Lücken im Grünbereich schließen

…floristisch und personell!

Vom Xhainer Brutzeitfällen 2018

Gestern entdeckten wir mit bisschen Verzug, da unter ‚Impressum‘, den Hilferuf einer Kreuzbergerin, auf dem Hof der Robert-Koch-Oberschule seien Platanen gefällt worden und morgen, also heute, kämen die Straßenbäume. Im Straßen- und Grünflächenamt war um 17 Uhr niemand mehr zu erreichen. Also erteilten wir die in solchen Fällen angezeigten Ratschläge und richteten zugleich auch eine Anfrage an mehrere Adressen in Straßen- und Grünflächen- (SGA) sowie dem Umweltamt.

F’hain-Kreuzbergs SGA hat auf verschiedenen Accounts gefühlt seit Monaten einen Autoresponder, und der geht bspw. so:

„[…] wir weisen darauf hin, dass aus personellen Engpässen, die Bearbeitung Ihrer Anliegen nur sehr zeitverzögert bearbeitet werden können.
Bitte haben Sie Verständnis dafür, das aus diesem Notstand heraus die eingehenden Anfragen nach Dringlichkeit sortiert und abgearbeitet werden.“ —

Die Lücken, welche die unseligen Personaleinsparungen gerade im Grünbereich gerissen haben, erweisen sich offenbar als nachhaltig.

[Nachtrag 15.7.: Wir vergaßen den Hinweis, dass sich in den Platanen auf dem Robert-Koch-Schulhof Nester von Rabenvögeln befunden haben sollen, d.h. hier scheint ein eklatanter Verstoß gegen Artenschutzrecht vorzuliegen! Im Anschluss an die Fällungen fanden Anwohner*innen der Dieffenbachstraße jetzt Aushänge in ihren Hausfluren.

In diesem Kontext wirkt die Nonchalance, mit der ‚Bewegungsstadtrat‘ Florian Schmidt eine Einwohner*innenanfrage zu Fällungen in der Großbeerenstraße abfertigte, schon sehr krass.
In welchem Bereich soll es denn die u.a. von ihm bei jeder offiziellen Gelegenheit gepriesene Öffentlichkeitsbeteiligung geben? Bei der Farbe des Gebäudeanstrichs, des Wohnungszuschnitts oder des Arrangements von Architekten-Petersilie?

„[…] würde das Straßen- und Grünflächenamt im Vorfeld einer Baumfällung, die ja immer ein schmerzhafter Eingriff ist gerade für die Nachbarn, darüber berichten oder informieren, dann befürchtet die Verwaltung wahrscheinlich nicht ganz zu Unrecht, dass es dann zu erheblichen Protestaktionen kommen würde bis hin zu Baumanbindungen und damit quasi das Maß, also das Ausmaß an Aufwand, das hier betrieben werden muss, aber letztlich um eine Verkehrssicherheit herzustellen, ins Unermessliche oder auf jeden Fall nicht mehr vertretbar gesteigert würde.“

Baumfällungen werden nicht bekannt gegeben, um Proteste zu vermeiden?! Angesichts der zahlreichen unnötigen bzw. Fehlfällungen in der Vergangenheit gerade in Kreuzberg ist so eine Auskunft skandalös! Die Praxis im Grünflächenbereich ist Florian Schmidt ganz offensichtlich nicht geläufig. Bürger*innen verwenden Zeit auf ihre Anfragen, aber der Verwaltung sind Details ihres Handelns nicht bekannt. Vielleicht sollte sie sich im Vorfeld schlau machen (lassen)! Nicht zuletzt deswegen hat nicht nur u.E. der Bereich Grünflächen im Bau-Ressort überhaupt nichts verloren!
Und während Bäume oft auf Augenschein (VTA) als „absterbend/abgestorben“ taxiert werden und mit etwas Glück auf der vor etwa zehn Jahren u.a. von uns durchgesetzten „Informationsliste“ (Fällliste) landen, natürlich ganz ohne die vom Autor der VTA-Methode, Prof. Matteck, bei finalem Handeln außerdem unbedingt angeratene invasive Begutachtung (➜ Resistorgraph/Schalltomographie) durchführen zu lassen, werden die Fällaufträge an immer dieselben, fachlich oft suboptimal zu Werke gehenden Billigfirmen vergeben, die sie dann nach Auftragslage gerne auch in der Brutzeit ‚abarbeiten‘, natürlich ohne Ausnahmegenehmigung, ohne artenschutzrechtliche Prüfung und ohne die vorgeschriebene Ausschilderung drei Tage im Voraus (schon wg. der Parkenden), wobei wir eben einstmals „Baumfällung“ (und nicht nur „Baumarbeiten“) vereinbarten.

Damit aber ist auch klar, dass es sich nicht um ‚Gefahr im Verzug‘, also unverzüglich erforderlicher Handlungsbedarf, nämlich Herstellen der Verkehrssicherheit handeln kann. −Was freilich solche Fälle anlangt, haben Sachverständige wie Bürger*innen das SGA Xhain wiederholt auf Fußgänger gefährdende abgestorbene Bäume oder über Wege ragendes Totholz hingewiesen — ohne dass, zuweilen über Monate hinweg, etwas geschehen wäre!

Wegen des personell ausgehungerten Grünbereichs und bei derartigem Problembewusstsein ist jedenfalls zivilgesellschaftliche Beteiligung alternativlos, und zwar nicht nur beim Bäume wässern! – Hätten die BaL bspw. am Landwehrkanal oder im ehemaligen Luisenstädtischen keine Bäume besetzt/mit ihren Leibern geschützt, würden sie längst nicht mehr stehen (und die ohnehin wenig wahrscheinlichen Nachpflanzungen wären mittlerweile schon dreimal verdurstet!
Eine Haltung zur Beteiligung als unzulässige Störung des Verwaltungshandelns ist angesichts dessen einfach impertinent!]

Wir hatten allerdings im konkreten Fall geschrieben, dass sich bei Gegenstandslosigkeit unserer Nachfragen in dieser Angelegenheit eine Antwort erübrige. – Die Anwohner*innen in der Dieffenbachstraße jedoch waren geradezu traumatisiert, als mitten im Hochsommer, also der Vegetations- und Brutperiode, auf dem Hof des Gymnasiums zwei mächtige Platanen sowie eine große Kastanie gefällt wurden, um − Container aufzustellen. In der allgemeinen Erregung kamen dann noch Gerüchte auf, es ginge auch noch an die Straßenbäume, doch die Fälllisten führen nur eine längst gefällte Robinie, und im Übrigen haben sie sich glücklicherweise (bislang) nicht bestätigt.

Infos sind dringlich!

Eine Beantwortung bei dieser Sachlage finden wir jedenfalls durchaus dringlich! Es soll Menschen geben, die sich für ihr natürliches Wohnumfeld interessieren und unabhängig davon haben alle ein Recht darauf, von erheblichen Eingriffen wenigstens im Vorfeld Kenntnis zu erhalten und nicht erst durchs Kreischen von Motorsägen!

Leider können wir mit keinen Fotos weder der lebenden Bäume noch ihrer Überreste aufwarten, und auch sonst fehlt uns die mindeste offizielle Aussage zu diesem Vorgang, der u.M.n. unbedingt überprüft gehört. Kein Hinweis im Netz, nirgends [wofür ist die Behörden-, ist die Schul-Website da, wenn nicht auch für solche Infos?!]. Die Begründung der Ausnahmegenehmigung und ob die gesetzlich in jedem Fall vorgeschriebene Untersuchung der Bäume nach Artenschutzrecht vorausging, ist wahrhaftig von öffentlichem Interesse! Fast könnte man auf den Gedanken geraten, es mangele an hinreichendem Problembewusstsein. Wir sind nicht mehr in den 1970ern!

Die Bäume aber seien wegen eines auf zwei Jahre befristeten Interimsstandorts für Container gefallen, schreibt eine Anwohnerin, und wir können nur hoffen, dass das nicht wahr ist; dass das nicht wahr sein darf, brauchen wir hoffentlich nicht zu erläutern! Wir finden, wie gesagt, nichts im Netz, haben niemand im Amt erreicht, aber es kann doch des weiteren nicht wahr sein, dass es dazu nicht nur keine Beteiligung, sondern noch nicht mal ausreichende Information gegeben hat!

Nieder mit den Platanen? 

Auch auf dem einst parkähnlichen Hof der Gerhart-Hauptmann-Schule in der Ohlauer Str. („Campus Ohlauer“) [siehe z.B. hier] wurden zwecks Nachverdichtung (die Angaben, womit und wodurch, wechseln) bekanntlich bereits Bäume gefällt (vor der Brutperiode!) und werden nach der Vegetationsperiode weitere fallen, und zwar ebenfalls Platanen, alte Bäume, die in einem Fall dem WW II getrotzt haben und übrigens viel besser als andere Arten mit den Auswirkungen des Klimawandels zurechtkommen, aber halt nicht mit leidenschaftsloser, zwar rechnergestützten, aber doch, was den Bauplatz betrifft, völlig ignoranter Baukasten-Planung. [Korrektur, 16.7.: Uns ist ein schlimmer Irrtum passiert, indem wir glaubten, die Fällung von insgesamt 22 zum Teil sehr alten, großen Bäumen für das Campus-Ohlauer-Ungetüm sei in Etappen geplant; dabei ist sie schon im Februar voll durchgezogen worden. Und wir kommen nicht umhin, unsere Schwäche einzubekennen, uns den Schauplatz noch immer nicht persönlich angesehen zu haben. Stubben trieben üppig wieder aus —, da braucht’s nun bald wieder eine Fällung.]

Silberahorn

Einst ein gesunder Silberahorn im Rossow-Garten, Blücherstraße 26

Es gab eine Alternative, wie es sich ohnehin gehört (aber es gab ja kein B-Planverfahren und nur einen schlechten Witz von Beteiligung!), und mit einer einigermaßen durchdachten Konzeption, v.a. dem entsprechenden Willen hätten die Bäume selbstverständlich größtenteils erhalten werden können (und heuer einfach müssen!), aber daran bestand amtlicherseits leider kein Interesse, weil man sich nur auf Soziales (bezahlbaren Wohnraum) oder Stadtnaturschutz (ist auch Klimafolgenadaption) fokussieren kann, also immer eins nach dem anderen, nicht alles auf einmal.

Dasselbe geschah bekanntlich mit dem Rossow-Park in der Blücherstraße, ein Trauerspiel in vielen Akten, auf das wir an dieser Stelle nur verlinken.

Fazit

Eine Planung die vorhandenen Naturbestand, ja bestehende kleine Parkanlagen erhält und integriert, ist in Friedrichshain-Kreuzberg noch utopisch und bleibt kommenden Generationen vorbehalten.

Erst mal Bäume weg und Container, hieß es ja auch in Lankwitz − und es spielt überhaupt keine Rolle, für wen! −, dann sehn wir weiter. — Alles nur traurig.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: die Erfolge und Vorreiterrolle des Bezirks im Kampf gegen Mietenwahnsinn, Immobilienspekulation und für eine Mobilitätswende begrüßen wir uneingeschränkt, vermissen nur schmerzlich die berühmte Ganzheitlichkeit, den holistischen oder nur integrierten Ansatz.

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