Innovativen Verfahren eine Trasse!

Gute Nachrichten für die Kanalsanierung

Nachdem neue technische Errungenschaften wie bspw. das Einpressen von Stahlspundwänden mit integriertem Vor- bzw. Lockerungsbohren insbesondere nach den Erfahrungen am Corneliusufer nicht nur die BürgervertreterInnen fasziniert hatte, war der Niederlassungsleiter der Firma GIKEN Europe in Deutschland, Dr. Naji Al-Arja, in der achten Sitzung des Arbeitskreises Sanierung Gelegenheit gegeben worden, noch den zweiten Teil seiner Präsentation der durchaus revolutionären Verfahren des japanischen Unternehmens vorzustellen.

Spunden während lfd. Bahnbetrieb

Verspundung während laufendem Betrieb (Bahnstrecke Gotha–Leinefelde) © GIKEN

Ökologie und Umweltverträglichkeit kommen laut Eigenwerbung bei GIKEN an erster Stelle, wobei es vor allem um die Minimierung von Lärm, Abgasen und Gelände-Erschütterung geht, doch auch die Bauzeit wird durch Verfahren, die mehrere Arbeitsschritte integrieren, natürlich erheblich verkürzt, ja bei Anwendung des sog. GRB-Non-Staging-System bestünde sogar die Möglichkeit, den Schiffsverkehr aufrecht zu erhalten: Da Hebekran und Antriebsaggregat auf der bereits eingepressten Spundwand fahren und nur die Bohlen auf einer schmalen Schute herangeführt werden müssten, böte das System noch genügend Raum für die Ausflugsdampfer − und der Rundfahrt womöglich eine weitere Attraktion. Wenn wir uns vor Augen halten, dass die Deutsche Bahn mit den höchsten Sicherheitsstandards die Verspundung eines abrutschgefährdeten Bahndamms bei Langensalza [mit Crush Piler, siehe Foto] während des laufenden Zugverkehrs genehmigt hat, können die vom WSA vorgebrachten Sicherheitsbedenken, die so oder so eine Vollsperrung fordern, nicht recht überzeugen.

Erprobung von Pressverfahren bei der Elbdeich-Sanierung

Heute nun berichteten Mitarbeiter der Ingenieurgemeinschaft WTU GmbH, die im Auftrag des Landesumweltamts Brandenburg im Elbe-Elster-Gebiet nahe Mühlberg die Sanierung der dortigen Deiche überwacht, von Proberammungen und Spundwandarbeiten mit verschiedenen Verfahren, nämlich Vibrieren, Rammen, Pressen und Pressen mit Einbringhilfe, wobei das Crush-Pile-System der Fa. GIKEN mit deren eigenem Personal zum Einsatz kam. Die Firma habe einen sehr guten Eindruck gemacht, aber dies erstrebten bei Probearbeiten natürlich alle Bewerber. − Deshalb hatte Al-Arja im Vorfeld verständlicherweise großes Interesse an diesem Vortrag über die Auswertung der verschiedenen Techniken bekundet, war auch vom WSA via Mediatoren eingeladen, dann aber vom Amt direkt wieder ausgeladen worden, da der Auftraggeber LUA Brandenburg sich auf den Standpunkt gestellt haben soll, dass dann aus wettbewerbsrechtlichen Gründen alle Hersteller von Baumaschinen hätten eingeladen werden müssen…

Einsatz des Doppel-Z-Crush-Pilers bei Bad Langensalza

Einsatz des Doppel-Z-Crush-Pilers bei Bad Langensalza © GIKEN Europe

Die Bodenverhältnisse im genannten Gebiet sind mit jenen am LWK durchaus vergleichbar, d. h. im sandigen Untergrund finden sich ab einer gewissen Tiefe schwer durchdringbare Mergel-Geschiebe oder gar Steinblöcke, die das Rammen oder gar Pressen unmöglich machen. Da jedoch GIKENs integriertes Pressbohren, also das Crush Piling, teurer sei und auch langsamer vonstatten gehe als das Einrütteln der Stahlbohlen, plädierten die WTU-Ingenieure unter den dortigen Gegebenheiten fürs Einvibrieren und -pressen.

Wegen des Schädigungsgrads unseres Bauwerks, der Nähe von Wohnbebauung, Brücken, U-Bahnschächten etc. scheidet am LWK das Vibrierverfahren jedoch aus. Was hingegen den Zeitfaktor betrifft, der beim Crush Piling vergleichsweise am höchsten lag, so ist daran zu erinnern, dass Al-Arja auch das Einbringen von Doppel-Z-Bohlen als inzwischen technisch gelöst darstellte, wodurch sich die Arbeitsgeschwindigkeit erheblich beschleunigen dürfte.

BAW hat keine Bedenken gegenüber Crush-Piling-Test am LWK

Frank Liebetruth von der Bundesanstalt für Wasserbau überraschte mit der Auskunft, auch die Bodenkundler seiner Behörde hielten das Crush-Pile-System, bei dem der Bohrkopf dem in den Boden dringenden und mit fensterartigen Öffnungen versehenen Gehäuse ca. 30 cm vorläuft, mit der DIN EN 1536* verträglich, die bei instabilen Böden unverrohrtes Bohren verbietet. Da nämlich gerade die „Fenster“ die Druckbilanz innerhalb und außerhalb der Röhre ausgleichen, sei ein unkontrollierter Bodenentzug in der Umgebung des Bohrkopfs mit Gefahr eines hydraulischen Grundbruchs unwahrscheinlich. Und wie schon die TeilnehmerInnen des AK Sanierung sprechen sich nun auch die BAW-Leute für Teststrecken am Kanal aus, um besagtes System zu erproben.

Beschlussempfehlung fürs Forum!

Spunden in unmittelbarer Gebäudenähe

Verspundung in unmittelbarer Gebäude-Nähe (Aalborg, Dänemark) © GIKEN Europe

Wir schlagen hierfür einerseits den abgerutschten Riedel-Anleger am Maybachufer vor, da hier, sollte es doch zum befürchteten Grundbruch kommen, ja nicht mehr viel abrutschen kann und die Nähe von Wohnbebauung, U-Bahnschacht und Brücke gerade anspruchsvolle Randbedingungen für einen Machbarkeitsnachweis darstellen; nicht zuletzt macht es die Flexibilität des Verfahrens eher unwahrscheinlich, dass bei auftretenden Schwierigkeiten alles auf Halt gedreht werden muss, um ein halbes Jahr liegen zu bleiben, und wird insofern auch vom Betreiber des Anlegers befürwortet.

Und zum anderen schlagen wir eben das Corneliusufer vor, wo Pressen und Rammen, wie erinnerlich, abgebrochen werden mussten, als sich der Boden unerwartet fest erwies. Da auch die hohen Kosten des Crush Piling gegen das System ins Feld geführt werden, sollte das WSA einmal den bisherigen Verlauf der Bewältigung jener ersten 370 Meter mit den gesicherten Bäumen (ganze 20 [Korrektur: nur 10 von insges. 40] Brockelmannsche Würfel konnten entfernt werden!) inklusive der bisherigen Kosten transparent und nachvollziehbar auflisten, damit uns die Möglichkeit einer Hochrechnung auf die verbleibenden ca. zehneinhalb Kanalkilometer gegeben ist, wenn weiter nach den althergebrachten Standards verfahren werden soll. − Die Vorbehaltlichkeiten einer entsprechenden Beschlussempfehlung des AK Sanierung ans Mediationsforum sind damit jedenfalls weitestgehend ausgeräumt!

Der Crush Piler, so betonten die WTU-Ingenieure, bestehe aus einem voluminösen Gerätepark und benötige eine immense Arbeitshöhe von über 20 Metern. Mithin kann er dort, wo es überhängende Baumkronen gibt, nicht zur Anwendung kommen. All diese Stellen aber, so versicherte Al-Arja im zweiten Teil seiner Präsentation, seien mit einem ganz neuartigen System, dem sog. Gyro Piler lösbar [vgl. griech. gyros – Kreisel], der am Rand mit „Zähnen“ versehene Rohre in die Erde treibt, in unmittelbarer Nachbarschaft von Gebäuden sogar durch Beton dringen kann und dabei eine Arbeitshöhe von nur 4,50 (!) Meter beansprucht. Die Rohre werden gestückelt, im Wasser verschweißt und die Zwischenräume mit einem Winkel-Eisen verschlossen.

WSA-Wetten

Was nun den Zeitplan bzgl. Maybachufer angeht, so beharren die WSA-MitarbeiterInnen darauf, dass es dort wie geplant am 2. November losgehe, obwohl erst dieser Tage mit Bodensondierungen begonnen worden ist, ja sind sogar bereit, eine Kiste Sekt darauf zu wetten, so dass sich die Vermutung aufdrängt, es werde da noch was in der Hinterhand gehalten. Was freilich den planmäßigen Abschluss der Arbeiten am 31. März 2010 angeht, möchten die Betreffenden aber doch lieber nicht wetten…


* „Durch die EN 1536 wurden auch die Anforderungen für den Einsatz des unverrohrten Bohrens mit einer durchgehenden Bohrschnecke (Schneckenbohrpfählen) verschärft. Von nun an müssen bei instabilen Bodenschichten mit einer höheren Mächtigkeit als die des Pfahldurchmessers die Machbarkeit des Verfahrens durch örtliche Erfahrung oder Probepfähle nachgewiesen werden.“ [siehe hier]

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