Rammprobe am Tempelhofer Ufer

Bemühungen um eine Beweissicherung

Es treten auf:
Vom WSA: Amtsleiter Hr. Scholz, Fr. Bodenmeier (Pressesprecherin LWK), Fr. Nulle (Baubevollmächtigte), Hr. Henniger (technischer Sachbearbeiter SB 2), Hr. Porth (Bauaufsicht), Fr. Hirschmann, Hr. Köpke, Hr. Wutschke, (Projektgruppe LWK); von der SenGUV: Hr. Klempin und MitarbeiterInnen; Hr. Stein und weitere Mitarbeiter der ausführenden Firma Otto Mette Wasserbau; 3 Mitarbeiter der Firma Weitland-Thiel KG (Technik-Diagnostik); 3 Mitglieder von BI/Verein Bäume am Landwehrkanal; weitere Interessierte.
Ort der Handlung: Tempelhofer Ufer vis-à-vis Shell-Tankstelle (Abschnitt 3)

Rammen durchgängig notwendig!

Vorm eigentlichen Testbeginn (am 26.2. zur Zeit der Mittagspause) wurde von verschiedener Seite klargestellt (und später von WSA-Chef Scholz bestätigt), dass nach letztem Kenntnisstand in allen sechs wasserseitig zu sichernden Abschnitten gerammt werden müsse − außer eben im längsten Abschnitt 1 (am Corneliusufer in Mitte), wo bekanntlich der Untergrund im Kanalbett sich ab einer gewissen Tiefe als derart hart erwiesen habe, dass nur ein Vorbohren in Frage komme.

Proberammung

Proberammung am 26.2.09

Für überhängende Baumkronen entstehe durchs Rammen ungeachtet der „Mimik“ des erforderlichen Seilzugkrans mit seinen über zwanzig Metern Höhe nicht unbedingt weiterer Schaden, da man bei weniger verfügbarem Arbeitsraum den Kran durch einen kleinen Hydraulikbagger ersetzen und mit diesem rammen könne. So werde schließlich auch unter Brücken verfahren. (Dieser Auskunft der Fa. Mette hat allerdings ein Verantwortlicher des WSA bei anderer Gelegenheit bereits widersprochen − und nicht zuletzt die aus solchen Ungereimtheiten resultierende Ungewissheit macht das ganze Unterfangen ja so spannend!) − Das ungleich gravierendere Problem aus Sicht der Wasserbauer besteht hingegen in der Notwendigkeit, ständig ihren Gerätepark auf- und abbauen und von Kreuzberg nach Mitte und wieder retour schaffen zu müssen.

Schuld an den zeit- und kostenintensiven Verzögerungen sind immer die BürgerInnnen!

Politische Bäume

Politische Bäume am Tempelhofer Ufer

Nicht weiter erstaunen oder gar ob seiner Unverschämtheit empören vermochte in diesem Zusammenhang der Versuch von verantwortlichen WSA-MitarbeiterInnen, die Schuld an den ständigen Verzögerungen im Arbeitsablauf dem Mediationsverfahren, dem Forum und insbesondere der BI anzulasten: Wieso hätten wir denn bloß den Schnittmaßnahmen an den vier Linden im Abschnitt 6 die Zustimmung verweigert, so dass die Arbeiten dort nicht planmäßig beginnen konnten, aber jenen im Fall der Hängeweide hier im Abschnitt 3 zugestimmt?! Und was hätten denn die Baumschnittmaßnahmen mit der noch ausstehenden Prüfstatik für die so genannte Staffelrammung zu tun?

Dazu ist zu sagen, dass

  • der Beschneidung der Weide nur wenig Starkholz zum Opfer fiel, selbst dann, als plötzlich der benötigte Arbeitsraum von acht auf neun Meter erhöht werden musste, vor allem die Beschneidung aber längst erfolgt war (!) und das Mediationsforum nur aus protokollarischen Gründen ihr noch nachträglich zustimmte;
  • dass die gekappten Weiden-Girlanden relativ schnell wieder nachtreiben, während es bei einer Linde generell anders aussieht,  im konkreten Fall jedoch vor allem abermalige Ad-hoc-Entscheidungen über Schnittmaßnahmen prinzipiell ausgeschlossen werden sollen;
  • dass laut Forums-Vereinbarung die Beschneidung unter baumsachverständiger Aufsicht baubegleitend, also simultan erfolgen muss, eben damit nur das unbedingt Nötige falle und nicht etwa vorauseilend schon mal größtmögliche Bewegungsfreiheit geschaffen werde, und
  • dass last but not least die Staffelrammung mit unterschiedlicher Einbindungstiefe der Bohlen (nämlich 7m – 3m – 7m – 3m) streng genommen noch gar nicht erfolgen dürfte, weil, wie gesagt, das eigentliche Prüfgutachten zu ihrer statischen Unbedenklichkeit, wiewohl es die Leiterin des Sachbereichs 2, Frau Riemer, anlässlich ihres Vortrags am 11.2. im WSA „irgendwo im Hause“ vermutete, mitnichten bereits vorlag, wir vielmehr bis heute darauf warten, ja nun auch noch erfahren mussten, die dazu erforderlichen Unterlagen seien erst am Vortag (25.2.) den Prüferingenieuren der Fa. Krone überstellt worden.*

All diese Gründe konnten bei den ProtagonistInnen der beteiligungsfeindlichen Mehrheitsfraktion im WSA naturgemäß nicht verfangen. Ihr Urteil über Bürgerpartizipation steht a priori fest. Deshalb ein

Exkurs zur beteiligungsfeindlichen Fraktion im WSA

Im Böcklerpark

Am LWKanalufer im Böcklerpark © A. Guttzeit

Für uns macht dieses ganze undurchschaubare Gewürge nur einmal mehr deutlich, dass das WSA diese erste eigentliche Baumaßnahme am LWK völlig unzureichend vorgeplant und vorbereitet hat und nunmehr unter selbst verschuldetem, immer wachsendem Zeitdruck, steigendem organisatorischem Chaos und abnehmender Rücksicht auf Verluste durchziehen will. In der sog. Freien Wirtschaft würde ein Unternehmen, das eine derartige Performance ablieferte, bspw. von der im Herbst folgenden Aufgabe der Sanierung des Riedelanlegers am Maybachufer mit Sicherheit schleunigst entbunden. Unterdessen scheint die erwähnte, von uns als bürgerfeindlich erlebte Fraktion entschlossen, durch offene Provokationen der „Gegenseite“, wie die partizipierenden BürgerInnen schon mal tituliert werden, das Mediationsverfahren vor die Wand zu fahren.

Holzung

Holzung © A. Guttzeit

Denn wie sollen wir bspw. nach den vielen Stunden am Verhandlungstisch die fortgesetzten unangekündigten Holzereien [siehe auch hier] inmitten unseres Naherholungsgebiets anders erklären? Vielleicht damit, dass die dafür verantwortlichen MitarbeiterInnen des chronisch unterbesetzten ABZ Neukölln die Vorgaben des 2002 in Kraft gesetzten Unterhaltungsplans einfach vergessen haben, von den Vereinbarungen des Mediationsverfahrens erst gar nicht zu reden? − Oder wie kann es sein, dass immer und immer wieder entscheidende Änderungen im Bauablauf zunächst gar nicht, dann nur kleckerleweise und ausführlicher erst im allerletzten Moment und ganz en passent kommuniziert werden?

Carl-Herz-Ufer

Carl-Herz-Ufer

Diese Fraktion hat keinerlei Interesse, das ausgefahrene Gleis des „Haben wir immer so gemacht“ zu verlassen und so etwas wie Bürgerbeteiligung ernst zu nehmen, gar eine notwendige Bedingung nachhaltiger Planung in ihr zu sehen und deshalb endlich den Umgang damit zu lernen, sondern sieht darin beharrlich nichts als unbefugte Einmischung unqualifizierten Querulantentums, fürchtet Machtverlust, empfindet das ganze Mediationstheater schlicht als zeitraubende Zumutung und ist bei jeder Gelegenheit bereit, das in vielen Monaten mühsam aufgebaute Vertrauen unbekümmert zu verspielen und jenen im Amt, denen es damit wirklich ernst scheint, immer wieder in den Rücken zu fallen.

Zossener Brücke

Zossener Brücke

Und, mit Verlaub, da scheint auch ein gerüttelt Maß purer Einfalt involviert, der höchstwahrscheinlich auch mit qualifizierter Weiterbildung nicht beizukommen ist. Am Haupt hat das Amt bekanntlich eine Erneuerung erfahren: bleiben noch die Glieder… Die aktuellen Geschehnisse mit all den hahnebüchenen Pannen lassen jedenfalls nach unserer Auffassung die Unverzichtbarkeit und Überfälligkeit öffentlicher Leistungs- und Qualitätskontrolle durch BürgerInnen-Beteiligung, eben qua Partizipation der Betroffenen und Leidtragenden (und eben als BürgerInnen ja eigentlichen Arbeitgeber der Verwaltung) nur umso schärfer hervortreten.

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Rammbär

Der Rammbär

Der Rammbär, eine im Idealfall selbstzündende Dieselmaschine ausgesprochen altertümlichen Aussehens, welche einige unter den Versammelten über eine Leihgabe des nahen Technik-Museums frozzeln ließ, wird lt. Amtsleiter Scholz deshalb eingesetzt, weil sein „Impulsverhalten fürs marode Ufermauerwerk am günstigsten“ sei und noch von keiner avancierteren Technik erreicht werde: „Das Fahrrad braucht man auch nur einmal zu erfinden,“ ließen sich die Liebhaber dieses Bären vernehmen. Die Möglichkeit der Entstehung von gefährlichen Resonanzschwingungen, gar einer „Resonanzkatastrophe“, welche ja zuerst unsere denkmalgeschützte Ufermauer abrutschen ließe, sei zu vernachlässigen.

Schallmessung

Messung der Lärmemissionen

Bei der vorgeschriebenen Beweissicherung gehe es nur um die Ermittlung der Gesamtschwingung und auch nur im Fundamentbereich von Wohngebäuden, technischen (hier die Tankstelle) bzw. denkmalgeschützten Bauwerken**, da die i.d.R. ums ca. zweieinhalbfache höheren Deckenschwingungen von der jeweiligen Bauausführung beeinflusst würden. (Dass am Corneliusufer die Rammungen abgebrochen werden mussten, weil in einem der dortigen Luxus-Quartiere Risse in den Wänden aufgetreten seien, wurde jedenfalls als bloßes Gerücht zurückgewiesen.)

Schallmessung

Lärmpegel-Messung

Für Messungen der Erschütterungen und der Lärmemissionen hatte die Fa. Mette selber die Weitlandt-Thiel KG für technische Diagnostik beauftragt. Ein Mitarbeiter postierte sich mit Schwingungssensoren und Equipment vor dem einzigen Wohngebäude in ungefähr 30 Metern Entfernung (Tempelhofer Ufer 35), ein anderer reckte zusammen mit Vertretern von SenGUV aus ca. 10m-Distanz Mikrofone in Richtung des Dieselhammers. Nur sein Motor, dessen Geräusch im Vergleich zu dem des aufs Stahlprofil schlagenden Stempels eher zu vernachlässigen war, wurde durch einen sog. Schallkamin abgeschirmt, da durchgängig Eingriffe von Hand nötig blieben, die der Schirm behindert hätte.

Mit nur wenigen dürren Worten erläuterte die Baubevollmächtigte den Vorgang und wies das Auditorium ansonsten darauf hin, dass fürs eigene Gehör selbst Sorge zu tragen sei, da das WSA leider keinen überzähligen Hörschutz vorhalte − doch unsereins ist glücklicherweise auch rammsteingestählt.  Zu weiteren Unterredungen traten die Fachleute jeweils beiseite und achteten peinlich darauf, außerhalb der Hörweite von BürgervertreterInnen zu sein.

Ein Fiasko

Techniker mit Ätherflasche

Techniker mit Ätherflasche

Ums vorweg zu nehmen: die ermittelten Werte zu Schwingung (zwischen 0,5 und 1,5 mm/sec) und Lärmemission (um die 100 db) sind allenfalls vorläufige, denn Mettes Technofossil erwies sich „witterungsbedingt“ (8° C plus!) eher als Spät- oder Fehl- denn als Selbstzünder. Da konnte der junge, zwar mit Gehör-, jedoch ohne Atemschutz inmitten rußschwarzer Dieseldämpfe auf der Schute stehende Techniker von Hand aus einer Plastikpulle (und überm offenen Kanalwasser!) noch so viel Industrie-Äther als Zündhilfe nachgießen: mehr als vier, fünf Schläge mochte der Stempel nicht aufs Z-Profil des 6m-Stahlbohlen-Teilstücks drücken − dann blieb die Zündung aus, der Hammer wurde nicht mehr in die Höhe geschleudert, sondern musste per Muskelkraft bzw. durch einen auf der Schute stehenden weiteren Dieselmotor hochgehievt werden − wieder und wieder, über zwei Stunden lang − bis endlich auch noch der Sprit ausging, wonach alle gehörig durchgefroren auseinander liefen. Eine Bohle war mit unwesentlich verbogenem Profil glücklich auf Endtiefe gebracht, die zweite ragte noch gut einen Meter drüber raus.

Stempel

Dieselruß & Co.

Wenngleich auch die Mette-Mannen darob reichlich betreten zu Boden bzw. aufs Deck ihrer Schute blickten, so verkniff sich ihr Einsatzleiter die Allerweltsausflucht „Vorführeffekt“ und tat vielmehr so, als laufe alles völlig normal. Der naheliegende, zugegebenermaßen in dieser Situation zu spät kommende Vorschlag, man hätte vor dem Hintergrund des Anlasses und der Erfahrungen das Gerät vielleicht doch vorwärmen sollen, konterte ein WSAler unwirsch mit einem „Wenn der Hund nicht…“

Gleichwohl wäre die Fa. Mette gut beraten, wenn sie sich am 3. März beizeiten dieses Vorschlags erinnerte: Dann soll nämlich um 11 Uhr am Herkulesufer in Mitte der Test-Rammung 2. Akt aufgeführt werden.

Bohlen

Sitzt, passt... © U. Kleimeier

Wir konnten uns später überzeugen, dass es doch noch geklappt haben muss: Alle Bohlen ragen mit exakt gleicher Länge aus dem Wasser und harren nun noch ihres „Aufjungferns“ bzw. „Aufständerns“, also dem Aufsetzen und Anschweißen der Teilstücke, bevor die Bohlen dann in einer 3. Arbeitsphase auf je unterschiedliche Endtiefe gerammt werden.

Und nun steht nach den Worten des Amtsleiters zu hoffen, dass sich diese temporäre Lösung zugleich auch als die dauerhafte erweise, da das Herausziehen der Bohlen ein höchst aufwendiger Akt wäre und an ihre Wiederverwendung zur Baugrubensicherung anderswo, wie vom WSA anfangs noch beabsichtigt, gar nicht zu denken.


* inzwischen wurde der Prüfbericht für die 6. Sitzung des AK Kurzfristige Maßnahmen am kommenden Montag (2.3.) avisiert

** so die drei Kategorien gemäß DIN 4150-3 mit jeweils unterschiedlichen Grenzwerten zwischen 3 und 10 mm/sec

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Betonklötze an Herkules- und Corneliusufer bleiben den Bäumen vorerst erhalten

Unerwartete Festigkeit der Kanalsohle wirft WSA-Planung über den Haufen

Spundwand Herkulesufer

Spundwand-Verpressung am Herkulesufer Quelle: WSA-B 

Was sich bereits seit einigen Wochen abzeichnete, hat sich inzwischen zur Gewissheit verdichtet: Die wasserseitige Sicherung der maroden Ufermauer als (angeblich!) notwendige Voraussetzung, die landseitige Sicherung des ufernahen Baumbestands mittels der „Brockelmänner“ − jener monströsen Betonklötze samt Balken, Eisen und Manschetten −, rückzubauen, ist ausgerechnet an den längsten Kanalabschnitten im Bezirk Mitte vorerst nicht möglich. Die „Korsettierung“ (Scholz) bleibt den geschundenen Kastanien auch die kommende Vegetationsperiode hindurch erhalten und kann allenfalls am Herkulesufer im Juni verschwinden [s.u.]. Unter den im letzten Jahr allzu spät gegen eine elastische Variante ausgetauschten Manschetten wird bis dahin, so befürchtet der Baumsachverständige Dr. Barsig,  die Rinde zu faulen beginnen. Und nicht zuletzt der Baumrevierleiter des Bezirks und Mitglied des Mediationsforums, Wolfgang Leder, wird wenig begeistert sein.

Die Baugrundsondierung, die ein Einpressen von Stahlspundwänden 1,75 Meter vor der Uferbefestigung und neun Meter tief als machbar nahelegte, war offenbar unzureichend, um das mindeste zu sagen. Im Kanalbett gibt es, wie berichtet, derart feste Schichten und Einschlüsse, dass die Spundbohlen nicht nur eingerammt werden müssen, sondern zudem jeweils noch Vorbohren angesagt ist. Dies wiederum erfordert wegen der entlang des Corneliusufers besonders geringen Kanalbreite allererst die Konstruktion eines speziellen Trägergeräts für die „Bohrmaschine“.

Hinzu kommt, dass die bspw. von WSA-Ingenieur Albrecht Biewald im Oktober letzten Jahres [siehe hier] noch vertretene Ansicht, wonach Rammen „zwar akustisch spektakulärer, fürs Bauwerk aber sogar schonender“ sei als Pressen, offenbar vom Bauhaus-Archiv nicht ohne weiteres geteilt wird. Das Museum will nämlich kommenden Mai im Bereich Herkulesufer empfindliche Exponate auslagern, weswegen erst anschließend hier gerammt werden darf und die Betonwürfel sonach nicht vor Juni beseitigt werden können.

Senatsverwaltung fordert weitere Gutachten

Auch SenStadtBau hat aus Skepsis gegenüber der behaupteten Unbedenklichkeit des Rammens an der Möckernbrücke (Abschnitt 4) erst mal einen Baustopp verhängt und überall dort, wo gerammt und/oder gebohrt werden soll, im Hinblick auf die Unversehrtheit umliegender Gebäude weitere, vom WSA zu finanzierende Gutachten verlangt. (Ähnliches hätte mensch ja eigentlich auch vom Landesdenkmalamt erwartet.) Deshalb „laufen Vorbereitungen für eine Proberammung mit schwingungstechnischen und akustischen Messungen“, die laut WSA-Website in der nächsten und übernächsten Woche durchgeführt werden sollen. Wie’s danach weitergeht, ist noch ungewiss, aber von entsprechenden Test-Bohrungen können wir wohl ebenfalls ausgehen.

Kanalsperrung in der Saison?

Die Fahrgastschiffer dürfte demgegenüber interessieren, ob nun doch mitten in der Saison mit einer Kanalsperrung zu rechnen ist oder ob, um sie zu vermeiden und angesichts des Fehlens eigentlicher Wohnbebauung am Herkulesufer die Wasserbauer Nachtschichten fahren können, ohne AnwohnerInnen damit wach zu halten.

Ingenieur Biewald versichert unterdessen, dass auch bei geringerer Einbindungstiefe der Bohlen − nicht acht Meter wie für die (dauerhaften) Plass-Varianten durchgeprüft, sondern nur sechs − die Statik der Spundwand dauerhaft gewährleistet sei. [Nachtrag, 21.2.: Hierüber wird der für nächste Woche erwartete „Prüfvermerk“ der Fa. Krone hoffentlich Aufschluss geben. Dieses Gutachten wird in einer Rundmail den Forumsmitgliedern übersandt und ihre anschließende Zustimmung zu den Schnittmaßnahmen an den Linden bis spätestens 12.3. erwartet. Vorausgesetzt, es bestehen keine weiteren Unklarheiten, können die Arbeiten im Abschnitt 6 dann am Freitag, 13. März, beginnen. (Wir sind ja nicht abergläubisch.)]

Da übrigens wegen des Eigengewichts der selbstschreitenden Presse die Länge des jeweiligen Spundbohlen-Stücks mindestens ebenfalls sechs Meter betragen muss, damit das Teil nicht mitsamt der Hunderttausende Euro teuren Presse ins Wasser abkippt, ist es nun also definitiv nichts mit Dritteln, sondern ein mindestens neun Meter hoher Arbeitsraum unabdingbar! (Höchstens eine Bohle darf mal kürzer sein, denn dann kann die Presse über sie hinweg greifen.)

Hängeweide

Hängeweide am Tempelhofer Ufer (vorher)

Bei der überhängenden Weide am Tempelhofer Ufer in Kreuzberg (Abschnitt 3) hat es auch mit der Herstellung eines 9m-Lichtraumprofils geklappt, will sagen: stand nicht allzu viel Starkholz im Wege, und auch bei den „politischen“ Linden (Abschnitt 6) kann es laut Baumgutachter mit Ach & Krach gehen −, aber überhängende Baumkronen säumen nun mal vielerorts die Kanalufer. (Wir sind, wie gesagt, sehr gespannt, wann endlich eine genaue Kartierung hierzu beauftragt wird.) Jedenfalls werden die BaumschützerInnen auch in diesem Betracht noch lange auf dem Quivive sein müssen, denn je komplizierter sich die Sachlage darstellt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass das WSA vor Ort zu Hauruck-Lösungen greifen lässt.

Bund und Land spielen mit BürgerInnen-Anliegen Schwarzer Peter

BaumschützerInnen-Info vom 16.02.09

Offizielle Antwortschreiben sehen den jeweils anderen zuständig

Der vielbeschäftigte Bundestadtentwicklungsminister brauchte eine Weile, bis er antworten ließ. Als Weihnachtspost hatte ihm namens der „Bäume am Landwehrkanal“ BI-Mitglied Oliver Ginsberg noch einige Hundert Aktionspostkarten nebst Begleitschreiben übersandt, worin er den Minister noch einmal an den vielfach geäußerten Bürgerwunsch erinnerte, die notwendige Instandsetzung des LWK mit einem integrierten städtebaulichen Konzept zu seiner nachhaltigen Nutzung und ökologischen Entwicklung zu verbinden.

Die für die Sache schon so oft gebrauchte Wendung „Masterplan“ benutzte dabei sinnigerweise nur die beauftragte Frau Dr. Rettemeier in ihrem Antwortschreiben und erklärte, dass die Angelegenheit an die zuständigen Behörden des Landes Berlin übergeben worden sei: „Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung befürwortet und unterstützt die Entwicklung dieses Masterplans durch die Berliner Behörden.“

Nun ist aber gerade das Problem, dass die Idee des Masterplans zwar den „zuständigen Behörden des Landes Berlin übergeben“ wurde, diese sich jedoch, was das Detail Federführung betrifft, postwendend für unzuständig erklärt haben bzw. zuständig allenfalls für die „Moderation“ (so zumindest der SenStadt-Abteilungsleiter Rainer Nagel am 15.09.08 im Mediationsforum) und die Idee deshalb an die Bezirke weiterreichten. Die aber sind u. E. für ein bezirksübergreifendes Infrastrukturprojekt mit Sicherheit unzuständig, oder es mag vielleicht formal-verwaltungsrechtlich so sein, doch ist es wohl primär eine politische Frage, ob das finanziell notorisch klamme Land Berlin ein potentiell zukunftsweisendes Modellprojekt ökologischer Stadtentwicklung an die noch ungleich klammeren Bezirke delegiert und damit beerdigt oder ob es angesichts der zur Konjunkturankurbelung gerade auch für Infrastrukturmaßnahmen bereitstehenden Gelder sich besagte Idee zueigen macht und beim Bund diesbezüglich vorstellig wird. Bei dem erst für Anfang März anberaumten Treffen (von wem überhaupt außer VertreterInnen von SenStadt und dem allein willigen Bezirk F’hain-Kreuzberg?) kann Bezirksbürgermeister Franz Schulz streng genommen gar nichts anderes tun als konstatieren, dass der eingeschlagene Weg, ob nun gewollt oder nicht, in eine Sackgasse führt.

Und als gelte es, die durch Zuständigkeits- und Kompetenzgewirr organisierte Verantwortungslosigkeit zu illustrieren, lässt nun unsere Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer BI-Vertreterin Anuschka Guttzeit auf deren Mail im Rahmen unserer aktuellen Aktion hin mitteilen, dass vom Land Berlin leider keine Gelder für die Sanierung des LWK aus dem Konjunkturpaket II beantragt werden könnten, weil der sich doch „in der Zuständigkeit der Bundesverwaltung befindet…“ −, so als wisse die Senatorin gar nicht, worum es gehe und habe bspw. nicht eine einzige unserer anderthalb Tausend an sie adressierten Aktionskarten zu Gesicht bekommen, die wir in genannter Forumssitzung auch noch stapelweise ihrem Abteilungsleiter persönlich übergaben, ganz zu schweigen von jenem Schauexemplar, das wir anlässlich der Podiumsdiskussion zum Für und Wider eines Masterplans am Tag der Paddelparade ihrer Kollegin, Umweltsenatorin Lompscher, überreichten, nachdem sich diese −  wie bekanntlich auch alle übrigen Diskutanten − für eine solche integrierte Gesamtplanung der Zukunft des LWK unter Beteiligung von Bund, Land und Bezirken ausgesprochen hatte (und lediglich die Schaffung von Badewasserqualität im Kanal für arg utopisch hielt).

Gerade in einem Superwahljahr können wir jedenfalls die politisch Verantwortlichen nur warnen, dass durch solche unwürdigen Spielchen der allenthalben beklagte Verdruss eben nicht an der Politik, sondern an den PolitikerInnnen nur weiter wachsen wird, das zarte Pflänzchen Partizipation hingegen nicht gedeihen kann.

Auch wenn die Deadline, Projekte fürs Konjunkturpaket zu melden, inzwischen vorüber scheint, appellieren wir natürlich weiterhin an alle Engagierten, die noch nicht jede Hoffnung fahren ließen: Beteiligt Euch an unserer Mail-Aktion! Schreibt an die Verantwortlichen und unsere parlamentarischen VertreterInnen auf Bundes- wie Landesebene und macht ihnen deutlich, worum es den (menschlichen und nichtmenschlichen) NutzerInnen des Kanals und seiner Uferbereiche geht, auf dass unsere PolitikerInnen im Zeichen der sich verschärfenden ökologisch-ökonomischen Krise gemäß dem WählerInnenauftrag ihrer Verantwortung für eine nachhaltige Stadtentwicklung inne werden und sich zu ihrer Zuständigkeit bekennen!

Wie schon des öfteren betont, hätte es wahrlich keines derart aufwendigen, inzwischen knapp 17-monatigen Mediationsverfahrens bedurft, nur um am Ende durch die Reparatur einer maroden Mauer die Sicherheit und Leichtigkeit der Schifffahrt wiederherzustellen. Vielmehr ist es den BerlinerInnen und ihren Gästen um ein Modellprojekt ökologischer Stadterneuerung zu tun, wofür gerade die Notwendigkeit nachhaltiger Krisenbewältigung eine hervorragende Chance bietet!

Das fehlende Kettenglied

BaumschützerInnen-Info vom 16.02.09

Eine denkwürdige Arbeitskreis-Sitzung

Das neuerliche Kommunikationsdesaster zwischen dem WSA und den Beteiligten des Mediationsverfahrens im Hinblick auf die einsam beschlossene, dann aber gestoppte Fällung von sieben Bäumen im Bereich der Unter- bzw. Oberschleuse sollte auf einer Sitzung des AK Umgang mit kurzfristigen Maßnahmen am vergangenen Dienstag (11.02.) geklärt werden. Die BaumschützerInnen zeigten sich zutiefst erbost, manche vermuten gar einen Testballon zur Erprobung ihrer Wachsamkeit. Jene BI-Mitglieder, die das Verfahren im Herbst verlassen hätten, weil wir mit der geforderten Gesamtplanung der Sanierung einfach nicht weiterkämen, schienen offenbar richtig gehandelt zu haben, wenn nun auch der Schutz der Bäume nicht mehr gewährleistet sei.

Zweifelhafte Rechtfertigungen

Doch abgesehen davon, dass sich die zuständige Sachbereichsleiterin, Gerrit Riemer, für ihre Brand-Mail, die gleich gegen eine ganze Reihe von Vereinbarungen verstoßen hatte, entschuldigte, vermochten die von ihr und Amtsleiter Scholz dazu vorgebrachten Erklärungs- und Rechtfertigungsversuche die BürgervertreterInnen kaum zu überzeugen. Auch die vorgeschriebene* Unterrichtung des zuständigen Bezirksamts war zwar „Mitte Januar angestoßen“ worden, tatsächlich aber erst am 3. Februar erfolgt.

Dass das vom 19.11.08 datierende Baumgutachten der Firma fau, das die Fällung empfahl, erst zwei Monate später, nämlich am 28.01.09, dann aber umgehend zur „Gefahrenabwehr“ zwang, den an der Sitzung des Mediationsforums vom 26.01. teilnehmenden WSA-MitarbeiterInnen zwar als Faktum, aber „nicht inhaltlich“ bekannt gewesen sein soll, weshalb sie das Forum auch noch nicht darüber informieren konnten; dass besagtes Gutachten, weil der WSA-Außenbezirk Neukölln noch zwei Änderungswünsche von fau eingearbeitet haben wollte, erst am 6. Januar (wenngleich mit altem Datum und ohne Kennzeichnung der Änderungen) im Amt wieder vorlag, zu diesem Zeitpunkt aber die zuständigen Sachbearbeiter entweder erkrankt, in Urlaub oder auf Fortbildung gewesen seien − all das und dergleichen mehr klang wenig plausibel und war vielmehr geeignet, die Entschuldigungen sofort wieder zu entwerten, desgleichen auch der Versuch, mit dem Vorwurf, die BI hätte, anstatt sich zuerst an die Verantwortlichen im WSA zu wenden, sofort die Öffentlichkeit gesucht, den Spieß quasi umzudrehen: Der WSA-Chef habe einen Anruf von BI-Vertretern erwartet, stattdessen aber einen seines Vorgesetzten, des WSD-Präsidenten Menzel, erhalten. − In Wirklichkeit war aber die geforderte „Rückmeldung an die Fehlerquelle“ umgehend seitens BürgervertreterInnen per E-Mail erfolgt.

Strukturelle Probleme?

Michael Scholz bedauerte, dass mühsam aufgebautes Vertrauen zerstört worden sei, das es jetzt wiederzugewinnen gelte, und dankte den BürgervertreterInnen für die Bereitschaft, trotz allem vorerst am Verfahren festhalten zu wollen. Er verwies auf strukturelle Probleme, die allzu dünne Personaldecke, die der Stellenabbau im Öffentlichen Dienst in den vergangenen Jahrzehnten gezeitigt habe, was übrigens nicht nur in seiner Behörde zwangsläufig derartige Pannen zur Folge habe, bekräftigte sein „Credo des bestmöglichen Schutzes aller Bäume“ und nannte als Konsequenzen aus den Vorfällen

  • die Veranstaltung eines Workshops zur Verbesserung der internen Kommunikations- und Informationsabläufe,
  • die schon von Pressesprecherin Bodenmeier angekündigte monatliche Versendung eines Newsletters
  • jeweils im Anschluss an die Baubesprechung ein Update auf der WSA-Website sowie
  • die Benennung eines festen Ansprechpartners des WSA für die BürgerInnen.

Das Gutachten sei Ergebnis einer im Anschluss an die jährliche Baumschau und einer entsprechenden Ausschreibung beauftragten Erweiterten Baumschau gewesen. Durch jene Verkettung unglücklicher Umstände sei dann aus bloßen Empfehlungen zur Abwehr einer potentiellen Gefahr bei den fraglichen Bäumen der Eindruck einer akuten, also einer Situation von Gefahr im Verzug entstanden, die freilich zu keinem Zeitpunkt vorlag. Für sein Amt habe gleichwohl die Verkehrssicherungspflicht oberste Priorität und nicht der Baumerhalt. Andererseits decke sich ja das von der BI beauftragte Gegengutachten Dr. Barsigs, abgesehen von einer hohen Pappel, bei der statt Fällung nur eine zwanzigprozentige Einkürzung für nötig gehalten wird, weitgehend mit jenem der Firma fau.

Erweiterte Baumschau muss Unterhaltungsplan beachten!

Michael Barsig stellte demgegenüber klar, dass im fürs WSA verbindlichen, von der Bundesanstalt für Wasserbau (BfG) entwickelten Unterhaltungsplan der Erhalt sog. Biotopholzes aus Gründen des Artenschutzes ebenfalls hohe Priorität genieße, sofern es die Verkehrsicherheit nicht beeinträchtige, weshalb er in vier Fällen Einkürzung bzw. Kappung und eben nicht Fällung empfohlen habe. Dieses wesentliche Kriterium des Unterhaltungsplans aber müsse den beauftragen Baumgutachtern vorab bekannt gemacht werden. Dann werde z. B. eine alte Weide mit erheblichen Morschungen wie die auf der Schleuseninsel eben auf Kopf gesetzt, so dass sie als Niststätte, Habitat und Nahrungsquelle für eine Vielzahl verschiedenster Arten weiterhin zur Verfügung stehe und so, auch mit der Möglichkeit des Wiederaustriebs, im Naturkreislauf verbleibe, anstatt ihm durch einen radikalen Schnitt knapp überm Boden und anschließende Entsorgung entzogen zu werden.

Das auch von den Bezirksämtern hier gerne vorgebrachte Argument höherer Pflegekosten wegen des Wiederaustriebs sei oftmals auch bei Pappeln nicht stichhaltig, wenn nur ihre Kappung fachgerecht erfolge und nicht dem Eindringen von Regenwasser und holzzersetzenden Pilzen großflächig Vorschub leiste und sie dann zu Risikobäumen werden lasse.

Auch stehe ein von der BfG erarbeiteter Leitfaden zur Baumkontrolle an Bundeswasserstraßen in Kürze zur Verfügung, womit der WSV größtmögliche Rechtssicherheit und Fachkompetenz vermittelt werden solle. Schnellstmöglich sollte dieser Leitfaden auch Richtlinie für die Außenbezirke des WSA werden. Ansonsten müssten bei den routinemäßigen Baumschauen Zwischenstände bekannt gegeben und vor allem beim vermuteten Vorliegen einer potentiellen Gefahr eine dreiwöchige Frist zur Stellungnahme gewahrt werden.

Scholz erklärte seine Bereitschaft, dem Gutachten Barsigs zu folgen, sicherte für die Zukunft einmal mehr die von der BI schon öfters angemahnte Beachtung des Pflege- und Unterhaltungsplans zu und versprach aus Kulanzgrünen auch Ersatzpflanzungen von fünf standortgerechten Bäumen im Umfeld der Unterschleuse sowie den (schon 2002 von seinem Vorgänger zugesagten) Ersatz jener Sträucher am Salzufer, die eine übereifrige Pflegefirma damals als „Wildwuchs“ gerodet hatte. Auch sei das WSA bereit, evtl. doch höhere Pflegekosten im Zusammenhang mit Biotopholz-Erhalt zu tragen. Im Übrigen wurde versichert, dass über die jetzt anstehenden Fällungen/Kappungen hinaus in dieser Saison keine weiteren geplant seien.

Am Dienstag, 17. Februar, 8:15 Uhr bietet Jörg Augsten zur Inaugenscheinnahme der bewussten sechs Bäume im Bereich der Unterschleuse eine weitere Ortsbegehung an mit der Bitte um
Voranmeldung unter 0175.437 90 60
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* Bundesnaturschutzgesetz § 6 (2)

Unangekündigte Sträucherrodung am Paul-Lincke-Ufer

BaumschützerInnen-Info vom 16.02.09

Der nächste Skandal!

Strauchrodung am Paul-Lincke-Ufer

Strauchrodung am Paul-Lincke-Ufer

Auf die Frage der Anwohnervertreterin Kleimeier, was es mit der radikalen Rodung fast des gesamten ufernahen Strauchbestands am Paul-Lincke-Ufer auf sich habe, wusste niemand in der Runde davon, nicht die WSA-VertreterInnen und auch nicht die Mitarbeiterin des F’hain-Kreuzberger Grünflächenamts, und so schossen wilde Vermutungen ins Kraut. Schon anderntags beendete ein Anruf Frau Kleimeiers beim Außenbereichsleiter Neukölln das Rätselraten: Jörg Augsten hatte den Kahlschlag beauftragt: man müsse die Ufermauer beobachten können. Die Notwendigkeit der Abholzung sei bereits Mitte Dezember mit Bericht und Fotos im Amt vorgelegt worden…

Strauchrodung02

dito mit Blick nach Osten

Dass es den BürgervertreterInnen neben dem Baumerhalt auch um den der übrigen Ufervegetation geht, ist hinlänglich bekannt, gab’s doch schon manche Debatte über die Schonung selbst von Farnen, Moosen und Flechten bei der Fugenpflege der Quaderwand. Überflüssig zu erwähnen, dass somit, wenn aus welchen Gründen auch immer derart massiv in den Strauchbestand eingegriffen wird, im Vorfeld gegenüber dem Mediationsforum zumindest eine Informationspflicht besteht. Sie ist auch in diesem Fall eklatant verletzt worden, und abermals sind wir wohl gehalten anzunehmen, dass wieder ein Glied der Informationskette erkrankt/beurlaubt/auf Weiterbildung war.

Strauchrodung03

Rigoroser Beschnitt ebendort

Was schon die WSA-Fotos zeigten, bestätigte inzwischen eine inoffizielle Ortsbegehung: Beileibe nicht nur Büsche und Sträucher wurden mit Stumpf und Stil gerodet, sondern auch mehr oder minder überhängendes Astwerk jüngerer Bäume − „Wildwuchs“ eben − rigoros gekappt! Wenn geplant sein sollte, auf diese Weise freie Sicht auf 11 km Regelbauweise herzustellen, naht mithin schon die nächste veritable Belastungsprobe fürs Mediationsverfahrens…

Dazu äußerte sich das WSA heute (16.02.) wie folgt: „Die Arbeiten wurden umgehend eingestellt. Die Schnittmaßnahmen am Maybachufer führte eine Kolonne des WSA Berlin, ABZ Neukölln durch. Die zuständigen Mitarbeiter hielten dies für notwendig, um die jährliche Peilung (Kontrollpeilung vor Regelbauweise nach Kolken, Hindernissuche mit Peilrahmen) umsetzen zu können. Es wurde punktuell der Überhang mit GARTENSCHERE UND BÜGELSÄGE beschnitten, um direkt am Bauwerk zu messen. Für weitere Beobachtungs- und Kontrollarbeiten an den Ufermauern wird die Ufervegetation wie z.B. Büsche und Sträucher künftig vermehrt weggebunden und nur, wo nicht anders möglich, beschnitten werden. Eine entsprechende Arbeitsanweisung ist an die ausführenden WSA-Mitarbeiter ergangen.“

Ohne Euphemismen geht’s eben nicht − von wegen „punktuell“ und „Überhang“ −, doch der eigentliche Skandal besteht einmal mehr im Zeitpunkt der Informierung des Mediationsforums, nämlich knapp eine Woche nach Herstellung vollendeter Tatsachen und zwei Monate nach Unterrichtung der Vorgesetzten durch den ABZ-Leiter, die freilich noch am 11. Februar von nichts zu wissen vorgaben.

Strauchrodung Paul-Lincke-Ufer

WSA-Mitarbeiter des ABZ Neukölln führen die Bügelsäge
© U. Kleimeier

Das Vorher (zur Sommerzeit)

Straeucher Paul-Lincke-Ufer

Das Paul-Lincke-Ufer letzten Sommer

Und hier eine Erinnerung ans Vorher zur Sommerzeit: Für mehr als eine Saison hat das unsinnige brachiale Vorgehen des ABZ Neukölln und der nun zu Sündenböcken gemachten Arbeiter-Kolonne gewachsene, schützenswerte Uferbiotope mit Vogel- und Kleintier-Habitaten, Nahrungsquellen, Nist-, Deckungs- und Rückzugsmöglichkeiten für (Wasser-)vögel und Kleinsäuger zerstört, von der Ästhetik gar nicht erst zu reden, dafür aber Platz für Trampelpfade und Müllentsorgung geschaffen.

Straeucher Paul-Lincke-Ufer

Die geschleifte Ufervegetation

Der Verweis auf die Ermöglichung von Kontrollpeilungen und Hindernissuche ist in keiner Weise nachvollziehbar, und wieder einmal bleiben die mit derartig unsensiblem Tun eigentlich verfolgten Zwecke, zumal vor dem Hintergrund einer doch wieder zusehends angespannten Atmosphäre, einfach unerfindlich.

Oder sticht der Hafer? Langweilt der Mediationstrott? Sollte man amtlicherseits gar Lust auf einen heißen Vorfrühling verspüren und, wie tatsächlich von einigen schon vermutet, die Mobilisierungsfähigkeit der BaumschützerInnen antesten wollen?

Learning by doing am Beispiel Spundwand-Einbringung

BaumschützerInnen-Info vom 16.02.09

Sachbereichsleiterin überfordert

In ihrer einigermaßen komplizierten und zumal für den interessierten Laien leider nur sehr schwer verständlichen Präsentation zum Stand der Arbeiten an den insgesamt sechs Abschnitten mit den gesicherten Bäumen [siehe hier] berichtete die Leiterin SB II, Gerrit Riemer, dass im Abschnitt 2 (Herkulesufer) in der ersten Arbeitsphase mittlerweile 60 Spundbohlen eingebracht worden seien, die in der zweiten Phase nunmehr „aufgestockt“ würden [und also ganz unabhängig von überhängenden Baumkronen durchweg halbiert wurden!], um sie anschließend in einer dritten Phase auf Endtiefe einzupressen, wogegen im, mit gut 200 m längsten Abschnitt 1 (Corneliusufer) die Arbeiten nach etwa der Hälfte der Strecke wegen unerwarteter Festigkeit des Baugrunds zum Stillstand gekommen seien: Infolge der mergelartigen Schichten in der Kanalsohle sei hier weder Pressen noch Rammen möglich. Die Einbringung der Bohlen erfordere vielmehr ein Vorbohren, doch aufgrund der dortigen geringen Kanalbreite müsse erst ein besonderes Trägergerät konstruiert werden!

Probleme mit der Staffelrammung

Zur allgemeinen Überraschung erklärte Frau Riemer ganz nebenbei, dass man sich in allen sechs Abschnitten zu einer sog. Staffelrammung entschlossen habe, wobei wir uns nicht am Wort „Rammen“ stoßen sollten: nach wie vor werde eingepresst. Dagegen stieß sich vor allem die Architektin Kleimeier an der Auskunft, „Staffel“ bedeute, dass nur jede zweite Bohle auf eine Endtiefe von sieben Metern gebracht werde, alle ungeraden dagegen nur auf sechs Meter. Die Plass-Ingenieure aber hatten bei einer dauerhaften Lösung − und um die war es ihnen ja zu tun − aus statischen Gründen eine acht Meter tiefe Einbindung in die Kanalsohle für notwendig erachtet, und dieser Ansicht waren auch die Prüfingenieure. Dass die wasserseitige Baumsicherung durch eine temporäre Baugrubensicherung mittels Spundwänden ggf. auch in eine dauerhafte Lösung überführt werden könne, sollte aber ausdrücklich nicht ausgeschlossen sein. Wenn Frau Riemer nun behaupte, die Statik sei auch bei einer geringeren Einbindungstiefe gesichert, so gelte das allenfalls für eine temporäre Lösung. Dies bestritt Frau Riemer nachdrücklich: ein Prüf-Gutachten für die Statik beider Eventualitäten liege dem WSA vor, befinde sich im Hause und werde den AK-Mitgliedern umgehend übersandt. Da am 23.2. die Arbeiten im Abschnitt 6 aufgenommen werden sollten, sei eine positive Rückmeldung vor diesem Datum sehr erwünscht, damit dann die Schnittmaßnahmen baubegleitend erfolgen könnten und es zu keiner weiteren Verzögerung käme.

Statisches Gutachten demnächst

Da der AK aber darüber beschließen sollte, ob die überhängenden Bäume in den Abschnitten 3 (mit der Hängeweide gegenüber der Shell-Tankstelle am Tempelhofer Ufer) und 6 (mit den berühmten, 2007 von BaumschützerInnen besetzten vier Linden) nun nach den händischen Messungen von Barsig und dem Baumdienst GvL entsprechend dem notwendigen Arbeitsraum beschnitten werden dürfen, konnte nur im ersten Fall eine Zustimmung erteilt werden. Für die Beschneidung der Linden gab es dagegen nur eine Genehmigung unterm Vorbehalt, dass die statische Berechnung tatsächlich auch für eine dauerhafte Lösung gelte.

Anderntags kam indes kein Gutachten. Vielmehr musste Pressesprecherin Bodenmeier einräumen, dass doch noch keines zur Staffelrammung, d.h. zur Statik bei einer geringeren Einbindungstiefe der Spundbohlen vorliege, weder für die temporäre noch für die dauerhafte Variante, sondern vom Prüfstatiker Krone erst erarbeitet werde müsse und nicht vor dem 23. Februar zu erwarten sei. − Die absehbare Verzögerung der Arbeiten hat mithin nicht der AK zu verantworten.

Konstituierende Sitzung der ersten Arbeitsgruppe Lösungssuche

BaumschützerInnen-Info vom 16.02.09

Weiter geht’s in kleinen Kreisen

Die BI-VertreterInnen hatten, wie berichtet, ihre Probleme sowohl mit der Thematik als auch mit der Zusammensetzung dieser neuen Arbeitsgruppe, denn erstens können sie ihre Lösungsvorschläge bezüglich einer ökologischen wie nutzungstechnischen Optimierung des Systems LWK ohne die nach wie vor ausstehenden Bestands- und Bedarfsanalysen empirisch nicht hinreichend unterfüttert lokalisieren, andererseits frappierte das Fehlen der zuständigen fach- und sachkundigen Senats- und BezirksvertreterInnen wie auch der Denkmalpflege in dieser Runde und nicht zuletzt jedweder WSA-Emissäre.

In Erläuterung der von ihnen vorgeschlagenen Verfahrensweise betonten hingegen die MediatorInnen, dass es einerseits keinesfalls darum gehe, die verschiedenen Arbeitskreise oder gar das Forum durch diese Arbeitsgruppen zu ersetzen; dass es ihnen andererseits aber auf den Versuch ankäme, in möglichst kleinem Kreis die Interessengruppe der Reeder mit den Naturschutzverbänden und den BürgervertreterInnen direkt miteinander ins Gespräch zu bringen, gerade um unbeeinflusst von den genannten Institutionen die bestehenden Konfliktlinien genauer herauszuarbeiten, um mögliche Lösungswege zu erkunden. Erst im nächsten Schritt sollten dann die auf diese Weise gewonnenen Ergebnisse den übrigen Interessengruppen präsentiert werden.

Wiedererwachtes Interesse der Naturschutzverbände

Erfreulicherweise saßen auch wieder die VertreterInnen von NABU und Grüne Liga am Tisch*, die Fahrgastschiffer waren zu dritt gekommen, die BürgervertreterInnen zu viert. Diese vernahmen’s mit Genugtuung, dass nicht nur die NABU-Vertreterin Prüfaufträge ans WSA formulierte, welche den LWK insgesamt in den Blick nehmen wie z. B. von Biologen durchzuführende floristisch-faunistische Kartierungen (insbesondere Kartierungen der ufernahen und die Mauer direkt berührenden Gehölze sowie ornithologische Untersuchungen) bis hin zur Erstellung eines LPB, sondern dass auch die Reederschaft mit einem Trittstein- oder Perlenschnur-Konzept ökologischer Kanalumgestaltung durchaus leben könnte, wenn sich etwaige Parallelwerke nicht über längere Strecken hinzögen und Kurven- und Brückenbereiche frei blieben.

Obschon die BI die Beauftragung besagter Bestandserfassungen seit nunmehr einem Jahr ergebnislos anmahnt, könnten gemeinsam formulierte Prüfaufträge WSA wie Senat womöglich höher motivieren. Des weiteren soll nun  auch bspw. geprüft werden, wie die Wehre an Unter- und Oberschleuse (Flutgraben) gemäß WRRL für Fische durchlässig gestaltet und zur Einsprudelung von Sauerstoff optimiert werden können

Während Naturschutzverbände und BI zur Raumgewinnung für ökologische Verbesserungen eine Beibehaltung der Einspurigkeit favorisieren, lehnen die Reeder sie wegen der dann unzumutbar langen Wartezeiten vor allem vor der Unterschleuse nach wie vor ab, doch ein Kompromiss-Modell zwischen Einspurigkeit und Begegnungsverkehr scheint dennoch nicht ausgeschlossen.

Höhere Flexibilität der Reeder

Mit Blick auf die Freizeitnutzung wünschen sich die Schipper ausdrücklich ein von Senatsstellen zu entwickelndes Gesamtkonzept und stellten darüber hinaus auch klar, dass sie keineswegs „per se“ gegen einen Masterplan LWK seien, sondern nur dann, wenn er die sich als immer dringlicher erweisende Instandsetzung der Uferbefestigung verzögere − mit der Gefahr einer längeren Vollsperrung des Kanals für den Schiffsverkehr.

Eine weitere „Lösungs-AG“, bestehend aus VertreterInnen des WSA, des Senats, der Denkmalpflege und wiederum der Reederschaft, aber ohne BürgerverterterInnen, soll in dieser Woche zusammentreten.


* der BUND-Gewässerexperte musste aus Termingründen zu seinem Bedauern absagen

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