Naturschutz und Engagement

BaumschützerInnen-Info vom 21.11.08

NABU-Vertreterin enttäuscht

Uns aber muss sich der Eindruck aufdrängen, dass, obwohl entsprechende Kartierungen mindestens eine volle Vegetationsperiode hindurch erfolgen müssen, wahrscheinlich im Frühjahr 2009 in dieser Hinsicht eher gar nichts geschieht. – Sehr enttäuschend in diesem Zusammenhang war auch die Einlassung der NABU-Vertreterin, Ulrike Kielhorn, die im Hinblick auf den Biotopverbund zwar auf das Verschlechterungsverbot und bzgl. Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) auf die Verbesserung der Wasserqualität verwies, um den Besatz an Fischarten zu erhöhen, aber ansonsten bei Gängen entlang des Kanals festgestellt haben will, dass es sich weitestgehend um naturschutzfachlich minder wertvolle Grünflächen-Biotope handele, die natürlich optimal gepflegt und mit einheimischen Bäumen und Sträuchern arten- und strukturreich bepflanzt werden sollten, aber das seien ja „Allgemeinplätze“. FFH-Arten kämen nach ihrer Kenntnis hingegen nicht vor, mit einer Ausnahme: einer Fläche auf der Lohmühleninsel nahe der Kinderstiftung, wo vor zwei Jahren ein Biber-Vorkommen entdeckt worden sei, doch dürfe es gerade nicht das Ziel sein, solche Arten in die Stadt zu ziehen, damit sie dann auf den Straßen überfahren werden.

Als darauf mit Jörg Augsten ausgerechnet ein Vertreter des WSA widersprach, von einer Biber-Sichtung nahe der 02-World berichtete und die Notwendigkeit entsprechender Untersuchungen unterstützte, damit man nicht erst während des Bauvorhabens auf etwaige Vorkommen stoße, entgegnete die Naturschützerin, die O2-Halle befinde sich doch an der Spree – das sei ein Fluss und was ganz anderes – und sie würde sich wünschen, „dass wir all die Energie, die wir hier auf den LWK verwenden, auf die Spree übertragen.“

Engagement für den LWK so notwendig wie für Havel und Spree!

Da fragte auch die Senatsvertreterin, was denn das eine mit dem anderen zu tun habe, und anwesende NABU-Mitglieder zeigten sich sehr enttäuscht. Zum einen wurde bspw. das Salzufer in Charlottenburg dank naturnaher Pflege von  Kräutern wiederbesiedelt, die auf den Roten Listen als vom Aussterben bedroht geführt werden*, und an der Charlottenburger Brücke wurde von einem Brutvorkommen des Eisvogels** berichtet; zum anderen wurden die Kanalufer eben noch nie entsprechend untersucht und drittens geht es gerade um Qualifizierung eines mitten durchs Stadtzentrum führenden Grünzugs als Ausbreitungs- und Wanderkorridor in einer Zeit rasanten Artensterbens, wo die urbane Biodiversität die des agroindustriell verwüsteten Umlands um ein Vielfaches übersteigt. Selbstredend hat der LWK nicht den Rang eines Naturschutzgebiets, aber man sollte den dringlichen Schutz wertvollerer Flächen und den Kampf gegen drohende Naturzerstörung an Spree, Havel und Sacrow-Paretzer Kanal im Namen des noch immer nicht beerdigten sog. Verkehrsprojekts Deutsche Einheit 17 (VDE 17) auch nicht im Sinne eines Entweder – Oder gegen das Engagement für den LWK ausspielen! Hier wie dort tut unser Einsatz not. – Nicht zuletzt geht es um die Schaffung eines Netzes innerstädtischer Naturerfahrungsräume für eine praktisch-anschauliche Umweltbildung, um über die Identifikation namentlich der Stadtjugend mit ihrem unmittelbaren Lebensumfeld dessen Schutz zu befördern! [An dieser Stelle ein Hinweis auf den NABU-Masterplan 2010.]

Dazu heißt es in der Erfurt Declaration vom 23.5.08:

  • Der Erfolg zur Bewahrung globaler Biodiversität wird in urbanen Regionen entschieden.
  • Urbane Biodiversität hat eine besondere Bedeutung auch hinsichtlich der Lebensqualität.
  • Verstärkte Forschung hinsichtlich urbaner Biodiversität und der Entwicklung von best-practice-Beispielen für die Planung ist nötig.

Lokale Behörden müssen das Thema Biodiversität stärker mit dem Thema Nachhaltige Stadtplanung bzw -gestaltung verknüpfen!


* Korrektur: Kräutern wie z. B. der Engelwurz, die für einen naturnahen Gewässerrand typisch sind und eine entsprechende Biodiversität anzeigen. Am Einsteinufer gegenüber [siehe auch hier und hier], das gerade nicht naturnah gepflegt, doch wegen angeblicher Abrutschgefahr im Juli letzten Jahres abgesperrt wurde, konnte bereits in diesem Sommer hinter den Zäunen der spontane Aufwuchs einer erstaunlichen Kräutervielfalt registriert werden, und um ein solches Wiederaufkommen der Diversität muss es naturschutzfachlich zu tun sein − mal ganz abgesehen von FFH-Leitarten und Rote-Listen-„Stars“.

** Korrektur: Dies hat der Bewohner eines dort liegenden Hausboots zwischenzeitlich relativiert, indem er nach vielen Einzelsichtungen von der erstmaligen Beobachtung eines Eisvogel-Paares im Sommer 07 berichtete, das offenbar auf Brutplatzsuche war. − Vielleicht wäre das ja etwas für den NABU: ein künstlich-natürliches Brutangebot zu schaffen (Wurzelteller, Lehm, Kunstoffröhre), und ein idealer Platz wäre dort eben in der Nähe der Hausboote oder der Franklinstraße. [Beispiel siehe hier und hier.]

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