Campus Ohlauer

Anwohner beantragen Einwohnerversammlung

1000 wahlberechtigte F’hain-Kreuzberger müssen unterschreiben

[Pardon: Missverständlich formuliert: s.u.] Eine Öffentlichkeitsbeteiligung wurde im Fall „Campus Ohlauer“ ja für verzichtbar erklärt und dies durch BVV-Entscheid mit den Stimmen von Grün und Schwarz und gegen SPD, Linke und Piraten bekräftigt, weil auch nach Auffassung des Stadtplanungsamts die Baunutzungsplanung von 1960 in Zusammenhang mit der Berliner Bauordnung von 1958 fortgelte.

Diese vorbereitende Bauleitplanung wurde indes nur für den damaligen Westteil der Stadt konzipiert, und zwar in einer Zeit, da Klimawandel, Urbanisierung, Luftverschmutzung, Lärmemission, Umweltkrankheiten, Artenschwund u.v.m. noch lange ihrer Thematisierung harren mussten.

Aus dem Baunutzungsplan aber ist ein Bebauungsplan zu entwickeln, und der sollte sehr wohl den veränderten Gegebenheiten Rechnung tragen: Kreuzberg wurde von der Peripherie ins Stadtzentrum katapultiert, die Verkehrsbelastung gerade in der Ohlauer Straße, die zwischenzeitlich, was Lärm, Feinstaub und Stickoxide angeht, allgemein als in höchstem Maß gesundheitsgefährdend eingeschätzt wird, hat noch enorm zugenommen, und dennoch überschreitet der in Rede stehende Planentwurf der HOWOGE das vom alten Nutzungsplan vorgegebenen Maß der baulichen Nutzung noch einmal beträchtlich. Den Rest des Beitrags lesen »

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„Campus Ohlauer“ – Stadtplanung von oben?

Xhainer Beteiligung beginnt immer bei Null

Ein altbekanntes Skript

  • Im Anfang ist immer das Geld, stehen mit Steuermitteln gefüllte Fördertöpfe bereit
  • Dann wird ein Planungswettbewerb ausgelobt mit vorgegebenen Rahmenbedingungen und Parametern, jedoch ortsunabhängig und ohne Öffentlichkeitsbeteiligung
  • Es folgt die Suche nach geeigneten Örtlichkeiten für die Umsetzung des von einer Jury aus Architekten* und Volksvertreter*innen gekürten Siegerentwurfs, und ist eine gefunden, die sich entsprechend anpassen und zurichten lässt, kommt es zur
  • Bürgerinformationsveranstaltung als erklärter Auftakt der Öffentlichkeitsbeteiligung.
Bürgerinfoversammlung Campus Ohlauer

Bürgerinfoversammlung Campus Ohlauer

Dieser Aufbau und Ablauf sind hinlänglich bekannt. Neu auf dieser ersten Informationsveranstaltung zum Campus Ohlauer Straße vergangenen Donnerstag (19.05.) aber war, was nur allzu vertraut ist und anscheinend irrtümlich überwunden geglaubt: dass sich nämlich eine Vertreterin des Bezirksamts, in diesem Fall die Stadträtin für Finanzen, Facility Management, Kultur und Weiterbildung, Jana Borkamp, hinstellen und mit Inbrunst behaupten kann: „Bürgerbeteiligung bedeutet nicht, dass man auf der grünen Wiese neu plant, sondern an bestehenden Plänen Modifikationen vornimmt.“ Sie wolle da gar nicht erst falsche Vorstellungen auf kommen lassen.

Rolle rückwärts kann auch der Bezirk!

Zu einer derartigen Einlassung braucht’s schon Chuzpe; solche Arroganz und Ignoranz, noch dazu vor dem Hintergrund dieser mit am schlechtesten vorbereiteten und moderierten Bürgerveranstaltung, die wir in den letzten Jahren erleben durften, ist schon bemerkenswert. Der Leiter der Abt. Neubau bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE, Stefan Schautes, vermochte, eben weil das Projekt ortsunabhängig geplant worden ist, nicht einmal die Grundflächenzahl (GRZ) zu benennen, also das Maß der Versiegelung, Überbauung und Ausnutzung des Grundstücks. Hier geht es jedoch um ein wichtiges, seit je stiefmütterlich behandeltes Schutzgut, den Boden, den wir in einem nur wenig reduzierten bzw. heuer wieder zunehmendem Tempo versiegeln. Den Rest des Beitrags lesen »

Ignorierte BürgerInneninteressen in Mitte

Gastbeitrag

„Wir werden das Gleiche machen wie vorher“!

Entscheid über einen BVV-Antrag zum Kleinen Tiergarten

Mit den Stimmen der SPD und CDU wurde in der BVV Mitte am 20.9.2012 um 21.45 Uhr einen BVV-Antrag von Bündnis 90/Die Grünen für aus Sicht vieler Bürger notwendige Planungsänderungen im Kleinen Tiergarten, Mittlerer Teil (u. a. Erhalt 16 von 35 Bäumen) nicht abgestimmt, was einer Ablehnung dieses wichtigen BVV-Antrages gleichkommt!

Ein BVV-Änderungsantrag der SPD zur Rettung von nur drei Bäumen wurde mit den Stimmen von SPD und CDU zugestimmt! Sonst nichts! Den Rest des Beitrags lesen »

Die Weide an der Baerwaldbrücke

Werdegang eines Kappungsentscheids

Hängeweide an der Baerwaldbrücke

Hängeweide an Baerwaldbrücke (Fotos zum Vergrößern bitte anklicken!)

Vom Einzelfall ins Grundsätzliche

Nachdem sie am vorletzten Wochenende (3.9.) schon mal einen Façonschnitt erhalten hatte, wurde die alte, landschaftsprägende Hängeweide an der Kreuzberger Baerwaldbrücke vergangen Mittwoch gewissermaßen halbiert. Der aus zwei Stämmlingen bestehende Baum dicht an der Uferbefestigung des LWK weist laut Gutachten des Baumsachverständigen Dr. Barsig an beiden einen unterschiedlich weit fortgeschrittenen Befall mit holzzersetzenden Pilzen auf. Der stark geschädigte, bis über die Fahrrinne ragende Stämmling musste wegen des exponierten Standorts und der besonderen Sicherheitserwartung seitens der Fahrgastschifffahrt als akut verkehrsgefährdend betrachtet und gekappt werden. Den Rest des Beitrags lesen »

Auch die 5. Redaktionssitzung brachte keinen Konsens

BürgerInnen-Inititative Bäume für Kreuzberg

Ausstellung der konkurrierenden Varianten ab dem 5. November

Luisenstädtischer Grünzug

Die fünfte war zugleich die letzte Redaktionssitzung zur Entwicklung zweier Kompromiss-Varianten für die Umgestaltung des Luisenstädtischen Grünzugs. Das Treffen führte nicht zu dem einen Konsensentwurf, wozu der langwierige Arbeitsgruppen- und Redaktionsprozess ja eigentlich dienen sollte, sondern die Variante „Denkmal“ mit Berücksichtigung von BürgerInnenwünschen einerseits, die Variante „Bestand“ mit Aufnahme von Elementen der 30er-Jahre-Gestaltung andererseits nebst je einer Untervariante werden ab 5. November sowohl im Rathaus als auch im Quartiersmanagement Kottbusser Tor ausgestellt und stehen, im Hinblick auf noch mögliche Anregungen und Einwände seitens der BürgerInnen ggf. noch modifiziert und zu entsprechenden Bauplanungsunterlagen (BPU) verarbeitet, nach einer gemeinsamen Sondersitzung von Umwelt- und Stadtplanungsausschuss Ende des kommenden Monats schließlich für die Bezirksverordneten zur Entscheidung. − So weit hätten wir auch schon vor einem halben Jahr sein können.

Lingenaubers Leier

BürgerInnenversammlung

BürgerInnenversammlung am 21. April '08

Der Vertreter des Landesdenkmalamts (LDA), Klaus Lingenauber, der sich nach seinem spektakulären Abgang aus dem Arbeitsgruppenprozess im vergangenen Sommer noch einmal mit BürgervertreterInnen zusammensetzte, beharrte erneut auf den Grundzügen jener Planung von 2006, die zwar in seinen Augen bereits ein Kompromiss* zwischen Denkmalpflege, Bezirks- und Bürgervertretern war, doch bekanntlich von der überwältigenden Mehrheit der ca. 150 TeilnehmerInnen der BürgerInnenversammlung vom 21. April nachdrücklich zurückgewiesen worden ist. Diese BürgerInnen empfanden sich vom Bürgerverein Luisenstadt, der seinerzeit die Bürgerbeteiligung zugleich organisierte und darstellte, offenbar nicht repräsentiert.

Ortstermin

Ortstermin

Lingenauber bekräftigte auch jene Rahmenbedingungen, die zwar erst nachträglich zwischen Denkmalschutz und Politik ausgehandelt worden seien, aber gleichwohl verbindlich wären, namentlich wo sie eine „weitgehende Freilegung des Gartendenkmals“ aus der Weimarer Spätzeit fordern. Und Freilegung meint vor allem Tieferlegung. Dass die BürgerInnen, die am 20. September in der Planungswerkstatt auf dem Oranienplatz und entlang des Grünzugs ihre Anregungen, Ideen und Positionen äußern sollten, diese Rahmenbedingungen nicht einmal kannten (ebenso wenig wie z. B. Bürgermeister Schulz), tut nichts, ja war wohl gar nicht gewünscht, denn als BI-VertreterInnen während der Veranstaltung die BesucherInnen darüber informierten, unterstützten sofort wieder ca. 160 Menschen mit ihrer Unterschrift die Forderung, auf die denkmalgerechte Umgestaltung des Grünzugs zu verzichten, nachdem die BI den Sommer hindurch fast 1000 Unterschriften von BesucherInnen der Anlage gesammelt hatte, die sich für den Baumerhalt und gegen eine Tieferlegung aussprachen.

Betonköpfiger Denkmalschutz

Immer wieder wurde von der Kompromissbereitschaft, ja der „Öffnung“ des Denkmalschutzes gesprochen, obwohl wir aus unserer Mühe, sie zu erkennen, kein Hehl machten. Nun nannte es Klaus Lingenauber einen schweren Herzens angebotenen Kompromiss, nahe Waldemarbrücke nicht auf beiden Seiten die Pappeln zu fällen, sondern nur auf der östlichen, wo sie mit dem Trafohäuschen und den „Klamotten“ aus Granit „beräumt“ werden sollen. Auch auf der westlichen Seite jedoch, wo die sechs Pappeln und der Eschenahorn einer biologischen Lösung entgegenharren dürfen, müsse gleichwohl was geschehen, damit die Linde auf dem Gehweg nicht weiter bedrängt würde, und dazu die Birke auf dieser Seite auch noch weg −, aber insgesamt könnten ja „80 Prozent“ der Bäume stehen bleiben. Hier sei für ihn „Ende der Fahnenstange“. Der BI aber sei es doch um die Bäume gegangen, weshalb es von ihrer Seite nun „nicht ehrlich“ sei, sich der Tieferlegung zu verweigern, sondern bloß ihre mangelnde Kompromissbereitschaft zeige.

Neben Baumschutz geht’s um Erhalt des Charakters unserer Anlage, Nutzungsqualität und Quartiersidentität!

Vielleicht suggeriert ja der der Name der BI, dass es ihr nur um Bäume geht (es geht ihr natürlich auch um den Baumerhalt und zwar zu 100 Prozent!), aber neben dem Erhalt des Baum- und Strauchbestands ist es den Bäumen für Kreuzberg, wie aus zahlreichen ihrer Publikationen ersichtlich, immer auch um den Erhalt des Charakters der Anlage gegangen, den sie in den 80er Jahren unter breiter BürgerInnenbeteiligung erhalten hat und der mit wilden Pappeln und Sträuchern, großen Granitfelsen und mäanderndem Weg den Geist dieser Zeit atmet, der so ganz anders ist als jener, welcher die rekonstruierte Gestaltung des Grünzugs in seinem im Bezirk Mitte liegenden Teil durchherrscht. Nicht zufällig dort, wo früher die Mauer verlief, befindet sich noch immer eine Zäsur.

Drachenbrunnen am O'platz

Drachenbrunnen am O'platz

Anfangs meinten wir, dass hier, ab Waldemarbrücke, von den 30er Jahren in die 80er und in die Gegenwart aufgetaucht werden sollte, doch machen nun das Zugeständnis, dass die Freifläche nach dem Muster dessen gestaltet wird, was sich uns jenseits der Brücke darbietet: dass also parallel einander gegenüber je drei Bänke nach historischem Vorbild und noch je eine mit der Lehne zu den Brückenlagern aufgestellt, die alten Mauern restauriert und Hochbeete angelegt werden, ja die BI führte im Anschluss an die Ortsbegehung lange Diskussionen, ob dort, wo jetzt seitliche Treppen und eine Rampe von den Straßen herabführen, wenn man auf die Treppen verzichtete, Spielraum für ein authentisches Zitat entstünde, nämlich die aus Kalkstein gemauerten Banknischen auf historischem Niveau, was 50 bis 90 cm Tieferlegung bedeuten würde. Allein es geht nicht. Die Graniteinfassungen der jetzigen Treppen würden den Übergang völlig unmotiviert erscheinen, die Banknischen kaum zur Wirkung kommen lassen, die Felsen müssten zusätzlich abgestützt werden, Vegetation würde unter den dann nötigen Aufschüttungen verschwinden, vor allem aber würde die Steigung hin zum Drachenbrunnen auf der verbliebenen Strecke mit 4 bis 5 Prozent zu steil und jedem entspannten Flanieren den Garaus machen.

Genau diese Problematik, so war Frau Bergande vom Planungsbüro TOPOS gleich zu Beginn der Sitzung entschlüpft, habe man mit dem Denkmalschutz erörtert und deswegen die Idee einer Teiltieferlegung verworfen, denn dann ginge es vom Drachenbrunnen aus „in eine Schlucht hinab…“ − Daher war es nicht allzu schwer zu durchschauen, dass Lingenauber, indem er plötzlich genau dies zum weiteren Kompromissvorschlag erklärte und damit eine lange Diskussion über Treppen mit vier oder sechs Stufen, Rampen und Terrassierungen anstieß, nicht etwa der BI entgegenkommen, sondern ihr gewissermaßen seitlich ausweichen wollte.

Landesdenkmalamt als oberste Genehmigungsbehörde

Umgekehrt vermochte das weitere Angebot der BI, die Eingangssituation vom Drachenbrunnen aus repräsentativ und gemäß historischem Vorbild mit Einfassungsmauern und entsprechender Bepflanzung zu gestalten, den Denkmalschützer nicht von seinem stereotyp vorgetragenen Dogma abzubringen, dass „ohne Tieferlegung keine Planung genehmigungsfähig“ sei. Ohne das Plazet des LDA aber wird wiederum Frau Mineif von SenStadt, wie sie mit dankenswerter Offenheit bekannte, keine Mittel aus dem Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz für die Sanierung des Luisenstädtischen Grünzugs freigeben, und damit werde es zu der doch auch von den BürgerInnen gewünschten Qualitätsverbesserung nicht kommen, beeilte sich Frau Schuchhardt von Stattbau nachzuschieben. Frau Mineif hat sich mit dieser Haltung quasi als Antipodin ihrer Vorgängerin, Frau Krutzsch, geoutet, indem sie Denkmalgerechtigkeit zum alleinigen Förderkriterium und das LDA zur obersten Genehmigungsbehörde erhebt.

Vor allem aber sei noch einmal betont, dass Tieferlegung und Baumfällungen für die allermeisten NutzerInnen der Anlage gerade keine Qualitätsverbesserung, sondern im Gegenteil eine erhebliche Beeinträchtigung hinsichtlich Aufenthaltsqualität, Nutzungsfreundlichkeit, Quartiersidentität und damit Akzeptanz bedeuten würde und auch eine Fällung von nur 20 Prozent des Baumbestands ökologisch fragwürdig ist.

Diskreditierung von BürgerInnen-Engagement

Infostand der BI

Infostand der BI

Was die BürgerInnen mit notwendigen Verbesserungen meinen, bezieht sich, wie die überwältigende Mehrheit der Voten eindeutig belegt, auf Nachpflanzungen, fachgerechte Pflege, ausreichende Wässerung und Müllbeseitigung! Dies wiederum an die Zustimmung zur Wiederherstellung einer Gestaltung zu knüpfen, über deren „Wert andere befinden“ (Lingenauber), grenzt an Entmündigung und Erpressung. Schwer erträglich wurde das elitäre Gehabe des Denkmalschützers wie auch des anwesenden Vertreters des Bürgervereins Luisenstadt, als beide den VertreterInnen der Quartiersräte von Mariannenplatz und Kottbusser Tor sowie der BI das Recht bestritten, für die Mehrheit der BürgerInnen zu sprechen − dies täte im Gegenteil der genannte Verein – und kurzerhand alle Information, Öffentlichkeitsarbeit und BürgerInnenbefragung als Agitation und Demagogie abtaten. „Auf Sie will ich gar nicht zugehen“, tönte Lingenauber zum allgemeinen Befremden gar in Richtung einer BI-Vertreterin und fragte eine Quartiersrätin rhetorisch: „Für wen sprechen Sie denn schon?“ (Hier hätte man sich ein klares Wort von Seiten des Moderators Zimmermann gewünscht.) − Wir dürfen jedenfalls zurückfragen, wo denn die vielen BürgerInnen waren, die der Bürgerverein zu repräsentieren meint, als sie während der Planungswerkstatt am 20.9. um ihre Meinung gefragt wurden? Für eine denkmalgerechte Wiederherstellung fanden sich gerade mal 8 (acht) Voten…

Allerletztes Kompromiss-Angebot der BI

BürgerInnen-Information

BürgerInnen-Information

Als allerletztes Kompromiss-Angebot bietet die BI − mindestens ebenso schweren Herzens! − eine Begradigung des Mittelwegs mit Flankierung von insgesamt sechs Originalbänken an. Eine Tieferlegung und Baumfällungen sind mit uns jedoch nicht zu machen! Frau Bergande von TOPOS wird nun, wie gesagt, insgesamt vier Varianten-Pläne erstellen, zwei für die Denkmalrekonstruktion mit Berücksichtigung von BürgerInnenwünschen, zwei für die Erhaltung des Bestands mit Aufnahme von Elementen der 30er-Jahre-Gestaltung.

Die Ausstellung wird am 5. November um 17.30 Uhr eröffnet und bis voraussichtlich 21.11.08 im Rathaus Kreuzberg (Flur 2. Etage) sowie im Büro des Quartiersmanagements Kottbusser Tor in der Dresdener Str. 12 gezeigt. Wir laden schon jetzt alle Interessierten herzlich und nachdrücklich ein, die Pläne zu begutachten und ihre Einschätzungen und Änderungsvorschläge in den ausliegenden Gästebüchern zu Protokoll zu geben!


*Sehr aufschlussreich, als Moderator Zimmermann diese Variante als die des Denkmalamts bezeichnete und ihn Lingenauber unterbrach: „Die war auch schon ein Kompromiss − so war die Sprachregelung…“

Kampf um Kreuzbergs Bäume

Alte Silberlinde gerettet!

Fehlerhaftes und schon 1 Jahr zurückliegendes „Gutachten“ hätte Baum fast das Leben gekostet

Silberlinde Nr. 40

Silberlinde Reichenberger Str. 40

Heute morgen (15.8.) in aller Frühe konnten Mitglieder von BI/Verein Bäume am Landwehrkanal und ein Anwohner die über 100jährige Silberlinde in der Reichenberger Str. 40 in Kreuzberg (vorerst) retten! Der Baum war nach einem bereits ein Jahr [!] alten Gutachten der Fa. Kusche und Partner wegen akuter Bruchgefährdung aus Sicherheitsgründen zur Fällung vorgesehen, doch selbst der Vorarbeiter des Fällkommandos war verblüfft, als ihm gezeigt werden konnte, dass das vom 29.09.2007 datierende sog. Gutachten (abgesehen vom vermutlichen Namen des Baumpilzes) textidentisch war mit jenem, das im Frühjahr fast zur Fällung der Silberlinde in der Reichenberger 98 geführt hatte, wenn sich nicht auch hier AnwohnerInnen und Mitglieder der BaL erfolgreich widersetzt hätten. (Für die Linde Ecke Ratiborstr. jedoch kam seinerzeit jede Hilfe zu spät.)

Auch jetzt hat das Bezirksamt wieder nicht über die geplante Fällung informiert und somit abermals gegen die eigenen guten Vorsätze, frühzeitig zu informieren, eklatant verstoßen. Ab Dienstag im Umkreis der Reichenberger 40 aufgestellte Schilder kündigten für den 15.8. von 7 bis 17 Uhr lediglich „Baumarbeiten“ an. Es war nicht mal ersichtlich, um welchen Baum es sich überhaupt handelte. Nur per Zufall erfuhren wir von der geplanten Fällung ausgrechnet der ältesten und größten der dort die Straße säumenden Linden.

Fällhinweise

Fällhinweise

Nachdem wir gestern im Grünflächenamt noch kurzfristig Akteneinsicht und auch Kopien des „Gutachtens“ inklusive der Messkurven bekommen und diese dann zusammen mit Fotos einem Baumsachverständigen unseres Vertrauens, nämlich Dr. Michael Barsig, gemailt hatten, verfasste der noch in der Nacht eine erste Einschätzung und konnte vorbehaltlich eigener Untersuchungen schon mal vorab definitiv nachweisen, dass die Ergebnisse der mit dem sog. Resistografen erstellten Bohrwiderstandsmessungen von Kusche und Partner zum wiederholten Male durchweg falsch interpretiert worden sind. Selbst an der Stelle, wo die Bohrung die schlechteste Holzqualität aufweist, lag die Stärke der intakten Restwand noch über 30 Prozent und erfüllte damit das Restwandstärken-Kriterium nach Prof. Matthek. Das Kusche-Gutachten behauptet das Gegenteil. Lediglich der pilzbefallene Starkast, den man vor kurzem bereits abgenommen hatte, war weitgehend durchgefault und dies offenbar Anlass, gleich vom Ast auf den ganzen Baum zu schließen.

Letztlich kann nur eine schalltomografische Untersuchung, die das Verhältnis von faulem zu intaktem Stammholz bei weitem deutlicher abbildet, als es Bohrwiderstandsmessungen je könnten, Aufschluss darüber geben, wie es um den Baum steht, ob seine ausladende Krone zur Verringerung der Windlast evtl. eingekürzt werden muss etc., doch fest steht auf jeden Fall − und dafür verbürgt sich Dr. Barsig −, dass von dieser Linde keine akute Gefahr ausgeht und vor allem kein Grund besteht, den Baum mitten in der Vegetationsperiode zu fällen!

Silberlinde Reichenberger 40

am 15.8. (vorerst) gerettet!

Wenn nun auch die Grünflächenämter befugt sein mögen, jederzeit zu fällen, so sind sie dennoch gehalten, ebenfalls die Baumschutzverordnung zu beachten und in Brut- bzw. Vegetationszeit nur in akuten Ausnahmefällen – eben bei unmittelbarer Gefahr im Verzug – final sägen zu lassen und ansonsten alle Möglichkeiten baumerhaltender Maßnahmen auszuschöpfen, denn der ökologische Wert zumal solch alter großer Laubbäume wie im vorliegenden Fall lässt sich in Euro kaum bemessen! Lothar Frank, Baumrevierleiter in Kreuzberg, der, kaum am Ort des Geschehens eingetroffen, die Aktion sofort stoppte, hat Nachpflanzungen gerade auch in der Reichenberger Straße in Aussicht gestellt, doch gleich selbst hinzugefügt, dass wir, bis diese die Höhe der fraglichen Linde erreicht hätten, alle längst nicht mehr am Leben seien.

Bis zum Herbst aber ist nun noch Zeit für weitere Untersuchungen der Silberlinde Nr. 40 und für die Entscheidungsfindung über etwaige Maßnahmen.

Und nachdem nun binnen eines Jahres der nachweislich vierte Fall eines Fehlgutachtens des „Berliner Baumdienstes“ Kusche und Partner zutage getreten ist, wäre das Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksamt gut beraten, wenn es denn Baumfällungen für angezeigt hält, sie nicht noch einmal mit Expertisen dieses Unternehmens zu rechtfertigen.