Das Alte Wiegehaus

Vom permanenten Kampf um Berücksichtigung

Ortstermin am Einsteinufer, Charlottenburg

Ortstermin Altes Wiegehaus

Ortstermin am 11.12.2017

Wahrhaftig: es kam zum Ortstermin am Alten Wiegehaus (sogar mit Teilnahme der WSA-ZÖB, also Björn Röske!) − Monate, nein, ein gefühltes Halbjahr, nachdem der Expertenkreis „Zukunft Landwehrkanal“ zuerst von den Machenschaften des neuen Pächters des kleinen historischen Bauwerks Wind bekommen hatte. In dem Backsteinhäuschen wurde dereinst das per Treidel-Kahn auf dem Landwehrkanal transportierte Salz gewogen.

Das Alte Wiegehaus

Das Alte Wiegehaus in neu

Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hatte dem Pächter gestattet, das Gebäude einer neuen, und zwar gastronomischen Nutzung zuzuführen. Die Studierenden an den in der Umgebung ansässigen Fachbereichen der TU und natürlich auch der Touristenverkehr auf Kanalexkursion winken mit lukrativen Aussichten. Um das Vermüllen des Ufers zu vermeiden, hatte der Gastronom, der schon mal voller Tatendrang, aber ohne Genehmigung einen Anlegesteg errichtet hatte, gleich einen Container aufstellen wollen − bei den heutigen Konsumgepflogenheiten eigentlich naheliegend −, aber das Straßen- und Grünflächenamt (SGA) Charlottenburg-W’df. genehmigte zu Recht nur einen kleinen Papierkorb: die Wesensmerkmale einer Grünanlage müssten beachtet werden. Ob da ein unbedingt eine Gaststätte dazugehört?

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BaumschützerInnen-Info vom 16.02.08

Vorbildliche Baumpflege am Salzufer

Letzten Montag erfolgte auf Einladung des Außenbereichsleiters Neukölln, Jörg BegehungAugsten, eine Begehung des Charlottenburger Salzufers, um die im Auftrag des WSA hier ab dem 28. Januar durchgeführten Pflegearbeiten kritisch zu begutachten. Neben Augsten und Frau Bugner von der Wasser- und Schifffahrtsdirektion (WSD) nahmen Umweltexperten der TU Berlin (KUBUS) sowie BürgervertreterInnen den Ortstermin wahr. TU-Wissenschaftler waren schon mit Beginn der Arbeiten verschiedentlich vor Ort gewesen und hatten fachlichen Rat erteilt.

Alle waren sich einig, dass die beauftragte Fachfirma bis auf kleinere Fehler vorbildlich gearbeitet habe, und Augsten zeigte sich den Verbesserungsvorschlägen der TU-Fachleute gegenüber durchweg aufgeschlossen.

BaumschützerInnen-Info vom 16.02.08

Zur Vorgeschichte

Bereits 1998 war das WSA hier mit seiner Absicht, sämtliche Bäume zu roden, bekanntlich auf erheblichen Widerstand gestoßen. Bis 2000 erfolgte zwischen Charlottenburger und Dovebrücke dennoch die Fällung von ca. 100 Bäumen aus Gründen der Verkehrssicherheit, davon nach anschließenden Untersuchungen von Baumsachverständigen bis zu 75 Prozent ungerechtfertigt: Die Bäume waren gesund und da die schräge Uferböschung teilweise aus Kies besteht, gefährden Bäume nicht ihre Stabilität, sondern erhöhen sie vielmehr. Die unter Leitung eines Mitarbeiters der Berliner Forsten seinerzeit als Ersatz gepflanzten Eichen sind übrigens durchweg eingegangen.

2000 hatte man dann einen Kompromiss gefunden und sich auf einen von KUBUS und Fachleuten der BfG entwickelten, ökologisch ausgerichteten Pflege- und Unterhaltungsplan geeinigt, der z. B. vorsieht, nicht verkehrsgefährdendes Totholz zu belassen und spontane Naturverjüngung sowie Unterwuchs, Büsche und Strauchwerk zu dulden, um den LWK hier in seiner Funktion als Grünkorridor zwischen Tiergarten und Schlosspark im Sinne des Biotopverbunds ökologisch aufzuwerten. Der damalige Referatsleiter Sebastian Dosch betraute den TU-Experten Dr. Barsig mit der baumfachlichen Bauaufsicht.

In der Folge jedoch wich das WSA mit Mareike Bodsch als der zuständigen Sachbereichsleiterin von diesem ihr „zu naturschutzlastigen“ Unterhaltungsplan ab, darin auch vom Landesdenkmalamt unterstützt, das durch Gestrüpp den Blick aufs Bauwerk beeinträchtigt sah, und immer wieder wurde zur „Herstellung des Lichtraumprofils“, was offenbar den Charakter einer fixen Idee gewonnen hatte, rücksichtslos und kostenintensiv der gesamte Unterwuchs beseitigt.

BaumschützerInnen-Info vom 16.02.08

Auch die Bezirke müssen sich an den Unterhaltungsplan halten!

Wie diese Art „Pflege“ jeweils aussah, ist jetzt auf den Kahl rasiertletzten 30 Metern vor der Dovebrücke wieder zu besichtigen, doch die geballte Kritik konnte Augsten achselzuckend von sich weisen: hier sei nicht das WSA, sondern der Bezirk zuständig. Das Einsteinufer gegenüber, wo vergangenen Juni die ersten 13 Pappeln fielen und wegen angeblicher Abrutschgefahr Bauzaun steht, bietet den Anblick eines Grünstreifens. Hier ist Charlottenburg zuständig, und an dieser Stelle sei darin erinnert, dass die Bezirke seinerzeit, als jener Unterhaltungsplan beschlossen wurde, trotz mehrfacher Einladung keine Vertreter entsandten und sich nun offensichtlich auch nicht an seine Vorgaben gebunden fühlen.

Dr. Endler von KUBUS hat übrigens beim WSA beantragt, am Einsteinufer Aufgrabungen zur Erkundung der Wurzelverläufe sowie Bodensondierungen durchführen zu dürfen, wogegen Jörg Augsten keine Einwände hat, während noch das Benehmen mit dem Grünflächen- und Tiefbauamt Charlottenburg hergestellt werden muss.