Unangekündigte Sträucherrodung am Paul-Lincke-Ufer

BaumschützerInnen-Info vom 16.02.09

Der nächste Skandal!

Strauchrodung am Paul-Lincke-Ufer

Strauchrodung am Paul-Lincke-Ufer

Auf die Frage der Anwohnervertreterin Kleimeier, was es mit der radikalen Rodung fast des gesamten ufernahen Strauchbestands am Paul-Lincke-Ufer auf sich habe, wusste niemand in der Runde davon, nicht die WSA-VertreterInnen und auch nicht die Mitarbeiterin des F’hain-Kreuzberger Grünflächenamts, und so schossen wilde Vermutungen ins Kraut. Schon anderntags beendete ein Anruf Frau Kleimeiers beim Außenbereichsleiter Neukölln das Rätselraten: Jörg Augsten hatte den Kahlschlag beauftragt: man müsse die Ufermauer beobachten können. Die Notwendigkeit der Abholzung sei bereits Mitte Dezember mit Bericht und Fotos im Amt vorgelegt worden…

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dito mit Blick nach Osten

Dass es den BürgervertreterInnen neben dem Baumerhalt auch um den der übrigen Ufervegetation geht, ist hinlänglich bekannt, gab’s doch schon manche Debatte über die Schonung selbst von Farnen, Moosen und Flechten bei der Fugenpflege der Quaderwand. Überflüssig zu erwähnen, dass somit, wenn aus welchen Gründen auch immer derart massiv in den Strauchbestand eingegriffen wird, im Vorfeld gegenüber dem Mediationsforum zumindest eine Informationspflicht besteht. Sie ist auch in diesem Fall eklatant verletzt worden, und abermals sind wir wohl gehalten anzunehmen, dass wieder ein Glied der Informationskette erkrankt/beurlaubt/auf Weiterbildung war.

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Rigoroser Beschnitt ebendort

Was schon die WSA-Fotos zeigten, bestätigte inzwischen eine inoffizielle Ortsbegehung: Beileibe nicht nur Büsche und Sträucher wurden mit Stumpf und Stil gerodet, sondern auch mehr oder minder überhängendes Astwerk jüngerer Bäume − „Wildwuchs“ eben − rigoros gekappt! Wenn geplant sein sollte, auf diese Weise freie Sicht auf 11 km Regelbauweise herzustellen, naht mithin schon die nächste veritable Belastungsprobe fürs Mediationsverfahrens…

Dazu äußerte sich das WSA heute (16.02.) wie folgt: „Die Arbeiten wurden umgehend eingestellt. Die Schnittmaßnahmen am Maybachufer führte eine Kolonne des WSA Berlin, ABZ Neukölln durch. Die zuständigen Mitarbeiter hielten dies für notwendig, um die jährliche Peilung (Kontrollpeilung vor Regelbauweise nach Kolken, Hindernissuche mit Peilrahmen) umsetzen zu können. Es wurde punktuell der Überhang mit GARTENSCHERE UND BÜGELSÄGE beschnitten, um direkt am Bauwerk zu messen. Für weitere Beobachtungs- und Kontrollarbeiten an den Ufermauern wird die Ufervegetation wie z.B. Büsche und Sträucher künftig vermehrt weggebunden und nur, wo nicht anders möglich, beschnitten werden. Eine entsprechende Arbeitsanweisung ist an die ausführenden WSA-Mitarbeiter ergangen.“

Ohne Euphemismen geht’s eben nicht − von wegen „punktuell“ und „Überhang“ −, doch der eigentliche Skandal besteht einmal mehr im Zeitpunkt der Informierung des Mediationsforums, nämlich knapp eine Woche nach Herstellung vollendeter Tatsachen und zwei Monate nach Unterrichtung der Vorgesetzten durch den ABZ-Leiter, die freilich noch am 11. Februar von nichts zu wissen vorgaben.

Strauchrodung Paul-Lincke-Ufer

WSA-Mitarbeiter des ABZ Neukölln führen die Bügelsäge
© U. Kleimeier

Das Vorher (zur Sommerzeit)

Straeucher Paul-Lincke-Ufer

Das Paul-Lincke-Ufer letzten Sommer

Und hier eine Erinnerung ans Vorher zur Sommerzeit: Für mehr als eine Saison hat das unsinnige brachiale Vorgehen des ABZ Neukölln und der nun zu Sündenböcken gemachten Arbeiter-Kolonne gewachsene, schützenswerte Uferbiotope mit Vogel- und Kleintier-Habitaten, Nahrungsquellen, Nist-, Deckungs- und Rückzugsmöglichkeiten für (Wasser-)vögel und Kleinsäuger zerstört, von der Ästhetik gar nicht erst zu reden, dafür aber Platz für Trampelpfade und Müllentsorgung geschaffen.

Straeucher Paul-Lincke-Ufer

Die geschleifte Ufervegetation

Der Verweis auf die Ermöglichung von Kontrollpeilungen und Hindernissuche ist in keiner Weise nachvollziehbar, und wieder einmal bleiben die mit derartig unsensiblem Tun eigentlich verfolgten Zwecke, zumal vor dem Hintergrund einer doch wieder zusehends angespannten Atmosphäre, einfach unerfindlich.

Oder sticht der Hafer? Langweilt der Mediationstrott? Sollte man amtlicherseits gar Lust auf einen heißen Vorfrühling verspüren und, wie tatsächlich von einigen schon vermutet, die Mobilisierungsfähigkeit der BaumschützerInnen antesten wollen?

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3 Kommentare

  1. Oliver Ginsberg said,

    16. Februar, 2009 um 20:11

    Kosten und Aufwand der Mediation und die Textlänge der dazu formulierten Erklärungen scheinen in umgekehrt proportionalem Verhältnis zum Erfolg und zur inhaltlichen Bedeutung des Verfahrens zu wachsen.

    Das Verfahren – das ursprünglich das Ziel hatte verschiedene Akteure an einen Tisch zu bringen um “tragfähige Lösungen als Antwort auf gesellschaftspolitische Herausforderungen zu entwickeln” (O-Ton Bundesministerium für Verkehr) hat schon lange den Charakter einer Beschäftigungstherapie und Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Profi-Moderatoren angenommen.

    Das ganze Gremium ist zu einem Bampflegemaßnahmen-Abstimmungsverein verkommen (dabei müsste das WSA nur seinen eigenen Baumpflegeplan erst nehmen) und selbst das funktioniert offensichtlich nicht.

    Von einem Konzept zur ganzheitlichen Entwicklung des Kanals ist man weiter entfernt denn je und die von uns allen bezahlten politischen Entscheidungsträger aller Verwaltungsebenen praktizieren offensichtlich weiter, was sie am besten können: Das Abschieben von Verantwortung.

    Traurig ist, dass die verbliebenen Mitglieder des Vereins jedes Gefühl für die Verhältnismäßigkeit der Mittel verloren zu haben scheinen und zudem jegliche Konsequenz aus der fortgesetzten Beleidigung des gesunden Menschenverstandes vermissen lassen.

  2. xonra said,

    16. Februar, 2009 um 22:29

    So sind sie, die Damen und Herrn vom WSA. Da sitzt der „fleißige“ Teil der Baumschützer am Mediationstisch und fast gleichzeitig werden vor deren Haustüre wieder hinterhältig Bäume und Sträucher gefällt. Das hatten wir doch schon mal.

  3. Birgit Dorbert said,

    17. Februar, 2009 um 0:47

    @Ginsberg
    Ja klar, große Strategen können von ihrem Feldherrnhügel herab „kleinteilige Baumschützer“ nur mit Mühe wahrnehmen, geschweige anerkennen! – Aber wir lassen uns nicht beirren!


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