Konflikt linear vs. geschwungen ungelöst?

BI Bäume für Kreuzberg

Aufforderung zur Partizipation!

Workshop zur Aufwertung des Luistenstädtischen Grünzugs:

17. Februar, 18 Uhr, Statthaus Böcklerpark

Auftakt südl. ELK 02

Auftakt BürgerInnenbeteiligung südl. ELK

Kommenden Donnerstag wird es den ersten Workshop zur ökologischen und gartendenkmalpflegerischen Aufwertung des südlichsten Abschnitts des ELK geben  (ELK = Ehemaliger Luisenstädtischer Kanal). In der Auftaktveranstaltung am 8.2., woran sich trotz Verteilung von mindestens fünfzig Prozent der (einsprachig deutschen) 2500 Flyer an deutsch-türkische AnwohnerInnen leider niemand aus dieser großen Bevölkerungsgruppe beteiligte, wurden zunächst die verschiedenen Interessen- und Themenschwerpunkte gesammelt. − Ein von BI-Vertretern angemahntes, möglichst zeitnah zu erstellendes Protokoll ist bereits verteilt worden und kann formal wie inhaltlich durchaus als vorbildlich gelten.

[Update, 14.02.11: Sorry! Erst beim zweiten Lesen fiel uns auf,  dass im Protokoll auf S. 3 unter LEITBILD – GRUNDSÄTZE als Grundlage eine frühere als die geltende, also die falsche Beschlusslage der BVV zitiert wird.
Es handelt sich vermutlich um die Drucksache 1008/III −; die aktuell gültige Fassung trägt aber die Nummer DRS 1008-1/III und wurde am 25.11.2009 von der BVV beschlossen.
Dies verwundert umso mehr, weil die BI im Vorfeld mehrfach gerade auf die geänderten Passagen aufmerksam gemacht hat; und btreffende Drucksache ist im Einladungsposting vom 5. Februar auch richtig verlinkt.
Wir erwarten, dass die mit der Organisation der BürgerInnenbeteiligung beauftragte Fa. Stattbau (bzw. das praktischerweise gleich mit der Protokollerstellung befasste Planungsbüro STEINBRECHER u. PARTNER Ingenieurgesellschaft mbH) den richtigen Beschluss bzw. die entsprechenden Passagen umgehend an die TeilnehmerInnen der Veranstaltung verschickt. − Update: Stattbau hat das Versehen eingeräumt, den richtigen Beschluss an die TeilnehmerInnen versendet und zugesagt, nach Erörterung am 17.2. auch die korrigierte Protokollfassung zu versenden.] Den Rest des Beitrags lesen »

Was Positives: Weit über 1000 Bäume gerettet!

Vor entschlossenen BürgerInnen weichen Denkmalschützer zurück!

Überraschende Wende in der Britzer Hufeisensiedlung

Die Hainbuchen der Hufeisensiedlung

Gerettete Hainbuchen © BUND

Wie wir erst heute erfahren haben, sind in der berühmten, von Bruno Taut gestalteten Hufeisensiedlung im Neuköllner Ortseil Britz nicht nur die dreißig Hainbuchen gerettet − die Deutsche Wohnen AG hat ihren Fällantrag zurückgezogen! −, sondern nach einer bereits am Montag dieser Woche (17.1.) vom Verein „Freunde und Förderer der Hufeisensiedlung“ organisierten und mit 120 AnwohnerInnen voll besetzten Veranstaltung, zu der neben Frau Lesser von der Unteren Denkmalbehörde Neukölln [Korrektur: Frau Lesser ist freie Landschaftsarchitektin und nicht Vertreterin der UDB Neukölln  (siehe auch den Kommentar von Ben Buschfeld). Wir bitten, unseren Irrtum zu entschuldigen.] auch Dr. Klaus-Hennig von Krosigk und Klaus Lingenauber vom Landesdenkmalamt erschienen, kann auch für alle übrigen Gehölze inklusive der Sträucher und Büsche auf Privatgrundstücken Entwarnung gegeben werden: ab sofort gilt für sie Bestandsschutz! Wir können diese Wende nach den Schlagabtauschen der Vergangenheit kaum glauben, möchten aber noch einmal darauf hinweisen, dass auf Bezirksseite sowohl von der Unteren Naturschutz- als auch der Denkmalschutzbehörde von jeher große Vorbehalte gegenüber den Rodungen bestanden. − [Update 25.1.: Gestern mussten wir nun erfahren, dass die Deutsche Wohnen AG den zurückgezogenen Fällantrag für die dreißig Hainbuchen etwas wortreicher − erneut gestellt hat. Die auf Grund des Weltkulturerbe-Status der Siedlung zuständige Oberste Naturschutzbehörde, also SenStadt, wird mit Blick auf die Fördermittel den Antrag, den der Bezirk seinerzeit abschlägig beschied, woraufhin die Sache gerichtsanhängig wurde, mit ziemlicher Sicherheit genehmigen −, ohne Rücksicht auf die Intentionen Bruno Tauts, die ökologische Funktion der Bäume oder gar die Wünsche und Bedürfnisse der AnwohnerInnen…] Den Rest des Beitrags lesen »

Schützt unsere Bäume vor dem Denkmalschutz!

In der Britzer Hufeisensiedlung sollen 30 gesunde Hainbuchen fallen

Die Hainbuchen der Hufeisensiedlung

Die Hainbuchen © BUND

Bezirkliche Natur- und Denkmalschutzbehörde gegen Fällung

Ein Vertreter des Neuköllner Grünflächenamts konnte im Sommer unsere Kritik daran nicht verstehen, dass die als Baudenkmal ins Weltkulturerbe aufgenommene Britzer Hufeisensiedlung quasi handstreichartig und hinter verschlossenen Türen nun auch noch den Status eines Gartendenkmals zuerkannt bekommen hat.

Das sei doch durchaus nichts Ungewöhnliches. Und unsere Besorgnis unbegründet, dass dies nur dem Zweck dienen solle, neben der Sanierung der Wohngebäude auch die vernachlässigte Grünanlage der Siedlung gegen den Willen der AnwohnerInnen im Wortsinn radikal neu zu gestalten, also erstmal tabula rasa zu machen − schließlich sind mal wieder Millionen von Steuermitteln aus diversen Fördertöpfen zu verausgaben − und bei dieser Gelegenheit, nachdem vor Jahresfristschon ihrer 17 gerodet wurden, auch noch weitere 30 völlig gesunde Hainbuchen zu fällen. Dies nämlich betreibt die Eigentümerin der Siedlung, die Deutsche Wohnen AG, schon länger und will, nachdem die UNB die Genehmigung verweigerte, seit einiger Zeit ihr Ansinnen auf dem Klageweg gegen den Bezirk durchsetzen. Den Rest des Beitrags lesen »

Denkmalpflegerisches Gutachten vs. Umweltverträglichkeitsstudie

Fortschreibung des Denkmalgutachtens angelaufen

Die Teilnahme der Autoren des Großen Denkmalpflegerischen Gutachtens von 1990, Geyer und Bappert, an der 20. Forumssitzung signalisierte, dass dessen Aktualisierung und Fortschreibung mit ca. einem Jahr Verspätung doch noch auf den Weg gebracht werden konnte. Und richtig: Die entscheidende Hürde wurde dadurch genommen, dass das WSA jetzt nicht nur für die Digitalisierung aufkommt, sondern vier Fünftel der Gesamtkosten übernehmen will, wofür sich Klaus Lingenauber gleich zweimal bedankte und dies auch fürs Protokoll noch mal unterstrich. Das LDA übernimmt die Geländer-Kartierung und − bei dieser Gelegenheit hoffentlich − auch die der überflüssigen, weil zweck- und nutzlosen, den Gesamteindruck aber oftmals erheblich störenden Aufbauten und Installationen.

Lingenauber bekräftigte sogleich seine Forderung, als Pendant zum Baumsachverständigen auch einen Denkmalarchitekten zu beauftragen, der, mit der Baustelle Maybachufer beginnend, die Aufgabe hätte, die Bilanz erhaltener Original-Mauerquader und die Beschaffung von Ersatzmaterial zu kontrollieren. − Ein solcher Denkmalarchitekt sollte u.E. ebenfalls das Vertrauen der BürgervertreterInnen genießen.

Als BürgervertreterInnen an die immer noch ausstehende Kartierung überhängender Baumkronen erinnerten, die eine Vorstellung darüber verschaffen soll, wie oft das am Tempelhofer Ufer mit großem Erfolg angewandte Verfahren einer baumfreundlichen Verspundung auf der zu sanierenden Gesamtstrecke zum Einsatz kommen müsse, mahnte Professor Geyer, es bei der Baumkartierung, die ja auch im Zuge der UVS durchgeführt werden müsse, nicht zu „Parallelarbeiten“ kommen zu lassen. UVS und Denkmalgutachten müssten sich bei Erstellung des LPB „verschränken“.

Zwei Paar Schuhe

Dagegen sind wir nach wie vor der Auffassung, dass es bei der floristischen und faunistischen Kartierung entlang der Kanalufer zur Bestandserfassung im Zuge der UVS um wesentlich anderes, partiell diametral Gegenläufiges geht als etwa bei der Kartierung denkmalkompatiblen Altbaumbestands oder der Identifizierung geeigneter Stellen für dito Nachpflanzungen. Das dringliche Bestreben, den LWK und seine Grünzüge im Rahmen des Biotopverbunds als Ausbreitungs- und Wanderkorridor für seltene Tier- und Pflanzenarten im Stadtgebiet wasser- wie landseitig aufzuwerten, folgt evidentermaßen gänzlich anderen und sicher nicht selten konfligierenden Zielstellungen als ein denkmalpflegerischer Ansatz, dem allenfalls der Alleebaumbestand als grünes Ornament wertvoll und alle sonstige Uferbegleitvegetation als Beeinträchtigung des Baudenkmals gilt, sei es durch Verstellen der freien Sicht auf seine steinerne Kontur; durch Untergraben seiner Stabilität infolge ungezügelten Wurzelwachstum, oder sei es gar als Brutstätte und Hort von „Schädlingen“ (Lingenauber).

M.a.W.: beim Erstellen eines LPB werden ökologische und denkmalpflegerische Gesichtspunkte vielfach unversöhnlich aufeinanderprallen (wie es seinerzeit etwa das radikale Ignorieren des von der BfG entwickelten naturnahen Pflege- und Unterhaltungsplans von 2001 seitens der Denkmalbehörde schlagend gezeigt hat), und die Kompromissfindung wird nicht einfach sein −, aber dass die denkmalpflegerische Optik schon bei der Kartierung lebendiger Natur entlang des LWK in Anschlag gebracht wird, ist tunlichst auszuschließen!

Auch das Landschaftsbild wird für die Denkmalschützer, abgesehen vom Bauwerk, nur durch (angepflanzte) Altbäume konstituiert, nicht aber z. B. durch die bei Einheimischen wie Gästen so bewunderten wie geliebten, tausendfach fotografierten überhängenden Trauerweiden, Linden und Kastanien und schon gar nicht durch überwuchernde Büsche, Kletterpflanzen, Flechten und Moose natürlich gestalteten (und nicht selten ästhetisch veredelten) Mauern. − Gerade überhängende Vegetation aber, so haben wir erst kürzlich gelernt, ist auch für die Fauna im Wasser von hoher ökologischer Bedeutung, beschattet den Kanal und wirkt in Hitzeperioden der Aufheizung des Wassers und damit Sauerstoffknappheit und Fischsterben entgegen. − Auf der anderen Seite führt eine Rodung des Unterwuchses, wie vielfach zu beobachten, zur Vermüllung der Böschungen wie des Kanals.

Naturzerstörung im Namen von Tourismus und Denkmalpflege

Die Optimierung Berlins grüner Lunge

Schlachtfeld Tiergarten

Schlachtfeld Tiergarten

Im Tiergarten reiten die Denkmalschützer- und rückwärtsgewandten StadtentwicklerInnen und scheren sich kein Deut um Vereinbarungen von gestern. Die touristische Infrastruktur muss optimiert, das Wegenetz und die bestehenden Wege müssen auf Kehrmaschinenbreite erweitert werden. Schon 2005/6 sollte nach dem Willen des Landesdenkmalamts der östliche Tiergarten und namentlich das Areal um das Venusbassin (vulgo „Goldfischteich“) denkmalgerecht rekonstruiert, Wildwuchs gerodet, Sichtachsen freigelegt und zugunsten von gerader Linie und rechtem Winkel Asymmetrien beseitigt werden, gemäß einer überkommenen, jedoch gründlich diskreditierten Symbolik, der zufolge eine Parkanlage auch von der Bändigung und Veredelung einer in ihrer unordentlichen Wildheit unvollkommenen Natur zeugen soll.

Doch ganz abgesehen von musealer Ästhetik und Reduzierung des Erholungswerts, waren die Berliner Naturschutzverbände entsetzt, wie einem weitbekannten und beliebten innerstädtischen Refugium − eben nicht nur für gestresste GroßstädterInnen, sondern auch für eine ungeahnte Vielfalt mitunter selten gewordener Arten aus Flora und Fauna – derart brutal und zerstörerisch zu Leibe gerückt werden sollte.

Artenreichtum inmitten der City

Goldfischbassin

Goldfischbassin: Sechs Bäume gefällt...

1410 Tier- und Pflanzenarten wurden im Rahmen des GEO-Tags der Artenvielfalt 2005 an einem einzigen (regnerischen) Tag bestimmt: von der Nachtigall bis zu Raritäten wie Osterluzei und Herzgespann, und Berlin gewann lässig gegen den New Yorker Central Park, in dem zeitgleich eine Artenzählung stattfand. Das Engagement der Verbände schien von Erfolg gekrönt, als Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer zusagte, den östlichen Tiergarten mit neuen Wegen und Baumfällungen zu verschonen.

perfekt

...und neue aufgestellt

Doch wenn über die Senatsverwaltung Wirtschaft, Technologie und Frauen 16,5 Mio. Euro Fördermittel von EU und Bund für die „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ [!] winken, sagt sich Frau Junge-Reyer mit Adenauer „was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“, und so bewegen im Auftrag von SenStadt und LDA seit Anfang der Woche schwere Baumaschinen Erdmassen und verdichten dabei den Boden, werden gesunde Bäume gefällt und die wenigen zusammenhängenden Restgehölze durch Wegschneisen weiter verinselt, werden beim Verlegen von Wasserrohren Wurzeln „im Weg“ stehender Bäume gnadenlos gekappt, und ungeachtet geltender Regelwerke und DINormen zum Baumschutz auf Baustellen, entgegen allen Erkenntnissen und Alarmrufen von BaumschützerInnen, wonach die meisten abgängigen Bäume Berlins eben im Zuge von Bauarbeiten zu schaden gekommen sind, wird auf Baumscheiben Aushub abgekippt, schweres Baumaterial und Gerät deponiert etc. − Scheitert bei einer solchen Millioneninvestition der Einsatz eines „Bauleiter Baumschutz“ am Geld? Die Umweltverbände NABU und BUND haben gegen das Vorhaben scharf protestiert.

Ist das schon mal ein Vorschein des wort- und broschürenreich angekündigten Grünen Leitbilds Berlin? Sieht so die Beteiligung von Naturschutzverbänden und BürgerInnen an einer nachhaltigen Grünflächengestaltung aus? – Vor allem ist es nach der Schleifung der Brachlandschaft auf dem Gleisdreieck ein weiterer Fall von Sachbeschädigung an öffentlichem Eigentum herausragenden ökologischen Werts, ein weiteres Indiz dafür, dass diese Senatsverwaltung die Zeichen der Zeit penetrant ignoriert! Hier gibt’s keinen Lernprozess, kein Umdenken, keinen Paradigmenwechsel. − Und Schlimmstes ist für die „Erschließung“ des Tempelhofer Felds zu gewärtigen. [Siehe auch hier.]

Ausbau

Das Investitionsvorhaben

Wer soll das bezahlen?

BaumschützerInnen-Info vom 01.02.09

Noch nichts Neues vom GgG-Update

Auf vielfachen Wunsch äußerte sich Klaus Lingenauber vom LDA endlich zur Fortschreibung und Weiterentwicklung des Großen gartendenkmalpflegerischen Gutachtens (GgG). Wir erinnern uns: ein Dreigestirn aus WSA, LDA und SenStadt sollte nach der Sommerpause 08 hierüber berichten, doch der dritte Stern, um im Bild zu bleiben, nämlich SenStadt, ist im Warten zwischen Masterplan und Planfeststellung erst mal auch in dieser Konstellation erloschen.

Der Denkmalschützer führte aus, was alles wichtig und wertvoll, notwendig und zu vertiefen sei: die ökologischen und naturschutzfachlichen Komponenten, städtebauliche und Stadtbild-Aspekte, Schiffsverkehr, die Nutzung des Kanals zu Wasser und zu Land usw.usf., doch das LDA habe für all dies weder Mittel noch Verpflichtung, müsse sich auf seine Kernaufgabe: das Bauwerk beschränken. Wenn es z. B. um den Vegetationsbestand gehe, sei die Kartierung einzelner Gehölze oder gar Sträucher natürlich viel zu teuer und machbar allenfalls, die Vegetationsstruktur durch Erfassung der Arten, etwa der Hauptbaumbestände, zu ermitteln.

Man müsse sich also zusammensetzen, um die „wichtigsten Pakete“ zu bestimmen, vor allem die Digitalisierung der Bestandsunterlagen, die das WSA zu finanzieren bereit ist, auf den Weg zu bringen und das „Beiwerk“ erstmal zurückstellen.

Bundesanstalt für Gewässerkunde um Amtshilfe bitten!

Mal abgesehen, dass wir davon ausgingen, dieses Sichzusammensetzen sei längst erfolgt, finden wir es schwer erträglich, dass über diesem „Wir müssten eigentlich und würden ja auch, wenn wir nur könnten“ immer weiter wertvolle Zeit verstreicht, darüber die nächste Vegetationsperiode heranrückt und noch immer nichts beschlossen, geschweige denn beauftragt ist.

Selbstverständlich sind die ökologischen und naturschutzfachlichen Aspekte schon ab einer geringen Tiefe für den Denkmalschutz nur Beiwerk, weswegen er ja auch im Rahmen eines Denkmalgutachtens überhaupt nicht damit befasst werden sollte −, doch anstatt hier weiter den Schwarzen Peter kindisch hin und her zu schieben und auf den Big Spender zu warten, schlagen wir vor, die BfG um Amtshilfe zu bitten: Diese Institution hat schließlich in der Gewässerökologie ihren primären Aufgabenbereich, in Beratung und Begutachtung, Forschung und Entwicklung wissenschaftlich hochqualifizierte Manpower, arbeitet interdisziplinär, abteilungs- und referatsübergreifend − und ihre Einbeziehung liegt sicher auch auf der Linie des vielbeschworenen verantwortungsvollen Umgangs mit den knappen Steuermitteln.

Auch die 5. Redaktionssitzung brachte keinen Konsens

BürgerInnen-Inititative Bäume für Kreuzberg

Ausstellung der konkurrierenden Varianten ab dem 5. November

Luisenstädtischer Grünzug

Die fünfte war zugleich die letzte Redaktionssitzung zur Entwicklung zweier Kompromiss-Varianten für die Umgestaltung des Luisenstädtischen Grünzugs. Das Treffen führte nicht zu dem einen Konsensentwurf, wozu der langwierige Arbeitsgruppen- und Redaktionsprozess ja eigentlich dienen sollte, sondern die Variante „Denkmal“ mit Berücksichtigung von BürgerInnenwünschen einerseits, die Variante „Bestand“ mit Aufnahme von Elementen der 30er-Jahre-Gestaltung andererseits nebst je einer Untervariante werden ab 5. November sowohl im Rathaus als auch im Quartiersmanagement Kottbusser Tor ausgestellt und stehen, im Hinblick auf noch mögliche Anregungen und Einwände seitens der BürgerInnen ggf. noch modifiziert und zu entsprechenden Bauplanungsunterlagen (BPU) verarbeitet, nach einer gemeinsamen Sondersitzung von Umwelt- und Stadtplanungsausschuss Ende des kommenden Monats schließlich für die Bezirksverordneten zur Entscheidung. − So weit hätten wir auch schon vor einem halben Jahr sein können.

Lingenaubers Leier

BürgerInnenversammlung

BürgerInnenversammlung am 21. April '08

Der Vertreter des Landesdenkmalamts (LDA), Klaus Lingenauber, der sich nach seinem spektakulären Abgang aus dem Arbeitsgruppenprozess im vergangenen Sommer noch einmal mit BürgervertreterInnen zusammensetzte, beharrte erneut auf den Grundzügen jener Planung von 2006, die zwar in seinen Augen bereits ein Kompromiss* zwischen Denkmalpflege, Bezirks- und Bürgervertretern war, doch bekanntlich von der überwältigenden Mehrheit der ca. 150 TeilnehmerInnen der BürgerInnenversammlung vom 21. April nachdrücklich zurückgewiesen worden ist. Diese BürgerInnen empfanden sich vom Bürgerverein Luisenstadt, der seinerzeit die Bürgerbeteiligung zugleich organisierte und darstellte, offenbar nicht repräsentiert.

Ortstermin

Ortstermin

Lingenauber bekräftigte auch jene Rahmenbedingungen, die zwar erst nachträglich zwischen Denkmalschutz und Politik ausgehandelt worden seien, aber gleichwohl verbindlich wären, namentlich wo sie eine „weitgehende Freilegung des Gartendenkmals“ aus der Weimarer Spätzeit fordern. Und Freilegung meint vor allem Tieferlegung. Dass die BürgerInnen, die am 20. September in der Planungswerkstatt auf dem Oranienplatz und entlang des Grünzugs ihre Anregungen, Ideen und Positionen äußern sollten, diese Rahmenbedingungen nicht einmal kannten (ebenso wenig wie z. B. Bürgermeister Schulz), tut nichts, ja war wohl gar nicht gewünscht, denn als BI-VertreterInnen während der Veranstaltung die BesucherInnen darüber informierten, unterstützten sofort wieder ca. 160 Menschen mit ihrer Unterschrift die Forderung, auf die denkmalgerechte Umgestaltung des Grünzugs zu verzichten, nachdem die BI den Sommer hindurch fast 1000 Unterschriften von BesucherInnen der Anlage gesammelt hatte, die sich für den Baumerhalt und gegen eine Tieferlegung aussprachen.

Betonköpfiger Denkmalschutz

Immer wieder wurde von der Kompromissbereitschaft, ja der „Öffnung“ des Denkmalschutzes gesprochen, obwohl wir aus unserer Mühe, sie zu erkennen, kein Hehl machten. Nun nannte es Klaus Lingenauber einen schweren Herzens angebotenen Kompromiss, nahe Waldemarbrücke nicht auf beiden Seiten die Pappeln zu fällen, sondern nur auf der östlichen, wo sie mit dem Trafohäuschen und den „Klamotten“ aus Granit „beräumt“ werden sollen. Auch auf der westlichen Seite jedoch, wo die sechs Pappeln und der Eschenahorn einer biologischen Lösung entgegenharren dürfen, müsse gleichwohl was geschehen, damit die Linde auf dem Gehweg nicht weiter bedrängt würde, und dazu die Birke auf dieser Seite auch noch weg −, aber insgesamt könnten ja „80 Prozent“ der Bäume stehen bleiben. Hier sei für ihn „Ende der Fahnenstange“. Der BI aber sei es doch um die Bäume gegangen, weshalb es von ihrer Seite nun „nicht ehrlich“ sei, sich der Tieferlegung zu verweigern, sondern bloß ihre mangelnde Kompromissbereitschaft zeige.

Neben Baumschutz geht’s um Erhalt des Charakters unserer Anlage, Nutzungsqualität und Quartiersidentität!

Vielleicht suggeriert ja der der Name der BI, dass es ihr nur um Bäume geht (es geht ihr natürlich auch um den Baumerhalt und zwar zu 100 Prozent!), aber neben dem Erhalt des Baum- und Strauchbestands ist es den Bäumen für Kreuzberg, wie aus zahlreichen ihrer Publikationen ersichtlich, immer auch um den Erhalt des Charakters der Anlage gegangen, den sie in den 80er Jahren unter breiter BürgerInnenbeteiligung erhalten hat und der mit wilden Pappeln und Sträuchern, großen Granitfelsen und mäanderndem Weg den Geist dieser Zeit atmet, der so ganz anders ist als jener, welcher die rekonstruierte Gestaltung des Grünzugs in seinem im Bezirk Mitte liegenden Teil durchherrscht. Nicht zufällig dort, wo früher die Mauer verlief, befindet sich noch immer eine Zäsur.

Drachenbrunnen am O'platz

Drachenbrunnen am O'platz

Anfangs meinten wir, dass hier, ab Waldemarbrücke, von den 30er Jahren in die 80er und in die Gegenwart aufgetaucht werden sollte, doch machen nun das Zugeständnis, dass die Freifläche nach dem Muster dessen gestaltet wird, was sich uns jenseits der Brücke darbietet: dass also parallel einander gegenüber je drei Bänke nach historischem Vorbild und noch je eine mit der Lehne zu den Brückenlagern aufgestellt, die alten Mauern restauriert und Hochbeete angelegt werden, ja die BI führte im Anschluss an die Ortsbegehung lange Diskussionen, ob dort, wo jetzt seitliche Treppen und eine Rampe von den Straßen herabführen, wenn man auf die Treppen verzichtete, Spielraum für ein authentisches Zitat entstünde, nämlich die aus Kalkstein gemauerten Banknischen auf historischem Niveau, was 50 bis 90 cm Tieferlegung bedeuten würde. Allein es geht nicht. Die Graniteinfassungen der jetzigen Treppen würden den Übergang völlig unmotiviert erscheinen, die Banknischen kaum zur Wirkung kommen lassen, die Felsen müssten zusätzlich abgestützt werden, Vegetation würde unter den dann nötigen Aufschüttungen verschwinden, vor allem aber würde die Steigung hin zum Drachenbrunnen auf der verbliebenen Strecke mit 4 bis 5 Prozent zu steil und jedem entspannten Flanieren den Garaus machen.

Genau diese Problematik, so war Frau Bergande vom Planungsbüro TOPOS gleich zu Beginn der Sitzung entschlüpft, habe man mit dem Denkmalschutz erörtert und deswegen die Idee einer Teiltieferlegung verworfen, denn dann ginge es vom Drachenbrunnen aus „in eine Schlucht hinab…“ − Daher war es nicht allzu schwer zu durchschauen, dass Lingenauber, indem er plötzlich genau dies zum weiteren Kompromissvorschlag erklärte und damit eine lange Diskussion über Treppen mit vier oder sechs Stufen, Rampen und Terrassierungen anstieß, nicht etwa der BI entgegenkommen, sondern ihr gewissermaßen seitlich ausweichen wollte.

Landesdenkmalamt als oberste Genehmigungsbehörde

Umgekehrt vermochte das weitere Angebot der BI, die Eingangssituation vom Drachenbrunnen aus repräsentativ und gemäß historischem Vorbild mit Einfassungsmauern und entsprechender Bepflanzung zu gestalten, den Denkmalschützer nicht von seinem stereotyp vorgetragenen Dogma abzubringen, dass „ohne Tieferlegung keine Planung genehmigungsfähig“ sei. Ohne das Plazet des LDA aber wird wiederum Frau Mineif von SenStadt, wie sie mit dankenswerter Offenheit bekannte, keine Mittel aus dem Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz für die Sanierung des Luisenstädtischen Grünzugs freigeben, und damit werde es zu der doch auch von den BürgerInnen gewünschten Qualitätsverbesserung nicht kommen, beeilte sich Frau Schuchhardt von Stattbau nachzuschieben. Frau Mineif hat sich mit dieser Haltung quasi als Antipodin ihrer Vorgängerin, Frau Krutzsch, geoutet, indem sie Denkmalgerechtigkeit zum alleinigen Förderkriterium und das LDA zur obersten Genehmigungsbehörde erhebt.

Vor allem aber sei noch einmal betont, dass Tieferlegung und Baumfällungen für die allermeisten NutzerInnen der Anlage gerade keine Qualitätsverbesserung, sondern im Gegenteil eine erhebliche Beeinträchtigung hinsichtlich Aufenthaltsqualität, Nutzungsfreundlichkeit, Quartiersidentität und damit Akzeptanz bedeuten würde und auch eine Fällung von nur 20 Prozent des Baumbestands ökologisch fragwürdig ist.

Diskreditierung von BürgerInnen-Engagement

Infostand der BI

Infostand der BI

Was die BürgerInnen mit notwendigen Verbesserungen meinen, bezieht sich, wie die überwältigende Mehrheit der Voten eindeutig belegt, auf Nachpflanzungen, fachgerechte Pflege, ausreichende Wässerung und Müllbeseitigung! Dies wiederum an die Zustimmung zur Wiederherstellung einer Gestaltung zu knüpfen, über deren „Wert andere befinden“ (Lingenauber), grenzt an Entmündigung und Erpressung. Schwer erträglich wurde das elitäre Gehabe des Denkmalschützers wie auch des anwesenden Vertreters des Bürgervereins Luisenstadt, als beide den VertreterInnen der Quartiersräte von Mariannenplatz und Kottbusser Tor sowie der BI das Recht bestritten, für die Mehrheit der BürgerInnen zu sprechen − dies täte im Gegenteil der genannte Verein – und kurzerhand alle Information, Öffentlichkeitsarbeit und BürgerInnenbefragung als Agitation und Demagogie abtaten. „Auf Sie will ich gar nicht zugehen“, tönte Lingenauber zum allgemeinen Befremden gar in Richtung einer BI-Vertreterin und fragte eine Quartiersrätin rhetorisch: „Für wen sprechen Sie denn schon?“ (Hier hätte man sich ein klares Wort von Seiten des Moderators Zimmermann gewünscht.) − Wir dürfen jedenfalls zurückfragen, wo denn die vielen BürgerInnen waren, die der Bürgerverein zu repräsentieren meint, als sie während der Planungswerkstatt am 20.9. um ihre Meinung gefragt wurden? Für eine denkmalgerechte Wiederherstellung fanden sich gerade mal 8 (acht) Voten…

Allerletztes Kompromiss-Angebot der BI

BürgerInnen-Information

BürgerInnen-Information

Als allerletztes Kompromiss-Angebot bietet die BI − mindestens ebenso schweren Herzens! − eine Begradigung des Mittelwegs mit Flankierung von insgesamt sechs Originalbänken an. Eine Tieferlegung und Baumfällungen sind mit uns jedoch nicht zu machen! Frau Bergande von TOPOS wird nun, wie gesagt, insgesamt vier Varianten-Pläne erstellen, zwei für die Denkmalrekonstruktion mit Berücksichtigung von BürgerInnenwünschen, zwei für die Erhaltung des Bestands mit Aufnahme von Elementen der 30er-Jahre-Gestaltung.

Die Ausstellung wird am 5. November um 17.30 Uhr eröffnet und bis voraussichtlich 21.11.08 im Rathaus Kreuzberg (Flur 2. Etage) sowie im Büro des Quartiersmanagements Kottbusser Tor in der Dresdener Str. 12 gezeigt. Wir laden schon jetzt alle Interessierten herzlich und nachdrücklich ein, die Pläne zu begutachten und ihre Einschätzungen und Änderungsvorschläge in den ausliegenden Gästebüchern zu Protokoll zu geben!


*Sehr aufschlussreich, als Moderator Zimmermann diese Variante als die des Denkmalamts bezeichnete und ihn Lingenauber unterbrach: „Die war auch schon ein Kompromiss − so war die Sprachregelung…“