Begehungen am Hohenzollernkanal

Unterhaltungspläne und ihre Implementierung

Ein Nachtrag

Nach den unfachgerechten und weitgehend sinnfreien Rodungs- und Schnittmaßnahmen am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal  (BSK) im Winter 2009/10 [siehe hier, hier und dort], einer Krisensitzung im Rahmen des Mediationsverfahrens „Zukunft Landwehrkanal“ [was für den LWK recht ist, sollte für den BSK billig sein!], Ausspracheterminen zur Gehölzpflege an Bundeswasserstraßen, Vereinbarung und anschließende Umsetzung von Kompensationsmaßnahmen durch die WSV, Bereisungen und Begehungen unter Beteiligung von BürgervertreterInnen…− nach dieser Vorgeschichte hat mittlerweile die BfG mit der von ihr beauftragten Pyöry Gruppe einen Unterhaltungsplan (UP) auch für den BSK aufgestellt, der bereits im April dieses Jahres verbindlich in Kraft gesetzt worden ist.

Das Besondere an diesem UP liegt nicht nur darin, dass er − angestoßen von zivilgesellschaftlichen Protesten − quasi als Nebeneffekt eines großen Beteiligungsverfahrens initiiert, sondern, neben der Beteiligung von Vertretern der Naturschutzverbände BUND, NABU und Grüne Liga auch mit Partizipation von BürgervertreterInnen entwickelt worden ist, deren Stellungnahmen und Hinweise, wenn möglich, Eingang ins komplexe Regelwerk gefunden haben. Diese frühzeitige Einbeziehung von Initiativen und Naturschutzverbänden sollte in der Tat bundesweit Vorbildcharakter haben! Den Rest des Beitrags lesen »

Erneut fragwürdige „Baumpflege“ am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal

WSA-Außenbezirk greift Unterhaltungsplan vor

[Update 14.12.11: WSV-Vertreter haben sich inzwischen schützend vor die Mitarbeiter des WSAAbz Spandau gestellt und auf die Verantwortlichkeit der BImA verwiesen, die (s.u.) auch die Aufgaben der früheren Bundesforsten versieht und die strittigen Maßnahmen veranlasst und fremdvergeben habe.]

Déjà vu

Unfachgerechte Kappungen am BSK

Fragwürdige Kappungen am BSK (Zum Vergrößern anklicken!)

Knapp zwei Jahre ist’s her, da zeigten sich AnwohnerInnen, Baumsachverständige und für Stadtnaturschutz Engagierte schockiert über rabiate Fäll- und Schnittmaßnahmen im Uferbaumbestand entlang des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals (BSK). Mit Wahrnehmung der Verkehrssicherungspflicht hatte dieser stellenweise regelrechte Kahlschlag, die Verstümmelung wertvoller Altbäume, die Rodung von Unterwuchs und Buschwerk, ja sogar von Kompensationspflanzungen im Bereich des Nordhafens nichts mehr zu tun. − Nun kommt es mitten im partizipativen Abstimmungsprozess eines ökologisch ambitionierten Unterhaltungsplans zu einer Reprise. Den Rest des Beitrags lesen »

Ökologische Gehölzpflege an Bundeswasserstraßen

[Update 21.08.10: Behauptung des Amtsleiters unzutreffend!
Was in unserm Bericht noch nicht ausreichend deutlich wurde: Es gibt den per Erlass des Verkehrsministeriums eingesetzten „Leitfaden Baumkontrolle an Bundeswasserstraßen„, der innerhalb der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung absolut bindend ist und auch von Externen wie dem Bundesforst in der BImA (mit dem Vermeidungsgebot etc.) eingehalten werden muss; und es gibt das „Leitbild der Gehölzunterhaltung an Bundeswasserstraßen“ − natürlich ebenfalls von einiger Relevanz, aber eben nicht so strikt verbindlich wie jener Erlass! Die Behauptung von WSA-Leiter Michael Scholz, dass sich „seine Abz-Mitarbeiter am BSK ‚erlass- und verfügungskonform‘ verhalten hätten“ [s.u.], ist unzutreffend, weil die Vorgaben des Leitfadens genauso missachtet wurden wie die Vorgaben des Leitbilds (hier insbesondere zur Entfernung der Neophyten und Förderung der einheimischen Naturverjüngung sowie Erhalt aller Altbäume 2. Ordnung, darunter auch Neophyten).]

Aussprachetag in großer Runde

Angesichts spektakulärer Rodungspläne auf dem Gendarmenmarkt und der eher klammheimlich durchgeführten Sommerfällungen in F’hain-Kreuzberg (ohne Frage auch in weiteren Stadtbezirken) sind die großflächigen Uferbiotopzerstörungen im Winter und zeitigen Frühjahr entlang des Berlin-Spandauer Schifffahrts- bzw. Hohenzollernkanals unter Regie des WSA-Außenbezirks Spandau bei vielen − zumal in diesem Sommer der Katastrophen − sicher längst in Vergessenheit geraten.

Nach scharfen Protesten von BI/Verein BaL und des Betroffenenrats Lehrter Straße hatte die Bundesbehörde in Person von Amtsleiter Michael Scholz in einer Sondersitzung des Mediationsforums am 19. April nicht nur Fehler eingeräumt und für die entstandenen Schäden umfassende Kompensation zugesagt, sondern es war für Juni auch schon ein Vor-Ort-Termin in kleinerer Besetzung (VertreterInnen von Abz, Unterer und Oberster Naturschutzbehörde, Verbandsnaturschutz, Bundesforsten, BürgerInnen sowie des Baumsachverständigen Dr. Barsig) vereinbart worden. Zu diesem Termin ist es freilich bis dato nicht gekommen − „wegen der Urlaubszeit“, so die wenig überzeugende Begründung, doch im September wird er definitv nachgeholt, versicherte der neue Sachbereichsleiter 2 des WSA Berlin, Lars Doering. Den Rest des Beitrags lesen »

Krisensitzung zum Spandauer Schifffahrskanal

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Torsi

Torsi

Es war dringlich und das Mediationsteam um Beate Voskamp und Stefan Kessen machte es möglich: Am vergangenen Montag (19.4.) kam es innerhalb des Mediationsverfahrens zum Landwehrkanal, noch relativ zeitnah zu den großflächigen Uferbiotopzerstörungen an der benachbarten Bundeswasserstraße, dem Berlin-Spandauer Schifffahrts- bzw. Hohenzollernkanal, zu einer Sondersitzung, und trotz der notorisch schwierigen Terminabstimmung nahmen nicht nur WSA-Leiter Scholz, die zuständige Sachbereichsleiterin Riemer und Vertreter der auch hier wieder betroffenen Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte teil, dazu als Fachleute der BUND-Gewässerexperte, Manfred Krauß, und der Baumsachverständige, Dr. Barsig, sondern auch der erst am gleichen Tag noch eingeladene Reinhard Schubert, bei SenStadt zuständig für Artenschutz und Artenhilfsprogramme, machte sein Kommen möglich. Sechs Personen vertraten die Bürgerinteressen, und die Leiterin der AG LWK, Dr. Ernst, nebst Pressesprecherin Bodenmeier verfolgten die fünfstündigen Verhandlungen als Gäste.

[Update 27.04.: Fotoprotokoll des Mediationsteams über die Vereinbarungen zum künftigen Vorgehen.]

Wenn auch, wie Kessen betonte, formal der BSK nicht Gegenstand des Mediationsverfahrens ist, so muss es, wie die BürgervertreterInnen sogleich in Erinnerung riefen, inhaltlich doch auch immer um ökologische Gewässerunterhaltung und ufernahe Baum- und Vegetationspflege des WSA Berlin als solche gehen − und nicht zuletzt um das Verhältnis zwischen Verwaltung und BürgerInnen.

Das aber hat infolge des fortgesetzten brachialen Agierens des WSA-Abz Spandau mal wieder arg gelitten. Vor allem die doch sehr merkwürdige Art und Weise, wie der Amtsleiter offenbar immer erst post festum, wenn die Bäume längst gefällt oder gekappt, Strauchwerk und Aufwuchs akribisch gerodet waren, davon erfuhr oder als − nach unseren scharfen Protesten gegen den abschnittsweisen Kahlschlag zwischen Kieler und Föhrer Brücke − von weiteren beabsichtigten Maßnahmen des Abz unterrichtet, die Informationen an die BürgerInnen einfach nicht weitergab resp. sie mit notwendigerweise misszuverstehenden abspeisen ließ, wonach die Baumarbeiten gestoppt und auf den nächsten Winter verschoben seien −, dieses intransparente Lavieren hat das Vertrauen der BürgerInnen erneut empfindlich gestört und ungeachtet einiger beispielhaft baumschonender Wasserbaumaßnahmen am LWK (Tempelhofer Ufer) oder der beachtlichen Fortschritte in fachgerechter Gehölzpflege in der Zuständigkeit des Abz Neukölln die Erfolge des „lernenden Systems“ zur Unzeit relativiert. Wieder sind starke Zweifel aufgekommen, ob das behauptete Umdenken der Behörde, ihr Eintritt in eine neue Ära der Transparenz, Umweltverträglichkeit und Bürgernähe tatsächlich schon stattgefunden habe. Manche unter den BürgerInnen fühlen sich auch nach dieser Sitzung persönlich verletzt und beleidigt.

Was sollen wir auch denken, wenn wir hören, dass der Chef zurzeit unserer ersten Intervention nur Kenntnis eines einzigen „Loses“ hatte, es aber noch drei weitere gab, also unter Amtshilfe oder doch eher Regie der BIMA (vorm. Bundesforsten) zur Bearbeitung an Baumpflegefirmen vergebene Uferabschnitte über die Schleuse Plötzensee hinaus, und zwar von beidseitig insgesamt zehn Kilometern Länge!? Dass auch die Sachbereichsleiterin nichts davon gewusst hat, obwohl das Benehmen mit den vier betroffenen bezirklichen Grünflächenämtern darüber bereits im Oktober 09 ordnungsgemäß hergestellt worden sei; und dass die Leitungsebene angesichts der öffentlichen Entrüstung von Abz-Leiter Spandau, Matthias Moneke, endlich in Kenntnis gesetzt, offenbar die Eigendynamik der einmal in Bewegung geratenen Maschinerie von Verwaltungsabläufen nicht mehr zu stoppen vermag.

Neben BaL-VertreterInnen hatten auch das QM Sparrplatz in Moabit im Wedding und der Betroffenenrat Lehrter Straße im Wedding in Moabit gegen die Fällung von Baum- und Vegetationsbestand protestiert, der ursprünglich als Ausgleichsmaßnahme gepflanzt worden war und sich noch dazu in Bezirkszuständigkeit befand. Am Tag der Krisensitzung, so Scholz, habe er die Mail des Betroffenenrats vom 1. März beantwortet, also nach sieben Wochen. − So räunte der Amtsleiter mal wieder „informatorische Lücken“ ein, dass vieles verbesserungsbedürftig und was an Bausteinen am LWK erarbeitet und über die Partizipation gelernt wurde, diesmal am BSK „übersprungen“ worden sei.

Der Bezirksvertreter von Charlottenburg-Wilmersdorf stellte zunächst klar, dass nicht etwa gemeinsam mit dem WSA eine Baumpflege-Maßnahmenliste erarbeitet, sondern von Bundesforsten eine Tabelle vorgelegt werde, die bei einer gemeinsamen Begehung vor Ort überprüft werde. 140 Bäume seien dabei im Herbst in Augenschein genommen worden. Gegen die 16 Fällungen habe man keine Einwände gehabt, doch von Strauchrodungen sei überhaupt keine Rede gewesen!

Hierzu wurde übereinstimmend berichtet, dass es viele Tage gedauert habe, bis alles sich am Ufer auftürmende Schnittgut abtransportiert worden sei. Die Anzahl der Schuten, so Sachbereichsleiterin Riemer, lasse sich jedoch nicht mehr ermitteln. Scholz wiederum lag ein zehnseitiges Papier vor, worin der in Antwort auf die Stellungnahme des BUND seinerseits zur Positionierung aufgeforderte Abz-Leiter Moneke, der sich im verwaltungstechnischen Sinne unheimlich Mühe gebe, korrekt zu arbeiten, sehr detailliert die aus seiner Sicht unumgängliche abschnittsweise Rodung der Ufervegetation begründet habe: Die Biber sollen nur an den dafür vorgesehenen Uferbereichen fressen, heißt es u.a. darin, und Manfred Krauß versprach, es ihnen auszurichten…

Auf Anfrage einer Bürgervertreterin teilte Frau Riemer mit, dass über die BIMA die Fällung von insgesamt 270 Bäumen beauftragt und vom WSA bislang für 109 Bäume bezahlt worden sei. Insgesamt belaufe sich das Auftragsvolumen für die Unterhaltungsmaßnahmen entlang des BSK auf 250.000 Euro! [Wäre naturschutzfachlich und baumpflegerisch korrekt gearbeitet worden, hätten ca.15 Prozent dieser Summe mit Sicherheit ausgereicht. Wir schlagen deshalb vor, dem Abz Spandau in der lfd. Haushaltperiode allenfalls noch 5000 Euro für Böschungsunterhaltung zu bewilligen: das käme einer naturnahen Pflege der Kanalufer und damit menschlichen wie nichtmenschlichen AnwohnerInnen zugute!]

Fakt sei jedenfalls, so fuhr der NGA-Mitarbeiter fort, dass die WSA-Leute die Bäume nicht lieben und man zudem im Abz Spandau ständig mit neuen Kräften konfrontiert sei, die man immer erst wieder neu an die Natur heranführen müsse, damit auch wirklich nur das gemacht werde, was notwendig sei.

Dass es zumal bei Fällungen auf Grund mangelnder Verkehrssicherheit nicht etwa nur die Baumschau nach der VTA den Ausschlag geben darf, sondern dort, wo die Gefahr im Verzug nicht evident ist, die Notwendigkeit finaler Maßnahmen immer durch weitere Diagnoseverfahren erhärtet werden muss, für deren Einsatz die WSA-Baumprüfer wiederum nicht geschult sind, weshalb die Hinzuziehung externen Sachverstands vorgeschrieben ist, steht zwar in den Leitlinien, aber ist in der Behörde offenbar weitgehend unbekannt. Deswegen meinte Michael Scholz am 16.2. mit den „selbstverständlich“ vorliegenden und lediglich noch nachzureichenden Dokumenten auch nicht etwa externe Gutachten − die gibt es nicht −, sondern die Protokolle der Benehmensherstellung. [Nach diesen Dokumenten erkundigten wir uns übrigens noch mal in der 21. Forumssitzung am 22.2., doch liegen sie uns bis heute nicht vor.]

Kahlschlag

Kahlschlag

Angesichts dieser eher mühsam und unbefriedigend verlaufenden Aufklärungsversuche, was wann wo warum veranlasst und wem bekannt wurde, womit ohnehin das Kind nicht mehr aus dem Brunnen gezogen werden kann, wurde BUND-Vertreter Krauß grundsätzlich und mahnte seinerseits ein völliges Umdenken an: Selten habe er derart massive Eingriffe in natürlichen Uferbestand gesehen; so könne es einfach nicht weitergehen! Bei der Gewässerunterhaltung müsse endlich zu einem ganz anderen Umgang mit den Uferböschungen gefunden werden, der ein strukturiert mit Bäumen, Büschen und Unterwuchs bestandendes Uferbiotop als schützenswerten Lebensraum einer Vielzahl von Tierarten begreift − von Rote-Liste-Arten wie Biber und Fischotter über Sumpf- und Teichrohrsänger bis zu den dort brütenden Nachtigallen −, und nicht alle Jahre wieder wie ein Wohnzimmer aufräumen will.

„Die Berliner Oberste Naturschutzbehörde hat im Jahr 2007/2008 den zuständigen Landes- und Bundesbehörden, also auch dem WSA Berlin, ein Artenhilfsprogramm für Biber und Fischotter vorgestellt, in dem die Lebensbedingungen des Bibers an den innerstädtischen Kanälen detailliert beschrieben werden. Diese Empfehlungen wurden hier eindeutig nicht beachtet“, heißt es in seiner Stellungnahme für den BUND, und weiter: „Das WSA will offensichtlich an allen Wasserstraßen ein anderes Ufer- und Landschaftsbild als bisher. Es besteht aus einer weitestgehend kahlen Böschung, die oben von wenigen und nicht zu großen Einzelbäumen bestanden ist. Dies bestätigen auch die Eingriffe an anderen Gewässerabschnitten wie z.B. an der Havel im Bereich der Tiefwerder Wiesen oder am Berliner Abschnitt des Oder-Spree-Kanals. Die Kanalufer in ihrer Funktion als Lebensraum und Biotopverbindungselement werden dadurch zusehends entwertet.“ Am genannten Oder-Spree-Kanals bspw. sei solches Aufräumen auch schon mitten im Sommer erfolgt, was nach Berliner Naturschutzgesetz einen Straftatbestand erfülle. (Und der Baumsachverständige Dr. Barsig erinnerte an den Vortrag von Dr. Wolter vom IGB im AK Naturhaushalt und Landschaftsbild am 4.11.09, welcher die Wichtigkeit überhängender Vegetation für phytophile Fischarten wie den Hecht hervorgehoben hatte. Solche fachliche Inputs hinterließen in der Behörde einfach zu wenig Spuren.)

Seit 10, 15 Jahren gebe es eine für die WSV bindende ökologische ausgerichtete Erlasslage: allmählich werde es Zeit, sie auch zu implementieren. Wenn dies innerhalb des WSA oder der WSD nicht möglich sei, müsse das BMVBS
eingreifen. − An dieser Stelle verwies Frau Riemer auf den aktuell erstellten „Unterhaltungsplan Spree“, in den die Öko-Erlasse doch einflössen, doch was nützen die besten Planwerke, wurde ihr entgegnet, wenn Bauingenieure nicht motiviert werden können, sie auch umsetzen.

Den Einkauf externen Sachverstands hielt der Vertreter des NGA Mitte für wenig zielführend: Man brauche keine Baumbiologen, sondern alles hänge vom Engagement der Baumkontrolleure und -pfleger vor Ort ab! Man müsse bei den Menschen ansetzen, und hier helfe nur schulen und immer wieder schulen mit praktischer Anleitung, denn die Angst, für Unterlassungen, zu geringe Eingriffe und anschließende Schäden haftbar gemacht zu werden, sei bei den Mitarbeitern übergroß.

Auch sei es, so wandten Bezirksvertretern wie der Baumsachverständige ein, überhaupt fraglich, ob im urbanen Bereich mit seinen ganz spezifischen stadtökologischen Bedingungen Bundesforsten bzw. die BIMA sachgerechte Amtshilfe leisten könne, denn der hier dominierende Blick des Försters auf den Wald, der etwa einen Gehölzumbau unter Entfernung „fremdländischer“ [!] Neophyten und abgestorbener, aber als Habitat für eine Vielfalt von Arten in ihrem ökologischen Wert kaum zu übeschätzender „Biotopbäume“ bzw. Hochstubben fordere, sei gerade im Stadtgebiet völlig verfehlt.

Der Vertreter des Artenschutzes und Artenhilfsprogramme bei der Obersten Naturschutzbehörde (ONB), Reinhard Schubert, der sich in einer persönlichen Vorbemerkung zunächst einer Kritik des Performativen widmete, indem er, bei eingestandener Unkenntnis von Vorgeschichte und Kontext, die Redeweise von „Umerziehung, Sanktionen und personellen Konsequenzen“ geißelte (Letztgenanntes sei allein Sache des Amtsleiters), sah sein Haus durch die in Rede stehende Problematik ungerechtfertigter Fällungen und Kappungen am BSK nur mittelbar betroffen und lediglich unter komplexer, ganzheitlicher Perspektive, also was die Biotopzerstörung betreffe, direkt involviert. Vielen berechtigten Interessen auf verschiedenen Rechtsebenen gelte es, Rechnung zu tragen. Die BfG habe das Instrumentarium in Form von Leitlinien und Unterhaltungsplänen bereitzustellen, woraufhin die landesseitige Gestaltung der Biotopverbundsysteme unter frühzeitiger Einbindung und in Berücksichtigung der unterschiedlichen Interessen abgeklärt werden müsse. Konkreter könne sich Schubert jedoch erst äußern, wenn er die Unterlagen gesichtet habe, doch sei das Kind ja ohnehin schon in den Brunnen gefallen.

Wir haben uns bekanntlich am LWK fast drei Jahre lang bemüht, SenStadt als ONB für das Potential dieser innerstädtischen Wasserstraße und ihre Aufwertung als Ausbreitungs- und Wanderkorridor im Rahmen der Biotopvernetzung zu interessieren und zu ermuntern versucht, die Sanierung im Rahmen dieses interdisziplinären und interinstitutionellen Mediationsverfahrens unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft zu nutzen, um gemeinsam eine die Verwaltungsebenen von Bund, Land und Bezirken übergreifende integrierte Planung eines modellhaften stadtökologischen Projekts auf den Weg zu bringen, doch SenStadt blieb bis dato jeder Aktivität in dieser Richtung abhold. – Wenn nun aber die ONB selbst dort, wo, wenn auch nur ganz indirekt und „mittelbar“ in ihrem Zuständigkeitsbereich, weil Baum und Busch Bezirkssache sind, jedoch die Habitate von FFH-Leitarten durch bundesbehördliches Handeln zuschanden gemacht werden, derart zögerlich, übervorsichtig und verklausuliert reagiert und abermals jede Aktivität, jeden Anschein von Entschiedenheit vermissen lässt, wundert uns natürlich gar nichts mehr. Ohne engagierte BürgerInnen und das durch ihren Protest veranlasste Mediationsverfahren hätte sie von den Vorgängen am BSK womöglich gar nichts mitbekommen.

Da sich das Unrechtsbewusstsein auf Seiten des WSA in sehr engen Grenzen hielt − Scholz: „Ich habe ein blütenreines Gewissen!“ − sollten nach der Halbzeit dieser Krisensitzung gemeinsam Lösungsmöglichkeiten ausgelotet werden, und zwar auf mehreren Ebenen und in mehreren Stufen:

Zunächst sprach sich der WSA-Chef für eine transparente Bilanzierung, Monetarisierung und konkrete Kompensierung aus. In Anlehnung an Dr. Barsigs Validierung der Maßnahmen innerhalb des ersten Loses (von Kieler bis Föhrer Brücke), die 75 Prozent für ungerechtfertigt, überflüssig und fachlich unzureichend erklärt hatte, sollten die entstandenen Schäden nach der Koch’schen Methode exemplarisch ermittelt, überschlägig hochgerechnet und dann unter Einbeziehung der Bezirke, von Fachleuten und Verbänden konkrete Kompensationsmaßnahmen geplant und umgesetzt werden. Von einer genauen Validierung, die selber wertvolle Mittel verschlinge, sei indessen abzuraten, denn sie könne unter Einbeziehung des erweiterten ökologischen Schadens leicht in die Millionen gehen.

Um also künftig solche Desaster zu vermeiden, sollte frühzeitig über Vorhaben (auch im Web, jedoch unter Berücksichtigung vergaberechtlicher Einschränkungen) informiert und auf diese Weise die Benehmensherstellung als Informations- und Vorstellungstermin genutzt werden. − Anschließend sollte mit den verschiedenen Gruppen, zunächst natürlich den VertreterInnen der bezirklichen Grünflächenämter, aber auch der BürgerInnen, der Naturschutzverbände und der ONB ein Dialog über die geplanten Maßnahmen geführt werden.

Manfred Krauß forderte das WSA auf, vorab generell zu akzeptieren, dass die Uferböschungen der Bundeswasserstraßen vegetationsbestanden sind, ausgenommen dort, wo es den Schiffsverkehr definitiv behindert. Es gehe um Akzeptanz des „Gesamtkunstwerks“ einer strukturiert gehölz- und strauchbestandenen Böschung“. Eingriffe seien durchaus nötig und zulässig, bspw. das Auf-den-Stock-Setzen von Weiden unproblematisch, dürften jedoch jeweils nur kleinräumig erfolgen. − Hier räumte Scholz ein, dass anders als bei natürlichen Wasserläufen an Kanälen bislang Strauchwerk aus Gründen der Inspizierbarkeit der Fußsicherung tatsächlich immer noch entfernt werde, konzedierte jedoch, dass dies flächendeckend geändert und „Verstrauchung“ zugelassen werden müsse.

Um die fachliche Qualität der Leistungsbeschreibung bei der Auftragsvergabe sicherzustellen, regte eine Bürgervertreterin die personelle Aufstockung der Behörde etwa durch Baumbiologen an, doch liegt dies einerseits außerhalb der Wirkungsmöglichkeit des Amtsleiters und andererseits ist er sich sicher, hierfür keine zusätzliche Stelle bewilligt zu bekommen. Im Gegenteil treibe der Personalmangel solche Blüten, dass versierte Baumkletterer des WSA inzwischen als Schleusenwärter arbeiten müssten. Der Personalabbau aber sei bekanntlich politisch gewollt, und daran könne auch ein WSD-Chef Menzel in Magdeburg nichts ändern. – Gleichwohl wurde ein Brief ans BMVBS vorgeschlagen, die ambitionierten ökologischen Erlasse mit Blick auf ihre Anwendung personell zu unterfüttern.

Auch der NGA-Vertreter aus Mitte sah, wie gesagt, die Erhöhung fachlicher Kompetenz auf diesem Weg letztlich nicht zielführend. Alles komme auf das Engagement der Baumpfleger vor Ort und deren regelmäßiges Coaching an. Dann würde bspw. ausgeschlossen, dass die Kronen jener fünf Platanen am Nordhafen, die er seit zwanzig Jahren kenne und die weder an Massaria noch sonst wie erkrankt waren, ohne Sinn und Verstand zusammengeschnitten, von innen her ausgeräumt und bleibend geschädigt worden seien. − Vor allem aber dürften die Mitarbeiter nicht das Gefühl bekommen, nunmehr kontrolliert und überwacht zu werden: das brächte überhaupt nichts.

Der Vorschlag regelmäßiger Gesprächsrunden von Abz-Baumkontrolleure und den UNB unter Hinzuziehung von Fachleuten und Verbändevertretern sowie der Vorstellung von Best-Practice-Beispielen fand große Zustimmung. Fachreferenten könne z. B. die BfG stellen, was wenig koste und viel bewirke. Ansonsten könne die BfG laut Scholz aber nur exemplarisch unterstützen und davon ausgehend zu analogem Vorgehen ermuntern, denn diese Fachbehörde verfüge ja selbst nur über ca. dreihundert MitarbeiterInnen

Von konkreten Kompensationsmaßnahmen noch in dieser Pflanzperiode, etwa Pflanzung von Container-Weiden am Nordufer, wo die A&E-Weiden gerodet wurden, sei angesichts der fortgeschrittenen Zeit und bald zu erwartendem Hitzestress abzuraten. Ferner gab es den Vorschlag der Anlage einer Flachwasserzone mit Pflanzung von Röhricht an einer von Schiffs- und Bootsverkehr geschützten Stelle nahe dem Saatwinkler Steg in Spandau.

Zweckmäßiger sei es, zeitig im Herbst auf, unter Beteiligung der Bezirke auszuwählenden Flächen sozusagen strukturierte Modellpflanzungen zur Unterstützung der Fauna anzulegen.

In Übereinstimmung mit Manfred Krauß schlug Reinhard Schubert von der ONB vor, an einem noch intakten Uferbereich gewissermaßen den Zustand zu beschreiben, der in einem bestimmten Zeitraum hergestellt werden soll, also die Zielvorstellung zu exemplifizieren, ein Leitbild naturnaher Uferbiotop-Gestaltung, woran sich sowohl die Kompensationsmaßnahmen als auch die künftige Pflege ausrichten sollte. Hier schlug Krauß die Tiefwerder Wiesen an der Havel vor.

Für [am besten Anfang] Juni wurde ein Treffen von Amtsleiter Scholz, drei bis vier Abz-Mitarbeitern, dazu Dr. Barsig, Manfred Krauß sowie eines Bürgervertreters und Frau Dr. Ernst als Lernende an einer noch auszuwählenden bearbeiteten Stelle am BSK verabredet, um sich im gemeinsamen Austausch darüber zu vergewissern, was getan [angerichtet] wurde, wie es kompensiert und wie ähnliches künftig vermieden werden könne.

Mit temperierter Hoffnung − sichtlicher Erleichterung auf Seiten des Amts und viel Skepsis bei den BürgervertreterInnen − gingen die Beteiligten an dieser fünfstündigen Krisensitzung auseinander.

Schnittgut

Schnittgut

Wirkungsloser Protest

WSA lässt am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal weiterholzen

Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal 01

Am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal (Fotos vom 23.2; zum Vergrößern anklicken!)

Wir müssen uns entschuldigen, dass wir erst jetzt über diesen neuerlichen handfesten Skandal berichten, aber die Verzögerung hat weniger damit zu tun, dass wir es mit dem entschleunigten Bloggen halten, sondern dass wir nach einer Protestnote an WSD und WSA namens BI/Verein BaL und der Bürger- und AnwohnerverteterInnen im Mediationsverfahren „Zukunft Landwehrkanal“ das Einräumen einer Frist zur Stellungnahme für angemessen hielten: denn die vielen gefällten Bäume hätte ungesäumtes Berichterstatten nicht wiederaufgerichtet und all die amputierten Starkäste nicht wieder anwachsen lassen. – Allein es kam bisher keinerlei Reaktion und will fast scheinen, als sollte die Sache mit den, trotz gegenteiliger Zusicherungen, fortgesetzten Holzereien entlang des BSK totgeschwiegen und einfach ausgesessen werden. Das wäre absolut inakzeptabel!

Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal 02

BSK 02 (Riedel-Anleger)

Als das WSA am Kieler Weg entlang des BSK und am Nordhafen die ersten brachialen Kappungen und Fällungen des Uferbaumbestands durchführen ließ, protestierten wir direkt bei Amtsleiter Michael Scholz, woraufhin dieser die Arbeiten Stunden später stoppte und sogar die externe Evaluierung der Schäden beauftragte. Das WSA, so glaubten wir, darf schon im eigenen Interesse nicht den Eindruck aufkommen lassen, nur der öffentliche Druck in Sachen LWK veranlasse es, sich bei Baum- und Ufervegetationspflege hier, aber nur hier einsichtig zu zeigen. − Wir haben über die vom Baumsachverständigen, Dr. Barsig, durchgeführte Validierung berichtet.

Und auf der Website des Außenbezirks Spandau ist seitdem zu lesen: „Die laufenden Baumpflegearbeiten am BSK zwischen Humboldthafen und Westhafen wurden am 15.02.2010 eingestellt. Der ABz Spandau hat Unterhaltungsarbeiten, die keine unmittelbare Gefährdung für die Verkehrsteilnehmer darstellen, gestoppt und in die Saison 2010/11 verschoben.“

Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal 03

BSK 03

In flagrantem Widerspruch zu diesen Aussagen des ABz-Leiters Moneke und vor allem der Zusicherungen seines Chefs gegenüber Forumsmitgliedern wurden jedoch derweil, als sei rein nichts geschehen, die „Baumpflegearbeiten“ unbeirrt fortgesetzt. Von der Plötzensee-Schleuse bis nach Spandau (Saatwinkler Steg) ging parallel zum gleichnamigen Damm das verkehrssicherungstechnisch und fachlich ungerechtfertigte, völlig sinnlose Gemetzel im wertvollen ufernahen Baumbestand weiter.

Der Verein BaL e.V., leider zu spät von Zeugen alarmiert, beauftragte umgehend seinerseits den Baumsachverständigen Barsig, die Maßnahmen zu dokumentieren, überschlägig einzuschätzen und ggf. Empfehlungen für Kompensationen zu geben. Seine Dokumentation und erste Bewertung kommen jedenfalls zu einem ähnlich verheerenderen Resultat wie seine Validierung der vorigen Aktionen.

Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal 04

BSK 04

Man traut seinen Augen kaum angesichts dieser skrupellosen, anachronistischen Nichtachtung ökologischer und naturschutzfachlicher Erfordernisse, der Erholungsbedürfnisse der Bevölkerung, der Erhaltung des Landschaftsbilds, ganz zu schweigen von der Ignoranz gegenüber den begründeten Protesten engagierter BürgerInnen. − Das Wort des Amtsleiters erscheint völlig diskreditiert und ohne Gewicht, unser Argwohn hingegen drastisch bestärkt, dass die Einsicht der Bundesbehörde, die ja seit jeher Senat und Bezirken mit notorischer Arroganz gegenüber zu treten pflegt, beim „Leuchturmprojekt“ LWK rein taktischer Natur ist.

Vor Ort waltete offensichtlich auch wieder dieselbe, fachlich wenig kompetente Firma aus dem Mecklenburgischen (die u.E. in Regress genommen und so bald nicht wieder öffentlich beauftragt gehört) und rodete abermals in Missachtung aller einschlägigen Vorschriften von ZTV bis zum BfG-„Leitbild der Gehölzunterhaltung“ viele Dutzend Bäume − Ahorn, Erle, Eschenahorn, Robinie, Weide − oder kappte sie rigoros, die Lebenserwartung der betroffenen Gehölze um Jahrzehnte verringernd, den kostenintensiven Pflegebedarf hingegen steigernd.

Nach Auffassung einer hochrangigen Senatsvertreterin ist es aber Sache der Bezirke, bei der Benehmensherstellung im Zweifelsfall die Erfordernis solcher Maßnahmen überprüfen zu lassen. − Andererseits aber feilt der Senat als Oberste Naturschutzbehörde gerade an einer Landes-Biodiversitätsstrategie, arbeitet am „Grünen Leitbild Berlin“, der Umsetzung des STEP Klima, betont im Jahr der Artenvielfalt den hohen Stellenwert der Berliner Gewässer für die Biotopvernetzung − Das alles wirkt angesichts derart willkürlicher Schädigung und Zerstörung von Stadtnatur von wahrlich bezirksübergreifendem Charakter als pure ökologische Symbolpolitik. Die Bezirke aber – betroffen war zunächst Mitte; Charlottenburg und Spandau sind es jetzt − wurden schon in der Vergangenheit (Mitte und Spandau) bei der vorgeschriebenen Benehmensherstellung vom ABz Spandau nur unzureichend und lückenhaft informiert. − Auch wie die zur Beratung hinzuzuziehenden Vertreter von Bundesforsten einen solchen Raubbau gutheißen können, bleibt rätselhaft.

Protestnote Zwo

Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal 05

BSK 05

So heißt es denn in unserer, diesmal auch an die WSD Ost gerichteten Protestnote Nummero 2: „Durch dieses rücksichtslose Vorgehen des WSA im Verdacht bestätigt, dass der von Amtsleiter Scholz immer wieder zugesagte ‚bestmögliche Baumschutz‘ sich jenseits des Lwk als Lippenbekenntnis erweist, hier also nur dem öffentlichen Druck und dem Mediationsverfahren geschuldet ist, sehen wir das mühselig aufgebaute Vertrauen einmal mehr von Seiten des WSA empfindlich verletzt und müssen ungeachtet einiger positiver Beispiele, dass ein umweltverträglicher Wasserbau durchaus möglich und machbar ist, dennoch befürchten, dass es zu keinem nachhaltigen Umdenken gekommen ist, sondern auch am LWK jederzeit mit einem Rückfall auf den Stand vom Frühjahr 2007 gerechnet werden muss.“

Kompensation sofort!

„Wir fordern Sie hiermit zu einer verbindlichen Erklärung auf, als ersten Schritt und angesichts der nur noch ca. vier Wochen währenden Pflanzzeit unverzüglich Ausgleichs- u. Ersatzmaßnahmen in Auftrag zu geben. − Sollten Sie hierzu nicht bereit sein, müssen wir über geeignete Konsequenzen nachdenken. Es macht keinerlei Sinn und ist in keiner Weise zu rechtfertigen, mit viel Energie Einzelbäume am LWK zu erhalten, wenn quasi um die Ecke im Zuständigkeitsbereich derselben Behörde der Kettensäge ein Vielfaches an ökologisch hochwertigem Baumbestand anheim fällt, nur weil es hier wegen der geringeren Wohnbevölkerung nicht gleich bemerkt wird bzw. weniger Druck gibt. Und was nützen ökologisch ambitionierte Leitlinien und Regularien der WSV, wenn sich der Unterbau nicht daran hält und sie den Ausführenden vielfach nicht einmal bekannt sind?“

Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal 06

Am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal

WSA-Leiter rechtfertigt Kappungen und Fällungen

Abstimmung mit BfG, Bundesforsten, Bezirksamt Mitte und Baumsachverständigen

Bäume seien krank, nicht standortgerecht, würden im Frühling aber wieder grün

WSA-Chef Michael Scholz kam am gestrigen Dienstag eigens in die Sitzung der AG Gutachten und Planwerke, die sich mit der Durchführung von UVS und LPB befasste [Bericht folgt], um zu den Vorwürfen der BürgervertreterInnen gegenüber den umfangreichen Kappungs- und Fällmaßnahmen entlang des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals Stellung zu nehmen. Die BürgervertreterInnen hatten mit sich gerungen, diese Sitzung wegen der Vorfälle und weil sie sich einmal mehr auf den Arm genommen fühlten − drinnen wird verhandelt und draußen derweil gefällt − demonstrativ zu boykottieren, doch sie beschränkten sich, weil andererseits die inhaltliche Füllung der vom WSA angebotenen UVS sehr wichtig und auch eine große Chance ist, aufs Überreichen einer Protestnote. (Der spätere Verlauf der Sitzung sollte diese Entscheidung rechtfertigen.) − Amtsleiter Scholz hingegen berichtete, er habe die Arbeiten am späten Rosenmontagnachmittag  zwar stoppen, doch gleich nach in Augenscheinnahme mit dem Leiter des Außenbezirks, Matthias Moneke, am folgenden Tag wiederaufnehmen und zu Ende führen lassen, da sie bereits „zu 99 Prozent abgeschlossen“ gewesen wären. (Die Beschneidung zweier Weiden würde auf die nächste Fällsaison verschoben und nur noch Totholz aus einer Robinie entfernt.)

Alle Schnittmaßnahmen seien vorschriftsmäßig und nach Recht und Gesetz durchgeführt worden, ihre Notwendigkeit durch externe Gutachten belegt, die u.a. sogar vom Baumsachverständigen Dr. Barsig erstellt und auch von Mitarbeitern der Berliner Forsten befürwortet worden seien. Alle entsprechenden Unterlagen würden selbstverständlich zugänglich gemacht. Danach hätten bruchgefährdete Äste der Uferbäume über den Uferwanderweg sowie die Wasserfläche des Kanals geragt und so die Verkehrssicherheit beeinträchtigt; die Bäume seien krank und in verschiedenen Stadien geschädigt gewesen; ihre Beschneidung wirke natürlich jetzt im Winter besonders auf den interessierten Laien sehr grausig, da gäbe es nichts zu beschönigen: aber im Frühjahr wachse doch alles wieder nach und werde grün…

Im Übrigen seien die Pflegemaßnahmen Teil einer in Abstimmung mit der BfG entwickelten dreistufigen Unterhaltungsmaßnahme, die als zweiten Schritt die Neupflanzung standortgerechter Arten und in einem dritten innerhalb der nächsten zehn Jahre die gänzliche Herausnahme der Altbäume vorsehe. − Gerüchte, dass die Kooperation des ABz Spandau mit dem Spandauer Bezirksamt suboptimal sei, wären alt und überholt.

SenStadt-Vertreterin Mangold-Zatti, die erfreulicherweise mal wieder den Weg in eine AG des Mediationsverfahrens gefunden hatte, schaltete sich ein und bestätigte, dass Baumpflegemaßnahmen gerade im Winter doch immer schlimm aussähen und wünschte sich ansonsten, im Zuge der Entwicklungsplanung bzw. Erstellung einer Bauleitplanung des Senats für den Bereich von Heide- bis Perleberger Straße, was Art und Weise der nun angesprochenen Neupflanzungen betreffe, eingebunden zu werden.

NABU: Nicht fachgerechte Baumarbeiten überall in der Stadt

Demgegenüber bestätigte NABU-Vertreterin Kielhorn, dass von den Behörden oft Baumpflegefirmen beauftragt würden, die zwar gewisse fachliche Befähigungsnachweise und Referenzen vorlegen würden, aber in den betreffenden Ausschreibung meist nur deshalb das kostengünstigste Angebot abgeben könnten, weil sie die Arbeit vor Ort von unzureichend geschultem Personal ausführen ließen. Dies sei ein überall in der Stadt zu beobachtender Missstand, und hier käme es darauf an, die Arbeit der Baumpflege-Firmen, wie vorgeschrieben, auch tatsächlich während der Ausführung zu kontrollieren bzw. sie ggf. endlich auch mal in Regress zu nehmen. − Dem stimmte denn auch Frau Mangold-Zatti bei.

Maßnahmen am BSK sollen baumsachverständig evaluiert werden

Dr. Barsig stellte indessen klar, dass er 2009 am BSK nur für die Begutachtung eines Einzelbaums beauftragt gewesen sei und erledigt habe. Dieser Baum hätte sich als vital erwiesen und stünde auch noch. Die Nachbargehölze, Erlen, hätten einen ebensolchen Eindruck gemacht, seien durchaus von standortgerechter Art, doch inzwischen massiv zurückgeschnitten bzw. gefällt worden. Von der BfG sei die Erstellung eines Unterhaltungsplans für den BSK angekündigt, und da sei es doch ratsam, diesen zunächst abzuwarten bzw. mit dem angesprochenen B-Plan zu verzahnen, anstatt jetzt schon mal mit einem umfassenden Gehölzumbau zu beginnen.

Amtsleiter Scholz stellte die Beauftragung Dr. Barsigs zur Validierung der umstrittenen Maßnahme in Aussicht, bevor er die AG-Sitzung verließ.

Baumfrevel am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal

WSV braucht eins zwei viele Mediationsverfahren

Verstoß gegen alle einschlägigen Vorschriften!

BSK, Kieler Straße 01

Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal, Kieler Str.

Die Gegend am Nordhafen und an der Kieler Straße entlang des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals (BSK) ist ein Gewerbegebiet mit wenig Wohnbebauung und besonders bei diesen unwirtlichen Witterungsverhältnissen von Fußgängern nur wenig frequentiert. So gab es auch keinerlei Proteste, als vor einigen Tagen gleich reihenweise (Ufer)Bäume, die laut Beschilderung alle dem WSA gehören und im Zuständigkeitsbereich des Außenbezirk Spandau stehen, von den offensichtlich semi-professionellen Kräften einer Fremdfirma in wahrhaft barbarischer Weise gekappt bzw. extrem zurückgeschnitten wurden, ohne dass auf die jeweilige Wuchsform irgendwelche Rücksicht genommen worden wäre. − Eher zufällig erreichten uns diese Infos und die Fotos unten [die man jetzt durch Anklicken noch bedeutend vergrößern kann, denn dankenswerterweise wurden uns inzwischen die Dateien in höherer Auflösung zur Verfügung gestellt!]

BSK, Kieler Straße 02

BSK, Kieler Straße

Solche gravierenden Eingriffe dürfen gemäß BfG-„Leitfaden zur Baumkontrolle an Bundeswasserstraßen“ nur als Notmaßnahme zur Herstellung der Verkehrssicherheit durchgeführt werden und verstoßen ansonsten gegen das Vermeidungsverbot nach Bundesnaturschutzgesetz: „Beeinträchtigungen von Baum (Naturhaushalt) und Landschaftsbild nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich“ bzw. gegen die ZTV [zusätzlichen technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für] Baumpflege sowie den 2. Grundsatz des „Leitbilds der Gehölzunterhaltung an Bundeswasserstraßen in Verbindung mit der WSV„: „Nur so viel wie nötig (Verkehrssicherung) und so wenig wie möglich eingreifen (Vermeidungsgebot)“.

Erklärungsbedarf

BSK, Kieler Straße 03

BSK, Kieler Straße - Abtransport

Es ist somit unbedingt zu klären: Welcher Handlungsbedarf hat hier warum bestanden? Hat es bei diesen baumzerstörenden Eingriffen die vorgeschriebene Abstimmung mit dem ABz-Leiter, eine eingehende Untersuchung, die nur von einem externen Gutachter und nicht von einem WSV-Baumprüfer durchgeführt werden darf, sowie eine Anhörung/Abstimmung mit der UNB, in dem Fall mit dem Naturschutz- und Grünflächenamt Mitte gegeben? Warum sind die Maßnahmen nicht, wie vorgeschrieben, in Anwesenheit der qualifizierten Baumprüfer der WSV erfolgt?

An den Schnittstellen waren übrigens keinerlei Holzschäden auffindbar.

Baumschutz nur am Landwehrkanal?

BSK, Kieler Straße 04

BSK, Kieler Straße - verkehrsgefährdend ?

Der (für den BSK nicht zuständige!) Leiter des ABz Neukölln, Jörg Augsten, hat uns vor Weihnachten im Rahmen des Mediationsverfahrens zur Zukunft des LWK in einem luziden Vortrag über Baumkontrolle, -unterhaltung und -pflege im Zuständigkeitsbereich der WSV informiert und in diesem Zusammenhang auch über die Tatsache, dass der WSA-Leiter für die Absicherung der ständigen Fortbildung der Baumprüfer und Außenbeamten zuständig ist, in seinem Amtsbereich einen, die verschiedenen Außenbezirke übergreifenden Erfahrungsaustausch zur Verkehrssicherheit von Bäumen (Baumkontrolle und Sicherungsmaßnahmen) zu veranlassen und auch, was die Planung und Durchführung von Baum-Sicherungsmaßnahmen betrifft, den internen und externen Informationsfluss sicherzustellen hat.

BSK, Kieler Straße 06

BSK, Kieler Straße - fachgerecht ?

Das Credo vom „bestmöglichen Baumschutz“ kann den Sophienwerder Weg [Sitz des ABz Spandau] jedenfalls noch nicht erreicht haben, oder sollte es sich tatsächlich nur auf den LWK beziehen, wie uns schon oft NaturschützerInnen bedeutetet haben, die von der Energie und dem Engagement für die Bäume am LWK gerne etwas abzweigen würden für die langen Abschnitte an unseren Bundeswasserstraßen, wo es keine Wohnbevölkerung gibt und die WSV wie ehedem nach Gutdünken mit dem Uferbaumbestand schaltet und waltet.

Wir hatten bis dato immer Flüsse und Kanäle in Brandenburg, Thüringen oder (Nieder-)Sachsen im Sinn und haben nicht geglaubt, dass dieser baumschutzfreie Raum schon am BSK beginnt.

Nordhafen 05

Am Nordhafen

Update vom 15. Februar

Nordhafen 01

Nordhafen, Sellerbrücke

Nachdem Montag früh Informationen darauf hindeuteten, dass Kappen und Fällen auch am Hohenzollernkanal und Westhafen fortgesetzt würden und man uns im Außenbezirk Spandau nur an Baumkontrolleur Kasten verwies, der „Dienstag ab sieben gesprächsbereit“ sei, Leiter Matthias Moneke aber leider nicht für ein Gespräch zur Verfügung stand, beantwortete demgegenüber Amtsleiter Scholz unsere dringliche Mail-Anfrage nach Anlass und Begründung der Sägerei nach Rücksprache mit seinem ABz-Leiter noch am späten Nachmittag wie folgt:

  • die Verkehrssicherung ist der Auslöser
  • die Schnittmaßnahmen erfolgen noch in der vegetationsarmen Periode
  • der Auftrag wurde an eine Fachfirma erteilt
  • das Benehmen mit dem Bezirksamt wurde sach- und termingerecht hergestellt
  • die Maßnahme wurde durch den Außenbezirk mit einem geschulten Baumsachverständigen begleitet.
Nordhafen 02

Am Nordhafen

Gleichwohl „werden hiermit sofort die Arbeiten gestoppt!“

Das ist natürlich für die Bäume am Hohenzollernkanal und Westhafen schon mal sehr erfreulich, wenngleich für jene entlang des BSK natürlich, wie die Fotos zeigen, zu spät.

Nordhafen 03

Fäll- und Schnittgut vorm Abtransport

Da morgen (16.2.) zufällig ohnhin die Mitglieder der Arbeitsgruppe Gutachten und Planwerke zu einer längeren Sitzung  im WSA
zusammen kommen, werden wir vielleicht am Rande dieses Treffens Gelegenheit erhalten, die bei solchen erheblichen Schnitt- und Fällmaßnahmen ja erforderlichen externernen Baumgutachten einzusehen, worum wir jedenfalls vorsorglich gebeten haben.

Sollte indessen jemand an den genannten Orten dennoch weitere Baumarbeiten beobachten, wären wir für Hinweise unter 01577.424 80 26 oder per E-Mail an vorstand[at]baeume-am-landwehrkanal.de dankbar! Auch aussagekräftiges digitales Bildmaterial ist hochwillkommen und wird − es sei denn, es ist ausdrücklich anders gewünscht − natürlich mit Quellenangabe veröffentlicht.