Beteiligungsvergrämung in Kreuzberg

Erster “Workshop” zum Campus Ohlauer

Zunächst das Gebäude, dann das Baufeld

Publikum

Teilnehmer Workshop „Gemeinschaftsflächen“, 15.7.16

Wenn es denn stimmt, dass im Reichenberger Kiez siebentausend Einladungen zu diesem ersten Workshop am letzten Freitag (15. Juli) zur Beteiligung an der Planung genannten Vorhabens versandt worden sind, dann hält sich das öffentliche Interesse am geplanten “beispielhaften” Integrationszentrum auch im Vergleich zur ersten und einzigen Informationsveranstaltung am 19. Mai in ausgesprochen engen Grenzen. [Nachtrag: Andererseits konnten die Verantwortlichen natürlich von Glück reden, dass die vielen Kritiker dieses Vorgehens, die auf der Infoveranstaltung lautstark das Wort ergriffen hatten, diesem sog. Workshop fernblieben. Die Choreographie wäre gehörig durcheinander geraten. Und beim nächsten und schon letzten ist es zu spät…]

Bürgerinfoversammlung Campus Ohlauer

Bürgerinfoversammlung „Campus Ohlauer“, 19.5.16

Womöglich rührt es von inzwischen im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg bei verschiedenen Gelegenheiten zu machenden frustrierenden Erfahrungen mit derlei Planungswerkstätten her, in denen öffentliche Beteiligungsbereitschaft kanalisiert, formatiert und insbesondere dividiert wird und alle wirklich beispielhaft innvoativen, nachhaltigen und stadtökologisch verträglichen Ansätze gern mit dem Hinweis auf den unumstößlichen Kosten-, sprich Fördermittelrahmen beiseite gewischt werden.

[Update, 24.7.: Informativ auch die Berliner Woche vom 21.07.]

Stadtplanung von oben!

In unserm Bericht über jene Informationsveranstaltung, wo wir weitere grundsätzliche Anmerkungen gemacht haben, hatten wir noch ein Fragezeichen gesetzt, ob es sich beim nun nicht mehr so gern Campus Ohlauer genannten Bauvorhaben der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE nahe der berühmt gewordenen Gerhart-Hauptmann-Schule eher um „Stadtplanung von oben“ handele. Der erste dieser zwei sog. Workshops hat es bereits in ein Ausrufungszeichen verwandelt.

Es sei noch daran erinnert, dass nicht nur Anwohner*innen und allgemeine Öffentlichkeit, sondern auch die BVV-Mitglieder erst im Mai d.J. im Zuge der Bauvoranfrage von der schon sehr detailliert ausgearbeiteten “Vorstudie” in Kenntnis gesetzt wurden, ja teilweise erst aus der Presse davon erfuhren. Gleichwohl hält Stadträtin Borkamp stur daran fest, dass der Bauantrag noch diesen Herbst gestellt werden müsse. Das aber heißt, in Anbetracht von Sommerpause und Parlamentsferien wird vorher nicht mehr allzu viel laufen, nach Antragstellung jedoch bekanntermaßen gar nichts mehr. Somit ist gar keine Zeit für Durchführung eines den Namen verdienenden Beteiligungsprozesses, welchen die BVV doch gefordert hat, allein sie wird sich bei den obwaltenden Mehrheitsverhältnissen höchstwahrscheinlich mit dieser Komödie abspeisen lassen. Am 20. Juli ist voraussichtlich ohnehin die letzte Sitzung vor den Wahlen zum Abgeordnetenhaus.

Oktroyierte Themensetzung und Struktur

Die oktroyierte Themensetzung für beide Veranstaltungen − sie „haben die Schwerpunkte: 1. Nutzung der Gemeinschaftsflächen sowie 2. Freiraum und Umwelt“ − zurren die von HOWOGE-Projektleiter Schautes beharrlich so genannte „Vorstudie“ schon als alternativlose Planung fest, insofern erst von ihr ausgehend die Freiräume definiert werden.

Klötzchen-Modell

Klötzchen-Modell

Zunächst sollten Vertreter*innen der künftigen sozialen Einrichtungen die Nutzungspotentiale des Neubaus ausloten. (Stefan Schautes bestritt natürlich immer wieder wortreich die Alternativlosigkeit, doch will andererseits nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss gekommen sein, dass die vorliegende Entwurfsplanung die beste aller möglichen sei: Diese brachial-klobige, massiv einfallslose städtebauliche Figur mit serieller Anordnung und Innenausstattung, deren Dimensionierung angesichts zu erwartender Bedürfnisse viel zu knapp bemessen sein dürfte, wenn man sich z.B. eine geflüchtete größere arabische Familie vorstellt. Der Entwurf als solcher geht aus keinem ganzheitlich aufs konkrete Quartier bezogenen Konzept hervor, wonach er sich v.a. nach Art und Maß in die Umgebung einfügte, wie es die Baunutzungsverordnung verlangt.

Gleichwohl sei er, Schautes, bereit, die vorliegende Lösung gegen eine „noch bessere“ einzutauschen, doch − so führte er mit einiger Arroganz aus − erwarte er von einer entsprechenden Diskussion ein hohes fachliches Niveau. Spricht ein Projektleiter, der noch immer nicht GRZ und GFZ des geplanten Bauwerks anzugeben bereit ist (und damit das Maß der von der Kommune zu genehmigenden Überschreitungen), auch nicht die voraussichtlichen Miethöhen der „bezahlbaren“ Sozialwohnungen, die geschätzten Erstellungskosten usw. Das geht die Bürger*innen offenbar noch nichts an.

Dass aber die Forderung, möglichst preiswert möglichst viel billigen Wohnraum bereitzustellen das Kernkriterium bildet, ist der Offenbarungseid jeder stadtökologisch ausgerichteten Planung, erinnert eher an die Zeit der Frühindustrialisierung Berlins, als es billig und schnell viele Arbeitskräfte unterzubringen galt, wie überhaupt das unablässig wiederholte Kostenargument bei gleichzeitiger unfassbaren Verschwendung öffentlicher Gelder, worüber wir tagtäglich in der Zeitung lesen können, kaum mehr auszuhalten ist! Wenn der politische Gestaltungswille nur noch kurzfristige Kosten-Nutzen-Kalküle im Fokus hat, schlägt Quantität in diesem Bereich nur allzu leicht in die Qualität „minderwertig“ um.)

Verschwindend wenige Anwohner*innen

Hauptsächlich war also Fachpublikum vertreten und nur ganz wenige „echte“ Anwohner*innen. Schon das müsste die Verantwortlichen zum Innehalten bewegen, denn ihr wahrhaft beispielloses Handeln in der Vergangenheit, wenngleich darüber zu reden die Stadträtin zum Tabu erklärte, hat doch über einige Monate eine so ungeheure wie unsinnig-überflüssige Belastung für den Kiez bedeutet, weswegen die Verwaltung wirklich gut beraten wäre, anzuerkennen, dass hier so etwas wie Entschädigung zu leisten wäre und für sie in diesem Betracht eine Bringschuld besteht.

Fünfhundert haben für Alternativplanung unterschrieben!

Es geht eben nicht nur um die Neunutzer*innen und irgendwelche krachenden Planvorgaben des Senats, sondern nicht zuletzt um die Lebensqualität der ortsansässige Bestandsbevölkerung. (Nachbarn, die wir auf der Straße auf ihr Fernbleiben ansprachen, äußerten, wenn sie überhaupt vom Termin wussten, jedoch sehr oft mit wegwerfender Handbewegung das berüchtigte „Die machen ja doch, was sie wollen und ziehen ihr Ding durch…“) Die fünfhundert Unterschriften für einen Einwohnerantrag nach § 44 Bezirksverwaltungsgesetz zugunsten einer Alternativplanung sollen übrigens auf Finanzstadträtin Borkamp keinerlei Eindruck gemacht haben.

Die extrem unprofessionelle, autoritäre Art, in der auch dieser „Workshop“ als wohlfeiles Beteiligungsalibi absolviert wurde, gibt den Stimmen von Beteiligungsverdrossenen freilich recht. Während dessen geht gerade B’90/Grünen ständig damit hausieren, dass sie, in der Landespolitik erst einmal an der Macht, eine regelrechte „Beteiligungskultur“ etablieren wollen. Ein Blick auf die Bezirke, in denen sie maßgeblichen Einfluss auf die Stadtentwicklung haben, weckt freilich Zweifel!

Potentiale

Unsere Ziele

„Unsere Ziele“

Von den Potentialen des Vorentwurfs als „Impulsgeber für Kiezentwicklung“ war ausgiebig die Rede, aber die Hinweise, dass die Fläche bereits ökologisch und für Gesundheit und Wohlbefinden der Anwohner höchst wertvolle Potentiale birgt, die selbst der StEP Wohnen als selbstverständlich zu berücksichtigen darstellt und die eine Bauleitplanung in einem extrem verdichteten, verkehrsreichen, mit Grün unterversorgten Innenstadtgebiet als schützenswerte Qualität erachten sollte, wurden absichtsvoll missverstanden und fehlinterpretiert.

Die Moderatorin von Stattbau unterbrach das Zitieren einschlägiger Passagen und resümierte den StEP Wohnen gar mit der Formel „Bauen! Bauen! Bauen!“ Folgerichtig sucht man unter „unseren(?) Zielen“ den möglichst weitgehenden Baumerhalt vergeblich. Dieses Ziel wurde auf der Informationsveranstaltung am 19.5. vielstimmig artikuliert, doch das zugesagte Protokoll dieses „Bürgerabends“, das doch, wie Stadträtin Borkamp zum Abschluss der Veranstaltung noch mal eigens versicherte, die von Bürger*innenseite geäußerten Interessen und Bedürfnisse dokumentieren sollte, scheint völlig in Vergessenheit geraten. Diesmal versicherte Marion Schuchardt nur nur ständig: „Es geht nichts verloren! Kein Wort geht verloren!“ doch von einem Protokoll war nicht mehr die Rede.

Eine Abwägung von ökologischer Wertigkeit und der Notwendigkeit, effizient billigen Wohnraum zu schaffen, fände in dieser Runde jedenfalls nicht statt, verlautbarte die Stadträtin statt dessen −, als habe dies jemand in solcher Plattheit verlangt! Aber diese Abwägung sollte und muss sehr wohl erfolgen und dabei darf auch nicht vergessen werden, dass die jetzt in Turnhallen Hausenden zwar ein eigenes Dach über dem Kopf, wie auch immer es beschaffen sei, ihrem augenblicklichen Vegetieren unbedingt vorziehen, jedoch wie jedeR andere auch ein Recht auf ein möglichst gesundes Quartier mit einem vegetationsreichen Wohnumfeld haben, umso mehr als es sich überwiegend um Traumatisierte und Kriegsversehrte handelt! Ein von alten Bäumen bestandenes Wohngrundstück ist doch hier ein wahres Refugium, um solche Menschen zur Ruhe kommen zu lassen und sollte doch nicht wegen angestrebter Wohneinheitenzahl und „Funktionsdichte“ weitestgehend (und dann am besten wabenartig) betoniert werden.

Willentlicher Aufbau falscher Fronten

Ohne dass es allgemein besprochen, verhandelt und beschlossen worden wäre, gab es verschiedene Inputs bestimmter Stakeholder und Kiezakteur*innen: von Vertreterinnen des Diakonischen Werks bis zu den Mitarbeiter*innen der Else-Ury-Bibliothek in der Glogauer Straße, die verständlicherweise Feuer und Flamme sind, ihre nicht barrierefreie 200m²-Einrichtung gegen eine barrierefreie und doppelt so große zu tauschen. − Nur die Anwohnervertreter*innen suchte man vergebens. Und wenn diese aus dem Publikum heraus ihre Bedürfnisse darzulegen suchten, wurde in −  wir müssen schon sagen − geradezu perfider Weise suggeriert, dass all jene, welche die erwähnten natürlichen Potentiale so weit wie möglich geschont und erhalten sehen wollen, empathielos gegenüber Geflüchteten, obdachlosen Frauen und wohnungssuchenden Studierenden seien, ignorant gegenüber der Integrationsleistung der Familienbiliothek, der Wichtigkeit eines Bildungsangebots auch für Kinder anderer Kulturkreise etc.

Damit durften die Nutzer*innengruppen in spe ihre Interessen und Bedürfnisse artikulieren, nur nicht der Kiez und seine Bewohner*innen als doch unmittelbar Planungsbetroffene! Indem ihnen ein bis zur Anordnung der Küchenzeilen schon detailliert ausgearbeiteteter Entwurf vorgeknallt wird, sollen sie  in einer Art Sandkasten mitwerkeln und schon mal festlegen, dass es einen Empfangsbereich, einen betreuten Raum für Kinder, Lichtdurchflutung der Bibliothek braucht, Begegnungsraum und Café, einen allgemeinen Arbeitsraum und schließlich den Dachgarten als ruhiger Rückzugsort, wenn sich der Innenhof, der den Charme eines Gefängnishofes ausstrahlen dürfte, zur Kontemplation doch nicht einladen sollte.

Campus Ohlauer - Innenansicht

Campus Ohlauer – Innenansicht | Klick vergrößert

Eine Volxküche, einen Raum nur für Frauen, WLAN im ganzen Haus, ausreichender Schallschutz… all das sind wichtige Interessen und Anforderungen, die unbedingt festgehalten und erfüllt werden müssen, doch wir sind der Meinung, man muss zunächst einen Schritt zurückgehen und schauen, wie sich das Vorhaben insgesamt möglichst organisch in den vorhandenen Stadtraum einfügen lässt, auch um sich möglichst breiter Akzeptanz zu versichern.

Wie es indes aussieht, werden die Anwohner*innen eben nicht an der eigentlichen (Um-)Gestaltung ihres Wohnumfelds beteiligt! Und wenn sie sich dennoch Gehör zu schaffen suchen, wird sogleich die NIMBY-Karte gezückt: Vorgeblich eigensüchtige Privatinteressen würden sich hier auf Kosten der Allgemeinheit durchsetzen wollen, auf Kosten der in Turnhallen ausharrenden und deren zweckentsprechende Nutzung durch Schüler*innen blockierende Flüchtlingsfamilien; auf Kosten von Querschnittsgelähmten, welche die nicht barrierefreie Else-Ury-Bibliothek nicht in Anspruch nehmen können u.v.m. – Diese Argumentation wurde auch durch eifrigen Gebrauch nicht erträglicher. Die Idee eines multifunktionalen Integrationszentrums, die ja schon von 2013/14 stammt, ist ausgezeichnet; der jetzt im Stillen konzipierte Entwurf ist allerdings erst seit Mai bekannt. Ob diese faszinierende Idee solcherart Hetze und zu kurz greifender Effizienz-Kriterien bei ihrer Umsetzung verdient, ist jedoch füglich zu bezweifeln.

Dass die Ohlauer Straße, die objektiv für den hohen Verkehr nicht ausgelegt ist, jetzt nicht bloß durch noch mehr Verkehr frequentiert werden wird − sicher ein notwendiges Übel dringend benötigter Gemeinschaftseinrichtungen −, sondern durch die rigoros den vorhandenen Baumbestand vernichtende Planung noch mehr gesundheitsschädigende Emissionen zu gewärtigen hat, konnte kaum ordentlich thematisiert werden und wurde ohne stichhaltiges fachliche Argument rundweg abgestritten. An ein stadtökologisches Gutachten zum Status quo und Prognosen über die Auswirkungen des Vorhabens wird nicht entfernt gedacht.

Inklusion

Statt dessen wurde wieder und wieder versichert, dass Inklusion oberstes Ziel sei, als habe sich irgendjemand dagegen ausgesprochen, dass also syrische Flüchtlingsfamilien nicht zur Unterschicht gehörten(!) und gar nicht so anders seien als Verdrängte aus Neukölln, die sich die dortigen Mieten nicht mehr leisten könnten. Und auch die weiblichen Opfer häuslicher Gewalt, die deshalb ihre Wohnung zu verlassen gezwungen wurden, seien ganz normale Menschen, was impliziert, dass ihnen Anwohner* und Stadtnaturschützer*innen offenbar ein Dach über dem Kopf missgönnen.

Angesichts derart böswilliger Missdeutung der eigentlichen Anliegen: nämlich eine die Stadtökologie, das Wohnumfeld und gesunde Lebens- und Arbeitsverhältnisse erhaltende, wiederherstellende, fördernde, jedenfalls nicht immer nur weiter beeinträchtigende Stadtplanung und -entwicklung, kommt man über die Motive der Unterstellungen ins Grübeln, zumal doch neben der SPD-Fraktion auch sämtliche Oppositionsparteien dieser Entwurfsplanung einer Umsetzung des lange erörterten Vorhabens gleichfalls sehr skeptisch gegenüber stehen.

Des ungeachtet wurden unterschwellig fortwährend Popanze und Pappkameraden aufgebaut, die sich dann wunderbar zerlegen und abräumen lassen.

Zur „Vorstudie“

Wegen Nichteinhaltung der Abstandsfläche zum Nachbargrundstück musste glücklicherweise einer der vier, ursprünglich ein Karree bildenden Riegel des Campus Ohlauer weichen und den Innenhof wenigstens nach einer Seite hin öffnen. − Diese Modifikation geschah mithin nicht etwa in Aufnahme der Kritik bei der vergangenen Infoveranstaltung!

Jahn-Entwurf

Jahn-Entwurf „Campus Ohlauer“

Um die eherne Vorgabe von 140 Wohneinheiten zu dem und dem Preis (der weiterhin nicht verraten wurde) erfüllen zu können, erhält das Projekt jetzt also einen acht(!)stöckigen Kopfbau, während die beiden Flügel gleichmäßig sechsstöckig aufragen werden, also auch die vorherige Traufhöhen-Differenzierung ist verschwunden. Alle 140 Wohnung werden durch einen einzigen Aufzug „erschlossen“, was definitiv zu wenig ist und ebenso Konflikte vorprogrammiert wie der umlaufende Laubengang, der ausgerechnet die Schlafräume passiert.

Alternativen unerwünscht!

Bekanntlich gibt es eine Alternativplanung [siehe auch hier]mit dem fast schon programmatischen Titel „Platzbildende Nachverdichtung“ des Architekten und stellv. Bürgerdeputierten, Carsten Joost (parteilos), die inzwischen sein Arbeitgeber, das Architekturbüro Klinkenberg, in Obhut genommen hat und der bspw. nur neun Bäume weichen müssten im Unterschied zu ca. dreißig bei Umsetzung des Jahn-Entwurfs der HOWOGE.

Joosts Variante öffnet die Baufront durch einen baumbestandenen Stadtplatz, sieht aber nur 120, allerdings um einige Quadratmeter größere Wohnungen vor und gilt schon aus diesem Grund als nicht genehmigungsfähig. Zudem müsste die Turnhalle, ein Flachbau, der nach Meinung des dankenswerter Weise ebenfalls gekommenen Inhaber, Arno Klinkenberg, ohnehin zwischen den hohen Klötzen nur noch Barackencharakter hätte, abgerissen und an anderer Stelle neu errichtet werden, doch auch diese Kosten (zwei bis drei Millionen Euro) senken selbstredend die Chancen der Alternativplanung gen null.

Studie-GHS. Carsten Joost

Studie-GHS. Carsten Joost | Klick führt aufs PDF mit weiteren Infos!

Höchst unfair aber wurde es, wenn, während man sich über die Kosten des Vorentwurfs ausschweigt, auch was die voraussichtliche Miethöhe/m² betrifft, die Alternative als zu teuer abgetan wird. Interessierte mussten viel Nachdruck aufwenden, damit sie überhaupt vorgestellt werden durfte, doch geschah das nicht etwa vor dem gesamten Auditorium, das ein Recht darauf gehabt hätte, auch diese Variante mit ihren Vor- und Nachteile kennenzulernen. Sie wurde vielmehr kommunikationstechnisch völlig unzureichend an einem der drei Tische und dort gleich in mehreren Kleingruppen lebhaft diskutiert, aber eine Art nachvollziehbarer Diskurs konnte auf diese Weise nicht aufkommen.

Die Kritik, dass dies keine gleichrangige Präsentation sei, wurde mit der Unterstellung zurückgewiesen, die an den anderen Tischen Diskutierenden interessierten sich eben nicht für die Alternative. Angesichts einer derartigen, alles Reden von gleicher Augenhöhe Hohn sprechenden Vorgehensweise fehlen die Worte.

So prallte Aussage auf Aussage, die Kritik an der weiteren Erhöhung der seit dem Mauerfall ohnehin schon grenzwertigen Verlärmung der Ohlauer Straße durch diese Blockrandbebauung, die es übrigens vorher dort nie gegeben hat, konterte ausgerechnet die Stattbau-Moderatorin mit der Anekdote, dass sie „mitten in der Stadt“ an sehr verkehrsreichem Ort wohne, und zwar in der Nähe eines Kindergartens(!). Da sei es oft sehr laut, und dennoch „freue ich mich des Lebens…“ − Die Gleichsetzung von Verkehrs- und Kinderlärm einmal dahin gestellt, muss der Nachweis, dass Verkehrslärm krank macht, wohl nicht erneut geführt werden. Was hingegen erbracht werden muss, sind ein Lärmgutachten und eine Messung der Stickoxid- und Feinstaub-Emissionen, eine Begutachtung des Status quo im Positiven wie Negativen und eine Prüfung der mutmaßlichen Auswirkungen des massiven Baukörpers, doch diese Forderung stieß verblüffender Weise auf blankes Unverständnis.

Als zum Abschluss des “Workshops” die Arbeitsergebnisse der drei Tische resümiert wurden, übernahm für die Plan-Alternative ausgerechnet die Stattbau-Moderatorin diese Aufgabe und entledigte sich ihrer mit dem lapidaren Hinweis, es sei an diesem Tisch eher um Grundsatzfragen gegangen, aber man müsse sich durchaus auch mal steiten können…, und schon war die Zeit um.

Ortstermin Mitte September

Der BaL-Vertreter konnte lediglich noch den Vorschlag machen, vor dem Workshop am 16.9., der sich den von der alternativlosen Vorstudie ausgesparten Freiflächen widmen soll, eine Ortsbegehung zu unternehmen. Da eine baumsachverständige und naturschutzfachliche Einschätzung der vorhandenen Naturausstattung sehr wünschenswert und lange überfällig ist, insofern sie in Zeiten der Klimaerwärmung und der rasanten Artenvernichtung jeder Planung vorausgehen müsste, kommen allerdings aus Termingründen des Sachverständigen nur der 7., 8. oder 9. September in Frage, da im August Schulferien herrschen.

Der Ortsbegehung wurde zugestimmt − nur jene werden daran teilnehmen können, die sich zuvor angemeldet haben! −, ob aber an einem dieser drei Tage, bleibt der Entscheidung von Stattbau-Geschäftsführerin Schuchardt anheim gestellt. Der 9.9. ist der Freitag eine Woche vor dem 16., und wir legen schon großen Wert darauf, dass auch zu Flora und Fauna ein Input auf dem gewünschten hohen fachlichen Niveau ermöglicht wird. Wir werden über den Entscheid beizeiten informieren…

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VorOrtSofort am Alten Zollhaus

WNA noch nicht auf dem Stand des Mediationsergebnisses

Mette-Mitarbeiter erklärt Bürgerexpert*innen den Crush Piler

Otstermin Zollhaus

Ortstermin Zollhaus

Letzten Donnerstag fand am Alten Zollhaus gegenüber dem Prinzenbad in Kreuzberg der dankenswerter Weise verschobene Termin VorOrtSofort statt (wie dereinst Mediator Kessen dieses bewährte Beteiligungsformat taufte) und gegen dessen alternativlose Terminierung und thematische Vorfestlegung (Herstellung der notwendigen Baufreiheit durch Sägen) die BaL heftig protestiert hatten.

4. Öffentliche WSA-Informationsveranstaltung,
morgen, Dienstag, 16:30 Uhr
im Amtssitz von WSA & WNA,
Mehringdamm 129
nahe Luftbrücke und Tempelhofer Feld

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Ulmen am Urbanhafen werden gefällt!

Vereinbarte Routine nachgeholt

Angemessene Kompensationspflanzungen im kommenden Herbst vereinbart

Ortstermin wg. Ulmenfällung nahe Baerwald-,19.5.15

Ortstermin wg. Ulmen-Fällungen nahe Baerwaldbrücke

Nachdem anlässlich der gestrigen Sitzung zum Informations- und Kommunikationsplan (IKP), der kurz vor seiner Vollendung steht, wortreich versichert wurde, es sei Montag letzter Woche, also am Tag jener Abstimmungsfahrt, noch nicht bekannt gewesen, dass zwei Bäume am Urbanhafen nahe Baerwaldbrücke wegen Sanierung einer Mauer gefällt werden sollten, also auch nichts entsprechendes gegenüber Baumsachverständigem, Bezirks- und Bürgervertreter*innen verlauteten konnte, dann jedoch schon am Folgetag mit dem Landesdenkmalamt und der Unteren Naturschutzbehörde Friedrichshain-Kreuzbergs über die Fällungen Benehmen hergestellt worden sei, erfolgte heute nach ihrem Einspruch der von Bürger*innen geforderte Ortstermin mit Vertretern von WSA, WNA und Bezirksamt, dem Baumsachverständigen, Dr. Barsig, sowie Bürger*innen. Den Rest des Beitrags lesen »

Eine vertane Chance

…wenn auch anders, als ein Staatssekretär meint!

Die nächste Provokation

Das Setting in der jüngsten Einwohnerversammlung zum Görlitzer Problempark im Chip-Jugendclub hätte zumal in Xberg verfehlter kaum sein können. Wenn BVV-Vorsteherin Kristine Jaath in ihrem Eingangstatement von den sich überlagernden verschiedenen Problemlagen sprach, die über Park, Bezirk und Land hinausweisen würden und von ganz unterschiedlichen Nutzungskonflikten je nach Interessen und Bedürfnissen, dann schien darin schon die hoffnungslose Einseitigkeit und Unterkomplexität der Podiumsbesetzung auf. [Auch der folgende Beitrag muss den Stadtnaturschutz im engeren Sinn zugunsten einer sozial-ökologischen Betrachtung ausweiten.]

BM Herrmann, Stephan Weis

StR P. Becker, BM M. Herrmann, Leiter Polizeidir. Abs. 5, S. Weis, StS B. Krömer (v.l.n.r.)

Es fehlten VertreterInnen der NutzerInnen, der Naturschutzverbände, Flüchtlingsbeauftragte, vor allem aber VertreterInnen der Geflüchteten selbst, und die völlig willkürlich ausgewählten sogenannten KiezakteurInnen, von denen niemand was mit Naturschutz am Hut hatte und von denen also mindestens zwei aufs Podium gehört hätten, mussten aus dem von Anbeginn auch wegen dieser eindimensionalen Ausrichtung unruhigen Publikum, am Saalmikrofon unter hohem Zeitdruck ihre Einschätzung der Lage herunterhaspeln. (Für die Wortmeldungen, außer es handelte sich um AmtsträgerInnen, wurden nur ganze neunzig Sekunden bewilligt, den Geflüchteten, die mit sprachlichen Problemen zu kämpfen hatten, allerdings huldvoll auch mal fünf Minuten gewährt.)

Nach allen Seiten offen?

Vielleicht auch, um Anschlussfähigkeit an die extreme Mitte der Gesellschaft zu signalisieren, war der Sicherheits- und Ordnungsaspekt auf dem Podium eindeutig überrepräsentiert und neben der einladenden BVV-Sprecherin aus der Politik von der Verwaltung außer der Bürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) nur der u.a. für die öffentliche Ordnung, aber eben nicht für Stadtentwicklung und -grün zuständige Stadtrat Peter Becker (SPD) zugegen. Soll also mit solcher ordnungspolitischen Sichtweise, wie auch in anderen Stadtbezirken zu beobachten, in der Grünanlagengestaltung ein uniformer Weg beschritten werden, mit viel Transparenz, sozialer Kontrolle und Liegewiese, mit allerhand Parkmöbeln und „Spielangeboten“, immer einem wie von PR-Agenturen synthetisierten Leitbild schnieker Urbanität mit viel „Inszenierung“ hinterher –, und all dies unter grüner Regie? Den Rest des Beitrags lesen »

Baustadtrat Panhoff pöbelte zurück

Überfällige „Informationsveranstaltung“ zum radikal beschnittenen Görlitzer Park

Ein so absehbarer wie vermeidbarer Tumult

Interessierte + Engagierte

Interessierte und Engagierte

Der tumultöse Ablauf der „Infoveranstaltung“ zum partizipativ erstellten, ökologischen Parkpflegewerk für den Görlitzer Park erklärt sich schon aus ihrer absoluten Unzeitigkeit: Besagtes Planwerk war im Herbst auf Basis des damaligen Natur- und Artenbestands fertiggestellt worden, seine öffentliche Präsentation stand unmittelbar bevor −, da musste eine Messerstecherei in der Skalitzer Straße (in einer Shisha-Bar nahe Görlitzer Bahnhof, wo dreihundert Meter vom Park entfernt ebenfalls gedealt wird) dafür herhalten, durch unangekündigte, unabgestimmte, massive Schnittmaßnahmen ohne Rücksicht auf die aus Steuermitteln finanzierten aufwändigen Untersuchungen zu Flora und Fauna, geschweige diese selbst, Handlungsfähigkeit zu beweisen. Nicht nur uns erschienen diese über Wochen fortgesetzten Maßnahmen als Action pur, symbolpolitischer Aktionismus par excellence, um sich u.a. bei der BZ-LeserInnenschaft [s.u.] einzuschmeicheln.

Gehölzrückschnitte

Gehölzrückschnitte: Schadensabschätzung erst im Frühling möglich

[Update, 10.2.: Und der Hammer kam heute im Tagesspiegel: Grün Berlin & die LOIDLs haben nach Sterilisierung des Gleisdreiecks und der Tempelhofer-Feld-Schlappe Bock drauf, den Görli zu „inszenieren“, z.B. das östliche Feuchtbiotop als Badesee… (Und auch hier hat dem Grosch keiner gesagt, dass es mal ein Bahnhof war.)]

[Update, 18.2.: Fotos des Flashmob II der Nachbarschaftsgruppe Fraenkelufer am vergangenen Sonntag, 15.2., von Marion Elias finden sich hier. Zu Flashmob I siehe am Ende des Beitrags.]

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Stadtnatur als Kollateralschaden im Drogenkrieg?

Xhain lässt Görli Polizeischnitt verpassen

Nichtachtung von Stadtnatur und BürgerInnenengagement

Polizeischnitt

‚Seht her, wir machen was!‘

Die Information von Presse und Öffentlichkeit erfolgte am Montag (24.11.) kurz bevor der massive Rückschnitt von Büschen und Bäumen im Görlitzer Park unter Polizeischutz(!) und bei verschlossenen Parkeingängen begann. Die Hainbuchenhecken um den sogenannten Schmuckgarten, den sinnigerweise sommers Aktive in einem Inklusionsexperiment gemeinsam mit Geflüchteten gepflegt und gewässert hatten, wurden erneut und diesmal knapp über Kniehöhe abgesägt, Büsche zur Auslichtung kurzerhand ausgerissen, Bäumen vitale Starkäste abgeschnitten, was nun offenbar auch noch Vandalen ermuntert, gleich noch weitere abzubrechen: die BügerInnen, und so auch die BaL-Mitglieder, die sich jahrelang für eine naturnahe Gestaltung des übernutzten Parks einsetzten, sind fassungslos! Mit ihnen, so kündigt Baustadtrat Panhoff mit versteinerter Miene an, werde zu reden sein − nach Abschluss dieser handstreichartigen Maßnahmen, versteht sich. Den Rest des Beitrags lesen »

Neues BWB-Auslaufbauwerk fertig!

AI Lausitzer Straße

Anwohner helfen bei Pflege der Grünanlage

Bericht vom 16. Jour fixe

Am Mittwoch, 17.9., kamen VertreterInnen der BWB, des ausführenden Unternehmens ZÜBLIN, des Bezirksamts F’hain-Kreuzberg, der AI Lausitzer Straße sowie andere Betroffene und Interessierte zum 16. Treffen zusammen.

Arbeiten an Baustelle Paul-Lincke-Ufer abgeschlossen

behindertengerechte Rampe

behindertengerechte Rampe

Nach anfänglichem Dissens und öffentlichem Protest konnte durch respektvollen Umgang und zielorientierte Zusammenarbeit der Vorhabenträger, der Verwaltung und der AnwohnerInnen-Initiative ein tragfähiger Konsens mit einem nachhaltigen Ergebnis erzielt werden. Die monatlichen Baustellen-Jours-Fixes haben wesentlich dazu beigetragen, dies während der langen Bauzeit bis zur Fertigstellung aufrecht zu erhalten. Hierfür danken die AnwohnerInnen allen Beteiligten und Akteuren! Im Interesse des Gemeinwohls bei künftigen öffentlichen Dauerbaustellen sollten die Verantwortlichen das Erfolgsmodell AnwohnerInnen-Initiative Lausitzer Straße übernehmen. Den Rest des Beitrags lesen »

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