Betonklötze an Herkules- und Corneliusufer bleiben den Bäumen vorerst erhalten

Unerwartete Festigkeit der Kanalsohle wirft WSA-Planung über den Haufen

Spundwand Herkulesufer

Spundwand-Verpressung am Herkulesufer Quelle: WSA-B 

Was sich bereits seit einigen Wochen abzeichnete, hat sich inzwischen zur Gewissheit verdichtet: Die wasserseitige Sicherung der maroden Ufermauer als (angeblich!) notwendige Voraussetzung, die landseitige Sicherung des ufernahen Baumbestands mittels der „Brockelmänner“ − jener monströsen Betonklötze samt Balken, Eisen und Manschetten −, rückzubauen, ist ausgerechnet an den längsten Kanalabschnitten im Bezirk Mitte vorerst nicht möglich. Die „Korsettierung“ (Scholz) bleibt den geschundenen Kastanien auch die kommende Vegetationsperiode hindurch erhalten und kann allenfalls am Herkulesufer im Juni verschwinden [s.u.]. Unter den im letzten Jahr allzu spät gegen eine elastische Variante ausgetauschten Manschetten wird bis dahin, so befürchtet der Baumsachverständige Dr. Barsig,  die Rinde zu faulen beginnen. Und nicht zuletzt der Baumrevierleiter des Bezirks und Mitglied des Mediationsforums, Wolfgang Leder, wird wenig begeistert sein.

Die Baugrundsondierung, die ein Einpressen von Stahlspundwänden 1,75 Meter vor der Uferbefestigung und neun Meter tief als machbar nahelegte, war offenbar unzureichend, um das mindeste zu sagen. Im Kanalbett gibt es, wie berichtet, derart feste Schichten und Einschlüsse, dass die Spundbohlen nicht nur eingerammt werden müssen, sondern zudem jeweils noch Vorbohren angesagt ist. Dies wiederum erfordert wegen der entlang des Corneliusufers besonders geringen Kanalbreite allererst die Konstruktion eines speziellen Trägergeräts für die „Bohrmaschine“.

Hinzu kommt, dass die bspw. von WSA-Ingenieur Albrecht Biewald im Oktober letzten Jahres [siehe hier] noch vertretene Ansicht, wonach Rammen „zwar akustisch spektakulärer, fürs Bauwerk aber sogar schonender“ sei als Pressen, offenbar vom Bauhaus-Archiv nicht ohne weiteres geteilt wird. Das Museum will nämlich kommenden Mai im Bereich Herkulesufer empfindliche Exponate auslagern, weswegen erst anschließend hier gerammt werden darf und die Betonwürfel sonach nicht vor Juni beseitigt werden können.

Senatsverwaltung fordert weitere Gutachten

Auch SenStadtBau hat aus Skepsis gegenüber der behaupteten Unbedenklichkeit des Rammens an der Möckernbrücke (Abschnitt 4) erst mal einen Baustopp verhängt und überall dort, wo gerammt und/oder gebohrt werden soll, im Hinblick auf die Unversehrtheit umliegender Gebäude weitere, vom WSA zu finanzierende Gutachten verlangt. (Ähnliches hätte mensch ja eigentlich auch vom Landesdenkmalamt erwartet.) Deshalb „laufen Vorbereitungen für eine Proberammung mit schwingungstechnischen und akustischen Messungen“, die laut WSA-Website in der nächsten und übernächsten Woche durchgeführt werden sollen. Wie’s danach weitergeht, ist noch ungewiss, aber von entsprechenden Test-Bohrungen können wir wohl ebenfalls ausgehen.

Kanalsperrung in der Saison?

Die Fahrgastschiffer dürfte demgegenüber interessieren, ob nun doch mitten in der Saison mit einer Kanalsperrung zu rechnen ist oder ob, um sie zu vermeiden und angesichts des Fehlens eigentlicher Wohnbebauung am Herkulesufer die Wasserbauer Nachtschichten fahren können, ohne AnwohnerInnen damit wach zu halten.

Ingenieur Biewald versichert unterdessen, dass auch bei geringerer Einbindungstiefe der Bohlen − nicht acht Meter wie für die (dauerhaften) Plass-Varianten durchgeprüft, sondern nur sechs − die Statik der Spundwand dauerhaft gewährleistet sei. [Nachtrag, 21.2.: Hierüber wird der für nächste Woche erwartete „Prüfvermerk“ der Fa. Krone hoffentlich Aufschluss geben. Dieses Gutachten wird in einer Rundmail den Forumsmitgliedern übersandt und ihre anschließende Zustimmung zu den Schnittmaßnahmen an den Linden bis spätestens 12.3. erwartet. Vorausgesetzt, es bestehen keine weiteren Unklarheiten, können die Arbeiten im Abschnitt 6 dann am Freitag, 13. März, beginnen. (Wir sind ja nicht abergläubisch.)]

Da übrigens wegen des Eigengewichts der selbstschreitenden Presse die Länge des jeweiligen Spundbohlen-Stücks mindestens ebenfalls sechs Meter betragen muss, damit das Teil nicht mitsamt der Hunderttausende Euro teuren Presse ins Wasser abkippt, ist es nun also definitiv nichts mit Dritteln, sondern ein mindestens neun Meter hoher Arbeitsraum unabdingbar! (Höchstens eine Bohle darf mal kürzer sein, denn dann kann die Presse über sie hinweg greifen.)

Hängeweide

Hängeweide am Tempelhofer Ufer (vorher)

Bei der überhängenden Weide am Tempelhofer Ufer in Kreuzberg (Abschnitt 3) hat es auch mit der Herstellung eines 9m-Lichtraumprofils geklappt, will sagen: stand nicht allzu viel Starkholz im Wege, und auch bei den „politischen“ Linden (Abschnitt 6) kann es laut Baumgutachter mit Ach & Krach gehen −, aber überhängende Baumkronen säumen nun mal vielerorts die Kanalufer. (Wir sind, wie gesagt, sehr gespannt, wann endlich eine genaue Kartierung hierzu beauftragt wird.) Jedenfalls werden die BaumschützerInnen auch in diesem Betracht noch lange auf dem Quivive sein müssen, denn je komplizierter sich die Sachlage darstellt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass das WSA vor Ort zu Hauruck-Lösungen greifen lässt.

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1 Kommentar

  1. Drew Walker said,

    2. Oktober, 2009 um 20:25

    Wissen Sie was am bett des Kanals liegt? Was fressen die Fische, usw?

    Gibt es irgendeine etwas wissenschaftliche bescheibung von Kanalbett?

    Ich bin Kuenstler der sich dafuer interrisiert.

    Vielen dank. Cool Website!


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