefällt werden müssen. Im Übrigen würden ja neue Bäume gepflanzt! Auf die Frage wie viele, sandte der Guide hilfesuchende Blicke gen Himmel, um, als der nur nieselte, freundlich einzugestehen: „Ich habe die genauen Zahlen nicht.“ Dort aber, wo der sog. Generalszug, mit dem weiland Lenné Kreuz- und Schöneberg verbinden wollte, das Wäldchen quert (nur um abrupt an der Fernbahntrasse zu enden), ist im Baumbestand schon eine breite Schneise rot markiert. Auch paar Hundet Meter asphaltierten Fernradweg Berlin − Leipzig gibt’s zu bewundern, der sich allerdings nördlich und südlich irgendwie verliert. Auch bei Nachfragen zu dieser Art von Planungs-GAU muss der freundliche conTour-Mann passen…

Fernradweg Berlin - Leipzig

Ein Stückchen Fernradweg

Essentials der Delegierten nach und nach kassiert

Derweil mussten BürgervertreterInnen bestürzt feststellen, dass einige der so hart erkämpften sog. Vegetationsinseln, kümmerliche Restbestände einstiger Vielfalt, schon stillschweigend umfunktionert oder gleich ganz unter den Stabilizer gefallen sind, ohne dass in der Projektbegleitenden Arbeitsgruppe (PAG) darüber ein Wort verloren worden wäre: Aus der Vegetationsinsel Nr. 2 nördlich der „Grünen Villa“, (dem als Einsatzzentrale dienenden Baucontainer nahe Möckernstraße), wurde ein „Kinderzimmer“ benannter Spielplatz von 1.900 qm Fläche; Insel 3 geht in der übermäßig breit und durchgängig versiegelt konzipierten „Möckernpromenade“ unter; und Insel 4 ist schon auf dem Plan vom April 2009 nicht mehr erkennbar, was in all dem unablässigen Hin & Her erst jetzt aufgefallen ist. Alles nur Beispiele, wie die Planungen permanent verändert werden, ohne dass die BürgervertreterInnen in der PAG auch nur auf dem Laufenden gehalten, geschweige nach ihrer Meinung gefragt oder gar beteiligt würden. Sie haben einzig und allein beratende Funktion. Ihre Anregungen werden zuweilen aufgegriffen, meistens aber eben nicht.

Vegetationsinsel

Vegetationsinsel

Kommt zur Begehung des Westparks!

Am 17. April, also kommenden Samstag, wird es (ursprünglich auf Anregung der Quartiersräte Schöneberger Norden und Tiergarten Süd) eine von Regina Krokowski  (Grün Berlin) persönlich geführte Begehung des auf dem Gelände des ehemaligen Potsdamer Güterbahnhofs geplanten Westparks geben. [Hier der Einladungsflyer.] Das Angebot einer kooperativen Führung von seiten der Bürgerdelegierten − nicht nur zur Entlastung, sondern auch zum Zweck eines Perspektiven-Pluralismus − wurde höflich, aber bestimmt abgelehnt: Und wenn sie anderntags auch kein Wort mehr herausbrächte, besteht Frau Krokowski auf Alleinvertretung und Deutungshoheit!

Westpark-Begehung 17.04.10

Westpark-Begehung 17.04.10

Die umstrittenen Planungen – ein Sportfeld zwischen den beiden Hochbahnlinien in unmittelbarer Nachbarschaft der sechzehn Parzellen der interkulturellen Kleingartenkolonie POG; eine Wegeführung ohne Rücksicht auf Verluste an Vegetationsbestand; die Anlage eines Stückchen Strands nebst Bar auf einer wildblumenreichen Sukzessionsfläche usw. − sollen mittels Flatterleine visualisiert werden. Die massive Kritik nicht nur der BürgervertreterInnen, sondern auch zahlreicher TeilnehmerInnen an jenem 4. Planungsforum zum Gleisdreieck-Park am 5. November letzten Jahres im Elisabeth-Krankenhaus hat am ursprünglichen Entwurf kein Jota geändert, wie ein BürgerInnenvertreter resigniert feststellte.

Planungsbegleitung heißt eben nicht -beteiligung: Wann werden die BürgerInnen das endlich kapieren? Vom Fiasko auf dem Ostpark regelrecht traumatisiert, bestehen sie aber im Gegenteil darauf, dass die Entscheidungsstrukturen in der PAG endlich von Grund auf geändert werden, sind in ihrer Mehrheit nicht länger bereit, zeit- und kraftaufwendig um Details zu ringen, während die eigentlichen Entscheidungen dann außerhalb dieses Gremiums fallen und, wenn überhaupt, immer nur nachträglich zur Kenntnis gegeben werden.

Auf dem Ostpark ist nicht mehr viel zu retten, wenn wir mal vom sog. Wäldchen absehen, für dessen Schutz sich nun endlich auch die BVV F’hain-Kreuzberg stark macht. Umso hartnäckiger sollten jedoch die spontan aufgewachsenen Gehölz- und Strauchbestände auf dem Westpark verteidigt werden, der noch mehr als der Ostpark mit Sport und Spiel regelrecht zugeknallt zu werden droht; die wertvollen, weil immer seltener werdenden Trockenrasenbiotope mit ihren Gräsern, Kräutern sowie Populationen hochspezialisierter Insekten- und Laufkäferarten gilt es zu erhalten: nicht nur für unser Naturerlebnis, unsern Erholungsnutzen, sondern schon wegen ihres Eigenwerts!

Sodann aber kommt es auf die Verteidigung von lichtungsreichen Gehölzen geprägten Brachlandschaft auf dem sog. Flaschenhals südlich der Yorkbrücken an, zumal sich hieran ermessen lässt, was der Ostpark-Anlage bedenkenlos geopfert wurde. Auch den „Flaschenhals“ darf das Atelier Loidl beplanen, das doch nur den Gestaltungswettbewerb für den Gleisdreieck-Park (knapp!) gewonnen hat, und selbstredend abermals ohne lästige BürgerInnen-Beteiligung.

Einladung zum „Werkstattgespräch“ über den Flaschenhals

Entsprechend dürfte das „Werkstattgespräch Stadtumbau Südkreuz„, zu dem Baustadtrat Bernd Krömer (CDU) am 22. April von 18 bis 20:30 Uhr ins Schöneberger Rathaus lädt [siehe hier], mit Blick auf die knapp bemessene Zeit als bloße Info-Veranstaltung intendiert sein. Gerade darum aber möchten wir an dieser Stelle auch unsererseits alle Interessierten dringend bitten, sich an dieser Art von „Werkstattgespräch“ zu beteiligen, sich einzumischen und vernehmlich eigene Wünsche, Interessen, Vorschläge und Kritik  zu artikulieren, um damit zugleich deutlich zu machen, dass die Rituale einer lediglich symbolischen zivilgesellschaftlichen Partizipation mit bloßer Feigenblatt- und Alibifunktion ein Ende haben müssen.

Generalszug

Der Generalszug zerschneidet das Wäldchen und kollidiert mit der Fernbahn

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