Ökolog. Unterhaltungsplan Landwehrkanal

Aktualisierung nach fünfzehn Jahren

Vorstellung des Entwurfs der Zielkonzeption

Donnerstag letzter Woche (8. Dezember) stellten Karin Karras und Detlef Wahl von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) sowie Jochen Halfmann vom ausführenden Büro für ökologischen Naturschutz RANA dem Expertenkreis den Entwurf der aktualisierten Zielkonzeption für den Unterhaltungsplan Landwehrkanal von 2001 vor, der seit 2015 fortgeschrieben wird.

Mit Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV), Senat, Bezirken und den anderen Trägern öffentlicher Belange (TÖB) sei er bereits abgestimmt. WNA-Projektleiter Christoph Bonny, bei Besprechungen quasi immer dabei, war nur jetzt krankheitshalber entschuldigt, ebenso sein Mitarbeiter Marcel Heier. Gabriele Weigelt-Pilhofer aus Charlottenburg-Wilmersdorf war als einzige Bezirksamtsvertreterin gekommen. Mit einer dreiviertel Stunde Verspätung stieß noch der chronisch überlastete Klaus Lingenauber vom Landesdenkmalamt (LDA) hinzu, der bei der TÖB-Präsentation zwar nicht dabei sein konnte, aber bereits eine Stellungnahme abgegeben hatte. Die Bürgervertreter*innen im Expertenkreis waren fast vollständig und bedauerten, dass von BUND und NABU niemand auf die Einladung der Zentralen Anlaufstelle Öffentlichkeitsbeteiligung (ZÖB), also Björn Röskes, reagiert hatte. Röske war der einzige WSA-Vertreter und moderierte die Veranstaltung.

Öffentlichkeit Schlusslicht wie immer

Das Prozedere war mithin das hergebrachte, um nicht zu sagen altbackene: Wäre es denn für die TÖB nicht gerade von Interesse, auch etwas von den Wünschen, Erwartungen, Einschätzungen und Stellungnahmen der Bürger*innen „mitzunehmen“, bevor sie die jeweils eigenen formulieren − oder in wessen Auftrag tun sie das? „Herr Götte vom Bezirksamt Mitte hat den U-Plan sogar schon zitiert, bevor er ihn kannte“, wurde im Hinblick auf Mittes Kahlschlag am Schöneberger Ufer im Februar d.J. statt dessen gewitzelt. Den Rest des Beitrags lesen »

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Ökologische Gehölzpflege an Bundeswasserstraßen

[Update 21.08.10: Behauptung des Amtsleiters unzutreffend!
Was in unserm Bericht noch nicht ausreichend deutlich wurde: Es gibt den per Erlass des Verkehrsministeriums eingesetzten „Leitfaden Baumkontrolle an Bundeswasserstraßen„, der innerhalb der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung absolut bindend ist und auch von Externen wie dem Bundesforst in der BImA (mit dem Vermeidungsgebot etc.) eingehalten werden muss; und es gibt das „Leitbild der Gehölzunterhaltung an Bundeswasserstraßen“ − natürlich ebenfalls von einiger Relevanz, aber eben nicht so strikt verbindlich wie jener Erlass! Die Behauptung von WSA-Leiter Michael Scholz, dass sich „seine Abz-Mitarbeiter am BSK ‚erlass- und verfügungskonform‘ verhalten hätten“ [s.u.], ist unzutreffend, weil die Vorgaben des Leitfadens genauso missachtet wurden wie die Vorgaben des Leitbilds (hier insbesondere zur Entfernung der Neophyten und Förderung der einheimischen Naturverjüngung sowie Erhalt aller Altbäume 2. Ordnung, darunter auch Neophyten).]

Aussprachetag in großer Runde

Angesichts spektakulärer Rodungspläne auf dem Gendarmenmarkt und der eher klammheimlich durchgeführten Sommerfällungen in F’hain-Kreuzberg (ohne Frage auch in weiteren Stadtbezirken) sind die großflächigen Uferbiotopzerstörungen im Winter und zeitigen Frühjahr entlang des Berlin-Spandauer Schifffahrts- bzw. Hohenzollernkanals unter Regie des WSA-Außenbezirks Spandau bei vielen − zumal in diesem Sommer der Katastrophen − sicher längst in Vergessenheit geraten.

Nach scharfen Protesten von BI/Verein BaL und des Betroffenenrats Lehrter Straße hatte die Bundesbehörde in Person von Amtsleiter Michael Scholz in einer Sondersitzung des Mediationsforums am 19. April nicht nur Fehler eingeräumt und für die entstandenen Schäden umfassende Kompensation zugesagt, sondern es war für Juni auch schon ein Vor-Ort-Termin in kleinerer Besetzung (VertreterInnen von Abz, Unterer und Oberster Naturschutzbehörde, Verbandsnaturschutz, Bundesforsten, BürgerInnen sowie des Baumsachverständigen Dr. Barsig) vereinbart worden. Zu diesem Termin ist es freilich bis dato nicht gekommen − „wegen der Urlaubszeit“, so die wenig überzeugende Begründung, doch im September wird er definitv nachgeholt, versicherte der neue Sachbereichsleiter 2 des WSA Berlin, Lars Doering. Den Rest des Beitrags lesen »

Krisensitzung zum Spandauer Schifffahrskanal

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Torsi

Torsi

Es war dringlich und das Mediationsteam um Beate Voskamp und Stefan Kessen machte es möglich: Am vergangenen Montag (19.4.) kam es innerhalb des Mediationsverfahrens zum Landwehrkanal, noch relativ zeitnah zu den großflächigen Uferbiotopzerstörungen an der benachbarten Bundeswasserstraße, dem Berlin-Spandauer Schifffahrts- bzw. Hohenzollernkanal, zu einer Sondersitzung, und trotz der notorisch schwierigen Terminabstimmung nahmen nicht nur WSA-Leiter Scholz, die zuständige Sachbereichsleiterin Riemer und Vertreter der auch hier wieder betroffenen Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte teil, dazu als Fachleute der BUND-Gewässerexperte, Manfred Krauß, und der Baumsachverständige, Dr. Barsig, sondern auch der erst am gleichen Tag noch eingeladene Reinhard Schubert, bei SenStadt zuständig für Artenschutz und Artenhilfsprogramme, machte sein Kommen möglich. Sechs Personen vertraten die Bürgerinteressen, und die Leiterin der AG LWK, Dr. Ernst, nebst Pressesprecherin Bodenmeier verfolgten die fünfstündigen Verhandlungen als Gäste.

[Update 27.04.: Fotoprotokoll des Mediationsteams über die Vereinbarungen zum künftigen Vorgehen.]

Wenn auch, wie Kessen betonte, formal der BSK nicht Gegenstand des Mediationsverfahrens ist, so muss es, wie die BürgervertreterInnen sogleich in Erinnerung riefen, inhaltlich doch auch immer um ökologische Gewässerunterhaltung und ufernahe Baum- und Vegetationspflege des WSA Berlin als solche gehen − und nicht zuletzt um das Verhältnis zwischen Verwaltung und BürgerInnen.

Das aber hat infolge des fortgesetzten brachialen Agierens des WSA-Abz Spandau mal wieder arg gelitten. Vor allem die doch sehr merkwürdige Art und Weise, wie der Amtsleiter offenbar immer erst post festum, wenn die Bäume längst gefällt oder gekappt, Strauchwerk und Aufwuchs akribisch gerodet waren, davon erfuhr oder als − nach unseren scharfen Protesten gegen den abschnittsweisen Kahlschlag zwischen Kieler und Föhrer Brücke − von weiteren beabsichtigten Maßnahmen des Abz unterrichtet, die Informationen an die BürgerInnen einfach nicht weitergab resp. sie mit notwendigerweise misszuverstehenden abspeisen ließ, wonach die Baumarbeiten gestoppt und auf den nächsten Winter verschoben seien −, dieses intransparente Lavieren hat das Vertrauen der BürgerInnen erneut empfindlich gestört und ungeachtet einiger beispielhaft baumschonender Wasserbaumaßnahmen am LWK (Tempelhofer Ufer) oder der beachtlichen Fortschritte in fachgerechter Gehölzpflege in der Zuständigkeit des Abz Neukölln die Erfolge des „lernenden Systems“ zur Unzeit relativiert. Wieder sind starke Zweifel aufgekommen, ob das behauptete Umdenken der Behörde, ihr Eintritt in eine neue Ära der Transparenz, Umweltverträglichkeit und Bürgernähe tatsächlich schon stattgefunden habe. Manche unter den BürgerInnen fühlen sich auch nach dieser Sitzung persönlich verletzt und beleidigt.

Was sollen wir auch denken, wenn wir hören, dass der Chef zurzeit unserer ersten Intervention nur Kenntnis eines einzigen „Loses“ hatte, es aber noch drei weitere gab, also unter Amtshilfe oder doch eher Regie der BIMA (vorm. Bundesforsten) zur Bearbeitung an Baumpflegefirmen vergebene Uferabschnitte über die Schleuse Plötzensee hinaus, und zwar von beidseitig insgesamt zehn Kilometern Länge!? Dass auch die Sachbereichsleiterin nichts davon gewusst hat, obwohl das Benehmen mit den vier betroffenen bezirklichen Grünflächenämtern darüber bereits im Oktober 09 ordnungsgemäß hergestellt worden sei; und dass die Leitungsebene angesichts der öffentlichen Entrüstung von Abz-Leiter Spandau, Matthias Moneke, endlich in Kenntnis gesetzt, offenbar die Eigendynamik der einmal in Bewegung geratenen Maschinerie von Verwaltungsabläufen nicht mehr zu stoppen vermag.

Neben BaL-VertreterInnen hatten auch das QM Sparrplatz in Moabit im Wedding und der Betroffenenrat Lehrter Straße im Wedding in Moabit gegen die Fällung von Baum- und Vegetationsbestand protestiert, der ursprünglich als Ausgleichsmaßnahme gepflanzt worden war und sich noch dazu in Bezirkszuständigkeit befand. Am Tag der Krisensitzung, so Scholz, habe er die Mail des Betroffenenrats vom 1. März beantwortet, also nach sieben Wochen. − So räunte der Amtsleiter mal wieder „informatorische Lücken“ ein, dass vieles verbesserungsbedürftig und was an Bausteinen am LWK erarbeitet und über die Partizipation gelernt wurde, diesmal am BSK „übersprungen“ worden sei.

Der Bezirksvertreter von Charlottenburg-Wilmersdorf stellte zunächst klar, dass nicht etwa gemeinsam mit dem WSA eine Baumpflege-Maßnahmenliste erarbeitet, sondern von Bundesforsten eine Tabelle vorgelegt werde, die bei einer gemeinsamen Begehung vor Ort überprüft werde. 140 Bäume seien dabei im Herbst in Augenschein genommen worden. Gegen die 16 Fällungen habe man keine Einwände gehabt, doch von Strauchrodungen sei überhaupt keine Rede gewesen!

Hierzu wurde übereinstimmend berichtet, dass es viele Tage gedauert habe, bis alles sich am Ufer auftürmende Schnittgut abtransportiert worden sei. Die Anzahl der Schuten, so Sachbereichsleiterin Riemer, lasse sich jedoch nicht mehr ermitteln. Scholz wiederum lag ein zehnseitiges Papier vor, worin der in Antwort auf die Stellungnahme des BUND seinerseits zur Positionierung aufgeforderte Abz-Leiter Moneke, der sich im verwaltungstechnischen Sinne unheimlich Mühe gebe, korrekt zu arbeiten, sehr detailliert die aus seiner Sicht unumgängliche abschnittsweise Rodung der Ufervegetation begründet habe: Die Biber sollen nur an den dafür vorgesehenen Uferbereichen fressen, heißt es u.a. darin, und Manfred Krauß versprach, es ihnen auszurichten…

Auf Anfrage einer Bürgervertreterin teilte Frau Riemer mit, dass über die BIMA die Fällung von insgesamt 270 Bäumen beauftragt und vom WSA bislang für 109 Bäume bezahlt worden sei. Insgesamt belaufe sich das Auftragsvolumen für die Unterhaltungsmaßnahmen entlang des BSK auf 250.000 Euro! [Wäre naturschutzfachlich und baumpflegerisch korrekt gearbeitet worden, hätten ca.15 Prozent dieser Summe mit Sicherheit ausgereicht. Wir schlagen deshalb vor, dem Abz Spandau in der lfd. Haushaltperiode allenfalls noch 5000 Euro für Böschungsunterhaltung zu bewilligen: das käme einer naturnahen Pflege der Kanalufer und damit menschlichen wie nichtmenschlichen AnwohnerInnen zugute!]

Fakt sei jedenfalls, so fuhr der NGA-Mitarbeiter fort, dass die WSA-Leute die Bäume nicht lieben und man zudem im Abz Spandau ständig mit neuen Kräften konfrontiert sei, die man immer erst wieder neu an die Natur heranführen müsse, damit auch wirklich nur das gemacht werde, was notwendig sei.

Dass es zumal bei Fällungen auf Grund mangelnder Verkehrssicherheit nicht etwa nur die Baumschau nach der VTA den Ausschlag geben darf, sondern dort, wo die Gefahr im Verzug nicht evident ist, die Notwendigkeit finaler Maßnahmen immer durch weitere Diagnoseverfahren erhärtet werden muss, für deren Einsatz die WSA-Baumprüfer wiederum nicht geschult sind, weshalb die Hinzuziehung externen Sachverstands vorgeschrieben ist, steht zwar in den Leitlinien, aber ist in der Behörde offenbar weitgehend unbekannt. Deswegen meinte Michael Scholz am 16.2. mit den „selbstverständlich“ vorliegenden und lediglich noch nachzureichenden Dokumenten auch nicht etwa externe Gutachten − die gibt es nicht −, sondern die Protokolle der Benehmensherstellung. [Nach diesen Dokumenten erkundigten wir uns übrigens noch mal in der 21. Forumssitzung am 22.2., doch liegen sie uns bis heute nicht vor.]

Kahlschlag

Kahlschlag

Angesichts dieser eher mühsam und unbefriedigend verlaufenden Aufklärungsversuche, was wann wo warum veranlasst und wem bekannt wurde, womit ohnehin das Kind nicht mehr aus dem Brunnen gezogen werden kann, wurde BUND-Vertreter Krauß grundsätzlich und mahnte seinerseits ein völliges Umdenken an: Selten habe er derart massive Eingriffe in natürlichen Uferbestand gesehen; so könne es einfach nicht weitergehen! Bei der Gewässerunterhaltung müsse endlich zu einem ganz anderen Umgang mit den Uferböschungen gefunden werden, der ein strukturiert mit Bäumen, Büschen und Unterwuchs bestandendes Uferbiotop als schützenswerten Lebensraum einer Vielzahl von Tierarten begreift − von Rote-Liste-Arten wie Biber und Fischotter über Sumpf- und Teichrohrsänger bis zu den dort brütenden Nachtigallen −, und nicht alle Jahre wieder wie ein Wohnzimmer aufräumen will.

„Die Berliner Oberste Naturschutzbehörde hat im Jahr 2007/2008 den zuständigen Landes- und Bundesbehörden, also auch dem WSA Berlin, ein Artenhilfsprogramm für Biber und Fischotter vorgestellt, in dem die Lebensbedingungen des Bibers an den innerstädtischen Kanälen detailliert beschrieben werden. Diese Empfehlungen wurden hier eindeutig nicht beachtet“, heißt es in seiner Stellungnahme für den BUND, und weiter: „Das WSA will offensichtlich an allen Wasserstraßen ein anderes Ufer- und Landschaftsbild als bisher. Es besteht aus einer weitestgehend kahlen Böschung, die oben von wenigen und nicht zu großen Einzelbäumen bestanden ist. Dies bestätigen auch die Eingriffe an anderen Gewässerabschnitten wie z.B. an der Havel im Bereich der Tiefwerder Wiesen oder am Berliner Abschnitt des Oder-Spree-Kanals. Die Kanalufer in ihrer Funktion als Lebensraum und Biotopverbindungselement werden dadurch zusehends entwertet.“ Am genannten Oder-Spree-Kanals bspw. sei solches Aufräumen auch schon mitten im Sommer erfolgt, was nach Berliner Naturschutzgesetz einen Straftatbestand erfülle. (Und der Baumsachverständige Dr. Barsig erinnerte an den Vortrag von Dr. Wolter vom IGB im AK Naturhaushalt und Landschaftsbild am 4.11.09, welcher die Wichtigkeit überhängender Vegetation für phytophile Fischarten wie den Hecht hervorgehoben hatte. Solche fachliche Inputs hinterließen in der Behörde einfach zu wenig Spuren.)

Seit 10, 15 Jahren gebe es eine für die WSV bindende ökologische ausgerichtete Erlasslage: allmählich werde es Zeit, sie auch zu implementieren. Wenn dies innerhalb des WSA oder der WSD nicht möglich sei, müsse das BMVBS
eingreifen. − An dieser Stelle verwies Frau Riemer auf den aktuell erstellten „Unterhaltungsplan Spree“, in den die Öko-Erlasse doch einflössen, doch was nützen die besten Planwerke, wurde ihr entgegnet, wenn Bauingenieure nicht motiviert werden können, sie auch umsetzen.

Den Einkauf externen Sachverstands hielt der Vertreter des NGA Mitte für wenig zielführend: Man brauche keine Baumbiologen, sondern alles hänge vom Engagement der Baumkontrolleure und -pfleger vor Ort ab! Man müsse bei den Menschen ansetzen, und hier helfe nur schulen und immer wieder schulen mit praktischer Anleitung, denn die Angst, für Unterlassungen, zu geringe Eingriffe und anschließende Schäden haftbar gemacht zu werden, sei bei den Mitarbeitern übergroß.

Auch sei es, so wandten Bezirksvertretern wie der Baumsachverständige ein, überhaupt fraglich, ob im urbanen Bereich mit seinen ganz spezifischen stadtökologischen Bedingungen Bundesforsten bzw. die BIMA sachgerechte Amtshilfe leisten könne, denn der hier dominierende Blick des Försters auf den Wald, der etwa einen Gehölzumbau unter Entfernung „fremdländischer“ [!] Neophyten und abgestorbener, aber als Habitat für eine Vielfalt von Arten in ihrem ökologischen Wert kaum zu übeschätzender „Biotopbäume“ bzw. Hochstubben fordere, sei gerade im Stadtgebiet völlig verfehlt.

Der Vertreter des Artenschutzes und Artenhilfsprogramme bei der Obersten Naturschutzbehörde (ONB), Reinhard Schubert, der sich in einer persönlichen Vorbemerkung zunächst einer Kritik des Performativen widmete, indem er, bei eingestandener Unkenntnis von Vorgeschichte und Kontext, die Redeweise von „Umerziehung, Sanktionen und personellen Konsequenzen“ geißelte (Letztgenanntes sei allein Sache des Amtsleiters), sah sein Haus durch die in Rede stehende Problematik ungerechtfertigter Fällungen und Kappungen am BSK nur mittelbar betroffen und lediglich unter komplexer, ganzheitlicher Perspektive, also was die Biotopzerstörung betreffe, direkt involviert. Vielen berechtigten Interessen auf verschiedenen Rechtsebenen gelte es, Rechnung zu tragen. Die BfG habe das Instrumentarium in Form von Leitlinien und Unterhaltungsplänen bereitzustellen, woraufhin die landesseitige Gestaltung der Biotopverbundsysteme unter frühzeitiger Einbindung und in Berücksichtigung der unterschiedlichen Interessen abgeklärt werden müsse. Konkreter könne sich Schubert jedoch erst äußern, wenn er die Unterlagen gesichtet habe, doch sei das Kind ja ohnehin schon in den Brunnen gefallen.

Wir haben uns bekanntlich am LWK fast drei Jahre lang bemüht, SenStadt als ONB für das Potential dieser innerstädtischen Wasserstraße und ihre Aufwertung als Ausbreitungs- und Wanderkorridor im Rahmen der Biotopvernetzung zu interessieren und zu ermuntern versucht, die Sanierung im Rahmen dieses interdisziplinären und interinstitutionellen Mediationsverfahrens unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft zu nutzen, um gemeinsam eine die Verwaltungsebenen von Bund, Land und Bezirken übergreifende integrierte Planung eines modellhaften stadtökologischen Projekts auf den Weg zu bringen, doch SenStadt blieb bis dato jeder Aktivität in dieser Richtung abhold. – Wenn nun aber die ONB selbst dort, wo, wenn auch nur ganz indirekt und „mittelbar“ in ihrem Zuständigkeitsbereich, weil Baum und Busch Bezirkssache sind, jedoch die Habitate von FFH-Leitarten durch bundesbehördliches Handeln zuschanden gemacht werden, derart zögerlich, übervorsichtig und verklausuliert reagiert und abermals jede Aktivität, jeden Anschein von Entschiedenheit vermissen lässt, wundert uns natürlich gar nichts mehr. Ohne engagierte BürgerInnen und das durch ihren Protest veranlasste Mediationsverfahren hätte sie von den Vorgängen am BSK womöglich gar nichts mitbekommen.

Da sich das Unrechtsbewusstsein auf Seiten des WSA in sehr engen Grenzen hielt − Scholz: „Ich habe ein blütenreines Gewissen!“ − sollten nach der Halbzeit dieser Krisensitzung gemeinsam Lösungsmöglichkeiten ausgelotet werden, und zwar auf mehreren Ebenen und in mehreren Stufen:

Zunächst sprach sich der WSA-Chef für eine transparente Bilanzierung, Monetarisierung und konkrete Kompensierung aus. In Anlehnung an Dr. Barsigs Validierung der Maßnahmen innerhalb des ersten Loses (von Kieler bis Föhrer Brücke), die 75 Prozent für ungerechtfertigt, überflüssig und fachlich unzureichend erklärt hatte, sollten die entstandenen Schäden nach der Koch’schen Methode exemplarisch ermittelt, überschlägig hochgerechnet und dann unter Einbeziehung der Bezirke, von Fachleuten und Verbänden konkrete Kompensationsmaßnahmen geplant und umgesetzt werden. Von einer genauen Validierung, die selber wertvolle Mittel verschlinge, sei indessen abzuraten, denn sie könne unter Einbeziehung des erweiterten ökologischen Schadens leicht in die Millionen gehen.

Um also künftig solche Desaster zu vermeiden, sollte frühzeitig über Vorhaben (auch im Web, jedoch unter Berücksichtigung vergaberechtlicher Einschränkungen) informiert und auf diese Weise die Benehmensherstellung als Informations- und Vorstellungstermin genutzt werden. − Anschließend sollte mit den verschiedenen Gruppen, zunächst natürlich den VertreterInnen der bezirklichen Grünflächenämter, aber auch der BürgerInnen, der Naturschutzverbände und der ONB ein Dialog über die geplanten Maßnahmen geführt werden.

Manfred Krauß forderte das WSA auf, vorab generell zu akzeptieren, dass die Uferböschungen der Bundeswasserstraßen vegetationsbestanden sind, ausgenommen dort, wo es den Schiffsverkehr definitiv behindert. Es gehe um Akzeptanz des „Gesamtkunstwerks“ einer strukturiert gehölz- und strauchbestandenen Böschung“. Eingriffe seien durchaus nötig und zulässig, bspw. das Auf-den-Stock-Setzen von Weiden unproblematisch, dürften jedoch jeweils nur kleinräumig erfolgen. − Hier räumte Scholz ein, dass anders als bei natürlichen Wasserläufen an Kanälen bislang Strauchwerk aus Gründen der Inspizierbarkeit der Fußsicherung tatsächlich immer noch entfernt werde, konzedierte jedoch, dass dies flächendeckend geändert und „Verstrauchung“ zugelassen werden müsse.

Um die fachliche Qualität der Leistungsbeschreibung bei der Auftragsvergabe sicherzustellen, regte eine Bürgervertreterin die personelle Aufstockung der Behörde etwa durch Baumbiologen an, doch liegt dies einerseits außerhalb der Wirkungsmöglichkeit des Amtsleiters und andererseits ist er sich sicher, hierfür keine zusätzliche Stelle bewilligt zu bekommen. Im Gegenteil treibe der Personalmangel solche Blüten, dass versierte Baumkletterer des WSA inzwischen als Schleusenwärter arbeiten müssten. Der Personalabbau aber sei bekanntlich politisch gewollt, und daran könne auch ein WSD-Chef Menzel in Magdeburg nichts ändern. – Gleichwohl wurde ein Brief ans BMVBS vorgeschlagen, die ambitionierten ökologischen Erlasse mit Blick auf ihre Anwendung personell zu unterfüttern.

Auch der NGA-Vertreter aus Mitte sah, wie gesagt, die Erhöhung fachlicher Kompetenz auf diesem Weg letztlich nicht zielführend. Alles komme auf das Engagement der Baumpfleger vor Ort und deren regelmäßiges Coaching an. Dann würde bspw. ausgeschlossen, dass die Kronen jener fünf Platanen am Nordhafen, die er seit zwanzig Jahren kenne und die weder an Massaria noch sonst wie erkrankt waren, ohne Sinn und Verstand zusammengeschnitten, von innen her ausgeräumt und bleibend geschädigt worden seien. − Vor allem aber dürften die Mitarbeiter nicht das Gefühl bekommen, nunmehr kontrolliert und überwacht zu werden: das brächte überhaupt nichts.

Der Vorschlag regelmäßiger Gesprächsrunden von Abz-Baumkontrolleure und den UNB unter Hinzuziehung von Fachleuten und Verbändevertretern sowie der Vorstellung von Best-Practice-Beispielen fand große Zustimmung. Fachreferenten könne z. B. die BfG stellen, was wenig koste und viel bewirke. Ansonsten könne die BfG laut Scholz aber nur exemplarisch unterstützen und davon ausgehend zu analogem Vorgehen ermuntern, denn diese Fachbehörde verfüge ja selbst nur über ca. dreihundert MitarbeiterInnen

Von konkreten Kompensationsmaßnahmen noch in dieser Pflanzperiode, etwa Pflanzung von Container-Weiden am Nordufer, wo die A&E-Weiden gerodet wurden, sei angesichts der fortgeschrittenen Zeit und bald zu erwartendem Hitzestress abzuraten. Ferner gab es den Vorschlag der Anlage einer Flachwasserzone mit Pflanzung von Röhricht an einer von Schiffs- und Bootsverkehr geschützten Stelle nahe dem Saatwinkler Steg in Spandau.

Zweckmäßiger sei es, zeitig im Herbst auf, unter Beteiligung der Bezirke auszuwählenden Flächen sozusagen strukturierte Modellpflanzungen zur Unterstützung der Fauna anzulegen.

In Übereinstimmung mit Manfred Krauß schlug Reinhard Schubert von der ONB vor, an einem noch intakten Uferbereich gewissermaßen den Zustand zu beschreiben, der in einem bestimmten Zeitraum hergestellt werden soll, also die Zielvorstellung zu exemplifizieren, ein Leitbild naturnaher Uferbiotop-Gestaltung, woran sich sowohl die Kompensationsmaßnahmen als auch die künftige Pflege ausrichten sollte. Hier schlug Krauß die Tiefwerder Wiesen an der Havel vor.

Für [am besten Anfang] Juni wurde ein Treffen von Amtsleiter Scholz, drei bis vier Abz-Mitarbeitern, dazu Dr. Barsig, Manfred Krauß sowie eines Bürgervertreters und Frau Dr. Ernst als Lernende an einer noch auszuwählenden bearbeiteten Stelle am BSK verabredet, um sich im gemeinsamen Austausch darüber zu vergewissern, was getan [angerichtet] wurde, wie es kompensiert und wie ähnliches künftig vermieden werden könne.

Mit temperierter Hoffnung − sichtlicher Erleichterung auf Seiten des Amts und viel Skepsis bei den BürgervertreterInnen − gingen die Beteiligten an dieser fünfstündigen Krisensitzung auseinander.

Schnittgut

Schnittgut

Halbzeit in der Einwendungsfrist

Btr. Planfestellungsverfahren zur so genannten Nordumfahrung

Spektewiesen 02

Ausgangspunkt Spektewiesen

Noch bis zum 9.9. liegen die Planunterlagen zur umstrittenen „Nordumfahrung“, einer Schnellstraße mitten durch ein wertvolles Naturschutz- und Naherholungsgebiet zwischen Spandau und Falkensee, im Spandauer Naturschutz- und Grünflächenamt aus (Carl-Schurz-Straße 8). Es sind dieselben Unterlagen, die schon 2008 parallel im Havelland und in Falkensee der Öffentlichkeit präsentiert wurden, also z. B. ohne eine Umweltverträglichkeitsprüfung, die diesen Namen verdiente. − Was aber die Einwendungsfrist angeht, so ist jetzt mit Blick auf die Deadline des 23.9. ungefähr Halbzeit.

Die BISF sammelt auf dem Spandauer Marktplatz und andernorts fleißig Unterschriften und hat diverse Informationsveranstaltungen organisiert, auch eine nahe dem Pferdehof im Eiskeller, der nordwestlichsten, angeblich kältesten Ecke Berlins, wo dereinst das Eis aus dem Falkensee gelagert wurde, der aber sommers auch schnell zum „Heißkeller“ werden kann. − Doch wenn erst Blech mit hundert Sachen hier durch brettert, dürfte es auch winters wärmer werden. Dass es soweit nicht komme, bedarf möglichst stichhaltiger und am besten individueller Einwendungen [ausgezeichnete Hilfestellungen auf der Website der BISF!], aber auch Unterschriften unter die von der BISF und ihren Anwälten, Peter Kremer und Karsten Sommer, formulierten Mustereinwendung.

Die BaL sammeln mit

Sie zu sammeln und Natur und Naherholung auch im Nordwesten der Hauptstadt zu schützen, helfen die BaL im Südosten, u.a. während ihres wöchentlichen

Freitag-Treffs
von 17:30 bis 19:30 Uhr
auf der Kottbusser Brücke in Xberg.

Wer im Augenblick nicht bis Spandau fahren, aber sich dennoch für den Erhalt eines FFH-Gebiets und einem wahren Kleinod für unsere Naherholung einsetzen will: hier kann sie/er die Sammeleinwendung mitzeichnen! Wenn nur ausreichend Quantität zusammenkommt, hoffen wir auf einen Umschlag in die Qualität und zu einem Überdenken der anachronistischen Planung auf Seiten der Verantwortlichen. Die Entwicklung im Hinblick auf den Widerstand gegen die Seeprivatisierung, dem sich mittlerweile auch namhafte SPD-Politiker angeschlossen haben, was die BVVG immerhin zum „Aussetzen“ veranlasste, macht Hoffnung. Auch hier kann mensch, sofern noch nicht geschehen, bei unserm Infotreff auf der K. Brücke unterschreiben: die Masse macht’s!
Reginas Sonntagspaziergang: Allsinnliches Mobilisieren

Durch urigen Laubwald

Durch urigen Laubwald

Wer jedoch selber in Augenschein nehmen möchte, was hier auf dem Spiel steht − und das ist nur wärmstens zu empfehlen! −, die/der sei nachdrücklich aufgefordert, an

Regina Henkes
Aktionsspaziergang

am nächsten Sonntag, 6.9., durchs betroffene Gebiet teilzunehmen.

Treff um 10 Uhr
Endstation des M37
Freudstr./Goldkäferweg.
Karte

Regina, eine leidenschaftliche Flaneurin aus Reinickendorf, die schon viele Wanderungen in & um Berlin beschrieben und auch am Projekt der 20 Grünen Hauptwege mitgewirkt hat, gibt kenntnisreiche Erläuterungen zu Natur und Landschaft und (dies allerdings bewusst sparsam) zum unsinnigen, überflüssigen Bauvorhaben, da ihrer Meinung nach die eigene Anschauung die überzeugendsten Argumente liefert.

Dieser Einschätzung können wir nur vollumfänglich beipflichten!

Erhebt Eure Einwände gegen die so genannte Nordumfahrung!

Sinnfällige Argumente gegen einen unsinnigen Straßenbau

BISF-Plakat

BISF-Plakat

Seit gut einer Woche liegen die Planunterlagen zur sog. Nordumfahrung im laufenden Planfeststellungsverfahrens nun auch für die BerlinerInnen aus, und zwar im Spandauer Naturschutz- und Grünflächenamt in der Carl-Schurz-Straße 8 (Raum 1103). Damit gibt es noch eine weitere Chance, diesen absurden Schnellstraßenbau mitten durch wertvolle Naturschutzflächen und Naherholungsgebiete zu verhindern, denn nicht nur die unmittelbaren AnwohnerInnen auf Brandenburger wie Berliner Seite sind berechtigt, ihre Einwände dagegen zu erheben, sondern auch alle BerlinerInnen, die dort wandern, baden, ihre Freizeit verbringen und auch weiterhin verbringen wollen! Die Pläne liegen noch bis zum 9. September aus, Einwendungen müssen bis zum 23. eingereicht werden, entweder direkt ans

Landesamt für Bauen und Verkehr
Dezernat 11 – Anhörungsbehörde
Lindenallee 51
15366 Hoppegarten

oder über die BI Schönes Falkensee. Die hat jeden Samstag bis zum 19.9. einen Infostand auf dem Marktplatz in Spandau (vor Jokers), sporadisch auch an anderen Stellen, doch dem Internet sei dank können wir Infomaterial, Textbausteine für Einwendungen und Unterschriftenlisten mit Sammeleinwendung auch von ihrer Website laden.

Die BaL e.V. sammeln auf ihrem freitäglichen Infotreff auf der Kottbusser Brücke von 17:30 bis 19:30 Uhr ebenfalls Unterschriften gegen die „Nordumfahrung“.

Vom sonntäglichen Aktionsspaziergang (16.8.)

Spektewiesen

Spektewiesen

Vergangenen Sonntag veranstaltete Regina Henke aus Reinickendorf einen weiteren Aktionsspaziergang gegen das Natur und Landschaft zerstörende Bauvorhaben, um nicht (nur) mit Plänen, Verkehrsprognosen und Statistiken, sondern augen- und sinnfällig zu zeigen, welche unschätzbaren Verluste hier drohen.

Ausgangspunkt Spektewiesen

Spektewiesen 03

Spektewiesen

Sieben TeilnehmerInnen haben sich an der Endhaltestelle des M 37 Ecke Freudstr./Golkäferweg eingefunden, und wir beginnen unsere Wanderung an den nahen Spektewiesen, einem von Wegen gesäumten, etwa 100 Hektar großen, Ende des letzten Jahrhunderts aus A&E-Mitteln der Deutschen Bahn renaturierten Grünzugs entlang der gleichnamigen Flachmoorniederung mit einer der wenigen unverbauten Wiesenlandschaften Berlins: Trocken-, Feucht- und Nassbiotopen samt wertvollen Übergangsbereichen wechseln mit ihrer je spezifischen Flora & Fauna auf relativ engem Raum einander ab.

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Blauflügelige Ödlandschrecke © R.Henke

Vielfalt an Biotopen, Flora und Fauna

Rotwangenschildkröte

Ausgesetzte Rotwangenschildkröte

Laubsänger in den Ufergebüschen und die um Goldrute und Blutweiderich [Foto s.u.] summenden Insekten untersteichen noch die beeindruckende Stille. Auch Drosselrohrsänger brüten hier, verhalten sich jedoch um diese Jahreszeit still. In kleinen Pfuhlen des Feuchtgebiets Alter See dösen Blässrallen und Stockenten beim Froschkonzert; eine in Freiheit mächtig herangewachsene Rotwangenschildkröte sonnt sich derweil auf einem im Wasser liegenden Stamm.

Hainwachtelweizen

Hain-Wachtelweizen © R.Henke

In Trockenbereichen ist hier die Blauflügelige Ödlandschrecke, eine Rote-Listen-Art, keine Seltenheit. Zauneidechsen flitzen in Deckung, auch Ringelnattern sollen häufig sein. Am Wegesrand wächst der Hainwachtelweizen mit seinem auffälligen zweifarbigen Blütenstand, auf Trockenrasen Gras- und Heidenelke, doch die hier ebenfalls vorkommende Sand-Strohblume können wir nicht finden. − Großen blaugrün-mettalic schillernden Rosenkäfern auf dem Weg werden RadlerInnen zum Verhängnis, wie überhaupt uns FußgängerInnen in solcher Umgebung auffällt, dass auch Radfahren so völlig emissionsfrei gar nicht ist.

Haltlose Schreibtisch-Argumente

Laubwald

Weg durch Laubwald

Vor einem BISF-Plakat am Gartenzaun eines Siedlungshauses [s.o.] verdeutlicht Regina die Haltlosigkeit einiger verkehrsbezogener Argumente der Straßenplaner (solche Plakate werden wir übrigens an den Einfriedungen der Villen entlang des Falkenhagener Seeufers vergeblich suchen, wiewohl doch auch deren exklusive Lage einiges an Reiz einbüßen muss): Die Gartenstadt Falkenhöhe wird jedenfalls mitnichten umfahren, sondern vielmehr durch die Piste vom südlichen Falkenhagener See getrennt. Die Einkaufsfahrten der SpandauerInnen nach Falkensee werden gewiss nicht über die „Umfahrung“, sondern wie bisher über die Falkenseer Chausee führen, die somit in keiner Weise entlastet wird. Im Gegenteil: Schwerlastverkehr, der die mautpflichtige Autobahn nun meiden kann, würde tags und nachts zunehmen. − Doch selbst wenn es denn zu den höchst unwahrscheinlichen Entlastungen käme: der Preis an Verlärmung und Zerschneidung wertvollster Natur und beliebter Naherholungsgebiete stünde dazu in keinem irgendwie zu rechtfertigenden Verhältnis!

Überzeugen durch Zeigen

Tafel Lebensraum Baum 02

Tafel Lebensraum Baum

Um dies aber sinnlich unmittelbar zu erfassen, genügt eine solche Wanderung durchs betroffene Gebiet. Auf dem Weg von den Spektewiesen zum Falkenhagener See würde eine acht Meter breite Schnellstraße zum nervtötenden Hindernis, für die Amphibien während ihrer Wanderungszeit jedoch zu einer weiteren letalen Barriere. Dabei befinden wir uns in einem Landschaftsschutzgebiet und sehen, was dieser Schutzstatus wert ist. Entlang des Seeufers klärt ein Naturlehrpfad mit liebevoll gestalteten Tafeln über den Artenbesatz von Stillgewässern, den Baum als Lebensmittelpunkt eines breiten Spektrums von Tier- und Pflanzenarten oder über Besonderheiten wie die Totholzhecke auf und mahnen, die Brutgewässer nicht als Hundebadestellen zu missbrauchen.

Macht nicht kaputt, was Euch ganz machen kann!

Biotopbaum

Biotop-Baum

Alte bruchgefährdete Eichen werden nicht einfach aus Verkehrsicherungsgründen umgehauen, sondern mit Warntafel versehen und umzäunt, denn so genanntes Tot- oder Biotopholz ist, mal von den Höhlenbrütern und Fledermäusen abgesehen, auch ein Eldorado für eine kaum zu überschauende Vielzahl anderer, immer seltener werdenden Lebensformen bis hin zu Pilzen, Moosen und Flechten. − Entsprechend bleibt im nahen Spandauer Forst mit dem unter Naturschutz stehenden, als FFH-Gebiet ausgewiesenen Feuchtgebiet Große Kuhlake, alles Biotopholz liegen.

Hier umfängt uns wohlige Kühle, während auf den ausgedehnten, landwirtschatlich genutzten Teufelsbruchwiesen die Sonne nur so auf uns hernieder brezelt. Doch in einer Hecke thront ein Neuntöter auf seiner Warte, Feldsperlinge schwirren umher, eine Feldlerche steigt auf (ohne zu jubilieren), und am Himmel gewahren wir einen maunzenden Mäusebussard, dann eine Rohrweihe, die ein Turmfalke zu verhassen sucht. − Die westlich angrenzenden Reiherwiesen in Eiskeller sollen ebenfalls von der Trasse tranchiert werden.

Schaut’s Euch an!

Blutweiderich

Blutweiderich

Auch nächsten Sonntag will Regina Henke wieder einen solchen Spaziergang unternehmen [siehe auch einige ihrer Wegbeschreibungen hier oder hier], also am

23. August, 10:00 Uhr
Treffpunkt:
Endhaltestelle des M37

(Freudstraße/Goldkäferweg)
[Details siehe hier]

Erste Anmeldungen sind schon eingetroffen unter

Regina.Henke[at]t-online.de.

Wenn hinlänglich bekannte Argumente, wonach Tag für Tag nach wie vor über 100 Hektar Fläche in unserm Land „verbraucht“ werden, auch wenn es bereits von 230.000 km Straße gerastert wird,  nicht „ziehen“: Solch praktische Überzeugungsarbeit dürfte bei den Teilnehmenden die nachhaltigste sein.

Teufelbruchwiesen

Teufelsbruchwiesen in den Hundstagen

Hier geht’s zur Foto-Galerie (‚Diashow‘ anklicken)…

BI-Antrag für gemeinsamen Forumsappell an Berliner Senat vertagt

BaumschützerInnen-Info vom 01.02.09

Apropos Masterplan

Die Friedrichshain-Kreuzberger Baustadträtin Kalepky wusste zu berichten, dass, nach einer entsprechenden Einladung von Bezirksbürgermeister Schulz an die übrigen vier Bezirke, gemeinsam eine Projektgruppe Masterplan LWK zu bilden und den anschließenden diversen Absagen, nunmehr für Anfang März ein Treffen mit SenStadt-Vertreter Nagel anberaumt sei, an dem auch Revierleiter Leder aus Mitte teilnehmen wolle, wogegen der zuständige Bezirksstadtrat von Mitte, Gothe, abgesagt habe. − Spontan wiederholte daraufhin die Vertreterin der Obersten Denkmalbehörde, Sigrid Kayser, ebenjene Zweifel, die wir schon lange hegen: „Ein Infrastrukturprogramm wird schwierig, wenn die Verantwortung bei den Bezirken liegt…“

Vereinbarte Zweigleisigkeit wird nicht gewahrt!

Doch der Antrag von BI/Verein Bäume am Landwehrkanal, dass Forum möge einen gemeinsamen förmlichen Appell an den Senat richten, sich intensiv um Mittel aus dem Konjunkturbelebungsprogramm der Bundesregierung zu bemühen, wurde zunächst ohne Abstimmung ans äußerste Ende der Tagesordnung geschoben und dann − nach wenig überraschenden Bemerkungen seitens der Reederschaft, die von jedweder ökologischen Sanierung ihre bornierten Interessen bedroht sieht −, irgendwie vertagt. (Und an solchen Schnickschnack wie Unternehmensverantwortung oder Corporate Social Responsibility (CSR), worüber mal auf Bootspartien geplaudert wird, braucht man sicher nicht mehr zu erinnern.)

Die Beschlusslage zu diesem Komplex sieht nun allerdings so aus, dass zwar einerseits in der Tat eine Gesamtplanung der Sanierung nicht innerhalb dieses Mediationsverfahrens, sondern in anderem Rahmen verfolgt werden soll, dass dies aber andererseits zweigleisig, also parallel mit dem laufenden Verfahren und einer regelmäßigen Rückkopplung in dasselbe zu geschehen hat.

Jetzt politischen Druck erzeugen!

Angesichts des bejammernswerten Siechtums, das der so naheliegende, von so vielen BürgerInnen unterstützte und zunächst auch von den Verantwortlichen einhellig begrüßte Gedanke einer Gesamtkonzeption der Sanierung mittlerweile erleidet, indem aus zwar nahe liegenden (leere Kassen!), aber allenfalls formalrechtlich überzeugenden Gründen die Generalplanung ausgerechnet sozusagen der Infanterie anvertraut wird, sowie der Tatsache, dass gerade durch den anschwellenden Krisen-Tsunami und die zu seiner Eindämmung bereitgestellten ungeheuren öffentlichen Mittel sich auch die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für ambitionierte „grüne“ Infrastrukturprojekte entscheidend verbessert haben, bedarf es jetzt vor allem politischen Drucks, damit die für eine nachhaltige Stadtentwicklung Zuständigen auf Landes- und Bundesebene im Superwahljahr wenn schon nicht ein Gebot der Stunde, so doch die Profilierungschance erkennen, die eine stadt- und gewässerökologisch wie denkmalpflegerisch vorbildliche zukunftsfähige Sanierung des berühmten, so lange vernachlässigten hauptstädtischen Kanals bereithält. [Siehe dazu auch unsere einschlägigen Beiträge hier, hier oder hier und auch Kommentare von BI-Mitgliedern wie z. B. hier.]

Die BI ein Bremsklotz?

BaumschützerInnen-Info vom 10.1.09

Vertreterin des NABU Berlin kritisiert Mediation

Ausgerechnet die von den drei beteiligten Naturschutzverbänden einzig anwesende Vertreterin des Berliner Landesverbands des Naturschutzbunds (NABU), die zunächst erfreulicherweise unsere nun schon ein Jahr alte Forderung nach einer floristisch-faunistischen Bestandsaufnahme im und am LWK wiederholte, fiel uns gleich darauf leider einmal mehr in den Rücken, als wir angesichts der ablehnenden Haltung einer maßgeblichen WSA-Vertreterin gegenüber solchen umfassenden Kartierungen und der verwunderten Frage nach ihrem Zusammenhang mit der Instandsetzung der maroden Ufermauern, Zweck und Dringlichkeit durch Rekurs auf Artenschutzprogramm, Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), Qualifizierung des natürlichen Potentials als Verbindungsweg, Wander- und Ausbreitungskorridor u.dgl.m. erneut zu begründen und zu kontextualisieren versuchten.

Die NABU-Vertreterin, die ohnehin nur sporadisch anwesend ist, denn „es gibt Wichtigeres zu tun“, kritisierte unsere Ausführungen als Ausdruck bloßen Wunschdenkens − besser wär’s, das WSA legte erstmal eine Planung vor, die man dann ja unter Naturschutzaspekten modifizieren könne − und beklagte sich ansonsten nachdrücklich über die Langwierigkeit des Verfahrens, die nach ihrer Meinung vor allem dem viel zu breiten Raum geschuldet sei, der in den Diskussionen den BürgervertreterInnen zugebilligt werde, so dass sie selbst sich nur widerstrebend habe durchringen können, zu dieser Sitzung des AK Naturhaushalt und Landschaftsbild überhaupt noch zu kommen − und musste sich postwendend von der Mediatorin daran erinnern lassen, ja nicht als Privatperson, sondern für eine Institution und deren Interessen an diesem Verfahren teilzunehmen.

Die Partizipation von BI/Verein Bäume am Landwehrkanal als Störung, Verzögerung, Zeitvergeudung?! Wie verträgt sich solche Einschätzung mit der Tatsache, dass der NABU Berlin offiziell zum gleichnamigen Aktionsbündnis gehört? − Da die Reeder niemanden in diesen Arbeitskreis entsenden, erhielt die mediationsmüde Naturschützerin jedenfalls von keiner Seite Zustimmung.

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