BaumschützerInnen-Info vom 04.06.08

Georadar kann die Bauzäune auch nicht beseitigen

Pünktlich zum kürzlichen Sommerausbruch schafften es die Ufer des LWK mal wieder in die Abendschau oder vielmehr die berühmten Bauzäune, die sie seit nunmehr einem Jahr auf einer Länge von zwei Kilometern wegen angeblicher Abrutschgefahr versperren. Erwartungsgemäß scheren sich die Erholung Suchenden wenig darum, sondern verschaffen sich, nachdem die Drahthecken allmorgendlich wieder verschlossen worden sind, im Laufe des Vormittags erneut ihre Durchgänge, riskieren jedoch, wenn sie sich anschließend auf den vergleichsweise ruhigen Stellen ergehen, auf eigene Gefahr Leben und Gesundheit.

WSA-Sprecherin Evelyn Bodenmeier, dazu befragt, erklärt zwar, wie unsichtbare Vertiefungen unter der Oberfläche die Böschung zum plötzlichen Abrutschen veranlassen können, dann etwa, wenn der Verkehr zu Lande oder eben zu Wasser besonders stark ist, doch erklärt leider nicht, warum dann die Fahrgastschiffe überhaupt die Gefahrenstellen nach wie vor passieren dürfen.

Wie auch immer, in der letzten Sitzung des AK Kurzfristige Maßnahmen am 29. Mai wurden verschiedene georadiologische Verfahren vorgestellt, die Hohlräume im Boden noninvasiv und zerstörungsfrei detektieren können, einmal von K. Musfeldt von der Firma GBM Wiebe und sodann vom Göttinger Professor Weihs. Wir können uns hier ersparen, die recht aufwendige Messtechnik namens Georail und Geo Control hier näher zu beleuchten und alle Besorgnisse, dass dem Einsatz des Messschlittens mit seinen 14 Antennen womöglich die Vegetation geopfert werden müsse, waren überflüssig, denn die Eindringtiefe der 400-Mhz-Impulse endet bei vier Metern, während die Hohlräume in mindestens sechs Meter Tiefe vermutet werden. (Eine niedrigere Frequenz würde die Reichweite zwar erhöhen, doch wegen der geringeren Auflösung und der zu erwartenden Störsignale aufgrund der Schuttverfüllung der Böschungen keine ausreichend genauen Daten liefern, während die für statische Berechnungen unabdingbaren Bodenkennwerte vom Georadar prinzipiell nicht zu erwarten sind.)

Bei Prof. Weihs‘ Anwendung des Georadars stehen hingegen die Bäume im Mittelpunkt oder genauer der städtische Wurzelraum und die schlechten Standortbedingungen, wodurch die Stadtbäume nicht nur in ihrer Lebenserwartung drastisch eingeschränkt werden, sondern vor allem auch die Verkehrssicherheit gefährden, was dann allzu oft ihre umstandslose Fällung bedeutet. Dem versucht Prof. Weihs mit einer Palette bodenverbessernder Maßnahmen zu begegnen, worauf wir in anderem Zusammenhang noch mit Sicherheit zurückkommen werden, doch was die Bauzäune angeht, versprechen diese Verfahren leider keine Abhilfe.

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4 Kommentare

  1. blindfisch said,

    4. Juni, 2008 um 10:05

    hier gilt es zu erweitern:
    beim Ansatz von Herrn Prof. Weihs geht es nicht nur um die Bäume und deren Standsicherheit als auch Lebenserwartung oder eben Verbesserung des Lebensumfeldes – das ist eine absolute verengende Wahrnehmung seiner Forschung. In einer spannenden Diskussion am Ende der Sitzung – die obiger Schreiber wohl verpasst haben muss – wurde lebhaft über ein Pilotprojekt mit den Weihs´schen Methoden gerungen, die u.U. mit einer anderen Software gepaart doch Hohlräume in größeren Tiefen nachweisen können. Nachzulesen sicherlich demnächst auf der Website des Mediationsverfahrens – ein Besuch dort lohnt sich!

  2. xonra said,

    4. Juni, 2008 um 19:14

    Nanu, etwa eine Werbemail für die Website des Mediationsverfahrens ? Schade, das „demnächst“ sagt wirklich alles.

  3. blindfisch said,

    6. Juni, 2008 um 10:08

    lieber x-onra,

    wo hier nicht alles gesagt wird, muss man halt auf die andere Seite verweisen!

    Dieses im Sinne der Ausgeglichenheit,

    sonnigste Grüße

  4. bibbche said,

    6. Juni, 2008 um 13:10

    @blindfisch

    oder, wenn man bis zum Schluss dabei war, selbst was dazu schreiben… aber macht wahrscheinlich zuviel Arbeit…


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