Hände weg vom Wiesenmeer!

Machtvolle Demonstration übers Tempelhofer Feld

Internationale Gartenausstellung (IGA) Berlin 2017 vom Tisch, 62Mio.€-Pläne für die Gestaltung eines Designer-Parks mit Felsenfirlefanz vom Tisch −, doch die Pläne für die sog. „Rand“-Bebauung des Tempelhofer Felds, das die diversen Senats-GmbHs zynischerweise  „Tempelhofer Freiheit“ titulieren, und andere Vorhaben mehr [s.u.] sind es mitnichten.

Das Tempelhofer Feld reicht nicht nur bis zum Taxiway und im Südosten und Süden auch nicht nur bis zum Zaun, sondern umfasst bspw. das baum- und mit vielfältiger Vegetation bestandene, für Stadtnatur, Artenvielfalt und Mikroklima sehr wertvolle Areal, das die idyllischen Kleingartenkolonien Tempelhofer und Neuköllner Berg beherbergt; von deren äußerst wichtigen sozialen Funktionen brauchen wir gar nicht erst reden. Immerhin haben diese Kolonien kürzlich von der Tempelschöner BVV Rückendeckung erhalten, indem eine entsprechende Änderung des FNP mehrheitlich abgelehnt wurde.

Und auch, dass „die Stadt [von der Neuköllner Oderstraße im Osten her] in den freien Raum hineinwachsen [soll]“, wie die Tempelhof Projekt GmbH in ihrem behutsamen Neusprech formuliert, stößt bekanntlich bei den dort Beheimateten auf wenig Gegenliebe.

Klandestine Partizipation?

Die größte Gefahr dräut aber von einer Art Salamitaktik, mit welcher der Senat über verschiedene landeseigene GmbHs Fakten schaffen will. Als Auftakt wird derzeit als sog. „partizipative Baustelle […] im süd-östlichen Bereich […] der erlebnisorientierte Spielplatz ‚Vogelfreiheit‘ − eine innovative ‚Skateskulptur‘ − realisiert“, für die Kleinbagger schon mal wertvolle Ruderalvegetation beiseite geräumt haben, die dann in den Herbstferien ab Oktober mit viel Beton ersetzt werden soll. „Im Rahmen eines Beteiligungsverfahrens zur zukünftigen Entwicklung des ehemaligen Flughafens Tempelhof wurde diese Idee 2007 [!] zur Umsetzung ausgewählt und die weitere Realisierung an die Grün Berlin GmbH übergeben“, heißt es in einem um den 17.09.2012 online gestellten PDF. Und weiter: „In Bauworkshops zum Thema Skateboard und BMX errichten die zukünftigen Nutzer eigene Skulpturen und lernen von professionellen Extremsportlern und Facharbeitern was bei Planung und Realisierung zu beachten ist.“

Seltsam bloß, dass bis vor kurzem die BürgerInnen, NutzerInnen, geschweige die BI 100% Tempelhofer Feld, nicht das Geringste von dem Vorhaben wussten. Offenbar soll die frühest möglich verabredete Partizipation nicht übermäßig öffentlich werden. − Eine Parkkommission mit BürgerInnenbeteiligung ist dringlichst einzurichten!

Probleme auch mit der Versammlungsfreiheit

Gestern veranstaltete genannte Initiative bei strahlendem Sonnenschein und moderatem Wind eine machtvolle Demonstration, nicht schon als Auftakt für den „Volksentscheid 100% Tempelhofer Feld“, wie die rbb-Abendschau übereifrig vermeldete, sondern um ihr Ziel: den Erhalt des THF in seiner jetzigen Gestalt und die vielfältigen Gründe, die dafür sprechen, erneut öffentlich zu machen und natürlich auch ihr Ansinnen eines Volksbegehrens zum Erreichen eines Volksentscheids für eben diesen Zweck.

Bezeichnenderweise versuchte der Grün-Berlin-Vertreter, Dr. Krebs, im Vorfeld, nämlich anlässlich der Anmeldeformalitäten der Demo die Veranstalter mit allerhand Restriktionen zu drangsalieren, Lautsprecher, Transpis, das Verteilen von Flyern und anderes mehr untersagen zu lassen. Ihm wurde allerdings seitens der Polizei eine Erläuterung zu Art. 8 GG (sc. das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit) zuteil sowie die Tatsache in Erinnerung gerufen, dass es sich beim Tempelhofer Feld noch immer um einen öffentlichen Raum handelt.

Unterschriften-SammlerInnen gesucht!

Was nun das geplante Volksbegehren betrifft, so müssen dank der Hinhaltetaktik von SenStadtUm die im ersten Schritt nötigen 24.000 Unterschriften nun in der kalten Jahreszeit gesammelt werden, damit es den SammlerInnen nicht gar so einfach werde wie im Sommer, wenn Zehntausende das Feld frequentieren. − Zum Anwerben der Unterschriften-SammlerInnen also war diese Demo zugleich ein Auftakt. Bitte tragt Euch zahlreich in die Listen ein, die bspw. am Haupteingang Oderstraße ausliegen.

Alles Weitere findet sich auf der Website von 100%THF und Details zur gestrigen Demo auf den folgenden Fotos [eins angeklickt öffnet die Slideshow!].

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6 Kommentare

  1. 24. September, 2012 um 10:20

    Tolle Bilder von einer tollen Demo…
    Vielen Dank Euch allen.
    Bitte unterstützt uns auch in Zukunft auf:
    https://www.facebook.com/tempelhofer.feld

  2. Entwicklung82 said,

    24. September, 2012 um 12:29

    Leider ein sehr einseitiger Artikel – wie meistens! Die Errichtung eines „Erlebnisorientierten Kinder- und Jugendspielplatzes“ wurde im Online-Dialog 2007 von den teilnehmenden Bürgern gefordert. Dieser Vorschlag erhielt neben dem Erhalt der Softballfelder am Columbiadamm die größte Zustimmung. Wen das Tempelhofer Feld 2007 noch nicht interessiert hat, hat davon natürlich nichts mitbekommen und unterstellt nun eine Art Geheimniskrämerei. Das klingt nach „DAGEGEN-Tourismus“ – im Ländle gibt es grad nichts zum Demonstrieren? Dieses permanente Anschreien (nur so können Wenige, die ihre Partikularinteressen!!! äußern, so medial präsent sein) gegen jegliche Entwicklung stinkt zum Himmel – es gibt Menschen, die eine Entwicklung und sei es zum Wohle der GESAMTstadt (Wohnungen die dem Anspruch der sozialen Gerechtigkeit entsprechen, Arbeitsplätze, Infrastruturverbesserungen sowohl hinsichtlich Schule aber auch ÖPNV etc.) durchaus für sinnvoll halten. Und da kann man nicht argumentieren, es gibt so viele Baulücken. Baulücken werden von vielen Bürgerinnen und Bürgern ebenso als Freifläche genutzt – und diese Baulücken befinden sich meist in Stadtteilen, die weniger großzügige Freiflächen aufweisen. Also: Man sollte nicht nur bis zur Nasenspitze denken, sondern auch mal die gesamte Stadt im Auge behalten. Ich danke schon jetzt, dass für diesen Volksentscheid GANZ Berlin aufgefordert ist. Im Volksentscheid zur Schließung war das auch so – wenig erfolgreich.

    • BaL said,

      24. September, 2012 um 23:46

      Oh doch, wir haben vom „Online-Dialog“ 2007 durchaus mitbekommen und namens des NABU Berlin, für den wir damals noch tätig waren, den Erhalt des Wiesenmeers (so hieß es schon seinerzeit) und Mahd durch Schafbeweidung vorgeschlagen.
      (Sonst wäre die Wiese nämlich bald verbuscht und – um aus dem enormen Arteninventar nur diese Einzigartigkeit herauszugreifen – über 100 Feldlerchen-Brutpaare inmitten einer europäischen Metropole, die sich am Flugbetrieb nicht störten – müssten nun, da er eingestellt und das Feld den BürgerInnen geöffnet wurde, verschwinden.)

      Allein die Auswertung dieses Online-Dialogs verlief sehr einseitig – wie meistens.

      Dass die sog. Bürgerbeteiligung der Senatsverwaltung auch bei der Frage der Nachnutzung des Tempelhofer Felds sehr zu wünschen übrig ließ, hat selbst der Geschäftsführer von Grün Berlin, Christoph Schmidt, öffentlich eingeräumt, nicht ohne übrigens Besserung zu geloben!

      Die steht jedoch nach wie vor aus. Wie kann man sonst erklären, dass, wo sich IGA- und manch andere Planungen (glücklicherweise!) zerschlagen haben, ausgerechnet dieses Detail von vor 5 Jahren herausgepickt und ohne Ankündigung umgesetzt wird, während sich doch eine große Mehrheit der BerlinerInnen überhaupt gegen eine Bebauung ausspricht? Hoffentlich nicht bloß, um der heimischen Bauindustrie peu à peu doch noch die versprochenen Aufträge zuzuschanzen!

  3. Unna said,

    24. September, 2012 um 13:12

    Warten wir es ab, ich hoffe doch, dass es langsam bei den Menschen durchsickert, dass der Klimawandel nicht im Kommen ist sondern schon da. Einige Dumme wird es immer geben, so what?

  4. A.G. said,

    24. September, 2012 um 14:07

    Gestern bei der Telefonabstimmung der „Abendschau“ im Fernsehen haben 82 Prozent der AnruferInnen gegen eine Bebauung des Tempelhofer Feldes gestimmt !

  5. Entwicklung82 said,

    26. September, 2012 um 10:41

    Aha…und wie viele Menschen haben bei dieser Telefonabstimmung mitgemacht? Wurden diese Zahlen auch genannt?

    Und warum beschwert man sich eigentlich, wenn eine Skate- und BMX-Anlage für Kinder und Jugendliche gebaut wird? Das ist doch megahirnrissig.. ehrlich. Prozesse dauern ihre Zeit und erstmal musste ja der Flughafen geschlossen werden, das Areal nach Kampfmitteln und Altlasten untersucht werden, vom Land Berlin angekauft werden, für eine Öffnung gesichert werden, geöffnet werden – 2012. Respekt, dass das Projekt nach 5 Jahren noch aktiv und bereit ist, in die Realisierung zu gehen.

    Aber nein, bei den Antis ist alles schlecht, wenn es nicht den eigenen Interessen dient (Klohäuschen sind ja gemäß Geseteszentwurf toll) oder aus dem eigenen Dunstkreis initiiert wurde. Klar, ich gebe zu, dass – mit Ausnahme der Zwischennutzungen auf dem Areal, das ist doch sicher auch in Ihren Augen ein feiner Zug – Bürgerbeteiligung eher begrenzt stattfindet. Da ist jedoch zu diskutieren, in welchem Maß Bürgerbeteiligung in der Stadtentwicklung überhaupt möglich ist.

    Und eins ist ja klar: In Tempelhof soll Stadt, sollen Wohnungen entstehen. Wohnungen! Das Angebot an Wohnraum in der Innenstadt ist mehr als angespannt. Und liebe Bewohner des Schillerkiezes in die Außenbezirke, wo es ausreichend Wohnraum gibt, wollt ihr doch auch nicht, oder? Also muss ein neues Angebot in den Innenstadtbezirken geschaffen werden, um den bestehenden Nachfragedruck zu mindern. Die Errichtung von Wohnungen auf dem Tempelhofer Feld (natürlich nur an den Rändern, der Park und das ist auch seit 1994 Konsens im Senat [siehe Archiv zur Planung auf der Homepage der SenStadtUm] bleibt als Wiesenmeer erhalten!) könnte sogar dazubeitragen, dass die Mieten im Schillerkiez weniger anziehen. Die Lagegunst wäre etwas weniger gut, da der Abstand zum Park 400 Meter zunehmen würde. Vielleicht gründen die „von der Verdrängung bedrohten Bewohner“ eine Wohnungsbaugenossenschaft und errichten in einem partizipativen Prozess eigene Wohngebäude?! Wäre mal ein Vorschlag… wäre dann was Eigenes und dann könnte dagegen gewettert werden, dass diese scheußlichen Menschen immer am Balkon vorbeilaufen, weil sie in diesen unsäglichen Park wollen – schrecklich! Denkt mal drüber nach.


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