BürgerInnenvariante „Erhalt“ steht als einzige zur Entscheidung

BürgerInnen-Initiative Bäume für Kreuzberg

Bezirksamt votiert im letzten Moment für „unsere“ Variante

Eigentlich sollte am gestrigen Mittwoch (26.11.) die BVV in einem ersten Anlauf über die von Baustadträtin Kalepky erstellte Planungsvorlage zum „Umbau des Grünzuges ehemaliger Luisenstädtischen Kanals (eLK) zwischen Waldemarbrücke und Oranienplatz“ entscheiden, doch diese war bereits im Vorfeld an die Ausschüsse für Umwelt und Stadtplanung verwiesen worden, wo sie nun am 2. bzw. 3.12. beraten werden soll.

Gästebuch01

Gästebuch-Eintrag (Quartiermanagement)

Nachdem ihr erster Entwurf als nicht mit den Beschlüssen der Grünenfraktion (Keine Baumfällungen! Keine Tieferlegung! Keine Sichtachsen!) konform befunden wurde, war Frau Kalepky offenbar im letzten Moment gezwungen, die BürgerInnenvariante „Erhalt“ (D) vorzuschlagen. Da alle vier Planungsvarianten − also die bereits genehmigte BPU von 2007 (A), die „Kompromissvariante“ vom Frühjahr 2008 (B), die „Erweiterte Kompromissvariante“ vom Oktober 08 (C) und eben die BI-Variante (D) − den Bezirksverordneten nur mittels recht eigenwillig ausgefüllter Matrices vorgestellt wurden, welche die Planvorgaben insbesondere „unserer“ Variante stark verkürzt, wenn nicht unrichtig widerspiegeln, hatten wir uns erlaubt, den BzV die Matrix für D in einer von uns überarbeiteten Fassung zu senden, dazu auch die entsprechende TOPOS-Zeichnung und unser Leitbild für den gesamten Grünzug (Waldemarbrücke bis Landwehrkanal) und eine ja noch immer ausstehende Debatte. (Auch ein entschiedenes Votum des Quartiersrat Mariannenplatz konnte noch beigefügt werden.)

BI-Vertreter stellt EinwohnerInnenfragen

Die heutige ordentliche BVV-Sitzung aber nahmen wir zum Anlass, um zwei sog. EinwoherInnen-Anfragen zu stellen:

  • Frage 1
    Wie viele und welche denkmalgeschützten Gebäude (insbesondere Schulen und Sporteinrichtungen wie Turnhallen) befinden sich im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, die Sanierungsbedarf haben, sei’s durch eingedrungene Nässe, Schimmelbefall oder mangelnde energieeffiziente Wärmedämmung?
  • Frage 2
    Wie hoch sind die Kosten für die vom Bezirk zur Durchführung der BürgerInnenbeteiligung an der Planung der Umgestaltung des ehemaligen Luisenstädtischen Kanals beauftragten externen Unternehmen wie z. B. die Firmen Stattbau Stadtentwicklungsgesellschaft mbH und ZimKom Unternehmensentwicklung?
Gästebuch02

Gästebuch-Eintrag (Quartiermanagement)

Zur Frage 1 hatte es vergangenes Wochendende pressemäßig eine Koinzidenz gegeben, indem die Morgenpost über einen Stau bei der Schulsanierung in Berlin berichtete und ihn mit einer satten Milliarde Euro bezifferte. − Wir kennen auch denkmalgeschützte Schulen in Friedichshain-Kreuzberg mit schimmligen Turnhallen und baufälligen Sanitäranlagen und wollten mit unserer Frage die VolksvertreterInnen erinnern, dass aus dem Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz sicher sinnvollere Projekte finanziert werden können und müssen als die Zerstörung und anschließende denkmalgerechte Rekonstruktion einer Grünanlage.

In ihrer Antwort sprach die Baustadträtin von 73 denkmalgeschützten Gebäuden im Bezirk F’hain-Kreuzberg, davon 41 Schulen und zwei Sportstätten [weitere Zahlen werden noch nachgereicht], die durchgängig mehr oder minder sanierungsbedürftig seien, konnte aber bloß vier Beispiele benennen, wo die Sanierung bereits in Angriff genommen worden sei. Für mehr reiche das Geld nicht. − Hier gibt’s also noch viel Handlungs-, sprich Finanzierungsbedarf und so gar keinen Anlass, mit den knappen Mitteln Bäume zu fällen und Grünzüge tiefer zu legen.

Wie schon bei der Grünflächenpflege hat sich auch bei der Organisation von BürgerInnenbeteiligung Outsourcing nicht bewährt!

Unsere Frage 2 zur Organisation der BürgerInnenbeteiligung im konkreten Fall eLK bezog sich natürlich vor allem aufs dilettantische Treiben von ZimKom (wir berichteten), doch Frau Kalepky beschränkte sich in ihrer Antwort weitestgehend auf die Firma Stattbau, die den Bezirk bei insgesamt zehn Projekten sowohl im Bereich Grünflächen als auch Hochbau unterstütze, weshalb sich das, was sich allein auf den eLK beziehe, gar nicht genau beziffern lasse.

In der einen, ihm zugebilligten Nachfrage, sprach BI-Vertreter Rainer Böziger von den zahlreichern handwerklichen Fehlern, die im Jahresverlauf gemacht worden seien, und erkundigte sich, ob es denn eine Qualitätskontrolle gebe und wenn ja, nach welchen Kriterien sie erfolgt und welche Ergebnisse sie gezeitigt habe, kam bei Aufzählung der Unzulänglichkeiten aber nur bis zur unzureichenden BürgerInnen-Einladung zu den entsprechenden Veranstaltungen −, schon unterbrach ihn die BVV-Vorsitzende und forderte ihn auf, seine Frage und nur seine Frage zu stellen, duldete keinen weiteren Versuch, deren Veranlassung zu erhellen. So blieben bspw. die amateurhafte Ermittlung und Auswertung von Anregungen und Interessen der Betroffenen inklusive offener Zensurversuche unerwähnt.

BürgerInnen organisieren ihre Beteiligung besser selbst!

Von der Baustadträtin jedenfalls erfuhren wir, dass Stattbau den Auftrag zur Verteilung von 5000 Einladungen an eine weitere Subfirma vergeben habe, die dieser Aufgabe offensichtlich nicht gewachsen gewesen sei und künftig auch nicht mehr engagiert werde. Auf die Validierung der angeblich professionellen Moderation von Zimkom, wofür die SteuerzahlerInnen immerhin knapp 10.000 EUR berappt haben, ging Frau Kalepky, wie gesagt, nicht näher ein. Hier sei also nochmals hervorgehoben, dass − eben ungeachtet des dilettantischen Vorgehens und der zahlreichen methodischen Fehler von Zimkom − allein auf Grund des ehrenamtlichen Einsatzes der Betroffenen selber sich doch noch ca. 250 BürgerInnen beteiligten und so ein deutliches BürgerInnenvotum in dieser Angelegenheit ermittelt werden konnte.

Gästebuch03

Gästebuch-Eintrag (Quartiermanagement)

Um auf die BürgerInnen-Variante „Erhalt“ zurückzukommen, so ist sie laut Matrix deshalb „nicht förderfähig, da es sich vor allem um Instandsetzungs- und Instandhaltungsmaßnahmen handelt“, welche vom Bezirk zu finanzieren seien. Diese Begründung ist natürlich unzutreffend. Vielmehr besteht das Motiv für die Behauptung fehlender Fördermöglichkeit aus Mitteln des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz lediglich darin, dass die Vertreter des Landesdenkmalamts die weitgehende Freilegung einer von ihnen willkürlich als einzig wertvoll deklarierten Zeitschicht und Gestaltung zum alleinigen Kriterium von „denkmalgerecht“ befördern, koste es im vorliegenden Fall auch so viele Bäume, BenutzerInnenfreundlichkeit und -akzeptanz wie es wolle. Dass offenbar eine rückwärtsgewandte, stockkonservative Auslegung von Gartendenkmalpflege letztlich über die Vergabe von Steuermitteln den Ausschlag gibt in einem Programm, das lt. seinen Förderkritierien auch den Bedürfnissen der NutzerInnen der Anlage sowie der nachhaltigen Verbesserung und Revitalisierung ihres Quartiers dienen soll, ist der eigentliche Skandal!

Um nun die Freifläche vor der Waldemarbrücke und die Eingangssituation am Drachenbrunnen repräsentativ zu gestalten, arten- und strukturreiche Sträucher und Stauden nachzupflanzen und den dringend notwendigen Tiefbrunnen anzulegen, kommen laut Beschlussvorlage 200.000 Euro auf den Bezirk zu – was schwerlich ausreichen dürfte: hier müssen also andere Fördertöpfe gefunden werden! − Ansonsten aber sind wir gespannt auf die Ausschusssitzungen am 2. bzw. 3. Dezember…

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Erste Entscheidung über dauerhafte Sanierung

BaumschützerInnen-Info vom 21.11.08

Von der 12. Sitzung des Mediationsforums

Nach gut einjährigen Verhandlungen ist in der 12. Sitzung des Mediationsforums am vergangenen Montag (17.11.) die erste und, wie erforderlich, einstimmige Entscheidung über eine dauerhafte Sanierungsvariante gefallen! Wie berichtet, geht’s um die berühmte Abbruchstelle am Riedel-Anleger Maybachufer/Kottbusser Brücke (wobei die zu sanierende Strecke allerdings auf 90 Meter erweitert wurde). Beginnend im November 09, wird hier nun nicht nach der vom WSA auf Plass IV fußenden Variante (Riedel 2) saniert werden, sondern nach der modifizierten Variante Plass I (Riedel 1), wie es die Architektin und Anwohnervertreterin Ursula Kleimeier vorgeschlagen hat.

Die Variante Riedel 1

Nach Beräumung der Schadstelle und denkmalgerechten Rekonstruktion des aus dem Wasser ragenden Teil des Bauwerks wird in ca. 1,70 m Abstand von der Ufermauer eine Stahlspundwand vorgepresst, 15 bis 20 cm unter der Wasseroberfläche abgebrannt und mit Wasserbausteinen hinterfüllt.

  • Da der Bereich, um den die Fahrrinnenbreite dadurch reduziert wird, ohnehin bereits von Dalben abgegrenzt, nicht befahren werden kann, ändert sich für den Schiffsverkehr nichts;
  • da sich die Wasserspiegelbreite nicht ändert, ist, wie die zuständige Behörde in Magdeburg inzwischen bestätigt hat, auch bei dieser Variante kein langwieriges Planfeststellungsverfahren notwendig und
  • da der Bereich zwischen Spundwand und Ufermauer ohnehin wieder durch Anleger-Plattformen überbaut werden soll, also die Spundwandkante unter Wasser nicht sichtbar ist, oberhalb der Wasserlinie aber der Status quo ante wiederhergestellt wird, hat auch der Denkmalschutz keine Einwände.

Gegenüber Riedel 2 hat Riedel 1 folgende Vorteile:

  • Sie ist kostengünstiger, da bei Riedel 2, bevor die dauerhafte Spundwand durch den Magerbeton gebohrt werden kann, eine ebenfalls 90 Meter lange temporäre Spundwand zur Baugrubensicherung vorgepresst werden muss; diese wird bei den jetzt gewählten Variante Riedel 1 die dauerhafte sein, während die durchs Bauwerk zu bohrende entfällt;
  • infolgedessen wird es zu einer um zehn Tage geringeren Lärmbelästigung für die AnwohnerInnen kommen, die während des Einbringens von Stahlbohlen in die Uferbefestigung sicher erheblich ist;
  • während Riedel 2 die komplette „Aufnahme“ der (vorher nummerierten) Sandsteinquader und anschließenden Wiedereinbau erfordert hätte, braucht dies jetzt nur punktuell und zwar dort zu geschehen, wo Erdnägel die Schwergewichtswand zusätzlich stabilisieren sollen, und schlägt somit ebenfalls als Zeit- und Kostenfaktor zu Buche.

Wasserbausteine haben im Vergleich zu Stahl ein höheres Wiederbesiedlungspotential und auch dort, wo es ufernahen Baumbestand gibt, dürfte eine Variante, die keine Aufnahme der Schwergewichtswand verlangt, ökologisch und naturschutzfachlich vorzuziehen sein. − Die Verwendung von Erdnägeln hingegen ist bei durchwurzelter Uferböschung problematisch.

WSA akzeptiert ausdrücklich die Bedingung, unter der die BI zustimmt

BaumschützerInnen-Info vom 21.11.08

Obwohl so vieles, was in den hinter uns liegenden knapp 14 Monaten an Interessenklärung und fachwissenschaftlichem Input abgelaufen ist, für die Sanierung dieses konkreten Uferabschnitts recht folgenlos blieb, schon gar kein Nutzungskonzept und dgl. die Kriterien lieferte und außer den technischen Erfordernissen einzig Belange von Fahrgastschifffahrt und Denkmalschutz − und auch nur in rückwärts gewandtem Verständnis − einbezogen wurden, stimmten BI und Verein BaL dieser Detaillösung unter der Voraussetzung zu, dass „vom WSA verbindlich zugesagt und dies auch so protokolliert wird, dass eine solche, vom isolierten Detail ausgehende, rein ingenieurtechnische Vorgehensweise bei der dauerhaften Sanierung der 90 Meter Maybachufer die absolute Ausnahme bleibt.“ Und in dem entsprechenden Schreiben an die Forumsmitglieder heißt es weiter: „Bei allen anderen dauerhaft zu sanierenden Abschnitten muss hingegen ein ganzheitliches, fachwissenschaftlich-interdisziplinäres Herangehen mit vorlaufenden Erkundungen und Datenerhebungen zu Bestand, ökologischen und naturschutzfachlichen Erfordernissen, Entwicklungspotentialen, Nutzungsszenarien u.dgl.m., woran sich dann die jeweils zu wählende technische Detaillösung zu bemessen hat, der komplexen Aufgabe einer zukunftsfähigen Sanierung Rechnung tragen.“

Dieser für uns kardinalen Bedingung eines ganzheitlichen Herangehens, wofür sich Amtsleiter Scholz ja selber wiederholt ausgesprochen hat, haben die Vertreter von WSA und WSD in der Sitzung am 17.11. noch einmal ausdrücklich zugestimmt, und wir müssen und werden den Vorhabensträger auch und gerade dann immer wieder darauf festlegen, wenn die integrierte Gesamtplanung der Zukunft des LWK − mit welchen Scheinbegründungen auch immer − vorerst nicht zustande kommen sollte. [Siehe auch unten.]

Stand der Dinge zum Masterplan

BaumschützerInnen-Info vom 21.11.08

Bezirksamt F’hain-Kreuzberg mahnt zur Geduld

BI-VertreterInnen hatten sich wiederholt nach dem Stand der Dinge in punkto Masterplan erkundigt, den auf den Weg zu bringen der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg am 15.9. die Federführung übernommen hat. Die Baustadträtin des Bezirks, Jutta Kalepky, berichtete, für das Ziel eines durchgängigen Radwanderwegs entlang des Kanals gebe es von allen Beteiligten schon mal grünes Licht und im Übrigen habe sie vor einiger Zeit einen Brief an die vier anderen Bezirksämter gerichtet und darin zur Teilnahme an der Einrichtung einer entsprechenden Arbeitsgruppe aufgefordert, sei allerdings noch ohne Antwort.

Heinrich Mechelhoff vom Grünflächenamt Neukölln beeilte sich daraufhin zu bekräftigen, dass sein Bezirk auf Grund der in Zusammenarbeit mit dem Quartiersmanagement in jüngster Zeit erfolgten Neugestaltung und -bepflanzung des Uferbereichs definitiv keinen Bedarf für einen Masterplan sehe und ein entsprechendes Antwortschreiben auch schon unterwegs sei.

Die Bezirke sind notwendigerweise überfordert!

Den von BI-Vertretern geäußerte Eindruck einer Verschleppungstaktik bezog Frau Kalepky sogleich aufs BA F’ain-Kreuzberg und mahnte streng zu mehr Geduld. Wenn wir uns nun der Ausführungen des Abteilungsleiter Stadtplanung bei SenStadt, Rainer Nagel, in der 10. Forumssitzung erinnern, wonach Voraussetzung für die Aufstellung eines Masterplans sei, dass sich alle betroffenen Bezirke für ihn aussprechen und über seine Zielstellungen einigen müssten, so ist „Verschleppungstaktik“ (was natürlich auf das gesamte Procedere gemünzt war), tatsächlich nicht das richtige Wort. Wir müssen vielmehr unseren Vorwurf erneuern, dass sich die Senatsverwaltung um ihre Gestaltungsaufgabe im Hinblick auf ein überbezirkliches Vorhaben drückt, derweil es ihr Vertreter verbal unterstützt, ja sich sogar für die Initiierung eines Modellprojekts Nationaler Städtebaupolitik ausspricht.

Öffentliche Investitionen in ambitionierte Infrastrukturprojekte werden aber in der sich anbahnenden ökonomischen Katastrophe selbst von Marktradikalen gefordert, die freilich nach wie vor in Autobahnen denken. Doch der ökologische Imperativ, dem nach wie vor höchste Priorität zukommt, verlangt gerade keine Milliarden für die Autobauer, sondern eine Green Economy Initiative (UNEP)! Der Verweis auf die leeren Kassen, auf Haushaltsrecht und Bundesrechnungshof aber hat angesichts der Steuermilliarden für die so genannte Finanzindustrie doch sehr an Überzeugungskraft verloren. Und um welche Beträge geht es eigentlich? Vorstudien hielt SenStadt-Vertreter Nagel für verzichtbar, und er veranschlagte 50 bis 60.000 EUR, um 2009 den Masterplan LWK auf den Weg zu bringen, wovon wiederum 50 Prozent das BMVBS trüge, mithin noch jeweils 15.000 EUR aufs Land einerseits und die fünf Bezirke andererseits entfielen – macht 3000 EUR pro Bezirk, fast schon Peanuts im Wortsinn…

Bei „unterschiedlichem Leidensdruck“ kann Konsensprinzip nicht funktionieren

Wenn jedoch einerseits der „unterschiedliche Leidensdruck“ der Bezirke in Bezug auf eine über die Reparatur der Regelbauweise hinausgehende Sanierung des LWK konzediert, andererseits jedoch übers Ob und Wie ein Konsens der Betroffenen zur Voraussetzung gemacht wird, dann ist eine Gesamtplanung LWK von vornherein zum Scheitern verurteilt, mag sie auch

  • von EntscheidungsträgerInnen aller drei Verwaltungsebenen sowie von Abgeordneten aus Bundestag, Abgeordnetenhaus und BVV F’hain-Kreuzberg,
  • von Wissenschaftlern wie den Autoren des Großen Denkmalgutachtens 1990/91 (Geyer, Bappert), Mitarbeitern von SenGUV (Derk Ehlert → Biotopverbund, Rehfeld-Klein → WRRL) und SenStadt (→ Abt. Verkehr im Hinblick auf durchgängigen Radwanderweg) und nicht zuletzt
  • von breiten Teilen der Bevölkerung unterstützt werden.

Vom Update des Denkmal-Gutachtens zur floristisch-faunistischen Kartierung

BaumschützerInnen-Info vom 21.11.08

Das „Dreigestirn“ aus Landesdenkamlamt (LDA), WSA und SenStadt, das schon nach der Sommerpause dem Mediationsforum den erarbeiteten Fragenkatalog zur Fortschreibung des Großen gartendenkmalpflegerischen Gutachtens (GgG) vorstellen sollte, sei inzwischen zum Zweigestirn geschrumpft, berichtete Klaus Lingenauber vom LDA, insofern sich SenStadt zurückgezogen habe, doch dafür könne man in der ersten Forumssitzung 2009 auch weit Konkreteres als einen bloßen Fragenkatalog präsentieren. Es gehe um eine notwendige Ergänzung und Fortentwicklung im Hinblick auf gewandelte Anforderungen, sei’s bzgl. des Baumbestands und der Vegetationsstruktur, sei’s bzgl. der städtebaulichen Struktur der begleitenden Räume, auch unterm Stichwort der Collage City (Rowe/Koetter), einer Stadtplanung, die das Vorhandene und Fragmentarische als Grundlage für die Weiterentwicklung nutzt.

SenStadt aber hat sich hier deshalb zunächst verabschiedet, weil man einerseits abwarten will, was aus dem Masterplan wird und ob man bestimmte Untersuchungen dann nicht in dessen Rahmen führen kann; andererseits, ob nicht die Notwendigkeit eines Planfeststellungsverfahrens (PFV) den Vorhabensträger ohnehin verpflichtet, bspw. für floristische und faunistische Kartierungen aufzukommen. Untersuchungen zum Biotopverbund werden laut Dr. Michael Gödde, neuer Referatsleiter Landschaftsplanung und Naturschutz bei SenStadt, ohnehin separat betrieben (Derk Ehlert berichtete dem Forum darüber) und nur eingespeist, wenn es zum PFV kommt.

Naturschutz und Engagement

BaumschützerInnen-Info vom 21.11.08

NABU-Vertreterin enttäuscht

Uns aber muss sich der Eindruck aufdrängen, dass, obwohl entsprechende Kartierungen mindestens eine volle Vegetationsperiode hindurch erfolgen müssen, wahrscheinlich im Frühjahr 2009 in dieser Hinsicht eher gar nichts geschieht. – Sehr enttäuschend in diesem Zusammenhang war auch die Einlassung der NABU-Vertreterin, Ulrike Kielhorn, die im Hinblick auf den Biotopverbund zwar auf das Verschlechterungsverbot und bzgl. Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) auf die Verbesserung der Wasserqualität verwies, um den Besatz an Fischarten zu erhöhen, aber ansonsten bei Gängen entlang des Kanals festgestellt haben will, dass es sich weitestgehend um naturschutzfachlich minder wertvolle Grünflächen-Biotope handele, die natürlich optimal gepflegt und mit einheimischen Bäumen und Sträuchern arten- und strukturreich bepflanzt werden sollten, aber das seien ja „Allgemeinplätze“. FFH-Arten kämen nach ihrer Kenntnis hingegen nicht vor, mit einer Ausnahme: einer Fläche auf der Lohmühleninsel nahe der Kinderstiftung, wo vor zwei Jahren ein Biber-Vorkommen entdeckt worden sei, doch dürfe es gerade nicht das Ziel sein, solche Arten in die Stadt zu ziehen, damit sie dann auf den Straßen überfahren werden.

Als darauf mit Jörg Augsten ausgerechnet ein Vertreter des WSA widersprach, von einer Biber-Sichtung nahe der 02-World berichtete und die Notwendigkeit entsprechender Untersuchungen unterstützte, damit man nicht erst während des Bauvorhabens auf etwaige Vorkommen stoße, entgegnete die Naturschützerin, die O2-Halle befinde sich doch an der Spree – das sei ein Fluss und was ganz anderes – und sie würde sich wünschen, „dass wir all die Energie, die wir hier auf den LWK verwenden, auf die Spree übertragen.“

Engagement für den LWK so notwendig wie für Havel und Spree!

Da fragte auch die Senatsvertreterin, was denn das eine mit dem anderen zu tun habe, und anwesende NABU-Mitglieder zeigten sich sehr enttäuscht. Zum einen wurde bspw. das Salzufer in Charlottenburg dank naturnaher Pflege von  Kräutern wiederbesiedelt, die auf den Roten Listen als vom Aussterben bedroht geführt werden*, und an der Charlottenburger Brücke wurde von einem Brutvorkommen des Eisvogels** berichtet; zum anderen wurden die Kanalufer eben noch nie entsprechend untersucht und drittens geht es gerade um Qualifizierung eines mitten durchs Stadtzentrum führenden Grünzugs als Ausbreitungs- und Wanderkorridor in einer Zeit rasanten Artensterbens, wo die urbane Biodiversität die des agroindustriell verwüsteten Umlands um ein Vielfaches übersteigt. Selbstredend hat der LWK nicht den Rang eines Naturschutzgebiets, aber man sollte den dringlichen Schutz wertvollerer Flächen und den Kampf gegen drohende Naturzerstörung an Spree, Havel und Sacrow-Paretzer Kanal im Namen des noch immer nicht beerdigten sog. Verkehrsprojekts Deutsche Einheit 17 (VDE 17) auch nicht im Sinne eines Entweder – Oder gegen das Engagement für den LWK ausspielen! Hier wie dort tut unser Einsatz not. – Nicht zuletzt geht es um die Schaffung eines Netzes innerstädtischer Naturerfahrungsräume für eine praktisch-anschauliche Umweltbildung, um über die Identifikation namentlich der Stadtjugend mit ihrem unmittelbaren Lebensumfeld dessen Schutz zu befördern! [An dieser Stelle ein Hinweis auf den NABU-Masterplan 2010.]

Dazu heißt es in der Erfurt Declaration vom 23.5.08:

  • Der Erfolg zur Bewahrung globaler Biodiversität wird in urbanen Regionen entschieden.
  • Urbane Biodiversität hat eine besondere Bedeutung auch hinsichtlich der Lebensqualität.
  • Verstärkte Forschung hinsichtlich urbaner Biodiversität und der Entwicklung von best-practice-Beispielen für die Planung ist nötig.

Lokale Behörden müssen das Thema Biodiversität stärker mit dem Thema Nachhaltige Stadtplanung bzw -gestaltung verknüpfen!


* Korrektur: Kräutern wie z. B. der Engelwurz, die für einen naturnahen Gewässerrand typisch sind und eine entsprechende Biodiversität anzeigen. Am Einsteinufer gegenüber [siehe auch hier und hier], das gerade nicht naturnah gepflegt, doch wegen angeblicher Abrutschgefahr im Juli letzten Jahres abgesperrt wurde, konnte bereits in diesem Sommer hinter den Zäunen der spontane Aufwuchs einer erstaunlichen Kräutervielfalt registriert werden, und um ein solches Wiederaufkommen der Diversität muss es naturschutzfachlich zu tun sein − mal ganz abgesehen von FFH-Leitarten und Rote-Listen-„Stars“.

** Korrektur: Dies hat der Bewohner eines dort liegenden Hausboots zwischenzeitlich relativiert, indem er nach vielen Einzelsichtungen von der erstmaligen Beobachtung eines Eisvogel-Paares im Sommer 07 berichtete, das offenbar auf Brutplatzsuche war. − Vielleicht wäre das ja etwas für den NABU: ein künstlich-natürliches Brutangebot zu schaffen (Wurzelteller, Lehm, Kunstoffröhre), und ein idealer Platz wäre dort eben in der Nähe der Hausboote oder der Franklinstraße. [Beispiel siehe hier und hier.]

Von kleinen Stromfressern, hohen Niedrigenergiehäusern und generationenlangem Umweltengagement

BaumschützerInnen-Info vom 21.11.08

BUND-Umweltpreis 2008

Lichtenrader Volkspark

Lichtenrader Volkspark

Letztes Jahr wurden die Bäume am Landwehrkanal mit dem 1. Preis in Sachen Umweltengagement geehrt; heuer zeichnete der BUND Berlin im Roten Ratenhaus mit dem Trägerverein Lichtenrader Volkspark e. V. die älteste (gegründet 1979) und europaweit einzige BI aus, die sich für öffentliches Grün einsetzt. Seinerzeit vom Umland abgeschnitten und in Plattenbauten gepfercht, schufen die BewohnerInnen des südlichsten Zipfels Berlins auf ca. 50.000 qm Fläche kurzerhand und aus eigenen Mitteln ihren Volkspark selbst. Ausrangierte Weihnachtsbäume machten den Anfang. Spenden gab’s von der Patengemeinde im Bayrischen, aber so gut wie keine Hilfe von der öffentlichen Hand, was Umweltsenatorin Katrin Lompscher in ihrer Laudatio ganz besonders lobte − aus dem Munde einer Linken bemerkenswert. In seiner kurzen Dankesrede ließ Vereinsvorsitzender Wolfgang Spranger
diplomatisch verklausuliert durchblicken, dass die Behörden im Gegenteil jede Menge Fisimatenten machten, bevor sie das Gelände überhaupt verpachteten, dann aufs Sich-Totlaufen warteten und nunmehr auf die biologische Lösung, auf dass der Park endlich in staatliche Obhut übergehe, denn leider fehlt der Nachwuchs. Gerade die Identifikation der BürgerInnen mit ihrem Park aber halte Vandalismus fern.

Verein Lichtenrader Volkspark

Verein Lichtenrader Volkspark

HOWOGE

HOWOGE-MitarbeiterInnen mit dem Vorsitzenden des BUND Berlin, C. Arns (li.)

Den Preis in der Kategorie Wirtschaft und Innovation erhielt die Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE für die kostengünstige Verwandlung eines Lichtenberger Plattenbaus mit knapp 300 Wohnungen ins größte Niedrigenergiehaus Deutschlands. Für 1,9 Mio. EUR (von 8 Mio. für die Sanierung insgesamt) wurde der Verbrauch für Heizung und Warmwasser halbiert, wodurch die Einsparung von einer Tonne CO2 pro Wohnung und Jahr erzielt wird. Seitens der Mieterschaft gab’s große Unterstützung, da die Betriebskosten fallen und die Miete sich nur um 20 ct. pro qm erhöht hat. − International finde das zusammen mit der Deutschen Energieagentur (dena) gestemmte Modellprojekt großes Interesse, sehr geringes hingegen bei deutschen Wohnungsbauunternehmen.

Stromfresser

Kleine Stromfresser

Der Preis in der Kategorie Kinder und Jugend ging an die Umwelttheatergruppe der Malchower Grundschule im Grünen, die als einzige deutsche Schule Umweltlehre als Pflichtfach kennt. Eisbär und Pinguin aus ihrem Klimamusical „Kleine Helden“ stiegen leibhaftig auf die Bühne, und zum Schluss brachten drei niedlich kostümierte Kinder den Song „Wir sind die Stromfresser“ zu Gehör. Sehr erfrischend, wie der kleine Eisbär-Darsteller die alberne Frage des Moderators „Bist du Knut?“ empört zurückwies und sich als wilder Eisbär zu erkennen gab. Die Truppe kann sich über einen Reisegutschein im Wert von 1000 EUR freuen.

Theatergruppe

Umwelttheater-Truppe der Malchower "Grundschule im Grünen"

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