End of the Pipe

BaumschützerInnen-Info vom 31.03.08

Sind Rußfilter eine Alternative?

Es ist auch nicht so, dass sich politisch nichts bewegte. Wir berichteten kürzlich über ein 500 Mill. Euro schweres Förderprogramm des BMVBS zur Erprobung der Brennstoffzellentechnologie, und seit 2006 läuft ein Pilotprojekt des Ministeriums zur Erprobung von Rußpartikelfiltern, bei dem bislang nur ein Fahrgastschiff aus Saarbrücken einen Zuschlag bekommen hat, aber keins aus Berlin: Jürgen Loch habe sich vergeblich beworben. Hier müsste versucht werden, mit Hinweis auf die besondere Situation in unserer Stadt − dem hohen Schiffsverkehrsaufkommen in dicht bebauten innerstädtischen Bereichen; der Notwendigkeit, oft nicht kraftschlüssig, sondern im Standgas zu fahren −, noch nachträglich auch eine Berliner Reederei zu beteiligen; das Programm läuft noch bis 2010.

Desgleichen haben wir bereits über ein Projekt von SenGUV berichtet, italienische Papierfilter in Schiffsdieseln zu erproben, und wir können nur die Frage wiederholen, wieso sich weder Stern und Kreis noch sonst eine Berliner Reederei bislang daran beteiligt: Die Einbaukosten übernimmt der Senat, also die Steuerzahlerin, und das Argument, für solche Projekte sei der Bund zuständig, ist wenig überzeugend.

Hier wurde angeregt, Umweltsenatorin Lompscher direkt anzusprechen, ob der Abteilungsleiter für Luftreinhaltung, Dr. Breitenkamp, oder ein Vertreter im Rahmen eines Vortrags den AK über die komplexe Thematik unterrichten und zugleich auch das erwähnte Senatsprogramm vorstellen könnte. — Außerdem wäre es sinnvoll, Berndt Brussig von der Humboldt Uni einzuladen, über die „Umweltzone für Schiffe“ zu sprechen.

Die Vorbereitung einer Beschlussvorlage für das Forum, wonach wir das BMVBS ersuchen, noch ein Fahrgastschiff, das auf dem LWK verkehrt, in das laufende Erprobungsprogramm aufzunehmen, scheiterte leider fürs erste am Widerstand eines BI-Vertreters, der sich dagegen aussprach, nach bewährtem Muster Steuermittel in die Aufrüstung einer bereits veralteten Technologie zu verschwenden, während die innovativen Lösungen bereits Marktreife erlangt hätten. Die verschiedenen Argumente, dass es a) angesichts der zu erwartenden Übergangsfristen doch auch darum gehen müsse, den Ist-Zustand im Hinblick auf die gesundheitlichen Beeinträchtigungen von AnwohnerInnen, Passagieren und Personal zu verbessern, dass b) sogar ein Scheitern des Experiments zu erwarten sei, indem die niedrigen Verbrennungstemperaturen beim häufigen Standgasbetrieb auf dem LWK zu einer schnellen Verstopfung der Filter führen würden und dadurch die Notwendigkeit einer grundsätzlichen Alternative um so unabweisbarer würde; oder c) dass, wenn Stern und Kreis nach der Ablehnung durchs Ministerium und dem mangelnden Interesse am Senatsprogramm nun überhaupt abwinke, es ja schließlich noch eine ganze Reihe anderer Reeder auf dem Kanal gebe, die womöglich interessiert sei −, all dies vermochte nicht zu überzeugen.

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3 Kommentare

  1. Oliver Ginsberg said,

    31. März, 2008 um 21:31

    Ich oute mich hier gerne als derjenige, der die Beschlussvorlage ablehnte und zwar aus folgenden Gründen:
    1. Die Sinnhaftigkeit des Forschungsprojektes konnte nicht einmal ansatzweise dargestellt werden, zumal nicht einmal die betroffenen Hauptreeder anwesend waren, die zunächst ein Interesse daran hätten signalisieren müssen.
    2. Es gibt bereits ein konkretes Angebot der Senatsverwaltung an die Berliner Reeder auf Kosten der Senatsverwaltung Rußfiltertechnologie zu erproben.
    3. Es gibt eine ganze Reihe von Null-Emissionsvarianten für den Schiffahrtsverkehr, die viel erstrebenswerter und zukunftstauglicher sind, als nachsorgende Filtertechnologie. Wenn schon Steuergelder ausgegeben werden, dann dafür und nicht für eine Politik der nachsorgenden Betreuung von museumsreifer Technik
    4. Steuergelder in Erwartung des Scheiterns des Experiments auszugeben, bzw. um die Unbrauchbarkeit einer Technologie zu belegen ist absurd.
    5. Bevor die Reeder mit weiteren Steuergeldern subventioniert werden, sollen sie erst einmal für die von ihnen verursachten Schäden aufkommen.

  2. BaL said,

    31. März, 2008 um 22:40

    Lieber Oliver Ginsberg,

    Du hast bei Deinen fünf guten Einwänden leider keinen vorgebracht, um das erste und wohl gewichtigste Argument zu entkräften. Wir müssen, wie die Erfahrung mit „Übergangsfristen“ in anderen Bereichen zeigt, sicher noch geraume Zeit mit den Stinkern leben, deren Maschinen ja z. T. erst vor kurzem „modernisiert“ wurden, und da käme auch eine bloße Nachsorge unmittelbar der Gesundheit der Betroffenen zugute!

    Da zudem auf dem LWK besondere Bedingungen herrschen, müsste die Filtertechnologe für solche innerstädtischen Bereiche auf geeignete Weise modifiziert werden, und dafür gäbe ein solcher Modellversuch eben belastbare Daten und Erfahrungswerte an die Hand.

    Womöglich aber zeigt er auch die absoluten Grenzen auf, und da wären die prophylaktisch aufgewendeten Steuermittel vielleicht vertretbar angesichts der zu erwartenden Fehlinvestitionen, bevor erst wieder irgendein unwirksamer Partikelfilter serienmäßig (ein-)gebaut wird.

  3. Oliver Ginsberg said,

    2. April, 2008 um 13:59

    Der Einbau von Rußfiltern als Übergangslösung ist sicher zu begrüßen. Sollten die Reeder sich darauf einlassen wollen – und das darf nach bisherigen öffentlichen Erklärungen bezweifelt werden – dann hätten sie bereits jetzt die Möglichkeit, das Angebot des Berliner Senats aufzugreifen und weitgehend auf Kosten des Landes solche Filter einzubauen, und zwar auf allen Schiffen, die in der Umweltzone fahren und nicht nur auf einem Feigenblatt-Modellschiff.

    Wer weiß, wie lange es dauert, bis Forschungsanträge formuliert, gesichtet, bewertet, genehmigt, durchgeführt, ausgewertet, in Verordnungen gegossen und dann verallgemeinert werden, der weiß auch, dass ein solches exemplarisches Vorhaben vor allem den Ist-Zustand für die kommenden 10-15 Jahre zementiert, während es gleichzeitig bereits Technologien gibt, die völlig emissionsfrei und zudem uferschonender Menschen durch Binnengewässer, ja sogar bereits über den Atlantik befördern (http://www.transatlantic21.org). Die Reeder, die sich – ähnlich wie die Autoindustrie ein Jahrzehnt vorher – jahrelang gegen strengere Abgas-Richtlinien gewehrt haben, dürfen nun nicht mit zusätzlichen Steuergeschenken belohnt werden. Belohnt werden müssen diejenigen, welche wirklich innovative Technologien entwickeln und damit auch einen Beitrag zum Berliner Wirtschaftsstandort leisten, während andere nur die Sahne des Berlintourismus abschöpfen, während sie die Luft verpesten, den Kanal zerstören und das Wasser- und Schifffahrtsamt zu Baumfällungen drängen.


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