Krisensitzung zum Spandauer Schifffahrskanal

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Torsi

Torsi

Es war dringlich und das Mediationsteam um Beate Voskamp und Stefan Kessen machte es möglich: Am vergangenen Montag (19.4.) kam es innerhalb des Mediationsverfahrens zum Landwehrkanal, noch relativ zeitnah zu den großflächigen Uferbiotopzerstörungen an der benachbarten Bundeswasserstraße, dem Berlin-Spandauer Schifffahrts- bzw. Hohenzollernkanal, zu einer Sondersitzung, und trotz der notorisch schwierigen Terminabstimmung nahmen nicht nur WSA-Leiter Scholz, die zuständige Sachbereichsleiterin Riemer und Vertreter der auch hier wieder betroffenen Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte teil, dazu als Fachleute der BUND-Gewässerexperte, Manfred Krauß, und der Baumsachverständige, Dr. Barsig, sondern auch der erst am gleichen Tag noch eingeladene Reinhard Schubert, bei SenStadt zuständig für Artenschutz und Artenhilfsprogramme, machte sein Kommen möglich. Sechs Personen vertraten die Bürgerinteressen, und die Leiterin der AG LWK, Dr. Ernst, nebst Pressesprecherin Bodenmeier verfolgten die fünfstündigen Verhandlungen als Gäste.

[Update 27.04.: Fotoprotokoll des Mediationsteams über die Vereinbarungen zum künftigen Vorgehen.]

Wenn auch, wie Kessen betonte, formal der BSK nicht Gegenstand des Mediationsverfahrens ist, so muss es, wie die BürgervertreterInnen sogleich in Erinnerung riefen, inhaltlich doch auch immer um ökologische Gewässerunterhaltung und ufernahe Baum- und Vegetationspflege des WSA Berlin als solche gehen − und nicht zuletzt um das Verhältnis zwischen Verwaltung und BürgerInnen.

Das aber hat infolge des fortgesetzten brachialen Agierens des WSA-Abz Spandau mal wieder arg gelitten. Vor allem die doch sehr merkwürdige Art und Weise, wie der Amtsleiter offenbar immer erst post festum, wenn die Bäume längst gefällt oder gekappt, Strauchwerk und Aufwuchs akribisch gerodet waren, davon erfuhr oder als − nach unseren scharfen Protesten gegen den abschnittsweisen Kahlschlag zwischen Kieler und Föhrer Brücke − von weiteren beabsichtigten Maßnahmen des Abz unterrichtet, die Informationen an die BürgerInnen einfach nicht weitergab resp. sie mit notwendigerweise misszuverstehenden abspeisen ließ, wonach die Baumarbeiten gestoppt und auf den nächsten Winter verschoben seien −, dieses intransparente Lavieren hat das Vertrauen der BürgerInnen erneut empfindlich gestört und ungeachtet einiger beispielhaft baumschonender Wasserbaumaßnahmen am LWK (Tempelhofer Ufer) oder der beachtlichen Fortschritte in fachgerechter Gehölzpflege in der Zuständigkeit des Abz Neukölln die Erfolge des „lernenden Systems“ zur Unzeit relativiert. Wieder sind starke Zweifel aufgekommen, ob das behauptete Umdenken der Behörde, ihr Eintritt in eine neue Ära der Transparenz, Umweltverträglichkeit und Bürgernähe tatsächlich schon stattgefunden habe. Manche unter den BürgerInnen fühlen sich auch nach dieser Sitzung persönlich verletzt und beleidigt.

Was sollen wir auch denken, wenn wir hören, dass der Chef zurzeit unserer ersten Intervention nur Kenntnis eines einzigen „Loses“ hatte, es aber noch drei weitere gab, also unter Amtshilfe oder doch eher Regie der BIMA (vorm. Bundesforsten) zur Bearbeitung an Baumpflegefirmen vergebene Uferabschnitte über die Schleuse Plötzensee hinaus, und zwar von beidseitig insgesamt zehn Kilometern Länge!? Dass auch die Sachbereichsleiterin nichts davon gewusst hat, obwohl das Benehmen mit den vier betroffenen bezirklichen Grünflächenämtern darüber bereits im Oktober 09 ordnungsgemäß hergestellt worden sei; und dass die Leitungsebene angesichts der öffentlichen Entrüstung von Abz-Leiter Spandau, Matthias Moneke, endlich in Kenntnis gesetzt, offenbar die Eigendynamik der einmal in Bewegung geratenen Maschinerie von Verwaltungsabläufen nicht mehr zu stoppen vermag.

Neben BaL-VertreterInnen hatten auch das QM Sparrplatz in Moabit im Wedding und der Betroffenenrat Lehrter Straße im Wedding in Moabit gegen die Fällung von Baum- und Vegetationsbestand protestiert, der ursprünglich als Ausgleichsmaßnahme gepflanzt worden war und sich noch dazu in Bezirkszuständigkeit befand. Am Tag der Krisensitzung, so Scholz, habe er die Mail des Betroffenenrats vom 1. März beantwortet, also nach sieben Wochen. − So räunte der Amtsleiter mal wieder „informatorische Lücken“ ein, dass vieles verbesserungsbedürftig und was an Bausteinen am LWK erarbeitet und über die Partizipation gelernt wurde, diesmal am BSK „übersprungen“ worden sei.

Der Bezirksvertreter von Charlottenburg-Wilmersdorf stellte zunächst klar, dass nicht etwa gemeinsam mit dem WSA eine Baumpflege-Maßnahmenliste erarbeitet, sondern von Bundesforsten eine Tabelle vorgelegt werde, die bei einer gemeinsamen Begehung vor Ort überprüft werde. 140 Bäume seien dabei im Herbst in Augenschein genommen worden. Gegen die 16 Fällungen habe man keine Einwände gehabt, doch von Strauchrodungen sei überhaupt keine Rede gewesen!

Hierzu wurde übereinstimmend berichtet, dass es viele Tage gedauert habe, bis alles sich am Ufer auftürmende Schnittgut abtransportiert worden sei. Die Anzahl der Schuten, so Sachbereichsleiterin Riemer, lasse sich jedoch nicht mehr ermitteln. Scholz wiederum lag ein zehnseitiges Papier vor, worin der in Antwort auf die Stellungnahme des BUND seinerseits zur Positionierung aufgeforderte Abz-Leiter Moneke, der sich im verwaltungstechnischen Sinne unheimlich Mühe gebe, korrekt zu arbeiten, sehr detailliert die aus seiner Sicht unumgängliche abschnittsweise Rodung der Ufervegetation begründet habe: Die Biber sollen nur an den dafür vorgesehenen Uferbereichen fressen, heißt es u.a. darin, und Manfred Krauß versprach, es ihnen auszurichten…

Auf Anfrage einer Bürgervertreterin teilte Frau Riemer mit, dass über die BIMA die Fällung von insgesamt 270 Bäumen beauftragt und vom WSA bislang für 109 Bäume bezahlt worden sei. Insgesamt belaufe sich das Auftragsvolumen für die Unterhaltungsmaßnahmen entlang des BSK auf 250.000 Euro! [Wäre naturschutzfachlich und baumpflegerisch korrekt gearbeitet worden, hätten ca.15 Prozent dieser Summe mit Sicherheit ausgereicht. Wir schlagen deshalb vor, dem Abz Spandau in der lfd. Haushaltperiode allenfalls noch 5000 Euro für Böschungsunterhaltung zu bewilligen: das käme einer naturnahen Pflege der Kanalufer und damit menschlichen wie nichtmenschlichen AnwohnerInnen zugute!]

Fakt sei jedenfalls, so fuhr der NGA-Mitarbeiter fort, dass die WSA-Leute die Bäume nicht lieben und man zudem im Abz Spandau ständig mit neuen Kräften konfrontiert sei, die man immer erst wieder neu an die Natur heranführen müsse, damit auch wirklich nur das gemacht werde, was notwendig sei.

Dass es zumal bei Fällungen auf Grund mangelnder Verkehrssicherheit nicht etwa nur die Baumschau nach der VTA den Ausschlag geben darf, sondern dort, wo die Gefahr im Verzug nicht evident ist, die Notwendigkeit finaler Maßnahmen immer durch weitere Diagnoseverfahren erhärtet werden muss, für deren Einsatz die WSA-Baumprüfer wiederum nicht geschult sind, weshalb die Hinzuziehung externen Sachverstands vorgeschrieben ist, steht zwar in den Leitlinien, aber ist in der Behörde offenbar weitgehend unbekannt. Deswegen meinte Michael Scholz am 16.2. mit den „selbstverständlich“ vorliegenden und lediglich noch nachzureichenden Dokumenten auch nicht etwa externe Gutachten − die gibt es nicht −, sondern die Protokolle der Benehmensherstellung. [Nach diesen Dokumenten erkundigten wir uns übrigens noch mal in der 21. Forumssitzung am 22.2., doch liegen sie uns bis heute nicht vor.]

Kahlschlag

Kahlschlag

Angesichts dieser eher mühsam und unbefriedigend verlaufenden Aufklärungsversuche, was wann wo warum veranlasst und wem bekannt wurde, womit ohnehin das Kind nicht mehr aus dem Brunnen gezogen werden kann, wurde BUND-Vertreter Krauß grundsätzlich und mahnte seinerseits ein völliges Umdenken an: Selten habe er derart massive Eingriffe in natürlichen Uferbestand gesehen; so könne es einfach nicht weitergehen! Bei der Gewässerunterhaltung müsse endlich zu einem ganz anderen Umgang mit den Uferböschungen gefunden werden, der ein strukturiert mit Bäumen, Büschen und Unterwuchs bestandendes Uferbiotop als schützenswerten Lebensraum einer Vielzahl von Tierarten begreift − von Rote-Liste-Arten wie Biber und Fischotter über Sumpf- und Teichrohrsänger bis zu den dort brütenden Nachtigallen −, und nicht alle Jahre wieder wie ein Wohnzimmer aufräumen will.

„Die Berliner Oberste Naturschutzbehörde hat im Jahr 2007/2008 den zuständigen Landes- und Bundesbehörden, also auch dem WSA Berlin, ein Artenhilfsprogramm für Biber und Fischotter vorgestellt, in dem die Lebensbedingungen des Bibers an den innerstädtischen Kanälen detailliert beschrieben werden. Diese Empfehlungen wurden hier eindeutig nicht beachtet“, heißt es in seiner Stellungnahme für den BUND, und weiter: „Das WSA will offensichtlich an allen Wasserstraßen ein anderes Ufer- und Landschaftsbild als bisher. Es besteht aus einer weitestgehend kahlen Böschung, die oben von wenigen und nicht zu großen Einzelbäumen bestanden ist. Dies bestätigen auch die Eingriffe an anderen Gewässerabschnitten wie z.B. an der Havel im Bereich der Tiefwerder Wiesen oder am Berliner Abschnitt des Oder-Spree-Kanals. Die Kanalufer in ihrer Funktion als Lebensraum und Biotopverbindungselement werden dadurch zusehends entwertet.“ Am genannten Oder-Spree-Kanals bspw. sei solches Aufräumen auch schon mitten im Sommer erfolgt, was nach Berliner Naturschutzgesetz einen Straftatbestand erfülle. (Und der Baumsachverständige Dr. Barsig erinnerte an den Vortrag von Dr. Wolter vom IGB im AK Naturhaushalt und Landschaftsbild am 4.11.09, welcher die Wichtigkeit überhängender Vegetation für phytophile Fischarten wie den Hecht hervorgehoben hatte. Solche fachliche Inputs hinterließen in der Behörde einfach zu wenig Spuren.)

Seit 10, 15 Jahren gebe es eine für die WSV bindende ökologische ausgerichtete Erlasslage: allmählich werde es Zeit, sie auch zu implementieren. Wenn dies innerhalb des WSA oder der WSD nicht möglich sei, müsse das BMVBS
eingreifen. − An dieser Stelle verwies Frau Riemer auf den aktuell erstellten „Unterhaltungsplan Spree“, in den die Öko-Erlasse doch einflössen, doch was nützen die besten Planwerke, wurde ihr entgegnet, wenn Bauingenieure nicht motiviert werden können, sie auch umsetzen.

Den Einkauf externen Sachverstands hielt der Vertreter des NGA Mitte für wenig zielführend: Man brauche keine Baumbiologen, sondern alles hänge vom Engagement der Baumkontrolleure und -pfleger vor Ort ab! Man müsse bei den Menschen ansetzen, und hier helfe nur schulen und immer wieder schulen mit praktischer Anleitung, denn die Angst, für Unterlassungen, zu geringe Eingriffe und anschließende Schäden haftbar gemacht zu werden, sei bei den Mitarbeitern übergroß.

Auch sei es, so wandten Bezirksvertretern wie der Baumsachverständige ein, überhaupt fraglich, ob im urbanen Bereich mit seinen ganz spezifischen stadtökologischen Bedingungen Bundesforsten bzw. die BIMA sachgerechte Amtshilfe leisten könne, denn der hier dominierende Blick des Försters auf den Wald, der etwa einen Gehölzumbau unter Entfernung „fremdländischer“ [!] Neophyten und abgestorbener, aber als Habitat für eine Vielfalt von Arten in ihrem ökologischen Wert kaum zu übeschätzender „Biotopbäume“ bzw. Hochstubben fordere, sei gerade im Stadtgebiet völlig verfehlt.

Der Vertreter des Artenschutzes und Artenhilfsprogramme bei der Obersten Naturschutzbehörde (ONB), Reinhard Schubert, der sich in einer persönlichen Vorbemerkung zunächst einer Kritik des Performativen widmete, indem er, bei eingestandener Unkenntnis von Vorgeschichte und Kontext, die Redeweise von „Umerziehung, Sanktionen und personellen Konsequenzen“ geißelte (Letztgenanntes sei allein Sache des Amtsleiters), sah sein Haus durch die in Rede stehende Problematik ungerechtfertigter Fällungen und Kappungen am BSK nur mittelbar betroffen und lediglich unter komplexer, ganzheitlicher Perspektive, also was die Biotopzerstörung betreffe, direkt involviert. Vielen berechtigten Interessen auf verschiedenen Rechtsebenen gelte es, Rechnung zu tragen. Die BfG habe das Instrumentarium in Form von Leitlinien und Unterhaltungsplänen bereitzustellen, woraufhin die landesseitige Gestaltung der Biotopverbundsysteme unter frühzeitiger Einbindung und in Berücksichtigung der unterschiedlichen Interessen abgeklärt werden müsse. Konkreter könne sich Schubert jedoch erst äußern, wenn er die Unterlagen gesichtet habe, doch sei das Kind ja ohnehin schon in den Brunnen gefallen.

Wir haben uns bekanntlich am LWK fast drei Jahre lang bemüht, SenStadt als ONB für das Potential dieser innerstädtischen Wasserstraße und ihre Aufwertung als Ausbreitungs- und Wanderkorridor im Rahmen der Biotopvernetzung zu interessieren und zu ermuntern versucht, die Sanierung im Rahmen dieses interdisziplinären und interinstitutionellen Mediationsverfahrens unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft zu nutzen, um gemeinsam eine die Verwaltungsebenen von Bund, Land und Bezirken übergreifende integrierte Planung eines modellhaften stadtökologischen Projekts auf den Weg zu bringen, doch SenStadt blieb bis dato jeder Aktivität in dieser Richtung abhold. – Wenn nun aber die ONB selbst dort, wo, wenn auch nur ganz indirekt und „mittelbar“ in ihrem Zuständigkeitsbereich, weil Baum und Busch Bezirkssache sind, jedoch die Habitate von FFH-Leitarten durch bundesbehördliches Handeln zuschanden gemacht werden, derart zögerlich, übervorsichtig und verklausuliert reagiert und abermals jede Aktivität, jeden Anschein von Entschiedenheit vermissen lässt, wundert uns natürlich gar nichts mehr. Ohne engagierte BürgerInnen und das durch ihren Protest veranlasste Mediationsverfahren hätte sie von den Vorgängen am BSK womöglich gar nichts mitbekommen.

Da sich das Unrechtsbewusstsein auf Seiten des WSA in sehr engen Grenzen hielt − Scholz: „Ich habe ein blütenreines Gewissen!“ − sollten nach der Halbzeit dieser Krisensitzung gemeinsam Lösungsmöglichkeiten ausgelotet werden, und zwar auf mehreren Ebenen und in mehreren Stufen:

Zunächst sprach sich der WSA-Chef für eine transparente Bilanzierung, Monetarisierung und konkrete Kompensierung aus. In Anlehnung an Dr. Barsigs Validierung der Maßnahmen innerhalb des ersten Loses (von Kieler bis Föhrer Brücke), die 75 Prozent für ungerechtfertigt, überflüssig und fachlich unzureichend erklärt hatte, sollten die entstandenen Schäden nach der Koch’schen Methode exemplarisch ermittelt, überschlägig hochgerechnet und dann unter Einbeziehung der Bezirke, von Fachleuten und Verbänden konkrete Kompensationsmaßnahmen geplant und umgesetzt werden. Von einer genauen Validierung, die selber wertvolle Mittel verschlinge, sei indessen abzuraten, denn sie könne unter Einbeziehung des erweiterten ökologischen Schadens leicht in die Millionen gehen.

Um also künftig solche Desaster zu vermeiden, sollte frühzeitig über Vorhaben (auch im Web, jedoch unter Berücksichtigung vergaberechtlicher Einschränkungen) informiert und auf diese Weise die Benehmensherstellung als Informations- und Vorstellungstermin genutzt werden. − Anschließend sollte mit den verschiedenen Gruppen, zunächst natürlich den VertreterInnen der bezirklichen Grünflächenämter, aber auch der BürgerInnen, der Naturschutzverbände und der ONB ein Dialog über die geplanten Maßnahmen geführt werden.

Manfred Krauß forderte das WSA auf, vorab generell zu akzeptieren, dass die Uferböschungen der Bundeswasserstraßen vegetationsbestanden sind, ausgenommen dort, wo es den Schiffsverkehr definitiv behindert. Es gehe um Akzeptanz des „Gesamtkunstwerks“ einer strukturiert gehölz- und strauchbestandenen Böschung“. Eingriffe seien durchaus nötig und zulässig, bspw. das Auf-den-Stock-Setzen von Weiden unproblematisch, dürften jedoch jeweils nur kleinräumig erfolgen. − Hier räumte Scholz ein, dass anders als bei natürlichen Wasserläufen an Kanälen bislang Strauchwerk aus Gründen der Inspizierbarkeit der Fußsicherung tatsächlich immer noch entfernt werde, konzedierte jedoch, dass dies flächendeckend geändert und „Verstrauchung“ zugelassen werden müsse.

Um die fachliche Qualität der Leistungsbeschreibung bei der Auftragsvergabe sicherzustellen, regte eine Bürgervertreterin die personelle Aufstockung der Behörde etwa durch Baumbiologen an, doch liegt dies einerseits außerhalb der Wirkungsmöglichkeit des Amtsleiters und andererseits ist er sich sicher, hierfür keine zusätzliche Stelle bewilligt zu bekommen. Im Gegenteil treibe der Personalmangel solche Blüten, dass versierte Baumkletterer des WSA inzwischen als Schleusenwärter arbeiten müssten. Der Personalabbau aber sei bekanntlich politisch gewollt, und daran könne auch ein WSD-Chef Menzel in Magdeburg nichts ändern. – Gleichwohl wurde ein Brief ans BMVBS vorgeschlagen, die ambitionierten ökologischen Erlasse mit Blick auf ihre Anwendung personell zu unterfüttern.

Auch der NGA-Vertreter aus Mitte sah, wie gesagt, die Erhöhung fachlicher Kompetenz auf diesem Weg letztlich nicht zielführend. Alles komme auf das Engagement der Baumpfleger vor Ort und deren regelmäßiges Coaching an. Dann würde bspw. ausgeschlossen, dass die Kronen jener fünf Platanen am Nordhafen, die er seit zwanzig Jahren kenne und die weder an Massaria noch sonst wie erkrankt waren, ohne Sinn und Verstand zusammengeschnitten, von innen her ausgeräumt und bleibend geschädigt worden seien. − Vor allem aber dürften die Mitarbeiter nicht das Gefühl bekommen, nunmehr kontrolliert und überwacht zu werden: das brächte überhaupt nichts.

Der Vorschlag regelmäßiger Gesprächsrunden von Abz-Baumkontrolleure und den UNB unter Hinzuziehung von Fachleuten und Verbändevertretern sowie der Vorstellung von Best-Practice-Beispielen fand große Zustimmung. Fachreferenten könne z. B. die BfG stellen, was wenig koste und viel bewirke. Ansonsten könne die BfG laut Scholz aber nur exemplarisch unterstützen und davon ausgehend zu analogem Vorgehen ermuntern, denn diese Fachbehörde verfüge ja selbst nur über ca. dreihundert MitarbeiterInnen

Von konkreten Kompensationsmaßnahmen noch in dieser Pflanzperiode, etwa Pflanzung von Container-Weiden am Nordufer, wo die A&E-Weiden gerodet wurden, sei angesichts der fortgeschrittenen Zeit und bald zu erwartendem Hitzestress abzuraten. Ferner gab es den Vorschlag der Anlage einer Flachwasserzone mit Pflanzung von Röhricht an einer von Schiffs- und Bootsverkehr geschützten Stelle nahe dem Saatwinkler Steg in Spandau.

Zweckmäßiger sei es, zeitig im Herbst auf, unter Beteiligung der Bezirke auszuwählenden Flächen sozusagen strukturierte Modellpflanzungen zur Unterstützung der Fauna anzulegen.

In Übereinstimmung mit Manfred Krauß schlug Reinhard Schubert von der ONB vor, an einem noch intakten Uferbereich gewissermaßen den Zustand zu beschreiben, der in einem bestimmten Zeitraum hergestellt werden soll, also die Zielvorstellung zu exemplifizieren, ein Leitbild naturnaher Uferbiotop-Gestaltung, woran sich sowohl die Kompensationsmaßnahmen als auch die künftige Pflege ausrichten sollte. Hier schlug Krauß die Tiefwerder Wiesen an der Havel vor.

Für [am besten Anfang] Juni wurde ein Treffen von Amtsleiter Scholz, drei bis vier Abz-Mitarbeitern, dazu Dr. Barsig, Manfred Krauß sowie eines Bürgervertreters und Frau Dr. Ernst als Lernende an einer noch auszuwählenden bearbeiteten Stelle am BSK verabredet, um sich im gemeinsamen Austausch darüber zu vergewissern, was getan [angerichtet] wurde, wie es kompensiert und wie ähnliches künftig vermieden werden könne.

Mit temperierter Hoffnung − sichtlicher Erleichterung auf Seiten des Amts und viel Skepsis bei den BürgervertreterInnen − gingen die Beteiligten an dieser fünfstündigen Krisensitzung auseinander.

Schnittgut

Schnittgut

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6 Kommentare

  1. Anne Wispler said,

    22. April, 2010 um 12:55

    Liebe Blog-Schreiber,
    Ihr Engagement in Ehren, aber es haben sich hier einige Fehler eingeschlichen. Nicht das Quartiersmanagement Sparrplatz, das übrigens im Wedding liegt, hat gegen den Kahlschlag am Nordufer protestiert. Sondern ich, in meiner Funktion als Kiezmentorin für den Sprengelkiez unter http://www.sparrplatz-quartier.de, habe versucht, einen sachlichen Bericht über das Problem zu schreiben.
    Das QM Sparrplatz hat in den vergangenen Jahren mit Fördergeldern den Norduferweg saniert und wünscht sich selbstverständnlich einen behutsamen Umgang mit der Natur und den Bedürfnissen der Anwohner/innen dort.

    • BaL said,

      22. April, 2010 um 13:32

      Bitten vielmals um Entschuldigung! Ein Vertauschen zu früher Stunde. Im vorigen Posting zum Thema wussten wir’s noch.

      • Dr. D. Focke said,

        22. April, 2010 um 14:34

        Sehr geehrte Frau Wispler,

        sowas nenne ich demotivierend – haben Sie mal nachgeschaut wann die Engagierten den Artikel geschrieben haben. Wäre es nicht höflicher und auch „sachlicher“ gewesen, den Betreffenden eine Email zu schreiben oder gar anzurufen (beides findet man auf ihrer website)? Die Formulierung „Ihr Engagement in Ehren“ ist doch sehr anmaßend.

        Das Engagement verfolge ich schon von Anbeginn an und kann nur sagen Hut ab vor solchen Menschen. Hätten wir nur mehr davon…

        Freundliche Grüße
        D. Focke

  2. R@lf said,

    23. April, 2010 um 2:06

    Hallo vom Moabeach! Alles schön und gut, aber davon wird kein Baum und Busch wieder auferstehen. Wohlfeile und wohltönende Worte durften und mussten wir uns schon viel über die Jahre weg anhören, aber gefällt wird dreist und munter weiter. Es läßt sich kaum in Worte fassen, was wir im weiten Kreis rund um den Hauptbahnhof in den letzten 20 Jahren verloren haben! Vor Jahren habe ich sogar am Nordhafen noch einen Eisvogel beobachten können. Die Zeiten sind vorbei!
    Wurde überhaupt die Frage erörtert, warum WEIT AB von den Ufern am Nordhafen eine ganze Reihe alter Bäume gefällt wurden?

    Durch die geplanten Baumaßnahmen der VIVICO gewärtigen wir im Mittelbereich Lehrter Straße demnächst erneut einen umfangreichen Grünverlust alter Substanz. Unser Protest interessiert offenbar nicht.
    In der Seydlitzstraße, Eckbereich Lehrter Straße wurde mit Fällungen alter Bäume ein Teil des „Döberitzer Grünzuges“ (im Bau) entgrünt. Dann sollen noch Bäume in dieser Straße für den Bau der Tiefgarage eines „Wellness-Centers“ fallen, das einstmals unser waldumstandenes Freibad war. Es ist zum Haareraufen!

    Und eine Sache sollte wirklich einmal eindeutig und „nachhaltig“ geklärt werden: wo landet das überall massenweise ausgefällte Holz und wer vermarktet das zu welchem Preis? Auf dieser Ebene vermute ich nämlich schon länger eine fette Schieberei. Das Scheitholz für Heiz- und Dekokamine hat inzwischen saftige Preise. Auch die Pelletverarbeitung sucht ständig Rohstoff. Es lohnt sich durchaus mehr davon einzufahren und noch ein paar Bäume „versehentlich“ mit zu fällen! Und der eine oder andere gut gewachsene alte Baum ist sicher auch für die Möbelindustrie interessant … je selteneres Holz desto besser!

    • BaL said,

      23. April, 2010 um 19:37

      Zu der Frage, warum weit ab vom Ufer am Nordhafen gefällt wurde, verlautete von Amtsseite, man habe sich leider in den Besitzverhältnissen geirrt, aber die Begründungen für die Holzerei waren durchweg nur summarisch, von Verkehrssicherung bis Gehölzumbau. Auf die Dokumente der Benehmensherstellung warten wir noch immer: Daraus sollte sich auch einiges ersehen lassen, aber zum Wiederauferstehen, das ist richtig, wird’s nicht reichen.

      Alles kommt nun auf angemessene Kompensation an, die das WSA zwar immer schnell zusagt, doch umzusetzen mitunter glatt vergisst, und noch mehr auf die Implementierung der geltenden Erlasse, Leitlinien und -fäden, die durchaus ökologisch ausgerichtet sind.

      Ansonsten können wir im Mediationsverfahren „Zukunft LWK“ naturgemäß nur Rodungen im Böschungsbereich von Bundeswasserstraßen in der Zuständigkeit des WSA-B ansprechen.

  3. Baumretter said,

    23. April, 2010 um 13:04

    Nicht nur ärgern – dem Bundesverkehrsminister schreiben!

    Es wäre sehr gut, wenn möglichst viele Leute, die mit der stets wiederkehrenden unnötigen Kahlschlag – Politik des WSA nicht einverstanden sind, sich beim zuständigen Bundesverkehrsminister beschweren würden. Es ist dringend eine Strukturreform der Bundesbehörde WSA nötig, sonst werden ökologische und Klima- und Artenschutz – Belange bei der „Pflege“ der Ufer von Bundeswasserstraßen und bei Baumaßnahmen an Bundeswasserstraßen auch weiterhin kaum eine Rolle spielen.

    Herr Bundesverkehrsminister Dr. Ramsauer ist der oberste Dienstherr der Bundesbehörde Wasser- und Schifffahrtsamt:
    peter.ramsauer@bundestag.de

    Auch an den Bundesumweltminister könnte man das Schreiben richten.
    Herr Bundesumweltminister Dr. Roettgen:
    norbert.roettgen@bundestag.de

    Kopien der Schreiben bitte auf jeden Fall an das Bündnis für Stadtnatur senden:
    BStadtnatur@web.de

    Kopien bitte auch an zuständige Bundestagsabgeordnete der anderen Parteien senden, z.B. an:
    hans-christian.stroebele@bundestag.de, winfried.hermann@bundestag.de, baerbel.hoehn@bundestag.de, herbert.behrens@wk.bundestag.de, eva.bulling-schroeter@bundestag.de, florian.pronold@bundestag.de, matthias.miersch@bundestag.de, uwe.beckmeyer@bundestag.de, michael.kauch@bundestag.de, patrick.doering@bundestag.de


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