Ein Bauschild macht unnötig Ärger

Zum amtsseitigen Kommunizieren der Landwehrkanal-Sanierung

Gerätepark

Gerätepark an der Corneliusstraße

Die Verpressung der Spundwand in den außergewöhnlich harten Untergrund vor der maroden LWK-Ufermauer entlang der Corneliusstraße in Mitte konnte die Firma Johann Bunte heute ohne weitere Beeinträchtigung des Crush-Piler-Systems durch ins Geschiebemergel eingeschlosses Granitgeröll fortsetzen. Die Stahlbohlen konnten auf die statisch erforderliche Endtiefe von rund fünf Metern eingebracht werden, und wir drücken die Daumen, dass der Fortgang nicht wieder durch Granit gehemmt wird. Wie heißt es in der Broschüre einer Grundbaufirma doch so schön: „Voraussetzung für das Pressverfahren sind sehr gute Kenntnisse des Baugrundes, da etwaige Hindernisse nicht überwunden werden können.“ Den Rest des Beitrags lesen »

Harte Brocken entlang Corneliusstraße

Dennoch keine Alternative zum Crush Piler

Da sich das Einbringen der „aufgeständerten“ Spundbohlen auf Endtiefe im rund dreißig Meter langen Bereich an der Corneliusstraße in Mitte, wo die Bohlen nur teilweise hatten eingebracht werden können, wie berichtet, ausnehmend schwierig gestaltete, wurde in der vergangenen Woche die achtzig Meter lange Neubaustrecke von der Corneliusbrücke her in Angriff genommen, um im Anschluss von dort auf den halbfertigen Teil überzugehen. Wider Erwarten erweist sich jedoch auch die Neuverpressung keineswegs als Spaziergang. Gegenüber 15 Doppelbohlen täglich im Fall Teststrecke, werden an der Corneliusstraße durchschnittlich bloß sechs pro Tag geschafft. Bislang ist noch nicht die Hälfte der Neubaustrecke geschafft, doch gleichwohl hofft WSA-Ingenieur Heier, bis Ende dieser Woche die Strecke zu bewältigen, so dass der Zeitplan nicht gesprengt wird.

Granitbrocken lädieren Bohrkopf

Die Bodenverhältnisse der Kanalsohle längs der Corneliusstraße in Mitte sind verglichen mit jenen der Crush-Piler-Teststrecke am Kreuzberger Paul-Lincke-Ufer ungleich schwieriger, obwohl seinerzeit für die Erprobung des GIKEN-Geräts natürlich ein besonders harter Abschnitt ausgesucht worden war. Doch zu den „Linsen“ von sog. Geschiebemergel, die sich ab drei Meter Tiefe allenthalben in der Kanalsohle finden, gesellt sich an der Corneliusstraße das Problem, dass in diese Sedimentschichten auch noch große Gesteinsbrocken aus rotem Granit eingelagert sind, die der Bohrkopf des CP nicht zu durchstoßen oder zu zerkleinern („crushen“) vermag; vielmehr werden sie von der rotierenden Bohrschnecke im Leitrohr umhergeschleudert und beschädigen dieses und insbesondere den Bohrkopf.

AG Meilensteine

WSA-AG LWK präsentiert am 14. März der Forums-AG "Meilensteine" Zwischenstände

[Zum konventionellen Verfahren des verrohrten Bohrens s.u. die Ergänzung.*]

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Nach Verpressungsproblemen kriegt Corneliusufer neue Spundwand

Erstmal bringt Kälteeinbruch alles zum Erliegen

Crush Piler an Kastanien

Crush Piler dicht an Kastanien

Das Fertigstellen der wasserseitigen Sicherung durchs Einbringen einer Spundwand entlang der Corneliusstraße in Mitte erweist sich im Wortsinn als harter Brocken. Nachdem die Firma Johann Bunte Mitte vergangener Woche die Arbeit mit dem Crush Piler aufgenommen hatte und auch der notwendig gewordene weitere Rückschnitt einer der seit dreieinhalb Jahren landseitig gesicherten, also angepflockten Rosskastanien erfolgt war *, gelang zwar in dem 35 Meter langen Abschnitt, der sozusagen nur halbe Stahlbohlen aufweist, das Aufständern, sprich Aufschweißen des zweiten Teilstücks perfekt −, doch dann schaffte auch der Crush Piler (CP) nicht, die Bohlen auf die statisch erforderliche Endtiefe in die Kanalsohle zu treiben. Nach zwei Metern war Schluss. Die auf der bereits eingebrachten Spundwand selber schreitende Presse mit integrierter Bohrschnecke konnte ihre immensen Kräfte allerdings auch gar nicht voll einsetzen, da die Bohlen, worauf sie „sitzt“, bislang nur drei Meter tief im Boden stecken − zu wenig, um das Gerät mit seinen über zwanzig Tonnen Eigengewicht auf volle Leistung zu fahren: statt die Bohle in den Untergrund zu bohren, würde es eher seinen „Sitzplatz“ wieder herausziehen, mit ihm um- und in den Kanal kippen. [Beachte auch die „kleine Richtigstellung“ des WSA am Ende dieses Postings…] Den Rest des Beitrags lesen »

Auch die Rammung verlief glimpflich

Verspundung unter überhängenden Bäumen bei nur minimalen Astschäden gelungen!

Der „Bauleiter Baumschutz“ am Landwehrkanal, Dr. Barsig, berichtet:

„Heute (24.11.) wurden mit der Rammung von fünf aufgeständerten Bohlen die Spundwandarbeiten am Tempelhofer Ufer erfolgreich abgeschlossen.

Nur bei der Linde Nr.25 trat mit einem 50 cm langen Rindenschaden an einem Starkast eine ernsthaftere Verletzung während der Rammarbeiten auf. Dieser konnte innerhalb von zwei  Stunden fachgerecht nach ZTV Baumpflege durch das Aufnageln einer speziellen Wundschutzfolie versorgt werden, weil die in der Nähe ansässige GaLaBau-Firma Wildwuchs das notwendige Material freundlicherweise sofort zur Verfügung stellen konnte. Ein weiterer Rindenschaden an der benachbarten Linde Nr.26 ist als weniger gravierend einzustufen, ebenso wie ein vereinzelter abgebrochener Grobast an Linde Nr. 28. Somit zeigte sich, dass die Baumkronen bei Rammarbeiten potenziell stärker gefährdet sind.

Abschnitt 6 verspundet

Abschnitt 6 verspundet | ©U.Kleimeier

Insgesamt ist aber hervorzuheben, dass durch die gute Zusammenarbeit und das Engagement aller Beteiligten die Spundwandarbeiten unterhalb der Lindenkronen zügig durchgeführt und schneller als erwartet beendet werden konnten. Die Baumkronen konnten vollständig erhalten werden, die entstandenen Schäden sind gering bis sehr gering. Unter den gegebenen Umständen wurde der bestmögliche Baumschutz realisiert. Für künftige Sanierungsarbeiten unterhalb von Baumkronen kann festgehalten werden, dass das Einbringen und Einpressen der Spundbohlen bei simultaner Arbeitstechnik optimal möglich ist. Für die Rammtechnik besteht aus baumschützerischer Perspektive noch Verbesserungsbedarf. Insgesamt ist aber ein sehr erfreulicher Abschluss dieses Pilotprojekts zu konstatieren.“

Siehe auch hier.

Verteidigung unserer Linden!

Der Modellfall

Bei den 2007 geretteten und dann wegen angeblicher Umsturzgefahr an mönströse Betonklötzer, die sog. Brockelmänner, angedockten Linden am Tempelhofer Ufer soll’s demnächst zur Sache gehen. Sie stehen im Bauabschnitt 6, wo die Fa. Mette Wasserbau im letzten Winter nur die Startbohlen eingebracht hat und ab 2. November die Verspundung vollenden soll. Doch wie mensch schon mit bloßem Auge erkennt und sowohl Laser-Messungen des WSA als auch wesentlich aussagekräftigere manuelle der Baumpflegefirma GvL in Zusammenarbeit mit Dr. Barsig [siehe hier] gezeigt haben, würde nicht nur das Einpressen/-rammen zwölf Meter langer Spundbohlen und vor allem ihr Einschwenken mit einem 22 Meter hohem Kran, sondern auch ihre Halbierung wegen der auch dann noch nötigen Arbeitshöhe von acht Metern erhebliche Kroneneingriffe erfordern, die nicht nur den Habitus dieses landschaftsprägenden Ensembles empfindlich beeinträchtigen müssten, sondern − da Silberlinden weit weniger schnittverträglich sind als bspw. Weiden − angesichts zahlreich nötiger Starkastschnitte die Gefahr des Einwanderns von Fäule bis ins Stammholz mit sich bringen und in absehbarer Zeit zum Verlust der Bäume führen, für deren Erhalt schon einiges Engagement und auch finanzielle Mittel aufgewendet worden sind, mögen die letzten nun sachlich gerechtfertigt gewesen sein oder doch eher der öffentlichen Diskreditierung des ersten gedient haben.

Standard-Verfahren werden dem „bestmöglichen Schutz jedes einzelnen Baums“ nicht gerecht!

Jedenfalls zeigten die Messungen und die entsprechenden Farbmarkierungen der potentiellen Schnittstellen an den Starkästen [siehe das Barsig-Gutachten], dass eine Drittelung der Bohlen mit einer Arbeitshöhe von allenfalls sechs Metern unter der Maßgabe des bestmöglichen Baumschutzes noch vertretbar wäre. Während eine Drittelung zunächst für technisch machbar, dann wieder nicht und zuletzt wieder doch bezeichnet wurde [siehe z. B.  hier und hier], heißt es nun erneut, es gehe aus statischen Gründen wegen der zu geringen Einbindungstiefe der 4m-Teile keinesfalls, da diese dann die schwere selbstschreitende Presse nicht tragen könnten. Dass dies ja auch gar nicht nötig sei, sondern erst das nächste Teilstück aufgeständert, verschweißt und anschließend das Ganze tiefer eingepresst und daraufhin mit dem dritten Teilstück der ganze Vorgang nochmals wiederholt werde, bevor sich die die Presse „draufsetzt“, wurde wegen des aufwendigen Gerätewechsels zwischen Presse und Ramme als zu aufwendig verworfen. Amtsleiter Scholz aber hatte seinerzeit erklärt, auch eine Drittelung von Spundbohlen sei durchaus schon gemacht worden und wegen der Stärke der Profile (AZ 25), damit sie nach der Kleimeier-Variante auch für eine dauerhafte Lösung taugten, gebe es auch keine statischen Probleme… Vor allem aber sprach der Chef von einer „Filigranbauweise“, während es jetzt offenbar wieder in Richtung Standard- und 08/15-Methoden gehen soll.

Besser noch ein Jahr Korsettierung als Verkrüppelung für immer!

Deshalb schlagen die BürgervertreterInnen nun vor, entweder auf die seinerzeit von Amtsleiter Scholz gleichfalls als machbar bezeichnete Option einer Verschwenkung der Spundwandtrasse um ca. einen Meter in Richtung Fahrrinne zurückzukommen, denn dies würde längere Bohlen ermöglichen und gleichzeitig die Astschnitte auf ein Minimum reduzieren. Die neuerliche Munitionssondierung würde allenfalls einige Tage beanspruchen, also keine große Zeitverzögerung bedeuten. − Sollte diese Alternative wegen der Verengung der Fahrrinne jedoch am Widerstand der Reeder scheitern, plädieren wir für einen Baustopp an dieser Stelle unter Beibehaltung der angeblich notwendigen landseitigen Sicherung, also der Brockelmänner, bis innovative technische Geräte herangeführt (z. B. Gikens Gyro Piler, der mit vier Metern Arbeitshöhe auskommt) und innovative, flexible Arbeitskonzepte entwickelt wurden, die überhängende Baumkronen, die es bekanntlich noch in sehr großer Zahl und mit noch weit geringerer Schnittverträglichkeit (z. B. Rosskastanien) entlang des Kanals gibt, bis zu einer gewissen Mindesthöhe schont.

Abschnitt 6 hat Pilotcharakter

Mithin muss in dieser Perspektive der Umgang mit den vier Linden Modellfall und Pilotprojekt sein, denn der Kronenüberhang, der weite Strecken der Kanalufer säumt, ist ja nicht nur wegen des ästhetischen Reizes des Landschaftsbilds und weil er essentieller Teil des Denkmals ist, in hohem Maße erhaltenswert, sondern auch wegen seiner eminenten ökologischen Funktion, und zwar nicht nur als Lebensraum für Vögel und Kronenfauna, sondern für die Temperatur des Kanalwassers, insofern sie durch die Verschattung während sommerlicher Hitzeperioden erheblich niedriger gehalten wird, dadurch den Sauerstoffmangel begrenzt, der durch die Zersetzung von über die Mischwasserkanalisation eingeschwemmten organischen Materials immer wieder verursacht wird − mit dem beklagenswerten Fischsterben im Gefolge, zu dem es andernfalls noch in weit höherem Maße käme.

Ein Ortstermin bei den Linden wurde anberaumt, doch da er aus unserer Sicht keine entscheidend neuen Erkenntnisse bringen wird, haben wir übers Mediationsteam dem WSA und den anderen Forumsmitgliedern vorsorglich eine entsprechende Stellungnahme zugehen lassen gemäß unserem Credo, die Sanierungstechnik an den Uferbaumbestand anzupassen und nicht umgekehrt.

Technischer Fortschritt auch bei Verspundung am Kanal?

TU-Spundwandseminar 2009 macht Hoffnung!

Am 26. März veranstaltete das Fachgebiet Grundbau und Bodenmechanik der TU Berlin zusammen mit der Thyssen Krupp GfT Bautechnik eine Tagung zu neuesten Entwicklungen auf dem Feld der Spundwandbauweise.

Für unser Thema kam das eigentliche Highlight erst im Schlussvortrag: Dr.-Ing. Naji Al-Arja, Leiter der Berliner Niederlassung der Giken Europe B.V., einer japanischen Firma, spezialisiert auf umweltschonende Pressverfahren, stellte neben dem Silent Piler, der selbstschreitenden Presse*, die in ihrer britischen Version am LWK bereits zum Einsatz kam, auch den sog. Crush Piler vor. Dieses Gerät, das besonders für sehr harte Untergründe geeignet ist, wäre eine Alternative für das verrohrte Bohren, wie es das WSA am Corneliusufer plant, indem im Bohrpressverfahren jeweils zunächst ein Stück vorgebohrt und darauf die Spundbohle nachgezogen wird, ohne dass ein Bodenaustausch wie beim verrohrten Bohren nötig würde.

Ferner stellte Dr. Al-Arja das sog. GRB-Non Staging System vor, das für Verpressungsarbeiten auf engstem Raum entwickelt wurde, und nicht nur die Presse, sondern auch der Kran auf dem bereits eingepressten Teil der Spundwand „fährt“ und auch die jeweils nächste Spundbohle darauf herangeführt wird. Eine schöne Flash-Animation dazu findet sich hier.

Außerdem gibt es neue Vibrationstechniken („Rütteln der Bohlen“), die möglicherweise auch noch am Kanal in Betracht kommen könnten, weil sie insbesondere für den Einsatz in der Nähe von Gebäuden konzipiert worden sind.

Dr. Al-Arja hat bereits zugesagt, in einem Arbeitskreis des Mediationsverfahrens die verschiedenen Systeme zu präsentieren. − Nähere Informationen zum Spundwandseminar folgen in einem späteren Beitrag.

Silent Piler

Silent Piler


* der Prototyp wurde bereits 1973 in Japan entwickelt

Mediationsforum beschließt Pilotprojekt

Spundwände vor den betonwürfelgesicherten Bäumen verbleiben als Teil einer dauerhaften Sanierungsvariante im Kanal

Ludwig-Erhard-Haus

Tagungsort Ludwig-Erhard-Haus

Obwohl noch Feinarbeit zu leisten ist, folgte das Mediationsforums auf seiner 15. Sitzung am vergangenen Montag (23.3.09) der Empfehlung der 3. Arbeitsgruppe zur Lösungssondierung und fasste einen gewichtigen Beschluss: Die 370m-Strecke mit den anpflockten Bäumen, die gegenwärtig unter erheblichen Mühen und Rückschlägen mittels Verspundung wasserseitig zu sichern versucht wird, soll als Pilotprojekt und Experimentierfeld für dauerhafte Sanierungsvarianten angegangen werden.

Die längsten Unterabschnitte sind dabei das Cornelius- und Herkulesufer in Mitte; der Rest erstreckt sich in Teilstücken entlang des Tempelhofer Ufers in Kreuzberg, und zwar grob gesagt in den Bereichen Technikmuseum bis (U-Bhf.) Möckernbrücke. Die Arbeiten ruhen aus unterschiedlichen Gründen zwar größtenteils, doch wenn im Herbst am − mit ca. hundert Metern längsten − Abschnitt Corneliusufer die Spundbohlen durch verrohrtes Bohren [oder auch anders: siehe hier!] in den dort unerwartet harten Mergel der Kanalsohle eingebracht sind, soll unverzüglich auch die Uferwand saniert werden. Damit das so baumfreundlich, umweltverträglich und denkmalgerecht wie nur möglich, also idealerweise in situ geschehe, müssen diese Arbeiten schon jetzt geplant und also auch beauftragt werden.

Interessenbekundungsverfahren läuft noch bis 10. April

Sie sollen jedenfalls nicht a priori den Plass-Ingenieuren vorbehalten bleiben, obwohl es eine ganze Reihe von Fachleuten gibt, die jenseits des Plass’schen Lösungsspektrums nichts Machbares sehen. Die BI fahndet indessen schon seit längerem nach innovativen, den Bestand schonenden und seine Entwicklung und Optimierung nicht verbauenden Lösungen, das Interessenbekundungsverfahren läuft noch knapp zwei Wochen, und angesichts einer ganzen Reihe von Rückmeldungen dürfen wir gespannt sein, ob und wenn ja, welche Ideen über die elf Plass’schen Varianten und die Variante Kleimeier II hinausweisen.

Beschluss, die Spundwand auf den 370 Metern unter Wasser abzutrennen, darf für den Rest des Kanals nichts präjudiziern!

In der intensiven Debatte um die Beschlussvorlage ging es vor allem um die Frage, ob die Spundwände und wenn ja, wie weit unterhalb der Wasseroberfläche sie abgeschnitten werden. Die VertreterInnen der Berliner Umweltverbände sowie die Bäume am Landwehrkanal sehen in der ursprünglich von SenGUV-Vertreter Rehfeld-Klein eingebrachten Idee, die Spundbohlen zumindest stellenweise über Wasser zu kappen, ein wichtiges Element einer möglichen ökologischen Umgestaltung des Gewässers und Erreichung seines „guten ökologischen Potentials“ im Sinne einer angewandten WRRL. Durch die nur ein Stück über die Wasseroberfläche ragende Spundwand würde der durch den Schiffsverkehr erzeugte hydraulische Druck auf die Uferböschung gemildert und zugleich Raum für sog. Parallelwerke, sprich Flachwasserzonen geschaffen, wo sich, wie Erfahrungen zeigen, in kurzer Zeit vielerlei Arten aus Flora und Fauna ansiedeln, worunter nicht wenige (Krebse, Muscheln, Binsengewächse, Röhricht) sogar einen Beitrag zur Verbesserung der Wasserqualität leisten.

Nun jedoch schien sich Rehfeld-Klein, der sich schon mal beklagt hatte, ständig mit Schilf assoziiert zu werden, von seiner eigenen Idee zu distanzieren, indem er solche Flachwasserzonen am Kanal plötzlich als brackige Müllkippe beschrieb und aufwachsende Vegetation als Beeinträchtigung der Bauwerksästhetik. Auch wir wollten auf diesen ersten 370 Metern nicht auf den Parallelwerken bestehen, und es soll ja gerade in Abstimmung mit Reedern und Denkmalschutz geprüft werden, wo sie auf der gesamten Kanallänge möglich sind.

Doch wenn einerseits die Erwartung mitschwingt, auf diesen Abschnitten eine Lösung zu finden, die „für lange Strecken des Kanals einsetzbar ist“ und nun, anstatt „sie spielerisch anzugehen“ (Rehfeld-Klein), kategorisch ausgeschlossen wird, dass die beschriebene ökologische Umgestaltung innerhalb der Regelbauweise stattfinden darf, kommen der BI doch wieder Bedenken. Immerhin sprach sogar Klaus Lingenauber von zehn Prozent, die er gewissermaßen freizugeben bereit sei, und uns geht es schon seit längerem um Klärung der Frage, in welchen Mindest-Abständen denn solche „Trittsteine“ geschaffen werden müssen, um ihr ökologische Wirkung voll zu entfalten. Matthias Rehfeld-Klein hatte Lösungen leider nur dort sondiert, wo BI-Vertreter nicht eingeladen waren − durch Hörensagen erfuhren wir, man habe sich geeinigt − und sich bei der entscheidenden gemeinsamen Sitzung der AGs entschuldigen lassen. Und wenn er nun sagt, es gehe nicht an, den ganzen LWK zu renaturieren, so hat dies auch gar niemand beabsichtigt, doch wir haben sehr wohl noch im Ohr, wie Rehfeld-Kleins Chefin, Umweltsenatorin Katrin Lompscher, der BI öffentlich solche Hirngespinste andichtete.

Ein Zwanzig-Punkte-Katalog von zu prüfenden Fragestellungen/zu beauftragenden Untersuchungen im Zusammenhang mit der Umsetzung der Spundwandvariante als Dauerlösung hatten die MediatorInnen zusammengetragen, doch leider nur als Tischvorlage und in nicht ausreichender Stückzahl verteilt − „jeweils drei teilen sich ein Exemplar“, hieß es wie in einem überfüllten Uni-Seminar −, so dass sie allenfalls andiskutiert werden konnte.*

Projektauftrag für die Bundesanstalt für Gewässerkunde

Wichtig erscheint uns jedenfalls, dass die Einbindung der BfG in der Beschlussvorlage festgeschrieben ist, wenn auch nur im Konjunktiv. Eigentlich soll diese Fachbehörde im Wege der Amtshilfe den Kanal vor allem insgesamt in den Blick nehmen und im ersten Schritt unter ökologischen Gesichtspunkten kartieren, um auf diese Weise dem WSA endlich eine Grundlage zu verschaffen, auf der sie ökologische Zielstellungen „über den reinen Verkehrsbezug hinaus aktiv verfolgen“ kann, wie es bekanntlich die neue Erlasslage fordert.**

Andererseits aber soll der BfG jetzt bereits für den in Rede stehenden Piloten der Projektauftrag erteilt werden, quasi im Vorgriff schon einmal anhand dieser 370 Meter paradigmatisch zu untersuchen, welche ökologischen Umgestaltungs- und Optimierungsmaßnahmen am LWK möglich und machbar sind. Dies müsste aber auch die Option jener Parallelwerke beinhalten.


* Der sich meist in Schweigen hüllende IHK-Vertreter, der im schnieken Ludwig-Erhard-Haus ja ein Heimspiel hatte, fand den Gang zum Kopierer wahrscheinlich unter seiner Würde…

** Mag Amtsleiter Scholz auch immer wieder erzählen, dass Törkels Februar-Erlass auf dem Schreibtisch von Frau Heinz, der Justiziarin des BMVBS liege, um auf seine Kompatibilität mit der WSV geprüft zu werden: der Erlass gilt bereits, woraus wir wohl schließen dürfen, dass er diese Prüfung schon bestanden hat.

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