Nachtrag zu „Sofort vor Ort!“

Benehmen oder Einvernehmen?

Wenn wir uns jetzt noch die doch sehr naheliegende, aber über unserer Detailversessenheit sträflicherweise in den Hintergrund geratene Frage stellen, ob dieser Termin nun eher einer Benehmens- oder Einvernehmensherstellung dienen sollte bzw. gedient hat, müssen wir vom Resultat her zwar die zweite Antwort geben, zugleich aber nachträglich daran erinnern, dass Frau Dr. Ernst bei ihrer Einladung noch gesagt hatte, eine Entscheidung brauche nicht vor Ort und ad hoc herbeigeführt zu werden, sondern wir müssten die neuen Informationen „natürlich erst sacken lassen“.

Freilich ist es dann anders gekommen. Als die Herren Mittag und Leonhardt aus dem Stegreif improvisierte Varianten einer Bürgervertreterin, wonach z. B. der Crush Piler, der (zumindest nach Aussage des GIKEN Europe-Geschäftsführers Al-Arja) Spundbohlen auch durch größere Gesteinsbrocken treiben kann, den Düsenstrahl-Verbau und alle anderen dadurch nötig werdenden Zurüstungen vielleicht obsolet machen könnte, aus ihrer berufspraktischen Erfahrung heraus verwarfen; der Kritik, dass mit ihrer doch sehr spezifischen Modifizierung der Leistungsbeschreibung alternative Lösungswege vorab verbaut würden, wie schon erwähnt, mit dem Hinweis auf die Zulässigkeit von Nebenangeboten zurückwiesen und darüber hinaus auch niemand der Anwesenden in Lärm, Dieselabgasen und Mittagshitze weitere stichhaltige Einwände vorbringen oder gänzlich andere Optionen skizzieren konnte oder wollte, wurde der GuD-Vorschlag eben durchgewunken.

Wenn nun aber − Stichwort „Vor Ort sofort!“ − eine Routine für solche jederzeit möglichen Szenarien installiert werden soll, ist das Einräumen einer vertretbaren Zeitspanne des „Sackenlassens“ vor Abgabe eines Votums sicherlich unabdingbar!

Da im konkreten Fall der Baustelle „90m Maybachufer“ mit ihrer höchsten Prioritätsstufe vor knapp einem Jahr die Sanierungsvariante unter der Voraussetzung beschlossen worden ist, dass es sich um keinen Präzedenzfall und keine Präjudizierung für andere Baumaßnahmen handele; da hier zweitens z. B. auch kein Baum- oder Ufervegetationsbestand gefährdet ist und drittens sich auch die gewässerökologischen Optimierungspotentiale sicher in Grenzen halten, ist den BürgervertreterInnen dieses Übers-Knie-Brechen ihrer Zustimmung auch nicht allzu schwer geworden.

Einzelinteressen dienender Druck aufs Tempo darf nicht
Best Practice vereiteln!

Doch sei auch noch mal daran erinnert, dass das krampfhafte Festhalten des WSA am pünktlichen Baubeginn zum 2.11. vor allem im Interesse der Hauptnutzerin der Anlegestelle, also der Reederei Riedel, und auch der übrigen kommerziellen Nutzer geschieht, die nach amtlicher Lesart bekanntlich die „Hauptbetroffenen“ und -leidtragenden sind und ergo um jeden Preis durch eine Ausdehnung der Bauzeit in den April hinein mit der Konsequenz einer Verschiebung des Saisonstarts für die Fahrgastschiffer vermieden werden soll. Nach unserer hinlänglich bekannten gegenteiligen Auffassung sind sie jedoch vielmehr als die Hauptverursacher nicht nur dieser Haverie zu betrachten, die ohnehin nur die Spitze des Eisbergs vorstellt.

Nach der kürzlichen Klarstellung von Amtsleiter Scholz belegt die Binnenschifffahrt nach Wasserwirtschaft und Land- bzw. Fischereiwirtschaft im Prioritäten-Ranking der Wasserstraßenunterhaltung nur den dritten Platz. Und Best Practice kann bei der Kanalsanierung nur unter gewissenhafter Berücksichtigung unseres vielschichtigen Kritierien-Katalogs gelingen. − Auf der anderen Seite haben die Reeder trotz ihres ständigen Jammerns von Einbußen und behaupteter Gefährdung der Arbeitsplätze in ihrer Branche in der vergangenen Saison ungeachtet des einspurigen Verkehrs und der Geschwindigkeitsbegrenzung angesichts immer weiter steigender Nachfrage erneut Rekordumsätze eingefahren − „Krise? Welche Krise?“ fragte gar Lutz Freise in einem Presse-Interview provokant −, so dass schon von daher kein Anlass besteht, die Interessen dieses einen Stakeholders höher zu bewerten als die aller übrigen.

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Sofort vor Ort!

Unvorhergesehenes an Baustelle Maybachufer

Vorort-Termin Riedel-Anleger

Vorort-Termin Riedel-Anleger

Letzten Donnerstag (27.8.) erhielten die Mitglieder der Arbeitsgruppe Maybachufer, einer Untergruppe des Arbeitskreises Sanierung im Mediationsverfahren zur „Zukunft des Landwehrkanals“, von der frischgebackenen Leiterin der neuen WSAArbeitsgruppe Landwehrkanal, Dr. Annette Ernst, höchstpersönlich die telefonische Einladung zu einem Vorort-Termin am havarierten Riedel-Anleger Kottbusser Brücke. Und zwar gleich für anderntags halb elf.

Kampfmittelsondierung

Kampfmittelsondierung

Im Zuge der Baugrundsondierung im Bereich der berühmten Schadensstelle sei es überraschend zu neuen Erkenntnissen gekommen, die eine Modifizierung der am 4.8. von Carola Bugner (WSD) vorgestellten Planung des Bauablaufs erforderlich machten. Beim Versuch, vor dem Abteufen von Tiefenbohrungen unmittelbar vor der Abbruchstelle die ins Wasser gestürzten Steine der Ufermauer sowie die Wasserbausteine, die zur Verfüllung der Kolke dienen, aufzunehmen, hätten die Arbeiter auch in vier Meter Tiefe noch keine Kanalsohle gesehen, dafür aber beim Heben gleich der ersten Brocken neue Risse, die sich in der Böschung auftaten, woraufhin die Maßnahmen sofort abgebrochen und die Stellen neu verfüllt worden seien.

Der Geist der Mediation

Wegen des Termindrucks im Hinblick auf die Einhaltung des 2.11. als Baubeginn hatten wir darauf verzichtet, dass uns vor ihrer Veröffentlichung im Rahmen der Ausschreibung auch noch die Feinplanungen präsentiert würden, also Frau Bugner insoweit vertraut, so dass wir angesichts dieser raschen Einberufung eines Vorort-Termins auf Grund der unvorhergesehenen Entwicklung Mediator Kessen mit der gebotenen Zurückhaltung zustimmen möchten, wenn er erste Anzeichen dafür sieht, dass der Geist der Mediation nun auch auf der Baustelle einkehre. Und analog zum vereinbarten Procedere, wenn bei kurzfristig notwendig werdenden Maßnahmen Bäume involviert sind, schlug das Mediationsteam unterm Titel „Sofort vor Ort“ auch bei Baumaßnahmen die Institutionalisierung einer entsprechenden Routine vor: mit E-Mail-Verteiler, Fristsetzungen, Einspruchsmöglichkeit usw.

Kampfmittelsondierung

Kampfmittelsondierung

Alle, die Frau Ernst erreichen konnte, waren ihrer freundlichen Einladung gefolgt, und so versammelten sich Senats-, Bezirks- wie BürgervertreterInnen auf der Kottbusser Brücke und wurden von Riedel-Geschäftsführer Lutz Freise hinunter auf die Steganlage geführt. Die Abteilung II (Integrativer Umweltschutz) von SenGUV hatte in Vertretung von Matthias Rehfeld-Klein die Damen Hähnel (Gewässerschutz) und Dr. Fritz-Taute (Wasserwirtschaft, Geologie) entsandt, die Denkmalfraktion war hingegen nicht repräsentiert. So blieb die Frage, ob und wenn ja, welche Modifikationen der Planungen von diesen beiden Behörden evtl. noch für notwendig erachtet werden, weiterhin ungeklärt.

Vor Ort waren indessen SeaTerra und die Gebrüder Kemmer unter viel Geräusch- und Abgasentwicklung noch mit der Kampfmittelsondierung befasst und brachten im Bereich der in zwei bzw. vier Metern Tiefe festgestellten „Anomalien“, die auf einen im Kanal versenkten Tresor, aber auch auf Blindgänger deuten mochten, Bohrungen nieder, in die dann das PVC-Rohr fürs Georadar zur genaueren Erkundung eingepresst wird −, und die Versammelten hofften, es möge sich um einen Tresor handeln.

Haverie 2007 mit über vier Meter tiefem Grundbruch!

Schnitte

Jens Mittag (GuD) erläutert

Jens Mittag und Hilmar Leonhardt von GuD Consult, die mit der Ausarbeitung der Verdingungsunterlagen betraut sind, erläuterten anhand von Karten und Zeichnungen die neue Situation sowie die von ihnen in den vergangenen Tagen erarbeiteten „Ergänzungsvorschläge“ für die Leistungsbeschreibung. Offenbar sei beim Schadensereignis im April 2007 eine bedeutend größere, als bisher angenomme, bis unters Fundament reichende „Grundbruchfigur“ entstanden und also die Uferbefestigung weniger in den Kanal gekippt als vielmehr versunken, so dass in der Folge der Gleitkreis die Auskolkung über vier Meter hinaus vertieft habe. Wenn nun, um, wie beschlossen, die Stahlspundwand vorzupressen, die Trasse zunächst von Gestein beräumt werden müsse, drohe die ganze Böschung abzurutschen.

Der GuD-Vorschlag sieht nun vor, die Böschung durch einen sog. HDI-Schleier zu unterfangen, also zu stabilisieren, indem mittels Hochdruckinjektion einer Zementsuspension „Düsenstrahlsäulen“ am Böschungsfuß eingebracht werden, die im Ergebnis eine Verbauwand ähnlich einer Bohrpfahlwand („Berliner Verbau“) bilden sollen. Diese muss allerdings in Abständen über Stahlträger rückverankert werden, was z. B. auch eine landseitige Kampfmittelsondierung erfordere, die nun schnell zu veranlassen sei, sowie einen früheren Abriss des Riedelschen Geräteschuppens. − Weitere Einzelheiten und Fotos im aktuellen WSA-Newsletter.

Qualität vor Zeit

Schnitte

Schnittzeichnungen © GuD

Die BürgervertreterInnen gaben zu bedenken, dass besser nicht am Baubeginn 2.11. festgehalten werden solle, wenn dies auf Kosten der Qualität der Planungen und damit der ausgeschriebenen Leistungen gehe. „Qualität geht vor Zeit“, formulierte Stefan Kessen. Dann solle lieber alle Energie darauf verwendet werden, die nahegelegene Teststrecke am Paul-Lincke-Ufer nicht erst im Frühjahr, sondern eben zum 2.11. in Angriff zu nehmen. − Die GuD-Mitarbeiter machten wiederum deutlich, dass die von ihnen modifizierte Leistungsbeschreibung auch Nebenangebote zulasse, also, wenn deren Preis-Leistungsverhältnis stimme, keine alternativen technischen Verfahren ausschlösse.

Eine Gefahr für die Straßenbäume besteht nach Auffassung des Neuköllner Grünamtmitarbeiters Mechelhoff durch Düsenstrahlwand-Anker nicht, insofern sie, wenn in einem Winkel von 45 Grad ausgeführt, erst in einer Tiefe von sechs Metern in den Wurzelbereich dringen, wo es kaum vitalitätsrelevante Feinwurzeln mehr gebe und bei den betreffenden Bäumen auch eine mögliche Gefahr für Stark- und Haltewurzeln zu vernachlässigen sei.

Größtmöglicher Wettbewerb am Corneliusufer!

Grundbruch-Stelle Riedel-Anleger

Grundbruch-Stelle

Für die in der letzten Wintersaison stecken gebliebenen Stahlspundbohlen-Einbringung − zum Pressen war der Boden zu hart, die beauftragte vollflächige Lockerungsbohrung fachlich nicht ausführbar; ein Rammen dort nicht möglich − läuft zur Zeit ebenfalls eine Ausschreibung. Diesmal (hoffentlich) unter Einschluss des Bohrpressverfahrens.

Hier sind wir allerdings sehr überrascht, dass dies lediglich als Beschränkte Ausschreibung unter den ortsansässigen Wasserbaufirmen läuft. Das dürften dann diejenigen sein, die bereits im letzten Jahr für dieselbe Stelle mitgeboten hatten. Was wird da wohl als Ergebnis rauskommen?

Wir lassen uns überraschen und wollen hoffen, dass der nächste, höchst dringende Sofort-Vorort-Termin nicht am Corneliusufer sein wird.

Über abstrakte und konkrete Einmischung

Es gibt Wichtigeres!

Keine Frage: In diesem ausgerechnet zu turbulentesten Weltkrisenzeiten drögesten aller Wahlkämpfe gibt es so viel gewichtigere Themen für ein sich „von unten“ einmischen wollendes Bloggen: Vom Kampf gegen die wespenfarbene Gefahr eines neoliberalen Aufgusses; gegen einen allgegenwärtigen Lobbyismus, den unser adeliger Geck und Publikumsliebling im Wirtschaftsministerium so ungeniert walten lässt, bis zum Ausbau des Überwachungsstaat, welchen unsere geliebte Familienministerin in nachgerade goebbelscher Manier propagiert, ohne dass der mediale Mainstream auch nur Notiz nähme von dieser immer mal wieder überwunden geglaubten und doch immer wieder fröhliche Urständ feiernden politisch-demagogischen Unkultur in diesem unserm Land −, worüber aber augenscheinlich nur diese „linke gesetzlose Internetgemeinde tobt“…

Und auch eine im engeren Sinn „um-„weltbewusste Einmischung sollte sich tunlichst dem Atomausstieg und der Endlagerlüge widmen, etwa gegen das subventionsintensive Greenwashing der Kohleverstromung, die angebliche Zukunftstechnologie CCS, Front machen und stattdessen eine entschlossene Förderung der Erneuerbaren fordern; sich für die Effizienzrevolution und den ökologischen Umbau einsetzen etc., wenn denn − mit Blick natürlich auf die Kopenhagener Klimakonferenz im Dezember − angesichts der sich abzeichnenden mageren Marge von nur 30 Prozent CO2-Reduzierung gegenüber 1990 doch noch dem „ehrgeizigen Ziel“ unserer Regierung von 40 Prozent bis 2020 ein wenig näher gerückt werden, geschweige bis 2050 das CO2-freie Deutschland (so der designierte UBA-Präsident Flassbeck) erreicht werden soll (und dann wahrscheinlich auch das Ausatmen verboten werden wird… − siehe aber hier.)

Abstrakt-allgemeines Angehen lokal-konkreter Problemlagen?*

Wir dagegen engagieren uns zwar hie und da auch gegen Schnellstraßen- und Autobahnbau, Seen-Privatisierung und Kaputtpflege öffentlicher Grünflächen, doch kehren immer wieder zu unserm Ausgangs- und Kernthema, der stadtökologisch nachhaltigen Sanierung und zukunftsfähigen Gestaltung des LWK zurück, einfach weil wir trotz aller Verfahrenstricks, Zermürbungstaktiken, allen Gegenwinds rückwärtsgewandter Einzelinteressen, politischer Ignoranz und medialer Überforderung mit dieser komplexen, sperrigen Thematik −, weil wir trotz alledem nicht bereit sind, da wir unsere Maximalziele nicht erreichen, deshalb unsern Platz am Verhandlungstisch zu räumen, sozusagen den Fuß aus der Tür zu nehmen, sondern es vielmehr als unsere Pflicht ansehen − und sollten auch unsere konstruktiven Vorschläge immer wieder abgebogen, verwässert, zerredet, vertagt und outgesourced werden − uns als Watch Dog sowohl innerhalb des Mediationsverfahrens als auch während der Umsetzung der Forumsbeschlüsse vor Ort zu versuchen, auf dass ungeachtet aller Widrigkeiten und Rückschläge dieses Verfahren und die Planungen und Umsetzungen, in die es mündet, vielleicht doch noch so etwas wie Modellcharakter für die Gestaltung zukunftsfähiger Stadtentwicklung unter zivilgesellschaftlicher Partizipation, so etwas wie eine Vorbildfunktion gewinnen können. So zumindest die Idealvorstellung.

Dieses zugegebenermaßen reichlich ambitionierte, vielleicht blauäugige  Ziel lokal und konkret anzugehen und in diesem vergleichsweise begrenzten Vorhaben hartnäckig und unbeirrbar zu verfolgen, auch wenn viel Kraft, Lebens- und Freizeit dabei draufgehen, haben wir uns nun mal entschlossen, wohl wissend, dass die aus unseren Steuermitteln finanzierten Bezüge mancher der uns am Verhandlungstisch gegenüber Sitzenden nun auch noch mit einer Art Bürgerzulage aufgestockt werden, derweil andererseits aufs Durchqueren der Ebene und das sprichwörtlich langsame Bohren dicker Bretter selten das Spotlight fällt und es hierbei auch mit Spaßfaktor und Sexappeal höchst mau aussieht.

Zu den Sachen!

Nach diesem bisschen länglichen, der Selbstvergewisserung und auch -rechtfertigung dienenden Vorspann aber nun zurück zum Konkreten und zur im November beginnenden Bauphase II, die − mal von diversen routinemäßigen Nassbaggereien abgesehen − aus fünf größeren Vorhaben bestehen soll. Unser Vorschlag bzgl. der Timeline, der darauf abzielte, die Erprobung einer neuen Technologie wenn schon nicht an den Anfang zu stellen, so doch möglichst zeitgleich mit den anderen Projekten zu beginnen, so dass die evtl. wertvollen Resultate, Erfahrungen und Erkenntnisse fruchtbare Rückwirkungen haben könnten, wurde kommentarlos und ohne die mindeste Begründung beiseite geschoben: GIKENs Crush Piler wird auf den 50 Metern Paul-Lincke-Ufer erst getestet, wenn der Kanal wieder eisfrei ist, sprich: „nach der Eisperiode im Januar 2010.“

„Neutrales“ Gutachterbüro soll Crush-Piler-Test evaluieren

Wahrscheinlich sollen die BürgervertreterInnen froh und dankbar sein über das amtliche Entgegenkommen, nun doch − und zwar in Umsetzung des einschlägigen Forumsbeschlusses − per Ausschreibung „ein neutrales Ingenieurbüro, das einen Großteil der Vorarbeiten, Planungen, die Verdingungsunterlagen (mit Leistungsverzeichnis) wie die Qualitäts- und Beweissicherung erstellt und begleitet“, zu suchen und einzubinden und dies nicht, wie gehabt und zunächst beabsichtigt, der BAW zu überlassen. „Auch die Evaluierung [der erwähnten Testergebnisse des Crush Pilers (Anm. BaL)] obliegt dem Büro“, heißt es im jüngsten WSA-Newsletter. Natürlich steht außer Frage: „Als Fachbehörde wird die BAW das WSA Berlin begleiten und unterstützen.“

Bleibt Leistungsbeschreibung fürs Corneliusufer geheim?

Àpropos Ausschreibung: Für die Durchführung der Arbeiten am Corneliusufer in Mitte (Abschnitt 1) wird es nur eine „beschränkte Ausschreibung“ geben. Das Forum hatte beschlossen, dass das Verpressen mit integrierter Bohrhilfe (Crush Piling geheißen) Bestandteil der Leistungsbeschreibung sein solle, doch überprüfbar ist das nun für die BürgervertreterInnen leider nicht, weil bei so einem beschränkten Verfahren, wenn der Auftraggeber, also das WSA, einige ausgewählte Firmen direkt zur Angebotsabgabe auffordert, die Verdingungsunterlagen nicht veröffentlicht werden.

AG LWK soll z. B. Umweltverträglichkeitsstudien „bearbeiten“?

Ein solcher Fall von Umbiegen und Verwässern scheint auch zu begegnen, wenn es in genannter WSA-Verlautbarung heißt, die neue AG LWK werde „Aufgabenpakete“ wie die UVP, den LPB, das Baumkataster und das Strömungsprofil „bearbeiten“ und die Fachbehörde BfG dabei lediglich „unterstützend mitwirken“.

Das, was namentlich auch die Umwelt- und Naturschutzverbands-VertreterInnen als Durchbruch feierten, war die endliche Bereitschaft des WSA, diese essentiellen Untersuchungen und Studien sowie die dazu erforderlichen Bestandserhebungen zu beauftragen! Dazu sind Fachleute nötig, die sich bestimmt nicht in der AG LWK finden, und wenn die BfG aus Personalgründen hierzu nicht federführend bereit ist, müssen externe Biologen, Zoologen, Gewässerökologen und Baumsachverständige sei’s aus dem universitären Bereich, sei’s aus den Reihen der Naturschutzverbände beauftragt werden. − Hier gibt’s jedenfalls noch allerhand Klärungsbedarf!


*Siehe auch diese Wahlempfehlung

Sollen die BerlinerInnen denn selber Fördermittel für City-Magistrale beantragen?

Bundesverkehrsministerium an diesem Wochenende zu Dialog und Bürgernähe bereit!

Unterm nicht eben geistreichen Motto „Staatsbesuch“ herrscht ab morgen (22.8.) im BMVBS Wochenende der Offenen Tür: Wir können den Staat also ruhig mal besuchen, denn „Dialogbereitschaft und Bürgernähe werden [zumindest] bei der Veranstaltung groß geschrieben.“ − Wie dem auch sei: Wenigstens laut Ankündigung werden im Invalidenpark dem Fahrrad gleich zwei Programmpunkte gewidmet: der ADFC „informiert neben seinen zahlreichen touristischen und verkehrspolitischen Angeboten vor allem über Verkehrssicherheit“ und das Ministerium über die Aufgaben des Bundes beim Radverkehr.

Dabei dürfte es auch um das Programm des Nationalen Radverkehrsplanes gehen, aus dem in Berlin seit Monatsbeginn, wie schon berichtet, die Anlage eines Radwegs entlang des Teltow- und schon seit Mai auch des Oranienburger Kanals finanziert wird; beim ersten zu Dreivierteln, beim zweiten gar zu 100 Prozent. Mit Sicherheit handelt es sich bei beiden Wasserstraßen um solche, die auf Grund z.B. von Güterverkehr auch einen landseitigen Betriebsweg erfordern, der sich dann auf Kosten des Bundes zum Radweg ausbauen lässt. Dies ist aber bekanntlich beim LWK (Klasse I) nicht der Fall, doch SenStadt braucht sich deshalb nicht mit dem Argument zurückzulehnen, der eigene Radwege-Titel im Landeshaushalt sei schon erschöpft. Fördermittel des Bundes stehen im Rahmen des genannten Programms nach wie vor bereit. Sie müssen freilich beantragt werden!

Senat soll bereitgestellte Bundesmittel endlich beantragen!

Den Senat in diesem Sinne zu ermuntern, rufen wir die Menschen schon seit geraumer Zeit auf, auch jene natürlich, mit denen wir während unserer freitäglichen Infotreffen (neuerdings auf der Kottbusserbrücke von 17:30 bis 19:30 Uhr) ins Gespräch kommen. Dass es schon Vorplanungen gebe, hat sich nach vielen Monaten des Raunens und Andeutens seitens Frau Mangold-Zatti, die für SenStadt Mitglied des Mediationsforums ist, ja gänzlich unvermutet als Windei entpuppt, doch gerade wegen dieses unsäglichen Hinhaltens auch auf anderen Feldern dürfen wir uns damit keinesfalls zufrieden geben, sondern fordern den Senat dazu auf, einerseits die Dringlichkeit von Ausbau und Sicherung einer solchen „City-Magistrale“ für eine klimaneutrale Mobilität einzusehen und die eigene Zuständigkeit anzuerkennen und andererseits die für solche Zwecke bereitstehenden Mittel endlich auch zu beantragen − oder uns zumindest mal die Gründe darzulegen, warum hier trotz des von Seiten der Bürger vielfach artikulierten Bedürfnisses kein Handlungsbedarf gesehen wird.

So oder so gibt’s mithin auch bei Senatens wachsenden Anlass, mit Blick auf eine ganzheitliche, zukunftsfähige Kanalsanierung „Dialogbereitschaft und Bürgernähe“ zu üben!

Erhebt Eure Einwände gegen die so genannte Nordumfahrung!

Sinnfällige Argumente gegen einen unsinnigen Straßenbau

BISF-Plakat

BISF-Plakat

Seit gut einer Woche liegen die Planunterlagen zur sog. Nordumfahrung im laufenden Planfeststellungsverfahrens nun auch für die BerlinerInnen aus, und zwar im Spandauer Naturschutz- und Grünflächenamt in der Carl-Schurz-Straße 8 (Raum 1103). Damit gibt es noch eine weitere Chance, diesen absurden Schnellstraßenbau mitten durch wertvolle Naturschutzflächen und Naherholungsgebiete zu verhindern, denn nicht nur die unmittelbaren AnwohnerInnen auf Brandenburger wie Berliner Seite sind berechtigt, ihre Einwände dagegen zu erheben, sondern auch alle BerlinerInnen, die dort wandern, baden, ihre Freizeit verbringen und auch weiterhin verbringen wollen! Die Pläne liegen noch bis zum 9. September aus, Einwendungen müssen bis zum 23. eingereicht werden, entweder direkt ans

Landesamt für Bauen und Verkehr
Dezernat 11 – Anhörungsbehörde
Lindenallee 51
15366 Hoppegarten

oder über die BI Schönes Falkensee. Die hat jeden Samstag bis zum 19.9. einen Infostand auf dem Marktplatz in Spandau (vor Jokers), sporadisch auch an anderen Stellen, doch dem Internet sei dank können wir Infomaterial, Textbausteine für Einwendungen und Unterschriftenlisten mit Sammeleinwendung auch von ihrer Website laden.

Die BaL e.V. sammeln auf ihrem freitäglichen Infotreff auf der Kottbusser Brücke von 17:30 bis 19:30 Uhr ebenfalls Unterschriften gegen die „Nordumfahrung“.

Vom sonntäglichen Aktionsspaziergang (16.8.)

Spektewiesen

Spektewiesen

Vergangenen Sonntag veranstaltete Regina Henke aus Reinickendorf einen weiteren Aktionsspaziergang gegen das Natur und Landschaft zerstörende Bauvorhaben, um nicht (nur) mit Plänen, Verkehrsprognosen und Statistiken, sondern augen- und sinnfällig zu zeigen, welche unschätzbaren Verluste hier drohen.

Ausgangspunkt Spektewiesen

Spektewiesen 03

Spektewiesen

Sieben TeilnehmerInnen haben sich an der Endhaltestelle des M 37 Ecke Freudstr./Golkäferweg eingefunden, und wir beginnen unsere Wanderung an den nahen Spektewiesen, einem von Wegen gesäumten, etwa 100 Hektar großen, Ende des letzten Jahrhunderts aus A&E-Mitteln der Deutschen Bahn renaturierten Grünzugs entlang der gleichnamigen Flachmoorniederung mit einer der wenigen unverbauten Wiesenlandschaften Berlins: Trocken-, Feucht- und Nassbiotopen samt wertvollen Übergangsbereichen wechseln mit ihrer je spezifischen Flora & Fauna auf relativ engem Raum einander ab.

Blauflügelige Ödlandschrecke02

Blauflügelige Ödlandschrecke © R.Henke

Vielfalt an Biotopen, Flora und Fauna

Rotwangenschildkröte

Ausgesetzte Rotwangenschildkröte

Laubsänger in den Ufergebüschen und die um Goldrute und Blutweiderich [Foto s.u.] summenden Insekten untersteichen noch die beeindruckende Stille. Auch Drosselrohrsänger brüten hier, verhalten sich jedoch um diese Jahreszeit still. In kleinen Pfuhlen des Feuchtgebiets Alter See dösen Blässrallen und Stockenten beim Froschkonzert; eine in Freiheit mächtig herangewachsene Rotwangenschildkröte sonnt sich derweil auf einem im Wasser liegenden Stamm.

Hainwachtelweizen

Hain-Wachtelweizen © R.Henke

In Trockenbereichen ist hier die Blauflügelige Ödlandschrecke, eine Rote-Listen-Art, keine Seltenheit. Zauneidechsen flitzen in Deckung, auch Ringelnattern sollen häufig sein. Am Wegesrand wächst der Hainwachtelweizen mit seinem auffälligen zweifarbigen Blütenstand, auf Trockenrasen Gras- und Heidenelke, doch die hier ebenfalls vorkommende Sand-Strohblume können wir nicht finden. − Großen blaugrün-mettalic schillernden Rosenkäfern auf dem Weg werden RadlerInnen zum Verhängnis, wie überhaupt uns FußgängerInnen in solcher Umgebung auffällt, dass auch Radfahren so völlig emissionsfrei gar nicht ist.

Haltlose Schreibtisch-Argumente

Laubwald

Weg durch Laubwald

Vor einem BISF-Plakat am Gartenzaun eines Siedlungshauses [s.o.] verdeutlicht Regina die Haltlosigkeit einiger verkehrsbezogener Argumente der Straßenplaner (solche Plakate werden wir übrigens an den Einfriedungen der Villen entlang des Falkenhagener Seeufers vergeblich suchen, wiewohl doch auch deren exklusive Lage einiges an Reiz einbüßen muss): Die Gartenstadt Falkenhöhe wird jedenfalls mitnichten umfahren, sondern vielmehr durch die Piste vom südlichen Falkenhagener See getrennt. Die Einkaufsfahrten der SpandauerInnen nach Falkensee werden gewiss nicht über die „Umfahrung“, sondern wie bisher über die Falkenseer Chausee führen, die somit in keiner Weise entlastet wird. Im Gegenteil: Schwerlastverkehr, der die mautpflichtige Autobahn nun meiden kann, würde tags und nachts zunehmen. − Doch selbst wenn es denn zu den höchst unwahrscheinlichen Entlastungen käme: der Preis an Verlärmung und Zerschneidung wertvollster Natur und beliebter Naherholungsgebiete stünde dazu in keinem irgendwie zu rechtfertigenden Verhältnis!

Überzeugen durch Zeigen

Tafel Lebensraum Baum 02

Tafel Lebensraum Baum

Um dies aber sinnlich unmittelbar zu erfassen, genügt eine solche Wanderung durchs betroffene Gebiet. Auf dem Weg von den Spektewiesen zum Falkenhagener See würde eine acht Meter breite Schnellstraße zum nervtötenden Hindernis, für die Amphibien während ihrer Wanderungszeit jedoch zu einer weiteren letalen Barriere. Dabei befinden wir uns in einem Landschaftsschutzgebiet und sehen, was dieser Schutzstatus wert ist. Entlang des Seeufers klärt ein Naturlehrpfad mit liebevoll gestalteten Tafeln über den Artenbesatz von Stillgewässern, den Baum als Lebensmittelpunkt eines breiten Spektrums von Tier- und Pflanzenarten oder über Besonderheiten wie die Totholzhecke auf und mahnen, die Brutgewässer nicht als Hundebadestellen zu missbrauchen.

Macht nicht kaputt, was Euch ganz machen kann!

Biotopbaum

Biotop-Baum

Alte bruchgefährdete Eichen werden nicht einfach aus Verkehrsicherungsgründen umgehauen, sondern mit Warntafel versehen und umzäunt, denn so genanntes Tot- oder Biotopholz ist, mal von den Höhlenbrütern und Fledermäusen abgesehen, auch ein Eldorado für eine kaum zu überschauende Vielzahl anderer, immer seltener werdenden Lebensformen bis hin zu Pilzen, Moosen und Flechten. − Entsprechend bleibt im nahen Spandauer Forst mit dem unter Naturschutz stehenden, als FFH-Gebiet ausgewiesenen Feuchtgebiet Große Kuhlake, alles Biotopholz liegen.

Hier umfängt uns wohlige Kühle, während auf den ausgedehnten, landwirtschatlich genutzten Teufelsbruchwiesen die Sonne nur so auf uns hernieder brezelt. Doch in einer Hecke thront ein Neuntöter auf seiner Warte, Feldsperlinge schwirren umher, eine Feldlerche steigt auf (ohne zu jubilieren), und am Himmel gewahren wir einen maunzenden Mäusebussard, dann eine Rohrweihe, die ein Turmfalke zu verhassen sucht. − Die westlich angrenzenden Reiherwiesen in Eiskeller sollen ebenfalls von der Trasse tranchiert werden.

Schaut’s Euch an!

Blutweiderich

Blutweiderich

Auch nächsten Sonntag will Regina Henke wieder einen solchen Spaziergang unternehmen [siehe auch einige ihrer Wegbeschreibungen hier oder hier], also am

23. August, 10:00 Uhr
Treffpunkt:
Endhaltestelle des M37

(Freudstraße/Goldkäferweg)
[Details siehe hier]

Erste Anmeldungen sind schon eingetroffen unter

Regina.Henke[at]t-online.de.

Wenn hinlänglich bekannte Argumente, wonach Tag für Tag nach wie vor über 100 Hektar Fläche in unserm Land „verbraucht“ werden, auch wenn es bereits von 230.000 km Straße gerastert wird,  nicht „ziehen“: Solch praktische Überzeugungsarbeit dürfte bei den Teilnehmenden die nachhaltigste sein.

Teufelbruchwiesen

Teufelsbruchwiesen in den Hundstagen

Hier geht’s zur Foto-Galerie (‚Diashow‘ anklicken)…

Vorwärts zur 2. Bausaison am Landwehrkanal!

Der nächste Herbst kommt bestimmt

Am LWK rückt der Beginn der Bauphase II mit ihren fünf Hauptprojekten näher: Die Ausschreibungsunterlagen für die Fortsetzung der Verspundung am Corneliusufer in Mitte (Abschnitt 1), deren Leistungsbeschreibung das Verpressen mit integrierter Bohrhilfe (Crush Piling) vorsieht, soll in der kommenden Woche veröffentlicht werden; am Tempelhofer Ufer in Kreuzberg (Abschnitte 4 + 6) würden die Vorbereitungen der Firma Mette Wasserbau planmäßig laufen [mehr dazu unten!*], und auch am Maybachufer (Riedel-Angeleger Kottbusser Brücke), wo nächste Woche die letzten beiden Drucksondierungen zum Baugrundaufschluss erfolgen sollen, liege alles im Zeitrahmen: Die Kampfmittelräumung (KMR) sei ausgeschrieben, werde vier bis fünf Wochen in Anspruch nehmen, dürfe aber erst unmittelbar vor Baubeginn durchgeführt werden, weil −, ja weil sonst wieder Munition angeschwemmt werden könne.

Diese Aussage Tassilo Hennigers, Technischer Sachbearbeiter SB II, muss doch sehr verwundern, denn wir haben nicht gehört, dass am Cornelius- und Tempelhofer Ufer, wo seit der KMR immerhin schon ein Jahr ins Land gegangen ist, nun eine neue für nötig befunden würde. Nach unserm Dafürhalten kann sie mithin am Riedel-Anleger sofort nach Auftragserteilung erfolgen und sollte es auch aus folgendem Grund:

Erprobung des Crush Pilers nicht verzögern!

Denn was das fünfte Projekt betrifft, nämlich die Erprobung des Crush Pilers der Fa. GIKEN auf der nun wohl endgültig auf nur 50 Meter zusammengeschmolzenen Teststrecke am Paul-Lincke-Ufer (Höhe Bouleplatz), die von Anbeginn gegenüber den anderen Vorhaben immer weiter „nach hinten“ und in den Winter verschoben werden sollte, hatten die BürgervertreterInnen durchgesetzt und dafür zumindest mündliche Zusagen bekommen, dass die Arbeiten dort ebenfalls am 2. November beginnen. − Doch wenn nun die KMR am Riedel-Anleger angeblich erst fünf Wochen vor Baubeginn erfolgen darf, müsste sich die Arbeit an der Teststrecke zwangsläufig, aber eben nach unserer Meinung sachlich unbegründet, verzögern.

Ein Vorschlag zum Timing

Demgegenüber könnten die Druck- und Tiefensondierungen sofort nach ihrem Abschluss am Riedel-Anleger an der Teststrecke Paul-Lincke-Ufer fortgesetzt werden, also ab der 35. KW, gleichzeitig die KMR am Anleger erfolgen und danach entlang der Teststrecke weitergeführt werden. Dann aber wären beide Abschnitte − Anleger wie Teststrecke − zum geplanten Baubeginn am 2.11. vorbereitet.

Die Arbeitsdauer an der Teststrecke ist mit ca. zwei Wochen zu veranschlagen. Am 16.11. könnte diese Baustelle also abgeschlossen und beräumt sein und kein Hindernis mehr für die anderen Baustellen bilden, ja wäre wahrscheinlich fertig, noch ehe an den anderen so richtig begonnen wurde.

Das Entscheidende bei diesem Vorgehen aber wäre: Alle Beteiligten hätten einen wichtigen Erkenntnisgewinn!

Forumsbeschlüsse umsetzen!

Und noch etwas fordert unseren Einspruch: So als hätte es diesbezüglich keine Kontroversen und in der Konsequenz einen entsprechenden Forumsbeschluss gegeben, heißt es von Seiten des WSA: „Zur qualifizierten Evaluierung [des Crush-Piler-Tests am Paul-Lincke-Ufer] wird die BAW eingebunden.“ Auf Nachfrage wurde erklärt, das WSA betrachte eben die BAW als unabhängig. Wir haben wiederholt Erfahrungen gemacht, die uns hieran zweifeln lassen, und können vor allem angesichts der z.T. regelrecht an den Haaren herbeigezogenen Begründungen, womit eine Erprobung der GIKEN-Technologie gerade von Seiten der BAW-Vertreter vereitelt werden sollte, nicht hinnehmen, dass angesichts des Beschlusses in der 17. Forumssitzung vom 6. Juli, der da lautet: „Zur Evaluierung der so gesammelten Erkenntnisse wird seitens des WSA Berlin ein unabhängiger Gutachter in Vorbereitung, Durchführung und Auswertung einbezogen“, nun die BAW dieser unabhängige Gutachter sein soll. Der zitierte Beschluss sollte dies nämlich ausdrücklich verhindern. − Gleich ein Fall für Frau Dr. Ernst?

*Mette messen!

Mit Genugtuung haben wir im jüngsten WSA-Newsletter gelesen, dass bei den weiteren Baumaßnahmen am LWK die Fa. KSG gemäß Paragraph 3 der Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen (BaustellV) den Sicherheits- und Gesundheitsschutz (SiGeKo) koordinieren und die Einhaltung der getroffenen Maßnahmen überprüfen soll.

Besonders im Hinblick auf das weitere Wirken der Fa. Mette z.B. am Tempelhofer Ufer (Abschnitte 4 + 6) sehen BI/Verein BaL e.V. in dieser Hinsicht eine begleitende Validierung für unbedingt erforderlich, nämlich die Beauftragung von Messungen von Schadstoffemissionen wie Dieselruß und Feinstaub. Hier geht es nämlich vor allem auch um den Gesundheitsschutz der betroffenen Mitarbeiter. − Und wenn hierzu amtlicherseits keine Notwendigkeit gesehen wird, würden wir solche Messungen nötigenfalls auch selber beauftragen.

Die neue Arbeitsgruppe LWK und ihre Leiterin

Eine Sondersitzung

Mitten in Urlaubszeit und Sommerloch lud Mediator Kessen auf Veranlassung der WSD Ost zu einer außerordentlichen Plenarsitzung ins WSA. Und womit wohl niemand bei diesen Temperaturen gerechnet hatte: alle oder doch nahezu alle Forumsmitglieder eilten herbei!

Als einziger Tagesordnungspunkt war die Präsentation der neuen Projektstruktur angesetzt, die sich die WSV inzwischen gegeben hat, um die komplexe Aufgabe einer nachhaltigen Sanierung des LWK besser zu meistern als es − nach freimütigem Eingeständnis des WSD-Regionalleiters Tjark Hildebrandt − in der Vergangenheit der Fall gewesen sei. Vor allem aber ging es um die Vorstellung der Leiterin der neuen Arbeitsgruppe Landwehrkanal, die sich ausschließlich dieser komplexen Aufgabe widmen soll: Frau Dr. Annette Ernst.

Gründe einer außergewöhnlichen Umstrukturierung

In seiner Einführung begründete Hildebrandt diese für eine Bundesbehörde im Hinblick auf ein einzelnes Vorhaben außergewöhnliche Umstrukturierung damit, dass zu den regulären Unterhaltungsaufgaben des WSA zusätzliche und „ungewohnte“ Aufgaben wie die Teilnahme am immer komplexeren Mediationsverfahren getreten seien, die mit einem hohen öffentlichen Interesse einhergingen. Angesichts dessen sei die Behörde nicht optimal aufgestellt gewesen: So hätten wechselnde Personen zu denselben Sachverhalten jeweils verschiedene Aussagen getroffen, man habe aneinander vorbei agiert, so dass es sogar wieder zu unabgestimmten Fällmaßnahmen gekommen sei.

Schließlich habe man sich gesagt: „So geht’s nicht weiter! Wir brauchen eine bessere Struktur, um innerhalb des Mediationsverfahrens für die Bürger ein verlässlicher Partner zu sein und auch unsere Außendarstellung zu optimieren. Unsere Arbeit muss vorangehen und zugleich transparent sein.“ Fürwahr eine überfällige Erkenntnis.

Hauptsächliche Unzulänglichkeit der inzwischen aufgelösten Projektgruppe LWK sei der Umstand gewesen, dass deren MitarbeiterInnen zugleich weiterhin mit ihren angestammten Aufgaben betraut gewesen seien. Dies sei bei der neuen AG nun nicht mehr der Fall: Ihre Mitglieder − und vor allem die Leiterin, Frau Dr. Ernst −, würden sich ausschließlich der Sanierung des LWK widmen, genauer: einer möglichst genauen Umsetzung der jeweiligen Forumsbeschlüsse. (Über die inzwischen aufgelöste Projektgruppe LWK hörten wir seinerzeit freilich genau dasselbe.)

Ein Bewerbungsgespräch

Annette Ernst, ein „Import“ aus dem zur WSD Nord gehörenden WSA Stralsund, aus Babelsberg gebürtig, an der Uni Greifswald in Geologie promoviert, betonte sogleich und immer wieder, wie gerne sie diese anspruchsvolle Herausforderung annehme und machte in einer Art Bewerbungsgespräch deutlich, dass sie besonders im Hinblick auf ökologische Fragestellungen hervorragend qualifiziert sei: angefangen damit, dass sie übers Disseminationsverhalten, und zwar Schadstoffe indizierende Wirkung tonhaltiger Schwebstoffe im Hamburger Hafenbecken forschte, ihre Dissertation also über ökologische Aspekte der Mineralogie schrieb; sich anschließend in ihrer Tätigkeit für die WSV
mit vielerlei naturwissenschaftlichen Fragestellungen, aber auch mit ökologischen Belangen im Rahmen von Planfeststellungsverfahren beschäftigte und dabei sowohl Landschaftspflegerische Begleitpläne als auch Umweltverträglichkeitsstudien auf den Weg brachte; des weiteren die Umsetzung wesentlicher Ausgleichsmaßnahmen begleitete und nicht zuletzt den Dialog zwischen Wasserbauern, Umwelt- und Naturschutzfachleuten sowie den betroffenen AnwohnerInnen vermittelte.

Mit der Umsetzung der europäischen FFH– oder WRRL sei sie sehr gut vertraut. Das nötige ingenieurtechnische, wasserwirtschaftliche wie verwaltungsrechtliche Fachwissen habe sie sich durch alle Arten berufsbegleitender Fort- und Weiterbildung angeeignet und dies alles auch noch mit einer mutterschaftsbedingten Auszeit zu vereinbaren gewusst. Während Urlaubs- und Krankheitsvertretung ihrer Vorgesetzten habe sie mit Erfolg auch Leitungsfunktionen innegehabt und Führungsverantwortung übernommen −, kurz: für diesen schwierigen Job, um den sich die BewerberInnen vielleicht nicht unbedingt gerissen haben werden, wurde offenbar eine moderne Powerfrau gewonnen!

Die Kunde von der komplizierten Problematik der LWK-Sanierung sei bis nach Stralsund gedrungen, verriet Frau Ernst, und als sie unversehens einen Anruf des Personalchefs erhielt, ob sie sich diese Aufgabe zutraue, habe sie sich nach kurzer Bedenkzeit entschlossen, den Berliner KollegInnen den LWK „abzunehmen“ und Ja gesagt. Dieses wunderbare grüne Band durch die Berliner Innenstadt so gut wie nur möglich zu erhalten, wolle sie ihre ganze Kraft einsetzen! Als sich angesichts von so viel Enthusiasmus erwartungsgemäß allerhand kritische Fragen vor allem auf Seiten der BürgervertreterInnen regten, bat Frau Ernst immer wieder darum, ihr erst einmal eine Chance zu geben, abzuwarten, sie machen zu lassen!

Abwarten

Was das Warten angeht, wird uns zunächst gar nichts anderes übrig bleiben, denn die Arbeitsgruppe − der Name „Projektgruppe“ wurde laut Amtsleiter Scholz deshalb fallengelassen, weil er zu temporär-kurzfristig klinge, während „Arbeitsgruppe“ das Dauerhafte, die ganze LWK-Sanierung Begleitende, besser treffe − diese Arbeitsgruppe also, die Frau Ernst leiten soll, hat drei Abteilungen und sogar eine „Geschäftsstelle“, doch nur die Abteilung „Öffentlichkeitsarbeit“ ist bislang besetzt, nämlich mit der bereits seit rund zwei Jahren mit dieser Aufgabe sehr erfolgreich betrauten Evelyn Maria Bodenmeier. Mensch könnte auf den Gedanken verfallen, diese Abteilung sei gewissermaßen die Keimzelle der ganzen AG. Aber warten wir’s ab.

Drei Viertel der Stellen sind noch vakant. Im Rahmen eines Interessenbekundungsverfahren, das aus verwaltungsrechtlichen Gründen − und anders als bei Besetzung der Führungsposition − auf den Personal-Pool des WSA Berlin beschränkt bleiben muss, werden für die „Fachlich-technische Steuerung“ vier MitarbeiterInnen gesucht und jeweils eineR für „Controlling“ und die besagte „Geschäftsstelle“. Bundesweit dürfte es aber in der WSV einige fähige MitarbeiterInnen geben, die sich bei der Umsetzung ökologisch anspruchsvoller Projekte unter öffentlicher Partizipation bereits Verdienste erworben haben, also in dieser Richtung nicht einen so erheblichen Nachholbedarf bei gleichzeitigen Lernschwierigkeiten aufweisen, wie er uns bei den MitarbeiterInnen des WSA Berlin leider nicht selten begegnet ist und wovon sich Frau Ernst, die bei der Besetzung der sechs noch vakanten Stellen ein gewichtiges Wort mitreden soll, trotz fleißigem Studium sämtlicher Sitzungsprotokolle schwerlich schon einen Begriff machen konnte. Und dass den BewerberInnen materielle Anreize (womöglich in Form einer Bürgerbeteiligungszulage?) winken, kann dies natürlich nicht kompensieren.

Wir dürfen also weiterhin gespannt sein, in welcher personellen Gestalt sich die AG LWK demnächst materialisiert und müssen darauf bestehen, dass es dazu noch einen Teil II dieser Forumssitzung gibt, denn wir möchten den neuen Anlauf zur Transparenz unbedingt auch im Hinblick auf die anderen MitarbeiterInnen ernst nehmen und etwas über ihre Qualifikation und Kompetenz in nachhaltiger Planung unter dafür unabdingbarer Bürgerbeteiligung erfahren.

Organisations- und Kommunikationschart

Schon am Organigramm fällt allerdings auf, in welch hohem Maße der ganze Fokus auf der AG-Leiterin liegen soll. Und entsprechend betonte Amtsleiter Scholz immer wieder, dass von Stund an Frau Ernst die „Hauptschnittstelle“ zwischen dem Beschlussgremium Mediationsforum und der praktischen Umsetzung seiner Beschlüsse vor Ort sei; dass sie nun alle bisherigen Vorarbeiten der bereits beschlossenen Einzelprojekte bündele; dass alles bei ihr abgeladen werden könne und solle usw. Wir konnten zumindest in effigie durchsetzen (indem der dicke rote Pfeil zwischen Mediationsforum und AG nun in beide Richtungen weist), dass es eine „Rückkopplung“ im Sinne einer Berichts- und Rechenschaftspflicht gibt, was die praktische Umsetzung der Forumsbeschlüsse und -empfehlungen vor Ort, die konkrete Ausführung und evtl. erforderlich werdenden Modifikationen betrifft.

Organigramm AG LWK

Organigramm Arbeitsgruppe Landwehrkanal ©WSA-B

Absicherung, Austausch und Unterstützung erfährt Frau Ernst einerseits von einem „Lenkungsausschuss“, worin auch VertreterInnen der WSD sitzen und bei Bedarf personelle und materielle Ressourcen zur Verfügung stellen, andererseits vom WSA Berlin, das sich plötzlich auch ober- und außerhalb der neuen Arbeitsgruppe befindet, während seine drei Sachbereiche und der Außenbezirk Neukölln die mit dem LWK verbundenen „Arbeitspakete“ von unten in die AG hineinreichen. Überall lesen wir „enger Austausch“, „Unterstützung“, „enge Abstimmung“.

Wir wollen eine Graphik auch nicht überinterpretieren, aber unseren Eindruck festhalten, dass diese AG LWK sich gewissermaßen vor das WSA, seinen Leiter und das übrige (leitende) Personal, schieben soll, als ginge es darum, es in einer Art inneren Outsourcings vom leidigen, allzu politischen Komplex LWK zu entlasten und vom öffentlichen Fall out evtentuelller Fehlschläge und Misserfolge zu schützen. Wir hoffen, dass es zu diesen nicht kommt und freuen uns, wenn unser Eindruck trügt!

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