Rammprobe am Tempelhofer Ufer

Bemühungen um eine Beweissicherung

Es treten auf:
Vom WSA: Amtsleiter Hr. Scholz, Fr. Bodenmeier (Pressesprecherin LWK), Fr. Nulle (Baubevollmächtigte), Hr. Henniger (technischer Sachbearbeiter SB 2), Hr. Porth (Bauaufsicht), Fr. Hirschmann, Hr. Köpke, Hr. Wutschke, (Projektgruppe LWK); von der SenGUV: Hr. Klempin und MitarbeiterInnen; Hr. Stein und weitere Mitarbeiter der ausführenden Firma Otto Mette Wasserbau; 3 Mitarbeiter der Firma Weitland-Thiel KG (Technik-Diagnostik); 3 Mitglieder von BI/Verein Bäume am Landwehrkanal; weitere Interessierte.
Ort der Handlung: Tempelhofer Ufer vis-à-vis Shell-Tankstelle (Abschnitt 3)

Rammen durchgängig notwendig!

Vorm eigentlichen Testbeginn (am 26.2. zur Zeit der Mittagspause) wurde von verschiedener Seite klargestellt (und später von WSA-Chef Scholz bestätigt), dass nach letztem Kenntnisstand in allen sechs wasserseitig zu sichernden Abschnitten gerammt werden müsse − außer eben im längsten Abschnitt 1 (am Corneliusufer in Mitte), wo bekanntlich der Untergrund im Kanalbett sich ab einer gewissen Tiefe als derart hart erwiesen habe, dass nur ein Vorbohren in Frage komme.

Proberammung

Proberammung am 26.2.09

Für überhängende Baumkronen entstehe durchs Rammen ungeachtet der „Mimik“ des erforderlichen Seilzugkrans mit seinen über zwanzig Metern Höhe nicht unbedingt weiterer Schaden, da man bei weniger verfügbarem Arbeitsraum den Kran durch einen kleinen Hydraulikbagger ersetzen und mit diesem rammen könne. So werde schließlich auch unter Brücken verfahren. (Dieser Auskunft der Fa. Mette hat allerdings ein Verantwortlicher des WSA bei anderer Gelegenheit bereits widersprochen − und nicht zuletzt die aus solchen Ungereimtheiten resultierende Ungewissheit macht das ganze Unterfangen ja so spannend!) − Das ungleich gravierendere Problem aus Sicht der Wasserbauer besteht hingegen in der Notwendigkeit, ständig ihren Gerätepark auf- und abbauen und von Kreuzberg nach Mitte und wieder retour schaffen zu müssen.

Schuld an den zeit- und kostenintensiven Verzögerungen sind immer die BürgerInnnen!

Politische Bäume

Politische Bäume am Tempelhofer Ufer

Nicht weiter erstaunen oder gar ob seiner Unverschämtheit empören vermochte in diesem Zusammenhang der Versuch von verantwortlichen WSA-MitarbeiterInnen, die Schuld an den ständigen Verzögerungen im Arbeitsablauf dem Mediationsverfahren, dem Forum und insbesondere der BI anzulasten: Wieso hätten wir denn bloß den Schnittmaßnahmen an den vier Linden im Abschnitt 6 die Zustimmung verweigert, so dass die Arbeiten dort nicht planmäßig beginnen konnten, aber jenen im Fall der Hängeweide hier im Abschnitt 3 zugestimmt?! Und was hätten denn die Baumschnittmaßnahmen mit der noch ausstehenden Prüfstatik für die so genannte Staffelrammung zu tun?

Dazu ist zu sagen, dass

  • der Beschneidung der Weide nur wenig Starkholz zum Opfer fiel, selbst dann, als plötzlich der benötigte Arbeitsraum von acht auf neun Meter erhöht werden musste, vor allem die Beschneidung aber längst erfolgt war (!) und das Mediationsforum nur aus protokollarischen Gründen ihr noch nachträglich zustimmte;
  • dass die gekappten Weiden-Girlanden relativ schnell wieder nachtreiben, während es bei einer Linde generell anders aussieht,  im konkreten Fall jedoch vor allem abermalige Ad-hoc-Entscheidungen über Schnittmaßnahmen prinzipiell ausgeschlossen werden sollen;
  • dass laut Forums-Vereinbarung die Beschneidung unter baumsachverständiger Aufsicht baubegleitend, also simultan erfolgen muss, eben damit nur das unbedingt Nötige falle und nicht etwa vorauseilend schon mal größtmögliche Bewegungsfreiheit geschaffen werde, und
  • dass last but not least die Staffelrammung mit unterschiedlicher Einbindungstiefe der Bohlen (nämlich 7m – 3m – 7m – 3m) streng genommen noch gar nicht erfolgen dürfte, weil, wie gesagt, das eigentliche Prüfgutachten zu ihrer statischen Unbedenklichkeit, wiewohl es die Leiterin des Sachbereichs 2, Frau Riemer, anlässlich ihres Vortrags am 11.2. im WSA „irgendwo im Hause“ vermutete, mitnichten bereits vorlag, wir vielmehr bis heute darauf warten, ja nun auch noch erfahren mussten, die dazu erforderlichen Unterlagen seien erst am Vortag (25.2.) den Prüferingenieuren der Fa. Krone überstellt worden.*

All diese Gründe konnten bei den ProtagonistInnen der beteiligungsfeindlichen Mehrheitsfraktion im WSA naturgemäß nicht verfangen. Ihr Urteil über Bürgerpartizipation steht a priori fest. Deshalb ein

Exkurs zur beteiligungsfeindlichen Fraktion im WSA

Im Böcklerpark

Am LWKanalufer im Böcklerpark © A. Guttzeit

Für uns macht dieses ganze undurchschaubare Gewürge nur einmal mehr deutlich, dass das WSA diese erste eigentliche Baumaßnahme am LWK völlig unzureichend vorgeplant und vorbereitet hat und nunmehr unter selbst verschuldetem, immer wachsendem Zeitdruck, steigendem organisatorischem Chaos und abnehmender Rücksicht auf Verluste durchziehen will. In der sog. Freien Wirtschaft würde ein Unternehmen, das eine derartige Performance ablieferte, bspw. von der im Herbst folgenden Aufgabe der Sanierung des Riedelanlegers am Maybachufer mit Sicherheit schleunigst entbunden. Unterdessen scheint die erwähnte, von uns als bürgerfeindlich erlebte Fraktion entschlossen, durch offene Provokationen der „Gegenseite“, wie die partizipierenden BürgerInnen schon mal tituliert werden, das Mediationsverfahren vor die Wand zu fahren.

Holzung

Holzung © A. Guttzeit

Denn wie sollen wir bspw. nach den vielen Stunden am Verhandlungstisch die fortgesetzten unangekündigten Holzereien [siehe auch hier] inmitten unseres Naherholungsgebiets anders erklären? Vielleicht damit, dass die dafür verantwortlichen MitarbeiterInnen des chronisch unterbesetzten ABZ Neukölln die Vorgaben des 2002 in Kraft gesetzten Unterhaltungsplans einfach vergessen haben, von den Vereinbarungen des Mediationsverfahrens erst gar nicht zu reden? − Oder wie kann es sein, dass immer und immer wieder entscheidende Änderungen im Bauablauf zunächst gar nicht, dann nur kleckerleweise und ausführlicher erst im allerletzten Moment und ganz en passent kommuniziert werden?

Carl-Herz-Ufer

Carl-Herz-Ufer

Diese Fraktion hat keinerlei Interesse, das ausgefahrene Gleis des „Haben wir immer so gemacht“ zu verlassen und so etwas wie Bürgerbeteiligung ernst zu nehmen, gar eine notwendige Bedingung nachhaltiger Planung in ihr zu sehen und deshalb endlich den Umgang damit zu lernen, sondern sieht darin beharrlich nichts als unbefugte Einmischung unqualifizierten Querulantentums, fürchtet Machtverlust, empfindet das ganze Mediationstheater schlicht als zeitraubende Zumutung und ist bei jeder Gelegenheit bereit, das in vielen Monaten mühsam aufgebaute Vertrauen unbekümmert zu verspielen und jenen im Amt, denen es damit wirklich ernst scheint, immer wieder in den Rücken zu fallen.

Zossener Brücke

Zossener Brücke

Und, mit Verlaub, da scheint auch ein gerüttelt Maß purer Einfalt involviert, der höchstwahrscheinlich auch mit qualifizierter Weiterbildung nicht beizukommen ist. Am Haupt hat das Amt bekanntlich eine Erneuerung erfahren: bleiben noch die Glieder… Die aktuellen Geschehnisse mit all den hahnebüchenen Pannen lassen jedenfalls nach unserer Auffassung die Unverzichtbarkeit und Überfälligkeit öffentlicher Leistungs- und Qualitätskontrolle durch BürgerInnen-Beteiligung, eben qua Partizipation der Betroffenen und Leidtragenden (und eben als BürgerInnen ja eigentlichen Arbeitgeber der Verwaltung) nur umso schärfer hervortreten.

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Rammbär

Der Rammbär

Der Rammbär, eine im Idealfall selbstzündende Dieselmaschine ausgesprochen altertümlichen Aussehens, welche einige unter den Versammelten über eine Leihgabe des nahen Technik-Museums frozzeln ließ, wird lt. Amtsleiter Scholz deshalb eingesetzt, weil sein „Impulsverhalten fürs marode Ufermauerwerk am günstigsten“ sei und noch von keiner avancierteren Technik erreicht werde: „Das Fahrrad braucht man auch nur einmal zu erfinden,“ ließen sich die Liebhaber dieses Bären vernehmen. Die Möglichkeit der Entstehung von gefährlichen Resonanzschwingungen, gar einer „Resonanzkatastrophe“, welche ja zuerst unsere denkmalgeschützte Ufermauer abrutschen ließe, sei zu vernachlässigen.

Schallmessung

Messung der Lärmemissionen

Bei der vorgeschriebenen Beweissicherung gehe es nur um die Ermittlung der Gesamtschwingung und auch nur im Fundamentbereich von Wohngebäuden, technischen (hier die Tankstelle) bzw. denkmalgeschützten Bauwerken**, da die i.d.R. ums ca. zweieinhalbfache höheren Deckenschwingungen von der jeweiligen Bauausführung beeinflusst würden. (Dass am Corneliusufer die Rammungen abgebrochen werden mussten, weil in einem der dortigen Luxus-Quartiere Risse in den Wänden aufgetreten seien, wurde jedenfalls als bloßes Gerücht zurückgewiesen.)

Schallmessung

Lärmpegel-Messung

Für Messungen der Erschütterungen und der Lärmemissionen hatte die Fa. Mette selber die Weitlandt-Thiel KG für technische Diagnostik beauftragt. Ein Mitarbeiter postierte sich mit Schwingungssensoren und Equipment vor dem einzigen Wohngebäude in ungefähr 30 Metern Entfernung (Tempelhofer Ufer 35), ein anderer reckte zusammen mit Vertretern von SenGUV aus ca. 10m-Distanz Mikrofone in Richtung des Dieselhammers. Nur sein Motor, dessen Geräusch im Vergleich zu dem des aufs Stahlprofil schlagenden Stempels eher zu vernachlässigen war, wurde durch einen sog. Schallkamin abgeschirmt, da durchgängig Eingriffe von Hand nötig blieben, die der Schirm behindert hätte.

Mit nur wenigen dürren Worten erläuterte die Baubevollmächtigte den Vorgang und wies das Auditorium ansonsten darauf hin, dass fürs eigene Gehör selbst Sorge zu tragen sei, da das WSA leider keinen überzähligen Hörschutz vorhalte − doch unsereins ist glücklicherweise auch rammsteingestählt.  Zu weiteren Unterredungen traten die Fachleute jeweils beiseite und achteten peinlich darauf, außerhalb der Hörweite von BürgervertreterInnen zu sein.

Ein Fiasko

Techniker mit Ätherflasche

Techniker mit Ätherflasche

Ums vorweg zu nehmen: die ermittelten Werte zu Schwingung (zwischen 0,5 und 1,5 mm/sec) und Lärmemission (um die 100 db) sind allenfalls vorläufige, denn Mettes Technofossil erwies sich „witterungsbedingt“ (8° C plus!) eher als Spät- oder Fehl- denn als Selbstzünder. Da konnte der junge, zwar mit Gehör-, jedoch ohne Atemschutz inmitten rußschwarzer Dieseldämpfe auf der Schute stehende Techniker von Hand aus einer Plastikpulle (und überm offenen Kanalwasser!) noch so viel Industrie-Äther als Zündhilfe nachgießen: mehr als vier, fünf Schläge mochte der Stempel nicht aufs Z-Profil des 6m-Stahlbohlen-Teilstücks drücken − dann blieb die Zündung aus, der Hammer wurde nicht mehr in die Höhe geschleudert, sondern musste per Muskelkraft bzw. durch einen auf der Schute stehenden weiteren Dieselmotor hochgehievt werden − wieder und wieder, über zwei Stunden lang − bis endlich auch noch der Sprit ausging, wonach alle gehörig durchgefroren auseinander liefen. Eine Bohle war mit unwesentlich verbogenem Profil glücklich auf Endtiefe gebracht, die zweite ragte noch gut einen Meter drüber raus.

Stempel

Dieselruß & Co.

Wenngleich auch die Mette-Mannen darob reichlich betreten zu Boden bzw. aufs Deck ihrer Schute blickten, so verkniff sich ihr Einsatzleiter die Allerweltsausflucht „Vorführeffekt“ und tat vielmehr so, als laufe alles völlig normal. Der naheliegende, zugegebenermaßen in dieser Situation zu spät kommende Vorschlag, man hätte vor dem Hintergrund des Anlasses und der Erfahrungen das Gerät vielleicht doch vorwärmen sollen, konterte ein WSAler unwirsch mit einem „Wenn der Hund nicht…“

Gleichwohl wäre die Fa. Mette gut beraten, wenn sie sich am 3. März beizeiten dieses Vorschlags erinnerte: Dann soll nämlich um 11 Uhr am Herkulesufer in Mitte der Test-Rammung 2. Akt aufgeführt werden.

Bohlen

Sitzt, passt... © U. Kleimeier

Wir konnten uns später überzeugen, dass es doch noch geklappt haben muss: Alle Bohlen ragen mit exakt gleicher Länge aus dem Wasser und harren nun noch ihres „Aufjungferns“ bzw. „Aufständerns“, also dem Aufsetzen und Anschweißen der Teilstücke, bevor die Bohlen dann in einer 3. Arbeitsphase auf je unterschiedliche Endtiefe gerammt werden.

Und nun steht nach den Worten des Amtsleiters zu hoffen, dass sich diese temporäre Lösung zugleich auch als die dauerhafte erweise, da das Herausziehen der Bohlen ein höchst aufwendiger Akt wäre und an ihre Wiederverwendung zur Baugrubensicherung anderswo, wie vom WSA anfangs noch beabsichtigt, gar nicht zu denken.


* inzwischen wurde der Prüfbericht für die 6. Sitzung des AK Kurzfristige Maßnahmen am kommenden Montag (2.3.) avisiert

** so die drei Kategorien gemäß DIN 4150-3 mit jeweils unterschiedlichen Grenzwerten zwischen 3 und 10 mm/sec

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1 Kommentar

  1. 23. April, 2010 um 17:05

    Erst einmal möchte ich an dieser Stelle als langjährige Anwohnerin auch mal ein Lob an die Ingenieure der Firma Mette aussprechen. Ich fand die Ausführungen sehr informativ und auch der Sicherheitsdienst der SGB Sicherheitsgruppe Berlin leistete gute Arbeit. Man sollte auch bedenken wie laut es manchmal bis in die Nacht war , denn gefeiert und damit meine ich keine ordentlichen Feiern wurde bis dato an der Stelle der Spundwände auch immer gern und auch gern laut. Kurzzeitige Eingriffe bringen also auch mal Beruhigung.


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