BUND kritisiert durch Ausgleichsmillionen finanzierte Naturvernichtung

Baustopp und Mediation gefordert

Pünktlich zur Führung Grün Berlins übers künftige Westparkgelände auf dem Gleisdreieck am heutigen Samstag, 14 Uhr, hat der BUND Berlin in einer Pressemitteilung noch einmal scharfe Kritik daran geäußert, dass die 24 Mio. Euro Ausgleichsgelder, die für die Kompensation der Eingriffe in Natur und Landschaft durchs hochverdichtete Bebauen von Potsdamer und Leipziger Platz hinterlegt werden mussten, vorwiegend zur Vernichtung wertvoller Stadtnatur missbraucht werden. Gegen den erklärten Bürgerwillen soll ein repräsentativer Stadt- und „Aktivitätspark“ errichtet werden, den − wie vom Senat selber veranstaltete repräsentative Umfragen belegen − nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung wünscht.

Die übergroße Mehrheit votierte dagegen für einen naturnahen Park, der die inmitten malerischer bahnhistorischer Relikte eigendynamisch entstandene sog. Ruderalvegetation mit ihren wertvollen Biotopen und seltenen Pflanzen, die nicht nur einer Vielzahl von Vögeln und Kleintieren, sondern auch Fuchs, Feldhase und Marder Lebensraum und Schutz boten, integrieren sollte. Für solch eine naturnahe Gestaltung gibt es auch durchaus gelungene Beispiele in unserer Stadt, doch offenbar stand für ein behutsames, ökologisch verträgliches Vorgehen einfach zu viel Geld zur Verfügung. Die Stiftung Naturschutz Berlin (SNB) darf es zwar treuhänderisch verwalten, doch auf seine Verausgabung hat weder sie noch haben die Naturschutzverbände irgendwelchen Einfluss − und, überflüssig zu bemerken, die sich seit Jahrzehnten engagierenden Inititativen und BürgerInnen schon gar nicht.

BUND-Brief an die Staatssekretärin

Auch in einem Brief an Staatssekretärin Maria Krautzberger (SPD) protestiert der BUND entschieden gegen diese offenkundige Zweckentfremdung von Ausgleichs- und Ersatzmitteln, bezeichnet „alle auf dem Gleisdreieck getätigten und noch geplanten Eingriffe als ausgleichsrelevant im Sinne des Gesetzes, [will] dies auch einfordern, sollte bei der Planung und Fertigstellung kein Umdenken erfolgen“ und fordert darüber hinaus, „die Planungs- und Baumaßnahmen sowohl für den Ost- als auch Westbereich des Gleisdreiecksgeländes vorerst auszusetzen, um Zeit für gemeinsam Lösungen für eine naturschutzverträgliche Gestaltung des Gebiets zu gewinnen.“

Angesichts der mangelhaften zivilgesellschaftlichen Partizipation, welche die BürgervertreterInnen in der sog. Projektbegleitenden Arbeitsgruppe (PAG) immer erst im Nachhinein von den außerhalb dieses Gremiums gefallenen Entscheidungen in Kenntnis setzt und regelmäßig vor vollendete Tatsachen stellt, fordert der BUND „äquivalent zum Verfahren am Landwehrkanal außerdem die sofortige Einsetzung eines externen Mediators, der den Diskussions- und Planungsprozess lenkt. Die Ergebnisse dieses Prozesses müssen dann auch für [die Senatsverwaltung] bzw. die Grün Berlin GmbH bindend sein.“

Hochkarätig besetztes Bürgergespräch

Unterdessen hat die Staatssekretärin drei Bürgerdelegierten aus der PAG zu einer über einstündigen Unterredung empfangen, woran neben der Referatsleiterin für Stadtgrün und Freiraumplanung, Beate Profé, der Gruppenleiterin für öffentliches Grün, Ursula Renker, sowie dem Geschäftsführer der senatseigenen Grün Berlin GmbH, Christoph Schmidt, überraschend auch Abteilungsleiter Freiraumplanung und Stadtgrün, Reiner Nagel, teilnahm.

Die Bürgerinnen gewannen durchaus den Eindruck, dass insbesodere Reiner Nagel die Kritik an der mangelnden Naturverträglichkeit von Planung und Umsetzung nachvollziehen konnte, indem er meinte, dass die Waage zugunsten des Naturschutzes ausschlagen müsse: „letztlich“ wäre der Park ja eine Ausgleichsmaßnahme. Und als Frau Profé die Forderung einer Ökozone entlang der sechzehn Kleingarten-Parzellen zwischen U1 und U2 mit der Begründung ablehnte, das würde doch alles zertrampelt werden, und sich auch von gelungenen Beispielen wie etwa der Wildblumenwiese im Balluscheckpark nicht überzeugen ließ, meinte Frau Krautzberger: „Probieren wir es doch einmal! Wagen wir das Experiment und schauen, wie das nach ein oder zwei Jahren dort aussieht!“ Und Reiner Nagel pflichtete ihr bei. − Er wies übrigens auch daraufhin, dass fünfzehn Prozent der Ausgleichssumme, immerhin 3,6 Mio. Euro, für spätere Nachbereitungsmaßnahmen zurückgelegt würden.

Dass das Atelier Loidl ohne neuerlichen Wettbewerb auch den Auftrag für die Beplanung des sog. Flaschenhalses bekommen habe, erkläre sich dadurch, dass auch dieses Gelände Teil des Ideenwettbewerbs gewesen sei, weshalb der Gewinner, eben Loidl, automatisch auch den Zuschlag für die Flaschenhals-Gestaltung erhalten habe.

Christoph Schmidt vertritt bekanntlich die Position, dass der Wettbewerbssieger das Konzept bestimme und deshalb schon mit der Wettbewerbsentscheidung eventuell die falschen Weichen gestellt worden seien. Bspw. die Vegetationsinseln oder die Integration jener sechzehn Kleingärten habe man den Planern regelrecht abringen müssen. Auch wenn Frau Krautzberger betonte, das Atelier Loidl sei nur Dienstleister: Für den „Flaschenhals“ verheißt das wahrlich nichts Gutes. Auch Schmidts Verweis auf die geplanten fünf Workshop-Gespräche zur Westpark-Gestaltung, deren thematische Gliederung doch beweise, dass noch alles offen bzw. nichts endgültig entschieden sei, begegnen die Bürgervertreterinnen verständlicherweise mit größter Skepsis.

Retten, was zu retten ist!

Angesichts der unmittelbar bevorstehenden Freiräumung kommt jetzt alles drauf an, sich nicht auseinander dividieren zu lassen, sondern Geschlossenheit zu zeigen und gemeinsam zu verteidigen, was noch zu verteidigen ist! Die Tragödie auf dem Gelände des ehem. Anhalter Güterbahnhofs darf sich nicht wiederholen!

Deshalb noch einmal die herzliche Einladung:

Kommt zahlreich zur Führung übers Westparkgelände heute, Samstag, 17. April um 14 Uhr sowie am 22.4., 18 Uhr zum Werkstattgespräch / Bürgerversammlung „Stadtumbau Südkreuz“ ins Rathaus Schöneberg (Theodor-Heuss-Saal), wenn es unter anderem auch um den „Flaschenhals“ geht!

Weitere Infos, Fotos und ein Bericht vom 4. Runden Tisch zu Gärten vs. Sport auf dem Gleisdreieck bzw. Tempelhofer Feld auf dem Gleisdreieck-Blog

Und hier ein aktuelles Handout mit Bildmaterial von der Führung über den Ostpark am letzten Sonntag (11.04.10) fürs Vergleiche ziehen…

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