Sofort vor Ort!

Unvorhergesehenes an Baustelle Maybachufer

Vorort-Termin Riedel-Anleger

Vorort-Termin Riedel-Anleger

Letzten Donnerstag (27.8.) erhielten die Mitglieder der Arbeitsgruppe Maybachufer, einer Untergruppe des Arbeitskreises Sanierung im Mediationsverfahren zur „Zukunft des Landwehrkanals“, von der frischgebackenen Leiterin der neuen WSAArbeitsgruppe Landwehrkanal, Dr. Annette Ernst, höchstpersönlich die telefonische Einladung zu einem Vorort-Termin am havarierten Riedel-Anleger Kottbusser Brücke. Und zwar gleich für anderntags halb elf.

Kampfmittelsondierung

Kampfmittelsondierung

Im Zuge der Baugrundsondierung im Bereich der berühmten Schadensstelle sei es überraschend zu neuen Erkenntnissen gekommen, die eine Modifizierung der am 4.8. von Carola Bugner (WSD) vorgestellten Planung des Bauablaufs erforderlich machten. Beim Versuch, vor dem Abteufen von Tiefenbohrungen unmittelbar vor der Abbruchstelle die ins Wasser gestürzten Steine der Ufermauer sowie die Wasserbausteine, die zur Verfüllung der Kolke dienen, aufzunehmen, hätten die Arbeiter auch in vier Meter Tiefe noch keine Kanalsohle gesehen, dafür aber beim Heben gleich der ersten Brocken neue Risse, die sich in der Böschung auftaten, woraufhin die Maßnahmen sofort abgebrochen und die Stellen neu verfüllt worden seien.

Der Geist der Mediation

Wegen des Termindrucks im Hinblick auf die Einhaltung des 2.11. als Baubeginn hatten wir darauf verzichtet, dass uns vor ihrer Veröffentlichung im Rahmen der Ausschreibung auch noch die Feinplanungen präsentiert würden, also Frau Bugner insoweit vertraut, so dass wir angesichts dieser raschen Einberufung eines Vorort-Termins auf Grund der unvorhergesehenen Entwicklung Mediator Kessen mit der gebotenen Zurückhaltung zustimmen möchten, wenn er erste Anzeichen dafür sieht, dass der Geist der Mediation nun auch auf der Baustelle einkehre. Und analog zum vereinbarten Procedere, wenn bei kurzfristig notwendig werdenden Maßnahmen Bäume involviert sind, schlug das Mediationsteam unterm Titel „Sofort vor Ort“ auch bei Baumaßnahmen die Institutionalisierung einer entsprechenden Routine vor: mit E-Mail-Verteiler, Fristsetzungen, Einspruchsmöglichkeit usw.

Kampfmittelsondierung

Kampfmittelsondierung

Alle, die Frau Ernst erreichen konnte, waren ihrer freundlichen Einladung gefolgt, und so versammelten sich Senats-, Bezirks- wie BürgervertreterInnen auf der Kottbusser Brücke und wurden von Riedel-Geschäftsführer Lutz Freise hinunter auf die Steganlage geführt. Die Abteilung II (Integrativer Umweltschutz) von SenGUV hatte in Vertretung von Matthias Rehfeld-Klein die Damen Hähnel (Gewässerschutz) und Dr. Fritz-Taute (Wasserwirtschaft, Geologie) entsandt, die Denkmalfraktion war hingegen nicht repräsentiert. So blieb die Frage, ob und wenn ja, welche Modifikationen der Planungen von diesen beiden Behörden evtl. noch für notwendig erachtet werden, weiterhin ungeklärt.

Vor Ort waren indessen SeaTerra und die Gebrüder Kemmer unter viel Geräusch- und Abgasentwicklung noch mit der Kampfmittelsondierung befasst und brachten im Bereich der in zwei bzw. vier Metern Tiefe festgestellten „Anomalien“, die auf einen im Kanal versenkten Tresor, aber auch auf Blindgänger deuten mochten, Bohrungen nieder, in die dann das PVC-Rohr fürs Georadar zur genaueren Erkundung eingepresst wird −, und die Versammelten hofften, es möge sich um einen Tresor handeln.

Haverie 2007 mit über vier Meter tiefem Grundbruch!

Schnitte

Jens Mittag (GuD) erläutert

Jens Mittag und Hilmar Leonhardt von GuD Consult, die mit der Ausarbeitung der Verdingungsunterlagen betraut sind, erläuterten anhand von Karten und Zeichnungen die neue Situation sowie die von ihnen in den vergangenen Tagen erarbeiteten „Ergänzungsvorschläge“ für die Leistungsbeschreibung. Offenbar sei beim Schadensereignis im April 2007 eine bedeutend größere, als bisher angenomme, bis unters Fundament reichende „Grundbruchfigur“ entstanden und also die Uferbefestigung weniger in den Kanal gekippt als vielmehr versunken, so dass in der Folge der Gleitkreis die Auskolkung über vier Meter hinaus vertieft habe. Wenn nun, um, wie beschlossen, die Stahlspundwand vorzupressen, die Trasse zunächst von Gestein beräumt werden müsse, drohe die ganze Böschung abzurutschen.

Der GuD-Vorschlag sieht nun vor, die Böschung durch einen sog. HDI-Schleier zu unterfangen, also zu stabilisieren, indem mittels Hochdruckinjektion einer Zementsuspension „Düsenstrahlsäulen“ am Böschungsfuß eingebracht werden, die im Ergebnis eine Verbauwand ähnlich einer Bohrpfahlwand („Berliner Verbau“) bilden sollen. Diese muss allerdings in Abständen über Stahlträger rückverankert werden, was z. B. auch eine landseitige Kampfmittelsondierung erfordere, die nun schnell zu veranlassen sei, sowie einen früheren Abriss des Riedelschen Geräteschuppens. − Weitere Einzelheiten und Fotos im aktuellen WSA-Newsletter.

Qualität vor Zeit

Schnitte

Schnittzeichnungen © GuD

Die BürgervertreterInnen gaben zu bedenken, dass besser nicht am Baubeginn 2.11. festgehalten werden solle, wenn dies auf Kosten der Qualität der Planungen und damit der ausgeschriebenen Leistungen gehe. „Qualität geht vor Zeit“, formulierte Stefan Kessen. Dann solle lieber alle Energie darauf verwendet werden, die nahegelegene Teststrecke am Paul-Lincke-Ufer nicht erst im Frühjahr, sondern eben zum 2.11. in Angriff zu nehmen. − Die GuD-Mitarbeiter machten wiederum deutlich, dass die von ihnen modifizierte Leistungsbeschreibung auch Nebenangebote zulasse, also, wenn deren Preis-Leistungsverhältnis stimme, keine alternativen technischen Verfahren ausschlösse.

Eine Gefahr für die Straßenbäume besteht nach Auffassung des Neuköllner Grünamtmitarbeiters Mechelhoff durch Düsenstrahlwand-Anker nicht, insofern sie, wenn in einem Winkel von 45 Grad ausgeführt, erst in einer Tiefe von sechs Metern in den Wurzelbereich dringen, wo es kaum vitalitätsrelevante Feinwurzeln mehr gebe und bei den betreffenden Bäumen auch eine mögliche Gefahr für Stark- und Haltewurzeln zu vernachlässigen sei.

Größtmöglicher Wettbewerb am Corneliusufer!

Grundbruch-Stelle Riedel-Anleger

Grundbruch-Stelle

Für die in der letzten Wintersaison stecken gebliebenen Stahlspundbohlen-Einbringung − zum Pressen war der Boden zu hart, die beauftragte vollflächige Lockerungsbohrung fachlich nicht ausführbar; ein Rammen dort nicht möglich − läuft zur Zeit ebenfalls eine Ausschreibung. Diesmal (hoffentlich) unter Einschluss des Bohrpressverfahrens.

Hier sind wir allerdings sehr überrascht, dass dies lediglich als Beschränkte Ausschreibung unter den ortsansässigen Wasserbaufirmen läuft. Das dürften dann diejenigen sein, die bereits im letzten Jahr für dieselbe Stelle mitgeboten hatten. Was wird da wohl als Ergebnis rauskommen?

Wir lassen uns überraschen und wollen hoffen, dass der nächste, höchst dringende Sofort-Vorort-Termin nicht am Corneliusufer sein wird.

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