Was wird?

BaumschützerInnen-Info vom 23.12.08

Von der Phase der Interessenerhebung in die Phase der Lösungssuche

Laut MediatorInnen hat das Verfahren zur Zukunft des LWK die Phase der Interessenerhebung und -sammlung weitgehend abgeschlossen und tritt nun in die neue Phase der Lösungssuche, wobei vorgeschlagene Lösungen anhand der eine lange Reihe von Clip Charts einnehmenden Liste der ermittelten Kriterien bewertet werden sollen. Was aber noch ausstehe, lautete der umgehende Einwand, sei gewissermaßen eine Konflikt-Matrix, d. h. es müssen die Kernkonflikte zwischen den verschiedenen Interessengruppen herausgearbeitet werden. Im nächsten Schritt wird es dann darum gehen, die InteressenvertreterInnen in kleineren Gruppen zusammenzubringen, um Wege der Konfliktbearbeitung zu finden und Positionen evtl einander anzunähern.

Arbeitskreise auflösen?

Während Fahrgastschiffer Freise erneut daran erinnert, weiterfahren zu müssen, befindet Amtsleiter Scholz, dass wir zwar noch nicht die Zielgerade erreicht, aber doch immerhin ein Plateau erklommen hätten, von dem herab er vorschlage, gewisse Arbeitskreise wie den für Nachhaltige Wirtschaft und Schifffahrt oder gar den für Sanierung kurzerhand aufzulösen.

Obwohl wir unlängst unsererseits (ironisch!) die Auflösung des erstgenannten AK gefordert hatten, frappiert das Ansinnen aus dem Munde des WSA-Leiters denn doch, da gerade in diesem AK, der sich doch mit den Dreh- und Angelpunkt von Sanierung, Unterhaltung und Nutzung des Kanals beschäftigen sollte, nämlich um Nachhaltigkeit als integrativer, ganzheitlicher Ansatz, die Ergebnisse mehr als bescheiden ausfielen und weder die Reederschaft (was die nicht nachhaltige Geometrie und Antriebstechnologie ihrer Flotten angeht) noch WSD und WSA (was Ausrichtung und Bewertung ihres Handelns am Kriterium der Nachhaltigkeit betrifft) noch auch die involvierten Senats- und Bezirksstellen (in Bezug auf die Kontrolle und perspektivische Analyse von Situation und Gegebenheiten am und auf dem Kanal) haben sich auch nur um ein Jota von ihrer Ausgangsforderung einer schnellstmöglichen Wiederherstellung des Status quo ante fortbewegt.

Nicht-nachhaltige Interessen

Gilt es hier nicht vor allem zu fragen, ob die jeweiligen Interessen nachhaltig sind, ob es sich um in dieser Hinsicht „aufgeklärte“, „wohlverstandene“, verallgemeinerbare Eigeninteressen handelt? (Dem Prinzip der Nachhaltigkeit erwächst nämlich zunehmend etwas vom Rang des kategorischen Imperativs!) − Und wenn dann auch noch der AK Sanierung obsolet sein soll, bleibt zu fragen, in welchem Rahmen das Ganze dieser komplexen, facettenreichen Aufgabe überhaupt noch in den Blick genommen werden kann, um übergreifende Themen wie Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität, zur Erschließung von Potentialen im Hinblick auf eine Biotopvernetzung, zur Schaffung eines Bandes wassernaher Naturerfahrungsräume etc.  im Hinblick aufs Wie und Wo ihrer praktischen Umsetzung zu erörtern.

Mediation und Interesse

Aus so naheliegenden wie verständlichen Gründen gibt es auch auf Seiten der MediatorInnen die beständige Tendenz, auf Erreichtes, Gelöstes, endlich Abgehaktes zu verweisen und Ergebnisse schönzureden, sehen sie sich doch von den Sachwaltern der etablierten Interessen unter wachsenden Erfolgsdruck gesetzt und müssen nach über einem Jahr Verfahren ungünstige Effekte auf die eigene Reputation fürchten. Andererseits gilt anzuerkennen, dass sie sich diesen Zwängen immer wieder wacker entgegenstemmen. − Hier scheint, unabhängig vom besonderen Fall, eine Crux von Mediation in ihrer privatkapitalistischen Form: als Produkt und Ware zu liegen.

Nachhaltige Planung heißt breite Partizipation!

Was nun den Abschluss der Interessenklärung betrifft, wird in der jetzigen Form des Verfahrens auch eine Verlängerung bis Mitte Januar nicht ausreichen, denn wie schon des öfteren betont: die BI und die wenigen Kreuzberger AnwohnervertreterInnen können unmöglich die BürgerInnenbeteiligung an der Sanierung eines 11 km langen Kanals repräsentieren oder auch nur für die notwendige Öffentlichkeit des Verfahrens sorgen. Die bislang einzige öffentliche Veranstaltung hat bekanntlich die BI unterm Motto „Landwehrkanal für lle!“ am 13.9. selbst organisiert, doch der Impuls, die Notwendigkeit einer nachhaltigen Sanierung und Entwicklung des LWK ins öffentliche Bewusstsein zu heben, blieb ungeachtet oder gar wegen der vollmundigen Zustimmung seitens der VertreterInnen sämtlicher politischer Ebenen doch allzu begrenzt. − Jetzt also hat das Mediationsteam mal wieder eine öffentliche Veranstaltung zugesagt, die wahrscheinlich das Erreichte präsentieren soll.

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