Mediationsverfahren in der Zielgeraden

Die Schubkraft einer Statik

Mit der 36. Forumssitzung am vergangenen Montag (14.5.) − dem Tag, als die TAU gen Rummelsburg entschwand − ist das Mediationsverfahren „Zukunft Landwehrkanal“ nach Aussage von Beteiligten auf die Zielgerade eingeschwenkt. Das Forum fasste den förmlichen Beschluss, das neue statische Gutachten künftig als unhintergehbare Grundlage aller weiteren Berechnungen zu Baugrund und Tragwerk zu nehmen. Das Mediationsteam ließ einen Weckruf erschallen und prompt wurde die verdienstvolle Fortschreibung des Großen gartendenkmalpflegerischen Gutachtens (GgG) präsentiert; die WSV ging in eine Transparenzoffensive…, aber der Reihe nach.

Verholen des TAU-Wracks

Verholen der TAU aus dem Urbanhafen ©WSA

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Ufermauer nur dekorativer Oberflächenschutz

Neue Statik: Baumbestand stabilisiert Böschung!

Von der 35. Forumssitzung zur „Zukunft Landwehrkanal“

Schon in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts − noch war der Senat von Berlin für die Unterhaltung des Landwehrkanals zuständig − war bekannt, dass „die Standsicherheit der alten Ufermauern rechnerisch nicht mehr nachweisbar [ist]“, wie Peter Neugebauer 1989 in der Zeitschrift Berliner Bauwirtschaft schrieb. „Die Tatsache, daß bisher nur wenige Schäden an den hohen Ufermauern eingetreten sind, deutet lediglich an, daß eine rechnerisch nicht mehr nachweisbare Standsicherheitsreserve stützend wirkt“, heißt es im Artikel weiter und an anderer Stelle: “Das äußere Erscheinungsbild der Ufermauern deutete darauf hin, daß die Standsicherheit entgegen den Berechnungen höher anzusetzen ist. […] Zur Klärung dieser Diskrepanz und zur Ermittlung der tatsächlichen Standsicherheit wurde ein Belastungsversuch durchgeführt. […] Er hat die vermutete Standsicherheitsreserve bestätigt.“ Soweit Neugebauer 1989.

Von der erneuten Auswertung dieses Belastungsversuchs berichtete auch Christian Schmidt vom Darmstädter Ingenieurbüro Krebs und Kiefer (KuK), das vom WSA überaus spät, wenn auch nicht mit einem weiteren Belastungsversuch, sondern mit einem angeblich ganz neuen Herangehen zur statischen Berechnung des Bauwerks oberhalb der Wasserlinie [„Kleiner Gleitkreis“] beauftragt, nämlich mit numerischen Untersuchungen zu den Bodenkenngrößen für die Uferböschungen nach der Finite-Element-Methode (FEM). Den Rest des Beitrags lesen »

Learning by doing am Beispiel Spundwand-Einbringung

BaumschützerInnen-Info vom 16.02.09

Sachbereichsleiterin überfordert

In ihrer einigermaßen komplizierten und zumal für den interessierten Laien leider nur sehr schwer verständlichen Präsentation zum Stand der Arbeiten an den insgesamt sechs Abschnitten mit den gesicherten Bäumen [siehe hier] berichtete die Leiterin SB II, Gerrit Riemer, dass im Abschnitt 2 (Herkulesufer) in der ersten Arbeitsphase mittlerweile 60 Spundbohlen eingebracht worden seien, die in der zweiten Phase nunmehr „aufgestockt“ würden [und also ganz unabhängig von überhängenden Baumkronen durchweg halbiert wurden!], um sie anschließend in einer dritten Phase auf Endtiefe einzupressen, wogegen im, mit gut 200 m längsten Abschnitt 1 (Corneliusufer) die Arbeiten nach etwa der Hälfte der Strecke wegen unerwarteter Festigkeit des Baugrunds zum Stillstand gekommen seien: Infolge der mergelartigen Schichten in der Kanalsohle sei hier weder Pressen noch Rammen möglich. Die Einbringung der Bohlen erfordere vielmehr ein Vorbohren, doch aufgrund der dortigen geringen Kanalbreite müsse erst ein besonderes Trägergerät konstruiert werden!

Probleme mit der Staffelrammung

Zur allgemeinen Überraschung erklärte Frau Riemer ganz nebenbei, dass man sich in allen sechs Abschnitten zu einer sog. Staffelrammung entschlossen habe, wobei wir uns nicht am Wort „Rammen“ stoßen sollten: nach wie vor werde eingepresst. Dagegen stieß sich vor allem die Architektin Kleimeier an der Auskunft, „Staffel“ bedeute, dass nur jede zweite Bohle auf eine Endtiefe von sieben Metern gebracht werde, alle ungeraden dagegen nur auf sechs Meter. Die Plass-Ingenieure aber hatten bei einer dauerhaften Lösung − und um die war es ihnen ja zu tun − aus statischen Gründen eine acht Meter tiefe Einbindung in die Kanalsohle für notwendig erachtet, und dieser Ansicht waren auch die Prüfingenieure. Dass die wasserseitige Baumsicherung durch eine temporäre Baugrubensicherung mittels Spundwänden ggf. auch in eine dauerhafte Lösung überführt werden könne, sollte aber ausdrücklich nicht ausgeschlossen sein. Wenn Frau Riemer nun behaupte, die Statik sei auch bei einer geringeren Einbindungstiefe gesichert, so gelte das allenfalls für eine temporäre Lösung. Dies bestritt Frau Riemer nachdrücklich: ein Prüf-Gutachten für die Statik beider Eventualitäten liege dem WSA vor, befinde sich im Hause und werde den AK-Mitgliedern umgehend übersandt. Da am 23.2. die Arbeiten im Abschnitt 6 aufgenommen werden sollten, sei eine positive Rückmeldung vor diesem Datum sehr erwünscht, damit dann die Schnittmaßnahmen baubegleitend erfolgen könnten und es zu keiner weiteren Verzögerung käme.

Statisches Gutachten demnächst

Da der AK aber darüber beschließen sollte, ob die überhängenden Bäume in den Abschnitten 3 (mit der Hängeweide gegenüber der Shell-Tankstelle am Tempelhofer Ufer) und 6 (mit den berühmten, 2007 von BaumschützerInnen besetzten vier Linden) nun nach den händischen Messungen von Barsig und dem Baumdienst GvL entsprechend dem notwendigen Arbeitsraum beschnitten werden dürfen, konnte nur im ersten Fall eine Zustimmung erteilt werden. Für die Beschneidung der Linden gab es dagegen nur eine Genehmigung unterm Vorbehalt, dass die statische Berechnung tatsächlich auch für eine dauerhafte Lösung gelte.

Anderntags kam indes kein Gutachten. Vielmehr musste Pressesprecherin Bodenmeier einräumen, dass doch noch keines zur Staffelrammung, d.h. zur Statik bei einer geringeren Einbindungstiefe der Spundbohlen vorliege, weder für die temporäre noch für die dauerhafte Variante, sondern vom Prüfstatiker Krone erst erarbeitet werde müsse und nicht vor dem 23. Februar zu erwarten sei. − Die absehbare Verzögerung der Arbeiten hat mithin nicht der AK zu verantworten.