Verspundung an Corneliusstr. mit Problemen

Crush Piler erzwingt mehr Kronenrückschnitt

Alles hat seine Vor- und Nachteile

Crush Piler am Corneliusufer

Crush Piler am Corneliusufer

Der vom japanischen Gerätehersteller GIKEN entwickelte Crush Piler, der eine integrierte Bohrschnecke hat, um auch in die härtesten Böden dringen und anschließend die Stahlspundbohle einbringen zu können −, dieses innovative Gerät ist bei überhängenden Baumkronen selbst dann ungeeignet, wenn sie im Vorfeld prophylaktisch schon beträchtlich zurückgeschnitten worden sind. Sein Bedarf an Baufreiheit bzw. Lichtraum ist durch den Kran, der die Spundbohlen zureicht, weit größer als z. B. beim Silent Piler (ebenfalls von GIKEN, aber ohne Bohrhilfe), den die Firma Mette Wasserbau am Tempelhofer und Schöneberger Ufer − und besonders im Hinblick auf den Baumschutz! − in stilbildender Kooperation mit dem Baumsachverständigen und einer Baumpflegefirma so erfolgreich einsetzen konnte. [Siehe auch das Update im Rest des Beitrags!] Den Rest des Beitrags lesen »

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Exklusiv entwickelte Modifizierungsvariante für Baumanbindung abgelehnt

Vertreter des Grünflächenamts Mitte fordert Gutachten zur Notwendigkeit der Brockelmannschen Würfel

In der letzten diesjährigen AK-Sitzung Kurzfristige Maßnahmen am vergangenen Donnerstag (17.12.) lehnte der Bezirk Mitte die vom technischen Sachbearbeiter des WSA, Tassilo Henniger, präsentierte, gemeinsam mit dem Baumwertermittler und Vater der Baumkorsettierung, Jochen Brehm, angeblich schon im Sommer entwickelte und nunmehr bereits zweite Modifizierung der Anbindung für die weiterhin angeschirrten Kastanien am Corneliusufer rundheraus ab. Trotz erheblicher Bedenken habe man 2007 im Interesse der Wiederaufnahme der Fahrgastschifffahrt [!] dieser Maßnahme zugestimmt, jedoch einzig unter der Voraussetzung, dass spätestens in diesem Winter die Baumaßnahme durchgeführt werde. Die Aufhebung von deren Ausschreibung habe den Bruch dieser Vereinbarung bedeutet.

Die von AnwohnerInnen privat finanzierte Promenade entlang der Corneliusstraße sei durch Verschulden des WSA in einem katastrophalen Zustand und seit nunmehr zweieinhalb Jahren unbenutzbar, erklärte der Mann aus Mitte. Die nun unter Ausschluss von Bezirksvertretern geplante Modifizierung, die eine Abstützung der Verbindungsbalken durch je einen senkrechten, in einem neuen Betonfundament zu verankernden Stützbalken vorsehe, der die Umwandlung des Korsetts in eine lockere Verseilung ermöglichen soll, bedeute keineswegs eine nicht erhebliche Maßnahme, sondern verpflastere und verschandele das Ufer nur noch schlimmer.

Mit drohenden Klagen seitens der AnwohnerInnen konfrontiert, verlangte der Vertreter des Grünflächenamts Mitte Aufschluss darüber, was nun überhaupt 2010 mit der Promenade passieren werde.

Und zur Verblüffung der BaL-VertreterInnen erneuerte er ihre alte Forderung nach einem unabhängigen Gutachten zur sachlichen Erforderlichkeit der Betonklötze, zur Klärung ihres Sinns, und zwar mit dem erklärten Ziel, die ganze Konstruktion baldmöglichst zu entsorgen. Immerhin sei es in dieser ganzen Zeit nirgends zu einem weiteren Uferversagen gekommen.

Neuerliche Intransparenz der Behördenhandelns

Und auch die BürgervertreterInnen protestierten gegen die neuerliche Intransparenz: Entgegen der Vereinbarung waren Stakeholder und Fachleute, weder der Bezirksvertreter als Baumsachverständiger noch der Baumgutachter der BI, an Vorgesprächen und Erörterung der nun unversehens aus dem Hut gezauberten Planung beteiligt: Alle sollten sie nur noch abnicken. − Für die Umsetzung dieses „grausigen Alptraums“ müsste es jedoch eine neue Ausschreibung geben, eine neue Gewährleistungsübernahme etc. und fielen vor allem neue Kosten an. − Die Leiterin der AG LWK, Frau Dr. Ernst, beteuerte, die Hinzuziehung der betreffenden Personen sei schlicht vergessen worden.

Crush Piler ans Corneliusufer!

Der Vorschlag einer Anwohnervertreterin und zugleich BaL-Mitglieds: Wenn die Verspundung der Teststrecke am Paul-Lincke-Ufer [die nunmehr wohl kaum vor der ersten Februarhälfte durchgeführt werden wird] klappt, woran kaum zu zweifeln ist, dann sollte noch in dieser Wintersaison der Crush Piler am Corneliusufer eingesetzt werden, wo das Verspunden mit integrierter Bohrhilfe ohnehin Teil der Leistungsbeschreibung war. Hätte die beschränkte Ausschreibung zu einem Auftrag geführt, hätte das Crush Piling dort sowieso seine weitere Teststrecke gehabt.

Damit jedoch entfällt die Notwendigkeit sowohl einer Ausschreibung für die Umsetzung der modifizierten Anbindung als auch für ein Gutachten zur Klärung ihrer Sinnhaftigkeit als solcher. Andererseits sind Logistik und Baustelleneinrichtung schon geplant bzw. vorhanden, und diese braucht nur vom Paul-Lincke- ans Corneliusufer befördert zu werden. GIKEN verfügt lt.  Frau Ernst nach Angaben von Herrn Matsuka über die notwendigen Kapazitäten, aber außerdem gibt es auch noch die Firma Mette Wasserbau, die sich am Tempelhofer Ufer durchaus lernfähig, ambitioniert und flexibel gezeigt hat.

Frau Dr. Ernst, von der geschlossenen Zurückweisung von Hennigers „Vorschlag“ sichtlich überrumpelt, versprach, noch vor Weihnachten die verschiedenen Optionen im Hause zu besprechen, doch Entscheidungen seien erst 2010 zu erwarten.

Sofort vor Ort!

Unvorhergesehenes an Baustelle Maybachufer

Vorort-Termin Riedel-Anleger

Vorort-Termin Riedel-Anleger

Letzten Donnerstag (27.8.) erhielten die Mitglieder der Arbeitsgruppe Maybachufer, einer Untergruppe des Arbeitskreises Sanierung im Mediationsverfahren zur „Zukunft des Landwehrkanals“, von der frischgebackenen Leiterin der neuen WSAArbeitsgruppe Landwehrkanal, Dr. Annette Ernst, höchstpersönlich die telefonische Einladung zu einem Vorort-Termin am havarierten Riedel-Anleger Kottbusser Brücke. Und zwar gleich für anderntags halb elf.

Kampfmittelsondierung

Kampfmittelsondierung

Im Zuge der Baugrundsondierung im Bereich der berühmten Schadensstelle sei es überraschend zu neuen Erkenntnissen gekommen, die eine Modifizierung der am 4.8. von Carola Bugner (WSD) vorgestellten Planung des Bauablaufs erforderlich machten. Beim Versuch, vor dem Abteufen von Tiefenbohrungen unmittelbar vor der Abbruchstelle die ins Wasser gestürzten Steine der Ufermauer sowie die Wasserbausteine, die zur Verfüllung der Kolke dienen, aufzunehmen, hätten die Arbeiter auch in vier Meter Tiefe noch keine Kanalsohle gesehen, dafür aber beim Heben gleich der ersten Brocken neue Risse, die sich in der Böschung auftaten, woraufhin die Maßnahmen sofort abgebrochen und die Stellen neu verfüllt worden seien.

Der Geist der Mediation

Wegen des Termindrucks im Hinblick auf die Einhaltung des 2.11. als Baubeginn hatten wir darauf verzichtet, dass uns vor ihrer Veröffentlichung im Rahmen der Ausschreibung auch noch die Feinplanungen präsentiert würden, also Frau Bugner insoweit vertraut, so dass wir angesichts dieser raschen Einberufung eines Vorort-Termins auf Grund der unvorhergesehenen Entwicklung Mediator Kessen mit der gebotenen Zurückhaltung zustimmen möchten, wenn er erste Anzeichen dafür sieht, dass der Geist der Mediation nun auch auf der Baustelle einkehre. Und analog zum vereinbarten Procedere, wenn bei kurzfristig notwendig werdenden Maßnahmen Bäume involviert sind, schlug das Mediationsteam unterm Titel „Sofort vor Ort“ auch bei Baumaßnahmen die Institutionalisierung einer entsprechenden Routine vor: mit E-Mail-Verteiler, Fristsetzungen, Einspruchsmöglichkeit usw.

Kampfmittelsondierung

Kampfmittelsondierung

Alle, die Frau Ernst erreichen konnte, waren ihrer freundlichen Einladung gefolgt, und so versammelten sich Senats-, Bezirks- wie BürgervertreterInnen auf der Kottbusser Brücke und wurden von Riedel-Geschäftsführer Lutz Freise hinunter auf die Steganlage geführt. Die Abteilung II (Integrativer Umweltschutz) von SenGUV hatte in Vertretung von Matthias Rehfeld-Klein die Damen Hähnel (Gewässerschutz) und Dr. Fritz-Taute (Wasserwirtschaft, Geologie) entsandt, die Denkmalfraktion war hingegen nicht repräsentiert. So blieb die Frage, ob und wenn ja, welche Modifikationen der Planungen von diesen beiden Behörden evtl. noch für notwendig erachtet werden, weiterhin ungeklärt.

Vor Ort waren indessen SeaTerra und die Gebrüder Kemmer unter viel Geräusch- und Abgasentwicklung noch mit der Kampfmittelsondierung befasst und brachten im Bereich der in zwei bzw. vier Metern Tiefe festgestellten „Anomalien“, die auf einen im Kanal versenkten Tresor, aber auch auf Blindgänger deuten mochten, Bohrungen nieder, in die dann das PVC-Rohr fürs Georadar zur genaueren Erkundung eingepresst wird −, und die Versammelten hofften, es möge sich um einen Tresor handeln.

Haverie 2007 mit über vier Meter tiefem Grundbruch!

Schnitte

Jens Mittag (GuD) erläutert

Jens Mittag und Hilmar Leonhardt von GuD Consult, die mit der Ausarbeitung der Verdingungsunterlagen betraut sind, erläuterten anhand von Karten und Zeichnungen die neue Situation sowie die von ihnen in den vergangenen Tagen erarbeiteten „Ergänzungsvorschläge“ für die Leistungsbeschreibung. Offenbar sei beim Schadensereignis im April 2007 eine bedeutend größere, als bisher angenomme, bis unters Fundament reichende „Grundbruchfigur“ entstanden und also die Uferbefestigung weniger in den Kanal gekippt als vielmehr versunken, so dass in der Folge der Gleitkreis die Auskolkung über vier Meter hinaus vertieft habe. Wenn nun, um, wie beschlossen, die Stahlspundwand vorzupressen, die Trasse zunächst von Gestein beräumt werden müsse, drohe die ganze Böschung abzurutschen.

Der GuD-Vorschlag sieht nun vor, die Böschung durch einen sog. HDI-Schleier zu unterfangen, also zu stabilisieren, indem mittels Hochdruckinjektion einer Zementsuspension „Düsenstrahlsäulen“ am Böschungsfuß eingebracht werden, die im Ergebnis eine Verbauwand ähnlich einer Bohrpfahlwand („Berliner Verbau“) bilden sollen. Diese muss allerdings in Abständen über Stahlträger rückverankert werden, was z. B. auch eine landseitige Kampfmittelsondierung erfordere, die nun schnell zu veranlassen sei, sowie einen früheren Abriss des Riedelschen Geräteschuppens. − Weitere Einzelheiten und Fotos im aktuellen WSA-Newsletter.

Qualität vor Zeit

Schnitte

Schnittzeichnungen © GuD

Die BürgervertreterInnen gaben zu bedenken, dass besser nicht am Baubeginn 2.11. festgehalten werden solle, wenn dies auf Kosten der Qualität der Planungen und damit der ausgeschriebenen Leistungen gehe. „Qualität geht vor Zeit“, formulierte Stefan Kessen. Dann solle lieber alle Energie darauf verwendet werden, die nahegelegene Teststrecke am Paul-Lincke-Ufer nicht erst im Frühjahr, sondern eben zum 2.11. in Angriff zu nehmen. − Die GuD-Mitarbeiter machten wiederum deutlich, dass die von ihnen modifizierte Leistungsbeschreibung auch Nebenangebote zulasse, also, wenn deren Preis-Leistungsverhältnis stimme, keine alternativen technischen Verfahren ausschlösse.

Eine Gefahr für die Straßenbäume besteht nach Auffassung des Neuköllner Grünamtmitarbeiters Mechelhoff durch Düsenstrahlwand-Anker nicht, insofern sie, wenn in einem Winkel von 45 Grad ausgeführt, erst in einer Tiefe von sechs Metern in den Wurzelbereich dringen, wo es kaum vitalitätsrelevante Feinwurzeln mehr gebe und bei den betreffenden Bäumen auch eine mögliche Gefahr für Stark- und Haltewurzeln zu vernachlässigen sei.

Größtmöglicher Wettbewerb am Corneliusufer!

Grundbruch-Stelle Riedel-Anleger

Grundbruch-Stelle

Für die in der letzten Wintersaison stecken gebliebenen Stahlspundbohlen-Einbringung − zum Pressen war der Boden zu hart, die beauftragte vollflächige Lockerungsbohrung fachlich nicht ausführbar; ein Rammen dort nicht möglich − läuft zur Zeit ebenfalls eine Ausschreibung. Diesmal (hoffentlich) unter Einschluss des Bohrpressverfahrens.

Hier sind wir allerdings sehr überrascht, dass dies lediglich als Beschränkte Ausschreibung unter den ortsansässigen Wasserbaufirmen läuft. Das dürften dann diejenigen sein, die bereits im letzten Jahr für dieselbe Stelle mitgeboten hatten. Was wird da wohl als Ergebnis rauskommen?

Wir lassen uns überraschen und wollen hoffen, dass der nächste, höchst dringende Sofort-Vorort-Termin nicht am Corneliusufer sein wird.

Teststrecke für GIKEN beschlossen

Crush Piler kommt im Winter ans Paul-Lincke-Ufer

Spunden in unmittelbarer Gebäudenähe

Verspundung in unmittelbarer Gebäude-Nähe (Aalborg, Dänemark) © GIKEN Europe

Am Montag (13.7.) hat die in der 17. Mediationsforumssitzung (6.7.) ad hoc geschaffene Arbeitsgruppe „Teststrecke Crush Piler“ einen ca. 75 Meter langen Abschnitt am Paul-Lincke-Ufer zwischen Thielen- und Hobrechtbrücke ausgewählt und festgelegt, um die innovativen Einbring-Methoden der Firma GIKEN Europe, die u.a. geringere Lärm- und Schadstoff-Emissionen, weniger Erschütterungen und eine kürzere Bauzeit versprechen, am Landwehrkanal einem Praxistest zu unterziehen. Heute (15.7.) soll die Strecke vor Ort markiert werden.

Auch andere technisch avancierte Systeme haben die Japaner, wie berichtet, in petto, was dieses Unternehmen nicht nur für die BürgervertreterInnen sehr interessant erscheinen lässt, nämlich ein Arbeiten unter geringen Arbeitshöhen (Gyro Piler), was unter den vielen landschaftsprägenden Baumkronen entlang des Kanals zum Zuge kommen könnte, sowie ein Arbeiten auf sehr beengtem Raum (GRB), d. h. die Firma kann auf unterschiedliche Rahmenbedingungen flexibel reagieren. − In der nächsten Wintersaison sollen dann verschiedene Einbringmöglichkeiten unter überhängenden Baumkronen getestet werden.

Enervierendes Gezerre um Beschlussvorlage

Auf der genannten Forumssitzung hatte das WSA die im „Arbeitskreis Sanierung“ noch einmütig verabschiedete Beschlussvorlage zur Erprobung dieser innovativen Verfahren an Maybach- und Corneliusufer durch die Forderung „Machbarkeitsstudie zur Baulogistik“ unterlaufen. Ein unabhängiges Ingenieurbüro, nämlich die Firma Emch + Berger, sollte vorab prüfen, ob GIKENs Equipment überhaupt durch den Kanal passe. Da solche Untersuchungen in aller Regel dem Auftragnehmer obliegen und er bei einem negativen Resultat am übernommenen Auftrag eben scheitert (mit allen Folgen für professionelle Reputation und Image), wurde diese WSA-Auflage ziemlich einhellig als überflüssig und von einigen schlicht als „Verhinderungsstudie“ bezeichnet.

Die Argumentation des WSA gipfelte schließlich darin, dass man im Interesse der Befreiung der Bäume von den Betonklötzen sicherstellen müsse, dass der Abschnitt 1 (Corneliusufer) − wo die Firma Mette, wie erinnerlich, auf unerwartet festen Untergrund „biss“ und auch Rammen der Spundbohlen nicht weiterhalf −, auf jeden Fall noch im kommenden Winter wasserseitig gesichert wird, was ein Scheitern des Tests vereiteln müsste. − Ferner wurden wettbewerbs- und vergaberechtliche Argumente ins Feld geführt.

Der Kompromiss

Von hier...

Teststrecke am Paul-Lincke-Ufer von hier...

Der angenommene Kompromissvorschlag der BürgervertreterInnen ging nun dahin, das kritische Corneliusufer wieder für den Wettbewerb freizugeben und stattdessen eine gesonderte Teststrecke für das GIKEN-Verfahren auszusuchen und zu beschließen. Das ist am vergangenen Montag erfolgt. Gleichwohl muss auch an Cornelius- und Maybachufer (Riedel-Anleger Kottbusser Brücke) für die bevorstehenden Ausschreibungen ein Verfahren für die Einbringung der Spundwände festgelegt werden. Die KMR und anschließenden zusätzlichen Bodensondierungen beginnen heute (15.7.), die Dalben sind bereits entfernt, aber die bislang verfügbaren Kennwerte deuteten ja schon darauf hin, dass hier die Bodenfestigkeit geringer ist und deswegen als Einbringverfahren normales Pressen ausgeschrieben werden kann. (Ein zweites Gespräch mit den beteiligten Behörden − WSA, SenGUV, LDA − und der „betroffenen“ Reederei Riedel Anfang August, dem nun auch die BürgervertreterInnen beiwohnen dürfen, kommt im Hinblick auf die auf zeitgleich terminierte Auftragsvergabe höchstwahrscheinlich zu spät.)

Ausschreibungen für Cornelius- und Maybachufer

Zunächst hatte das WSA, wie berichtet, am Corneliusufer das eher umständliche und zeitaufwendige verrohrte Bohren mit Bodenaustausch usw. als einzige Option gesehen und Mette mit Erarbeitung eines entsprechenden Konzepts beauftragt. Erweiterte bodenkundliche Untersuchungen dort, aber auch am Tempelhofer Ufer haben inzwischen die ab sechs bis acht Metern Tiefe durchweg harten Mergel-Schichten bestätigt. Aufgrund der veränderten Randbedingungen / Einbringmethode sollen die Arbeiten zur wasserseitigen Sicherung der Ufermauer jedoch nur am Corneliusufer neu ausgeschrieben werden*. Und hier will das WSA zunächst weiter prüfen, ob und wie die bereits teilweise eingepressten Bohlen weiterzuverwenden sind und insbesondere, ob das Pressen mit integrierter Bohrhilfe (= Crush Piling) in die Leistungsbeschreibung aufgenommen werden kann. − Am Tempelhofer Ufer (Abschnitte 4 und 6 = jener mit den vier geretteten Linden) bleibt es indessen beim bisherigen Auftragnehmer, also Mette Wasserbau. − Nach wie vor wäre für uns interessant zu erfahren, ob GIKEN nicht auch hier baumfreundlichere Lösungen anzubieten hat.

Warum gerade dieser Abschnitt?

...bis da

...bis dort.

Dass die ausgewählte Crush-Piler-Teststrecke, für die als Parameter u.a. eine starke Schädigung der Regelbauweise und hohe Bodenfestigkeit erfüllt sein mussten, in einem Abschnitt mit dichter Wohnbebauung, intensiver Freizeitnutzung (Boule-Platz) und nahe der KITA Pauli liegt, spricht nur auf den ersten Blick gegen sie, denn das Verfahren soll sich ja gerade unter solch typischen innerstädtischen Gegebenheiten bewähren. − Allerdings kommt es nun darauf an, diesen der BürgerInnen-Beteiligung zu verdankenden Testlauf durch Befragung der Betroffenen (also der AnwohnerInnen) gut vorzubereiten und zu begleiten.

Durchführungs- und Qualitätskontrolle unbedingt extern vergeben!

Die erwähnte Ingenieur-Firma Emch + Berger soll nun unterm Stichwort „Baustellenlogistik“ für die Bausaison im Winter die Arbeiten an den fünf verschiedenen Bauabschnitten koordinieren. Abgesehen davon ist jedoch eminent wichtig, dass Prüfung, Auswertung und Evaluierung des Crush-Piler-Tests von einem unabhängigen Ingenieurbüro vorgenommen wird und für einen sauberen Vergleich nicht zuletzt auch Zeit- und Kostenaufwand der bislang bewältigten ca. hundert Meter Spundwand dokumentiert und herangezogen werden, auf dass Vergleichbares verglichen und die Übertragbarkeit gewährleisten werde.

Unterschiedliche Baubevollmächtigte des WSA an den diversen Bauabschnitten sind jedenfalls kontraproduktiv. Durchführungskontrolle und anschließende Evaluierung sollten in einer Hand liegen, auch und gerade wenn es um die Ermittlung jener Ergebnisse geht, die wir innerhalb der Mediation für die Auswertung des Tests im Hinblick auf unseren Kriterien-Katalog benötigen! Weiterhin haben wir uns ausbedungen, dass dieser Abschnitt in der nächsten Wintersaison endgültig fertiggestellt wird.


* siehe auch den 16. WSA-Newsletter vom 10.7., wo sich übrigens der Fehlerteufel eingeschlichen hat, indem im Zusammenhang mit der weiteren Prüfung, wie mit den bereits eingepressten, aber nicht auf Endtiefe gebrachten Spundbohlen verfahren werden soll, nur von einer „temporären“ Lösung gesprochen wird, obwohl das Forum sie hier als Teil einer endgültigen beschlossen hat! − Der Fehler soll im nächsten NL berichtigt werden.

<a title=“Aalburg, Denmark“ href=“https://baumschutz.files.wordpress.com/2009/06/aalburg_gr.jpg&#8220; target=“_blank“><img class=“size-full wp-image-5160″ title=“Spunden in unmittelbarer Gebäudenähe“ src=“https://baumschutz.files.wordpress.com/2009/06/aalburg.jpg&#8220; alt=“Spunden in unmittelbarer Gebäudenähe“ width=“250″ height=“180″ /></a>

Verspundung in unmittelbarer Gebäude-Nähe (Aalborg, Dänemark) © GIKEN Europe

Innovativen Verfahren eine Trasse!

Gute Nachrichten für die Kanalsanierung

Nachdem neue technische Errungenschaften wie bspw. das Einpressen von Stahlspundwänden mit integriertem Vor- bzw. Lockerungsbohren insbesondere nach den Erfahrungen am Corneliusufer nicht nur die BürgervertreterInnen fasziniert hatte, war der Niederlassungsleiter der Firma GIKEN Europe in Deutschland, Dr. Naji Al-Arja, in der achten Sitzung des Arbeitskreises Sanierung Gelegenheit gegeben worden, noch den zweiten Teil seiner Präsentation der durchaus revolutionären Verfahren des japanischen Unternehmens vorzustellen.

Spunden während lfd. Bahnbetrieb

Verspundung während laufendem Betrieb (Bahnstrecke Gotha–Leinefelde) © GIKEN

Ökologie und Umweltverträglichkeit kommen laut Eigenwerbung bei GIKEN an erster Stelle, wobei es vor allem um die Minimierung von Lärm, Abgasen und Gelände-Erschütterung geht, doch auch die Bauzeit wird durch Verfahren, die mehrere Arbeitsschritte integrieren, natürlich erheblich verkürzt, ja bei Anwendung des sog. GRB-Non-Staging-System bestünde sogar die Möglichkeit, den Schiffsverkehr aufrecht zu erhalten: Da Hebekran und Antriebsaggregat auf der bereits eingepressten Spundwand fahren und nur die Bohlen auf einer schmalen Schute herangeführt werden müssten, böte das System noch genügend Raum für die Ausflugsdampfer − und der Rundfahrt womöglich eine weitere Attraktion. Wenn wir uns vor Augen halten, dass die Deutsche Bahn mit den höchsten Sicherheitsstandards die Verspundung eines abrutschgefährdeten Bahndamms bei Langensalza [mit Crush Piler, siehe Foto] während des laufenden Zugverkehrs genehmigt hat, können die vom WSA vorgebrachten Sicherheitsbedenken, die so oder so eine Vollsperrung fordern, nicht recht überzeugen.

Erprobung von Pressverfahren bei der Elbdeich-Sanierung

Heute nun berichteten Mitarbeiter der Ingenieurgemeinschaft WTU GmbH, die im Auftrag des Landesumweltamts Brandenburg im Elbe-Elster-Gebiet nahe Mühlberg die Sanierung der dortigen Deiche überwacht, von Proberammungen und Spundwandarbeiten mit verschiedenen Verfahren, nämlich Vibrieren, Rammen, Pressen und Pressen mit Einbringhilfe, wobei das Crush-Pile-System der Fa. GIKEN mit deren eigenem Personal zum Einsatz kam. Die Firma habe einen sehr guten Eindruck gemacht, aber dies erstrebten bei Probearbeiten natürlich alle Bewerber. − Deshalb hatte Al-Arja im Vorfeld verständlicherweise großes Interesse an diesem Vortrag über die Auswertung der verschiedenen Techniken bekundet, war auch vom WSA via Mediatoren eingeladen, dann aber vom Amt direkt wieder ausgeladen worden, da der Auftraggeber LUA Brandenburg sich auf den Standpunkt gestellt haben soll, dass dann aus wettbewerbsrechtlichen Gründen alle Hersteller von Baumaschinen hätten eingeladen werden müssen…

Einsatz des Doppel-Z-Crush-Pilers bei Bad Langensalza

Einsatz des Doppel-Z-Crush-Pilers bei Bad Langensalza © GIKEN Europe

Die Bodenverhältnisse im genannten Gebiet sind mit jenen am LWK durchaus vergleichbar, d. h. im sandigen Untergrund finden sich ab einer gewissen Tiefe schwer durchdringbare Mergel-Geschiebe oder gar Steinblöcke, die das Rammen oder gar Pressen unmöglich machen. Da jedoch GIKENs integriertes Pressbohren, also das Crush Piling, teurer sei und auch langsamer vonstatten gehe als das Einrütteln der Stahlbohlen, plädierten die WTU-Ingenieure unter den dortigen Gegebenheiten fürs Einvibrieren und -pressen.

Wegen des Schädigungsgrads unseres Bauwerks, der Nähe von Wohnbebauung, Brücken, U-Bahnschächten etc. scheidet am LWK das Vibrierverfahren jedoch aus. Was hingegen den Zeitfaktor betrifft, der beim Crush Piling vergleichsweise am höchsten lag, so ist daran zu erinnern, dass Al-Arja auch das Einbringen von Doppel-Z-Bohlen als inzwischen technisch gelöst darstellte, wodurch sich die Arbeitsgeschwindigkeit erheblich beschleunigen dürfte.

BAW hat keine Bedenken gegenüber Crush-Piling-Test am LWK

Frank Liebetruth von der Bundesanstalt für Wasserbau überraschte mit der Auskunft, auch die Bodenkundler seiner Behörde hielten das Crush-Pile-System, bei dem der Bohrkopf dem in den Boden dringenden und mit fensterartigen Öffnungen versehenen Gehäuse ca. 30 cm vorläuft, mit der DIN EN 1536* verträglich, die bei instabilen Böden unverrohrtes Bohren verbietet. Da nämlich gerade die „Fenster“ die Druckbilanz innerhalb und außerhalb der Röhre ausgleichen, sei ein unkontrollierter Bodenentzug in der Umgebung des Bohrkopfs mit Gefahr eines hydraulischen Grundbruchs unwahrscheinlich. Und wie schon die TeilnehmerInnen des AK Sanierung sprechen sich nun auch die BAW-Leute für Teststrecken am Kanal aus, um besagtes System zu erproben.

Beschlussempfehlung fürs Forum!

Spunden in unmittelbarer Gebäudenähe

Verspundung in unmittelbarer Gebäude-Nähe (Aalborg, Dänemark) © GIKEN Europe

Wir schlagen hierfür einerseits den abgerutschten Riedel-Anleger am Maybachufer vor, da hier, sollte es doch zum befürchteten Grundbruch kommen, ja nicht mehr viel abrutschen kann und die Nähe von Wohnbebauung, U-Bahnschacht und Brücke gerade anspruchsvolle Randbedingungen für einen Machbarkeitsnachweis darstellen; nicht zuletzt macht es die Flexibilität des Verfahrens eher unwahrscheinlich, dass bei auftretenden Schwierigkeiten alles auf Halt gedreht werden muss, um ein halbes Jahr liegen zu bleiben, und wird insofern auch vom Betreiber des Anlegers befürwortet.

Und zum anderen schlagen wir eben das Corneliusufer vor, wo Pressen und Rammen, wie erinnerlich, abgebrochen werden mussten, als sich der Boden unerwartet fest erwies. Da auch die hohen Kosten des Crush Piling gegen das System ins Feld geführt werden, sollte das WSA einmal den bisherigen Verlauf der Bewältigung jener ersten 370 Meter mit den gesicherten Bäumen (ganze 20 [Korrektur: nur 10 von insges. 40] Brockelmannsche Würfel konnten entfernt werden!) inklusive der bisherigen Kosten transparent und nachvollziehbar auflisten, damit uns die Möglichkeit einer Hochrechnung auf die verbleibenden ca. zehneinhalb Kanalkilometer gegeben ist, wenn weiter nach den althergebrachten Standards verfahren werden soll. − Die Vorbehaltlichkeiten einer entsprechenden Beschlussempfehlung des AK Sanierung ans Mediationsforum sind damit jedenfalls weitestgehend ausgeräumt!

Der Crush Piler, so betonten die WTU-Ingenieure, bestehe aus einem voluminösen Gerätepark und benötige eine immense Arbeitshöhe von über 20 Metern. Mithin kann er dort, wo es überhängende Baumkronen gibt, nicht zur Anwendung kommen. All diese Stellen aber, so versicherte Al-Arja im zweiten Teil seiner Präsentation, seien mit einem ganz neuartigen System, dem sog. Gyro Piler lösbar [vgl. griech. gyros – Kreisel], der am Rand mit „Zähnen“ versehene Rohre in die Erde treibt, in unmittelbarer Nachbarschaft von Gebäuden sogar durch Beton dringen kann und dabei eine Arbeitshöhe von nur 4,50 (!) Meter beansprucht. Die Rohre werden gestückelt, im Wasser verschweißt und die Zwischenräume mit einem Winkel-Eisen verschlossen.

WSA-Wetten

Was nun den Zeitplan bzgl. Maybachufer angeht, so beharren die WSA-MitarbeiterInnen darauf, dass es dort wie geplant am 2. November losgehe, obwohl erst dieser Tage mit Bodensondierungen begonnen worden ist, ja sind sogar bereit, eine Kiste Sekt darauf zu wetten, so dass sich die Vermutung aufdrängt, es werde da noch was in der Hinterhand gehalten. Was freilich den planmäßigen Abschluss der Arbeiten am 31. März 2010 angeht, möchten die Betreffenden aber doch lieber nicht wetten…


* „Durch die EN 1536 wurden auch die Anforderungen für den Einsatz des unverrohrten Bohrens mit einer durchgehenden Bohrschnecke (Schneckenbohrpfählen) verschärft. Von nun an müssen bei instabilen Bodenschichten mit einer höheren Mächtigkeit als die des Pfahldurchmessers die Machbarkeit des Verfahrens durch örtliche Erfahrung oder Probepfähle nachgewiesen werden.“ [siehe hier]