Was ist bloß mit den Grünen los?

Wenn schon weder „Stadtbalkon“ noch „-fenster“, denn halt eine Treppe statt der Bäume

Bautzener Platz braucht keine Grün-Anbindung auf Kosten des Grüns!

[Update 26.4.: Die Abstimmung in der gestrigen TempelSchöner BVV ging sehr knapp 27:25 Stimmen für die Bautzener Treppe und gegen die Interessen der überwiegenden Mehrheit der Anwohner- und BürgerInnen am Erhalt der wertvollen Böschungsvegetation und ihres grünen Wohnumfelds aus. − Ein bündnisgrüner Bezirksverordneter hat gegen diesen unsinnigen Treppenbau gestimmt, mehrere aus der rot-grünen Zählgemeinschaft haben sich enthalten, und dies hätten sicher auch noch weitere getan, wären sie nur ausreichend informiert gewesen über die wenigen einvernehmlichen Ergebnisse eines völlig unzureichenden Partizipationsprozesses . − Sehr schade: Wieder ein Sieg des Betons über Bäume, Bürgerwillen und jahrelanges Engagement für den Schutz unserer Stadtnatur.]

Als das Planungsbüro Thomanek Duquesnoy Boemans Landschaftsarchitektur (TDB) in einem der sogenannten Werkstattgespäche zu Schöneberger Schleife und Nord-Süd-Grünzug seine Planung eines „Stadtbalkons“ am Bautzener Platz vorstellte, war die Ablehnung von Seiten der AnwohnerInnen aus unterschiedlichen Gründen weitestgehend einhellig.

Eins der wichtigsten Argumente war der Erhalt des restlichen, 2008 aus (damals) unerfindlichen Gründen schon arg ausgelichteten Baumbestands sowie der wertvollen Böschungsvegetation. Der Kompromiss-Vorschlag eines „Landschafts-„ oder „Stadtfensters“, um, wie es der Leiter des Planungsamts, Siegmund Kroll, seinerzeit formulierte, den „Höhenversprung zur Teltower Platte erlebbar“ zu machen und (natürlich) Sichtbeziehungen zu schaffen, wurde, da es auf Rodung eines Großteils der Vegetation hinausliefe, ebenfalls abgelehnt.

Außerhalb der „Werkstatt“ sprachen sich zudem insgesamt rund 150 AnwohnerInnen mit ihrer Unterschrift gegen diese Art Umbau ihres Wohnumfelds aus. − Entsprechend beschloss nach vorangegangenem Hin und Her im Stadtplanungsausschuss die TempelSchöner BVV in ihrer 57. Sitzung am 31.8.11, auch das „Bautzener Fenster“ zu schließen.

Beschlusslage soll ohne Not revidiert werden

Umso mehr sind viele engagierte AnwohnerInnen aus der Bautzener jetzt irritiert und alarmiert, dass sich auf Betreiben von Bezirksverordneten ausgerechnet aus der bündnisgrünen Fraktion (die sich in der vergangenen Legislatur auch schon für den „Stadtfenster-Kompromiss“ stark gemacht hatten) in der BVV am kommenden Mittwoch (25.4.) ein Antrag abgestimmt werden soll, wonach nun wenigstens eine knapp zwölf Meter breite Treppenanlage in die Böschung betoniert werden soll, um neu entstehende Grünfläche und Spielplatz noch besser zu erschließen, oder um, wie es im Titel des Antrags heißt, die „Anbindung der Grünfläche östlich der Bautzener Straße über eine Treppe [zu] sichern.”

Treppen alle dreißig fünfzig Meter?

Damit wird der völlig irreführende Eindruck erweckt, als ob ohne diese steile Treppe (die immerhin etwa sieben 3,30 m Höhenunterschied überwinden muss, um unten auf einen Radweg zu münden), die Grünanlage von der Bautzener Straße aus überhaupt nicht erreichbar wäre, wo doch nur sechzig Meter weiter südlich Richtung Monumentenbrücke ebenfalls eine Treppenanlage geplant ist, dreißig [oder sind’s gar fünfzig?] Meter weiter nördlich etwas oberhalb der Großgörschenstraße aber ein ebenerdiger Zuggang behindertengerecht und familienfreundlich ins Grüne führen wird. [Sorry! Hier war uns was durcheinander geraten, sollte jetzt aber stimmen. − Vgl. auch hier.]

Alleingänge

Bei einer kürzlich durchgeführten spontanen Umfrage eines einzelnen Anwohners, der übrigens an den Werkstattgesprächen nicht teilgenommen und den einschlägigen Ausschusssitzungen nicht beigewohnt hat, also vielleicht über Diskussionsstand und nähere Planungsdetails unzureichend informiert war und deshalb auch die rund sechzig von ihm Befragten über die nahen alternativen Erschließungen im Unklaren ließ, konnte er nun rund fünfzig Unterschriften für die Treppe vorweisen und der BVV-Fraktion der Grünen präsentieren, was diese in ihrem Entschluss, den erwähnten Antrag zu stellen, natürlich nur bestärkte. Da die Erläuterung der Fragestellung jedoch unvollständig war, darf man getrost von einer Suggestivbefragung sprechen, und nachträglich aufgeklärte AnwohnerInnen sollen ihre Unterschrift zwischenzeitlich auch schon widerrufen haben.

Schon im Vorfeld zur oben erwähnten Stadtplanungsausschuss- bzw. BVV-Sitzung war versucht worden, die örtliche KITA zu instrumentalisieren und zu suggerieren, der Treppenabgang sei besonders für die Kinder wünschenswert. Dem widersprach allerdings der Leiter der Einrichtung, insofern sie zum einen über einen eigenen Spielplatz verfügt, zum anderen aber überhaupt nichts dagegen spräche, dass Kinder auch mal bisschen laufen. Den 60m-„Umweg“ bewältigen sie in weniger als einer Minute, und vielleicht können die Kleinen schon unterwegs Interessantes beobachten und erleben…

Nachdem sich mittlerweile bei den BefürworterInnen der Treppe herumgesprochen hat, dass die Repräsentativität ihrer Spontanumfrage angezweifelt wird, haben sie nun die MitbewohnerInnen ihres Hauses am Bautzener Platz offenbar zu einer konzertierten Mail-Kampagne an die BzV aller Fraktionen sowie an VerwaltungsvertreterInnen veranlasst, mit der Forderung eines „direkten“ Abgangs auf die neue Grünfläche.

Zugleich hat der Initiator des bewussten Antrags, Jörn Oltmann, diesen dahingehend modifiziert, dass die Bestandsvegetation auf dem jeweils 4,19 m breiten Bereich zu beiden Seiten der 3,59 m breiten Treppe vollständig zu erhalten und noch zu ergänzen sei, d. h. per saldo komme dann nicht weniger, sondern mehr Vegetation heraus; auch alle verkehrssicheren Bäume sollen erhalten werden, und die Notwendigkeit, nicht mehr standsichere zu fällen, sei ganz unabhängig vom Treppenbau zu sehen. Die 20.000 EUR für das Vorhaben veranschlagte Kosten aber seien für die SteuerzahlerInnen ausgesprochen moderat.

Keines der Pro-Treppe-Argumente stichhaltig!

Dazu ist zu sagen, dass die Annahme, der standsichere Bau einer solchen Treppenanlage lasse irgendetwas von der benachbarten Vegetation übrig, überaus naiv ist, schon nach den aktuellen Erfahrungen auf dem Gleisdreieck oder noch aktueller auf dem sog. Flaschenhals. Die involvierten Firmen haben vielfältig nachgewiesen, dass sie nicht in der Lage sind, behutsam mit dem Vegetationsbestand umzugehen, für dessen Wertigkeit ihnen jedes Verständnis abgeht. Von dem, was der Treppe selber zwangsläufig geopfert würde, ist auch gar nicht erst zu reden. Und wenn es heißt, die Bestandsvegetation würde ergänzt, es werde nachgepflanzt, so müssen wir wiederholen, dass eine Böschung für irgendwelche Baumschulenware denkbar schweres Terrain ist und bspw. die DB weiter südlich schon dreimal vergeblich versuchte, entlang eines Bahndamms Kompensationsbäumchen hochzubringen. Die ökologisch und naturschutzfachlich eigentlich wertvolle Vegetation gerade an Bahnböschungen ist eben drum die dort vorfindliche, die sich autonom anpassen und entwickeln konnte, und eben nicht das künstlich Nachgepflanzte!

Auf dem TDB-Lageplan heißt es: „vorhandene Spundwand im Bereich der Treppe wird eingekürzt und verfüllt, die Standfestigkeit der Bestandsbäume ist daraufhin zu prüfen!“ − Die Verkehrssicherheit der Bäume wird also erst nach der Baumaßnahme geprüft (mit absehbaren Ergebnissen), ist jedenfalls mitnichten unabhängig vom Treppenbau zu sehen. Verschärfend kommt hinzu, dass unter solchen Randbedingungen gemeinhin nur immer weniger Einsicht in den hochkomplex entwickelten, ungeheuer flexiblen und anpassungsfähigen Organismus Baum bewiesen wird, wenn ihm z. B. schon bei Schrägstand oder Standort auf abschüssigem Gelände umgehend mangelnde Verkehrsicherheit attestiert wird. Hier bedarf es in den allermeisten Bezirken dringend regelmäßiger Fortbildung in Sachen Baumkontrolle [und -pflege sowieso]! − Andererseits scheinen alle tapferen Senatsinitiativen von Landschafts- und Artenhilfsprogramm, von Strategien zur Stadtlandschaft bis zum Schutz der natürlichen Vielfalt im Handumdrehen Makulatur, wenn es gilt, Fördermittel in Beton, Asphalt, Parkmöbel, Spielgeräte und Gartenbauprodukte zu verwandeln.

Wenig Einsicht in natürliche Wertigkeit

Kurz: das, was an Vegetation in solch einen, für den Biotopverbund hoch bedeutsamen Böschungsbereich gehört und ihn zum wertvollen Habitat für spezialisierte, immer seltener werdende Arten von Flora und Fauna qualifiziert, ist schon da, künstlich jedoch nur sehr arbeits- und kostenaufwendig und, wie gesagt, unter vielen Rückschlägen halbwegs zu imitieren.

Und wo wir schon bei den Kosten sind: für 20 TEUR ist so eine Anlage sicher nicht zu haben, doch auch die wären zum Fenster hinaus bzw. die Treppe runter geworfen, denn sie ist absolut überflüssig; die Kollateralschäden aber sind erheblich!

Wozu Partizpation?

BürgerInnenbeteiligung soll insbesondere dem sozialen Frieden dienen, Konflikte sollen dadurch bearbeitet und einvernehmlich gelöst werden, dass zuvörderst ein gleichberechtigter, vertrauensvoller Umgang der Beteiligten untereinander erreicht und gewährleistet wird; partizipative Planung soll die breite Akzeptanz ihrer Ergebnisse durch ihre transparente und rationale Nachvollziehbarkeit fördern. All dies ist im sog. Werkstattprozess zum Stadtumbau-Projekt Nord-Süd-Grünzug bekanntlich nicht ausreichend gelungen. − Dennoch erreichte Lösungen sofort wieder in Frage zu stellen, sobald Einzelne vorpreschen, die leider versäumten, ihre Interessen und Bedürfnisse beizeiten zu artikulieren und zur Diskussion zu stellen, sich offenbar auch nicht die Mühe machten, den inzwischen doch wenigstens einigermaßen dokumentierten Diskussionsstand zur Kenntnis zu nehmen, sondern statt dessen, aus welchen Motiven auch immer, mal eben auf eigene Faust „Politik machen“ wollen – diesem Vorpreschen zu willfahren, kann nur kontraproduktiv sein und das wenige an erreichtem Konsens wieder in Frage stellen.

Wir möchten deshalb die bündnisgrüne Fraktion in der BVV von Tempelhof-Schöneberg dringend bitten, auch ihren überarbeiteten Antrag noch einmal zu überdenken.

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20 Kommentare

  1. Anwälte der Natur said,

    24. April, 2012 um 9:27

    Hallo, geht’s noch???

    Die Diskussion um die zusätzliche Treppe erinnert stark an die Auseinandersetzung im Zusammenhang mit dem Gleisdreieckpark, als es darum ging, einen dritten Betonweg durch das sogenannte Wäldchen zu verhindern. Das Architektenteam Loidl, GRÜN BERLIN und die Senatsverwaltung wollten auf einer Strecke von ca. 250 Metern unbedingt eine zusätzliche Schneise durch das sensible Wäldchen schlagen.

    Verhindert haben es schließlich die Bezirksverordneten von Friedrichshain-Kreuzberg, die sich gegen die Betonsschneise ausgesprochen haben. Die Grünen haben noch einen draufgesetzt und einen Antrag bei der Senatsverwaltung wegen Landschaftsschutz gestellt. Pikant: Die Architekten haben an der Stelle, wo der dritte Weg gebaut werden sollte, einen Zugang bis an die Baumgrenze des Wäldchen bauen lassen, in der Hoffung, dass ihre Betontrasse eines Tages doch noch realisiert wird!

    Auch eine Bahnböschung ist ein ökologisch sensibles Gebiet, auf schwierigem Gelände hat sich in Jahren eine Vegetation durchgesetzt, die an die Bedingungen dort ideal angepasst ist (z.B. an die Trockenheit).

    Von daher unser Appell an die Bezirksverordneten von Tempelhof-Schöneberg: Verzichten Sie auf die zusätzliche Treppe und geben der Natur den Vorzug!

  2. Kathrin said,

    24. April, 2012 um 10:00

    Was mit den Grünen los ist, fragen wir uns seit dem hier in der Eylauer zwei sehr fragwürdige Baugenehmigungen erteilt worden sind auch ständig! Man muss sich dafür einfach nur mal das Zitat von Fr. Dr. Klotz auf der Zunge zergehen lassen:
    „Ich habe nicht die Möglichkeit, jemandem, der es besitzt, die Möglichkeit zu verwehren, dort etwas zu bauen. Diese Möglichkeit habe ich nicht und ich muss auch sagen selbst wenn ich die Möglichkeit hätte, ich fänd sie auch nicht richtig.“

    So wie die Grünen sich im Bezirk T./S. verhalten fragen wir uns auch „ist diese Politik wirklich richtig“ !?

    • jürgen julius irmer said,

      24. April, 2012 um 22:26

      …ich habe im letzten jahr frau dr.klotz das ohr geschenkt, bei der eröffnung von einer boxhalle (ein metier von dem ich im gegensatz zu ihr `was von verstehe)+dachte,daß der „grün“-schwatz einen langsam grün im gesicht werden läßt.
      als (sehr) linker komme ich langsam besser klar mit bemühten konservativen, als mit diesen schauergestalten!
      (aber die „grünen“ zwitschern z.zt. auch naturgemäß langsam wieder ab…)…

    • 25. April, 2012 um 14:32

      Was mit den Grünen los ist, fragen wir uns seit dem hier in der Eylauer…

      Ich frage mich das schon seit ca. 1998 (Stichwort „Kosovokrieg“, Stichwort „Agenda 2010“, Stichwort „Atomkonsens“ u. v. a. m.).

  3. Doro said,

    25. April, 2012 um 12:57

    Als Anwohnerin habe ich von besagter Umfrage gar nichts mitbekommen, da es völlig intransparent lief – kein öffentlicher Aushang, keinerlei Infos.
    Die geplante Treppe ist grotesk überdimensioniert, und in Anbetracht der zwei sehr nahen Zugänge KOMPLETT überflüssig. Den bisherigen Charme des grünen Bautzener Platzes würde sie immens beeinträchtigen.

    • BaL said,

      25. April, 2012 um 13:23

      Hier noch nachgereicht, der Text der ominösen Unterschriftenliste:

      Anschluss des Bautzener Platzes an eine neu entstehende Grünfläche

      Im Rahmen des Stadtumbauprogramms West, sollen Grünflächen auf den östlich der Bautzener Straße gelegenen Brachflächen entstehen. Momentan wird darüber beraten, ob vom Bautzener Platz mittels einer Treppe ein direkter Zugang zu diesen Erholungsflächen entstehen soll. Dem offensichtlichen Vorteil „direkter Zugang“ stehen auch Bedenken (Eingriff in den bestehenden Grünbestand, mehr Besucher des Bautzener Platzes, Zugluft) entgegen.

      Für den politischen Entscheidungsprozess erscheint es daher sinnvoll, ein Bild von der tatsächlichen Meinung der Anwohnerschaft des Bautzener Platzes zu zeichnen.

      [Nun in Schriftfarbe rot:]
      Ich bin der Meinung, dass der Bautzener Platz mittels einer Treppe, welche den vorhandenen Grünbestand weitestgehend schont, angeschlossen werden soll:
      ———————————————
      Es folgen die Unterschriften…

  4. Esté said,

    25. April, 2012 um 14:30

    Liebe Stephanie,

    man merkt so richtig deine Wut….Ein bißchen würde ich aber rausnehmen, da dass sonst gerne gegen einen verwandt wird ! Etwa so :

    Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Nachbarn,

    von Politik verstehe ich nichts, das sei mal vorangesagt.

    Auch Politiker verstehe ich einfach nicht. Ich bin mir ganz sicher, dass es ein sehr schwerer Beruf ist, denn man muss es der überwiegenden Menge recht machen aber man muss ebenso nach Gesetzen gehen. Solche „Gesetze“, nennen wir es Beschlüsse, sind einfach in sträflicher Weise gebrochen und übergangen worden!

    Frage an die „straffällig Gewordenen“, wie wieweit wollt Ihr es denn noch treiben? Also ich als rechtschaffener Bürger finde mich so ganz allmählich in einer Burnout-Situation wieder, wenn ich jetzt auch noch über Euer Tun und das der Behörden und Ämter wachen muss!
    Die heimliche langsam vorangetriebene Rodung des Grünstreifens in der Bautzenerstraße habe ich wohl zur Kenntnis genommen, dies war ursprüngliche Natur mit wohlduftenden und bunt blühenden Büschen und kräftigen gesunden Bäumen. Der eigentliche Grund dafür, dass ich in den Bautzenerplatz gezogen bin.

    Und ich war am Anfang als ich hierher zog sogar davon überzeugt, dass man Veränderung ruhig zulassen darf was die Verschönerung und die Begrünung angeht.

    Ich war der Meinung, dass man zur heutigen Zeit sehr viel dazugelernt hat, was Stadtbegrünung mit Beachtung von Umwelt und Naturschutz angeht. Ich werfe Euch heute die Missachtung des Umwelt- und Naturschutzes vor, der leider nicht einklagbar ist ! Sonst würde ich es tun !

    Berlin der 25.04.12

  5. Leonie said,

    25. April, 2012 um 18:33

    Ach, die Grünen! Ein Trauerspiel!

    Ich wundere mich auch immer mehr über den strahlenden grünen Medienstar Herrn Ströbele, der zwar ein super Oppositionspolitiker ist, der aber in seinem eigenen Wahlkreis das, was schief läuft gern ganz primitiv auf „die Verwaltung“ schiebt, als ob nicht u.a.ein grüner Bezirksbürgermeister in Friedr.- Kreuzberg regieren würde. Hat er einfach keine Lust, sich damit zu befassen, was seine Partei in seinem Wahlkreis so verzapft? Im Fernsehen zu sein ist natürlich schöner.

    In Bezug auf den Fiskalpakt/Schuldenbremse/Finanzpolitik sind die Grünen viel zu schlecht im Bundestag. Auch die Hartz IV-Betroffenen sind ihnen immernoch egal. Da hat sich nichts geändert, seit sie dieses Armutsschaffungsgesetz zusammen mit der SPD eingeführt haben. Die Zwangsumzüge, von denen Hartz IV-Betroffene wegen der vom Berliner Senat beschlossenen viel zu geringen Mietzahlungen zunehmend betroffen sind, sind den Grünen offenbar auch egal.
    Das ist eben nicht ihre Klientel. Obwohl immer mehr AkademikerInnen und HandwerksmeisterInnen etc., also sehr gut ausgebildete Leute, betroffen sind. Aber sich damit zu befassen haben die Grünen wohl auch keine Lust. Ich verstehe überhaupt nicht, was am angeblich existenten linken Flügel der grünen links sein soll. Was ist denn an denen links???

    Und im Wahlkampf behaupten die Grünen, ohne rot zu werden, jemand wie Frau Künast sei „sozial und gerecht“.

    Die Grünen sind verlogen und unsympathisch. Ihre Umweltschutzpropaganda, hinter der erfahrungsgemäß absolut keine Substanz steckt, ist einfach unerträglich! Das merken auch die Leute in Stuttgart unter Ministerpräsident Kretschmann (Grüne).

    Kein Wunder, dass die engagierten Leute verstärkt zur Piratenpartei abwandern bzw. die Linkspartei wählen. Letzterer fällt wenigstens Alternatives zur Finanzkrise ein. Z.B. die Reichen massiv zu besteuern –
    da sind die Grünen viel zu neoliberal für. Die Grünen hatten schließlich gemeinsam mit Kanzler Schröder (SPD) im Interesse der Reichen und der Banken etc. den Finanzmarkt dereguliert. Deshalb haben wir jetzt die unendliche Finanzkrise, für die hunderte Milliarden Euro Steuergelder rausgeschmissen werden, anstatt u.a. die Banken selbst zahlen zu lassen.

    Vielen Dank auch, Grüne!
    Am besten ihr löst euch auf, anstatt weiter die Umwelt und den sozialen Zusammenhalt zu ruinieren, sobald ihr irgendwo mitregiert!.

  6. Doro said,

    25. April, 2012 um 20:15

    Auch die Stuttgarter S 21 – GegnerInnen sind übrigens schwer enttäuscht von den Grünen, die sie in ihre Landesregierung gewählt haben, – auch wegen Baumfällungen. Hier ein Offener Brief vom Februar:

    „lieber winfried kretschmann / liebe grüne in der landesregierung

    wir haben oft mit euch zusammen / hier gestanden / mit euch / gegen stuttgart 21 gekämpft / auf dem schlossplatz / vor dem bahnhof / am nordflügel / im schlosspark.

    und immer war uns allen unausgesprochen klar / dass es um mehr geht / als um das verhindern des sinnlosen projekts s21.
    es ging uns um eine verantwortungsvolle / soziale / politische und ökonomische gestaltung von zukunft / um die vision einer anderen politikausübung / um eine andere sicht auf gesellschaft / die sich nicht ausschließlich an materiellem orientiert.
    wir wollten gemeinsam / die strukturen unserer repräsentativen demokratie verändern / und es ging uns konkret / um das zukünftige gesicht stuttgarts / um einen neuen / fairen und intelligenten politikstil.

    und als wir / die widerstandsbewegung gegen s21 / die kritisch-aktive bürgerschaft dieser stadt und dieses landes / euch mit an die macht gebracht haben / schien vielen unter uns / ein wichtiger schritt in eine veränderte republik getan.

    wir müssen nun erkennen / dass wir uns getäuscht haben / seit mittwoch morgen werden hinter absperrzäunen mit sichtschutz / stuttgarts alte bäume gefällt.
    die verantwortlichen für dieses unnötige zerstörungswerk / sind immer wieder benannt worden / dass sie / winfried kretschmann / nun in einer reihe mit mappus / grube / ramsauer und anderen technokraten gestellt werden / das ist folgerichtig und konsequent / und das haben sie sich auch selber zuzuschreiben! (…)“

    Weiter geht es hier:
    http://www.parkschuetzer.de/blog/503

    • DORO 2 said,

      25. April, 2012 um 21:31

      Ich bin sozusagen Doro 2 (d.h. nicht dieselbe Doro wie da oben)

  7. Für Ökoklima said,

    25. April, 2012 um 20:48

    25.April 2012. Heute ist der Tag des Baums.

    Seit Jahren kämpfen Bürgerinitiativen bundesweit im unabhängigen Netzwerk „Bürger für Bäume“ für den Erhalt von Bäumen:
    http://buerger-fuer-baeume.com/5vor12.aspx

  8. Insel said,

    26. April, 2012 um 15:39

    Zunächst einmal: Bloß weil die Treppengegner besonders laut waren auf den Veranstaltingen und besonders lange geredet haben, heißt das nicht, dass sie in der Mehrheit waren. Ich kann mich nicht an eine Abstimmung erinnern. Zum zweiten: Partizipieren heißt auch, andere Meinungen zuzulassen. Mit dem Totschlagargument, das ist alles Unsinn, ist das wohl nicht zu erreichen. Vielleicht gibt es eben doch Anwohner, die dort eine Treppe wünschen. Mit etwas Kompromissbereitschaft würdet ihr bestimmt mehr erreichen. Jedenfalls mehr als mit diesen ewig langen Litaneien, die von ideologisch verbrämten Versatzstücken nur so triefen. Damit gewinnt Ihr keine Anhänger für Eure eigentlich gute Sache, schon gar nicht bei den Anwohnern!

    • Doro said,

      5. Mai, 2012 um 21:18

      Liebe_r „Insel“,

      mit „Vielleicht gibt es eben doch Anwohner, die dort eine Treppe wünschen“ skizzieren Sie höchst treffend die Aussagekraft der sogenannten Anwohnerumfrage. Unterschriften Pro-Treppe wurden zu einem Großteil durch die Fehlannahme bzw. Lüge generiert, ohne diese Treppe werde es für den Bautzener Platz keinen nahen Zugang geben. Andere Anwohner wiederum hatten überhaupt keine Gelegenkeit, teilzunehmen, denn es gab keinerlei allgemein zugängliche Bekanntmachung darüber, dass eine Umfrage stattfindet. Wohingegen auf die früheren Anwohnerbefragungen stets mit großzügiger Vorlaufzeit durch Aushänge hingewiesen worden war. Sehr merkwürdig, und absolut unseriös.
      Diese Umfrage in die Rechtfertigung eines BVV-Antrages einfließen zu lassen, wie seitens der Grünen geschehen, bedeutet puren Hohn auf echte Bürgerbeteiligung. Ich hoffe, die vielen BVV-Mitglieder, die dies erkannt haben, finden Wege, einer echten Bürgerpartizipation zur Geltung zu verhelfen.

  9. textbauer said,

    26. April, 2012 um 16:00

    Dass in der angesprochenen Umfrage nicht alle Argumente der Gegner aufgeführt wurden, kann ich allerdings verstehen, ich erinnere mich lebhaft, dass bemängelt wurde, dass Verbrechern ein Fluchtweg geschaffen würde und Kinder die Treppe runterfallen könnten…
    Aber mal ehrlich: Warum wird eine gefühlte Mehrheit auf den Werkstattgesprächen (keine Zählung!), bei denen viele keine Anwohner waren, als Argument angeführt, eine Umfrage aber als nicht reräsentativ abqualifiziert? Wie könnte auch eine Einzelperson so etwas bewerkstelligen. Es ist eher zu begrüßen, dass sich jemand wirklich engagiert, auch wenn das anderen nicht in den Kram passt. Sieht so die Partizipation aus, wie Ihr sie Euch vorstellt? Dann danke, darauf könnte ich getrost verzichten.

    • E.A. said,

      26. April, 2012 um 20:28

      Jörn Oltmann schreibt, „Das Stadtfenster am Bautzener Platz wurde durch BVV-Beschluss abgelehnt, der Bau einer Treppe jedoch nicht.“
      Ist es nicht so, dass beim Treppenbau eine mehr oder weniger große Schneise in die Vegetation geschlagen wird, so dass man hinterher vielleicht kein Stadtfenster, sondern ein mehr oder weniger breites Stadttor am Bautzener Platz hat?

    • HS said,

      27. April, 2012 um 13:32

      Lieber Textbauer,
      es ist Ihnen unbenommen, die Treppe ganz Klasse zu finden.
      Aber worauf bauen Sie Ihren Text auf?
      Sie waren also bei den sog. Werkstattgesprächen dabei.
      Ich auch.
      Haben Sie mehr gehört oder gesehen als ich?
      Ich hörte und sah nur Verwaltungsmitarbeiter und Planer, die den Bürgern ihre schöne Planung vorstellten.
      Einwände der Bürger wurden von ihnen zwar gehört, aber kaum und wenn, dann in homöopathischen Dosen berücksichtigt.
      Verantwortlich dafür war u. a. der damals zuständige Stadtrat der CDU, Herr Krömer.
      Wie das Schicksal es so will, war es aber die Fraktion der CDU, die sich am 25.4. mit einem eigenen Antrag an die BVV wandte und klar gegen den Bau der Treppe aussprach.
      Seltsamerweise auch unter Berufung auf den Bürgerwillen.
      Haben Sie dafür eine Erklärung?
      Allerdings hatten die Abgeordneten der CDU in der BVV auch noch eine andere Platte auf Lager als die Grünen, die sich in ihrem Antrag auf „52 zustimmende und 2 ablehnende Stimmen“ für den Treppenbau bezogen und dann als Argument u. a. noch „Es bedeutet einen kurzen Weg insbesondere für kleine Beine, die den Spielplatz schnell und sicher erreichen können“ anführten.
      Was jedem natürlich einsichtig ist, denn wer möchte „kleinen Beinen“ keine sicheren Wege gönnen? Blöd nur, dass einige wenige Meter weiter schon ein ebenerdiger Zugang zu dem Gelände existieren wird.
      Aber 50 m zu laufen, das irgendjemandem zuzumuten, das geht natürlich nicht.
      Dass bei den Grünen auch noch „Dabei soll der Grünbestand weitgehend geschont werden.“ im Antrag stand, war wohl kein Versehen, denn darauf zu verzichten, wäre ihnen wohl selber nicht ganz geheuer vorgekommen. Geschenkt.
      Ein BVV-Mitglied der CDU bezog in seinem Statement u. a. auch die Frage ein, ob denn der Bezirk die Treppe auch bauen würde, wenn er sie auch finanzieren müsste und kam folgerichtig zu dem Schluß: Aufgrund fehlender Gelder – nicht!
      Da hätte dann der von allen beschworene Bürgerwillen sowas von keine Rolle gespielt, dass auch bei 100% Zustimmung ALLER AnwohnerInnen nix aus diesem Projekt geworden wäre.
      Der Bürgerwillen hätte seine natürliche Begrenzung erfahren und (so ist zu hoffen) viele hätten es verstanden.
      Dass diese schöne, breite und am Fußende leicht verbreiterte Treppe nun mit Mitteln aus dem „Programm Stadtumbau West“ finanziert wird, das enthebt Sie/mich/uns natürlich profaner Fragen nach den Kosten und wer diese letztlich bezahlt.
      Denn Fördermittel – auch die aus dem „Programm Stadtumbau West“ – sind ja bekanntlich umsonst.
      Die gute Fee sitzt in Brüssel oder Berlin und wartet nur darauf, ihr Füllhorn hier oder da auszuschütten.
      Nun also über der Treppe an der Bautzener. Und welch‘ ein Glück für die Grünen, dass sie auch noch die Überbringer einer solch‘ guten Nachricht sein dürfen.
      Aus ihrer Begründung: „Die Grünfläche und der Spielplatz werden im Rahmen des Programms Stadtumbau West angelegt.“
      Die Grünen brauchen bei einem solchen Satz nicht einmal grün werden, weil sie ja schon grün sind, aber dass sie dabei als kompetente Haushälter nicht rot werden, das verstehe ich nicht.
      Sie?
      Sie fragen noch: „Wie könnte auch eine Einzelperson so etwas bewerkstelligen.“?
      Im Vertrauen als Antwort: Das schafft eine Einzelperson auch nicht!
      Auch zwei, drei, fünf, zehn ff. legen sich allzuoft die Karten, wenn sie etwas verhindern oder befördern möchten.
      Sie wissen es doch. Ich auch.
      Wenn das Netzwerk nicht stimmt, dann klappt das nicht.
      Wer zur Treppe wem und wie die Hand streckte oder das Händchen hielt, das zu erfahren wäre interessant.

      Aber Sie/ich/wir (alle) sollten nicht vergessen: Es passieren noch ganz andere Sachen. Noch viel schönere Geschichten.
      Nur böse Menschen interessieren sich für sie, erzählen und schreiben von ihnen, nennen sie und ihre Hintergründe beim Namen. Oder versuchen es zumindest.

      In diesem Sinne – schöne Tage!
      H.S.

      P.S.: Die SPD kommt bei all‘ meinem Geschreibsel mal wieder viel zu gut weg. Das weiß ich selber. Entschuldigung.

  10. 27. April, 2012 um 14:03

    […] lassen, sorgte in der  letzten BVV für explosive Stimmung. Der Landwehrkanal Blog hat dazu einen detaillierten Bericht erstellt. Wir als Nachbarn ärgern uns besonders darüber, da wir damals kurzfristig noch viele […]

  11. 28. April, 2012 um 15:58

    Die Grünen haben sich demontiert in Tempelhof-Schöneberg: Der Fraktionsvorsitzende Oltmann setzt sich gegen den Fachsprecher Hauschild aus. Auf welcher Basis? Ohne Sinn und Verstand. Weil er kann. Eine Treppe bauen, 3 Meter 90 breit, in ner Schneise von fast 12 Metern, für €20.000 kann er nicht. Das weiss er. Und belügt Anwohner, Bürger und Steuerzahler. Denn die €20.000 kommen aus Bundesmittel. Sie werden die Schneise schlagen und eine Ruine hinterlassen. Dann fragen sie nach Bezirksmittel zum Weiterbau. So nicht!

  12. Esté said,

    30. April, 2012 um 8:54

    Schön zu lesen, dass man bestätigt wird in der Empfindung, dass man belogen wurde und irgendwie hinterf…. übergangen als Anwohner und Steuerzahler. Also das Politik und Umweltschutz nicht zusammen geht habe ich schon immer vermutet und Grün als Farbe einer Partei in der Poltik zu wählen da hatte ich die Hoffnung dass die Farbe als Statement gemeint war, nun, das Vertrauen ist komplett hin!
    Die CDU hat überrascht, das muss ich schon sagen, scheinen zu mindest in Schöneberg Leute zu sitzen, die mit Geld und mit Mittelstandsbürgern doch umgehen können . Ich weiß nicht wer von den Anwohnern des Bautzenerplatzes für die Treppe war, bei allen Gesprächen bei denen ich dabei war, waren nur die für so etwas wie ein „Stadtbalkon“ die nicht direkt dort wohnen und davon waren nie genug in einer Anzahl vertreten, das da von einer Anwohner Mehrheit oder Bürger Mehrheit sprechen könnte. Ich finde das Loch das jetzt schon in den Grünstreifen der Bautzenerstrasse direkt am Bautzenerplatz gerodet wurde, klammheimlich, sieht schäbig aus und die Bänke die an den Brunnen gesetzt wurden als Ersatz der alten Bänke beleidigt mich als Anwohner und degradiert den Bautzenerplatz in ein „Sozielbauobjekt“ von verschönern kann wirklich keine Rede sein und eine Treppe also ein Öffnen des Gebüsches entlang der Bautzenerstrasse am Bautzenerplatz würde das Gefühl irgendwo an einer Autobahn in einem Sozialbau zu wohnen begünstigen.

  13. 26. März, 2014 um 23:26

    […] andere Baum gefällt werden muss, lässt sich sicher nicht vermeiden, auch wenn es z.B. im Fall der Bautzener Treppe schon weit auseinanderliegende Positionen […]


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