BaumschützerInnen-Info vom 19.05.08

Von möglichen Klimawandelfolgen bis zur Regenwasserbewirtschaftung

Hydrologischer Input für AK Naturhaushalt und Landschaftsbild

Schon in einem recht frühen Stadium des Mediationsverfahrens hatten BI-VertreterInnen zu bedenken gegeben, dass die klimatischen Veränderungen, die nach verschiedenen Szenarien namentlich des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) für den Berlin-Brandenburger Raum mit hoher Wahrscheinlichkeit besonders gravierend sein werden. Potenziert durch die Folgen der eingestellten Grubenwasserförderung und Flutung der Restlöcher im Lausitzer Braunkohletagebau-Gebiet muss mit einer derartigen Verknappung der Wassermenge in der Spree und den von ihr gespeisten Kanälen wie dem LWK gerechnet werden, dass, von den gravierenden Problemen für die Wasserqualität einmal abgesehen, eine Schiffbarkeit im heutigen Umfang wohl in Frage steht. Müsste das nicht wiederum Auswirkungen auf die Art der Sanierung des LWK haben?

Auf der anderen Seite wurde auch schon früh das Interesse an einer Verbesserung der Wasserqualität im LWK artikuliert, um vor allem dem alljährlich zu beklagenden Fischsterben abzuhelfen. Insofern hierfür neben anderem die Überläufe aus der Mischwasserkanalisation verantwortlich sind, wurde gefragt, ob sich im Zuge eines wenigstens 150-Millionen-schweren Sanierungs- und Modernisierungsvorhabens nicht auch in dieser Hinsicht substantielle Verbesserungen erreichen lassen müssten.

Demgemäß wurde den TeilnehmerInnen der dritten Sitzung des AK Naturhaushalt und Landschaftsbild am 13. Mai ein geballter fachlicher Input zum Thema Wasser zuteil.

Dr. Walter Finke von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) in Koblenz referierte zum Thema „Entwicklung des Spreezuflusses nach Berlin und dem Landwehrkanal vor dem Hintergrund des Bergbaus und des Klimawandels“, während Kay Joswig von den Berliner Wasserbetrieben (BWB) das Thema Regenwasserbewirtschaftung im Mischsystem erörterte, und zwar unter dem poetischen Titel „Wehre weisen Wolkenbrüche in die Schranken“.

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BaumschützerInnen-Info vom 19.05.08

„Entwicklung des Spreezuflusses nach Berlin und dem Landwehrkanal vor dem Hintergrund des Bergbaus und des Klimawandels“

Zum Vortrag Dr. Walter Finkes (BfG)

In seiner hydrologischen Einführung stellte Dr. Finke als Hauptcharakteristikum des Gewässersystems im Berliner Raum die geringen Gefälleverhältnisse heraus, die durch die diversen Stauhaltungen zur Herstellung der Schiffbarkeit noch weiter reduziert werden. Wasserstand und Abflussverteilung sind weitgehend anthropogen bestimmt, mit Mühlendamm– und Klein-Machnow-Schleuse als den wesentlichen Stellschrauben. Insbesondere der LWK hat keinerlei natürliches Wassereinzugsgebiet. Sein Zufluss ist gänzlich gesteuert bzw. von der Einleitung aus der Mischwasserkanalisation beeinflusst.

Weit wesentlicher für den Spreezufluss als die bereits spürbaren Auswirkungen des Klimawandels ist die Entwicklung des Braunkohletagebaus in der Lausitz. Noch wird Grubenwasser gefördert, neben den Fließen auch direkt in die Spree geleitet und dadurch die noch bis in die 2030er Jahre erforderliche Flutung der riesigen Restlöcher kompensiert, doch wenn der Kohleabbau dereinst endlich eingestellt, also kein Grundwasser mehr abgepumpt wird, werden sich beide das Spreewasser verknappenden Faktoren summieren, mit negativen Auswirkungen vor allem auch auf die Situation im Spreewald.

Seit den 1980er Jahren entwickelt sich die Zuflussmenge, abgesehen von Inhomogenitäten und Sprüngen, tendenziell negativ. 2001 wurde in einer Vereinbarung zwischen Senat und WSA eine Aufteilung des Zuflusses auf Stadtspree, Teltow- und LWK festgelegt, wobei für diesen ein Mindestdurchfluss von 3 m³/sec angestrebt wird. Bei einem Sinken des Spreezuflusses unter 8 m³/sec werde zuerst die Durchflussmenge im LWK verringert und dann ein „Tricksen“ durchs WSA nötig, um Schleusung und Schiffbarkeit des Kanals aufrechtzuerhalten.

Der sinkenden Zuflussmenge muss die Wasserbewirtschaftung mit geeigneten Maßnahmen entgegenwirken, wie z. B. dem Speicherbau aus Restlöchern und der dann im Bedarfsfall möglichen Niedrigwasseraufhöhung, der Überleitung aus der Neiße etc. — Der „Arbeitskreis Wassermenge“ in der Bund-Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) erprobt jährlich bis zu zwanzig verschiedene Lösungsvarianten.

Prinzipiell lässt sich laut Dr. Finke aber sagen, dass der Zufluss nach Berlin in absehbarer Zeit (nämlich bis 2050) mehr von der Entwicklung des Braunkohleabbaus in der Lausitz als von der des Klimas beeinflusst wird und dass dadurch, dass der Durchfluss im LWK durch Wehre gesteuert wird, sich andere Einflussgrößen nicht voll auswirken.

Zum Klimawandel

Obwohl die klimatische Wasserbilanz im Sommer negativ, im Winter hingegen leicht positiv aussieht, kommt es insgesamt nicht etwa zu einem Ausgleich, sondern die Jahressummen zeigen eine schwach negative Tendenz, wobei man allerdings im mathematischen Sinn noch von keinem Trend sprechen kann. Zwar ist ein kontinuierlicher Anstieg der Durchschnittstemperatur zu konstatieren sowie eine Häufung der Wetterextreme, doch die Klimaprojektionen sind insgesamt mit einem hohen Unsicherheitsfaktor behaftet, der quantitative Prognosen gar nicht erlaubt. Schon die Ableitung regionaler Klimamodelle aus den globalen ist fehleranfällig, was sich beim Herunterbrechen auf lokale Szenarien notwendigerweise noch einmal potenziert.

Vor allem zur Bereitstellung eines Untersuchungsinstrumentariums für die Einschätzung der Auswirkungen des globalen Wandels auf den Wasserkreislauf im Hinblick auf Wasserverfügbarkeit, -verteilung und -qualität wurde von 2000 bis 2003, koordiniert vom PIK, mit einer Vielzahl von Projektpartnern, darunter BfG, TU Berlin etc., und der Unterstützung des Bundesforschungsministeriums (BMBF) für die Elbregion das Projekt GLOWA-Elbe I durchgeführt, woran sich ab 2003 GLOWA-Elbe II anschloss. Dessen Ergebnisse werden im kommenden Juni vorliegen und wegen geänderter Randbedingungen – z. B. der auf Grund der Preisentwicklung geänderten Landwirtschaftspolitik und damit Wasserentnahme – in manchem jenen von GLOWA-Elbe I widersprechen. Von 2007 bis 2010 läuft GLOWA-Elbe III.

So werden z. B. mit dem interaktiven Simulationssystem WBalMo (Water Balance Model), dem statistischen Klimamodell STAR und unter variierenden Einflussgrößen jeweils für 5-Jahres-Perioden bis 2050 (P1 – P10) Bewirtschaftungs- und Rahmenplanungen entwickelt. Für den Berliner Raum heißt das konkret: Obwohl wir uns hier, was die Niedrigwasserdurchflusshöhe betrifft, bereits derzeit (P2) in der bislang ungünstigsten Periode befinden und die geforderte Mindestabflusshöhe von 8 m³/sec am Pegel Große Tränke, dem Zuflusspegel zum Berliner Gewässersystem, nicht eingehalten werden kann, werden bspw. in der im Hinblick auf Temperatur und Niederschlag noch ungünstigeren Periode P10 (sc. 2045 — 2050) die 8 m³/sec auf Grund der geplanten wasserwirtschaftlichen Ausgleichsmaßnahmen zumindest in den Modellrechnungen nur noch relativ selten unterschritten.

Das Entscheidende bei GLOWA aber seien, wie Dr. Finke mehrfach unterstrich, weniger die Szenarien und Prognosen als vielmehr die entwickelten Bausteine: dass also ab 2010 die verschiedenen Stakeholder die bereitgestellte Toolbox fleißig für ihre jeweiligen Entscheidungsfindungen nutzen und selber Varianten durchrechnen!

Am Vortrag Dr. Finkes fällt dreierlei auf: die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wasserhaushalt in der Region Berlin-Brandenburg werden weit weniger dramatisch dargestellt als von Wissenschaftlern des PIK, obwohl von den gleichen Daten und Szenarien ausgegangen wird; die Möglichkeit, globale Klimaszenarien lokal herunterzubrechen und belastbare prognostische Aussagen zu treffen, wird aus methodischen Gründen bestritten; und die zu erwartenden Probleme möglicher saisonaler Wasserknappheit im LWK werden für prinzipiell technisch lösbar erachtet. So bleibe z. B. eine Schleusung, wie Kay Joswig von den Wasserbetrieben sekundierte, wegen der geringen Hubhöhe selbst bei einer Durchflusshöhe von nur 0,5 m³/sec möglich, die übrigens auch eine hohe Schleusungsfrequenz nicht verringere; sie verbessere vielmehr die Wasserqualität.

Auf Seiten der BI wurde gleichwohl eine gewisse Unbefriedigung deutlich und der Wunsch geäußert, ob ein Projekt wie GLOWA-Elbe nicht für den LWK spezifiziert werden könne. Dr. Finke könnte sich dies durchaus vorstellen, wobei die automatisierte Steuerung der Mischwasserkanalisation zu berücksichtigen sei, die sich durchaus ungünstig auf den LWK auswirken könne. Wann konkrete Ergebnisse vorgelegt werden könnten, hänge von der Art des zur Verfügung gestellten Datenmaterials ab und rangiere zwischen zwei Monaten und einem Jahr. — BehördenvertreterInnen bestritten demgegenüber die Notwendigkeit spezifizierter Modellrechnungen: die Ergebnisse würden vermutlich nicht wesentlich anders ausfallen als die bereits vorliegenden, und jede Planung müsse einen gewissen Unsicherheitsfaktor als Restrisiko in Kauf nehmen. — Sodann wurde für eine zu erstellende Bestandsaufnahme die Erstellung von Messreihen zu Wassertemperatur und Sauerstoffgehalt des LWK vorgeschlagen. Entsprechende Messungen habe das WSA bisher immer direkt neben den Schleusen vorgenommen, wo die Verhältnisse jedoch nicht repräsentativ seien.