Berichtigung

Baumgutachter sieht Weidenkappung am Landwehrkanal gerechtfertigt

In unserer begründeten Empörung über die WSA-Holzungen entlang des BSK haben wir am Salzufer des LWK in Charlottenburg bedauerlicherweise einen Fehlalarm ausgelöst. Die dortige dreistämmige Weide, die nach unserer Behauptung unter Bruch der entsprechenden Vereinbarungen ohne Einbeziehung des Arbeitskreises „Umgang mit kurzfristigen Maßnahmen“ gefällt worden sein sollte, war sehr wohl in der Liste notwendiger Baumarbeiten aufgeführt, die im Anschluss an eine gemeinsame Begehung von WSA-Mitarbeitern und dem Baumsachverständigen, Dr. Barsig, im November ’09 erstellt worden war. Bei der weitgehenden Kappung aller drei Stämmlinge  (ca. 1,50 m) war auch die Nummer (A240) abhanden gekommen, wodurch die Verwechslung unterlief. − Wir bitten, das Versehen zu entschuldigen!

Flacher Lackporling

Flacher Lackporling

Nach Einschätzung des Sachverständigen geschah aus Verkehrssicherungsgründen die Kappung  völlig zu recht, da neben den drei Stämmlingen auch die Hauptzugwurzel der Weide vom „Flachen Lackporling“ (Ganoderma applanatum) stark befallen war, einem wurzelbürtigen Pilz, der zu Holzerweichung und Windwurf nach Wurzelbruch führt *. „Solche Bäume können nur dann verkehrssicher bleiben, wenn die Wurzelanläufe und Haltewurzeln intakt bleiben. Das war hier nicht der Fall. Der Pilz zersetzt das Holz vom Boden aus, deshalb können Sägeschnittstellen in 1,50 m Höhe den falschen Eindruck eines intakten Holzzustands erwecken“, heißt es in Barsigs Protokollierung des Nachgangs zu den im Herbst vereinbarten, inzwischen durchgeführten Baumpflegemaßnahmen.

Abz Neukölln pflegte akkurat

Flacher Lackporling an Zugwurzelanlauf

Flacher Lackporling an Zugwurzelanlauf

Darin hebt der Gutachter auch hervor, dass vereinbarte Schnittmaßnahmen an den großen Pappeln auf der Halbinsel nahe Unterschleuse „absolut fachgerecht und auch der jeweiligen Baumstatik angemessen erfolgt sind“; dass im Fall vereinbarter Kronenrückschnitte an anderen Bäumen, die aus Zeitgründen noch nicht vorgenommen wurden, wegen des Beginns der Vogelbrutperiode über eine Verschiebung auf den Herbst rasch Konsens erzielt werden konnte etc.

Double Standards

Diese Beispiele bestätigen den Eindruck, dass bei den Unterhaltungsmaßnahmen an LWK und BSK ganz offensichtlich nach zweierlei Maß gemessen wird. Wenn aber die bei der Umsetzung der geltenden Richtlinien und Erlasse zur ökologischen Wasserstraßenunterhaltung erzielten Lernerfolge am LWK noch nicht einmal innerhalb des WSA Berlin vom einen Außenbezirk zum andern vermittelt werden können, nicht ausstrahlen und Schule machen, dann bleiben die Erfolge des größten laufenden Mediationsverfahrens in Deutschland trotz seiner Länge und der Anstrengungen aller Beteiligten ephemer und das aufwendige Unternehmen ein Schaufenster-Projekt.


* Siehe Weber, Mattheck: Taschenbuch der Holzfäulen, Karlsruhe 2001, S. 69

Gefahr im Verzug

Sofort vor Ort bei Weiden-Kappung

Silberweide am Salzufer

Verkehrsgefährdende Silberweide am Salzufer, Charlottenburg

Wieder kam es vorgestern (27.10.) zu einem sog. Sofort-Vorort-Termin: Am naturnah gepflegten Salzufer in Charlottenburg, genauer am km 0,3, zweihundert Meter vor der Dove-Brücke, hatten die Baumkontrolleure des WSA-Außenbezirks Neukölln bei einer ohnehin schon sehr schräg Richtung Kanal ragenden, 18 Meter hohen, dreistämmigen Silberweide die akute Vergrößerung eines Risses im 2,2 Meter Umfang aufweisenden Stamm festgestellt. Besonders bei Sturm hätte die Hebelwirkung der ja noch belaubten Stämmlinge den endgültigen Bruch herbeiführen können − mit der Möglichkeit, dass Teile der Weide in den Kanal stürzen und vorbeifahrende Schiffe treffen. Also Gefahr im Verzug! Die für solche Fälle vom Arbeitskreis „Kurzfristige Maßnahmen“ am 3.1.08 ausgehandelte und später vom Mediationsforum beschlossene Routine lief ab: Montag Abend um 19:45 Uhr benachrichtigte die Leiterin der Arbeitsgruppe LWK, Frau Dr. Ernst, per Mail die Mitglieder des genannten Arbeitskreises über den Schadensfall und die beabsichtigte Fällung der Uferweide, wenn nicht bis Dienstag, 12:00 Uhr ein Mitglied sein Veto einlege. Sei dies der Fall, werde für 14:00 Uhr ein Ortstermin unter Hinzuziehung des vom Forum eingesetzten Baumsachverständigen anberaumt. Im Fall, dass Dr. Barsig (wie eben jetzt) verhindert ist, vertritt ihn der Baumsachverständige, Dipl.Biol. Michael Hirschmann, von der Meßzelle an der TU Berlin. − Da sich der Baum in WSA-„Besitz“ befindet, waren die Charlottenburger BezirksvertreterInnen nicht gefragt.

Größtmöglicher Substanzerhalt

Stammriss

Stammriss

Wie bei einem solchen Baum zu erwarten, legten mehrere BI-Mitglieder fristgerecht ihr Veto ein und bestanden auf vorheriger Inaugenscheinnahme und sachverständiger Prüfung der fachlichen Notwendigkeit der Maßnahme. Bei einer gemeinsamen Kanal-Bereisung von Dr. Barsig und Jörg Augsten, Leiter des ABZ Neukölln, im Frühjahr war der Baum überdies nicht thematisiert worden, so dass BI-Mitglieder zunächst einmal die plötzliche akute Gefahrensituation anzweifelten −, doch Michael Hirschmann bestätigte die Diagnose der WSA-Baumprüfer, dass es, auch wenn es zu der starken Neigung des Baums nicht erst gestern gekommen sei, der Stammriss sich aktuell stark verbreitert habe und in der Tat eine Gefährdung des Schiffsverkehrs vorliege. Amtsleiter Michael Scholz, selber vor Ort, betonte das Interesse des WSA, im Einklang mit dem Pflege- und Unterhaltungsplan der BfG, der, woran auch der Baumsachverständige noch einmal erinnerte, die Wichtigkeit des Erhalts von Biotopholz hervorhebt, „so viel wie möglich von der Substanz der Weide zu erhalten“, und so wurde schließlich Konsens darüber erzielt, die Stämmling in jeweils fünf bis sechs Metern Höhe zu kappen. Insbesondere Weiden treiben bekanntlich sehr gut wieder aus, so dass in einigen Jahren die relativ große Vegetationslücke wieder geschlossen sein dürfte.

Hubsteiger mit WSA-Schnittern

Hubsteiger mit WSA-Schnittern

Und die Sache hat auch noch ihr Gutes, indem eine junge Ulme − eine Baumart, die wir nicht allzu häufig im Stadtgebiet antreffen −, vorher von den Weiden-Stämmlingen regelrecht umklammert und gebeugt, sich nun freier entwickeln kann.

WSA-Mitarbeiter haben übrigens in diesem Jahr an einer Reihe von Weiterbildungsveranstaltungen zur Baumkontrolle und -pflege teilgenommen, über die Jörg Augsten auf der nächsten Forumssitzung berichten wird.

gekappt

gekappt

Schautafeln am Einsteinufer der Öffentlichkeit übergeben

TU hat sich vertraglich zu ihrer Instandhaltung verpflichtet

Die MacherInnen

Die MacherInnen

Vielleicht war’s ein gutes Omen, dass am Mittwoch (1.7.) über der kleinen Einweihungsfeier der Schautafeln zu Geschichte, Ökologie, Flora und Fauna sowie Nutzungskonflikten des Landwehrkanals am Charlottenburger Einsteinufer die Gewitterwolken sich zwar drohend türmten, aber nicht entluden und zur allgemeinen Verblüffung  schließlich verflüchtigten.

Schautafel-Einweihung

Schautafel-Einweihung am Einsteinufer

Wie berichtet, resümieren die sechs, von TU und BWB gesponserten Tafeln die bisherigen Ergebnisse des Projekts „Wasser in Berlin“ im BANA-Studiengang zu dieser innerstädtischen Wasserstraße − mit ihren immerhin 400.000 AnwohnerInnen einer der zentralen Lebensräume Berlins, wie inzwischen sogar die WSD Ost erkannt hat.

Aal

Aal im Kanal in Atemnot

Ein Hauptaugenmerk richteten die Studierenden auf die Wasserqualität im Kanal, wobei die Folgen der Mischwasserkanalisation mit ihren als „Entlastung“ euphemisierten ungeklärten Überläufen ein Haupthindernis auf dem Weg zum „guten ökologischen Potential“ darstellen, das die EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) eben auch für künstliche Gewässer zu erreichen den Landesbehörden, in unserem Fall also SenGUV, aufgibt. Dass die dem Senat hierfür zur Verfügung stehenden Mittel zeitlich immer weiter gestreckt werden, wird allerdings sowohl von der Senatsverwaltung als auch den BWB bestritten.

Erste Fische treiben kieloben

Erstickte Rotfeder

Erstickte Rotfeder

Die starken Regenfälle der letzten Wochen mit Einleitung durch organische Stoffe (Hundekot), Schwermetalle, Reifenabrieb etc. kontaminierten Oberflächenwassers lassen in Verbindung mit den ansteigenden Temperaturen die Sauerstoffwerte wieder unters kritische Limit sacken, und wir konnten gleich am Einsteinufer dicht unter der Oberfläche japsende Fische, darunter ein Aal, und etliche tot inmitten blühender Algen treibende Rotfedern ablichten. Der Einsatz des Belüftungsschiffs Rudolf Kloos kann also in keiner Weise eine nachhaltige Sauerstoff-Anreicherung des Kanalwassers leisten, wie es der jüngste WSA-Newsletter 1:1 aus den einschlägigen Senatsverlautbarungen übernommen hat, sondern bringt nicht viel mehr als den sprichwörtlichen Tropfen auf den heißen Stein. Manche Limnologen sehen den Einsatz sogar insgesamt eher kritisch.

Rabiate Kaputtpflege durchs Grünamt Charlottenburg

Kaputtpflege

Kaputtpflege durchs Grünamt Charlottenburg

Das Salzufer gehört von der Dovebrücke bis zur Anlegestelle der Hausboote, worauf wir schon öfters hinwiesen, zu den ökologisch wertvollsten Kanalabschnitten, die der ABZ Neukölln erfreulicherweise gemäß des BfG-Unterhaltungsplans fachkundig pflegen lässt.

Umso stärker springt ins Auge, wie das ca. hundert Meter lange Stück vor der Dovebrücke, das leider, müssen wir sagen, in die Zuständigkeit des Grünamts Charlottenburg fällt, immer wieder und ungeachtet allen Widerspruchs, sei’s von ausgewiesenen TU-Fachleuten, sei’s von BürgervertreterInnen im Mediationsverfahren, in provokanter Missachtung der Vorgaben dieses ökologisch anspruchsvollen, zeitgemäßen Unterhaltungsplans die Vegetation unter und zwischen den Bäumen bis auf die Grasnarbe rasiert wird, wodurch sich die Fläche, im Nu von der Sonne braun verbrannt, vom üppigen Grün des unmittelbar anschließenden Bewuchses auf WSA-Seite eklatant und ausgesprochen hässlich abhebt, von der brachialen Zerstörung vieler Kleinbiotope, Nist-, Nähr- und Rückzugsräume ganz abgesehen. Gegen die sture Fortsetzung dieser durch nichts zu rechtfertigenden Praxis sei an dieser Stelle noch einmal scharf protestiert!

Riedel-Anleger sollte verschwinden

Überflüssiger Riedel-Anleger Salzufer

Überflüssiger Riedel-Anleger am Salzufer

Ferner fordern wir den Rückbau des von Wasserfahrzeugen höchst selten angesteuerten, dafür aber immer wieder als Hausmülldeponie genutzten Riedel-Anlegers am Salzufer, der mit seinen überdimensionierten, potthässlichen Dalben sowohl das Landschaftsbild erheblich verunziert als auch das Uferböschungsbiotop brutal unterbricht.

Kaum hundert Meter kanalabwärts gibt’s schließlich den nächsten Riedel-Anleger nahe Dovebrücke auf der Einsteinuferseite, vor dem übrigens die Schautafel rechts unten steht.

Tafel zu Regenüberlauf

Tafel zu Regenüberlauf

Tafel zu den Wasserbewohnern

Tafel zu den Wasserbewohnern

Darüberhinaus ist geplant, mit solchen kleinen Lernpfaden auch andernorts am Kanalufer über die spezifischen Gegebenheiten und Problematiken dieser innerstädtischen Lebensader zu informieren.

Rodungen mit Einverständnis der BI?

Fachgerechte Naturverjüngungshilfe als Beispiel gelingender Kooperation

Vor Vereinzelung

Vor Vereinzelung

Am nun schon seit geraumer Zeit von Angehörigen der TU Berlin und der Meßzelle e.V. (Institut für Umweltanalytik), gemäß LWK-Unterhaltungsplan naturnah gepflegten Salzufer in Charlottenburg wurden in den letzten Tagen im Einvernehmen mit dem WSA und den Bäumen am Landwehrkanal sowie nach Benehmensherstellung mit dem zuständigen Grünflächenamt fachgerechte Rückschnittmaßnahmen vorgenommen  − nach Anbruch der Vegetations- und vor allem der Brutperiode freilich ein wenig spät. (Vermerkt werden muss an dieser Stelle, dass das WSA als Eigner der Fläche bzw. der ABZ Neukölln erst dann in die Schnittmaßnahmen einwilligte, nachdem aus dem Mediationsforum keine Einwände kamen und die Bedenken von BI-Mitgliedern ausgräumt werden konnten.)

Regulierte Naturverjüngung

Nach Vereinzelung

Nach Vereinzelung (anklicken!)

Zur Förderung einer natürlichen Verjüngung wurden Baum-Schösslinge mit guten Entwicklungschancen vereinzelt, d.h. eine Vielzahl von Pappel-, Robinien- und sonstiger Aufwuchs wurde zurückgeschnitten, auf dass sich die Bäumchen nicht gegenseitig die Nährstoffe entziehen, niederkonkurrieren und letztlich alles nur mehr schlecht als recht gedeiht. Auf diese Weise wird ein zügelloses Konkurrenzgeschehen mehr oder minder behutsam reguliert und der natürliche Selektionsprozess gezielt unterstützt. Einzelne Pappeln z.B. können nun als Individuen besser zu Baumgröße aufwachsen. Ein solches Vorgehen ist natürlich auch kostengünstiger als die Anpflanzung von Baumschulware, deren Ausfallquote gerade am Salzufer in der Vergangenheit sehr hoch gewesen ist.

An der Böschungsoberkante zum Gehweg hin wurde ein Freiraum geschaffen, um hier die geplante Pflanzung einheimischer Sträucher wie Heckenrose, Schlehe und Kornelkirsche durchführen zu können, die einerseits das Betreten der Böschung durch Mensch und Hund erschweren wie auch den Autosalons vis-à-vis als Sichtblende dienen sollen: Die Händler empfinden nämlich den Anblick von naturnah gepflegten Grünanlagen als unästhetisch und der wirkungsvollen Präsentation ihrer Nobel-Karossen abträglich.