Vandalismus im Grunewald

Mit Harvester und Kettensäge durchs Naturschutzgebiet

Sichtschneise nahe Grunewaldturm

Sichtschneise am Grunewaldturm

Bei jeder einschlägigen Gelegenheit brüsten sich SenStadt-VertreterInnen voller Stolz mit dem grünen Berlin, der − mit ihrem ca. 29.000 Hektar knapp zwanzig Prozent ihrer Fläche einnehmenden Stadtwald − nach Wien zweitwaldreichsten europäischen Metropole, mit einer schon 2002 nach FSC– und den noch strengeren Auflagen des Naturland-Siegels zertifizierten ökologischen Waldbewirtschaftung. − Doch wenn man sich in diesen winterlichen Tagen in den Grunewald verirrt, z. B. ins Revier Saubucht und das dortige Naturschutzgebiets (NSG), in die Gegend des Grunewaldturms oder auch den Hangwald unterhalb der Stallupöner Allee entlang wandert: überall bietet sich ein Bild brachialer Durchforstung, ja streckenweise regelrechter Verwüstung, und all dies angerichtet unter Einsatz schweren Geräts, so genannter Harvester.

Harvester

Harvester in Aktion

Diese Maschinen sind schon wegen der Bodenverdichtung in einem NSG grundsätzlich unzulässig, ruinieren aber auch sonst die Waldwege und verursachen in Hanglagen die Erosion fördernde, breite Abflussrinnen. Auch die SpaziergängerInnen, auf die man trifft, empören sich über den „Vandalismus“, der die Waldränder entlang der Wege rücksichtlos zerfranst. (Nicht nur) ökologisch wertvolle alte Eichen, Kiefern, Birken, sog. Z- (= Zukunfts) Bäume, werden auch manuell mit der Kettensäge umgelegt, während nebenan krüpplige Lärchen oder ganze Stangenholz-Äcker wie etwa entlang der Tapiauer Allee, die seit Jahren einer Auslichtung bedürften, weiterhin unbehelligt bleiben. − Offensichtlich scheint es auch bei dieser Waldwirtschaft weniger um Ökologie als vielmehr um Ökonomie zu gehen.

Und der „Runde Tisch Wald“ ?

Saubucht

In der Saubucht

Die engagierten Berliner Naturschutzverbände, die mit VertreterInnen der Berliner Forsten am Runden Tisch „Berliner Wald“ sitzen, einer schon seit 1999 bestehenden „richtungsweisenden Einrichtung“ (Staatssekretärin Krautzberger), die „einen unbürokratischen Umgang und Gedankenaustausch ermöglichen“ soll, sind bei geplanten Holzeinschlägen dieser Dimension und insbesondere in Naturschutzgebieten auf jeden Fall im Vorfeld nicht nur zu informieren, sondern an der Erörterung der fachlichen Notwendigkeit und Art der Durchführung der geplanten Maßnahmen zu beteiligen, soll diese Institution nicht als bloßes Feigenblatt dienen −, doch die Verbände wissen von den aktuellen umfänglichen „Baumarbeiten“ im Grunewald nichts.

Förster in Urlaub

In der Saubucht

dito

Wir hören, dass die Berliner Forsten, offenbar selbst nicht im Bilde, nun einen Ortstermin in der zweiten Februarhälfte vorgeschlagen haben, nämlich dann, wenn der zuständige Revierförster aus dem Urlaub zurück sei − und sich vom bestandsschonenden Vorgehen der beauftragten „Baumpflegefirma“ post festum überzeugt hat?

Stopp der Maßnahmen bis zum Ortstermin!

Naturschutz-Eule

Naturschutz-Eule auf der Strecke

Wir meinen, mindestens bis zu diesem Ortstermin unter Beteiligung von VertreterInnen der Naturschutzverbände sollte der Holzeinschlag, der − für ein Kind ersichtlich − eben nicht „bestandsschonend“ erfolgt, ja sogar symbolträchtig einen Baum mit der Naturschutz-Eule niedermähte, sofort eingestellt werden!

Es kann und darf einfach nicht sein, dass jetzt auch noch externe, fachlich nicht ausreichend qualifizierte oder instruierte Fremdfirmen nicht nur unsere Straßenbäume verkrüppeln oder die Parkanlagen mit der Kettensäge pflegen, sondern − und auch noch unbeaufsichtigt vom zuständigen Revierförster oder sonstiger naturschutzfachlicher Kompetenz − inmitten von Naturschutzgebieten mit schweren Maschinen ökologisch wertvollste Altbäume „ernten“, unter Zurücklassung von Schneisen der Verwüstung. Oder die Waldwirtschaft der Berliner Forsten hat nicht mehr länger Anspruch auf die genannten Öko-Siegel!

Kettensäger

Entasten einer gefällten Alteiche

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1 Kommentar

  1. André Roesener said,

    6. März, 2010 um 17:08

    Derzeit beobachte ich einen verheerenden Kahlschlag entlang der Teufelsseechaussee, wo vor etwa 5 – 8 Jahren noch Bäume und Buschwerk bis fast an die Fahrbahn reichten. In „kleinen“ Schritten wird jetzt ein ca. 10 – 15 Meter breiter Streifen zum Teufelsberg hin gerodet. Angeblich soll so verhindert werden, dass der neue Fahrradweg wieder durch Wurzeln gehoben wird. Der Fahrradweg befindet sich allerdings auf der anderen Fahrbahnseite. Ich schätze die Fällmenge bis jetzt auf rund 200 Bäume, von denen viele alt sind.

    Runde um den Teufelsee scheint sich ein „Schlachtfest“ anzukündigen. Im Bereich der Badestelle, die vor ca. 10 Jahren noch bewaldet war, sollen jetzt wohl die letzten großen Bäume fallen. Direkt an der Badestelle sind es 5 große Bäume mit rotem Punkt. Aber auch auf der gegenüberliegenden Seite sind alle Alteichen – der Uferbereich ist angeblich Naturschutzgebiet!! – markiert und werden offenbar gefällt. Es wird nach Abschluss der Aktion keine alten Bäume im unmittelbaren Bereich des Teufelssees geben. Wer vom Parkplatz zum See kommt und ihn dann nach links umrundet kann dort eher unmarkierte Eichen und andere ca. 100 – 150 Jahre alte Bäume suchen, da fast alle Altbäume markiert sind. Auch die Vorjahreskastastrophen sind gut sichtbar, der „Wald“ – den ich noch vor 15 Jahren gekannt habe – sieht heute aus wie Wälder in Norddeutschland, nachdem eine Windhose hindurchgefegt ist, der Abstand zwischen den einzelnen Bäumen beträgt teilweise 10 Meter und mehr – sämtliches Buschwerk fehlt, Wiederaufforstung ist nicht erkennbar. Der Wald hat nicht einmal mehr den Charakter eines „Englischen Gartens“.

    Der zuständige Förster, der angeblich weitgehend allein und unkontrolliert von Bezirk und Senat im Wald tätig ist, hat dienstags von 14 – 18 Uhr Sprechstunde in der Revierförsterei – ans Telefon geht er wohl nicht – dort sei er aber zu erreichen. Ich werde auf jeden Fall diesen Dienstag dort hingehen, da irgendwelche Schonzeiten (01.03.) für den Herrn Förster ohnehin nicht gelten und das Gemetzel seinen (weiteren) Lauf nimmt.

    Wer hat Informationen über Verbindungen (und mehr) zwischen „Baumpflegern“ und Förster oder Senatsmitarbeitern. Was geschieht mit dem Holz, wieviel Holz wird abgerechnet und wieviel Geld wird durch den Förster abgerechnet? Kann es sein, dass deshalb jetzt die alten Eichen dran sind, weil die das meiste Geld bringen und das Buschwerk einfach deshalb wegmuss, weil sein Fehlen den Abtransport erleichert? Irgendjemand muss daran irgendetwas verdienen, denn vom Wald her betrachtet macht diese mittlerweile seit mindestens 5 Jahren andauerende Holzerei überhaupt keinen Sinn!

    Wer weiß was von Protestaktionen? Wer ist in der Presse ansprechbar? Was macht der hier erwähnte „Runde Tisch“ und wie kann man ihn kontaktieren?

    Schön wäre, wenn möglichst viele sich das Gelände um den Teufelsseee mal ansehen, den Förster besuchen (dienstags) und bei Berliner Forsten, Senatsverwaltung Stadtentwicklung mal anrufen, damit der Förster dort draußen in seinem Walde nicht ganz allein ist und unser Leben nicht mehr reichen wird, um den Grunewald wieder zu sehen, den wir jetzt sehen und vor 10 Jahren gesehen haben!


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