Zwei Bauvorhaben unter bestmöglichem Baumschutz abgeschlossen!

Einsatz von Baumsachverständigem und Seilkletterern minimiert Kroneneingriffe

Flatterulme Zollhaus

Flatterulme am Alten Zollhaus

Während Mediationsverfahren erarbeitete Methoden bewährt

Zur diesjährigen Weihnacht wartet das WSA mit der erfolgreichen, wenn auch etwas zähflüssigen Durchführung zweier Bauvorhaben auf: die Verspundung in Höhe Altes Zollhaus ggü. Kreuzbergs Prinzenbad und jene vor dem Wirtschaftsgebäude der Flatow-Sporthalle nahe Oberschleuse.

Wegen der Dringlichkeit angesichts der fortgeschrittenen, nur provisorisch gesicherten Schäden der Ufermauer konnten, wie schon berichtet, diese Maßnahmen vor und außerhalb des voraussichtlich erst 2018 beginnenden Planfeststellungsverfahrens in Angriff genommen werden.

[Update: Im frischen 135. WSA-Newsletter finden sich die technischen Details…]

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Verspundung an Corneliusstr. mit Problemen

Crush Piler erzwingt mehr Kronenrückschnitt

Alles hat seine Vor- und Nachteile

Crush Piler am Corneliusufer

Crush Piler am Corneliusufer

Der vom japanischen Gerätehersteller GIKEN entwickelte Crush Piler, der eine integrierte Bohrschnecke hat, um auch in die härtesten Böden dringen und anschließend die Stahlspundbohle einbringen zu können −, dieses innovative Gerät ist bei überhängenden Baumkronen selbst dann ungeeignet, wenn sie im Vorfeld prophylaktisch schon beträchtlich zurückgeschnitten worden sind. Sein Bedarf an Baufreiheit bzw. Lichtraum ist durch den Kran, der die Spundbohlen zureicht, weit größer als z. B. beim Silent Piler (ebenfalls von GIKEN, aber ohne Bohrhilfe), den die Firma Mette Wasserbau am Tempelhofer und Schöneberger Ufer − und besonders im Hinblick auf den Baumschutz! − in stilbildender Kooperation mit dem Baumsachverständigen und einer Baumpflegefirma so erfolgreich einsetzen konnte. [Siehe auch das Update im Rest des Beitrags!] Den Rest des Beitrags lesen »

Verspundung unter den Linden läuft vorbildlich

Filigranes Arbeiten, Simultaneität und enge Kooperation zeitigen  maximale Erfolge

Beratung

Gebanntes Beobachten

Nachdem die 15m-Strecke des Abschnitt 4 (direkt am U-Bhf. Möckernbrücke) in der letzten Woche wegen guter Bodenbeschaffenheit an nur zwei Tagen ohne Probleme mit weiteren achtzehn 9,50m-Bohlen verspundet werden konnte − und zwar mit einem Silent Z-Piler der Fa. GIKEN −, gab es letzten Montag (9.11.) auch einen viel versprechenden Auftakt unter den vier Linden in Abschnitt 6.

Vor Ort schärfte WSA-Leiter Michael-Scholz seinen Leuten wie auch jenen der Firma Mette Wasserbau noch einmal ein, dass es sich hier wegen des überhängenden wertvollen Baumbestands in dieser Bausaison beim Abschnitt 6 um den wichtigsten handele, dem außerdem im Hinblick auf die vielen weiteren Uferabschnitte mit Kronenüberhang Pilotfunktion zukomme. Es müsse filigran gearbeitet werden, und die Bauarbeiten dürften Zeit und Geld kosten, aber keine Starkäste, geschweige denn Bäume!  − Mette hatte schriftlich zugesichert, unter Starkästen den Arbeitsraum von sechs Meter Höhe nicht zu überschreiten und eine Beschlussvorlage des Mediationsforum das simultane Arbeiten zwischen Wasserbauern und Baumpflegern sowie zur Lösung von  Konfliktfällen das Konsensprinzip zwischen Baubevollmächtigtem, Baumsachverständigen und der Vertreterin der Unteren Naturschutzbehörde  festgeschrieben.

Arbeitsbeginn

Arbeitsbeginn mit Kran

Anfangs war noch ein 22 Meter hoher Kran vonnöten, um die GIKEN-Presse, bedient von einem Mitarbeiter des Subunternehmens Tauber, auf die Rolle der Startbohle zu hieven, und auch noch eine Stahlbohle konnte per Kran problemlos zugereicht und ins Schloss der Startbohle eingefädelt werden, doch bei der nächsten, die den äußeren Kronenbereich der Linde tangierte, so dass ein Mitarbeiter der Baumpflegefirma GvL einen Ast mittels übergeworfenem, unten mit Blei beschwertem Seil von der Böschung aus zur Seite biegen musste, brach denn auch prompt ein Schwachast unter Hinterlassen einer größeren Wunde im Starkast −, nach Auffassung des Baumsachverständigen Barsig indessen nicht weiter schlimm, doch ein Indiz dafür, dass dem Wegbiegen von Lindenästen bei diesen Temperaturen enge Grenzen gesetzt sind.

Kleines Gerät schützt große Bäume

GIKENs Silent-Z-Piler

GIKENs Silent Z-Piler

Alle weiteren Bohlen reichte danach, wie ja ohnehin geplant, ein wesentlich kleinerer, entsprechend schwächerer Seilbagger Fuchs F114 zu, der aber die selbstschreitende Presse nicht auf die Startbohle heben könnte.

Wegen der überraschend guten Bodenverhältnisse (die zwischenzeitlich nochmals überprüft worden sein müssen) wird auf Staffelrammung mit unterschiedlichen Bohlenlängen ganz verzichtet; außerdem hat die statische Prüfung nunmehr erbracht, dass die Gesamtlänge der Bohlen nicht zwölf, nicht 9,50, sondern nur noch 8,40 Meter betragen muss, um die Stabilität der Spundwand auch als Dauerlösung zu gewährleisten.

Minimale Schäden

Geplant war ferner, zunächst durchweg 6m-Bohlen einzupressen und sie in einem nächsten Arbeitsgang mit 2,50m-Stücken aufzuständern, doch, wie es im Bericht des Baumsachverständigen Dr. Barsig heißt, „dank der guten Arbeitskooperation aller Beteiligten war es möglich, zwischen sechs Meter langen Bohlen auch 8,40 m lange einzupressen, so dass sich hier ein zweiter Arbeitsgang, bei dem die Zweige und Äste während des Rammens der aufgeständerten Bohlen nochmals gefährdet werden könnten, teilweise einsparen ließ. Durch die simultane Anwesenheit der Baumpfleger in der Baumkrone wurden durch den Baumschutz bedingte Arbeitsverzögerungen vermieden. Außerdem hat sich gezeigt, dass durch die simultane Arbeitsweise deutlich mehr Baumsubstanz erhalten werden kann als bei einer baumpflegerischen Schnittmaßnahme im zeitlichen Vorlauf zur Spundwandeinpressung.“ − Abgesehen von vereinzelten Schwachast-Verletzungen konnte somit die komplette Baumkrone der wertvollen Linde Nr. 28 erhalten werden!

Gebanntes Beobachten

Beratung

Und auch heute (11.11.), so Barsigs aktueller Bericht, „bei der Unterquerung der Linde Nr. 27 (und z.T. schon Linde Nr. 26) − beide mit beträchtlichem Kronenüberhang über dem LWK − kam es durch die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten einschließlich der Wasserbau-Fa. Mette zu einer aus Baumsicht fast hundertprozentig unfallfreien Spundbohleneinpressung. Es gab nur einen minimalen Schaden an einem Schwachast, so dass im bisherigen Verlauf der Baumschutz optimal erfolgt ist.“

Wir danken an dieser Stelle ganz herzlich allen an der wasserseitigen Sicherung der Uferwand Beteiligten für ihre bisherige beispielhafte Zusammenarbeit im Interesse des Baumerhalts und des Natur- und Landschaftsschutzes und wünschen auch bei den verbliebenen beiden Bäumen allen Erfolg!

Technischer Fortschritt auch bei Verspundung am Kanal?

TU-Spundwandseminar 2009 macht Hoffnung!

Am 26. März veranstaltete das Fachgebiet Grundbau und Bodenmechanik der TU Berlin zusammen mit der Thyssen Krupp GfT Bautechnik eine Tagung zu neuesten Entwicklungen auf dem Feld der Spundwandbauweise.

Für unser Thema kam das eigentliche Highlight erst im Schlussvortrag: Dr.-Ing. Naji Al-Arja, Leiter der Berliner Niederlassung der Giken Europe B.V., einer japanischen Firma, spezialisiert auf umweltschonende Pressverfahren, stellte neben dem Silent Piler, der selbstschreitenden Presse*, die in ihrer britischen Version am LWK bereits zum Einsatz kam, auch den sog. Crush Piler vor. Dieses Gerät, das besonders für sehr harte Untergründe geeignet ist, wäre eine Alternative für das verrohrte Bohren, wie es das WSA am Corneliusufer plant, indem im Bohrpressverfahren jeweils zunächst ein Stück vorgebohrt und darauf die Spundbohle nachgezogen wird, ohne dass ein Bodenaustausch wie beim verrohrten Bohren nötig würde.

Ferner stellte Dr. Al-Arja das sog. GRB-Non Staging System vor, das für Verpressungsarbeiten auf engstem Raum entwickelt wurde, und nicht nur die Presse, sondern auch der Kran auf dem bereits eingepressten Teil der Spundwand „fährt“ und auch die jeweils nächste Spundbohle darauf herangeführt wird. Eine schöne Flash-Animation dazu findet sich hier.

Außerdem gibt es neue Vibrationstechniken („Rütteln der Bohlen“), die möglicherweise auch noch am Kanal in Betracht kommen könnten, weil sie insbesondere für den Einsatz in der Nähe von Gebäuden konzipiert worden sind.

Dr. Al-Arja hat bereits zugesagt, in einem Arbeitskreis des Mediationsverfahrens die verschiedenen Systeme zu präsentieren. − Nähere Informationen zum Spundwandseminar folgen in einem späteren Beitrag.

Silent Piler

Silent Piler


* der Prototyp wurde bereits 1973 in Japan entwickelt