Kleiner Lehrpfad entlang des Urbanhafens

Infotafeln zum Landwehrkanal aufgestellt

Geschichte

Zur Geschichte (zum Vergrößern anklicken!)

Sieben Schau- und Info-Tafeln zum Landwehrkanal wurden Ende vergangener Woche entlang des südlichen Ufers des Urbanhafens aufgestellt, Pedants zu jenen sechs, die vor exakt einem Jahr am Einsteinufer der Öffentlichkeit übergeben wurden. Es ist kein Schilderwald geworden, wie manche im Vorfeld schon befürchteten, sondern durch die relativ kleine Dimensionierung der Halterungen und der Tafeln selber bleiben sie eher unauffällig, so dass nur, wer weiß, dass es ihrer sieben sind, sie auch beim Entlangspazieren gleich alle findet. Landesdenkmalamt und die Untere Denkmalschutzbehörde des Bezirks F’hain-Kreuzberg gaben relativ problemlos ihr Plazet.

Regenüberlauf

Funktion als Regenüberlauf

Auch diese neue Serie, die Einheimischen und TouristInnen den stadtökologischen, Naturschutz- und Naturerlebniswert gerade dieses Areals mit seinen zahlreichen im Gewässer nur hier vorkommenden Lebensformen nahebringen und zu einem schonenden Umgang mit diesem wertvollen Stück Stadtnatur ermuntern soll, wurde unter der Leitung der TU Zentraleinrichung wissenschaftliche Weiterbildung und Kooperation / BANA [siehe auch hier] in Zusammenabeit mit der Meßzelle e.V. und der WSV erstellt.

Sanierungsbedarf

Zum Sanierungsbedarf

Die Tafeln aus bewährtem Material, von dem sich Graffiti relativ gut entfernen lassen, handeln von der Geschichte des Kanals, seiner Funktion als Regenüberlauf, dem Sanierungsbedarf seiner Ufermauern, seiner Wasserqualität [Großansicht], seinen Wasserlebewesen von den Wirbellosen bis zu den Fischen, von der Vogelwelt und natürlich − seinen Uferbäumen. Viele haben zum Gelingen des Projekts beigetragen: BANA-Studierende und ihr Dozent, ein Gewässerkundler der Grünen Liga mit limnologischen Informationen und einer Aufnahme des „Kreuzberger Krebses“, BaL-Mitglieder mit Bildern zur Avifauna (wobei die Suche nach Nestern der so häufig über dem Wasser zu beobachtenden Mehlschwalben in der näheren Umgebung allerdings vergeblich blieb und deshalb auf ein Foto aus dem NABU-Fundus zurückgegriffen werden musste) u.a.m.

Die BWB, die noch am Einsteinufer mittaten, traten am Urbanhafen leider nicht mehr als Sponsoren auf. − Hervorzuheben ist die gute Zusammenarbeit mit der WSA-Pressesprecherin LWK, Frau Bodenmeier.

Wasserqualität und -lebewesen

Wasserqualität und Wasserlebewesen

Hauptfinanzier war wieder die WSV (also der Bund oder „der Steuerzahler“), weshalb sich, geradeso wie bei jener einzelnen Infotafel an der Teststrecke Paul-Lincke-Ufer, die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Verwaltungsebenen nicht ganz unkompliziert darstellte: Da die Behörde an solchen Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen und Vereinen, die im konkreten Fall von TU-Angehörigen angestoßen wurde, durchaus Geschmack gefunden hat und nun gleich auch bundesweit von Kiel bis Konstanz promoten will, wurde der Sorgfalt in der Beachtung des Corperate Design und den allenfalls zulässigen Modifizierungen höchste Bedeutung beigemessen. Die ein dreiviertel Jahr währende Klärung von Fragen des Layout, der Fonts, der Platzierung der Logos wo und in welcher Größe etc. verlangte von allen Beteiligten einige Geduld.

Vögel und Fische

Vögel und Fische

Diesem kurvenreichen Werdegang ist es nun auch geschuldet, dass aus terminlichen Gründen vor der Sommerpause leider keine Einweihungsfeier wie seinerzeit am Einsteinufer mehr organisiert werden konnte, sondern in den August verschoben werden muss. Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben. − Aber alle Interessierten sind natürlich ganz herzlich eingeladen, diesen neuen kleinen Lehrpfad zur Lebensader Landwehrkanal auf eigene Faust zu erkunden!

Bäume

Der Landwehrkanal und seine Bäume

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Schautafeln am Einsteinufer der Öffentlichkeit übergeben

TU hat sich vertraglich zu ihrer Instandhaltung verpflichtet

Die MacherInnen

Die MacherInnen

Vielleicht war’s ein gutes Omen, dass am Mittwoch (1.7.) über der kleinen Einweihungsfeier der Schautafeln zu Geschichte, Ökologie, Flora und Fauna sowie Nutzungskonflikten des Landwehrkanals am Charlottenburger Einsteinufer die Gewitterwolken sich zwar drohend türmten, aber nicht entluden und zur allgemeinen Verblüffung  schließlich verflüchtigten.

Schautafel-Einweihung

Schautafel-Einweihung am Einsteinufer

Wie berichtet, resümieren die sechs, von TU und BWB gesponserten Tafeln die bisherigen Ergebnisse des Projekts „Wasser in Berlin“ im BANA-Studiengang zu dieser innerstädtischen Wasserstraße − mit ihren immerhin 400.000 AnwohnerInnen einer der zentralen Lebensräume Berlins, wie inzwischen sogar die WSD Ost erkannt hat.

Aal

Aal im Kanal in Atemnot

Ein Hauptaugenmerk richteten die Studierenden auf die Wasserqualität im Kanal, wobei die Folgen der Mischwasserkanalisation mit ihren als „Entlastung“ euphemisierten ungeklärten Überläufen ein Haupthindernis auf dem Weg zum „guten ökologischen Potential“ darstellen, das die EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) eben auch für künstliche Gewässer zu erreichen den Landesbehörden, in unserem Fall also SenGUV, aufgibt. Dass die dem Senat hierfür zur Verfügung stehenden Mittel zeitlich immer weiter gestreckt werden, wird allerdings sowohl von der Senatsverwaltung als auch den BWB bestritten.

Erste Fische treiben kieloben

Erstickte Rotfeder

Erstickte Rotfeder

Die starken Regenfälle der letzten Wochen mit Einleitung durch organische Stoffe (Hundekot), Schwermetalle, Reifenabrieb etc. kontaminierten Oberflächenwassers lassen in Verbindung mit den ansteigenden Temperaturen die Sauerstoffwerte wieder unters kritische Limit sacken, und wir konnten gleich am Einsteinufer dicht unter der Oberfläche japsende Fische, darunter ein Aal, und etliche tot inmitten blühender Algen treibende Rotfedern ablichten. Der Einsatz des Belüftungsschiffs Rudolf Kloos kann also in keiner Weise eine nachhaltige Sauerstoff-Anreicherung des Kanalwassers leisten, wie es der jüngste WSA-Newsletter 1:1 aus den einschlägigen Senatsverlautbarungen übernommen hat, sondern bringt nicht viel mehr als den sprichwörtlichen Tropfen auf den heißen Stein. Manche Limnologen sehen den Einsatz sogar insgesamt eher kritisch.

Rabiate Kaputtpflege durchs Grünamt Charlottenburg

Kaputtpflege

Kaputtpflege durchs Grünamt Charlottenburg

Das Salzufer gehört von der Dovebrücke bis zur Anlegestelle der Hausboote, worauf wir schon öfters hinwiesen, zu den ökologisch wertvollsten Kanalabschnitten, die der ABZ Neukölln erfreulicherweise gemäß des BfG-Unterhaltungsplans fachkundig pflegen lässt.

Umso stärker springt ins Auge, wie das ca. hundert Meter lange Stück vor der Dovebrücke, das leider, müssen wir sagen, in die Zuständigkeit des Grünamts Charlottenburg fällt, immer wieder und ungeachtet allen Widerspruchs, sei’s von ausgewiesenen TU-Fachleuten, sei’s von BürgervertreterInnen im Mediationsverfahren, in provokanter Missachtung der Vorgaben dieses ökologisch anspruchsvollen, zeitgemäßen Unterhaltungsplans die Vegetation unter und zwischen den Bäumen bis auf die Grasnarbe rasiert wird, wodurch sich die Fläche, im Nu von der Sonne braun verbrannt, vom üppigen Grün des unmittelbar anschließenden Bewuchses auf WSA-Seite eklatant und ausgesprochen hässlich abhebt, von der brachialen Zerstörung vieler Kleinbiotope, Nist-, Nähr- und Rückzugsräume ganz abgesehen. Gegen die sture Fortsetzung dieser durch nichts zu rechtfertigenden Praxis sei an dieser Stelle noch einmal scharf protestiert!

Riedel-Anleger sollte verschwinden

Überflüssiger Riedel-Anleger Salzufer

Überflüssiger Riedel-Anleger am Salzufer

Ferner fordern wir den Rückbau des von Wasserfahrzeugen höchst selten angesteuerten, dafür aber immer wieder als Hausmülldeponie genutzten Riedel-Anlegers am Salzufer, der mit seinen überdimensionierten, potthässlichen Dalben sowohl das Landschaftsbild erheblich verunziert als auch das Uferböschungsbiotop brutal unterbricht.

Kaum hundert Meter kanalabwärts gibt’s schließlich den nächsten Riedel-Anleger nahe Dovebrücke auf der Einsteinuferseite, vor dem übrigens die Schautafel rechts unten steht.

Tafel zu Regenüberlauf

Tafel zu Regenüberlauf

Tafel zu den Wasserbewohnern

Tafel zu den Wasserbewohnern

Darüberhinaus ist geplant, mit solchen kleinen Lernpfaden auch andernorts am Kanalufer über die spezifischen Gegebenheiten und Problematiken dieser innerstädtischen Lebensader zu informieren.