Teststrecke Corneliusstraße wird es nicht geben

Letzte Betonwürfel dürfen länger liegen

Wettbewerbsfreiheit sticht alle andern Werte und Güter aus!

Wir erinnern uns: Als angesichts eines aus dem Hut gezauberten WSA-Vorschlags, die nach wie vor korsettierten, an die letzten verbliebenen Brockelmannschen Betonwürfel gepflockten Kastanien entlang der Corneliusstraße in Mitte durch eine umständliche Modifizierung der Anbindung irgendwie auch noch über die dritte Vegetations- und Wachstumsperiode zu kriegen, platzte dem Bezirksvertreter in jener denkwürdigen vorweihnachtlichen Sitzung der Kragen: Unter diesen Umständen forderte nun auch das Bezirksamt Mitte endlich ein Gutachten über Sinn und Unsinn der monströsen Klötzer und − stürzte die AmtsvertreterInnen sichtlich in Verwirrung.

In dieser Situation wurde die Idee einer Bürgervertreterin, im Anschluss an die erfolgreiche Absolvierung der 50m-Teststrecke am Paul-Lincke-Ufer einfach GIKENs Crush Piler plus Mettes Gerätschaften ans Corneliusufer umzusetzen, um auf dem dortigen, insgesamt 120 Meter langen Abschnitt die letzten Winter abgebrochene Verspundung wiederaufzunehmen und noch in dieser Sperrsaison zu Ende zu bringen, allseits als Befreiungsschlag begrüßt.1)

Inzwischen ist Weihnachten lange vorbei, und nun heißt es von Seiten des WSA, dass eine Verlängerung der Teststrecke und Vergabe an GIKEN (und die Mette-Wasserbauer) mit den verwaltungs- und vergaberechtlichen Vorschriften nicht in Einlang zu bringen sei. Das Bauvorhaben müsse − nach der am 16.10.09 wegen intransparenter Preiskalkulation der angefragten fünf lokalen Baufirmen wieder aufgehobenen beschränkten Ausschreibung − nunmehr deutschlandweit ausgeschrieben werden.

Schnelle Lösung fürs Corneliusufer wäre nicht vorschriftenkonform

Dabei hatte für die Umsetzung der beschriebenen „charmanten Lösung“ (so die Leiterin AG LWK, Frau Dr. Ernst) alles denkbar gut ausgesehen: sowohl die geräte- als auch die haushaltstechnischen Kapazitäten waren vorhanden; sogar die Möglichkeit, die Verspundung noch innerhalb der bis zum 30. April verlängerten Sperrfrist zu bewältigen, schien gegeben; der Lenkungsausschuss der AG LWK inklusive WSD-Chef Menzel für die Idee gewonnen, wenn sie VOB-konform hergeleitet werden könne −, doch da jene fünf ortsansässigen Baufirmen mittlerweile Gelegenheit gehabt hätten, sich bei einem Bauvorhaben des WNA-Magdeburg in Genthin übers Arbeiten mit dem Crush Piler und seine Kosten umfassend kundig zu machen, wären bei einer neuerlichen Ausschreibung nunmehr günstigere Angebote zu erwarten, weshalb sich nach VOB eine freihändige Vergabe auch unterm Label „Teststrecke“ verbiete. Deren Umdefinierung und Verlängerung sei ausgeschlossen, weil nur eine kleinere Leistung der größeren angeschlossen werden könne und nicht umgekehrt.

Bezirksamt Mitte eingeknickt

Ein für die BürgervertreterInnen ernüchternder Bescheid! Angesichts dessen, dass GIKEN für die Stahlarbeiten als einzige Firma über das notwendige Equipment, eben den Crush Piler, verfügt, also so oder so einbezogen werden muss, wird ein an sich unhaltbarer Zustand sowohl für die AnwohnerInnen, welche die von ihnen selbst finanzierte Promenade noch einen dritten Sommer nicht nutzen können, als auch für den wertvollen Altbaumbestand, dessen Lebenserwartung beträchtlich reduziert werden dürfte, auf Grund der neuerdings höchst skrupulösen wettbewerbsrechtlichen Auslegungen und Rücksichtnahmen verlängert und damit u. E. ohne angemessene Güterabwägung ein von Anbeginn überflüssiger, Stadtnatur schädigender, landschafts- und denkmalästhetischer Schandfleck konserviert. − Warum der Bezirk Mitte, der 2007 nur unter Vorbehalt und damit der Schiffsverkehr wieder aufgenommen werden könne, einer „vorübergehenden landseitigen Baumsicherung“ zugestimmt hatte, sich nun mit einer Lockerung der Stamm-Manschetten in der Zeit der stärksten Wachstumszunahme sowie der vagen WSA-Zusage, die Promenade nicht weiter verkommen zu lassen, zufrieden gibt und namentlich seine Forderung nach einer den Sinn dieser Installation überhaupt überprüfenden Untersuchung  fallen lässt, bleibt der/m einfachen BürgerIn unerfindlich.

Lobbying hinter den Kulissen schlägt BürgerInnen-Beteiligung

Wie angekündigt, hatte das WSA die Reederschaft am vergangenen Montag (8. März) zum Arbeitstreffen „Schifffahrt am Landwehrkanal“ gebeten, doch nicht nur die Fahrgastschiffer groß und klein, sondern auch die von ihnen offenbar alarmierten Sport- und Ruderbootverbände hatten ihre Vertreter entsandt, wohl um der kategorischen Absage an jede weitere Verlängerung der Sperrzeit über den 30. April hinaus, ganz gleich wie begründet, den gehörigen Nachdruck zu verleihen. Sollte dieser Forderung nicht entsprochen werden, wurde sogar mit Kampfmaßnahmen bis hin zu Wasserstraßen-Blockaden gedroht. Alle die Schifffahrt einschränkenden Sanierungsmaßnahmen (die in ihrem Umfang ja nicht zum wenigsten der exzessiven kommerzielle Nutzung des LWK geschuldet sind), dürften allein in der winterlichen Sperrzeit durchgeführt werden, auch wenn der Winter nach Aussage von WSA-Vertretern nach jüngsten Erfahrungen, aber auch generell nicht eben die günstigste Zeit für solche Wasserbauarbeiten ist. Dann müsse während der Schifffahrtssaison eben nachts gearbeitet werden und das Ruhebedürfnis der AnwohnerInnen zurückstehen. Schließlich habe man bereits durch die Kanalsperrung 2007 erhebliche wirtschaftliche Verluste erlitten.

Öffentliche Aussagen der Reeder, worauf wir schon wiederholt hingewiesen haben, stehen solchen Behauptungen entgegen −, aber wie dem auch sei: es wäre mithin am besten, wenn die nächsten Winter ausfielen…


1) Die Fahrgastschiffer hatten an dieser Sitzung allerdings nicht teilgenommen, selbstredend auch keine Zeit für Protokoll-Lektüre und sperrten sich, wie berichtet, gegen alles, was sie ab Mai nichts verdienen lässt…

Kastanien müssen weiterhin Korsett tragen

Fortsetzung der Verspundung am Corneliusufer in Mitte erst mal abgesagt

Schon Ende letzter Woche gab das WSA offiziell bekannt, was sich schon länger abzeichnete: die „beschränkte“ Ausschreibung zur Verspundung des Corneliusufers, die WSA und BAW zur wasserseitigen Sicherung von Ufermauer und Bäumen nun mal für unverzichtbar halten, wurde nach der Angebotsprüfung von amtswegen offiziell aufgehoben. Damit bleiben die − nach Auffassung diverser Sachverständiger völlig überflüssigerweise − malträtierten Kastanien auch noch eine dritte Vegetations- und Wachstumsperiode hindurch korsettiert und an die monströsen Brockelmannschen Betonwürfel angepflockt.

Über die Gründe für die Aufhebung der Ausschreibung schweigt sich das Amt mit Verweis auf die Regularien einer beschränkten Ausschreibung beharrlich aus. Nach einem Forumsbeschluss war ausdrücklich der Einsatz eines Pressgeräts mit integrierter Bohrhilfe, also bspw. des sog. Crush Pilers der japanischen Firma GIKEN Europe, in die Leistungsbeschreibung mit aufzunehmen, nicht hingegen das umständliche verrohrte Bohren, das zwei Arbeitsgänge erfordern würde, zu verlangen, wofür die (im Übrigen für diesen Bauabschnitt bereits teilgekündigte) Firma Mette Wasserbau schon mal ein Konzept erstellt hatte.

Nachdem die vom WSA verlangte Machbarkeitsstudie (die Gerrit Riemer, Leiterin des WSA-Sachbereichs 2, seinerzeit auch noch mit dem Interesse am Wohlergehen besagter Uferbäume begründete), vom Mediationsforum als überflüssig zurückgewiesen worden war [siehe evtl. auch hier + hier], mutierte die Studie angesichts der in dieser Wintersaison durchzuführenden insgesamt zehn verschiedenen Baumaßnahmen zum umfassenden Logistik- und Koordinierungskonzept, mit dessen Ausarbeitung dann das Ingenieurbüro Emch und Berger beauftragt worden war. Es hatte die logistische Machbarkeit erwiesen, einen bis ins Einzelne reichenden Fahrplan enthalten, erscheint nun aber schon in einem entscheidenden Teil obsolet.

Hier sei auch noch der Hinweis erlaubt, dass der uns während des Vorort-Termins zum Abschnitt 6 (Bereich mit den vier Linden am Tempelhofer Ufer) recht unangenehm aufgefallene WSA-Ingenieur Hans-Jörg Schulz auch für die Erstellung der Verdingungsunterlagen zur genannten beschränkten Ausschreibung der Maßnahmen entlang der Corneliusstraße (Abschnitt 1) verantwortlich zeichnet. − Weshalb nur kann dort angesichts des besonderen Schwierigkeitsgrads auf Grund der besonders harten Mergelschichten in der Kanalsohle nicht mal der Crush Piler, der doch für solche Bedingungen eigens konzipiert und sich bereits mehrfach hervorragend bewährt hat, nicht − von welcher Firma auch immer geleast! − am Corneliusufer zum Einsatz kommen? Zwangsläufig muss sich der Verdacht einstellen, dass es hierfür womöglich auch sach- und fachfremde Gründe gibt?

Sofort vor Ort!

Unvorhergesehenes an Baustelle Maybachufer

Vorort-Termin Riedel-Anleger

Vorort-Termin Riedel-Anleger

Letzten Donnerstag (27.8.) erhielten die Mitglieder der Arbeitsgruppe Maybachufer, einer Untergruppe des Arbeitskreises Sanierung im Mediationsverfahren zur „Zukunft des Landwehrkanals“, von der frischgebackenen Leiterin der neuen WSAArbeitsgruppe Landwehrkanal, Dr. Annette Ernst, höchstpersönlich die telefonische Einladung zu einem Vorort-Termin am havarierten Riedel-Anleger Kottbusser Brücke. Und zwar gleich für anderntags halb elf.

Kampfmittelsondierung

Kampfmittelsondierung

Im Zuge der Baugrundsondierung im Bereich der berühmten Schadensstelle sei es überraschend zu neuen Erkenntnissen gekommen, die eine Modifizierung der am 4.8. von Carola Bugner (WSD) vorgestellten Planung des Bauablaufs erforderlich machten. Beim Versuch, vor dem Abteufen von Tiefenbohrungen unmittelbar vor der Abbruchstelle die ins Wasser gestürzten Steine der Ufermauer sowie die Wasserbausteine, die zur Verfüllung der Kolke dienen, aufzunehmen, hätten die Arbeiter auch in vier Meter Tiefe noch keine Kanalsohle gesehen, dafür aber beim Heben gleich der ersten Brocken neue Risse, die sich in der Böschung auftaten, woraufhin die Maßnahmen sofort abgebrochen und die Stellen neu verfüllt worden seien.

Der Geist der Mediation

Wegen des Termindrucks im Hinblick auf die Einhaltung des 2.11. als Baubeginn hatten wir darauf verzichtet, dass uns vor ihrer Veröffentlichung im Rahmen der Ausschreibung auch noch die Feinplanungen präsentiert würden, also Frau Bugner insoweit vertraut, so dass wir angesichts dieser raschen Einberufung eines Vorort-Termins auf Grund der unvorhergesehenen Entwicklung Mediator Kessen mit der gebotenen Zurückhaltung zustimmen möchten, wenn er erste Anzeichen dafür sieht, dass der Geist der Mediation nun auch auf der Baustelle einkehre. Und analog zum vereinbarten Procedere, wenn bei kurzfristig notwendig werdenden Maßnahmen Bäume involviert sind, schlug das Mediationsteam unterm Titel „Sofort vor Ort“ auch bei Baumaßnahmen die Institutionalisierung einer entsprechenden Routine vor: mit E-Mail-Verteiler, Fristsetzungen, Einspruchsmöglichkeit usw.

Kampfmittelsondierung

Kampfmittelsondierung

Alle, die Frau Ernst erreichen konnte, waren ihrer freundlichen Einladung gefolgt, und so versammelten sich Senats-, Bezirks- wie BürgervertreterInnen auf der Kottbusser Brücke und wurden von Riedel-Geschäftsführer Lutz Freise hinunter auf die Steganlage geführt. Die Abteilung II (Integrativer Umweltschutz) von SenGUV hatte in Vertretung von Matthias Rehfeld-Klein die Damen Hähnel (Gewässerschutz) und Dr. Fritz-Taute (Wasserwirtschaft, Geologie) entsandt, die Denkmalfraktion war hingegen nicht repräsentiert. So blieb die Frage, ob und wenn ja, welche Modifikationen der Planungen von diesen beiden Behörden evtl. noch für notwendig erachtet werden, weiterhin ungeklärt.

Vor Ort waren indessen SeaTerra und die Gebrüder Kemmer unter viel Geräusch- und Abgasentwicklung noch mit der Kampfmittelsondierung befasst und brachten im Bereich der in zwei bzw. vier Metern Tiefe festgestellten „Anomalien“, die auf einen im Kanal versenkten Tresor, aber auch auf Blindgänger deuten mochten, Bohrungen nieder, in die dann das PVC-Rohr fürs Georadar zur genaueren Erkundung eingepresst wird −, und die Versammelten hofften, es möge sich um einen Tresor handeln.

Haverie 2007 mit über vier Meter tiefem Grundbruch!

Schnitte

Jens Mittag (GuD) erläutert

Jens Mittag und Hilmar Leonhardt von GuD Consult, die mit der Ausarbeitung der Verdingungsunterlagen betraut sind, erläuterten anhand von Karten und Zeichnungen die neue Situation sowie die von ihnen in den vergangenen Tagen erarbeiteten „Ergänzungsvorschläge“ für die Leistungsbeschreibung. Offenbar sei beim Schadensereignis im April 2007 eine bedeutend größere, als bisher angenomme, bis unters Fundament reichende „Grundbruchfigur“ entstanden und also die Uferbefestigung weniger in den Kanal gekippt als vielmehr versunken, so dass in der Folge der Gleitkreis die Auskolkung über vier Meter hinaus vertieft habe. Wenn nun, um, wie beschlossen, die Stahlspundwand vorzupressen, die Trasse zunächst von Gestein beräumt werden müsse, drohe die ganze Böschung abzurutschen.

Der GuD-Vorschlag sieht nun vor, die Böschung durch einen sog. HDI-Schleier zu unterfangen, also zu stabilisieren, indem mittels Hochdruckinjektion einer Zementsuspension „Düsenstrahlsäulen“ am Böschungsfuß eingebracht werden, die im Ergebnis eine Verbauwand ähnlich einer Bohrpfahlwand („Berliner Verbau“) bilden sollen. Diese muss allerdings in Abständen über Stahlträger rückverankert werden, was z. B. auch eine landseitige Kampfmittelsondierung erfordere, die nun schnell zu veranlassen sei, sowie einen früheren Abriss des Riedelschen Geräteschuppens. − Weitere Einzelheiten und Fotos im aktuellen WSA-Newsletter.

Qualität vor Zeit

Schnitte

Schnittzeichnungen © GuD

Die BürgervertreterInnen gaben zu bedenken, dass besser nicht am Baubeginn 2.11. festgehalten werden solle, wenn dies auf Kosten der Qualität der Planungen und damit der ausgeschriebenen Leistungen gehe. „Qualität geht vor Zeit“, formulierte Stefan Kessen. Dann solle lieber alle Energie darauf verwendet werden, die nahegelegene Teststrecke am Paul-Lincke-Ufer nicht erst im Frühjahr, sondern eben zum 2.11. in Angriff zu nehmen. − Die GuD-Mitarbeiter machten wiederum deutlich, dass die von ihnen modifizierte Leistungsbeschreibung auch Nebenangebote zulasse, also, wenn deren Preis-Leistungsverhältnis stimme, keine alternativen technischen Verfahren ausschlösse.

Eine Gefahr für die Straßenbäume besteht nach Auffassung des Neuköllner Grünamtmitarbeiters Mechelhoff durch Düsenstrahlwand-Anker nicht, insofern sie, wenn in einem Winkel von 45 Grad ausgeführt, erst in einer Tiefe von sechs Metern in den Wurzelbereich dringen, wo es kaum vitalitätsrelevante Feinwurzeln mehr gebe und bei den betreffenden Bäumen auch eine mögliche Gefahr für Stark- und Haltewurzeln zu vernachlässigen sei.

Größtmöglicher Wettbewerb am Corneliusufer!

Grundbruch-Stelle Riedel-Anleger

Grundbruch-Stelle

Für die in der letzten Wintersaison stecken gebliebenen Stahlspundbohlen-Einbringung − zum Pressen war der Boden zu hart, die beauftragte vollflächige Lockerungsbohrung fachlich nicht ausführbar; ein Rammen dort nicht möglich − läuft zur Zeit ebenfalls eine Ausschreibung. Diesmal (hoffentlich) unter Einschluss des Bohrpressverfahrens.

Hier sind wir allerdings sehr überrascht, dass dies lediglich als Beschränkte Ausschreibung unter den ortsansässigen Wasserbaufirmen läuft. Das dürften dann diejenigen sein, die bereits im letzten Jahr für dieselbe Stelle mitgeboten hatten. Was wird da wohl als Ergebnis rauskommen?

Wir lassen uns überraschen und wollen hoffen, dass der nächste, höchst dringende Sofort-Vorort-Termin nicht am Corneliusufer sein wird.

Btr. Sanierung

Eine logistische Herausforderung!

Planmäßig soll’s mit Beginn der winterlichen Kanalsperrung am 2. November losgehen, und zwar nicht nur am Maybachufer, wo mit der Havarie des Riedel-Anlegers nahe Kottbusser Brücke alles anfing, sondern auch am Corneliusufer in Mitte, wo vergangenen Februar Mette Wasserbau auf harten Grund stieß, nicht mal mit der geräuschvollen Dieselramme weiterkam, die „umsturzgefährdeten“ Uferbäume betongesichert blieben und seitdem 55 noch nicht auf Endtiefe gebrachte stählerne Spundbohlen mahnend aus dem Wasser ragen.

Prioritär aber soll auch auf Betreiben der BürgervertreterInnen die vereinbarte Teststrecke am Paul-Lincke-Ufer in Angriff genommen werden, damit wir − nach all dem Theoretisieren, den Studien zur Machbarkeitslogistik und Klärung der Frage, ob und wie wohl die Fa. GIKEN ihre Gerätschaften zur Baustelle transportiert −, endlich die Probe aufs Exempel machen und praktisch überprüfen, ob es dank des Engagements aufmerksamer BürgerInnen gelingt, ein innvoatives Verfahren einzusetzen, dass dem avanciertesten Stand der Technik entspricht. − Nicht zuletzt WSA-Amtsleiter Scholz und WSD-Regionalleiter Hildebrandt befürworten ausdrücklich die Erprobung des Crush-Pile-Systems und anderer neuartiger Verfahren, gleichgültig welches Unternehmen sie auch immer anbiete, während unsereins freilich nach wie vor den Eindruck hat, dass einflussreiche Leute im Amt hiergegen große Vorbehalte hegen.

Darüber hinaus wird die erwähnte Fa. Mette am Tempelhofer Ufer weitermachen (Abschnitte 4 und 6), wo bislang nur die Startbohlen eingebracht und die Bäume noch immer mit Betonwürfeln „gesichert“ sind.

Aber nicht genug mit diesen fünf Baustellen: es kommen noch Baggerarbeiten am unteren Urbahnhafen und im Bereich Unterschleuse hinzu, die wir unter einer weiteren Position subsumieren, so dass also in der Zeit von November bis einschließlich März 2010 entlang des LWK insgesamt sechs Baustellen koordiniert werden müssen und − ebenfalls ein Novum − Vollsperrung für jegliche Art von Schiffsverkehr herrscht.

Die neue Organisationsstruktur „Landwehrkanal“ ist da!*

Da kommt es auch sehr zupass, dass − nach der etwas übereilt ausgerufenen Implementierung einer neuen Projektstruktur LWK innerhalb der WSV und der überraschenden Auflösung der erst letzten November konstituierten vierköpfigen „Projektgruppe LWK“ − nunmehr eine „Arbeitsgruppe LWK“ unter Leitung von Dr. Annette Ernst, die alle nötigen Qualifikationen für diese anspruchsvolle Aufgabe mitbringe, geschaffen worden ist. Zur Vorstellung der neuen Arbeitsgruppe und Organisationsstruktur wurde − wohl in Antwort aufs beharrliche Drängen von BürgervertreterInnen schon bei der nun aufgelösten Projektgruppe − am 12. August eine außerordentliche, nur diesem TOP gewidmete Forumssitzung anberaumt.

Arbeitsgruppe Maybachufer tagte abermals unterbesetzt

Wir hatten nachträglich, nachdem uns anhand eines späten Protokolls allererst klar geworden war, welche Aspekte überhaupt behandelt worden waren, wiederholt moniert, dass vergangenen Mai zu jenem „Behördengespräch mit Betroffenen“ über den vordringlich zu sanierenden Riedel-Anleger zwar die Reeder, aber keine BürgervertreterInnen eingeladen worden waren. Damals hatte SenGUV-Vertreter Rehfeld-Klein als Sachwalter der gewässerökologischen, umwelt- und naturschutzfachlichen Imperative „ökologischen Optimierungsbedarf“ ausgemacht, zwar nicht unbedingt schon auf dieser 90m-Strecke, aber insofern ihre Sanierung als Pilotprojekt gelten und die gewählte Verspundungsvariante auch anderswo eingesetzt werden solle, es also infolge der Einengung des Gewässerbetts zu einem veränderten Strömungsverhalten komme, sollten hier unter Einbeziehung von BfG und BAW entsprechende Untersuchungen durchgeführt werden:

„In Abhängigkeit des Raumpotenzials, der Anforderungen des LDA und hydraulischer Belange sind Gestaltungsdetails auszuloten. Dabei könne auch auf vorhandene Gutachten wie das PEWA (Morphologische und biologische Entwicklungspotenziale der Landes- und Bundeswasserstraßen im Elbegebiet PEWA II) zurückgegriffen werden“, heißt es dazu im erwähnten Protokoll vom 20.5. [siehe dazu auch hier], und ferner: „Dieser Punkt ist deshalb in einer weiteren Sitzung nochmals zu klären.“ Im Mai waren die Planungsunterlagen des WSA zum Maybachufer noch allzu rudimentär, so dass sowohl SenGUV als auch LDA aufgefordert waren, erst dann ihre jeweiligen Stellungnahmen abzugeben, wenn ihnen aussagekräftigere zugegangen wären. Was den beiden Behörden seitens des WSA zwischenzeitlich überstellt worden ist, liegt uns nicht vor, doch von beiden steht jedenfalls eine Stellungnahme noch aus.

Als dann gestern (4.8.) die AG Maybachufer zum zweiten Mal und diesmal mit BürgervertreterInnen tagte, fehlten jetzt sowohl LDA– wie auch Senatsvertreter. Ein Vertagen der Sitzung war nicht möglich, da es im Hinblick auf die einzuhaltenden Ausschreibungsfristen keinen zeitlichen Spielraum mehr gebe. Entsprechend gibt es auch, wie schon länger von uns vorausgesehen, keine Möglichkeit mehr, gemäß evtl. in dieser AG gewonnenen neuen Erkenntnissen zur Gewässerökologie die Leistungsbeschreibung noch zu modifizieren. [Siehe dazu auch hier.]

Fachlicher Input zu konkreten ökologischen Verbesserungen

Gespannt sind wir in diesem Zusammenhang aber vor allem auf den fachlichen Input zu möglichen konkreten ökologischen Optimierungsmaßnahmen an ausgewählten Passagen entlang des LWK, wofür die nächste Sitzung des Arbeitskreis Naturhaushalt und Landschaftsbild im September Gelegenheit bieten soll. − Hier sei auch noch vermerkt, dass Steinschüttungen als Verfüllung des Zwischenraums zwischen Spundwand und Ufermauer nur dann einen ökologischen Mehrwert bringen, wenn die Wasserbausteine nicht verklammert bzw. durch Mörtel oder Beton gebunden sind, denn dann bieten sie Kleinlebewesen kaum Besiedlungsmöglichkeiten. Doch das WSA erwägt eine Teilverklammerung, wobei allerdings fraglich ist, ob dies in einer durch an- und ablegende voluminöse Fahrgastschiffe geprägten Zone zu empfehlen ist.  − Solche Details konnten ohne die entsprechenden Fachleute allerdings nur unzureichend erörtert werden.

Erweiterung der Leistungsbeschreibung

Die Baugrundaufschlüsse sind noch nicht vollständig, aber da mindestens eine zur Tiefensondierung niedergebrachte Bohrung auch am Maybachufer in fünf bis sechs Metern auf harten Geschiebemergel traf, sich die Kanalsohle also viel eher als hart wie am Corneliusufer denn „butterweich“ erweisen dürfte, wie schon mal eingeworfen wurde, um die Ungeeignetheit dieses Abschnitts als Testfeld für den Crush Piler darzutun, konnten die BürgervertreterInnen nun immerhin durchsetzen, dass „Pressen mit integrierter Bohrhilfe“ (eine Umschreibung für dieses Verfahren) neben dem verrohrten Bohren mit Bodenaustausch als mögliche Einbringmethode in die Leistungsbeschreibung mit aufgenommen wird. − Gleichwohl sollte es nach WSA-Auffassung dem Auftragnehmer überlassen bleiben, welche Verfahren er von ggf. hinzuzuziehenden Subunternehmern einsetzen lässt, während es sich den BürgervertreterInnen nicht erschließt, warum für den Fall, dass sich der Untergrund als hart erweist, nicht das Crush Piling, eingesetzt von wem auch immer, Priorität erhält.

Auf dem Weg zur nachhaltigen Planung

Grundsätzlich bekräftigte Amtsleiter Scholz im persönlichen Gespräch mit BI-VertreterInnen noch einmal, dass, angefangen bei Minister Tiefensee die ganze Hierarchie abwärts − über den zuständigen Abteilungsleiter Törkel, den Unterabteilungsleiter Klingen, die diversen Referatsleiter, den Chef der WSD Ost, Menzel, den Regionalleiter Hildebrandt bis zu ihm, Scholz, selbst − in der WSV des Bundes die allgemeine Überzeugung bestehe, angesichts der natürlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen, der veränderten gesetzlichen Bestimmungen und vor allem der sachlichen Notwendigkeit, nunmehr anders planen zu müssen als es noch vor wenigen Jahren geschehen sei: nämlich ganzheitlich, systemisch, unter Beteiligung der BürgerInnen − und erst dadurch nachhaltig! Dabei komme der Sanierung des Landwehrkanals, einer Bundeswasserstraße im Herzen einer Metropole und oft inmitten dichter Wohnbebauung, paradigmatische, ja symbolische Bedeutung zu, und insofern habe sie tatsächlich Modellcharakter!

Nicht zuletzt aber gelte es, BehördenmitarbeiterInnen, die sich mit den gewandelten Erfordernissen an Offenheit, Transparenz und Kommunikationsbereitschaft gegenüber der Zivilgesellschaft nicht unbedingt leicht täten, auf diesem Weg mitzunehmen, wobei der notwendige Prozess des Umdenkens, seine Verstetigung und die Institutionalisierung seiner Ergebnisse in einer so komplexen Behörde mit ihren vielen hundert MitarbeiterInnen nicht von heute auf morgen geschehen könne.

Dies können wir nach unseren Erfahrungen wirklich nur bestätigen, sehen noch erheblichen Weiterbildungs- und Qualifizierungsbedarf im Hinblick auf nachhaltige Planung und zivilgesellschaftliche Partizipation, doch abgesehen davon erkennen wir diesen schon wiederholt geäußerten Willen zur Zukunftsfähigkeit vorbehaltlos an!

Hinweis in eigener Sache

Ab kommendem Freitag (7. August) veranstalten wir unseren Infotreff nahe dem Ort, wo alles begann und die Kanalsanierung ab November konkret werden soll: auf der Kottbusser Brücke von 18 bis 20 Uhr!
Kottbusser Brücke Also schaut vorbei, stellt uns Fragen, übt Kritik, gebt uns Anregungen und teilt uns Eure Ansprüche an eine gelungene Sanierung mit!
Der Kanal gehört zu Eurem näheren oder weiteren Wohnumfeld, ist das Naherholungsgebiet vor Eurer Haustür!
Wir sehn uns!


*Siehe auch den jüngsten WSA-Newsletter vom 31. Juli