Die allerletzte Bürgerversammlung

Nord-Süd-Grünzug: Amt unterdrückt BürgerInnenvorschläge

Das Podium

Das Podium

Die PlanerInnen bekannten es freimütig ein und straften damit Baustadtrat Krömer (CDU), der gerade das Gegenteil behauptet und von Einarbeitung der Kritik und Anregungen der BürgerInnen schwadroniert hatte, tendentiell Lügen: „Wir haben unsere Planungen nur geringfügig verändert“, so Eva Mühlbauer vom Atelier Loidl und Eva-Maria Boemans vom Landschaftsarchitketurbüro Thomanek Duquesnoy Boemans (TDB) jeweils zu Beginn ihrer Präsentationen.

Das vierte Werkstattgespräch im November 2010 hatte Bernd Krömer, im Nebenjob Generalsekretär der Landes-CDU, vorab selbstherrlich als das letzte deklariert, eine von insgesamt elf Initiativen unterzeichnete kritische Resolution, die dagegen protestierte und die endliche Aufnahme echter Bürgerbeteiligung forderte, unbeantwortet gelassen, ebenso wie übrigens auch die gleichfalls adressierte Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer,  die anlässlich eines Wahlkampfspaziergangs sogar öffentlich eine Antwort in Aussicht gestellt hatte.

[Beachte auch den Nachtrag am Schluss!]

Untaugliches Beteiligungsformat

Engagierte BürgerInnen hatten sich jedoch nicht nur intensiv Gedanken über Alternativen zu den Natur zerstörenden Rampenplanungen, Wegeführungen, Vegetationsauslichtungen etc. gemacht, sondern auch fraktionsübergreifend auf die TempelSchöner Bezirksverordneten einzuwirken versucht, bis sich schließlich das Bezirksamt angesichts entsprechender BVV-Anträge zur Anberaumung dieser fünften Bürgerversammlung bequemte. Die firmierte nun aber wieder als „Informationsveranstaltung“ zum Sachstand und fand im Frontalunterrichtsformat und ohne wenigstens formal unabhängige Moderation statt.

Auf dem Podium saßen neben dem Baustadtrat nur noch Umweltstadtrat Oliver Schworck und der Leiter des Stadtentwicklungsamts, Siegmund Kroll (beide SPD). Manfred Sperling vom Fachbereich Planen und etliche Mitglieder aus Verwaltung und Politik hatten sich unters Publikum gemischt, so dass man allenfalls von drei Dutzend gemeinen BürgerInnen sprechen konnte. Krömer, der immer wieder zum Schweinsgalopp durch die völlig überfrachtete Tagesordnung antrieb, ließ keinen Moment Zweifel daran, dass für ihn der Beteiligungsprozess längst beendet und die Planungen zum Grünzug − noch vor Beratung im Ausschuss und Entscheidung in der BVV − unabänderlich und beschlossen seien.

Konstruktive Kritik, Alternativen − unerwünscht!

Das Publikum

Das Publikum

So gut wie jeder kritische Beitrag von BürgerInnnenseite wurde als störende Einmischung behandelt. Als bspw. die sich seit langen Jahren für ihr Wohnumfeld in der Bautzener Straße engagierende Marlies Funk von der AIF dafür plädierte, an einem ohnehin schon ausgelichteten Abschnitt zwischen Monumenten- und Kolonnenbrücke eine gewendelte Rampenkonstruktion zu errichten, um auf diese Weise so wenig wie möglich den dichten, wertvollen, von den AnwohnerInnen geliebten Böschungsbewuchs zu zerstören, und dabei etwas ausholte, wurde ihr dies von Krömer, der praktischerweise auch gleich den Diskussionsleiter machte, als „Unverschämtheit“ gegenüber den anderen auf der Rednerliste angekreidet, ihr Vorschlag aber mit Hinweis auf nötige Stützmauern, die einen noch größeren Eingriff bedeuten würden, lapidar als undurchführbar abgefertigt.

Der Gipfel aber war erreicht, als Krömer die Veranstaltung für beendet erklärte, bevor ein Mitglied der AG Gleisdreieck, dem im Vorfeld zugesichert worden war, seine bereits im November 2010 vorgelegte Alternative zur Rampenführung ebenfalls präsentieren zu dürfen, Gelegenheit dazu bekommen hätte. Weit über die Hälfte des Publikums hatte die Aula der Robert-Blum-Oberschule bereits verlassen, als der Quartiersrat im QM Schöneberger Norden, Matthias Bauer, sich kurzerhand selbst das Wort erteilend, dennoch an Pult und Notebook trat und professionell seine Lösungsvariante freistehender, nördlich an die Monumentenbrücke andockender Rampenbauwerke präsentierte, welche Rad- und RollifahrerInnen nicht wie die sinnlos Grün fressende TDB-Variante zu einem Hindernisparcours samt Überquerung der verkehrsreichen Monumentenstraße nötigt, sondern komfortabel Beibehaltung oder Änderung der Bewegungsrichtung im Grünzug ermöglichen, vor allem aber die naturschutzfachlich wertvolle und hochsensible Böschungsvegetation unangetastet lässt und überdies eine bessere Zugänglichkeit des S-Bahnhofs Yorckstraße von Süden her bietet. [Siehe auch hier.]

Siegmund Kroll dankte zwar artig für den konstruktiven Vorschlag, versicherte, er sei im Bezirksamt auch intensiv diskutiert, dann jedoch leider verworfen worden, da seine Realisierung teilweise Privatgrundstücke beanspruche. Dabei kann es sich nur um die sog. Bautzener Brache handeln, deren Käufer sich doch bereits beim Einräumen öffentlichen Wegerechts (auf die Yorckbrücke 5 Richtung Gleisdreieckpark) über sein 2010 erworbenes Grundstück konziliant gezeigt hat. Das Argument ist also definitiv vorgeschoben, doch auch auf Nachfragen rückten weder Kroll noch Krömer mit der Sprache heraus.

Es gab und gibt keine echte Partizipation!

Maßnahmen 2007

Maßnahmen 2007

Wir erinnern uns: Nach langem Drängen der Opposition hatte sich das Tempelhof-Schöneberger Bezirksamt 2010 schließlich doch noch zur derzeitigen Selbstverständlichkeit und im Übrigen gesetzlich vorgeschriebenen BürgerInnenbeteiligung an der Planung des Nord-Süd-Grünzugs bequemt und dem Flaschenhalspark, der Schöneberger Schleife und dem Nord-Süd-Grünzug insgesamt vier sogenannte Werkstattgespräche gewidmet.

Maßnahmen 2010

Maßnahmen 2010

Die Mittel entstammen dem Förderprogramm Stadtumbau West und kommen zur Hälfte aus Brüssel, zum Viertel vom Bund und zu je einem Achtel von Land und Bezirk. 76 Prozent oder acht Mio. Euro sind inzwischen verbraucht, so Siegmund Kroll, und ratterte routiniert wie auch schon in der Auftaktveranstaltung den bislang von der Verwaltung gestemmten Maßnahmen-Katalog ab dem Kalenderjahr 2006 in detailverliebter 1000€-Auflösung herunter, wovon das meiste im Netz nachzulesen ist [bis 2009 siehe auch hier].

Maßnahmen 2011

Maßnahmen 2011

Bis zur Torgauer- und Ebersstraße im Süden, der Erweiterung des Leuthener Platzes sowie der kurz vor Vollendung stehenden Brückenquerung der Dresdener Bahn sei man mit der Umsetzung gekommen, aber für den „Rückweg“ durch den Wannseebahn-Graben seien in den beiden verbliebenen Programmjahren bis 2015 jeweils Tranchen von fünf Millionen nötig, die voraussichtlich nicht bewilligt würden, so dass sich nicht alles Gewünschte auch realisieren ließe.

Zeitdruck und Verfallsdaten

Geplante Maßnahmen

Geplante Maßnahmen

Für die Schöneberger Schleife endet das Programm hingegen schon 2013 und was sich deshalb in diesem Beteiligungsverfahren von Anbeginn die ganze Zeit über stereotyp durchhält, ist insbesondere Krömers schon ritueller Hinweis auf den Zeitdruck, worunter es stehe, wenn nicht die beantragten Gelder „verfallen“ sollen. Der Stadtrat wiederholte dieses, der Ernsthaftigkeit und Produktivität jeder Partizipation völlig zuwiderlaufende Argument, für dessen etwaige Triftigkeit doch einzig die Verwaltung Verantwortung trägt, allein im Verlauf dieser einen Veranstaltung mindestens dreimal!

Ein weiteres, angesichts der Hinweise auf die fortbestehenden massiven Akzeptanzprobleme der Planungen bei den Betroffenen vorgebrachtes, nervtötendes Pseudo-Argument ist die alte Weisheit, wonach man „es nie jedem recht machen kann“. − Dringend sei an dieser Stelle Bernd Krömer und seiner Verwaltung eine wenigstens kursorische Lektüre wenigstens des Handbuchs zur Partizipation empfohlen, das die Senatsverwaltung kürzlich vorgelegt hat, und wo sich viele völlig zu Recht fragen, wer nun den wichtigsten Part übernimmt und die unstrittig darin versammelten guten Ideen und Anregungen „aktiv in die Verwaltung trägt“.

Vision des Nord-Süd-Grünzugs stammt von engagierten BürgerInnen!

An Krolls Ausführungen anknüpfend, referierte Manfred Sperling vom FB Planen über die Fortschritte bei der Realisierung der „Schöneberger Schleife“, und beantwortete sich die Frage, warum dies ein „Schlüsselprojekt“ sei, mit der „großen Vision einer Wegeverbindung für Fußgänger, Radler und Skater“ zwischen Potsdamer Platz und Südkreuz sowie in Ost-West-Richtung hinaus aufs Tempelhofer Feld. Deren Realisierung sei man mit der Erweiterung des Leuthener Platzes sowie der Brücke über die Dresdener Bahn, die 2,1 Mio. gekostet habe und noch 2011 eröffnet werden soll, ein ordentliches Stück näher gerückt. − Einmal mehr blieb es hier BürgerInnen vorbehalten, an die Vision einer Grüntangente und Grünvernetzung durch einen Nord-Süd-Grünzug zu erinnern, wofür sich Engagierte z. T. seit Jahrzehnten einsetzen, während Politik und Verwaltung lange Zeit eine Autobahn favorisierten.

Greenwashing zum Flaschenhalspark

Eva Mühlbauer vom Atelier Loidl betonte noch einmal, für den Flaschenhalspark gebe es nur Wege-, nicht hingegen Spielangebote und vergaß dabei − wen wundert’s? − das Attribut „künstlich“. Als Konsequenz der Ortsbegehung mit Sachverständigen aus dem Naturschutz werde der Fernradweg Berlin-Leipzig zugunsten eines wertvollen Trockenrasenbiotops etwas nach Osten und näher an die Museumsbahn verschoben. Der ruderale Stadtwald bleibe unangetastet. Ziel des Vegetationskonzepts seien „Erhalt und Förderung der Biodiversität und Artenvielfalt“. Niemand fragte nach dem Unterschied zwischen beiden Worthülsen.

Auf den Einwand, dass ein 5,10 Meter breiter asphaltierter bzw. betonierter, des Nachts aus Verkehrssicherungsgründen beleuchteter Weg den Wald massiv zerschneide und die Lichtverschmutzung nachtaktiver Fauna nicht eben zuträglich sei, also gar keine Rede davon sein könne, dass dieser einzigartige Naturraum „unangetastet“ bleibe, begegnete Kroll mit dem Hinweis, die Sache mit dem Licht lasse sich heutzutage technisch lösen. − Deshalb hier der offenbar nicht überflüssige Hinweis, dass auch sog. insektenfreundliche Lampen eine Form der Lichtverschmutzung darstellen und die Habitatsqualität eines Gehölzes für Vögel und Kleinsäuger empfindlich einschränken, und auch noch mal die grundsätzliche Anmerkung, dass ein sog. Fernradweg nicht durch einen naturnahen Park und schon gar nicht durch ein winziges Wäldchen geführt zu werden braucht.

Auf die Frage, eine wie große Fläche für die Rampenanlage am Haupteingang Yorckstraße, der bekanntlich jenen in den Gleisdreieckpark gegenüber „spiegeln“ soll, egal wie viel Bäume und Sträucher dieser einfältigen Symmetrie auch geopfert werden müssen, konnte Frau Mühlbauer nicht beantworten. Das Gelände sei doch ohnehin wegen der einstigen Fettgasanstalt metertief kontaminiert, und dann werde doch, wie es überall Leitgedanke scheint, nachdem zunächst restlos freigeräumt, abgeschoben und zerstört worden ist, alles wieder neu gepflanzt und viel schöner wiederhergestellt. Schließlich führt die landeseigene Grün Berlin GmbH im Auftrag des Bezirks das Szepter der Projektleitung. Und Bernd Krömer behauptete gar, die Gestaltung des Eingangs „haben wir doch gemeinsam beschlossen…“ − Die Frage an beide Planerinnen, ob angesichts der Erfahrungen mit dem Parkbau auf dem Gleisdreieck bei der Umsetzung in Flaschenhals und Schleife eine unabhängige ökologische Baubegleitung vorgesehen sei, wurde wenig überzeugend bejaht.

Zur Schöneberger Schleife

Bautzener Fenster

Bautzener Stadtfenster

Laut Eva-Maria Boemans von TDB hat ihr Büro drei Bereiche „überarbeitet“: Bautzener Platz, Öffentliche Spiel- und Sportflächen sowie die Rampenanlage. Gerade beim Thema Rampen tat sich seit dem „abschließenden“ 4. Werkstattgespräch im Hinblick auf die schon im dritten geäußerten Wünsche von BürgerInnen und Naturschutzverbänden [siehe Pinnwand] also wieder nichts.

Der Bautzener Platz soll jetzt über die Bautzener Straße hin zu einem zwanzig Meter breiten sog. Stadtfenster hin verlängert werden, das, dem „Landschaftsfenster“ des Künsterkollektivs Haus-Rucker auf der 6. documenta von 1977 nachempfunden, den Blick lenken(!) soll. Auf den Bau eines „Stadtbalkons“ wird verzichtet − offensichtlich unter Hintanstellung jeglicher Symmetrie zur Kreuzberger Seite vis-à-vis −, doch in Bezug auf Vegetationserhalt bzw. -zerstörung kommt’s aufs selbe raus.

In der Bautzener Straße seien Elemente der Verkehrsberuhigung denkbar − etwa eine Fahrbahnschwelle, was viele AnwohnerInnen lebhaft begrüßten −, während der Vorschlag, die Straße ganz für den Durchgangsverkehr zu sperren, nicht ernst genommen wurde. Stadtrat Krömer tönte jedoch unter Beifall: „Einen Schleichverkehr zum HELLWEG-Baumarkt wird es nicht geben!“ − hat sich mit demselben zwischenzeitllich also doch abgefunden.

Landschaftsfenster

Landschaftsfenster

Der Platz soll durch diese Neugestaltung eine sichere Verbindungs- und Scharnierfunktion erhalten, auch für die Kinder der Kitas in der Hochkirch- und Großgörschenstraße. Argumentation mit Kindern kommt immer gut, und so rief denn auch Christoph Götz, TempelSchöner Bürgerdeputierter der SPD, den KritikerInnen von Treppe und blicklenkendem Landschaftsfensters prompt zu, sie würden mit ihrer Ablehnung eine Chance des Nord-Süd-Grünzugs verbauen. [Zur Einschätzung der Veranstaltung aus SPD-Sicht siehe auch hier. − Richtigstellung: Der Autor des Blogs „Rote Insel“ hat nichts mit der SPD zu tun (siehe Kommentar). Wir entschuldigen uns für die Unterstellung!]

Die Ideen zur Gestaltung der Spielflächen, die an die Eisenbahn erinnern sollen,  als „Reise durch unterschiedliche Landschaftsbilder“ mit den Themen Meer und Strand, (Stangen-)Wald, Ruine, Gebirge (aus nachhaltigen Materialien mit verdeckten künstlichen Haltegriffen) etc. waren Frau Boemans sichtlich selbst nicht recht geheuer und muteten so disneyländlich an, das wir nicht näher drauf eingehen möchten. − Auch hier jedenfalls droht die Chance eines Spiel-, Abenteuer- und Naturerfahrungsbereichs zugunsten einer peinlichen Kulisse vertan zu werden. Und von wegen sozialer Kontrolle nützt alles Freiholzen nichts: die Spielfläche ist vom Bautzener Platz aus allenfalls auf Stelzen einsehbar.

Von der Erfahrbarkeit des topographischen Sprungs war indessen nicht mehr die Rede, doch soll eine nicht nur drei Meter breite Treppe aufs über sechs Meter tiefer liegende Parkgelände führen, sondern bis auf einige „erhaltenswerte“ Bäume der gesamte Baumbestand und Unterwuchs abgeholzt werden. Das sei doch ohnehin nur Spontanaufwuchs, sprich: ohne Landschaftsplaner- und -gärtnerInnen, behördliche Genehmigung und Steuergeldverausgabung gewachsen. Dass dies auf die Vegetation der Bahnbrache insgesamt zutrifft und Schlimmstes befürchten lässt, liegt auf der Hand. Eigendynamisch gewachsene Natur scheint diesem mentalitätsmäßig offenbar fest in den 1970ern verwurzelten PlanerInnen-Typus per se minderwertig.

Vegetationsbilanz

TDB-Vegetationsbilanz

Dass diese Vegetationsbestände ökologisch wertvoll sind, sowohl als Habitat einer Vielzahl von Buschbrütern, Kleinsäugern und Insekten wie fürs Kleinklima; dass sie eine eher unschöne Sicht auf Lidl und Lärmschutzwand verdecken und der angeblich freizurodende Panoramablick nur von der Monumentenbrücke aus möglich, dort aber längst gegeben ist; dass auf weniger als einem halben Kilometer keine drei Eingänge nötig sind; dass die steile Treppe für Kinder und Alte zumal bei Regen, Laubfall und im Winter eine Gefahr darstellen und sich gerade nicht mit der besseren Erschließung der neuen Spielmöglichkeiten im Grünzug begründen lässt; dass die Intimität des Bautzener Platzes durch diese Planung aufgebrochen und eher eine Durchgangssituation geschaffen wird − all diese Argumente konnten abermals nichts fruchten. Diskussionsleiter Krömer jedoch bemängelte, dass man sich in diesem Verfahren immer wieder an denselben Stellen verhake, erklärte deshalb die Diskussion für beendet und dürfte in BVV-Ausschuss und Plenum von breiter Zustimmung und einigen wenigen Unbelehrbaren berichten. − Wir sind deshalb gespannt, wie sich z. B. die CDU-Fraktion verhält, deren Mitglieder laut des im Publikum sitzenden Christian Zander ihr Abstimmungsverhalten von der Stimmung in dieser Informationsveranstaltung abhängig machen wollen. Der Bezirksverordnete seinerseits sorgte sich um Konfliktsituationen auf den Rampen infolge der unterschiedlichen Geschwindigkeiten von Rad- und z. B. Rollstuhlverkehr.

Quatiersrat M. Bauer

Matthias Bauer (QR + AGG)

Hinsichtlich des Biotopschutzes hat sich Frau Boemans zufolge, wie gesagt, nichts geändert: die Rampenanlage werde „so minimal wie möglich in die Böschung eingreifen“ und sei etwas verkürzt und nördlich Richtung Monumentenbrücke verschoben worden, um zwei Bäume zu erhalten, die dessen wert sind. So weit schon der Stand im November 2010. − Dass der Bau des monströsen Konstrukts so gut wie nichts von der Böschungsvegetation übrig lassen wird, räumte sie allerdings auf Nachfrage überraschenderweise ein. Dafür werde ja nachgepflanzt −, doch gerade an Böschungen ist dies ein sehr schwieriges, pflegeintensives Unterfangen und der Bahn AG bei Ersatzpflanzungen z. B. nahe Südkreuz mehrere Jahre hintereinander misslungen. Die Nachfrage, ob Fachmeinungen aus dem Naturschutz zu dieser Art der Rampenkonstruktion eingeholt worden seien, wurde verneint: das stehe noch aus. Als hätten nicht Vertreter des BUND während eines der früheren „Werkstattgespräche“ bereits unmissverständlich und nachdrücklich kritisiert, dass ein solches Ingenieursbauwerk nicht nur die ursprüngliche Böschung völlig zerstört, sondern in diesem sensiblen Bereich der Böschungskante für viele Kleintiere eine künstliche Barriere aufrichtet, wo es im Gegenteil um ökologische Durchlässigkeit und Grünvernetzung gehen soll! [Gäbe es gemeinsam verabschiedete und im Netz veröffentlichte Protokolle, die diesen Namen verdienen − so selbstverständlich wie unverzichtbar in Beteiligungsprozessen −, könnten wir darauf verlinken. Ergänzungen: Das wenigstens vom 3. Werkstattgespräch überlieferte Frage+Antwort-Protokoll enthält auf S. 5f. u.a. zumindest die Aussage: „Die Struktur der Vegetation und der Biotopverbund als Lebensraum für Laufkäfer und Vögel vor allem auch der Nachtigallen bleiben nach Angaben von Herrn Janotta erhalten (Büro Fugmann Janotta führte in 2008 die Biotopkartierung durch)“ − was auch immer das wert ist.  (Das „offizielle“ Protokoll der 2. Werkstatt. Siehe auch den fachlichen Kommentar zu den Behauptungen zur Biodiv im Flaschenhals. )] Aber Artenschutz und Biodiversität ist dieser Planerzunft nur Wortgeklingel. „Jedenfalls kann man feststellen, dass Null Phantasie angewandt wurde, um eine verträgliche andere Lösung zu finden!“, resümierte eine Engagierte.

Bewilligte Gelder müssen verbraucht werden

Alternativplanung zu den Eingängen Monumentenbrücke

Alternativplanung zu den Eingängen Monumentenbrücke von M. Bauer

Angesichts der Auskunft, dass der eingangs erwähnte Alternativvorschlag zur Rampenführung unabhängig von seiner möglicherweise besseren Funktionalität und Umweltverträglichkeit nur deshalb nicht mehr in Betracht käme, weil das Verfallsdatum der Fördermittel die Schaffung der Umsetzungsvoraussetzungen nicht mehr zulasse, erregte ungläubiges Staunen: „Dann wird also, anstatt die Mittel für ein Jahr zu parken, irgendeine schlechte Lösung umgesetzt, die überflüssig Natur zerstört, nur weil gerade Gelder dafür bereitstehen?!“, rief ein BfK-Mitglied. „Das darf doch nicht wahr sein!“

Bei der beabsichtigten denkmalgerechten Rekonstruktion des ehemaligen Luisenstädtischen Grünzugs (ELK) in Kreuzberg, die in der geplanten Form von der übergroßen Mehrheit der AnwohnerInnen abgelehnt wurde, war auf Grund der notwendigen Wiederaufnahme bzw. Optimierung des Beteiligungsverfahrens eine solche Fristverlängerung durchaus möglich gewesen und wurden keine in den Augen der Betroffenen mangelhaften Lösungen umgesetzt, nur weil sonst Steuermittel „verfallen“ wären. Die werden schließlich nicht verbrannt, sondern stehen für womöglich sinnvollere Planungen nach wie vor zur Verfügung.

Nachtrag: Fast vergessen − wenn auch längst getwittert 😉 :

Die BI Eylauer Straße im Viktoriakiez organisiert vor allem  für unsere vielen Gäste unentgeltliche Exkursionen zu einer ganz besonderen Attraktion, nutzte aber auch die oben geschilderte Veranstaltung, um eventuell selbst KommunalpolitikerInnen für ein zu Unrecht vergessenes Highlight zu begeistern!

Exkursion zum Monte Lompscher

Geführte Exkursion zum Monte Lompscher

Advertisements

9 Kommentare

  1. textbauer said,

    26. Juni, 2011 um 15:07

    Ich habe in dem ganzen Beitrag nicht einen positiven Satz gelesen – das hinterlässt wirklich einfach nur den Eindruck, grundsätzliche gegen alles zu sein. Die Anlagen bieten wirklich eine einmalige Chance auf neue Grünflächen, wonach sich andere Städte oder Bezirke alle Finger lecken würden. Man kann ja über Details diskutieren – aber so?!
    Übrigens habe ich nichts mit der SPD zu tun!

  2. Baumfee said,

    26. Juni, 2011 um 16:29

    Na logisch: Kreuzberger sind immer gegen alles! Aber im Ernst: Es besteht wirklich kein Anlass, diese Art von Beteiligung schön zu reden. Nicht mal mehr über Details kann noch diskutiert werden, die Diskussion wurde schon im November trotz vielfach widerstreitender Vorschläge bekanntlich für beendet erklärt. Es hat einiges gebraucht, wenigstens noch diese „Informationsveranstaltung“ bewilligt zu bekommen.

    Unabhängig vom Inhaltlichen geht es um den Nachweis, dass Bürgerbeteiligung in diesen Zeiten so nicht mehr gehandhabt werden kann.

  3. BaL said,

    26. Juni, 2011 um 19:51

    Das vermisste Positive in diesem Verfahren im Sinne von umweltverträglichen Modifikationen − und darum geht es uns vorrangig − wurde anlässlich unseres Berichts übers 3. „Werkstattgespräch“ gebührend gewürdigt −, doch es fiel gegenüber der von vielen AnwohnerInnen und den Vertretern der Berliner Naturschutzverbände geäußerten Kritik am Ausmaß der Eingriffe in die schützenswerte Ruderalvegetation, der Adaption an den Klimawandel etc. viel zu mager aus.

    Seither aber wurde die Planung weder en gros noch en détail unter diesen Kriterien optimiert, zugleich aber die Arbeit der „Werkstatt“ einseitig für beendet erklärt.

    Dies ist inakzeptabel und erfüllt nicht die mühsam genug erreichten Standards von Beteiligungsverfahren, wie sie in anderen großen Planungsprozessen längst anerkannt sind (um wie viel weniger die anzustrebenden!). Selbstredend werden diese Standards oft dennoch nicht eingehalten, aber der Diskussionsprozess darüber bleibt offen, bis ein Konsens erzielt ist, der sich prinzipiell auch erzielen lässt, wenn alle Argumente Für und Wider diskursiv geprüft und transparent im Hinblick auf die Interessen und Bedürfnisse der Betroffenen abgewogen werden.

  4. Grünspecht said,

    28. Juni, 2011 um 13:56

    Die vielen Millionen Euro Fördergelder, die die Bezirke bzw. das Pleite – Land Berlin stets aufs Neue erhalten, sind erfahrungsgemäß für die BürgerInnen meist eher Fluch statt Segen.

    Denn leider wird das viele, viele Geld regelmäßig nicht für eine zeitgemäße, ökologische klimaschutzgerechte Stadtentwicklungspolitik ausgegeben.

    Stattdessen wird möglichst viel und teuer umgestaltet / gebaut. Siehe Gleisdreieckgelände: Für über 14 Mio. Euro haben wir nun einen sterilen, seltsamen, hauptsächlich teuren (!) nahezu baumfreien Park als „Naturausgleich“ für die Bebauung des Potsdamer Platzes).

    Stets werden möglichst viele Aufträge an Planungs- und Baufimen vergeben, mit denen so manche/r Politiker/in sicherlich gut befreundet ist. Um welche Partei es sich hierbei handelt scheint eher gleich zu sein.

    (Im obigen Text steht.
    „Die Mittel entstammen dem Förderprogramm Stadtumbau West und kommen zur Hälfte aus Brüssel, zum Viertel vom Bund und zu je einem Achtel von Land und Bezirk. 76 Prozent oder acht Mio. Euro sind inzwischen verbraucht“)

  5. KG said,

    28. Juni, 2011 um 23:49

    Richtigstellung: „unentgeltliche Exkursionen“…Flyer

    Ein Spaßvogel hat uns die Flugblätter zugesteckt, wir haben diese nur mit verteilt. Exkursionen werden von uns noch nicht veranstaltet, wäre aber eine interessante Option;-)

    Danke für den sorgfältigen Bericht!
    Ein Werkstattgespräch, hätte von einem Forum begleitet werden müssen, für uns ist die Diskussion noch nicht abgeschlossen. Insbesondere die Rampenanlage auf unserer Seite macht uns Kopfzerbrechen. Wo kann ich online eine Skizze davon finden?
    Vielen Dank im Vorraus.
    Herzliche Grüsse aus der Eylauer Str.
    von Kathrin

    • BaL said,

      29. Juni, 2011 um 20:34

      Liebe Kathrin,

      in der offiziellen Dokumentation des 3. Werkstattgesprächs heißt es zwar auf S. 5 Mitte: „Fazit: Der Zugang mit Treppe und ein Mal geknickten Rampe mit behindertengerechtem Gefälle von der Monumentenbrücke / -straße in den Flaschenhalspark wurde von den Anwesenden grundsätzlich begrüßt. Ergänzt wird der Zugang um behindertengerechte Zwischenpodeste.
      Das Atelier Loidl wird den Eingang Monumentenbrücke so überarbeiten, das er den Anforderungen an einen behindertengerechten Zugang entspricht […]“ – doch uns muss die graphische Darstellung leider in beiden Folgeveranstaltungen entgangen sein. Jedenfalls können wir in unserm Bildmaterial nichts finden.

      Überhaupt ist inakzeptabel, dass trotz mehrfachen Anmahnens die (von den Beteiligten nie autorisierten!) „Dokumentationen“ der Werkstattgespräche wie auch der verschiedenen Varianten und Lösungsvorschläge auf berlin.de bzw. stadtumbau-berlin.de so bescheiden ausgefallen und vor allem auch so schwer zu finden sind. Ferner wurde der Vorschlag, die Möglichkeit einer Online-Diskussion für die vielen einzurichten, die aus welchen Gründen auch immer solche Termine nicht wahrnehmen können, wurde auch hier nicht aufgegriffen und damit die Chancen direkter Beteiligung, welche die digitatlen Medien bieten, verschenkt.

  6. 29. Juni, 2011 um 12:51

    […] ein Bericht über das letzte Werkstattgespräch vom kompetenten Landwehrkanal Blog. Vermisst haben wir darin nur die Beschreibung der Fahrradrampe die sich auf “unserem […]

  7. Claudia said,

    2. Juli, 2011 um 13:16

    Hallo wie immer tolle Arbeit, besonders auch deine Alternativrampen.
    Wie Kathrin schon schrieb, finde ich nix zur Rampenplanung Monumentenbrücke Ostseite, wahrscheinlich irgendwelche Loidl-Planungen. Deine Alternative ist wichtig für unsere BI-Interessen, denn wird auf der Böschung erstmal der üppigste und älteste Baumbestand abgeholzt, steht der Mega-Bebauung die Tür quasi offen.
    Gruß Claudia

    • BaL said,

      2. Juli, 2011 um 15:41

      Nur zur Klarstellung: die im Beitrag graphisch dargestellte Alternative zur Rampenanlage stammt, wie geschrieben, von Matthias Bauer, Autor des Gleisdreieck-Blogs, eine weitere Alternative, und zwar eine gewendelte, vegetationsschonende Rampenführung auf der Westseite zwischen Monumenten- und Kolonnenstraße von Marlies Funk (AIF). Ihr Vorschlag wurde in der TDB-Skizzierung allerdings falsch verortet und infolge einer deswegen größeren Böschungshöhe fünffach gewendelt, was erwartungsgemäß niemand begeisterte. – An der von Frau Funk vorgesehenen Stelle wäre hingegen nur eine dreifache Wendelung nötig -, doch für eine hinreichende Erläuterung fehlte während der Bürgerinformationsveranstaltung am 23.6., wie gesagt, die Zeit.

      Hier der Link zu den Dokumentationen und Materialien der sog. Werkstattgespräche zum „Stadtumbau Südkreuz“ auf der Site des BA Tempelhof-Schöneberg bei berlin.de. – Wer sucht, der findet.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s