Bedürfnis nach qualitativem Sprung

Vom 21. Forum zur „Zukunft des Landwehrkanals“

Senat zeigt kein Interesse

Fast vollzählig waren am letzten Montag (8.2.) die TeilnehmerInnen am Mediationsverfahren „Zukunft des Landwehrkanals“ zur 21. Forumssitzung erschienen. Nur die VertreterInnen des Senats wurden schmerzlich vermisst. Es wäre wirklich an der Zeit, wenn es hierzu endlich eine offizielle Stellungnahme gäbe, denn dieses demonstrative Desinteresse an einem Vorhaben von gesamtstädtischer Bedeutung, das eine Kooperation aller Verwaltungsebenen zwingend erforderlich macht und welche transparent und für alle nachvollziehbar durchzuführen dieses Verfahren doch eine exzeptionelle Chance bietet, führt zu allseitiger Verwunderung und wachsendem Unverständnis.

21. Forumssitzung am 8. Februar 2010

21. Forumssitzung am 8. Februar 2010

Beschluss über Sicherungsvariante drängt

Gerade mit Blick auf die Diskussion in der Arbeitsgruppe „Gutachten und Planwerke“ vom 25.1. über Planung und Durchführung einer UVS und der Aufstellung eines LPB, mit deren Abschluss gemäß der vorgestellten WSA-Zeitschiene jedoch nicht vor 2013 zu rechnen sei, schlugen die BürgervertreterInnen eine Debatte darüber vor, ob es nicht inzwischen hohe Zeit sei, das Gesamtvorhaben der Kanalsanierung zu unterteilen

  1. in die Phase einer zeitnah zu beschließenden und in ein bis zwei Jahren umzusetzenden Primärsanierungs- oder Sicherungsvariante für evtl. 80 bis 90 Prozent der knapp 11 km Regelbauweise (also für den Bereich unterhalb der Wasserlinie) und
  2. in die ungleich längere Phase der darauf aufbauenden und je spezifische Lösungsvarianten erfordernde endgültige Sanierung der Ufermauer oberhalb der Wasserlinie, was ja voraussichtlich 10 bis 15 Jahre beanspruchen dürfte, dann aber in Ruhe und mit aller Behutsamkeit angegangen werden kann.

Die besagte Primärvariante mit vorgesetzter, hinterfüllter, unter Wasser abgeschnittener Spundwand, die seinerzeit für das 370m-Pilotprojekt entlang der betongesicherten Bäume auch deswegen einvernehmlich beschlossen werden konnte, weil sie keine weitergehenden Maßnahmen präjudiziert, sollte das WSA bereits vor einem Jahr auf ihre Tauglichkeit als endgültige Lösung für größere Kanalabschnitte zu prüfen beginnen [siehe auch hier], denn die Fahrgastschiffer hatten sich unter der Voraussetzung mit der damit einhergehenden Verengung der Fahrrinne einverstanden erklärt, wenn es in den notwendigen Abständen und Bereichen Ausweichstellen für Begegnungsverkehr gäbe. Weiterer Charme der Lösung erwuchs aus der Kosten- und Zeitersparnis.

Nicht zuletzt aber muss es um die Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit gehen, die Vermeidung weiterer Unterminierung des Bauwerks und damit neuer Havarien, die dann jederzeit in die Neuauflage von Forderungen nach Baumsicherungen oder gar angeblich notwendiger Fällungen münden können.

WSA und LDA zaudern

Sowohl die VertreterInnen von BI/Verein BaL, der AnwohnerInnen und der Bezirke als auch die versammelte Reederschaft erkennen die Notwendigkeit einer solchen gestaffelten Vorgehensweise sowie den Handlungsbedarf, während sich WSA-Leiter Scholz und AG-LWK-Leiterin völlig überrascht gaben. – Der Denkmalschutz aber machte Vorbehalte geltend, die LDA-Vertreter Klaus Lingenauber in der Kürze der ihm nur zur Verfügung stehenden Zeit dem Forum jedoch nicht recht deutlich zu machen vermochte.

Niemand will zehn Jahre auf Spundwände blicken

Da die Verspundung schon wegen der bereits ausgeschöpften Kapazitäten der regionalen Bauindustrie [als Beispiel diene eine seit August nicht behobene Untiefe im Griebnitzkanal] nach einer Aufteilung der Gesamtstrecke etwa in drei größere Abschnitte (Lose) europaweit ausgeschrieben werden muss und auch dann nur sukzessive erfolgen kann, ist bspw. nicht zu besorgen, dass Spundwände irgendwo und gar auf längere Strecken zehn Jahre aus dem Wasser ragen.

Überhang-Kartierung jetzt beauftragen!

Die Prüfung der Tauglichkeit dieser Primärsanierungsvariante macht ferner das Herauslösen der zeitnah durchzuführenden Kartierung der überhängenden Uferbäume aus der umfassenden floristischen Kartierung im Rahmen der UVS einerseits als auch ihre Trennung von der Baumkartierung unter denkmalpflegerischem Aspekt andererseits erforderlich.

Die BürgervertreterInnen wünschen durchaus eine umfassende UVS– und LPB-Erstellung, doch halten beides für die vordringliche Bauwerkssicherung entsprechend der auf den 370 Meter in großen Teilen bereits umgesetzten Verspundungsvariante für nicht nötig.

Um den Beschluss über die Primärsanierung zu fassen, ist gleichermaßen unnötig, erst die „Bindung weiterer Ingenieurskapazität“ (Frau Dr. Ernst) abzuwarten, sondern nur der vor acht Monaten ergangene Auftrag zur Kartierung des Kronenüberhangs mit der Beauftragung eines externen Baumsachverständigen endlich umzusetzen.

Keine Interdisziplinarität zwischen Denkmalästhetik und Ökologie

Und wenn der Denkmalschutz fortgesetzt und zur Unzeit von altersschwachem oder deplaziertem Baum- und Vegetationsbestand spricht, den zu erhalten nicht verlohne, wird evident, dass einer floristischen Kartierung und Bestandserfassung vorgegriffen werden soll (das GgG soll noch in diesem Jahr abgearbeitet werden!), während diese völlig unabhängig von derlei normativen Ansätzen durchgeführt werden muss, gerade wenn und weil sich im Einzelfall später dann möglicherweise herausstellt, dass Vegetationsbestand geopfert werden muss!

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