Gleisdreieck-Ostpark kurz vor Fertigstellung

Beispiel, wie Bürgerbeteiligung nicht aussehen darf

Den 3. September schon mal vormerken!

Am  Tag des diesjährigen Hornstraßenfests soll’s auf dem Gleisdreieck soweit sein: Nachdem sie am Vortag (Freitag,2.9., 16 Uhr) PressevertreterInnen informiert und rumgeführt hat, will Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer am folgenden Samstag den Ostpark auf dem Gelände des ehemaligen Anhalter Güterbahnhofs feierlich seinen NutzerInnen übergeben.

Zur Komposition dieser „Geste“, mit der dieser denkwürdige Akt gebührend vollzogen werden soll, und der sonstigen Inszenierung dieses von den AnwohnerInnen buchstäblich seit Jahrzehnten herbeigesehnten Moments hat die Verwaltung, wie könnte es anders sein, ein privates Unternehmen angeheuert, jedoch mit recht schmalem Budget ausgestattet.

Baumtopf

Baumtopf vor ehem. Verladehalle, Gleisdreieck-Ostpark

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Magische Orte der Kontemplation?

Zur weiteren Überarbeitung der Westpark-Planung

Winterliche Ortsbegehung

Unsere Kritik der Schieflage zwischen institutionalisierter oder formeller (Quartiersmanagement und -räte) und informeller BürgerInnenbeteiligung (BIs) am Beispiel der Gleisdreieckwestpark-Planung vermöge der unterschiedlichen materiellen Ressourcen und auch Interessenlagen (Schaffung von Sportflächen im Rahmen des Konzepts der „Sozialen Stadt“) hat erwartungsgemäß einigen Widerspruch provoziert [Kommentar]. Uns wurde gar unterstellt, wir hätten von einer direkten Bezahlung der Quartiersräte gesprochen bzw. bewusst den Anschein, dass es so sei, aufkommen lassen, und unsere gegenteiligen Versicherungen weggewischt.

Am gestrigen Dienstag (21.12.) nun tagte die PAG zum „Schwerpunkt-„, sprich: strittigem Thema des Pilotprojekts „Gärten im Garten“, womit nicht nur die zu begrüßende Integration der glücklicherweise erretteten Kleingartenkolonie POG konkret ausgestaltet, sondern auch die sehr kontrovers diskutierte Lage, Ausdehnung, Beschaffenheit und Funktion des sog. Marktplatzes sowie die Durchwegung der „Oefelein-Bauten“ in Richtung Nelly-Sachs-Park verhandelt werden sollte.

Zwischen U1 und Landwehrkanal

Beräumung des Westparks zwischen U1 und Landwehrkanal

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Viertes und „abschließendes“ Werkstattgespräch zum Nord-Süd-Grünzug?

BürgerInnen fordern Beginn echter Beteiligung

Zum hoheitlich von der Bezirksverwaltung Tempelhof-Schöneberg verkündeten Abschluss der sogenannten Werkstattgespräche [siehe unserer Berichte zu den vorangegangenen hier, hier und dort] war der „Goldene Saal“ im Rathaus Schöneberg letzten Donnerstag (18.11.) erneut wohlgefüllt, wobei freilich wiederum weniger als die Hälfte der rund sechzig Anwesenden „einfache“ BürgerInnen waren. PlanerInnen, Bezirksverordnete und auch etliche Senatsangehörige saßen im Publikum, aber nur eine Mitarbeiterin von der senatseigenen Grün Berlin beteiligte sich an den Diskussionen.

4. Werkstattgespräch

4. "abschließendes" Werkstattgespräch zum Nord-Süd-Grünzug am 18.11.10

Die VertreterInnen von Bezirksamt, Grün Berlin GmbH und den Planungsbüros Atelier Loidl und Thomanek Duquesnoy Boemans (TDB) freuten sich über die vielen bekannten Gesichter, und auch optisch hatte sich ein Kreis geschlossen, indem zur Sitzordnung der Auftaktveranstaltung − Publikum vorm Podium − zurückgekehrt worden war: ein der vorhergehenden Veranstaltung geschuldeter Zufall, wie sich Moderatorin Pütz zu versichern beeilte. − Da sich die Art der Dokumentation, mit der die gute Moderation eines Partizipationsprozesses steht und fällt, nur unwesentlich verbessert hat, versteht sich das folgende denn (auch) als eine aus kritischer BürgerInnensicht kommentierte Dokumentation. [Die Präsentationen finden sich am Schluss des Beitrags. Fotos zum Vergrößern anklicken.]

Die nächste Gelegenheit, sich in die aktuellen Planungen einzubringen, bietet sich am kommenden Donnerstag, 25.11., wenn die BI Eylauer Str. im Viktoriakiez um 18:30 Uhr zur Informationsveranstaltung über die Auswirkungen des geplanten Bauvorhabens zwischen Monumenten- und Kolonnenstraße (B-Plan 7-1) in die Aula der Norbert-Blum-Schule in der Kolonnenstraße 21 einlädt. — Also kommt zuhauf!

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Flaschenhals-Park statt Bahnbrache?

Vom 2. Werkstattgespräch „Stadtumbau Südkreuz“

Das Werkstattgespräch zur Gestaltung des „Parks auf dem Flaschenhals“, der Bahnbrache südlich des Gleisdreiecks und der Yorkbrücken zwischen Kreuzberg- und Bautzener Straße in Tempelhof-Schöneberg, das bereits vorvorigen Donnerstag (24.6.) im Goldenen Saal des Schöneberger Rathauses stattfand, erfreute sich (trotz Fußball) ansehnlichen Zulaufs, dazu einer externen Moderation – Frau Pütz von der planungsgruppe 4 – und kam im Unterschied zur Auftaktveranstaltung am 22.4. ohne das Arrangement Podium vs. Publikum aus. Frontal blieb es dennoch, die Stuhlreihen waren im Halbrund vor der Leinwand aufgestellt, und erst nach einer Weile gewahrte man die VertreterInnen von Bezirk und Senat, Planungsbüros und Politik im Auditorium.

2. Werkstattgespräch

2. Werkstattgespräch

Struktur und Tagesordnung bleiben unverändert

Angesichts der Komplexität des Vorhabens und im Interesse einer substantielleren Diskussion von BürgerInnen wie anwesenden Bezirksverordeten gemachte Vorschläge zur Konstituierung begleitender und öfter tagender Arbeitsgruppen wies der Amtsleiter Planung und Denkmalschutz des Bezirks, Siegmund Kroll, mit der Begründung zurück, dass dann die „selbsternannten“ Mitglieder dieser AG das Interessenspektrum nur noch unzureichend repräsentieren würden −, ein in letzter Zeit immer öfter auftauchendes Argument.

Die 46. Sitzung der Projektbegleitenden Arbeitsgruppe zum Westpark, so berichtete eine Teilnehmerin und Vertreterin der Anwohnerinitiative Flaschenhals (AIF), habe u.a. doch auch diesen Fortschritt gebracht, dass in den Planungsentwurf nunmehr endlich eine Verbindung zwischen Bautzener Straße und Westpark über die Yorkbrücke Nr. 5 aufgenommen worden sei, doch auch ihr Vorschlag, deshalb das Gebiet jenseits der Fernbahntrasse − die sog. Bautzener Brache − nicht erst im Zusammenhang mit der Schöneberger Schleife zu diskutieren, sondern schon jetzt auf die Tagesordnung zu setzen, insofern es ein integraler Bestandteil der Grünanlage sei und als planfestgestelltes Bahngelände und Außenbereich gar nicht bebaut werden dürfe, wurde abgelehnt.

Gerade weil der Planungsgegenstand sehr komplex sei, so insistierte Moderatorin Pütz, habe man die unterschiedliche Schwerpunktsetzung vorgenommen, um die Themen in getrennten Veranstaltungen behandeln zu können.

Eingänge, Wege, Vegetation

Nach einführenden Worten vom Tempelhof-Schöneberger Baustadtrat, Bernd Krömer, stellte Eva Mühlbauer noch einmal in komprimierter Form den Entwurf des Atelier Loidl vor, denn etwa die Hälfte der Versammelten hatte die Auftaktveranstaltung versäumt. In diesen Entwurf fanden sich auch schon einige Anregungen aus dem ersten Werkstattgespräch eingearbeitet: z. B. die weniger gradlinige, nicht mehr abknickende, sondern sich jetzt besser den Bahntrassen anschmiegende Wegeführung sowie die Erweiterung der asphaltierten Radwege um die gewünschte „langsame“ Mulch-Spur zum Spazieren und Joggen.

Zu den drei Themenkomplexen Eingangssituation − Durchwegung − Vegetationskonzept machte Frau Mühlbauer alternative Vorschläge mit jeweiliger Vorgabe einiger Gründe pro & contra. Die Argumente aus dem Publikum wurden zwar auf Karten notiert und an eine Tafel gepinnt, waren aber so klein beschrieben, dass sie schon aus der ersten Reihe nicht zu lesen waren. Es war also für die BürgerInnen schwer kontrollierbar, ob und wie ihre Vorschläge aufgenommen wurden.

Eingänge

Flaschhals-Durchwegung

Flaschhals-Eingänge

Vorausgeschickt sei, dass an der breiten Stelle des „Flaschenhalses“, also an seinem nördlichen Rand, oberhalb der Böschung entlang der Yorkstraße und ungefähr vis-à-vis des [völlig kahlgeschlagenen] Eingangs zum Gleisdreieck-Park einst eine Fettgasanlage gestanden habe, weshalb auf einer Fläche von zweitausend Quadratmeter der Boden bis in eine Tiefe von 6,50 Meter kontaminiert sei und abgebaggert werden müsse, natürlich samt der inzwischen aufgewachsenen Ruderalvegetation, damit das Gelände öffentlich zugänglich gemacht werden könne.

Zwei Vorschläge für einen behindertengerechten Zugang von der Yorckstraße aus hat Loidl erarbeitet: 1) eine langgezogene Rampe mit Zwischenpodesten und nur einer Kehre, die das Gelände zur Straße hin großzügig erschließt und in einer spiegelbildlichen „Geste“ die Gleichrangigkeit der einander gegenüberliegenden Parkanlagen sinnfällig macht; und 2) eine mit mehreren Kehren den Niveauunterschied in einem Zick-Zack-Verlauf auf relativ engem Raum überbrückende Rampe.

Eingangsvariante Yorkstraße 01

Eingangsvariante Yorkstraße 01

Vorteile seien bei Variante 1 die höhere Nutzerfreundlichkeit der nur durch einen einzigen Richtungswechsel unterbrochenen Gradlinigkeit, die deshalb vor allem Radlern die geschätzte Möglichkeit gebe, vor Auf- bzw. Abfahrt das Ziel schon in den Blick zu nehmen, aber auch Rollstuhlfahrern und Eltern mit Kinderwagen eine angenehmere Benutzung erlaube. − Schließlich gäbe es Einblick in den Park von der Straße her und Ausblick auf ebendiese aus Richtung Park.

Hauptnachteil von 1 aber sei der tiefere Eingriff in Gelände und Vegetationsbestand des Parks infolge Abflachens der Böschung, Baumfällungen, Rodung des dortigen Fliedergebüschs etc.

Genau hier liegt aber der Vorteil von Variante 2, dass nämlich der Eingangsbereich noch außerhalb des eigentlichen Parks mit seiner wertvollen Ruderalvegetation verbleibt und für die Anlage der Rampe das ohnehin kontaminierte und zu beräumende Gelände der ehemaligen Fettgasanlage zur Verfügung steht, mithin der Eingriff in Natur und Landschaft viel geringer ausfällt.

Der Hauptnachteil von 2 sei die geringere Nutzungsfreundlichkeit der Rampe, ihre häufigen Kehren und Richtungswechsel.

Für und Wider

Eingangsvariante 02

Eingangsvariante 02

Während sich ältere Menschen und ein anwesender Behindertenvertreter unter Betonung der genannten Vorzüge spontan für Variante 1 aussprachen, gaben andere zu bedenken, dass es durchaus keiner Spiegelbildlichkeit beider Eingänge bedürfe, die entsprechende „Geste“ vielmehr völlig verfehlt sei, indem es sich beim Westpark [zumindest nach den Vorstellungen der PlanerInnen] und de facto auch beim Ostpark um den „nutzbaren Aktivitäts- und Freizeitpark“ handele, wogegen beim Flaschenhalspark doch gerade eine naturnahe Gestaltung erstrebt werde − und es sich dabei um den einzig verbliebenen Überrest der ausgedehnten Bahnbrache mit ihrem einzigartigen Charakter und immensen Artenreichtum handelt, müssen wir gleich ergänzen. − Zu bedenken seien auch die erheblichen Lärm- und Abgasemissionen der vielbefahrenen Yorkstraße, die das Entfernen der Baum- und Vegetationsbarriere, großräumige Abflachen der hohen Böschung und Herstellen von Sichtbeziehungen höchst zweifelhaft erscheinen ließen.

Ein Vertreter der Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck (AGG) berichtete von der Ruine eines Lokschuppens bzw. den pittoresk überwucherten „Speichen“ einer Drehscheibe, die Touristen bei dorthin unternommenen Stadtführungen regelmäßig sehr beeindrucke und ein Erlebnis besonderer Qualität verschaffe, indem sie inmitten eines Stadtwalds unversehens des Umstands innewerden, sich auf den Überresten eines einst riesigen Bahnhofs zu befinden.

Die These eines Vertreters der Fahrradlobby (ADFC), wegen der vielen Kurven und der Unmöglichkeit, den Ein- bzw. Ausgang schnell zu befahren, könne viele Radler veranlassen, doch wieder mit dem Pkw zum Park zu fahren, wurde als völlig abwegig und absurd zurückgewiesen: Gerade in einem naturnahen Park sei schnelles Hindurchrasen denkbar unangebracht und im Gegenteil zumutbar, ja wünschenswert, das RadlerInnen hier auch mal absteigen und ihr Gefährt schieben! Das durch möglichst gradlinige Rampen- und Wegeführung ermunterte Schnellfahren hingegen gefährde Fußgänger- und RollstuhlfahrerInnen sowie Familien mit kleinen Kindern. − Außerdem gibt es eine Radwegverbindung zum Ostpark über die Yorkbrücke Nr. 10.

Der geplante barrierefreie Zugang vom „Stadtbalkon“ an der Kreuzbergstraße, so Frau Mühlbauer weiter, sei nur behindertenfreundlich, nicht behindertengerecht, da die Rampe, um nicht gar so viel Gelände zu beanspruchen, statt sechs Prozent Gefälle fünfzehn aufweise. Die Einrichtung eines Aufzugs sei vor allem wegen des Unterhaltungs- und Wartungsaufwand zu kostspielig, ebenso der vorgeschlagene Bau einer Brücke von dieser Stelle über die Fernbahn hinweg bis zur Bautzener/Großgörschenstraße.

Als dritter Eingang soll von der Monumentenbrücke herab eine einfach gewendete Rampe zuzüglich einer Treppe führen. Die Frage, ob es auch auf die Dudenstraße hinauf Rampen geben werde, wurde mit dem Hinweis, dass es sich beim dafür nötigen Gelände um Privatgrund handele, verneint. Im Übrigen habe der Bezirk Tempelhof-Schöneberg für das Gebiet südlich der Monumentenbrücke den B-Plan 7-1 aufgestellt, der seit dem 26.6. bis zum 9.7.10 im Rathaus Schöneberg (Raum 3046) ausliege.

Wegeführung

Flaschhals-Durchwegung

Flaschhals-Durchwegung

Die Wege − Yorkpromenade entlang der Yorkstraße (3,50 m + 3,90 m), der überregionale beleuchtete Radwanderweg Berlin − Leipzig (3,90 m Asphalt + 1,50 m wassergebunden); die Wege an der östlichen Waldkante und entlang des Museumsgleises (ebenfalls je 3,90 m) sowie der Pfad durch den Stadtwald (1,40 m breit), wurden als zu zahlreich und (ausgenommen der Waldpfad) zu breit kritisiert. Sie sollten auf max. drei Meter beschränkt und mit Ausnahme des Radfernwegs auch nicht asphaltiert werden. Eine wassergebundene Decke sei ausreichend. Der 3,90 Meter breite Asphaltweg entlang der Waldkante wurde als ganz verzichtbar erachtet, und der Weg entlang der Böschungskante über der Yorkstraße solle keinesfalls gradlinig geführt und dafür Bäume gefällt werden, sondern sich mäandernd der Vegetation und den örtlichen Gegebenheiten anpassen.

Vegetation

Biotoptypen

Biotoptypen

Als Haupttypen wurden unterschieden

  • die offenen, blütenreichen Trockenrasenflächen und Ruderalfluren
  • der Stadtwald und
  • die arten- und strukturreichen lückigen Vorwälder.

Baumbilanz

Die immer wieder gestellte Frage nach der Baumbilanz wurde endlich beantwortet und auf Nachfrage zunächst klargestellt, dass die roten und z.T. mit Zahlenangaben versehenen Markierungen an zahlreichen Bäumen, z. B. auch in unmittelbarer Nähe des Bussardhorsts, nicht von Loidl stammen würden. − Wie viele Bäume es überhaupt auf dem Gelände gebe, sei sehr schwer festzustellen, mussten die verwunderten BürgerInnen hören, aber die Zahl von 131 übermaßigen (d.h. hier 0,60 cm Stammumfang in 1,20 m Höhe), die aus den verschiedensten Gründen gefällt werden sollen, war doch für nicht wenige ein Schock.

So stellte Frau Mühlenbauer denn auch mehrmals klar, dass die 42 Bäume, die im nordöstlichen Teil des Geländes gefällt werden sollen, um das dortige ökologisch wertvollere Trockenrasenbiotop offen zu halten bzw. weiter zu öffnen, noch einmal näher untersucht und in erhaltenswert und -unwert selektiert werden sollen, so dass vielleicht einzelne ältere Bäume doch stehen bleiben dürften. − Da wollte auch Amtsleiter Kroll wissen, warum sich die Herstellung von Offenflächen nicht auf den weniger baumbestandenen südlichen Teil des Geländes konzentriere.

Doch auch der südöstliche Vorwald, soll, um seinen Strukturreichtum zu erhalten, ausgelichtet werden. Andere Bäume sollen der Wegeführung weichen, oder werden, weil sie zu dicht dran stehen, zu Gefahrenbäumen oder sind mit Bahnruinen verwachsen, die aus Verkehrsicherungsgründen abgerissen werden müssten. − Alles in allem eine inakzeptable Argumentation und reichlich Anlass, alarmiert zu sein.

Fällungen zur ökologischen Aufwertung

Fälliste Flaschenhals

Fälliste Flaschenhals

Die Vertreterin der Obersten Naturschutzbehörde, Annette Mangold-Zatti, erklärte, die noch vor zehn Jahren in solchem Maß artenreiche Brache, dass ihre Unterschutzstellung möglich gewesen wäre, hätte durch Sukzession, also den Aufwuchs konkurrenzstarker Vegetation inklusive verschattender Bäume, inzwischen viel von ihrer Biodiversität eingebüßt und die Wertigkeit, die ein Landschaftsschutzgebiet auszeichne, verloren. Durch Schaffung offener Trockenrasen sei diese Entwicklung aber vielleicht wieder umkehrbar. − Dazu ist natürlich ein detailliertes Pflegekonzept erforderlich und sind die nötigen Finanzmittel auch dauerhaft zu gewährleisten −, aber wenn die erfahrene Grün Berlin GmbH die Parkunterhaltung in die Hand nehme, so Frau Mühlenbauer, sei das, was auf dem Gelände des Nordbahnhofs so überzeugend gelinge, sicher auch auf dem Flaschenhals möglich.

Ein noch recht aktuelles ökologisches Gutachten zu diesem Gebiet datiert von 2007. Der anwesende Bezirksverordnete der Grünen, Ralf Kühne, verlangte Einblicknahme und monierte, dass es nicht längst vorgelegt worden sei. Ob das im Rahmen der frühzeitigen Bürgerbeteiligung bei der ersten öffentlichen Auslegung der Entwurfsplanung schon der Fall war, konnte nicht geklärt werden, doch da es die Expertise auch digital gebe, sei ihre zeitnahe Veröffentlichung auf der Website des Bezirks ja unproblematisch. [Eine Woche später können wir das Gutachten freilich noch immer nicht finden.]

Kreative Zerstörung?

Wenn wir bedenken, dass vor anderthalb Jahren solche Flächen auf dem Gelände des Anhalter Güterbahnhofs (Ostpark) bis auf wenige Reste in großem Stil abgebaggert wurden und auch auf dem Areal des ehem. Potsdamer Güterbahnhofs (Westpark) größtenteils dem gleichen Schicksal entgegengehen −, und nun auf Kosten ökologisch doch in ganz anderem Sinne wertvollen (Alt-) Baumbestands (Klima!) entsprechende Biotoptypen künstlich neu geschaffen werden sollen, glaubt man sich endgültig in Absurdistan.

Offenbar vermögen die LandschaftsarchitektInnen des Atelier Loidl nicht mal bei der Gestaltung eines naturnahen Parks vom natürlichen Bestand auszugehen, müssen gerade dort, wo Wald oder Vorwald steht, Offenflächen schaffen und eigendynamisch entstandene Ruderalvegetation in erhaltenswert und -unwert klassifizieren.

Den Charakter erhalten!

Die Bahnbrache auf dem Flaschenhals weist neben der nach wie vor hohen Artenvielfalt ein einzigartiges Flair auf, das BesucherInnen sofort in Bann schlägt. Ist es denn in Zeiten von Klimakrise, galoppierendem Artenschwund und wachsender Naturferne besonders unserer städtischen Jugend einfach nicht möglich, in der hochverdichteten City wenigstens letzte Reste an wilder „Natur der vierten Art“ (der Landesnaturschutzbeauftragte Kowarik) zu schützen und zu erhalten?! „Sie ist optimal an ihren jeweiligen Standort angepasst und besonders vielfältig. Sie ist die typischste Erscheinungsform natürlicher Lebensräume in der Stadt. In ihrer Bedeutung für die Stadtlandschaft ist die Natur der vierten Art den Menschen noch stärker bewusst zu machen.“ (ebd.)

Können die so mühsam wie malerisch von der Natur zurück eroberten Relikte unserer Stadt- und Technikgeschichte heutigem Behördenblick einzig unter versicherungstechnischem Aspekt erscheinen? Muss man tatsächlich Ruinen abtragen, weil sie Ruinen, also baufällig sind, und darf man die Bäume, die in jahrzehntelangem Prozess und faszinierenden Gestaltungen mit ihnen verwachsen sind, in Minuten absägen? Auch wenn das Bezirksamt dieses Werkstattgespräch unters Motto „Flaschenhalspark statt Bahnbrache“ stellte: Sollte es nicht darum gehen, den Charakter dieses Areals so weit wie möglich zu bewahren?

Andernfalls wird man sich auch damit auseinanderzusetzen haben, was langjährige Besucher des Geländes so formulieren: „Macht Ihr unsern Park kaputt, machen wir Euren Park kaputt…“

Zeitplan

Was die Zeitschiene angehe, so müssten vorerst nur für die Anlage der Radwege möglichst schnell GA-Mittel [Mittel für Gemeinschaftsaufgaben aus dem Europäischen Fonds zur regionalen Entwicklung] beantragt werden. Alles andere könne später folgen, da die Gelder aus dem Förderprogramm Stadtumbau West noch bis 2013 abgerufen werden können. Frau Mangold-Zatti allerdings sprach mit Rücksicht auf die Altlastenbeseitigung von einer „Doppelung der Handlungsnotwendigkeiten“. Die Trassenführung, so Amtsleiter Kroll, habe er ohnehin als unstrittig wahrgenommen. Nur im Hinblick auf die Eingangssituation an der Yorkstraße sei noch eine Entscheidung herbeizuführen, so dass die Planung bis August/September fertiggestellt werden und 2011 ihre Umsetzung beginnen könne.

Offene Fragen und grundsätzliche Kritik

Da aus den genannten Gründen keine Arbeitsgruppe gebildet wurde, das nächste Werkstattgespräch am 23.9. sich um die Schöneberger Schleife drehen wird und vorher auch keine weitere Sitzung mehr geplant ist, fühlten sich zahlreiche Beteiligte überfahren, nannten solches Vorgehen unseriös und die Art und Weise des Wegmoderierens wichtiger offener Fragen katastrophal:

In welchem Rahmen und nach welchen Kriterien wird nun die Entscheidung zwischen beiden Eingangsoptionen getroffen? Wieso werden die Werkstatt-TeilnehmerInnen nicht daran beteiligt? Sind weitere Alternativen denkbar? Wann und wie erfahren die nicht eigentlich mehr Beteiligten davon und vor allem: Wird die gefundene Lösung erneut zur Diskussion gestellt und ein Konsens gesucht, auf dass wenigstens der Anschein von Beteiligung gewahrt wird?

Immerhin wurde noch ein weiterer Gesprächstermin nach der Sommerpause erwogen und eine rechtzeitige Ankündigung sowie eine Beschleunigung der Protokollveröffentlichung in Aussicht gestellt, die im Fall der Auftaktveranstaltung ja immerhin knapp zwei Monate auf sich warten ließ. Inhaltlich gab es glücklicherweise nichts daran auszusetzen, im Gegenteil; diskutiert und beschlossen, wie es zumal in einem Beteiligungsprozess nicht ganz unwichtiger Usus ist, wurde es nämlich nicht.

[Update 23.09.10: Siehe die offizielle Dokumentation. − Update 30.11.11: Siehe die überarbeitete Präsentation (Stand 18.11.2010)]

Jetzt geht’s an den Flaschenhals

Heute, 24. Juni, 18 Uhr, 2. Werkstattgespräch zum Park auf dem Flaschenhals

Am heutigen Donnerstag findet im Goldenen Saal des Rathauses Schöneberg der Workshop zum Park auf dem Flaschenhals statt.

Schotterbett im Flaschenhals-Wald

Schotterbett im Wald

Kommt zahlreich und bringt Eure Vorschläge und Kritikpunkte ein, damit wenigstens diesmal eine naturnahe Planung und Gestaltung durchgesetzt werden kann, denn wenn auch hier der „nutzbare City-Park“ entsteht, den die Bevölkerung ausweislich von Umfragen weder auf dem Gleisdreieck noch anderswo will [siehe auch hier], dann ist auch noch der letzte Rest einer einzigartigen Bahnbrache mit enormem Artenreichtum zerstört und verloren. [Hier die offizielle Einladung auf der BA-Website, das Protokoll des ersten Gesprächs und unsern Bericht vom 26.4.10]

Anlässlich einer Führung am Langen Tag der StadtNatur vergangenes Wochenende (19./20.6.)  „Vom Gleisdreieck zum Flaschenhals“ durch dieses noch wunderbar wilde und geheimnisvolle Stadtwäldchen entdeckten wir hoch in einer Birke den Horst eines Bussards mit einem schon tüchtig herangewachsenen Jungen, der skeptisch auf uns herab äugte, und − hart nebenan, quer durch den Wald, an vielen weißen Stämmen rote Markierungen für die Schneise, die hier zugunsten eines Radwegs geschlagen werden soll. − Das ist vollkommen inakzeptabel! Wir werden sehen, wie ergebnisoffen der Workshop im Nachbarbezirk Tempelhof-Schöneberg verläuft.

Stadtwald auf dem Flaschenhals

Im Stadtwald auf dem Flaschenhals

Werkstatt oder Schaufenster?

Bürgerversammlung zur Schöneberger Schleife

Podium

Das Podium

Seit Jahren gefordert und beharrlich beantragt, dann am 16.12.09 von der BVV Tempelhof-Schöneberg fürs 1. Quartal 2010 beschlossen − letzten Donnerstag (22.4.) war’s endlich so weit: Im Theodor-Heuß-Saal des Schöneberger Rathauses sollte das erste „Werkstattgespräch“ zum „‚Stadtumbau SÜDKREUZ‘ − Entwicklung des Grünzuges zwischen Gleisdreieck und Südgelände“ geführt werden. Rund fünfzig Menschen waren der Einladung gefolgt, von denen längst nicht alle einfach nur interessierte BürgerInnen waren. Die „Gesprächsrunde“ aber entpuppte sich als Informationsveranstaltung mit ein bisschen „Sie fragen − Wir antworten“ und war auch keine Runde, sondern Frontalunterricht, dessen Bürgernähe sich darin erschöpfte, dass das Podium nicht erhöht war. Daran Platz genommen hatten Klaus Müller von der Senatsverwaltung, vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg Siegmund Kroll, Amtsleiter Planung und Denkmalschutz, Baustadtrat Bernd Krömer und Manfred Sperling vom Fachbereich Planen sowie von den beauftragten Planungsbüros Eva Mühlbauer vom Atelier Loidl und Eva-Maria Boemans vom Landschaftsarchitekturbüro Thomanek Duquesnoy Boemans. − Weitere PlanerInnen und VertreterInnen von Grün Berlin hatten sich unters Volk gemischt.

Siegmund Kroll galoppierte, sichtlich stolz über das schon Geleistete [siehe auch hier], zunächst durch die fünf Teilbereiche des Stadtumbaugebiets innerhalb der sog. Schöneberger Schleife, des als Schlüsselprojekt zur (grünen) Vernetzung von Bahnhof Südkreuz und Innenstadt, Südgelände und Potsdamer Platz/Tiergarten konzipierten Rundwegs: Ausgehend vom Gleisdreieck-Park im Norden, der geplante Park auf der Bahnbrache „Flaschenhals“; das untergenutzte, aber bereits von starker Umbautätigkeit erfasste Gewerbegebiet Naumannstraße mit geplanter Ost-West-Grünverbindung bis Cherusker Park inkl. Fuß- und Radweg-Brücke über die Dresdener Bahn; die Gewerbe- und Kulturkaserne General-Papestraße mit Geschichtsparcour, Schwerbelastungskörper, Messpunkt und dem als Gedenkort zur NS-Frühzeit geplanten ehem. SA-Gefängnis Haus 54a; der sog. Schöneberger Linse, wo eine vom Senat unterstützte Eigentümer-Initiative gerade ein Marketing-Konzept für ein neues Stadtteilzentrum entwickle; und schließlich das ehem. GASAG-Gebiet mit dem heftig umstrittenen B-Plan 7-29, auf dem das Mammutprojekt des Europäischen Energieforums (EUREF) verwirklicht werden soll, mit dem Gasometer als Wahrzeichen.

Ab Festsetzung des Stadtumbaugebiets 2005 seien nach bescheiden Anfängen erst ab 2008 durch das Programm Stadtumbau West größere Summen geflossen und bislang 7,5 Mio. Euro investiert worden. Der Bezirk wünsche sich für die folgenden Programmjahre bis 2013 jeweils weitere 4,1 Mio., also insgesamt 12,3 Mio. Euro, müsse hierbei jedoch sicher noch Abstriche machen.

Manfred Sperling machte sich anheischig, diese abstrakten Ausführungen zu konkretisieren und betonte, wie zentral das Thema Fahrrad für die Gestaltung der Schöneberger Schleife im zu entwickelnden übergeordneten Nord-Süd-Grünzug sei. Seit 1997 habe eine Bereichsentwicklungsplanung (Schöneberg Ost) [siehe auch hier] vorgelegen, deren Nutzungskonzept für das Plangebiet überwiegend „Grünfläche“ mit der Zweckbestimmung „Parkanlage“ vorsah, doch erst das Förderprogramm habe die Chance zur Verwirklichung geboten. Zahlreiche Flächenankäufe seien ermöglicht und getätigt worden, weitere Erwerbsverhandlungen im Gange, z. B. an der Torgauer Straße, um den Cherusker Park durch Grünflächen nach Norden und Süden zu erweitern, sowie nördlich und westlich der Monumentenbrücke mit der Deutschen Bahn, wobei es auch um den Rückbau der Kabelverbindungen gehe. Vordringliches Ziel sei jetzt die Grünvernetzung von „Flaschenhals“ und Gleisdreieck-Park aus der Bautzener Straße heraus und übers York-Dreieck hinweg.

Fertige Pläne

Damit hatten die Planerinnen das Wort, die dem verblüfften Publikum in sehr zügigem Tempo jeweils sehr weit gediehene Konzepte präsentierten, welche wir hier unmöglich en detail darstellen können; wir verweisen auf die abfotografierten Folien in unserer Galerie.

Loidl will Natur integrieren

Eva Mühlbauer vom Atelier Loidl, das nach dem Gleisdreieck nun auch den „Flaschenhals“ zwischen Yorckstraße und Monumentenbrücke beplanen darf, stellte die Konzepte für Zugänge, Durchwegung und Vegetation vor. Gegenüber Sport und Spiel im Gleisdreieck-Westpark liege der Schwerpunkt beim Flaschenhals-Park auf der Naturerfahrung und einer extensiven Nutzung dieser naturnahen Fläche inmitten der Stadt. − Das Gebiet unterteile sich in Gleisanlagen, Stadtwald und Ruderalflora mit ökologisch besonders wertvollen offenen Bereichen, sei jedoch wenig erschlossen und werde als Müllplatz missbraucht.

Barrierefreie Eingänge sind von York- und Monumentenstraße und einem „Stadtbalkon“ Kreuzbergstraße her vorgesehen, außer den beidseitigen Rampen soll noch eine Treppe von der Monumentenbrücke hinunterführen. − Der schwarz asphaltierte Fernradweg Berlin – Leipzig werde, um wenig Baumfällungen nötig zu machen, auf der Trasse doppelter Gleisanlagen durch den Stadtwald geführt, soll unter der Monumentenbrücke hindurch verlaufen, dann nach einer 180-Grad-Kehre als Rampe auf die Brücke hinaufführen, um die Fernbahn zu überqueren und anschließend auf der westlichen Seite über eine ähnliche Konstruktion mit vier Prozent Gefälle wieder hinunter in die Grünanlage.

Bei den offenen blütenreichen Trockenrasen und Ruderalfloren gelte es, verschattenden Unterwuchs auszulichten; einzelne Baumgruppen und Solitärbäume sollen zur Gliederung der Offenfläche erhalten werden, während der geschlossene Stadtwald nur durchwegt, aber zur Gänze erhalten werden soll.

Erschließung

Eva-Maria Boemans von Thomanek Duquesnoy Boemans, mit der Planung des Nord-Südgrünzugs befasst, betonte die Wichtigkeit der Ost-West-Grünbeziehung zwischen den voneinander noch immer isolierten Bezirksteilen Tempelhof und Schöneberg und stellte die Frage, wie das Areal für Behinderte, Eltern mit Kinderwagen und den Radverkehr optimal zu erschließen sei. Sieben Eingänge soll es geben, für die schon eine detaillierte Objektplanung vorliegt. An Bautzener Straße bzw. Platz wird ebenfalls ein „Stadtbalkon“ geschaffen, und hier sei die Herstellung von Sichtbeziehungen nötig, damit die Eltern von der Straße bzw. den Wohnungen aus ihre Kinder auf den geplanten beiden sportbetonten Spielflächen und dem Kinderspielplatz immer im Auge haben können. Andererseits wolle man aber „den Charakter des Ortes nicht komplett überformen“ und die Ruderalvegetation einbeziehen. Böschungsschnitte lassen jedoch Schlimmes für die Vorwaldvegetation ahnen, und wir wollen die Darstellung der schon sehr ausgefeilten Planungen hier auch mal abbrechen.

Sie fragen − Wir antworten

Auditorium

Das Auditorium

Nach dieser Informations-Breitseite hatte das Auditorium das Wort. Ralf Kühne, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in der BVV Tempelhof-Schöneberg, erkundigte sich zunächst mal, wer hier eigentlich den „Entscheiderhut“ aufhabe. (Frau Boemans sprach von ihrer Auftraggeberin, der Grün Berlin GmbH, als dem „Vertreter des Bezirksamts“.) Drei Jahre hätten Bezirksverordnete und engagierte BürgerInnen vor einer black box gesessen, außerhalb des Wettbewerbs sollte es allenfalls Vorplanungen zum „Flaschenhals“ geben, doch jetzt hätten Atelier Loidl und Grün Berlin hinter verschlossenen Türen schon eine volle Planung realisiert.

Und wir möchten an dieser Stelle fragen, wie nach dem zweifachen Fiasko beider Unternehmen auf dem Gleisdreieck: namentlich der fast restlosen Planierung vergleichbar ökologisch wertvoller Ruderalvegetation auf dem Ostpark und der noch bevorstehenden „Beräumung“ des Westparks für Sport und Spiel einerseits, der Missachtung des erklärten BürgerInnenwillens nach einer naturnahen Parkgestaltung und der Ausmanövrierung seiner VertreterInnen im Zuge der Planungsumsetzung andererseits − wie nach diesen schlimmen, engagierte BürgerInnen regelrecht traumatisierenden Erfahrungen und anerkannte Umwelt- und Naturschutzverbände empörenden Missbrauch vieler Millionen an Kompensationsmitteln sozusagen automatisch, ohne neuerliche Ausschreibung und Vergabeverfahren, die Planung und Realisierung wieder in dieselben − ums vorsichtig auszudrücken − ungeschickten Hände gelegt werden kann?! Und was bitte bedeutet der Teminus „Werkstattgespräche“ (es sollen nun noch „Workshops“ für Feinarbeit folgen), wenn das Aufmaß des Werkstücks vor aller echten BürgerInnenbeteiligung längst feststeht und allenfalls noch feinjustiert werden darf?

Dass es, wie sich Amtsleiter Kroll äußerte, über die Jahre doch zahlreiche Gespräche mit Bürgervertretern „in meinem Büro“ gegeben habe, eine „Steuerungsgruppe“ entscheide und Loidl eben über die Kapazitäten verfüge, sind da doch höchst unbefriedigende Auskünfte. Offenbar entscheidet mal wieder Grün Berlin.

Vehemente Kritik

Podium

Senats- und Bezirksamtsvertreter

Mitglieder des Quartiersrats Schöneberger Norden und der Anwohnerintiative Flaschenhals/Bautzener Straße (AIF) fragten beharrlich, weshalb die Planung an der Großgörschen- bzw. Bautzener Straße 11, wo das eigentliche Sanierungsgebiet beginnt, einfach abbreche und dieser Teil sozusagen abgehängt werde. Und warum der Bezirk nicht die sog. Bautzener Brache zwischen York- und Großgörschenstraße, die im Besitz der Vivico sei und als Bauland verwertet, also überbaut werden soll, überhaupt als solches ausgewiesen habe. Da es ursprünglich planfestgestelltes Bahn- und Außenbereichsgelände gewesen sei, hätte es in seiner Planungshoheit gelegen, es auch so auszuweisen und der Vivico zum entsprechend niedrigeren Grundstückspreis abzukaufen, denn es handele sich, worauf die AIF seit 2007 immer wieder hinweise, um eine für die Entwicklung der Parklandschaft insgesamt sehr bedeutsame Fläche, doch hier habe es offensichtlich einfach am politischen Willen gefehlt. – Baustadtrat Krömer indessen bestand darauf, dass es sich um privates Bauland handele, dessen Eigentümer ein „berechtigtes Verwertungsinteresse“ habe und dass die AIF mit ihrer Ablehnung des Selfstorage-Lagergebäudes eine Option zur Finanzierung z.B. des Projekts „Gebrüder-Grimm-Märchenpark“1 schließlich selber vertan hätte.

Darin konnten die AIF-VertreterInnen nur noch blanken Zynismus sehen, denn dieser hässliche Gebäuderiegel hätte den AnwohnerInnen der Bautzener mal eben den Blick auf den Park verstellt, das (LKW-) Verkehrsaufkommen und damit Lärm und Luftverschmutzung erheblich erhöht und die mühevoll erreichte Aufwertung des ganzen Quartiers wieder entscheidend zurückgeworfen. Und wo bitte hätte der Märchenpark, für den bereits rund 50 Kottbusser Studierenden eine Palette von 19 Entwürfen vorgelegt haben, denn nun entstehen sollen?! – Alles weitere Nachfragen zur Bautzener wurde jedoch als Ausdruck von Partikularinteressen abgewürgt, aber auch Fragen nach dem Cherusker Park, der nach seiner „Anbindung“ mit Asphaltwegen aussehe wie ein „Parkplatz mit Bäumen“ oder nach der Kompensation der Fällung großkroniger Bäume durch Pflanzung kleinkroniger, wurden mit Ausflüchten beantwortet.

Wie viele Fällungen?

Nicht zuletzt kamen Fragen nach der Baum- und Vegetationsbilanz, also wie viel davon denn nun tatsächlich Radwegen, Stadtbalkonen, der Auslichtung und Herstellung von Sichtbeziehungen, der Böschungsgestaltung etc. geopfert werden soll: „Wie viele einzelne Baumgruppen werden denn nicht erhalten?“ − Doch obwohl längst auf der Ebene der Objektplanung angelangt, fanden es die Planerinnen im jetzigen Stadium verfrüht, hierüber auch nur ungefähre Angaben zu machen.

Auch die Frage, warum denn der Fernradweg Berlin-Leipzig nicht gleich, also bereits auf dem Gleisdreieck-Park, westlich geführt worden sei, so dass die Querung des Stadtwalds und das umständliche Auf- und Ab an der Monumentenbrücke entfallen wäre und warum er sich nicht dem geschwungenen Gleisverlauf anschmiege, sondern auf Kosten des Baumbestands eckige Kurven beschreibe, wurden, wenn überhaupt, absolut unzureichend beantwortet à la da der Teltow-Hochrücken hier ins Spreetal übergehe, würden die Rampen den Geländesprung erlebbar machen (Kroll). Im Übrigen solle der „Flaschenhals“ ja gerade nicht die Erholungsnutzung „aufnehmen“, sondern dem Naturerleben dienen; gleichwohl könne man den Aspekt, dass Joggen auf Asphalt als wenig attraktiv beurteilt werde, ja ohne größere Änderungen sicher noch berücksichtigen. − Ein Vertreter des ADFC, der vorwiegend den Fahrrad-Fernverkehr berücksichtigt sieht, zu wenig aber den Alltagsverkehr, zögerte übrigens nicht, noch mehr Eingänge und Rampen zu fordern…

Wann wird endlich die Einsicht Platz greifen, dass durch alles Erschließen, Aufbrechen, Verbinden und Vernetzen das, was sich da im Geschützten, Verborgenen und nur von Wenigen gestört entwickeln konnte und nun für die Massen „erlebbar“ gemacht werden soll, im Nu verschwunden sein wird? Die Analogie zur Tourismusindustrie und ihrer Vermarktung des „Unberührten“ drängt sich auf.

Böschungsauslichtung an der Bautzener Straße 2008

Böschungsauslichtung an der Bautzener Straße 2008

Rückstand in Sachen Bürgerbeteiligung

Abschließend ist festzuhalten, dass diese „Werkstatt“ oder „Bürgerversammlung“ − ob nun absichtlich oder nicht − ausnehmend dilettantisch organisiert war: noch nicht einmal eine TeilnehmerInnen-Liste lag aus, worin sich die E-Mail-Adresse zwecks Zusendung weiterer Infos hätte eintragen lassen. Der Einsatz der neuen Medien beschränkte sich auf die Veröffentlichung der Einladung auf der Bezirksamts-Website. „Werkstattgespräche“ sollten ergebnisoffen geführt und ihr Verlauf muss dokumentiert werden! Die Kriterien, wonach die „Steuerungsgruppe“ Vorschläge und Kritik der BürgerInnen aufnimmt oder verwirft, müssen transparent und nachvollziehbar sein! Und bei zweieinhalb Stunden Dauer konnte es auch wenig verwundern, dass Punkt 5 der Tagesordnung „Diskussion des weiteren Vorgehens zum Werkstattverfahren“ sang- und klanglos hinten runterfiel.

Den Vorschlag, das Protokoll dieser Veranstaltung sowie die Planunterlagen online zugänglich zu machen, will Baustadtrat Krömer auch gerne erwägen. Wir befürchten allerdings, es wurde am 22.4. offiziell gar nichts protokolliert. Und der im persönlichen Gespräch geäußerte Vorschlag, ein interaktives Modul einzurichten, sodass auch Menschen, die am realen Besuch solcher Veranstaltungen verhindert sind, virtuell ihre Wünsche und Interessen, Ergänzungen und Kritik ins Beteiligungsverfahren einspeisen können, wurde mit verdrehten Augen quittiert, so als seien für solchen Tinnef nun wirklich keine personellen Kapazitäten vorhanden.

[Siehe auch Gleisdreieck-Blog]

Noch ein aktueller Termin:
Montag, 26.4., 17 Uhr tagt der Umweltausschuss der BVV Tempelhof-Schöneberg, Raum 2113 im Rathaus Schöneberg −, und wer zu unserem Bericht über den Werkstatt-Auftakt Ergänzungen hat, Korrekturen oder Kritik: das Kommentarfeld steht weit offen!

[Update vom 24.6.: Das offizielle Protokoll wurde am 15.6. er- bzw. online gestellt.]

Die Präsentationen


1 Die Grabstätte der Gebrüder Grimm befindet sich auf dem dortigen St. Matthäus Kirchhof

BUND kritisiert durch Ausgleichsmillionen finanzierte Naturvernichtung

Baustopp und Mediation gefordert

Pünktlich zur Führung Grün Berlins übers künftige Westparkgelände auf dem Gleisdreieck am heutigen Samstag, 14 Uhr, hat der BUND Berlin in einer Pressemitteilung noch einmal scharfe Kritik daran geäußert, dass die 24 Mio. Euro Ausgleichsgelder, die für die Kompensation der Eingriffe in Natur und Landschaft durchs hochverdichtete Bebauen von Potsdamer und Leipziger Platz hinterlegt werden mussten, vorwiegend zur Vernichtung wertvoller Stadtnatur missbraucht werden. Gegen den erklärten Bürgerwillen soll ein repräsentativer Stadt- und „Aktivitätspark“ errichtet werden, den − wie vom Senat selber veranstaltete repräsentative Umfragen belegen − nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung wünscht.

Die übergroße Mehrheit votierte dagegen für einen naturnahen Park, der die inmitten malerischer bahnhistorischer Relikte eigendynamisch entstandene sog. Ruderalvegetation mit ihren wertvollen Biotopen und seltenen Pflanzen, die nicht nur einer Vielzahl von Vögeln und Kleintieren, sondern auch Fuchs, Feldhase und Marder Lebensraum und Schutz boten, integrieren sollte. Für solch eine naturnahe Gestaltung gibt es auch durchaus gelungene Beispiele in unserer Stadt, doch offenbar stand für ein behutsames, ökologisch verträgliches Vorgehen einfach zu viel Geld zur Verfügung. Die Stiftung Naturschutz Berlin (SNB) darf es zwar treuhänderisch verwalten, doch auf seine Verausgabung hat weder sie noch haben die Naturschutzverbände irgendwelchen Einfluss − und, überflüssig zu bemerken, die sich seit Jahrzehnten engagierenden Inititativen und BürgerInnen schon gar nicht.

BUND-Brief an die Staatssekretärin

Auch in einem Brief an Staatssekretärin Maria Krautzberger (SPD) protestiert der BUND entschieden gegen diese offenkundige Zweckentfremdung von Ausgleichs- und Ersatzmitteln, bezeichnet „alle auf dem Gleisdreieck getätigten und noch geplanten Eingriffe als ausgleichsrelevant im Sinne des Gesetzes, [will] dies auch einfordern, sollte bei der Planung und Fertigstellung kein Umdenken erfolgen“ und fordert darüber hinaus, „die Planungs- und Baumaßnahmen sowohl für den Ost- als auch Westbereich des Gleisdreiecksgeländes vorerst auszusetzen, um Zeit für gemeinsam Lösungen für eine naturschutzverträgliche Gestaltung des Gebiets zu gewinnen.“

Angesichts der mangelhaften zivilgesellschaftlichen Partizipation, welche die BürgervertreterInnen in der sog. Projektbegleitenden Arbeitsgruppe (PAG) immer erst im Nachhinein von den außerhalb dieses Gremiums gefallenen Entscheidungen in Kenntnis setzt und regelmäßig vor vollendete Tatsachen stellt, fordert der BUND „äquivalent zum Verfahren am Landwehrkanal außerdem die sofortige Einsetzung eines externen Mediators, der den Diskussions- und Planungsprozess lenkt. Die Ergebnisse dieses Prozesses müssen dann auch für [die Senatsverwaltung] bzw. die Grün Berlin GmbH bindend sein.“

Hochkarätig besetztes Bürgergespräch

Unterdessen hat die Staatssekretärin drei Bürgerdelegierten aus der PAG zu einer über einstündigen Unterredung empfangen, woran neben der Referatsleiterin für Stadtgrün und Freiraumplanung, Beate Profé, der Gruppenleiterin für öffentliches Grün, Ursula Renker, sowie dem Geschäftsführer der senatseigenen Grün Berlin GmbH, Christoph Schmidt, überraschend auch Abteilungsleiter Freiraumplanung und Stadtgrün, Reiner Nagel, teilnahm.

Die Bürgerinnen gewannen durchaus den Eindruck, dass insbesodere Reiner Nagel die Kritik an der mangelnden Naturverträglichkeit von Planung und Umsetzung nachvollziehen konnte, indem er meinte, dass die Waage zugunsten des Naturschutzes ausschlagen müsse: „letztlich“ wäre der Park ja eine Ausgleichsmaßnahme. Und als Frau Profé die Forderung einer Ökozone entlang der sechzehn Kleingarten-Parzellen zwischen U1 und U2 mit der Begründung ablehnte, das würde doch alles zertrampelt werden, und sich auch von gelungenen Beispielen wie etwa der Wildblumenwiese im Balluscheckpark nicht überzeugen ließ, meinte Frau Krautzberger: „Probieren wir es doch einmal! Wagen wir das Experiment und schauen, wie das nach ein oder zwei Jahren dort aussieht!“ Und Reiner Nagel pflichtete ihr bei. − Er wies übrigens auch daraufhin, dass fünfzehn Prozent der Ausgleichssumme, immerhin 3,6 Mio. Euro, für spätere Nachbereitungsmaßnahmen zurückgelegt würden.

Dass das Atelier Loidl ohne neuerlichen Wettbewerb auch den Auftrag für die Beplanung des sog. Flaschenhalses bekommen habe, erkläre sich dadurch, dass auch dieses Gelände Teil des Ideenwettbewerbs gewesen sei, weshalb der Gewinner, eben Loidl, automatisch auch den Zuschlag für die Flaschenhals-Gestaltung erhalten habe.

Christoph Schmidt vertritt bekanntlich die Position, dass der Wettbewerbssieger das Konzept bestimme und deshalb schon mit der Wettbewerbsentscheidung eventuell die falschen Weichen gestellt worden seien. Bspw. die Vegetationsinseln oder die Integration jener sechzehn Kleingärten habe man den Planern regelrecht abringen müssen. Auch wenn Frau Krautzberger betonte, das Atelier Loidl sei nur Dienstleister: Für den „Flaschenhals“ verheißt das wahrlich nichts Gutes. Auch Schmidts Verweis auf die geplanten fünf Workshop-Gespräche zur Westpark-Gestaltung, deren thematische Gliederung doch beweise, dass noch alles offen bzw. nichts endgültig entschieden sei, begegnen die Bürgervertreterinnen verständlicherweise mit größter Skepsis.

Retten, was zu retten ist!

Angesichts der unmittelbar bevorstehenden Freiräumung kommt jetzt alles drauf an, sich nicht auseinander dividieren zu lassen, sondern Geschlossenheit zu zeigen und gemeinsam zu verteidigen, was noch zu verteidigen ist! Die Tragödie auf dem Gelände des ehem. Anhalter Güterbahnhofs darf sich nicht wiederholen!

Deshalb noch einmal die herzliche Einladung:

Kommt zahlreich zur Führung übers Westparkgelände heute, Samstag, 17. April um 14 Uhr sowie am 22.4., 18 Uhr zum Werkstattgespräch / Bürgerversammlung „Stadtumbau Südkreuz“ ins Rathaus Schöneberg (Theodor-Heuss-Saal), wenn es unter anderem auch um den „Flaschenhals“ geht!

Weitere Infos, Fotos und ein Bericht vom 4. Runden Tisch zu Gärten vs. Sport auf dem Gleisdreieck bzw. Tempelhofer Feld auf dem Gleisdreieck-Blog

Und hier ein aktuelles Handout mit Bildmaterial von der Führung über den Ostpark am letzten Sonntag (11.04.10) fürs Vergleiche ziehen…

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