Die Bäume am Maybachufer

Von guten und schlechten Beispielen

Rot markiert am Maybachufer

Rot markiert am Maybachufer

Ziemliche Aufregung hatte es vor einigen Wochen gegeben, als an insgesamt 71 „wild“ gewachsenen, noch mehr oder minder jungen Bäumen zwischen Türkenmarkt und Thielenbrücke am Neuköllner Maybachufer plötzlich rote Punkte prangten.

Nach einigem Hin und Her räumte das zuständige Grünflächenamt (NGA) schließlich seine Urheberschaft ein, doch wurde zwischenzeitlich mehrfach klargestellt, dass beileibe nicht alle markierten Bäume gefällt werden sollen, sondern es nur um Auslichtung des Dichtstands und Freistellen der am besten gewachsenen Exemplare gehen soll. Andernfalls hätte keine der jungen Pappeln und Ahorne Aussicht auf habitusgerechten Wuchs. − Aus forstmeisterlicher Sicht wird man dem bedingt zustimmen. Den Rest des Beitrags lesen »

Berichtigung

Baumgutachter sieht Weidenkappung am Landwehrkanal gerechtfertigt

In unserer begründeten Empörung über die WSA-Holzungen entlang des BSK haben wir am Salzufer des LWK in Charlottenburg bedauerlicherweise einen Fehlalarm ausgelöst. Die dortige dreistämmige Weide, die nach unserer Behauptung unter Bruch der entsprechenden Vereinbarungen ohne Einbeziehung des Arbeitskreises „Umgang mit kurzfristigen Maßnahmen“ gefällt worden sein sollte, war sehr wohl in der Liste notwendiger Baumarbeiten aufgeführt, die im Anschluss an eine gemeinsame Begehung von WSA-Mitarbeitern und dem Baumsachverständigen, Dr. Barsig, im November ’09 erstellt worden war. Bei der weitgehenden Kappung aller drei Stämmlinge  (ca. 1,50 m) war auch die Nummer (A240) abhanden gekommen, wodurch die Verwechslung unterlief. − Wir bitten, das Versehen zu entschuldigen!

Flacher Lackporling

Flacher Lackporling

Nach Einschätzung des Sachverständigen geschah aus Verkehrssicherungsgründen die Kappung  völlig zu recht, da neben den drei Stämmlingen auch die Hauptzugwurzel der Weide vom „Flachen Lackporling“ (Ganoderma applanatum) stark befallen war, einem wurzelbürtigen Pilz, der zu Holzerweichung und Windwurf nach Wurzelbruch führt *. „Solche Bäume können nur dann verkehrssicher bleiben, wenn die Wurzelanläufe und Haltewurzeln intakt bleiben. Das war hier nicht der Fall. Der Pilz zersetzt das Holz vom Boden aus, deshalb können Sägeschnittstellen in 1,50 m Höhe den falschen Eindruck eines intakten Holzzustands erwecken“, heißt es in Barsigs Protokollierung des Nachgangs zu den im Herbst vereinbarten, inzwischen durchgeführten Baumpflegemaßnahmen.

Abz Neukölln pflegte akkurat

Flacher Lackporling an Zugwurzelanlauf

Flacher Lackporling an Zugwurzelanlauf

Darin hebt der Gutachter auch hervor, dass vereinbarte Schnittmaßnahmen an den großen Pappeln auf der Halbinsel nahe Unterschleuse „absolut fachgerecht und auch der jeweiligen Baumstatik angemessen erfolgt sind“; dass im Fall vereinbarter Kronenrückschnitte an anderen Bäumen, die aus Zeitgründen noch nicht vorgenommen wurden, wegen des Beginns der Vogelbrutperiode über eine Verschiebung auf den Herbst rasch Konsens erzielt werden konnte etc.

Double Standards

Diese Beispiele bestätigen den Eindruck, dass bei den Unterhaltungsmaßnahmen an LWK und BSK ganz offensichtlich nach zweierlei Maß gemessen wird. Wenn aber die bei der Umsetzung der geltenden Richtlinien und Erlasse zur ökologischen Wasserstraßenunterhaltung erzielten Lernerfolge am LWK noch nicht einmal innerhalb des WSA Berlin vom einen Außenbezirk zum andern vermittelt werden können, nicht ausstrahlen und Schule machen, dann bleiben die Erfolge des größten laufenden Mediationsverfahrens in Deutschland trotz seiner Länge und der Anstrengungen aller Beteiligten ephemer und das aufwendige Unternehmen ein Schaufenster-Projekt.


* Siehe Weber, Mattheck: Taschenbuch der Holzfäulen, Karlsruhe 2001, S. 69

Gefahr im Verzug

Sofort vor Ort bei Weiden-Kappung

Silberweide am Salzufer

Verkehrsgefährdende Silberweide am Salzufer, Charlottenburg

Wieder kam es vorgestern (27.10.) zu einem sog. Sofort-Vorort-Termin: Am naturnah gepflegten Salzufer in Charlottenburg, genauer am km 0,3, zweihundert Meter vor der Dove-Brücke, hatten die Baumkontrolleure des WSA-Außenbezirks Neukölln bei einer ohnehin schon sehr schräg Richtung Kanal ragenden, 18 Meter hohen, dreistämmigen Silberweide die akute Vergrößerung eines Risses im 2,2 Meter Umfang aufweisenden Stamm festgestellt. Besonders bei Sturm hätte die Hebelwirkung der ja noch belaubten Stämmlinge den endgültigen Bruch herbeiführen können − mit der Möglichkeit, dass Teile der Weide in den Kanal stürzen und vorbeifahrende Schiffe treffen. Also Gefahr im Verzug! Die für solche Fälle vom Arbeitskreis „Kurzfristige Maßnahmen“ am 3.1.08 ausgehandelte und später vom Mediationsforum beschlossene Routine lief ab: Montag Abend um 19:45 Uhr benachrichtigte die Leiterin der Arbeitsgruppe LWK, Frau Dr. Ernst, per Mail die Mitglieder des genannten Arbeitskreises über den Schadensfall und die beabsichtigte Fällung der Uferweide, wenn nicht bis Dienstag, 12:00 Uhr ein Mitglied sein Veto einlege. Sei dies der Fall, werde für 14:00 Uhr ein Ortstermin unter Hinzuziehung des vom Forum eingesetzten Baumsachverständigen anberaumt. Im Fall, dass Dr. Barsig (wie eben jetzt) verhindert ist, vertritt ihn der Baumsachverständige, Dipl.Biol. Michael Hirschmann, von der Meßzelle an der TU Berlin. − Da sich der Baum in WSA-„Besitz“ befindet, waren die Charlottenburger BezirksvertreterInnen nicht gefragt.

Größtmöglicher Substanzerhalt

Stammriss

Stammriss

Wie bei einem solchen Baum zu erwarten, legten mehrere BI-Mitglieder fristgerecht ihr Veto ein und bestanden auf vorheriger Inaugenscheinnahme und sachverständiger Prüfung der fachlichen Notwendigkeit der Maßnahme. Bei einer gemeinsamen Kanal-Bereisung von Dr. Barsig und Jörg Augsten, Leiter des ABZ Neukölln, im Frühjahr war der Baum überdies nicht thematisiert worden, so dass BI-Mitglieder zunächst einmal die plötzliche akute Gefahrensituation anzweifelten −, doch Michael Hirschmann bestätigte die Diagnose der WSA-Baumprüfer, dass es, auch wenn es zu der starken Neigung des Baums nicht erst gestern gekommen sei, der Stammriss sich aktuell stark verbreitert habe und in der Tat eine Gefährdung des Schiffsverkehrs vorliege. Amtsleiter Michael Scholz, selber vor Ort, betonte das Interesse des WSA, im Einklang mit dem Pflege- und Unterhaltungsplan der BfG, der, woran auch der Baumsachverständige noch einmal erinnerte, die Wichtigkeit des Erhalts von Biotopholz hervorhebt, „so viel wie möglich von der Substanz der Weide zu erhalten“, und so wurde schließlich Konsens darüber erzielt, die Stämmling in jeweils fünf bis sechs Metern Höhe zu kappen. Insbesondere Weiden treiben bekanntlich sehr gut wieder aus, so dass in einigen Jahren die relativ große Vegetationslücke wieder geschlossen sein dürfte.

Hubsteiger mit WSA-Schnittern

Hubsteiger mit WSA-Schnittern

Und die Sache hat auch noch ihr Gutes, indem eine junge Ulme − eine Baumart, die wir nicht allzu häufig im Stadtgebiet antreffen −, vorher von den Weiden-Stämmlingen regelrecht umklammert und gebeugt, sich nun freier entwickeln kann.

WSA-Mitarbeiter haben übrigens in diesem Jahr an einer Reihe von Weiterbildungsveranstaltungen zur Baumkontrolle und -pflege teilgenommen, über die Jörg Augsten auf der nächsten Forumssitzung berichten wird.

gekappt

gekappt