Die Bäume sind futsch!

Nach 14 Jahren angeblicher Gefährdung gefällt

Baumbestand der Kohlfurter Straße in Kreuzberg weiter gelichtet

Verkehrsunsicher?

Freie Sicht!

Für vier, angeblich den Gehweg unsicher machende Pappeln vor der Jens-Nydahl-Grundschule blieb alle Intervention vergeblich und der Friedrichshain-Kreuzberger Baustadtrat Hans Panhoff (B’90/Grüne) hart: In seiner Gegenwart wurden sie, wie angekündigt, gestern Vormittag (5.3.) gefällt.

Verwaltung wie Fällfirma hatten mit Protesten gerechnet, aber die AnwohnerInnen wollten sich das Schauspiel dieses absolut überflüssigen Aktionismus‘ offenbar nicht antun, wobei auch nicht verschwiegen werden soll, dass im Vorfeld manche meinten, da sei doch eh nichts mehr auszurichten, während andere ihr Einverständnis bekundeten.

Ein Mitarbeiter der ausführenden Firma äußerte demgegenüber, hier hätte es sicher auch noch andere Möglichkeiten zur Herstellung der Verkehrssicherheit gegeben als die Finallösung. Anders als bei früheren Fällungen [siehe Foto ganz unten] wurde gestern jeweils der Stubben sogleich ausgefräst, der Boden der Baumscheibe ausgetauscht und die Pflanzgrube mit Oberboden aufgefüllt.

Verkehrsgefährdende Barriere?

Verkehrsgefährdende Barriere?

Bereits 2007/8 war ja schon einmal ein „Kompromiss“ erzielt und nicht gleich alle, sondern „nur“ drei gesunde Birkenpappeln abgesägt worden, weil ihre Wurzeln ausgerechnet direkt vor einer Behinderteneinrichtung die Gehwegplatten angehoben hatten, doch die von der damaligen Baustadträtin Kalepky versprochenen Nachpflanzungen von bereits acht [!] Meter hohen Jungbäumen hatten sich immer wieder verzögert und schließlich als ganz normale bzw. sogar ausgesprochen mickrige Ahornpflänzlinge entpuppt, mit denen auch drei Jahre später niemand zufrieden ist.

Wir wollen nicht wieder die Diskussion „Pappeln sind keine Straßenbäume“ aufwärmen, weisen aber nochmals darauf hin, dass durchaus auch Wurzeln von Linden oder Platanen den Rad- und Gehsteigbelag aufwölben und wenn man alle Berliner Straßenbäume, die solches tun, fällen wollte, wäre der Negativsaldo von rund 2000 pro Jahr leicht noch zu vervielfachen.

Außerdem müssen wir an dieser Stelle frühere Angaben korrigieren und endlich mal klarstellen, dass die als Fällbegründung immer wieder bemühte Behinderteneinrichtung sich genau auf der anderen Seite des Platzes mit dem Nelson-Denkmal befindet und nicht, wie immer wieder kolportiert, dort, wo die Wurzeln der jetzt gerodeten Pappeln angeblich für mobilitätseingeschränkte Menschen Barrieren bilden. Wenn das tatsächlich der Fall wäre, ließe sich Gleiches auch von der angrenzenden Kopfstein gepflasterten Fahrbahn behaupten.

Verkehrsgefährdende Barriere?

Verkehrsunsicher?

Der von Stadtrat Panhoff bestätigten Notwendigkeit einer Wiederaufnahme der BürgerInnenbeteiligung genügte der per Aushang in den Hauseingängen angekündigte Ortstermin am 21. Februar jedenfalls nicht. Obwohl es schon seit Frau Kalepkys Tagen einen E-Mail-Verteiler zur Kohlfurter gibt, konnte er, da unauffindbar, nicht benutzt werden und dass keine BaL-VertreterInnen informiert wurden, plötzlich damit begründet, dass doch niemand von ihnen AnwohnerIn sei. − Das ist nun definitiv falsch. Unser in der Kohlfurter Straße wohnendes Mitglied hatte übrigens den Aushang zwar bemerkt, ihn aber wegen einer barrierehaft winzigen Type nicht entziffern können.

Von den knapp zwanzig Leuten die sich am Spätnachmittag des 21.2. in Kälte und Nieselregen einfanden, seien, so berichten Beteiligte, zum Schluss, als jener Kompromiss, nicht sechs, sondern nur vier Pappeln zu fällen, vereinbart wurde, nur noch wenige übrig gewesen.

Einrichtung einer AnwohnerInnen-Arbeitsgruppe avisiert

Verkehrsgefährdender Stubben

Verkehrsgefährdender Alt-Stubben

Um Möglichkeiten einer baumfreundlicheren Herstellung der Verkehrssicherheit auszuloten und auch die Art der Neupflanzungen zu erörtern, hat der Stadtrat nun die Konstituierung einer Arbeitsgruppe aus Bezirksamts- und AnwohnervertreterInnen in Aussicht gestellt. Auch wenn der Frühling naht, schlagen wir vor, unbedingt an einem Tisch unter Dach zu verhandeln, auch einen unabhängigen Baumsachverständigen hinzuzuziehen und sich von der Zielvorstellung, in wenigen Jahren den gesamten Baumbestand der Kohlfurter Straße „umzubauen“, amtlicherseits von vornherein zu verabschieden.

Hier geht es über den kleinklimatischen, natur- und artenschutzfachlichen Wert des Baumbestands hinaus um Ortsbild, Wohn- und Lebensqualität und wenn es sonst bei Bäumen vor allem auf die Einzelfallbetrachtung ankommt, muss hier auch die Gesamtheit in den Blick genommen und darf nicht der Charakter einer durchgrünten Straße auf Jahrzehnte hinaus jählings zerstört werden!

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3 Kommentare

  1. ManoloB said,

    7. März, 2012 um 0:35

    wie schon mal berichtet…die Entscheidung damals für die Bepflanzung der Kohlfurter mit Birkenpappeln geschah in einer „NachtundNebelaktion“ und jetzt eben die Fällung wieder…

    ich plädiere nwv für Kirschen ‚Prunus avium ‚Plena‘ ein gefüllt blühender, leicht duftender Herzwurzler, kräftig grünen Blättern und herrlicher Herbstfärbung…

    eine Reminiszenz an die eh. Hugenotten-Gärtnereien und wertvoller als die ökologisch und ästhetisch unbedeutenden aber sehr teuren Hybrid-Ahörner..

    • ProBaumpflege said,

      7. März, 2012 um 6:00

      Auch Prunus avium „Plena“ ist eine Hybride die auf Prunus avium veredelt wird.

      Es kommt darauf an Bäume in guten Qualitäten,leistungsfähigen Substraten zu pflanzen und eine nachhaltige Pflege zumindest in den ersten sechs Jahren zu gewährleisten. Eine Baumpflanzung ohne Pflege macht ökologisch keinen Sinn.

  2. Kreuzberger said,

    7. März, 2012 um 15:22

    Herr Umweltstadtrat Pannhoff (Bündnis 90/DIE Grünen) scheint ja der damals zwangsweise zurückgetretenen EX-Umweltstadträtin Frau Kalepky (parteilos für die Grünen) in Sachen konsequenter, unnötiger Zerstörung der Stadtnatur in Friedrichshain-Kreuzberg in nichts nach zu stehen.

    Ein dreifaches Dankeschön der „Umweltpartei“ für die fortgesetzte, unnötige, anti-ökologische Baumfällerei!


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