BürgerInneninitiative Bäume für Kreuzberg

Der Wundertopf

Ein Kreuzberger Sommermärchen

Lockung

Mysteriöse Verlockung

Als Einstimmung auf nicht nur spannende, sondern auch lehrreiche Urlaubslektüren, die, lange hinausgeschoben, uns in den kommenden Wochen vielleicht noch erwarten, steuert unsere Schwester-BI Bäume für Kreuzberg eine tiefgründige Parabel bei über die gefährlichen Mittel und Abwege, auf die unsere Politiker bisweilen verfallen, wenn sie, vom Gähnen leerer Kassen gepeinigt und verfolgt, koste es, was es wolle, Gelder zu beschaffen trachten.

Kommt und folgt diesem Link

Ein (mal abgesehen vom schiefen Einstieg) sehr erhellend Tacheles redender zitty-Beitrag zum grünen Anstrich Kreuzbergs und darüber hinaus findet sich hier

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„Landwehrkanal für Alle!“ Postkarten an Senatorin und Minister

Postkarte an Junge-Reyer + Tiefensee

BI-Postkarte an Senatorin und Minister

In unserem Drängen auf eine integrierte Gesamtplanung der Kanalsanierung, das im Hinblick auf unseren bereits über ein Jahr währenden, recht zeitintensiven und kräftezehrenden Einsatz vielleicht allzu ungestüm wirkt und wenig diplomatisch daherkommt, aber uns inhaltlich-fachlich gleichwohl nach wie vor als geboten erscheint, benötigen wir wieder verstärkt die Unterstützung der interessierten Öffentlichkeit. Zu diesem Zweck haben wir jetzt eine Postkarten-Aktion gestartet und rufen die BürgerInnen auf, diese Karten (sie werden z. B. bei unseren Treffen auf der Admiralbrücke täglich von 18 bis 20 Uhr verteilt) sowohl Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer als auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee zukommen zu lassen und dadurch unseren Aufruf an beide, für eine zukunftsfähige Sanierung des LWK und des begleitenden (potentiell) elf Kilometer langen Grünzugs unter Einbeziehung der fünf betroffenen Bezirke und der jeweiligen Fachbehörden eine konzertierte Aktion aller drei Verwaltungsebenen zu initiieren, zahlreich und massenhaft zu unterstützen.

Postkarten-Text

Postkarten-Text

Wie schon des öfteren betont, wissen wir sehr wohl, dass die Zuständigkeit des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) an der „Oberkante Ufermauer“ endet und sich auch nur auf die Gewässeroberfläche beschränkt, nicht aber auf Wasserqualität oder gar „Herstellung eines guten ökologischen Potentials“ nach EU-Wasserrahmenrichtlinie erstreckt und schon gar nicht auf die naturschutzfachliche Erfordernisse berücksichtigende Gestaltung seiner Böschungen. Deshalb haben wir bekanntlich auch von Anbeginn des Verfahrens die Teilnahme der zuständigen politischen EntscheidungsträgerInnen gefordert − leider vergeblich.

Als dann kürzlich von Seiten der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) Verständnis und Aufgeschlossenheit gegenüber unseren Forderungen bekundet und entsprechende Kontaktaufnahmen mit der Abteilung S wie Städtebau im Bundesministerium für Verkehr, Bauen und Stadtentwicklung [!] (BMVBS) sowie mit den zuständigen Senatsverwaltungen allererst in Aussicht gestellt wurden, empfanden das manche als längst überfällig und zugleich als Rückfall hinter entsprechende öffentliche Verlautbarungen, fühlten unser Hauptanliegen noch immer nicht ernst genommen bzw. verschleppt und drohten mit Rückzug aus dem Verfahren.

Klarstellung

Wir wollen durchaus nicht die bisherigen Ergebnisse des Mediationsverfahrens kleinreden oder behaupten, wir hätten sie ohne Mediation so schnell erreicht, doch es waren eben Ergebnisse im Bereich der so genannten kurzfristigen Maßnahmen. Abgesehen von der allerdings hoch zu bewertenden Installierung eines „Bauleiters Baumschutz“, der das gesamte Sanierungsvorhaben begleiten wird, betrafen sie noch nicht die eigentliche Sanierung. Wenn es nun aber bei dieser doch nur um die denkmalgerechte Restaurierung der Ufermauer geht − mit dem Schutz der Uferbäume, soweit möglich − dann, so sagten wir, hätte sich aus unserer Sicht das „aufwendige und kostspielige Verfahren nicht gelohnt“, wobei „Kosten“ auch und gerade das meinte, was die BürgervertreterInnen selber an Zeit und Kraft und Inkaufnehmen von Verdienstausfällen investiert haben, und nicht zuletzt auch das Echo der Klage eines WSA-Mitarbeiters mitschwang, wonach „bereits 1,5 Mio Euro in einem Fass ohne Boden verschwunden“ seien, ohne dass man die Sanierung selbst in Angriff genommen hätte. Freilich wurden da die Tauchuntersuchungen des WSA, die Betonklötze, die Spundwände, die Kampfmittelsondierungen usw. großzügig mit eingerechnet…

Aktive gesucht!

Trotz Urlaubszeit und Sommerloch ist unsere Postkarten-Aktion gut angelaufen − wir suchen allerdings noch MitstreiterInnen und VerteilerInnen, denn auch manch eine(r) von uns ist inzwischen urlaubsreif! −, doch davon ganz abgesehen, wird in den Gesprächen mit Interessierten allzu oft deutlich, dass ungeachtet unserer Bemühungen, den Stand des Mediationsverfahrens aktuell und mit einer gewissen Ausführlichkeit zu dokumentieren und aus unserer Sicht zu kommentieren, vielen längst nicht klar ist, wie komplex das Vorhaben einer nachhaltigen Sanierung des LWK ist und wie unübersichtlich das Geflecht der beteiligten Institutionen und ihrer respektiven Zuständigkeiten.

Das Darstellungsproblem

Die verschiedenen Problemfelder immer wieder prägnant und knackig aufbereitet an die Frau/den Mann zu bringen, ist eine eigene Herausforderung, der wir uns mitunter, das geben wir freimütig zu, auch mal nicht gewachsen zeigen, indem die filigrane Verästelung der Materie: der fachlichen Inputs, der Verhandlungen und Debatten entweder geradewegs in unsere Darstellung dringt und ihre Verständlichkeit unterminiert oder aber durch unser Bestreben, die Diskurse durch Pointierung fasslicher zu machen, Aussagen schief rüberkommen und womöglich in falsche Hälse geraten…

Wir wollen uns hier aber keinesfalls mit dem achselzuckenden Verweis auf die „Natur der Sache“ rausreden, sondern geloben, uns immer wieder aufs Neue zu bemühen, die Alternativen, um die es geht, und das, worum gerungen wird, möglichst klar zu benennen. Vor allem aber ermuntern wir jede(n), die/der hier Sachverhalte und Diskussionsergebnisse verkürzt, verfälscht oder sonst wie unangemessen dargestellt findet, nachdrücklich, unten im Kommentar-Feld ihre/seine Kritik zu äußern, denn gerade wegen dieser Möglichkeit zeitnahen Reagierens oder auch Ergänzens betreiben wir neben unserer Website ja den Blog und tun dies für eine BI, die nun mal kein monolithischer Block, keine Kaderorganisation ist, sondern aus einer Pluralität von Sichtweisen immer wieder zu einer gemeinsamen finden muss.

Bekanntmachung!

Das traditionelle Treffen von Aktionsbündnis/Verein Bäume am Landwehrkanal auf der Admiralbrücke ist offiziell wiederaufgenommen und findet täglich wie gehabt von 18 bis 20 Uhr statt!
Angesichts des kritischen Stadiums des Mediationsverfahrens halten wir es für geboten, AnwohnerInnen und BesucherInnen des Landwehrkanals sowie die interessierte Öffenlichkeit über die zur Entscheidung stehende Alternative nicht nur virtuell und mit Infomaterial, sondern auch wieder in persönlichen Gesprächen zu unterrichten und um Unterstützung für unseren Standpunkt zu werben: Geht es nur um die mit der herkömmlichen Fahrgastschifffahrt kompatible, denkmalgerechte und (sofern möglich!) baumschonende Reparatur der Ufermauer − oder nicht vielmehr um die Planung eines zukunftsweisenden stadtökologischen Projekts unter dem Motto „Landwehrkanal für Alle“ mit breiter Beteiligung der BürgerInnen?
Die Bäume am Landwehrkanal stehen für ökologisch wie ökonomisch nachhaltige, nutzerInnenfreundliche und stadtnaturverträgliche LösungenBrückentreff und brauchen wieder verstärkt aktive MitstreiterInnen, die, was auf dem Spiel steht, in die Breite tragen und eine echte Partizipation gewährleisten!
—> Also kommt vorbei, informiert Euch über den Stand der Dinge, macht Vorschläge, übt Kritik, gebt uns Anregungen, beteiligt Euch!
Wir sehn uns!

Revival des legendären Admiralbrückentreffs

WSA-Chef Scholz mischt sich unters Volk

Scholz, BI

WSA-Chef Scholz, BI-Mitglieder

Am gestrigen Sonntag (20. Juli) haben die Bäume am Landwehrkanal, wie angekündigt, angesichts der Wegscheide, die das Mediationsverfahren zur Zukunft des Landwehrkanals nach zehnmonatiger Dauer erreicht hat, am ersten Jahrestag der Baumschutz-Menschenkette ihr legendäres Admiralbrückentreffen wieder aufgenommen. Was auf dem Spiel steht, muss AnwohnerInnen und interessierten BürgerInnen auch wieder in persönlichen Gesprächen erläutert werden, und vor allem bedarf es einer erneuerten breiten öffentlichen Unterstützung, wenn die große Aufgabe einer Gesamtplanung unterm Motto Neue Ufer für den Landwehrkanal und eines Pilotprojekts Landwehrkanal für Alle nicht zur dieselflotten-kompatiblen Denkmalpflege klein verhandelt werden soll: Dazu hätte es dieses zeitaufwendigen und kostspieligen Mediationsverfahrens auch wahrlich nicht bedurft!

Nochmalige Erläuterung der Wegscheide

Von Anbeginn ist es BI und Verein Bäume am Landwehrkanal um eine behutsame, nachhaltige und verschiedenste Nutzungsinteressen berücksichtigende Sanierung des LWK gegangen. Im Auswahlverfahren des als „vertrauensbildende Maßnahme“ bewilligten alternativen Planungsbüros hatten gleich sieben in solchen Vorhaben versierte und von uns konsultierte Büros bei der Entwicklung von Sanierungsvarianten die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Herangehens bestätigt und fachlich überzeugend untermauert. Dies hat die BI in Forum und Arbeitskreisen wiederholt kommuniziert, und es fand auch Eingang in die entsprechenden Sitzungsprotokolle.

Als nun aber am vorletzten Freitag (11.7.) in einer eigens für die Erstellung der Leistungsbeschreibung für das zu beauftragende Büro die BI-VertreterInnen eine stichwortartige Skizzierung der von ihnen wie auch den PlanerInnen als notwendig erachteten Vorstudie zu einem „Masterplan Landwehrkanal“ vorlegten, da wurde nicht nur auf Seiten der WSA- und WSD-VertreterInnen, sondern auch vom Mediationsteam Überraschung geheuchelt und eine unerwartete, eigentlich unzulässige Erweiterung der Aufgabenstellung beklagt. Sinnigerweise aber hatte sich die WSV in einer vorab verteilten Pressemitteilung eben dieser Aufgabenstellung gegenüber „aufgeschlossen“ erklärt, doch nun insistierte ausgerechnet Mediator Stefan Kessen, dass nach der Sommerpause zunächst die erneute Zustimmung des Forums zu einer solchen Erweiterung eingeholt werden müsse. Zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem BI-Entwurf kam es während der über dreistündigen Debatte an keiner Stelle.

Irritation überall

Da es sich bei der Beauftragung eines alternativen, von der BI vorgeschlagenen Planungsbüros vor allem um eine vertrauensbildende Maßnahme der Wasser- und Schifffahrtsdirektion (WSD) handeln sollte, die Tjark Hildebrandt aus gutem Grund − wenn man sich der damals noch frischen Vorgeschichte erinnert − den BürgervertreterInnen anbot oder besser gesagt, sich abtrotzen ließ, musste nunmehr dieses kühne Vorpreschen Stefan Kessens unter den BI-VertreterInnen für erhebliches Befremden sorgen, ja sich nach dieser AG-Sitzung zu einem Gefühl realen Verschaukeltwerdens verdichten: Überstrapazierte hier nicht vielmehr ein Mediator seinen Auftrag, überdehnte er ihn zugunsten einer oder mehrerer besonderer Interessengruppen?! Dass die BI dieses Vorgehen als Teil einer wohlerwogenen Verhinderungsstrategie wahrnimmt und also im Falle einer Ablehnung der Beauftragung einer solchen Masterplan-Vorstudie oder ihrer Verschleppung ihr Verbleiben im Mediationsverfahren in Frage stellen muss, hat nun wiederum bei WSV und Mediationsteam für neuerliche Irritationen gesorgt.

Wenn man sich indes nur kurz die einschlägigen Verlautbarungen der Bäume am Landwehrkanal oder auch z. B. die Schlussfolgerungen der beiden Vorträge des Senats-Abteilungsleiters Integrativer Umweltschutz, Matthias Rehfeld-Klein, ansieht, für den die dem Land Berlin verbindlich aufgegebene Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtline am LWK ebenfalls ein integriertes Leitbild voraussetzt, müssen diese Irritationen abermals unter Show & Bluff verbucht werden.

Back to the Roots

Dirk Behrendt, Michael Scholz, BI-Mitglieder

Dirk Behrendt, Michael Scholz, BI-Mitglieder

Angesichts dieser unübersichtlichen Gemengelage und des intransparenten Taktierens der Gegenseite haben sich die Bäume am Landwehrkanal jedenfalls entschlossen, wieder an „die Basis“ und ihren Ausgangsort zurückzukehren. Und zum Auftakt der Wiederaufnahme ihres Brückentreffens kamen nicht nur PolitikerInnen von B‘ 90/Die Grünen und SPD, ein Vertreter von Greenpeace, JournalistInnen und trotz mäßiger Witterung manche Interessierte, sondern auch WSA-Leiter Michael Scholz. „Sie sind also der neue Herr Brockelmann“, begrüßte ihn Dirk Behrendt, Rechtspolitischer Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, und erhielt die schlagfertige Antwort, selbst in Behörden seien die Menschen verschieden.

Fehlen politischer EntscheidungsträgerInnen rächt sich

Zunächst erläuterten BI-VertreterInnen den PolitikerInnen, die ja − bis auf Behrendt und einen CDU-Bezirksverordneten − durchweg terminlich verhindert waren, der Einladung zu einem Meinungsaustausch mit dem Mediationsforum Folge zu leisten, kurz den aus ihrer Sicht verfahrenen Verfahrensstand, wogegen Amtsleiter Scholz noch einmal betonte, dass er selber, vor allem aber sein Vorgesetzter, WSD-Chef Thomas Menzel, sich derzeit bemühten, im Bundesverkehrsministerium (BMVBS) von der Abteilung WS (Wasser und Schifffahrt) in die Abteilung S (Städtebau) vorzudringen, um Grünes Licht und die Mittel für die Vorstudie zu einem Masterplan LWK zu erhalten. Allerdings, so wiederholte der WSA-Chef, habe ein solcher Masterplan, dessen Entwicklung mit ca. 1,3 Mio. Euro veranschlagt werden müsse, für die Landesbehörden keinerlei Rechtsverbindlichkeit, so dass es nicht minder wichtig sei, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und natürlich auch die fünf betroffenen Bezirke mit ins Boot zu holen. Ebendrum, so riefen in diesem Moment BI-VertreterInnen unisono, hätten sie von Anfang und immer wieder die Teilnahme verantwortlicher politischer EntscheidungsträgerInnen an der Mediation gefordert! Zu den Gerüchten, dass der zuständige Abteilungsleiter Törkel durchaus dazu bereit gewesen sei, es sich aber von Mitarbeitern der WSD habe ausreden lassen, mochte sich Scholz nicht äußern, auch nicht über den Stand seiner und Menzels Bemühungen, sondern bat um Geduld bis zur ersten Forumssitzung nach der Sommerpause am 15. September.

Föderalismusreform kommt zu spät

Brückentreff-Revival

Brückentreff-Revival

Dirk Behrendt konnte jedenfalls nur bestätigen, dass Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer sich immer wieder für unzuständig erkläre, und auch Michael Scholz weiß von jenem seitens des Senats bereits abgelehnten Anerbieten des Bundes, den (sanierten!) LWK dem Land Berlin zu schenken. Hier müssten in den Verhandlungen zur dritten Stufe der Föderalismusreform, die im Augenblick ohne jedes öffentliche Interesse geführt würden, unbedingt auf die Agenda, all jene Wasserstraßen, auf denen keinerlei Güterverkehr mehr stattfinde, wie eben der LWK, als Bundeswasserstraßen zu entwidmen und in Länderbesitz zu überführen.

Öffentlicher Druck als Elexier

Vor 1961 habe es im Hinblick auf die Wasserstraßen noch eine Gesamtzuständigkeit gegeben, die erst in der Folge mit der Zielrichtung von Einsparungen in die verschiedenen Bereiche wie Unterhaltung (Bund), Wasserqualität (Land), Uferpflege (Bezirke) usw. aufgespalten worden sei mit dem Effekt einer Zuständigkeitszersplitterung, die sich nicht nur am LWK angesichts der wachsenden Notwendigkeit ganzheitlichen Herangehens als höchst kontraproduktiv erweise! Doch auch wenn die Föderalismusreform hier zu den gewünschten Ergebnissen führe, sei mit deren tatsächlichen Umsetzung allenfalls in zehn, fünfzehn Jahren zu rechnen. Die politischen Beamten aber dächten bekanntlich vorwiegend in Legislaturperioden und scheuten die Unruhe, die bei der Übernahme eines so umstrittenen Projekts leicht bis in den nächsten Wahlkampf andauern könnte. Der Ansicht von BI-Vertretern, dass hier also nur öffentlicher und in seinem Gefolge politischer Druck für die nötige Risikobereitschaft sorgen könne, stimmt Scholz ausdrücklich zu.

Umweltzone auch für Schiffe!

Dieselstinker

Dieselstinker (zwar auf der Spree, aber mit dem gleichen Ruß)

Unterdessen passierten mehrere Fahrgastschiffe die Admiralbrücke, und auch der WSA-Chef konnte die Diesel-Emissionen deutlich und nachhaltig riechen. Derzeit gebe es jedoch, was Abgasgrenzwerte beträfe, auf Binnenwasserstraßen wie dem LWK tatsächlich einen rechtsfreien Raum. Anders sei es z. B. bei Rhein und Mosel nur aufgrund des dort hohen internationalen Verkehrsaufkommens. Auf die Frage der SPD-Politikerin und direkten Kanalanwohnerin, Doris Jagodzinski, auf welchen Wegen solche offensichtlich überfälligen Rechtsverordnungen Gestalt annähmen und wie lange es dann noch bis zu ihrem In-Kraft-Treten dauern könne, versicherte Scholz, er selber würde nun über seine Wahrnehmungen „nach oben“ Meldung machen und wenn derartige Berichte durch gleichartige bestätigt würden, würde schließlich eine sog. Gelbvorlage mit möglichen Gegenmaßnahmen „von oben nach unten“ gereicht mit der Aufforderung zur Stellungnahme hinsichtlich ihrer Plausibilität, Machbarkeit, Zielführung etc. −, d. h. bis zum Erlass entsprechender Vorschriften könnten schon paar Tage ins Land gehen.

Dieselstinker02

Mühlendammschleuse eingedampft

[Solches langsame Mahlen hindert freilich den Minister nicht, landauf landab schon mal im Vorgriff von seiner nachhaltigen Verkehrspolitik, nachhaltigen Stadtplanung und was nicht noch alles zu schwadronieren… − Und bei dieser Gelegenheit sei auch daran erinnert, dass es im Arbeitskreis Nachhaltige Wirtschaft und Schifffahrt den Vorschlag gab, Umweltsenatorin Lompscher (!) direkt anzusprechen, ob der Abteilungsleiter für Luftreinhaltung, Dr. Breitenkamp, oder ein Vertreter den AK über die Bearbeitung dieser Problematik unterrichten und zugleich auch das erwähnte Senatsprogramm zur Erprobung von Partikelfiltern für Schiffsdiesel vorstellen könnte. Auch eine Einladung von Berndt Brussig von der Humboldt Uni zu einem Vortrag über „Umweltzone für Schiffe“ wurde befürwortet −, doch dieser AK hat schon sehr lange nicht mehr getagt…]

Auch einspurig floriert die Fahrgastschifffahrt

Doris + Daniel

im Vordergrund: D. Jagodzinski, D. Boese hinten: Michael Scholz, BI-Mitglieder

Frau Jagodzinski berichtete auch von ihrer Beobachtung eines Rückgangs des Fahrgastschiffsverkehrs, doch wurde dies von Umstehenden mit den eher bescheidenen Witterungsbedingungen erklärt und sodann auf den ansehnlichen Umsatzzuwachs der Fahrgastschifffahrt in der vergangen Saison verwiesen, der so eklatant im Widerspruch stünde zum hochtönenden Jammern der Reeder in den Medien über Geschäftseinbußen, drohende Pleiten und Arbeitsplatzverluste nicht nur infolge der mehrwöchigen Kanalsperrung, sondern auch der auferlegten Einschränkungen, namentlich des Einrichtungsverkehrs. − Hierzu mochte sich der WSA-Leiter nicht äußern, machte aber deutlich, dass die Reeder sich auf die drei Beschränkungen: Geschwindigkeit, Einrichtungsverkehr, keine Vorschleusung offenbar gut eingerichtet und ihre Fahrpläne für die nächsten Jahre entsprechend angepasst hätten, auf jeden Fall aber vom Fortbestehen von Beschränkungen ausgehen müssten. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 6 km/h hätte sich sogar als besser kompatibel mit dem Timing der Stadtführungs-Audiotracks erwiesen…

Bugstrahlruder verbannen!

Angesichts großer, fast leer vorbeidampfender Fahrgastschiffe betonte Scholz, dass die WSV aufs Fahrgastmanagement keinen Einfluss nehmen könne, auch nicht auf Motorenart und -leistung, sondern einzig auf die Geometrie der Schiffe und ihre Antriebsart und räumte ein, dass hier in der Vergangenheit die Zulassungspraxis allzu lax gewesen sei. Bugstrahlruder z. B., die das seitliche Manövrieren erleichtern, aber dabei die Spundwände unterspülen, würden künftig höchstwahrscheinlich nicht mehr erlaubt. Darauf hingewiesen, dass die von den Reedern im Zuge des von der BI ja verweigerten Visualisierungsexperiments in die Panoramafotos vom LWK eingezeichneten Stellen unverzichtbaren Begegnungsverkehrs genau mit jenen kongruieren, welche die größten Uferschäden aufweisen, erläuterte Scholz zunächst, dass nach seinem Verständnis jede Interessengruppe ihre Maximalforderungen einschreiben sollte und die Reeder eben durchgängigen Begegnungsverkehr eingetragen hätten, doch es gehe im weiteren Mediationsverlauf ja gerade darum, von solchen Maximalforderungen im Interesse der Kompromissfindung sukzessive abzurücken. Um also bspw. eine ökologische Umgestaltung mit Abschnitten von Schilfgürteln zu ermöglichen, könne der Begegnungsverkehr zwar nicht gänzlich abgeschafft, aber derart reglementiert werden, dass zwar die Begegnung von Sportboot und Fahrgastschiff erlaubt sei, aber eben nicht die zweier großer Fahrgastschiffe.

BürgerInnenbeteiligung in die Breite tragen!

Nach dem Abgang der ProtagonistInnen gab es noch viele Gespräche mit Interessierten, die entweder schon recht gut im Bilde waren und nur ein aktuelles „Update“ wünschten oder aber glaubten, die Bäume seien doch gerettet und damit die ganze Sache längst erledigt und zwischen diesen Extremen eine Menge Informationshungrige. Dass die Kanalsanierung eine ungleich größere Dimension habe bzw. haben müsse als die Reparatur einiger Kilometer Ufermauer, leuchtet den allermeisten sofort ein. Nunmehr kommt’s also darauf an, nach der Rettung von 162 Uferbäumen, der Durchsetzung eines „Bauleiters Baumschutz“ und dem Nachweis der Notwendigkeit eines Masterplans LWK für das städtebauliche und stadtökologische Projekt Landwehrkanal für Alle zu werben und die tausende Menschen entlang seiner Ufer zur Bekundung ihrer Wünsche, Bedürfnisse, Interessen und Visionen zu animieren, zu mobilisieren und einzubeziehen!

Über den weiteren Turnus der Brückentreffen werden wir rechtzeitig informieren!

Spreeathen (by Marcella)

Spreeathen (by Marcela)

Wasser- und Schifffahrtsverwaltung nimmt Stellung

Zu unserem Beitrag „Landwehrkanal für Alle!“ vom 14. Juli hat uns die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) als Kommentar eine ausführliche Stellungnahme übermittelt, die heute, am 17.07.08, bei uns eingegangen ist und die wir hier als Download (PDF, 92 KB) bereitstellen.

Präsentation der Ergebnisse von Wurzelaufgrabungen

Dialog Wissenschaft − Gesellschaft wichtig wie nie!

Zur Vorbemerkung der Ausführenden

Dr. Wolfgang Endler von KUBUS, der Kooperation- und Beratungsstelle für Umweltfragen der TU Berlin, stellte kurz das Anliegen dieser Einrichtung vor, die sich in interdisziplinärem Herangehen vor allem für die Vermittlung eines Dialogs zwischen Wissenschaft und Gesellschaft einsetzt, der umso wichtiger erscheine, je komplexer unsere sozialen und ökologischen Probleme werden und je spezialisierter die Wissenschaften sie bearbeiten.

Die mit KUBUS kooperierende sog. Messzelle, das Institut für Umweltanalytik, ist ein gemeinnütziger Verein an der TU, der sich ebenfalls zum Ziel gesetzt hat, universitäres Fachwissen der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen und BürgerInnen, Initiativen und Verbände ebenso wie kleine und mittlere Unternehmen in der Auseinandersetzung mit Umweltproblemen wissenschaftlich zu unterstützen.

Auch im Kontext der Thematik einer nachhaltigen Pflege stadtnaher Gewässerränder führten im Auftrag der TU und mit Genehmigung des WSA und des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf, wie berichtet, Mitarbeiter der TUB sowie der Messzelle e. V. im vergangenen Frühjahr am Einsteinufer an den Stubben vier gefällter Bäume Aufgrabungen durch, um vor allem deren ufernahe Wurzelverläufe sowie mittels einer sog. bodenkundlichen Feldansprache die genaue Beschaffenheit des Untergrunds zu erkunden.

Darstellung der Wurzelverläufe und bodenkundliche Feldansprache nahe der Ufermauer des Landwehrkanals

Umlenkerwurzel beim Spitzahorn

In seinem Vortrag präsentierte der Baumsachverständige Dr. Michael Barsig detailliert die Ergebnisse der Aufgrabungen, die mit standardisierten Verfahren, wie sie im Wurzelatlas (Kutschera/Lichtenegger, 2002) beschrieben sind, gewonnen wurden, sich in der Praxis aber oft ganz anders dargestellt hätten als in der Theorie. [Siehe auch hier.]

Die mit dem Pürckhauerbohrer gezogenen Bohrstockproben reichten einen Meter tief und wurden nach der Bodenkundlichen Katieranleitung (KA5) hinsichtlich Bodensubstrate und Horizonte, also der einheitlich ausgebildeten Zonen, „angesprochen“, d.h. es wurden daraus die Bodenprofile der Uferbefestigung parallel zum Baum bestimmt. (Die bodenkundlichen Aspekte erläuterte Steffen Trinks vom TU-Institut für Ökologie.)

Es würde den Rahmen sprengen, wenn wir nun Baum für Baum detailliert die Befunde vorstellen wollten, weshalb wir uns im folgenden auf Exemplarisches sowie ein Resümee der Ergebnisse und Schlussfolgerungen beschränken.

Umlenkerwurzel an der Mauerplatte

Umlenkerwurzel an der Mauerplatte (Pappel)

Die gefällten Bäume (Ahorn, Erle, Weide und Pappel) standen 84, 85, 76 bzw. 45 cm entfernt zur Ufermauer. Der Kapillarsaum, also der Bereich über dem Grundwasserspiegel, der noch nahezu wassergesättigt ist, verlief jeweils ab 81, 80, 87 bzw. 80 cm.

Bei allen vier Bäumen reichten die Starkwurzelverläufe nicht sehr tief (kaum über 70 cm), worin eine Anpassung einerseits an die grundwasserbeeinflussten Böden, andererseits an ihre schwere Durchwurzelbarkeit in der Tiefe zu sehen ist, denn dort gibt es Ziegelschutt und viele Steine. Es finden sich keine Ausprägungen klassischer Wurzelteller und eine nur geringe Entwicklung von sog. Senkern, das sind lotrecht in die Tiefe wachsende Wurzeln.

Glockenförmiges Herzwurzel-System der Erle

Die Haltewurzeln verlaufen überwiegend parallel zur Ufermauer oder böschungsaufwärts, und zwar artabhängig von fünf bis zu sieben Meter vom Stamm entfernt. Dort aber, wo in Richtung Kanal gewachsene Starkwurzeln auf die Mauer treffen, haben sich sog. Kraft-Umlenkerwurzeln gebildet, d.h. die Wurzel wächst dort, nach nur geringem Kontakt mit dem Mauerwerk, im Winkel von 80, 85 Grad davon weg und führt damit auch die durch die (hauptsächlich aus Nordwest kommende) Windlast nach Südost abgeleiteten Kräfte nicht in die Mauer ab. Auch Druckwurzeln, die etwa bei der Erle ein intensives, aber untypisch nicht sehr tief reichendes System bilden, lenken um und berühren nur marginal die Granit-Abdeckplatte.

Druckwurzel der Weide

Druckwurzel der Weide

Auch aus dem bis an die Mauer reichenden Druckwurzelkopf der sich sonst eher aggressiv verhaltenden Pappel haben sich nur Schwach- und Feinwurzeln gebildet und ziehen die Starkwurzeln vom Ufer weg. Die bei der Weide aus dem Druckwurzelkopf hervorgehenden Senker verlaufen parallel bzw. distal zur Mauer. Auch das Zugwurzelsystem der Erle, mit Überkreuzungen als verstärkendem statischem Element, verläuft oberflächennah bis fünf Meter vom Stamm entfernt. Für die Theorie (vgl. z. B. Matthek 2007), wonach Druckwurzeln in der Tiefe einen gegen das Hindernis pressenden Druckwurzelkopf, den sog. Mauerboxer bilden, fand sich zumindest hier keinerlei praktische Bestätigung.

Fällungen waren unnötig!

Zugwurzel der Pappel fünf Meter vom Stamm südwärts

An keiner Stelle wurde die Uferbefestigung zum Absichern benutzt, an keiner Stelle bildeten Wurzelsystem und Mauer eine mechanische Einheit [und waren schon gar nicht miteinander „verbacken“]. Nur über einzelne gebogene Wurzeln wurden (sehr) geringe Kraftmomente in die obere Ufermauer gelenkt. Bei den Bodensondierungen fanden sich – zumindest bis in einem Meter Tiefe – keine Störungen, Kavernen oder Bodenrisse. Die Wurzel-Boden-Matrix benachbarter, aber entfernter vom Ufer stehender Bäume erhöhte die Standsicherheit der ufernahen – kurz: die Fällungen zumindest dieser vier Bäume waren sachlich nicht gerechtfertigt und also allesamt unnötig! Wie auch manches andere, womit einer angeblichen Gefahr im Verzug aktionistisch begegnet wurde, dürfen wir ergänzen!

Konsequenzen für die Sanierung

Im Vorblick auf die eigentliche Sanierung wurde vom niederländischen Baumexperten Evert Ross empfohlen, durch bodenverbessernde Maßnahmen das Starkwurzelwachstum in gewünschte Bahnen weg von der Ufermauer zu lenken, so dass dann später die Beschneidung von Starkwurzeln ufernaher Bäume, die bei einer Restauration der Ufermauer im Wege wären, ermöglicht würde, ohne den Baum zu opfern. − Diese Methode beurteilt allerdings Dr. Barsig angesichts potenzieller und sehr wahrscheinlicher Infektionen des Wurzelsystems mit holzzersetzenden Pilzen als prinzipiell problematisch, zumal darüber, welche Erfahrungen etwa in Holland mit dieser Methode gemacht worden sind, bisher leider noch keine Informationen vorliegen.

In Anbetracht des relevanten kapillaren Aufstiegs dürfen während der Sanierung keine wasserlöslichen toxischen Substanzen freigesetzt werden.

Natürlich kann von den vier untersuchten Fällen nicht auf die Gesamtheit des ufernahen Baumkollektivs am LWK geschlossen werden. Hier sind weitere Untersuchungen nötig (die selbstverständlich auch an ungefällten Bäumen möglich sind), vor allem auch am nördlichen Kanalufer wegen der anderen Auswirkungen der Windlast und bei höherer Ufermauer.

Einschränkend muss allerdings auch gesagt werden, dass die Aufschlüsse nicht tiefer als ein Meter reichten und dass diese Methode im Hinblick auf die jeweilige Durchwurzelung noch keine exakten bodenmechanischen Kennziffern liefern kann.

Die Wurzelreichweiten können auch mit der Schalltomographie ermittelt werden (Rinn 2008); und wenn, wie bereits vorgeschlagen, georadiologische Methoden oder die elektrische Widerstandstomographie zum Einsatz kommen, sollten fachkundige Aufgrabungen biostatische Fragestellungen ergänzen, denn natürlich gilt auch bei Bodensondierungen, dass ein interdisziplinäres Herangehen bessere und vergleichbarere Resultate erbringt. Hier bietet sich jedenfalls eine Zusammenarbeit von Prof. Weihs und der Fa. Wiebe einerseits und Wissenschaftlern der Fachrichtungen Bodenkunde und Geophysik an der TU Berlin andererseits an, zumal hier auch bereits einschlägiges Fachwissen zur Bodenbeschaffenheit der Kanalufer vorliegt.

Beschlussvorlage kommt nicht zustande…

Leider fand auch nach intensiven Diskussionen die um diesen Aspekt erweiterte Beschlussvorlage zur Beauftragung eines georadiologischen und widerstandstomographischen Pilotprojekts, die schon am 23. Juni in der 8. Forumssitzung an einer Gegenstimme gescheitert war, nun im Arbeitskreis Naturhaushalt und Landschaftsbild, diesmal auf Grund zweier Gegenstimmen, nicht das nötige einhellige Votum. Ob hier tatsächlich sachliche oder nicht vielmehr persönliche Beweggründe den Ausschlag gaben, bleibe dahingestellt. Ein Scheitern der Beauftragung eines solchen interdisziplinären Forschungsvorhabens im Rahmen der Vorbereitung einer ökologisch behutsamen Kanalsanierung wäre jedenfalls nicht nur für die Beteiligten, die sich zum Teil seit Monaten dafür einsetzen, sondern um der Sache willen höchst bedauerlich und eine vertane Chance!

Landwehrkanal für Alle!

Mediationsverfahren am Wendepunkt

Gestern (13. Juli) haben die Friedrichshain-Kreuzberger WählerInnen Media Spree versenkt und einen wichtigen Schritt in Richtung „Spreeufer für Alle“ getan. Ein Grund, sich wieder dem Landwehrkanal zuzuwenden, denn auch hier geht es um ein innerstädtisches Gewässer und die Frage seiner zukünftigen Nutzung und der Gestaltung seiner Ufer.

Während die veralteten, überdimensionierten Dieselstinker der Fahrgastschifffahrt weiter ungehindert die Mauern demolieren, dümpelt das Mediationsverfahren zur Zukunft des Landwehrkanals seit nunmehr zehn Monaten dahin und ging am vergangenen Freitag erstmal in die Sommerpause. In zähem Ringen wurde eine Reihe vorwiegend verfahrenstechnischer Fortschritte erzielt, und vor allem die Beauftragung eines Baumgutachters zur Beobachtung und Kontrolle während der Sondierungs- und Sanierungsarbeiten ist als Erfolg zu werten. Die in den Augen des Aktionsbündnisses und des Vereins Bäume am Landwehrkanal entscheidenden Fragen fanden in den Gremien der Mediation jedoch wenig Widerhall.

Landwehrkanal für Alle

Landwehrkanal für Alle!

Uns geht es darum, den Landwehrkanal und seine Uferzonen im Rahmen eines umfassenden städtebaulichen Pilotprojektes ökologisch nachhaltig, bürgerInnennah und zukunftsweisend zu entwickeln, um so sein immenses Potential für Erholung, Begegnung, Artenschutz, Naturerleben, sanfte Mobilität, Wandern zu Wasser und zu Lande und noch vieles mehr zu verwirklichen. Aber vor dieser Zielstellung, die einen „Masterplan Landwehrkanal“ in sowohl ökologischer wie stadtentwicklungs-politischer Hinsicht voraussetzt, schrecken die Verantwortlichen zurück: zunächst wohl wegen bürokratischer Schwerfälligkeit, sodann wegen der Komplexität der zu verhandelnden Fragen, vor allem aber, weil niemand die Federführung für dieses (auch kostspielige) Vorhaben übernehmen will.

Gebündelte Unzuständigkeit

Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) sieht sich nicht zuständig; das Bundesverkehrsministerium, das ja auch Stadtentwicklungsministerium heißt, sieht sich nicht zuständig, und auch der Senat von Berlin mit seinen Verwaltungen für Stadtentwicklung und Umwelt fühlt sich nicht in der Pflicht. Und nun wurde auch noch Überraschung simuliert angesichts unserer Forderung, endlich über die Oberkante Ufermauer hinauszublicken und Vorstudien für einen Masterplan zu beauftragen und zu finanzieren − eine Forderung, die ausweislich der Sitzungsprotokolle seit Monaten auf dem Tisch liegt und wofür die WSV laut ihrer jüngsten Presseverlautbarung „viel Verständnis“ hat und der sie sich „nicht verschließt“, jetzt jedoch sagt: Da müssen wir aber erst unseren Minister fragen und uns vorher noch in einer neuen Abstimmungsrunde nach der Sommerpause die Rückendeckung des Mediationsforums besorgen −, angesichts alles dessen wird deutlich, dass es hier nur noch ums Zeitschinden geht, bis entweder ein neuer Versagensfall der Ufermauer eintritt, der eine rein technizistische Lösung unabweisbar erscheinen lässt, oder aber bis den engagierten BürgerInnen, die bereits tausende Stunden ihrer Freizeit investiert haben, endgültig die Kräfte aus- und/oder die Nerven durchgehen…

Für uns steht das Verfahren mithin an einem Wendepunkt: Entweder die an der Mediation beteiligten Stellen akzeptieren ihre Zuständigkeit und beauftragen die Vorstudien für eine integrierte Gesamtplanung oder das Mediationsverfahren ist aus unserer Sicht gescheitert.

Am Sonntag, 20. Juli, 18 bis 20 Uhr werden wir auf der Admiralbrücke anlässlich des Jahrestags der Menschenkette unser Brückentreffen wieder aufnehmen und um öffentliche Unterstützung für unsere Argumente werben. − Auch unsere Schwester-BI, die Bäume für Kreuzberg, wird dort über die zähen Verhandlungen zu einer echten BürgerInnenbeteiligung an der zukünftigen Gestaltung des  BrückentreffLuisenstädtischen Grünzugs (ELK) berichten.
Also kommt vorbei und informiert Euch über den Stand der Dinge, macht Vorschläge, übt Kritik, gebt uns Anregungen, unterstützt uns mit Eurer Unterschrift, beteiligt Euch an der Planung und Gestaltung einer Zukunft des Landwehrkanals und auch des Luisenstädtischen Grünzugs für Alle!
Wir sehn uns!

Zum Schluss noch eine Meldung aus der aktuellen zitty:
Korruptionsverdacht im WSA
Ist der Landwehrkanal ein schwarzer Kanal? Dieser Frage geht das Berliner Landeskriminalamt nach − es ermittelt gegen das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) wegen Korruption. Dies bestätigten Sprecher der Berliner Polizei und des Bundesverkehrsministeriums der zitty. Ob nur gegen das Amt oder auch gegen Einzelpersonen ermittelt wird, wurde wegen des schwebenden Verfahrens nicht mitgeteilt. Thomas Menzel, Leiter der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost und unmittelbarer Vorgesetzter des WSA sagte: „Die Verdachtsmomente sind uns bekannt, wir sind in die Ermittlungen eingebunden.“ Mehr wollte er nicht sagen.
[Vgl. auch Der Tagesspiegel, Printausg. vom 15.07.08]

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