VorOrtSofort am Alten Zollhaus

WNA noch nicht auf dem Stand des Mediationsergebnisses

Mette-Mitarbeiter erklärt Bürgerexpert*innen den Crush Piler

Otstermin Zollhaus

Ortstermin Zollhaus

Letzten Donnerstag fand am Alten Zollhaus gegenüber dem Prinzenbad in Kreuzberg der dankenswerter Weise verschobene Termin VorOrtSofort statt (wie dereinst Mediator Kessen dieses bewährte Beteiligungsformat taufte) und gegen dessen alternativlose Terminierung und thematische Vorfestlegung (Herstellung der notwendigen Baufreiheit durch Sägen) die BaL heftig protestiert hatten.

4. Öffentliche WSA-Informationsveranstaltung,
morgen, Dienstag, 16:30 Uhr
im Amtssitz von WSA & WNA,
Mehringdamm 129
nahe Luftbrücke und Tempelhofer Feld

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Ungelenke Handhabung bewährter Formate

Update 3.11.: Zwei Tage vor dem vom WNA zeitlich wie thematisch einseitig bestimmten VorOrtSofort-Termin erreicht uns seitens der WSA-Beteiligungsstelle ZÖB die knappe Nachricht (die irgendwie in der Glasfaser stecken geblieben sein muss, oder wir leiden unter unzeitigen Blackouts),  der Ortstermin fände nicht statt, werde vielmehr auf nächste oder übernächste Woche vertagt. Begründungen oder auch nur ein erläuterndes Wort suchen wir vergeblich:
Wahrlich ein merkwürdiges Verhalten gegenüber sich langjährig ehrenamtlich engagierenden Bürger*innen, die als Berufstätige ihre Tages- und Wochenabläufe zu planen gezwungen sind.

Die zusätzlich vorschlagenen Punkte zur Tagesordnung der bislang 4.öffentlichen Informationsveranstaltung des WSA am 17. 11., 16:30h, auf die hinzuweisen auf der Termine-Seite des WSA das hier einstweilen genügen muss, wurden  bislang von den Angefragten noch in keiner Weise bestätigt −, zumindest haben wir nichts gehört.
Immerhin schickte SenStadtUm eine Mail, welche ein wenig Aufschluss darüber gibt, was da nahe der Einmündung des NSK in den LWK unterm Label „Lohmühlenplatz“ so neuzugestalten gibt. Der Denkmalschutz sei schon mal einverstanden. Wir erhoffen uns allerdings, und das sei mit allem Nachdruck gesagt, eine ausführliche Darstellung im Rahmen dieser 4. Infoveranstaltung, darüber hinaus aber auch ein Gleiches von Seiten des Bezirksamt F’hain-Kreuzberg bzgl. der „Neugestaltung“ Fraenkelufer und ‚Böcklerpark‘, was das gesamte Nordufer des Urbanhafens meint. − Insofern Fachleute (inkl. Senatsmitarbeter*innen) gerade diesen Bereich als für LWK-Verhältnisse ökologisch besonders wertvoll qualifizierten, ist es durchaus was für die Annalen, wie hier ein „grünes“ BA und eine „grüne“ BVV Bürgerbeteiligung praktizier(t)en. Über sie und das ganze Mediationsverfahren, an dem doch der Bezirk F’hain-Kreuzberg in unterschiedlicher Besetzung selbst teilgenommen hat, wurde und wird verschämt bis brachial einfach hinwegsetzt.

Mithin erachten es die BaL als dringlich, dass diese tlw. schon zur genehmigten BPU, also Ausführungsplanung gediehene Neugestaltung des nördlichen Abschnitts des Urbanhafens zwischen Admiral- und Baerwaldbrücke transparent präsentiert wird! Mehr oder minder erbitterte Gegner*innen der Planung [eine Darstellung, die erstaunlicherweise das Mediationsverfahren und seinen (ignorierten) Kriterienkatalog mit keinem Wort erwähnt, gibt es hier] wollen dem Vernehmen nach sogar ein Bürgerbegehren anstrengen. Wir sind jedoch der Meinung, dass − zumal nach allem Vorangegangenen − die Ufergestaltung des LWK nicht allein Sache einer Kommunalverwaltung ist. Wofür bräuchte es dann überhaupt eines aktualsierten Unterhaltungsplans einer Bundesbehörde, nämlich der BfG?

„VorOrtSofort“ als Kennnisnahme?

WNA will auch mal sägen

Wir wollen jetzt einen Zeitungsartikel nicht aufbauschen und (angebliche) Zitate nicht überbewerten, doch was die Vertreter des Wasserstraßenneubauamts (WNA) vor gut zwei Wochen in der Berliner Zeitung verlautbart haben sollen, fand letzte Woche realiter einen gewissen Widerhall:

Wir erinnern uns: Beim Thema Bäume, einem sensiblen, heiklen, an denen sich der Streit Zivilgesellschaft − Verwaltung entzündete, ließen sich der Leiter der Planungsgruppe Landwehrkanal, Christoph Bonny, und der zuständige Vorhabenträger der Instandsetzung des LWK, Rolf Dietrich, wie folgt vernehmen: Den Rest des Beitrags lesen »

Teststrecke Paul-Lincke-Ufer erfolgreich abgeschlossen

Crush Piler überzeugt auf ganzer Linie

Gemeinsamer Erfolg des Mediationsforums!

Interessierte

GIKEN- und WSA-MitarbeiterInnen, Volk

Als gemeinsamen Erfolg des Mediationsverfahrens und der Mitglieder des Forums, namentlich des WSA und der BürgervertreterInnen, pries Amtsleiter Michael Scholz anlässlich des „Baustellentags“ am vergangenen Mittwoch (7.4.) die rundum überzeugende Erprobung des Crush Pilers entlang der Teststrecke Paul-Lincke-Ufer.

Interessierte 02

Verwaltungs-, BürgervertreterInnen

Zahlreich waren die MitarbeiterInnen der Bundesbehörde an den Landwehrkanal in Höhe Forster Straße in Kreuzberg geeilt: von den Mitgliedern der AG LWK mit Leiterin Dr. Annette Ernst, der zuständigen Sachbereichsleiterin, Gerrit Riemer, bis zur Pförtnerin, die man endlich mal nicht hinter Glas sah, sowie etlichen, die wir bisher noch nie gesehen hatten, BezirksamtsmitarbeiterInnen und Vertreter von Baufirmen lauschten zusammen mit Leuten von BI/Verein BaL, AnwohnerInnen, interessierten BerlinerInnen und Gästen jeden Alters den Ausführungen Dr. Naji Al-Arjas von GIKEN Europe, der das Bohrpressverfahren und die Arbeitsweise des japanischen High-Tech-Geräts erläuterte, das eigens für das Einbringen von Spundbohlen in Wohngebieten entwickelt worden ist, wenn es sich um sehr harte Bodenverhältnisse handelt.

Das Bohrpressverfahren

Bohrschnecke

Bohrkopf und Schnecke

Die innovative Technik, die in einem Arbeitsgang zunächst mit verrohrter Schnecke vorbohrt, dann die hier rund acht Meter langen Stahlbohlen immer im Doppelpack fünf  Meter tief in die Kanalsohle presst, beim Herausziehen der Schnecke den Bohrkanal größtenteils wieder verfüllt und verdichtet, woraufhin die vierzig Tonnen schwere Presse weiter „schreitet“, sich auf die gerade eingebrachte Bohle „setzt“, um von dort nach erneutem Vorbohren die nächste, vom 26 Meter hohen Kran angereichte Doppel-Z-Bohle exakt ins Schloß der vorherigen einzufädeln −, diese Technik ist erstaunlich lärm-, abgas- und erschütterungsarm, was die ZuschauerInnen immer wieder erstaunte, und sie arbeitet beeindruckend schnell und effizient. Die als GIKENs Subunternehmer tätigen Wasserbauer der Firma Otto Mette gaben ihr Bestes; die Kooperation mit den nur Englisch sprechenden japanischen Kollegen klappte dennoch ausgezeichnet, und so konnte das Verfahren seine Effizienz beeindruckend unter Beweis stellen.

Fünfzig Meter in fünf Tagen

Fertige Spundwand

Akkurat verpresste Spundwand

In allenfalls einer Woche seien die fünfzig Meter zu bewältigen, hatte Al-Arja im Vorfeld wiederholt versichert und war damit bei allen Beteiligten auf einige Skepsis gestoßen, doch schon am gestrigen Donnerstag (8.4.), dem insgesamt fünften Arbeitstag, wurde am frühen Nachmittag bereits die letzte Bohle verpresst. Und hätte nicht wegen des österlichen Ausflugsverkehrs ein Großteil des Equipments ab- und danach wieder aufgebaut werden müssen: es wäre noch schneller gegangen.

Natürlich stehen Auswertung und Evaluierung des Tests anhand der von einem halben Dutzend verschiedener Firmen mit modernsten Geräten gewonnenen Messwerte und Daten noch aus, doch dass der Crush Piler herkömmlichen Verfahren des verrohrten Bohrens mit Bodenaustausch und Verpressen in zwei gesonderten Arbeitsschritten, das nach dem Fiasko an der Corneliusstraße im vorvergangenen Winter zunächst geplant war, haushoch überlegen ist, kann schon jetzt schwerlich bezweifelt werden, auch nicht im Hinblick auf den Kostenfaktor! „Eine sehr schöne Technik und für die Bürgerseite ein großer Erfolg“, erkannte ein WSA-Mitarbeiter freimütig an.

BürgerInnen helfen dem Amt auf die Sprünge

Eine Bürgervertreterin der BaL, in weiterem Sinne vom Fach, hatte nach dem Scheitern des konventionellen Pressens und Rammens am Corneliusufer in Mitte von den neuartigen Systemen der Japaner während eines TU-Spundwandseminars erfahren und sogleich das  Potential für die LWK-Sanierung erkannt, doch es hatte langer, beharrlicher Überzeugungsarbeit und der Überwindung mancherlei Hürden bedurft, bis nach ca. einem Jahr WSA und BAW sich schließlich auf eine Erprobung des Crush Pilers einließen. Die hartnäckigsten Zweifler, die vom angeblich drohenden  Grundbruch mit anschließendem Mauerversagen nicht abzubringen waren, deren Motive bisweilen aber auch einen eher sachfremden Hintergrund vermuten ließen, blieben denn auch der Test-Baustelle demonstrativ fern.

Verladung

Verladung des Bohrgeräts

Da die Kanalsperrfrist auch wegen der Bautätigkeit am Riedel-Anleger Kottbusser Brücke und am Tempelhofer Ufer noch bis zum Ende d. M. andauert, hätten nun noch über zwei Wochen zur Verfügung gestanden, um den Crush Piler auch nach Mitte zu holen und dort die abgebrochene Verspundung noch in diesem Frühjahr und vor der Wachstumsperiode fertigzustellen, was die privat finanzierte Uferpromenade endlich wieder benutzbar gemacht und die noch immer angepflockten Kastanien von den Betonklötzern erlöst hätte. Und die ins Feld geführten vergaberechtlichen Probleme hätten bei einigem guten Willen durchaus gelöst werden können, doch nun ist der Zug abgefahren und der Crush Piler auf dem Rückweg nach Genthin, um die dortigen Spundwandarbeiten fortzuführen.

Ein überzeugender Einstand

Interessierte 03

Interessierte

Zuversichtlich aber stimmt die Tatsache, dass nach diesem gelungenen Einstand der neuartigen GIKEN-Technik auch alles für einen Einsatz des GRB-Systems am LWK spricht, das die Aufrechterhaltung des Schifffsverkehrs zulässt, indem neben der Presse auch der Kran auf der Spundwand fährt und nicht auf einer auf und ab schwankenden Schute stehend die Fahrrinne allzu weit verengt. Was aber nun unser Haupt-Essential und unverhandelbares Herzensanliegen, den möglichst vollständigen Erhalt des ufernahen Baumbestands angeht, so sind wir nach dieser gelungenen Performance des Crush Pilers, der unter Bäumen jedoch wenig geeignet wäre, überzeugt, dass der so genannte Gyro Piler mit einer Arbeitshöhe von nur um die fünf Meter dort, wo zugleich die Kanalsohle sehr hart ist und traditionelle Verfahren versagen, die Lösung bringen wird.

BaL und BfK wünschen Fröhliche Ostern!

AG Landwehrkanal lädt zum Baustellentag am 7.4.

In der heutigen „Bürgersprechstunde“ open air äußerten AnwohnerInnen die Befürchtung, dass es nach den vergleichsweise lärmarmen Präliminarien der vergangenen Tage nach Ostern nun wohl erst richtig zur Sache gehen werde mit dem Schlagen, Rammen, Wändewackeln und − waren bass erstaunt zu hören, dass dies schon Ernstfall gewesen sei und nur in gleicher Form noch ein Weilchen fortgesetzt werde. Zwei vielleicht dreijährige Knaben aber erkundigten sich nach der „Spundwand“ und den „Metallgeräten“ − das sind doch schon mal zuversichtlich stimmende Zeichen öffentlicher Akzeptanz!

Virtuoser Mette-Kranführer

Virtuoser Mette-Kranführer

Auf der Teststrecken-Baustelle ist unterdessen der Osterputz abgeschlossen, alles bis auf den Crush Piler selbst sowie die Mess- und Überwachungsinstallationen beräumt; die Mette-Mannen haben die Stätte ihres Wirkens auf ihrer Jolle verlassen, und nur ein Mitarbeiter der Schutz & Sicherheitgruppe Berlin (SGB) bleibt zurück und schiebt Wache.

Mette Leute

Mette Leute beim Ablegen

Nun kann’s also losgehen mit dem Ausflugsverkehr, und einer österlichen Brückenfahrt steht nichts mehr im Wege! − Am Dienstag, 6. April, wird die Erprobung weitergeführt, und gleich am folgenden Mittwoch, 7.4., veranstaltet die AG LWK einen Tag der Offenen Baustelle: „Wir möchten Ihnen Gelegenheit geben, sich die Arbeiten vor Ort anzusehen und bieten Ihnen ab 13.00 Uhr einen öffentlichen Baustellentag an“, teilt die WSA-Pressesprecherin Landwehrkanal, Evelyn Maria Bodenmeier, mit. „Die AG Landwehrkanal würde sich über eine zahlreiche Teilnahme freuen und wird Sie auf der Baustelle empfangen.“ [Siehe auch den WSA-Newsletter vom 1. April.]

SGB-Mitarbeiter

SGB-Mitarbeiter

Aber zunächst gehn wir mal zum Kraft schöpfen in die Osterpause und wünschen unsern BI- und Vereinsmitgliedern, allen UnterstützerInnen, MitstreiterInnen, FörderInnen, AnwohnerInnen und FreundInnen des LWK entspannt-erholsame, schauerarme Feiertage mit vielen Osterhasen (und möglichst ohne Mastkarnickel)!

Frohe Ostern 2010

Frohe Ostern 2010 | © unbekannt

Crush Piler in Action

Teststrecke interessiert nicht nur Öffentlichkeit, sondern sogar Medien

Crushpiler und recycelter Würfel

Crushpiler und recycelter Würfel

Nach einer Woche der Baustelleneinrichtung und Installierung aller Arten von Mess- und Überwachungsequipment für Beweissicherung, Erschütterungs-, Schall- und Abgasemissionsmessungen an der Teststrecke Paul-Lincke-Ufer/ Ecke Forster Straße verpresst das japanische Hi-Tech-Gerät wunderbar leise und als bestünde die Kanalsohle tatsächlich „nur aus Matsche“, wie ein Zuschauer meinte, der Bauingenieur zu sein und sich am Ort auszukennen behauptete. Doch ganz im Gegenteil wurden diese fünfzig Meter unter dem Kriterium besonderer Bodenfestigkeit ausgesucht, den gerade an solchen hochverdichteten Mergel- und Geschiebeschichten scheiterte die Firma Mette Wasserbau mit herkömmlichem Pressen bzw. Rammen im Bereich Corneliusstraße in Mitte, wo seither die rostigen Stahlbohlen wie schlechte Riesenzähne unregelmäßig aus dem Wasser ragen. Mette sollte daraufhin ein Konzept für sog. verrohrtes Bohren ausarbeiten, das Bodenaustausch, mindestens zwei Arbeitsdurchgänge und vor allem viel Zeit erfordert hätte −, bis eine Bürgervertreterin vom Fach im TU-Spundwandseminar das Potential der GIKEN-Technologie erkannte, die extra für extrem harte Böden sowie den Einsatz im innerstädtischen Wohnbereich entwickelt worden ist. Es bedurfte viel hartnäckiger Überzeugungsarbeit − weniger im Fall der anderen Forumsmitglieder als vielmehr von WSA und WSD − doch jetzt, über ein Jahr später, genauer: seit Montag (29.3.) ist es endlich so weit und der sog. Crush Piler im Einsatz. Dieses millionen- und tonnenschwere Gerät bohrt in einem Arbeitsgang mit einer verrohrten Schnecke vor und presst zugleich die Doppel-Z-Bohle − also ein jeweils breites Stück Spundwand − ein, und das vergleichsweise so erschütterungsfrei, leise und abgasarm, dass es die allermeisten der AnwohnerInnen und interessierten Passanten sichtlich beeindruckt.

Millimeterarbeit

Crush Piler

Crush Piler

GIKEN, eigentlich nur Gerätehersteller/ -verleiher und nur bei diesem Test ausnahmsweise Hauptauftragnehmer, hat Mette Wasserbau als Subunternehmer verpflichtet, und die Kooperation zwischen japanischen und deutschen Ingenieuren und Technikern klappt, soweit wir das beurteilen können, hervorragend. Besonders der Kranführer, der die 11,50m-Bohlen anreicht, ist uns für seine exakte Millimeterarbeit schon gut bekannt, seit er nur unwesentlich kürzere Teile ohne nennenswerte Astschäden durch die Lindenkronen am Tempelhofer Ufer gefädelt hat. Lässig platzierte er auch einen Hänger mit Messgeräten unter einen Baum, ohne einen Zweig zu berühren.

Heute (Mittwoch, 31.3.) hatte sich auch die rbb-Abendschau angesagt, führte etliche Interviews , filmte den „japanischen Riesen“ bei der Arbeit , und im gesendeten Beitrag (ab min 23:50) kommt trotz der Kürze das Wesentliche rüber: dass es beim Sanieren der rund elf Kilometer Uferwand in 120 Jahre alter Regelbauweise den VertreterInnen von BI/Verein BaL und der AnwohnerInnen vor allem auf den Schutz der Uferbäume und -vegetation ankommt.

Bohlenanreichung

Bohlenanreichung

Hierfür ist der Crush Piler wegen der immensen Arbeitshöhe eher nicht geeignet, doch GIKEN hat, wie an anderer Stelle schon wiederholt berichtet, noch einiges mehr in petto: Beim sog. GRB-System z. B. fährt der Kran nach einer Startphase auf der Spundwand selber, steht nicht auf einer breiten verankerten Schute und hat damit einerseits wegen des festeren Stands eine weit höhere Kapaziät und beansprucht andererseits einen viel geringeren Teil der Fahrrinne , so dass die Ausflugsschiffe passieren können. Das bedeutet, dass die Arbeiten auch in der warmen Jahreszeit vonstatten gehen können und nicht immer auf die winterliche Sperrzeit verlegt werden müssen, die sich dem Wasserbau zuweilen ausgesprochen ungünstig zeigt. Dadurch würde vielleicht doch noch in absehbarer Zeit den malträtierten Kastanien (und natürlich auch den AnwohnerInnen!) an der Corneliusstraße geholfen, wenn eben das GRB-System Bestandteil der geplanten EU-weiten Ausschreibung wird und die Brockelmannschen Würfel, welche seit Sommer ’07 die privat finanzierte Promenade verschandeln, vielleicht doch noch im Laufe dieses Sommers verschwinden können.

Bohlenanreichung 02

Bohlenanreichung 02

Bei dieser Gelegenheit möchten wir uns auch noch dahingehend berichtigen, dass der Bezirk Mitte nicht einfach „eingeknickt“ ist, wie wir fälschlich behaupteten, sondern sich vielmehr vom WSA garantieren ließ, dass der Göttinger Professor Weihs mit georadiologischen und elektromagnetischen Widerstandsmessungen ein Gutachten über die Notwendigkeit der Betonklötze erstellt und im Übrigen das Amt für die Instandsetzung und -haltung der Promenade bis zu ihrer endgültigen Fertigstellung aufkommt. − Leider wurde versäumt, die BürgervertreterInnen über diese Vereinbarungen zu informieren [was womöglich seinerzeit ihre Enttäuschung und Frustration gelindert hätte −, aber darum kann’s freilich nicht gehen…]

Sodann aber hat’s da noch GIKENs relativ brandneuen Gyro Piler, der eine nur sehr geringe Arbeitshöhe beansprucht und, für den Einsatz unter Brücken konzipiert, auch für den unter überhängenden Kronen prädestiniert wäre. Doch diese Wunderwaffe gibt’s zurzeit nur als Unikat in Japan und kann nicht mal eben zu Testzwecken auf eine dreiwöchige Schiffsreise um die halbe Welt geschickt werden −, doch wenn sich mählich doch noch herauskristallisiert, auf wie langen Strecken mit Kronenüberhang er eingesetzt werden könnte, sollte sich auch diese Option weiter konkretisieren lassen.

Startwidrigkeiten

Bohleneinfädeln

Bohleneinfädeln

Zum Missvergnügen der GIKEN-Ingenieure verhindern zahlreiche Störungen und Unterbrechungen bei der Arbeit an der ohnehin nur arg kurzen Teststrecke am Paul-Lincke-Ufer, dass das System seine Effizienz voll entfalten kann. Alle Überwachungszurüstungen und installierten -anlagen sollen ja nicht zuletzt dem Vergleich mit den diversen Verspundungsverfahren konkurrierender Hersteller dienen. − Die Einrichtung der Baustelle, zunächst mit der besonderen Startkonstruktion, und das Launching nahmen einige Zeit in Anspruch, und nun muss das ganze Equipment eilends wieder abgeräumt werden, um über die Osterfeiertage den Kanal für die Fahrgastschifffahrt freizugeben. Am 6. April wird dann alles wieder aufgebaut. − Seltsam auch, dass die Firma Kemmerer, welche die Verspundung am abgerutschten Riedel-Anleger Kottbusser Brücke mittels einer Hydraulikpresse durchgeführt und am 25.3. erfolgreich abgeschlossen hat, gerade am Starttag des Crush Pilers binnen zwei Stunden fünf- bis sechsmal darauf bestand, mit ihren Schuten die Teststrecke zu passieren, weshalb dort jedes Mal die Arbeiten unterbrochen werden mussten.

Infos für Interessierte vor Ort − Feed back erwünscht!

Verspundeter Riedel Anleger Maybachufer

Verspundeter Riedel Anleger Maybachufer

Gleichwohl sind alle Beteiligten guten Mutes, dass der Test des Crush Pilers erfolgreich verlaufen wird. Und auch die AnwohnerInnen und Interessierten, die zahlreich vorbeikommen, zeigen sich durchweg beeindruckt von den geringen Erschütterungen, Lärm- und Abgasentwicklungen.

Morgen noch mal 14:30 bis 15:30 Uhr und dann ab 6.4. (Mo, Mi und Fr 11 bis 12 Uhr und Di, Do und Sa 14:30 bis 15:30 Uhr) werden nahe der Infotafel, die jetzt auch mit einem Brief-, Kummer- und Vorschlagskasten bestückt worden ist, VertreterInnen der BaL und AnwohnerInnen Interessierte nicht nur über die konkreten Arbeiten informieren, sondern diese immer auch in den weiteren Kontext der ökologisch nachhaltigen Kanal-Sanierung stellen und erläutern, was an Aufgaben noch zu bewältigen ist: von der Entscheidung über sog. Primärsanierungs- oder -sicherungsvarianten unter der Wasseroberfläche; der Erprobung von Sanierungsvarianten der eigentlichen Ufermauer über der Wasserlinie; die Verzahnung mit der Planung eines durchgängigen Uferradwanderwegs; der Schaffung einer Infrastruktur für emissionsfreie Solarschiff- und Bootsfahrt bis hin zur ökologischen Aufwertung von Gewässer und Uferbereichen im Interesse von Biotop- und Artenschutz, aber auch wassernahem Naturerleben und Erholen

Nach Ostern soll zunächst die Prüfung der insgesamt 14 vorliegenden Sanierungsvarianten anhand des komplexen Kriterienkatalogs des Mediationsforums abgeschlossen und der Inhalt der auszuschreibenden Baumkartierung vom Mediationsforum abgesegnet werden.

rbb-Abendschau-Team

rbb-Abendschau-Team

Was nun ein ganz anderes Geschehen an einem anderen Berliner Kanal angeht, so war bezeichnenderweise niemand bislang an der Teststrecke, den wir auf Grund seiner Zuständigkeit daraufhin hätten ansprechen können, weder Amtleiter Scholz (der sich seinerzeit sogar den fulminanten Start des Dieselbären am Tempelhofer Ufer nicht entgehen ließ), und Sachbereichsleiterin Frau Riemer schon gar nicht. Frau Bugner von der WSD hat Urlaub, und ihr Vertreter, Jan Hädecke, ist „an eine andere Fachrichtung gebunden“ und will lieber gar nichts als etwas Falsches sagen, was zu respektieren ist. Jedenfalls würde die Sache im Hause gegenwärtig bearbeitet. Wir dürfen gespannt sein. − Und auch die rbb-MitarbeiterInnen, die ebenfalls informiert sein müssten, sprachen das Thema erwartungsgemäß nicht an.

Es zeugt tatsächlich noch zusätzlich von einiger Unverfrorenheit, ausgerechnet im Augenblick eines gemeinsam errungenen Erfolges oder zumindest erreichten Etappe nur wenige Kilometer entfernt wieder in längst überwunden geglaubter Manier loszulegen − fast schon ein déjà vu.

Teststrecke Corneliusstraße wird es nicht geben

Letzte Betonwürfel dürfen länger liegen

Wettbewerbsfreiheit sticht alle andern Werte und Güter aus!

Wir erinnern uns: Als angesichts eines aus dem Hut gezauberten WSA-Vorschlags, die nach wie vor korsettierten, an die letzten verbliebenen Brockelmannschen Betonwürfel gepflockten Kastanien entlang der Corneliusstraße in Mitte durch eine umständliche Modifizierung der Anbindung irgendwie auch noch über die dritte Vegetations- und Wachstumsperiode zu kriegen, platzte dem Bezirksvertreter in jener denkwürdigen vorweihnachtlichen Sitzung der Kragen: Unter diesen Umständen forderte nun auch das Bezirksamt Mitte endlich ein Gutachten über Sinn und Unsinn der monströsen Klötzer und − stürzte die AmtsvertreterInnen sichtlich in Verwirrung.

In dieser Situation wurde die Idee einer Bürgervertreterin, im Anschluss an die erfolgreiche Absolvierung der 50m-Teststrecke am Paul-Lincke-Ufer einfach GIKENs Crush Piler plus Mettes Gerätschaften ans Corneliusufer umzusetzen, um auf dem dortigen, insgesamt 120 Meter langen Abschnitt die letzten Winter abgebrochene Verspundung wiederaufzunehmen und noch in dieser Sperrsaison zu Ende zu bringen, allseits als Befreiungsschlag begrüßt.1)

Inzwischen ist Weihnachten lange vorbei, und nun heißt es von Seiten des WSA, dass eine Verlängerung der Teststrecke und Vergabe an GIKEN (und die Mette-Wasserbauer) mit den verwaltungs- und vergaberechtlichen Vorschriften nicht in Einlang zu bringen sei. Das Bauvorhaben müsse − nach der am 16.10.09 wegen intransparenter Preiskalkulation der angefragten fünf lokalen Baufirmen wieder aufgehobenen beschränkten Ausschreibung − nunmehr deutschlandweit ausgeschrieben werden.

Schnelle Lösung fürs Corneliusufer wäre nicht vorschriftenkonform

Dabei hatte für die Umsetzung der beschriebenen „charmanten Lösung“ (so die Leiterin AG LWK, Frau Dr. Ernst) alles denkbar gut ausgesehen: sowohl die geräte- als auch die haushaltstechnischen Kapazitäten waren vorhanden; sogar die Möglichkeit, die Verspundung noch innerhalb der bis zum 30. April verlängerten Sperrfrist zu bewältigen, schien gegeben; der Lenkungsausschuss der AG LWK inklusive WSD-Chef Menzel für die Idee gewonnen, wenn sie VOB-konform hergeleitet werden könne −, doch da jene fünf ortsansässigen Baufirmen mittlerweile Gelegenheit gehabt hätten, sich bei einem Bauvorhaben des WNA-Magdeburg in Genthin übers Arbeiten mit dem Crush Piler und seine Kosten umfassend kundig zu machen, wären bei einer neuerlichen Ausschreibung nunmehr günstigere Angebote zu erwarten, weshalb sich nach VOB eine freihändige Vergabe auch unterm Label „Teststrecke“ verbiete. Deren Umdefinierung und Verlängerung sei ausgeschlossen, weil nur eine kleinere Leistung der größeren angeschlossen werden könne und nicht umgekehrt.

Bezirksamt Mitte eingeknickt

Ein für die BürgervertreterInnen ernüchternder Bescheid! Angesichts dessen, dass GIKEN für die Stahlarbeiten als einzige Firma über das notwendige Equipment, eben den Crush Piler, verfügt, also so oder so einbezogen werden muss, wird ein an sich unhaltbarer Zustand sowohl für die AnwohnerInnen, welche die von ihnen selbst finanzierte Promenade noch einen dritten Sommer nicht nutzen können, als auch für den wertvollen Altbaumbestand, dessen Lebenserwartung beträchtlich reduziert werden dürfte, auf Grund der neuerdings höchst skrupulösen wettbewerbsrechtlichen Auslegungen und Rücksichtnahmen verlängert und damit u. E. ohne angemessene Güterabwägung ein von Anbeginn überflüssiger, Stadtnatur schädigender, landschafts- und denkmalästhetischer Schandfleck konserviert. − Warum der Bezirk Mitte, der 2007 nur unter Vorbehalt und damit der Schiffsverkehr wieder aufgenommen werden könne, einer „vorübergehenden landseitigen Baumsicherung“ zugestimmt hatte, sich nun mit einer Lockerung der Stamm-Manschetten in der Zeit der stärksten Wachstumszunahme sowie der vagen WSA-Zusage, die Promenade nicht weiter verkommen zu lassen, zufrieden gibt und namentlich seine Forderung nach einer den Sinn dieser Installation überhaupt überprüfenden Untersuchung  fallen lässt, bleibt der/m einfachen BürgerIn unerfindlich.

Lobbying hinter den Kulissen schlägt BürgerInnen-Beteiligung

Wie angekündigt, hatte das WSA die Reederschaft am vergangenen Montag (8. März) zum Arbeitstreffen „Schifffahrt am Landwehrkanal“ gebeten, doch nicht nur die Fahrgastschiffer groß und klein, sondern auch die von ihnen offenbar alarmierten Sport- und Ruderbootverbände hatten ihre Vertreter entsandt, wohl um der kategorischen Absage an jede weitere Verlängerung der Sperrzeit über den 30. April hinaus, ganz gleich wie begründet, den gehörigen Nachdruck zu verleihen. Sollte dieser Forderung nicht entsprochen werden, wurde sogar mit Kampfmaßnahmen bis hin zu Wasserstraßen-Blockaden gedroht. Alle die Schifffahrt einschränkenden Sanierungsmaßnahmen (die in ihrem Umfang ja nicht zum wenigsten der exzessiven kommerzielle Nutzung des LWK geschuldet sind), dürften allein in der winterlichen Sperrzeit durchgeführt werden, auch wenn der Winter nach Aussage von WSA-Vertretern nach jüngsten Erfahrungen, aber auch generell nicht eben die günstigste Zeit für solche Wasserbauarbeiten ist. Dann müsse während der Schifffahrtssaison eben nachts gearbeitet werden und das Ruhebedürfnis der AnwohnerInnen zurückstehen. Schließlich habe man bereits durch die Kanalsperrung 2007 erhebliche wirtschaftliche Verluste erlitten.

Öffentliche Aussagen der Reeder, worauf wir schon wiederholt hingewiesen haben, stehen solchen Behauptungen entgegen −, aber wie dem auch sei: es wäre mithin am besten, wenn die nächsten Winter ausfielen…


1) Die Fahrgastschiffer hatten an dieser Sitzung allerdings nicht teilgenommen, selbstredend auch keine Zeit für Protokoll-Lektüre und sperrten sich, wie berichtet, gegen alles, was sie ab Mai nichts verdienen lässt…

Mögliche Verlängerung der Kanalsperrung stößt aufs Veto der Reeder

Der 21. Forumssitzung zweiter Teil

Die überbordende Tagesordnung der ersten Forumssitzung im neuen Jahr reichte locker für zwei über fünfstündige Runden. U.a. hatte die Leiterin der Arbeitsgruppe Landwehrkanal, Frau Dr. Ernst, am 8. Februar keine Gelegenheit mehr bekommen, ihren Bericht zum Stand der Baumaßnahmen und ihre mit einsetzendem Tauwetter geplante Fortführung vorzutragen und reichte ihn also, mit den notwendig gewordenen Modifizierungen, am vergangenen Montag (22.2.) noch nach.

Zum aktuellen Stand des Baugeschehens

21. Mediationsforum II

21. Mediationsforum zweiter Teil

In unserem Rahmen hier ist dabei vor allem von Interesse, dass die Arbeiten in den Bauabschnitten am Tempelhofer Ufer und auch die BWB-Planung zur Verlängerung des Einlaufbauwerks nahe Möckernbrücke soweit gediehen sind, dass mit der Verfüllung der durch die ausgewaschene Ziegelflachschicht entstandenen Lücke sowie des Zwischenraums zwischen Spund- und Uferwand sobald wie möglich begonnen werden kann. Anschließend kann das Equipment der Wasserbau-Firma Mette zur Teststrecke am Paul-Lincke-Ufer verholt werden. [Update, 26.2.10: Details finden sich im 41. WSA-Newsletter.]

Am wieder zu errichtenden Riedel-Anleger Maybachufer werden die Spundwände mit einem schnelleren Hydro-Press-System eingebracht, was innerhalb der bis zum 30. April währenden Kanal-Sperrzeit locker zu schaffen sein müsse. Die Arbeiten an der eigentlichen Uferbefestigung können dann bei laufendem Schiffsverkehr erfolgen.

Teststrecke Corneliusstraße?

Den Charme der Lösung, GIKEN‘s Crush Piler nach Abschluss dieser Teststrecke zur Corneliusstraße zu transferieren, um dort die im letzten Winter wegen unerwarteter Bodenhärte abgebrochene Verpressung der Spundbohlen fortzusetzen, hat das WSA sehr wohl erkannt. Es muss vor allem darum gehen, die dort noch immer korsettierten Bäume endlich zu erlösen, die letzten der Brockelmannschen Betonklötze zu entfernen und die Promenade wieder begehbar zu machen. Als, wie berichtet, das WSA noch vor Weihnachten mit einer unter Ausschluss des Forums und des Baumsachverständigen, aber gemeinsam mit dem Urheber jener unseligen „Baumsicherung“, Jochen Brehm, entwickelten weiteren Modifizierung der Anbindung aufwartete, damit die geschundenen Kastanien irgendwie auch noch die dritte Vegetationsperiode angepflockt überstünden, legte der Bezirk Mitte sein Veto ein und forderte in solchem Fall nun seinerseits das schon vor Jahren von der BI geforderte Gutachten über Sinn und Unsinn dieser Monstrosität.

Um dies zu vermeiden, so die Idee einer Bürgervertreterin, sollte tunlichst nicht das langwierige verrohrte Bohren zum Einsatz kommen, sondern der Crush Piler, um die Verspundung möglichst noch in dieser Sperrzeit abzuschließen. Doch nach Lage der Dinge ist dies bis zum 30.4. nicht zu schaffen und somit eine Fristverlängerung in Betracht zu ziehen.

Reeder geben sich kompromisslos

Dies aber stößt wiederum auf das energische Veto der Fahrgastschiffer. Jürgen Loch von Stern und Kreis und Karsten Sahner, Eigentümer der van Loon und im Forum nur dann zu Gast, wenn seine ureigensten Interessen unmittelbar berührt sind, hatten, obwohl es öffentlich zugängliche Protokolle und ja auch unsere Berichte gibt, von der Problematik noch gar nichts vernommen, denn sie sei im Forum noch nicht erörtert worden −, was stimmt. Aber mal abgesehen von der ungewöhnlich langen, den Arbeitsbeginn verzögernden Eisperiode, die unter höhere Gewalt zu verbuchen ist, muss es doch befremden, dass man, bevor man die involvierten unterschiedlichen Interessen überhaupt zur Kenntnis zu nehmen bereit ist, vorweg apodiktisch und präventiv sein Veto einlegt. Mediation läuft anders.

Man habe schon genug Entgegenkommen gezeigt, indem man sich mit der Sperrung bis Ostern abgefunden habe, wurde auf derartige Ermahnungen entgegnet. Nun aber seien Absprachen mit dem Betriebsrat getroffen, Arbeitsverträge erneuert, Fahrpläne gedruckt: hier würden Planungssicherheit und Arbeitsplätze gefährdet. Für Saisonarbeiter zahle das Arbeitsamt kein Kurzarbeitergeld: folglich stünden Kündigungen an.

Die Hauptbetroffenen?

Wir fragen uns, wie die Reeder die Sperrzeit im Sommer 07 nicht nur überstehen, sondern auch zu jenem Saisonende wie üblich gute Geschäftsgewinne ausweisen konnten. Jene, die am meisten vom LWK profitiert haben und in einem Ausmaß, das seiner Uferbefestigung gar nicht gut tut, aber nach amtlicher Lesart nun mal als die „Hauptbetroffenen“ apostrophiert werden, haben unseres Wissens bislang keinerlei finanzielle Einbußen erlitten, im Gegenteil: „Krise? Welche Krise?“ fragte Riedel-Geschäftsführer Lutz Freise provokant zurück, von einem Reporter des Tagesspiegel nach deren Auswirkungen auf sein Gewerbe befragt.

Und als Karsten Sahner rhetorisch fragte, ob das auch 2011, 2012ff. mit solchen Kanalsperrungen während der Saison so weiter gehen solle, schien Amtsleiter Scholz der Kragen eng zu werden: Das würden die mit WSD und BMVBS gemeinsam anzustellenden Überlegungen noch erweisen, ob in den Folgejahren nicht auch mal durchgebaut und deshalb der Kanal für ein, zwei Saisons gesperrt bleiben müsse.

Wieder zeigt sich, welche Macht so ein Mediationsverfahren auch dezidiert partikularen Interessen verleiht. Wir möchten auch daran erinnern, dass die Binnenschifffahrt nach Wasserwirtschaft und Land- bzw. Fischereiwirtschaft im Prioritäten-Ranking der Wasserstraßenunterhaltung nur den dritten Platz belegt. Und um uns selbst zu zitieren: „Best Practice kann bei der Kanalsanierung nur unter gewissenhafter Berücksichtigung unseres vielschichtigen Kritierien-Katalogs gelingen.“

Ideen gesucht!

Wie dem auch sei, angesichts dieses Dilemmas schickte Mediator Kessen das Forum auf gemeinsame Ideen-Suche. Dass GIKEN, vorbehaltlich der erfolgreichen Absolvierung der Teststrecke, an der Corneliusstraße weitermacht, wäre mit Blick auf die Haushaltsmittel des WSA sowie die Kapazitäten des Geräteherstellers durchaus möglich. Nur vergaberechtlich gäbe es Probleme, da das Auftragsvolumen für eine freihändige Vergabe zu groß, also eine Ausschreibung erfordert sei; andererseits habe aber die japanische Mutter ihrer europäischen Dependance untersagt, in solchem Fall als Hauptauftragnehmer mitzubieten. GIKEN sei nun mal ein Geräte-Verleiher, und die Teststrecke Paul-Lincke-Ufer stelle eine einmalige Ausnahme dar.

Dies muss allerdings schon deshalb erstaunen, weil sich die hiesigen Firmenvertreter doch die ganze Zeit einen deutlich größeren Kanalabschnitt als nur jene 50 Meter wünschten, um die Vorteile ihres Systems gerade im Hinblick auf seine Effizienz besser demonstrieren zu können.

Ansonsten wurde eine Um- oder Neudefinition der Teststrecke vorgeschlagen, welche dann die Corneliusstraße einschlösse; die Erhöhung der Manpower, um z. B. schon jetzt die dort im Abschnitt 2 wie Kraut und Rüben aus dem Wasser ragenden Spundbohlen aufs notwendige Gleichmaß abzubrennen [welcher Beschleunigung im Vorgehen die zum 1.3. aufgestockte und − zunächst befristet bis zum 31.12.11 − aus dem Konjunkturpaket II finanzierte „Ingenieurskapazität“ doch auch entgegenkommen müsste]; eine längere Tagesschicht der Wasserbauer wurde vorgeschlagen, vor allem aber ein zeitiger Beginn der Teststrecke, die doch nach Aussage von Frau Ernst gut vorbereitet sei. Auch sei zu prüfen, ob sich der die Presse tragende Ponton nicht so weit verschmälern lasse, dass Fahrgastschiffe ihn passieren könnten. − Der Clou aber kam von einer Bürgervertreterin: Warum nicht gleich das Corneliusufer zur Teststrecke erklären und dort mit dem Crush Piling beginnen? Die kurz vor Druckreife stehende Beschriftung der Teststrecken-Infotafel [siehe Foto] des Mediationsforums, die dem geneigten Publikum das außergewöhnliche Vorhaben erläutern soll, ließe sich wohl auch noch ein weiteres Mal umschreiben.

Vorläufiger Zeitplan

Infotafel zur Teststrecke

Infotafel zur Teststrecke

Bevor die AG LWK, unterstützt vom SB 2, diesen Ideen-Pool und noch weitere Möglichkeiten gründlich abgeprüft hat, wird allerdings keine Entscheidung zu fällen sein. Die erwähnte, von der WSV finanzierte und mit technisch-organisatorischer Unterstützung der TU erstellte Infotafel des Mediationsforums zur Teststrecke wurde allerdings heute (25.2.) von einer Vertreterin des F’hain-Kreuzberger Grünflächenamts schon mal vor Ort abgenommen [siehe Foto] und soll am 25.3. nahe der Sitzbank vis-à-vis Lidl in die Böschung einbetoniert werden. Der LWK ist immer noch zugefroren, nach dem Auftauen aber eine Peilung auf gesamter Länge Vorschrift, die 14 Tage dauert. Erst dann, also voraussichtlich am 22.3., wird mit der Baustelleneinrichtung begonnen, die wegen der vielfältigen Beweissicherungsverfahren eine Woche in Anspruch nehmen wird, und erst am 29.3. kann dann mit der Verspundung der 50 Meter begonnen werden. GIKEN-Vertreter Al-Arja will sie in drei Tagen [Korrektur vom 10.3.: In drei Tagen sollen die Startbohlen eingebracht werden, und zwar sozusagen in Welturaufführung erstmals mittels des Crusch Pilers zu Wasser! Dafür hat Mette eigens eine Vorrichtung konstruiert, zu deren Beschwerung − mensch fasst es kaum! − einige der berüchtigten Brockelmannschen Betonwürfel wiederverwendet werden können… − Vielmehr will also GIKEN in Kooperation mit der Wasserbaufirma Otte Mette GmbH die gesamte Baustelle in ca. drei Wochen] bewältigen. Wir sind gespannt. − Die Reederschaft wurde unterdessen für den 8. März zum Tête-à-tête ins WSA gebeten.

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