Nachtrag zu „Sofort vor Ort!“

Benehmen oder Einvernehmen?

Wenn wir uns jetzt noch die doch sehr naheliegende, aber über unserer Detailversessenheit sträflicherweise in den Hintergrund geratene Frage stellen, ob dieser Termin nun eher einer Benehmens- oder Einvernehmensherstellung dienen sollte bzw. gedient hat, müssen wir vom Resultat her zwar die zweite Antwort geben, zugleich aber nachträglich daran erinnern, dass Frau Dr. Ernst bei ihrer Einladung noch gesagt hatte, eine Entscheidung brauche nicht vor Ort und ad hoc herbeigeführt zu werden, sondern wir müssten die neuen Informationen „natürlich erst sacken lassen“.

Freilich ist es dann anders gekommen. Als die Herren Mittag und Leonhardt aus dem Stegreif improvisierte Varianten einer Bürgervertreterin, wonach z. B. der Crush Piler, der (zumindest nach Aussage des GIKEN Europe-Geschäftsführers Al-Arja) Spundbohlen auch durch größere Gesteinsbrocken treiben kann, den Düsenstrahl-Verbau und alle anderen dadurch nötig werdenden Zurüstungen vielleicht obsolet machen könnte, aus ihrer berufspraktischen Erfahrung heraus verwarfen; der Kritik, dass mit ihrer doch sehr spezifischen Modifizierung der Leistungsbeschreibung alternative Lösungswege vorab verbaut würden, wie schon erwähnt, mit dem Hinweis auf die Zulässigkeit von Nebenangeboten zurückwiesen und darüber hinaus auch niemand der Anwesenden in Lärm, Dieselabgasen und Mittagshitze weitere stichhaltige Einwände vorbringen oder gänzlich andere Optionen skizzieren konnte oder wollte, wurde der GuD-Vorschlag eben durchgewunken.

Wenn nun aber − Stichwort „Vor Ort sofort!“ − eine Routine für solche jederzeit möglichen Szenarien installiert werden soll, ist das Einräumen einer vertretbaren Zeitspanne des „Sackenlassens“ vor Abgabe eines Votums sicherlich unabdingbar!

Da im konkreten Fall der Baustelle „90m Maybachufer“ mit ihrer höchsten Prioritätsstufe vor knapp einem Jahr die Sanierungsvariante unter der Voraussetzung beschlossen worden ist, dass es sich um keinen Präzedenzfall und keine Präjudizierung für andere Baumaßnahmen handele; da hier zweitens z. B. auch kein Baum- oder Ufervegetationsbestand gefährdet ist und drittens sich auch die gewässerökologischen Optimierungspotentiale sicher in Grenzen halten, ist den BürgervertreterInnen dieses Übers-Knie-Brechen ihrer Zustimmung auch nicht allzu schwer geworden.

Einzelinteressen dienender Druck aufs Tempo darf nicht
Best Practice vereiteln!

Doch sei auch noch mal daran erinnert, dass das krampfhafte Festhalten des WSA am pünktlichen Baubeginn zum 2.11. vor allem im Interesse der Hauptnutzerin der Anlegestelle, also der Reederei Riedel, und auch der übrigen kommerziellen Nutzer geschieht, die nach amtlicher Lesart bekanntlich die „Hauptbetroffenen“ und -leidtragenden sind und ergo um jeden Preis durch eine Ausdehnung der Bauzeit in den April hinein mit der Konsequenz einer Verschiebung des Saisonstarts für die Fahrgastschiffer vermieden werden soll. Nach unserer hinlänglich bekannten gegenteiligen Auffassung sind sie jedoch vielmehr als die Hauptverursacher nicht nur dieser Haverie zu betrachten, die ohnehin nur die Spitze des Eisbergs vorstellt.

Nach der kürzlichen Klarstellung von Amtsleiter Scholz belegt die Binnenschifffahrt nach Wasserwirtschaft und Land- bzw. Fischereiwirtschaft im Prioritäten-Ranking der Wasserstraßenunterhaltung nur den dritten Platz. Und Best Practice kann bei der Kanalsanierung nur unter gewissenhafter Berücksichtigung unseres vielschichtigen Kritierien-Katalogs gelingen. − Auf der anderen Seite haben die Reeder trotz ihres ständigen Jammerns von Einbußen und behaupteter Gefährdung der Arbeitsplätze in ihrer Branche in der vergangenen Saison ungeachtet des einspurigen Verkehrs und der Geschwindigkeitsbegrenzung angesichts immer weiter steigender Nachfrage erneut Rekordumsätze eingefahren − „Krise? Welche Krise?“ fragte gar Lutz Freise in einem Presse-Interview provokant −, so dass schon von daher kein Anlass besteht, die Interessen dieses einen Stakeholders höher zu bewerten als die aller übrigen.

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