Viel Glück für 2020 und die 20er!

Gesundheit und Kampfgeist für die Transformation!

Auf den letzten Drücker noch paar Gedanken und Wünsche zum Jahreswechsel, vielleicht etwas schmallippig: aber sie kommen − und für den Verein Bäume am Landwehrkanal an dieser Stelle übrigens exakt zum 13. Mal (in China ja ’ne Glückszahl).

Überflüssig zu wiederholen, dass auch dieses sich dem Ende neigende Jahr kein Ausreißer war in einem weiteren für „Um“-Welt- und Naturschutz verlorenen Jahrzehnt.

Daran konnten auch die beharrlichen, großen und kleinen Aktionen einer nie dagewesenen weltumspannenden Protestbewegung vor allem von Kindern und Jugendlichen, Schüler und Studierenden, aber auch (und aus sehr guten Gründen) besorgten Eltern und Großeltern, von Wissenschaftler*innen, Lehrpersonal, Medien- und Kirchenleuten u.v.m. für die so lange schon und nun in endlich wachsender Lautstärke und Resonanz beschworenen Wende nichts ändern:

Himmel über Kreuzberg

Der Himmel über Kreuzberg

Die Antwort nach all den Umarmungen, aufmunternden Säuseleien und wohlfeilen Lippenbekenntnissen war eine selten verkorkste Klimakonferenz, hierzulande ein erbärmliches Klimapäckchen und als jüngster US-Import − zumindest dem Label nach − ein Green Deal der neuen EU-Kommission, der vielleicht für die frisch gekürte Präsidentin Mondlande-Format haben mag, aber wie je im Wachstumsbann steht, diesmal eben in Grün, also die unausweichlichen, lange überfälligen systemischen Veränderungen auch weiterhin nicht angeht, und für den Natur- und Artenschutz wie folglich auch für unser besonderes Anliegen: den Stadtnaturschutz schon gar nichts bringt.

Die Erde brennt von einem Ende zum anderen, die fossile Ära muss in dieser Phase des beschleunigten Ökozids, der Klima- wie der Verteilungs- und Demokratie-Krise, wenn die Arbeitsverweigerung der Verantwortlichen und Zuständigen anhält, in eine des anschwellenden zivilen Ungehorsams münden!

Niemand weiß, wie viele Dominosteine schon endgültig gekippt sind: ob etwa die Brandrodung des Amazonas bereits das Ausmaß erreicht hat, dass die „Grüne Lunge“ des Planeten zur Savanne wird und mit unabsehbaren Konsequenzen ihren „Dienst“ versagt; was das den tauenden Permafrostböden entweichende Methan anrichtet; was das rasante Abschmelzen der Polkappen bewirkt usw., usf.

Doch auch dreieinhalb Millionen Hektar abgebranntes Buschland vermochten Australien − dem in Sachen Pro-Kopf-Emission von COschmutzigsten Kontinent der Welt − nicht mal vom Silvesterfeuerwerk abzuhalten; wie viel weniger können es da die hiesigen Orts in einer einzigen Nacht emittierten 5000 Tonnen Feinstaub! Das in alljährlichem Ritual so vergeblich wie ein Tempolimit debattierte Böllerverbot blieb auch heuer wieder ergebnislos. Wie das sinnlose Wale schlachten vor Island oder den Färöern; wie die Zugvogeljagd von Korsika und Malta bis Ägypten handelt es sich wohl auch hier um ein kulturelles Erbe.

Schnitt & Zoom auf Berlin und Xhain

Umweltsenatorin Sibylle Günther hat immerhin fürs Land die Klimanotlage proklamiert, und wir sind gespannt, ob nun tatsächlich jeder politische Entscheid unter ‚Klimavorbehalt‘ steht. Der Vorbehalt des Arten- und Biotopschutzes wäre übrigens gleich wesentlich. Von der „Charta zum Schutz des Berliner Stadtgrüns“ allerdings hören wir nichts mehr. Sie kollidiert offenbar zu hart mit dem Bauen³-Mantra in der „dynamisch wachsenden“ Stadt, dem Streben nach „Multicodierung“ von Freiräumen, und die Vegetation steht ohnehin unablässig den Planer*innen im Weg oder muss für ihre „Qualifizierung“ erst mal gerodet werden.

Aktuell bangen wir um den Baumbestand des Ratiborareals, wo u.a. eine 120-jährige Ulme wegen eines Fertigbaus amputiert werden soll; um die Friedhöfe an der Bergmannstraße, einem Hotspot urbaner Artenvielfalt, den die Kirche zu pflegen kein Geld habe und also bebauen lassen will; rätseln wir, inwiefern es Sinn machen soll, ausgerechnet einigermaßen naturnahe Bereiche wie Kienberg und Wuhletal als ökologischen Ausgleich fürs Versiegeln andernorts „aufzuwerten“, indem man zunächst Neophyten (= ausländische Gewächse) wie Spitzahorn und Robinie „entnimmt“, anstatt endlich mal Straßen und Parkplätze zu entsiegeln … Die Liste ließe sich länger fortsetzen.

Es bedarf also keines Orakels der Baba Wanga, um mit sehr gemischten Gefühlen ins neue Jahr und in die Zwanziger zu gehen, denn möglichst umgehend müssen die harten Entscheidungen getroffen, die politischen Rahmenbedingungen definiert, die (über-)lebenswichtigen Grenzwerte, Limits und Verbote erlassen werden: Die individuellen Entscheidungen der Einzelnen für Nachhaltigkeit in Konsumverhalten und Lebensstil sind fraglos sehr wichtig, was ja auch satte Umfragemehrheiten wieder und wieder bestätigen, aber allein können und werden sie die alternativlose sozial-ökologische Transformation niemals erreichen.

Die Natur verhandelt nicht und schließt keine Kompromisse. Nachdem in einer Generation sechzig Prozent der Wirbeltiere und drei Viertel der Insekten ausgelöscht wurden (und halt nicht nur eine Million Arten erst zukünftig bedroht ist!), bildet ihr wirksamer Schutz die primäre zivilisatorische und kulturelle Aufgabe!

Um zuletzt und ganz kurz noch auf den Seinsgrund unseres Vereins oder sagen wir lieber, seinen Gründungsanlass zu kommen, das Beteiligungsverfahren „Zukunft Landwehrkanal“: Auch hier war, wie könnte es auch anders sein, 2019 noch ein verlorenes Jahr, insbesondere was die 2012 vereinbarten ökologischen Aufwertungen sowie eine Öffentlichkeitsbeteiligung betrifft, die ihren Namen verdient −, aber keine Angst: Wir haben allerhand dazu gebloggt und für viele sicher schon zu viel wiederholt, wollen nichts vertiefen, sondern uns vielmehr ungeachtet des mageren Fazits bei allen, die uns unterstützt, gefördert und die Treue gehalten haben, ganz herzlich bedanken und Euch und Sie bitten, uns auch weiterhin gewogen zu bleiben! Wir bleiben dran!

Namens des BaL e.V. wünschen wir Euch und Ihnen vor allem Gesundheit, unverdrossene Beharrlichkeit und aller möglichen Misserfolge unbeschadet, nicht nachlassenden Kampf- und Widerstandsgeist, denn, mit Greta zu sprechen, das Haus brennt, worin wir mit so vielen und vielem und nur so kurz mietfrei wohnen dürfen, und auch in der Belle Etage besteht aller Grund zur Panik: Die Apokalypse-Blindheit angeblich hoch zivilisierter Gesellschaften wurde indes schon vor einem Menschenalter diagnostiziert.

„A small but rapidly growing number of people have started to wake up to the climate crisis.
This has only just begun. We’re still only scratching the surface.“
(Greta Thunberg)

Dabei sind auch wir gespannt, welche Sau als nächstes durch die Umwelt getrieben wird … — Cheers!

1 Kommentar

  1. Auch ein Anwohner said,

    4. Januar, 2020 um 13:45

    Kompliment für Euer passendes Foto.
    Das wird nichts mehr mit der ZÖB. Ich war bei einer der ersten Infoveranstaltungen und habe mir gedacht, wie kann man einen Hr. Röske als Moderator akzeptieren, der kann sich ja kaum artikulieren (sach ick ma…), und Ihr habt das so lange ertragen. Wenn ihr BürgerInnenvertreter Euch einig seid, werdet ihr den vielleicht doch noch los. Ich wünsche es Euch von ganzem Herzen.


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