Der Bock als Gärtner

Bei Ökologie, Natur- und Baumschutz kontrolliert sich der Vorhabenträger am besten selbst

WNA besetzt ökologische Baubegleitung mit eigener Mitarbeiterin

Die Personalie ökologische Baubegleitung bei der Instandsetzung der Uferabschnitte Flatow-Sporthalle unweit Oberschleuse und Altes Zollhaus gegenüber dem Prinzenbad in Kreuzberg hat nicht nur ein Geschmäckle, sondern ist vollständig verwürzt. Jedenfalls für Teilnehmer*innen des Mediationsverfahrens „Zukunft Landwehrkanal“ (LWK), denen jählings klar wird, warum ihnen jedes Mitspracherecht verweigert wurde. Hier rächt sich nicht erstmals, dafür jedoch besonders spektakulär, dass das WNA niemals an der Mediation teilnahm und die Vielzahl der Diskussionen gerade um die von der WSV so sträflich behandelten existentiellen Aufgaben Ökologie und Naturschutz auch nicht nachträglich zur Kenntnis genommen hat. Ein wesentliches Anliegen der Bürger*innen und der Umweltverbände, nämlich ein echtes Korrektiv pro Umwelt und Natur im Verwaltungshandeln besonders der WSV zu installieren, ist unversehens zur ÖBB geronnen, die zur Überwachung der Umsetzung des LPB ohnehin vorgeschrieben ist, wie zu erwarten oft mit bloßer Feigenblattfunktion.

Selbstverständlich und ohne jede Frage ist in der ein knappes Jahr ausgehandelten Mediationsvereinbarung an eine unabhängige, externe ökologische Baubegleitung gedacht, die vor allem das Vertrauen der Bürger*innen genießt, weil sie auf Seiten der Bäume und der Stadtnatur steht, und nicht im entferntesten an die Groteske, dass sich der Vorhabenträger quasi selbst begleitet. Dies ist ebenso wenig akzeptabel wie es der Coup für den Denkmalschutz wäre, wenn der/die Denkmalarchitekt/in aus dem Personalpool des WNA rekrutiert würde. Bei Ökologie und Partizipation, sprich: bei „Gedöns“, soll das ohne weiteres drin sein? Den Rest des Beitrags lesen »

Harte Brocken entlang Corneliusstraße

Dennoch keine Alternative zum Crush Piler

Da sich das Einbringen der „aufgeständerten“ Spundbohlen auf Endtiefe im rund dreißig Meter langen Bereich an der Corneliusstraße in Mitte, wo die Bohlen nur teilweise hatten eingebracht werden können, wie berichtet, ausnehmend schwierig gestaltete, wurde in der vergangenen Woche die achtzig Meter lange Neubaustrecke von der Corneliusbrücke her in Angriff genommen, um im Anschluss von dort auf den halbfertigen Teil überzugehen. Wider Erwarten erweist sich jedoch auch die Neuverpressung keineswegs als Spaziergang. Gegenüber 15 Doppelbohlen täglich im Fall Teststrecke, werden an der Corneliusstraße durchschnittlich bloß sechs pro Tag geschafft. Bislang ist noch nicht die Hälfte der Neubaustrecke geschafft, doch gleichwohl hofft WSA-Ingenieur Heier, bis Ende dieser Woche die Strecke zu bewältigen, so dass der Zeitplan nicht gesprengt wird.

Granitbrocken lädieren Bohrkopf

Die Bodenverhältnisse der Kanalsohle längs der Corneliusstraße in Mitte sind verglichen mit jenen der Crush-Piler-Teststrecke am Kreuzberger Paul-Lincke-Ufer ungleich schwieriger, obwohl seinerzeit für die Erprobung des GIKEN-Geräts natürlich ein besonders harter Abschnitt ausgesucht worden war. Doch zu den „Linsen“ von sog. Geschiebemergel, die sich ab drei Meter Tiefe allenthalben in der Kanalsohle finden, gesellt sich an der Corneliusstraße das Problem, dass in diese Sedimentschichten auch noch große Gesteinsbrocken aus rotem Granit eingelagert sind, die der Bohrkopf des CP nicht zu durchstoßen oder zu zerkleinern („crushen“) vermag; vielmehr werden sie von der rotierenden Bohrschnecke im Leitrohr umhergeschleudert und beschädigen dieses und insbesondere den Bohrkopf.

AG Meilensteine

WSA-AG LWK präsentiert am 14. März der Forums-AG "Meilensteine" Zwischenstände

[Zum konventionellen Verfahren des verrohrten Bohrens s.u. die Ergänzung.*]

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Von der Einvernehmensbereisung zur Baustellenabnahme Maybachufer

Neues vom Landwehrkanal

Einvernehmen im Polizeiboot

Einvernehmensbereisung im Polizeiboot | (Fotos wie üblich zum Vergrößern anklicken!)

Vergangenen Freitag (27.8.), während leiser Regen fiel, bereisten Mitglieder von WSAAbz Neukölln, AG LWK, Bezirksamt Treptow-Köpenick, der Reederschaft und BI/Verein BaL sowie der Baumsachverständige Dr. Barsig in einem mit avancierter Navigations- und Peilungstechnik ausgerüsteten Boot der Schifffahrtspolizei den LWK von Ober- bis Unterschleuse. − Gleich vorweg auch schon mal der Hinweis, dass morgen,

Donnerstag, 2. September, 14 Uhr
anlässlich von „160 Jahre Landwehrkanal“ und der
Baustellenabnahme Riedel-Anleger „Kottbusser Brücke“

dortselbst in einem kleinen Zelt eine kleine Veranstaltung statt findet u.a. mit Thomas Menzel von der WSD.  − [rbb Abendschau ‚tschuldigung: spät gemerkt, aber jetzt funzt der Link!] Den Rest des Beitrags lesen »

WSA warnt weiter vor Wurzeln

Wenigstens wachsen drei Bäume wieder freier

Schadhafte Treppe vorm BMVg

Schadhafte Treppe vorm Bendlerblock

Rückfragen haben ergeben: Es war kein Aprilscherz! Das WSA beharrt darauf, die Schäden nahe Admiral-, Baerwald-, Waterloo-, Bendler- und nun auch noch Dovebrücke seien in diesem Ausmaß neu bzw. neu erkannt. − Letztgenanntes  mag sich ja durchaus so verhalten. Woran wir uns jedoch weiterhin stoßen, sind Formulierungen wie „Bei allen Schäden ist deutlich das Wurzelwerk erkennbar, es treten Starkwurzeln bis DN 35 mm auf […] Dies wird weiter zu prüfen sein“ oder (bzgl. einer schadhaften Treppe in Höhe BMVg): „Die aufgehende Treppenwand liegt […] hohl, gleichzeitig lastet massiver Wurzeldruck auf dem Ufermauerwerk…“

Abschnitt 3

Vor befreiten Bäumen liegt der Strand!

Dies ließ sich bei einer persönlichen Besichtigung der Schadstelle in keiner Weise verifizieren. In unmittelbarer Nähe steht dort nämlich kein Baum, dessen Wurzeln massiv lasten und drücken könnten; ca. zwölf Meter flussaufwärts gibt es einen wieder ausgeschlagenen Hochstubben und fünf Meter flussab eine junge Kastanie mit kaum zehn Zentimetern Stammdurchmesser.

Was bezweckt also dieses Reden von zu prüfenden Wurzeln, das inzwischen schon mehrere BI-Mitglieder zu Radtouren veranlasste? Die These, wonach überall Wurzeln erkennbar seien, können wir bei den meisten Schadstellen jedenfalls nicht bestätigen, immer vorausgesetzt, dass wir von Graswurzeln absehen dürfen. − Und jetzt wird nachträglich auch noch von einem Schaden nahe Dovebrücke berichtet. Wiewohl das Wetter gegenwärtig dafür ja wie geschaffen ist, möchten wir Ziele eventueller Radtouren auch mal fernab des LWK wählen.

Abschnitt 5

Befreite Silberlinde, Möckernbrücke

Immerhin wurden inzwischen am Tempelhofer Ufer drei Bäume von Manschetten, Balken und insgesamt sechs „Brockelmännern“ * befreit: „Die Betonklötze werden zur Weiterverwendung eingelagert“, heißt es beinahe drohend. Aber wenigstens scheinen die Bäume diese „Sicherungsmaßnahme“ eine Vegetationsperiode hindurch ohne sichtbare Schäden überstanden zu haben.

[Korrektur und Nachtrag vom 8.4.: Da die Bäume bereits im Juli ’07 angepflockt wurden, waren es, besser gesagt, anderthalb Vegetationsperioden: Hierzu der Baumsachverständige, Dr. Barsig, in einer offiziellen Stellungnahme: „Die Zeit der engen Anbindung der untersuchten Bäume (1 ¾ Jahre) ist nicht ganz spurlos an den Bäumen vorbei gegangen: leichte Rindenschäden und Woll- bzw. Schmierlaus- oder Schimmelpilzbefall sind festzustellen. Hierzu sind in den nächsten Monaten Nachkontrollen notwendig, um auszuschließen, dass es zu Rindennekrosen kommt. Bei stärkerem Woll-Schmierlausbefall wären Schutzmaßnahmen notwendig. − Insgesamt sind aber keine nennenswerten mechanischen Schäden aufgetreten, insbesondere ist der jeweilige Holzkörper unversehrt geblieben.“]

Zumindest der neue Strand vis-à-vis der Shell-Tankstelle wird vom Publikum schon gut angenommen. [2. Foto]

Am Urbanhafen

Am Urban-Strand


* Wir beharren auf dieser Bezeichnung, denn Kommentare zu Presseartikeln über Bäume in Berlin zeigen immer wieder, dass diese vom damaligen WSA-Leiter, Hartmut Brockelmann, veranlasste „landseitige Sicherungsmaßnahme“ ein genialer PR-Coup zur nachhaltigen Diskreditierung des Berliner Baumschutzes gewesen ist.

Mediationsforum beschließt Pilotprojekt

Spundwände vor den betonwürfelgesicherten Bäumen verbleiben als Teil einer dauerhaften Sanierungsvariante im Kanal

Ludwig-Erhard-Haus

Tagungsort Ludwig-Erhard-Haus

Obwohl noch Feinarbeit zu leisten ist, folgte das Mediationsforums auf seiner 15. Sitzung am vergangenen Montag (23.3.09) der Empfehlung der 3. Arbeitsgruppe zur Lösungssondierung und fasste einen gewichtigen Beschluss: Die 370m-Strecke mit den anpflockten Bäumen, die gegenwärtig unter erheblichen Mühen und Rückschlägen mittels Verspundung wasserseitig zu sichern versucht wird, soll als Pilotprojekt und Experimentierfeld für dauerhafte Sanierungsvarianten angegangen werden.

Die längsten Unterabschnitte sind dabei das Cornelius- und Herkulesufer in Mitte; der Rest erstreckt sich in Teilstücken entlang des Tempelhofer Ufers in Kreuzberg, und zwar grob gesagt in den Bereichen Technikmuseum bis (U-Bhf.) Möckernbrücke. Die Arbeiten ruhen aus unterschiedlichen Gründen zwar größtenteils, doch wenn im Herbst am − mit ca. hundert Metern längsten − Abschnitt Corneliusufer die Spundbohlen durch verrohrtes Bohren [oder auch anders: siehe hier!] in den dort unerwartet harten Mergel der Kanalsohle eingebracht sind, soll unverzüglich auch die Uferwand saniert werden. Damit das so baumfreundlich, umweltverträglich und denkmalgerecht wie nur möglich, also idealerweise in situ geschehe, müssen diese Arbeiten schon jetzt geplant und also auch beauftragt werden.

Interessenbekundungsverfahren läuft noch bis 10. April

Sie sollen jedenfalls nicht a priori den Plass-Ingenieuren vorbehalten bleiben, obwohl es eine ganze Reihe von Fachleuten gibt, die jenseits des Plass’schen Lösungsspektrums nichts Machbares sehen. Die BI fahndet indessen schon seit längerem nach innovativen, den Bestand schonenden und seine Entwicklung und Optimierung nicht verbauenden Lösungen, das Interessenbekundungsverfahren läuft noch knapp zwei Wochen, und angesichts einer ganzen Reihe von Rückmeldungen dürfen wir gespannt sein, ob und wenn ja, welche Ideen über die elf Plass’schen Varianten und die Variante Kleimeier II hinausweisen.

Beschluss, die Spundwand auf den 370 Metern unter Wasser abzutrennen, darf für den Rest des Kanals nichts präjudiziern!

In der intensiven Debatte um die Beschlussvorlage ging es vor allem um die Frage, ob die Spundwände und wenn ja, wie weit unterhalb der Wasseroberfläche sie abgeschnitten werden. Die VertreterInnen der Berliner Umweltverbände sowie die Bäume am Landwehrkanal sehen in der ursprünglich von SenGUV-Vertreter Rehfeld-Klein eingebrachten Idee, die Spundbohlen zumindest stellenweise über Wasser zu kappen, ein wichtiges Element einer möglichen ökologischen Umgestaltung des Gewässers und Erreichung seines „guten ökologischen Potentials“ im Sinne einer angewandten WRRL. Durch die nur ein Stück über die Wasseroberfläche ragende Spundwand würde der durch den Schiffsverkehr erzeugte hydraulische Druck auf die Uferböschung gemildert und zugleich Raum für sog. Parallelwerke, sprich Flachwasserzonen geschaffen, wo sich, wie Erfahrungen zeigen, in kurzer Zeit vielerlei Arten aus Flora und Fauna ansiedeln, worunter nicht wenige (Krebse, Muscheln, Binsengewächse, Röhricht) sogar einen Beitrag zur Verbesserung der Wasserqualität leisten.

Nun jedoch schien sich Rehfeld-Klein, der sich schon mal beklagt hatte, ständig mit Schilf assoziiert zu werden, von seiner eigenen Idee zu distanzieren, indem er solche Flachwasserzonen am Kanal plötzlich als brackige Müllkippe beschrieb und aufwachsende Vegetation als Beeinträchtigung der Bauwerksästhetik. Auch wir wollten auf diesen ersten 370 Metern nicht auf den Parallelwerken bestehen, und es soll ja gerade in Abstimmung mit Reedern und Denkmalschutz geprüft werden, wo sie auf der gesamten Kanallänge möglich sind.

Doch wenn einerseits die Erwartung mitschwingt, auf diesen Abschnitten eine Lösung zu finden, die „für lange Strecken des Kanals einsetzbar ist“ und nun, anstatt „sie spielerisch anzugehen“ (Rehfeld-Klein), kategorisch ausgeschlossen wird, dass die beschriebene ökologische Umgestaltung innerhalb der Regelbauweise stattfinden darf, kommen der BI doch wieder Bedenken. Immerhin sprach sogar Klaus Lingenauber von zehn Prozent, die er gewissermaßen freizugeben bereit sei, und uns geht es schon seit längerem um Klärung der Frage, in welchen Mindest-Abständen denn solche „Trittsteine“ geschaffen werden müssen, um ihr ökologische Wirkung voll zu entfalten. Matthias Rehfeld-Klein hatte Lösungen leider nur dort sondiert, wo BI-Vertreter nicht eingeladen waren − durch Hörensagen erfuhren wir, man habe sich geeinigt − und sich bei der entscheidenden gemeinsamen Sitzung der AGs entschuldigen lassen. Und wenn er nun sagt, es gehe nicht an, den ganzen LWK zu renaturieren, so hat dies auch gar niemand beabsichtigt, doch wir haben sehr wohl noch im Ohr, wie Rehfeld-Kleins Chefin, Umweltsenatorin Katrin Lompscher, der BI öffentlich solche Hirngespinste andichtete.

Ein Zwanzig-Punkte-Katalog von zu prüfenden Fragestellungen/zu beauftragenden Untersuchungen im Zusammenhang mit der Umsetzung der Spundwandvariante als Dauerlösung hatten die MediatorInnen zusammengetragen, doch leider nur als Tischvorlage und in nicht ausreichender Stückzahl verteilt − „jeweils drei teilen sich ein Exemplar“, hieß es wie in einem überfüllten Uni-Seminar −, so dass sie allenfalls andiskutiert werden konnte.*

Projektauftrag für die Bundesanstalt für Gewässerkunde

Wichtig erscheint uns jedenfalls, dass die Einbindung der BfG in der Beschlussvorlage festgeschrieben ist, wenn auch nur im Konjunktiv. Eigentlich soll diese Fachbehörde im Wege der Amtshilfe den Kanal vor allem insgesamt in den Blick nehmen und im ersten Schritt unter ökologischen Gesichtspunkten kartieren, um auf diese Weise dem WSA endlich eine Grundlage zu verschaffen, auf der sie ökologische Zielstellungen „über den reinen Verkehrsbezug hinaus aktiv verfolgen“ kann, wie es bekanntlich die neue Erlasslage fordert.**

Andererseits aber soll der BfG jetzt bereits für den in Rede stehenden Piloten der Projektauftrag erteilt werden, quasi im Vorgriff schon einmal anhand dieser 370 Meter paradigmatisch zu untersuchen, welche ökologischen Umgestaltungs- und Optimierungsmaßnahmen am LWK möglich und machbar sind. Dies müsste aber auch die Option jener Parallelwerke beinhalten.


* Der sich meist in Schweigen hüllende IHK-Vertreter, der im schnieken Ludwig-Erhard-Haus ja ein Heimspiel hatte, fand den Gang zum Kopierer wahrscheinlich unter seiner Würde…

** Mag Amtsleiter Scholz auch immer wieder erzählen, dass Törkels Februar-Erlass auf dem Schreibtisch von Frau Heinz, der Justiziarin des BMVBS liege, um auf seine Kompatibilität mit der WSV geprüft zu werden: der Erlass gilt bereits, woraus wir wohl schließen dürfen, dass er diese Prüfung schon bestanden hat.

Spundwand-News

Probe- und Nachrammungen

Nach der wenig professionellen Proberammung in Abschnitt 3 am Tempelhofer Ufer in Kreuzberg klappte es Dienstag (3.3.) am Herkulesufer in Mitte (Abschnitt 2) mit demselben Dieselbären schon wesentlich besser: Vorgewärmt und bei milderer Außentemperatur zündete er nach einer Anlaufphase wie gewünscht selbstständig, warf vollautomatisch seinen Stempel in die Höhe und brachte binnen zwei Stunden immerhin sechs der rund 50 bereits eingepressten* 6m-Bohlenteilstücke auf drei Meter Tiefe.

Ungeachtet aller amtlichen Beschwichtigungsversuche hatte das Bauhaus-Archiv seine empfindlichen Exponate vorsorglich in Sicherheit gebracht. Auch das Gebäude selbst ist ja bekanntlich denkmalgeschützt und darf deshalb nur einer Schwingung von 3mm/sec ausgesetzt werden. Die Schwingungen wurden diesmal von der BAW gemessen − und zwar auch die Deckenschwingungen innerhalb des Bauwerks. Die Firma Weitlandt, die dies für obsolet gehalten hatte, sei am Tempelhofer Ufer ja nur mal eingesprungen, weil die BAW ihr Equipment so kurzfristig nicht beisammen hatte, während sich Weitlandt nun mit den SenGUV-Experten auf die Messung der Lärmemissionen konzentrierte.

Und siehe, fürs WSA war alles im grünen Bereich, so dass keine Sondergenehmigung erteilt werden muss und die Senatsvertreter ganz unbürokratisch mündlich schon mal die Freigabe erteilen konnten, wenngleich mit gewissen Empfehlungen, die aber keineswegs den Charakter von Auflagen hätten, vom WSA bzw. der ausführenden Firma Otto Mette Wasserbau dennoch mit Sicherheit beachtet würden −, so zumindest die WSA-Pressesprecherin LWK, Evelyn Bodenmeier. Ihr detaillierter Bericht findet sich hier. [Siehe auch die sehr ansprechend aufgemachte Nullnummer des WSA-Newsletters, der die technischen Abläufe anschaulich werden lässt.]

Allerdings kamen von der Firma Mette für uns eher beunruhigende Hinweise, dass nämlich bei der jetzt erprobten Technik mit dem Dieselbären evtl. das 9m-Lichtraumprofil noch immer nicht ausreiche und also (mitten in der Vegetationsperiode!) weitere Baumschnittmaßnahmen nötig seien.

Jede zweite Bohle muss nun noch mit einem 2m-Teilstück aufgeständert und dann auf sieben Meter Tiefe gerammt werden, doch dies darf am Herkulesufer erst geschehen, wenn das Bauhaus-Archiv ab 17. Mai Ferien macht, wird also voraussichtlich erst im Juni erfolgen und zu mehr oder minder großen Beeinträchtigungen der Schifffahrt führen. Die Fahrpläne sind freilich längst in Millionen-Auflage gedruckt und die Reeder von diesen Aussichten wie auch der Beibehaltung des einspurigen Verkehrs wenig begeistert. Ihr Recht zur Vorschleusung hat das WSA bereits aufgehoben. Die BaumschützerInnen können der Entwicklung natürlich ebenso wenig abgewinnen, denn wenn Amtsleiter Scholz noch in der vorigen Baubesprechung von einer Beseitigung von 50 Prozent der Klötze gesprochen hatte, so ist weder am Corneliusufer (Abschnitt 1) noch hier am Herkulesufer bis auf weiteres daran zu denken.

Zur Verhinderung von Rindenfäule und Schädigung des Kambium der gesicherten Bäume ist nicht nur eine erneute Modifikation der Manschetten erforderlich, mit denen die Balken an den malträtierten Stämmen befestigt sind, sondern nach Meinung des Baumrevierleiters Mitte, Wolfgang Leder, auch eine sachverständige Überprüfung der Auswirkungen der tonnenschweren Betonklötze auf die Vitalität der Bäume − und dies sollte keinesfalls durch den Baumwertermittler Jochen Brehm geschehen, dem wir diese unikale Form sog. landseitiger Baumsicherung letztlich zu danken haben. (Schon beim Ersetzen der starren durch elastische, dem Stammwachstum jeweils anzupassende Manschetten, was ja leider erst im Juni 08, also mitten in der Wachstumsperiode, erfolgte, hatte die BI gegen eine neuerliche Beauftragung Brehms protestiert.)


* Damit keine Missverständnisse aufkommen: die selbstschreitende Presse muss im innerstädtischen Bereich aus Gründen des Lärmschutzes so weit wie möglich eingesetzt werden, ist also nicht schon deshalb obsolet, weil sie die vorgesehene Tiefe nicht schafft.

Betonklötze an Herkules- und Corneliusufer bleiben den Bäumen vorerst erhalten

Unerwartete Festigkeit der Kanalsohle wirft WSA-Planung über den Haufen

Spundwand Herkulesufer

Spundwand-Verpressung am Herkulesufer Quelle: WSA-B 

Was sich bereits seit einigen Wochen abzeichnete, hat sich inzwischen zur Gewissheit verdichtet: Die wasserseitige Sicherung der maroden Ufermauer als (angeblich!) notwendige Voraussetzung, die landseitige Sicherung des ufernahen Baumbestands mittels der „Brockelmänner“ − jener monströsen Betonklötze samt Balken, Eisen und Manschetten −, rückzubauen, ist ausgerechnet an den längsten Kanalabschnitten im Bezirk Mitte vorerst nicht möglich. Die „Korsettierung“ (Scholz) bleibt den geschundenen Kastanien auch die kommende Vegetationsperiode hindurch erhalten und kann allenfalls am Herkulesufer im Juni verschwinden [s.u.]. Unter den im letzten Jahr allzu spät gegen eine elastische Variante ausgetauschten Manschetten wird bis dahin, so befürchtet der Baumsachverständige Dr. Barsig,  die Rinde zu faulen beginnen. Und nicht zuletzt der Baumrevierleiter des Bezirks und Mitglied des Mediationsforums, Wolfgang Leder, wird wenig begeistert sein.

Die Baugrundsondierung, die ein Einpressen von Stahlspundwänden 1,75 Meter vor der Uferbefestigung und neun Meter tief als machbar nahelegte, war offenbar unzureichend, um das mindeste zu sagen. Im Kanalbett gibt es, wie berichtet, derart feste Schichten und Einschlüsse, dass die Spundbohlen nicht nur eingerammt werden müssen, sondern zudem jeweils noch Vorbohren angesagt ist. Dies wiederum erfordert wegen der entlang des Corneliusufers besonders geringen Kanalbreite allererst die Konstruktion eines speziellen Trägergeräts für die „Bohrmaschine“.

Hinzu kommt, dass die bspw. von WSA-Ingenieur Albrecht Biewald im Oktober letzten Jahres [siehe hier] noch vertretene Ansicht, wonach Rammen „zwar akustisch spektakulärer, fürs Bauwerk aber sogar schonender“ sei als Pressen, offenbar vom Bauhaus-Archiv nicht ohne weiteres geteilt wird. Das Museum will nämlich kommenden Mai im Bereich Herkulesufer empfindliche Exponate auslagern, weswegen erst anschließend hier gerammt werden darf und die Betonwürfel sonach nicht vor Juni beseitigt werden können.

Senatsverwaltung fordert weitere Gutachten

Auch SenStadtBau hat aus Skepsis gegenüber der behaupteten Unbedenklichkeit des Rammens an der Möckernbrücke (Abschnitt 4) erst mal einen Baustopp verhängt und überall dort, wo gerammt und/oder gebohrt werden soll, im Hinblick auf die Unversehrtheit umliegender Gebäude weitere, vom WSA zu finanzierende Gutachten verlangt. (Ähnliches hätte mensch ja eigentlich auch vom Landesdenkmalamt erwartet.) Deshalb „laufen Vorbereitungen für eine Proberammung mit schwingungstechnischen und akustischen Messungen“, die laut WSA-Website in der nächsten und übernächsten Woche durchgeführt werden sollen. Wie’s danach weitergeht, ist noch ungewiss, aber von entsprechenden Test-Bohrungen können wir wohl ebenfalls ausgehen.

Kanalsperrung in der Saison?

Die Fahrgastschiffer dürfte demgegenüber interessieren, ob nun doch mitten in der Saison mit einer Kanalsperrung zu rechnen ist oder ob, um sie zu vermeiden und angesichts des Fehlens eigentlicher Wohnbebauung am Herkulesufer die Wasserbauer Nachtschichten fahren können, ohne AnwohnerInnen damit wach zu halten.

Ingenieur Biewald versichert unterdessen, dass auch bei geringerer Einbindungstiefe der Bohlen − nicht acht Meter wie für die (dauerhaften) Plass-Varianten durchgeprüft, sondern nur sechs − die Statik der Spundwand dauerhaft gewährleistet sei. [Nachtrag, 21.2.: Hierüber wird der für nächste Woche erwartete „Prüfvermerk“ der Fa. Krone hoffentlich Aufschluss geben. Dieses Gutachten wird in einer Rundmail den Forumsmitgliedern übersandt und ihre anschließende Zustimmung zu den Schnittmaßnahmen an den Linden bis spätestens 12.3. erwartet. Vorausgesetzt, es bestehen keine weiteren Unklarheiten, können die Arbeiten im Abschnitt 6 dann am Freitag, 13. März, beginnen. (Wir sind ja nicht abergläubisch.)]

Da übrigens wegen des Eigengewichts der selbstschreitenden Presse die Länge des jeweiligen Spundbohlen-Stücks mindestens ebenfalls sechs Meter betragen muss, damit das Teil nicht mitsamt der Hunderttausende Euro teuren Presse ins Wasser abkippt, ist es nun also definitiv nichts mit Dritteln, sondern ein mindestens neun Meter hoher Arbeitsraum unabdingbar! (Höchstens eine Bohle darf mal kürzer sein, denn dann kann die Presse über sie hinweg greifen.)

Hängeweide

Hängeweide am Tempelhofer Ufer (vorher)

Bei der überhängenden Weide am Tempelhofer Ufer in Kreuzberg (Abschnitt 3) hat es auch mit der Herstellung eines 9m-Lichtraumprofils geklappt, will sagen: stand nicht allzu viel Starkholz im Wege, und auch bei den „politischen“ Linden (Abschnitt 6) kann es laut Baumgutachter mit Ach & Krach gehen −, aber überhängende Baumkronen säumen nun mal vielerorts die Kanalufer. (Wir sind, wie gesagt, sehr gespannt, wann endlich eine genaue Kartierung hierzu beauftragt wird.) Jedenfalls werden die BaumschützerInnen auch in diesem Betracht noch lange auf dem Quivive sein müssen, denn je komplizierter sich die Sachlage darstellt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass das WSA vor Ort zu Hauruck-Lösungen greifen lässt.

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