Naturzerstörung für Citypark geht ihren Gang

Angstlöcher sollen in großer Öde verschwinden

Noch ein anschaulicher Nachklapp zum Beitrag über kriminalpräventive Parkgestaltung im Vollzug. Der westliche Teil des Gleisdreieckparks, der ja als Fallbeispiel genannt wurde, zumal sich „hinter“ ihm horribile dictu ein Straßenstrich erstrecken soll, weshalb aus polizeilicher Sicht hier eine Parkanlage angeblich überhaupt deplaziert sei −, der Westpark also wird unter der Regie der senatseigenen Grün Berlin GmbH in neuerlichem Bruch der in der Projektbegleitenden Arbeitsgruppe (PAG) getroffenen Vereinbarungen sukzessive von Wildblumenwiesen-Narbe und jedweder Krautschicht, von allem Unterwuchs und Buschwerk, sprich: von den Angsträumen befreit.

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Vereinbarungen in durchsonnter Kälte

Nach Bedauern behutsameres Freiräumen zugesagt

PAG-Vor-Ort-Termin

PAG-Vor-Ort-Termin

Nachdem AnwohnerInnen in der vergangenen Woche entsetzt festgestellt hatten, dass, wie berichtet, auf dem Gelände des künftigen Gleisdreieck-Westparks dort, wo im Rahmen des Pilotprojekts „Gärten im Garten“ der nördliche Teil der Kleingartenkolonie POG in den Park integriert werden soll, im Zuge der Freiräumung bereits Fakten im Sinne von Zerstörung des vorhandenen Baum- und Vegetationsbestands geschaffen wurden, noch bevor ein Konsens über die Gestaltung des (ja streng genommen bereits vorhandenen) Naturspielplatzes sowie des sog. Marktplatzes erzielt und vor allem die beauftragte detaillierte Vermessung des Gehölzbestands durchgeführt worden ist. Damit hat die senatseigene Grün Berlin GmbH zum x-ten Mal Vereinbarungen gebrochen. Der von der Inititativenplattform geforderte Baustopp führte dann mit Wochenbeginn tatsächlich zur Einstellung der Arbeiten und zur Anberaumung eines Sondertermins der PAG am vergangenen Mittwoch, 23.2., vor Ort.

[Update: Siehe Text und Fotos zur Rodung ökologisch hochwertigen Bahndamm-Baum- und Gehölzbestands für einen HELLWEG-Baumarkt auf dem Yorckdreieck am Schluss des Beitrags (Zum Vergrößern Fotos jeweils anklicken!). Hier das Schreiben einer Anwohnerin an die ausführenden Firma Semer GmbH.
Und wie derzeit im Westpark mit schwerem Gerät und Ausgleich- & Ersatzmitteln für die Große Weite (Atelier Loidl) gesorgt wird, zeigt eine Foto-Serie auf dem Gleisdreieck-Blog] Den Rest des Beitrags lesen »

Erhaltenswerte Stadtnatur auf dem Westpark

Brief an Frau Dr. Barbara Markstein,

die im Auftrag von Grün Berlin das Atelier Loidl ökologisch berät.

Sehr geehrte Frau Markstein,

wir haben uns am Donnerstag  auf der Veranstaltung zum 4. Planungsforum (5.11.) kurz gesprochen. Die Anwohnervertreterinnen und Anwohnervertreter der projektbegleitenden Arbeitsgruppe kritisieren den Westpark-Entwurf, der bisher an keiner einzigen Stelle besondere ökologische Zonen vorsieht. Mit den Fotos, die ich vor kurzem auf dem Westpark-Gelände gemacht habe, versuchen wir auf Naturflächen hinzuweisen, die unserer Meinung nach möglichst erhalten werden sollten.

  1. Die beiden Baum- und Gehölzstreifen entlang der 16 Kleingärten sind stark gefährdet. Von den über 100 Laubbäumen und Gehölzern sollen nur neun übrigbleiben.
    Wir haben zwar Verständnis für das Argument der Planer, dass man die Gärten sichtbar machen will, finden es aber äußerst problematisch, dass im Rahmen von naturschutzrechtlichen Maßnahmen der Baumbestand dermaßen rigoros vernichtet wird. Wir plädieren für den Erhalt möglichst zahlreicher Vegetationsinseln (Bäume plus sonstiger Vegetation) mit Lücken für den Durchblick. (Fotos 3-9)
  2. Die Brachflächenvegetation und der Gehölzstreifen mit jungen Silberweiden entlang der früheren Gleise soll komplett zugunsten der geplanten großen Kreuzberger Wiese entfernt werden.
    Wir plädieren dafür, dass der westliche Rand der großen Wiese aus ökologischen Gründen in der jetzigen Form möglichst erhalten wird. Es bleibt unserer Meinung nach immer noch genug Platz für die Kreuzberger Wiese. Dieser Streifen würde ein Pendant zu der Ökofläche südlich des Sportgleises auf dem Ostpark darstellen. (Foto 10)
  3. Die geplante Eventfläche südlich des Tunnelmundes geht unserer Meinung nach auf Kosten der Ausgleichsfläche. (Fotos 1-2)
    Wir plädieren für die Fortsetzung der für den Tunnelmund geplanten Blumenwiese bis zur U1. Der erhöht gelegene Tunnelmund bietet einen einmaligen Blick zum Potsdamer Platz, es wäre schade, wenn dieser wunderbare Blick im Asphalt oder Beton enden würde. (Foto 10)Sehr geehrte Frau Markstein, auf der Veranstaltung im Elisabeth-Krankenhaus haben viele Teilnehmer kritisiert, dass im Plan für den Westpark die vorhandenen Topographie und die auf den Brachflächen entstandene Natur zu wenig berücksichtigt wurde.Wir hoffen sehr, dass wir daraufhin hinwirken können, dass noch einige wichtige Änderungen vorgenommen werden − für mehr biologische Vielfalt und weniger genormte Natur.

Wir werden uns mit einem ähnlichen Schreiben auch an Frau Renker wenden und sie bitten, Sie baldmöglichst zu einem Treffen zur projektbegleitenden Arbeitsgruppe in der Grünen Villa einzuladen.

Berlin, im November 2009

Mit freundlichen Grüßen
Edelgard Achilles

Anhang
Foto 01 Tunnelmund
Foto 02 Tunnelmund
Foto 03 Gehölzstreifen entlang der Kleingärten
Foto 04 doppelter Gehölzstreifen entlang der Kleingärten
Foto 05 Baumgruppe (Gehölzstreifen)
Foto 06 Baumgruppe (Gehölzstreifen)
Foto 07 Baumgruppe (Gehölzstreifen)
Foto 08 Baumgruppe (Gehölzstreifen)
Foto 09 Baumgruppe (Gehölzstreifen)
Foto 10 Vegetation mit Silberweiden entlang des Gleises
Foto 11 Panorama

Aufnahmen vom Westpark, Oktober 09

Planungsforum Gleisdreieck

Planung des „Westparks“

Senatens Grün Berlin GmbH lädt zum ersten diesjährigen Planungsforum zum Gleisdreieck-Park. Zwei bis vier derartiger Veranstaltungen waren ursprünglich versprochen, um die BürgerInnen jeweils über den aktuellen Stand zu informieren, doch bereits im letzten Jahr hat’s ja auch nur ein einziges Forum gegeben. (Uns muss das natürlich fatal ans Mediationsverfahren zur „Zukunft des Landwehrkanals“ erinnern, wo ebenfalls regelmäßige öffentliche Veranstaltungen stattfinden sollten −, doch die einzige, die es bisher gegeben hat, wurde bekanntlich am 13.09.08 von der BI organisiert. Allein hier will es das Mediationsforum ja nicht anders…)

Beim Gleisdreieck-Forum soll’s jetzt um die Planungen [Loidl-Entwurf vom Sept. 07 als PDF (2,5 MB)] zum „Westpark“ auf dem Gelände des ehem. Potsdamer Güterbahnhofs gehen. Heftig umstritten ist hier, wie berichtet, vor allem, ob und wenn ja, wie sich wettkampfgerechter Sport einerseits und der Erhalt jenes Teils der multikulturellen Kleingartenkolonie POG, der nördlich der U 2 liegt, andererseits vereinbaren lassen.

Selbst ein entsprechender Prüfauftrag des von Bürgermeister Franz Schulz geleiteten Runden Tisches zur Kompromissfindung zwischen Fußball und Gärten wurde auf der Sitzung der Initiativenplattform am 7. Oktober kontrovers debattiert, wie sich in der kürzlich veröffentlichten Stellungnahme spiegelt. [Nachtrag: Hier noch die aktuelle Stellungnahme des QuatiersRats Magdeburger Platz vom 3.11.09]

Nach den schockierenden Erfahrungen mit brutalstmöglicher Rodung, Planierung und Vernichtung wertvoller Stadtnatur im Zuge der Errichtung des „Ostparks“ auf dem Areal des einstigen Anhalter Bahnhofs scheint es umso mehr angezeigt, Senatsverwaltung, Grün Berlin und Bezirk(en) unmissverständlich deutlich zu machen, dass sich ein derartiger Durchmarsch unter dreistem Ignorieren des erklärten BürgerInnenwillens weder auf dem Westpark-Areal noch dem des sog. Flaschenhalses südlich der Yorkbrücken, wo ja Loidl schon am Vorplanen ist, keinesfalls wiederholen darf.

Also strömt kommenden Donnerstag, 5.11., um 17 Uhr zahlreich in den Festsaal der Ev. Elisabeth Klinik, Lützowstraße 24-26, und macht Euer Interesse am Erhalt der Kleingärten, des dortigen Baumbestands und an weitestgehend unversiegelten Flächen, vor allem aber an einer BürgerInnen-Beteiligung, die ihren Namen verdient, deutlich! (Hier sind nämlich SenatsvertreterInnen der Ansicht, dass diese bisher doch so was von intensiv gewesen sei… − Nachtrag: Sowohl zum Vorher-Nachher, was ökologisch wertvolle, versiegelte und unversiegelte Flächen auf der ehemaligen Bahnbrache einerseits, dem neuen Park andererseits als auch, was die Qualität der BürgerInnen-Beteiligung hüben wie drüben betrifft, hat die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus kürzlich eine Kleine Anfrage an die Senatsverwaltung gestellt, und wir sehen den wortakrobatischen Darbietungen, Zahlentricks und rhetorischen Finten, welche uns nächstens erwarten dürften, schon mit Spannung entgegen. )

Westpark

Areal des ehemaligen Postdamer Güterbahnhofs

Noch’n Nachtrag: Die offiziellen Medien fanden sehr wenig Berichtenswertes; siehe aber die Website des QMs Schöneberger Norden

 

Gleisdreieck-Tragödie stoppen!

Integration durch Desintegration?

Pflaster+Gleise

Rausgenommen: Großsteinpflaster und Gleise

Unterdessen hat die Zerstörung der schönsten Bahnbrache Berlins im Auftrag der Senatsverwaltung ihren Fortgang genommen und wird womöglich mit vom Bezirk beantragten überbezirklichen Geldern in Höhe von 5,5 Mio Euro (die also nicht aus dem Konjunkturpaket II stammen, wie es zunächst in der Presse hieß) auf die einzige und auch noch multikulturelle Kleingartenkolonie F’hain-Xbergs im Westen des Geländes ausgedehnt. 50 Parzellen der 24 Ethnien entstammenden Mitglieder der Kolonie Potsdamer Güterbahnhof (POG) sollen ausgerechnet der Anlage eines Fußballstadions für den ursprünglich türkischstämmigen, aber längst multiethnischen Verein Türkyiemspor planiert werden. Nur die im nordwestlichen spitzwinkligen und deshalb für Sport unattraktiven Zipfel liegenden 12 Parzellen erhalten Bestandsschutz. Das eine bedeutsame Integrationsprojekt soll wegen eines bedeutenden anderen zunichte gemacht werden. (Und wir denken natürlich an die Rosa Rose, wo der Bezirk vor Jahresfrist schon mal mit bedauerndem Schulterzucken der Zerstörung einer als gelungenes Integrationsprojekt gelobten multikulturellen Kleingartenkolonie zugeschaut hatte.)

Kirschblüte

Kirschblüte nahe "Möckernpromenade"

Widersprüchliche Pressemeldungen in taz und MoPo in der ersten Aprilwoche deuten auf unzureichende Absprachen zwischen Sigrid Klebba, Leiterin der Abt. Bildung und Sport im Xhainer Bezirksamt, und ihrem Pendant beim Senat, Staatssekretär Härtel. Denn nun werden dem Fußballclub, der dreißig Jahre vergeblich nach einem eigenen Platz suchte, gleich deren drei angeboten: von Bürgermeister Schulz die Kleingartenanlage, von Innensenator Körting der Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg und vom Bezirk Mitte das Poststadion an der Lerther Straße. Obwohl der erfolgreiche Regionalligist längst ein gesamtstädtischer Verein ist, sieht er seine Wurzeln in Kreuzberg, weshalb das Gleisdreieck wohl erste Wahl wäre; die „Mielke-Arena“ (Volksmund lt. taz) könnte dem Training der A-Jugend und der Herrenmannschaft dienen.

Fußball statt Kleingärten?

Gegen das Gleisdreieck-Gelände spräche aber außerdem noch die allzu große Nähe zur Wohnbebauung in der Bülowstraße. Auch die Führung des sog. Generalszuges, jener schon von Lenné geplanten Ost-West-Verbindung zwischen Kreuz- und Schöneberg, Horn- und Bülowstraße, träfe nach der Fernbahntrasse auf ein weiteres Hindernis und wanderte endgültig zurück ins Archiv.

[Verspäteter Nachtrag (27.4.): Schon in einer Ausschusssitzung am 22.4. hatte Franz Schulz aus den genannten Gründen − Körtings Jahn-Stadion-Offerte und die Kollision der Fußballplätze mit dem „Generalszug“ − den sogenannten Teilungsbeschluss, der die baurechtliche Voraussetzung fürs Angebot an Türkyiemspor schaffen sollte, zurückgezogen. − Näheres im Gleisdreieck-Blog.]

Der Vorschlag, Fußballplätze in jenen Bereich C zu verlagern, den der Loidl-Entwurf für die große Wiese vorsieht, und zugleich durch den Erhalt des Kleingarten-Biotops so ökonomisch wie irgend möglich mit den A&E-Mitteln zu haushalten, indem sie statt für Entschädigungsleistungen für den Park verwendet werden können, stößt auf den Widerspruch des genannten Atelier Loidl, das eine zu große Modifizierung seiner Planung befürchtet.

Als würde die nicht fortwährend modifiziert, wenn es nur um Beräumung der Vegetation geht! So soll jetzt die sog. Möckernpromenade entlang der gleichnamigen Straße dreißig Meter breit und mit einer wassergebundenen, pflegeleichten Decke versiegelt werden. Das Großsteinpflaster ist bereits heraus genommen und angeblich nur die abgestorbene Vegetation, aber man kann sich unschwer vorstellen, was von dem „großen vegetativen Rahmen“, den der ursprüngliche Wettbewerbsbeitrag, aber auch noch der Vorentwurf von 2007 vorsah, übrig bleibt, wenn die Kehrmaschine kreisen soll.

Ein alter Beiratsbeschluss

Im Wäldchen

Im Wäldchen

Entgegen den Absprachen und allen Protesten fiel just zu Beginn der Brutperiode der Zaun ums naturschutzfachlich wertvollste und Herzstück des Areals: das sog. Wäldchen. Die Hunde hatten ihre Freude am Aufspüren der Bodenbrüter wie Zilpzalp und Fitis, die nun eben dort keine Brutvorkommen mehr haben. − „Das ‚Wäldchen‘ soll prioritär nach Zielen des Naturschutzes und der Naturerfahrung entwickelt und gepflegt sowie den Parkbesuchern im Rahmen von Führungen behutsam erlebbar gemacht werden“, hieß es dazu noch im Beschluss des Sachverständigenbeirats für Naturschutz und Landschaftspflege und stammt aus einer anderen Zeit, nämlich 2005. Jetzt hört sich der Naturschutzbeauftragte des Senats, Professor Kowarik, ganz anders an, sieht den Nutzungsdruck stärker werden, die Nutzergruppen heterogener, so dass es unmöglich sei, das auf dem Schöneberger Südgelände praktizierte Ruderalkonzept aufs Gleisdreieck zu übertragen. Hier „etwas zu machen und zu sagen, das hat Bestand, ist unrealistisch“, weiß Kowarik heute.

Protest des BUND

Niedergelegter Zaun

Niedergelegter Zaun vorm Wäldchen

Der BUND protestierte derweil in einem Schreiben an Senatorin Junge-Reyer u.a. gegen die Zerschneidung des Wäldchens von drei sechs bzw. drei Meter breiten Betonwegen und die damit verbundene weitgehende Öffnung der für den Natur- und Artenschutz wesentlichen Fläche und fordert eine Rückkehr zum ergebnisoffenen Dialog mit den BürgervertreterInnen. Als erstes Ergebnis des Briefes ist ein Gespräch mit der Senatsverwaltung geplant, bei der die offenen Konfliktpunkte und die Bilanz der bisherigen Bürgerbeteiligung diskutiert werden sollen (insbesondere die Themen Wäldchen, Blumenwiese, Möckernpromenade). Daran sollen auch die BürgervertreterInnen beteiligt werden.

Antrag der Grünen

Nächsten Dienstag (28.4.) stellt die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Antje Kapek, einen Antrag in der Xhainer BVV, der das Bezirksamt auffordert, sich für eine Ausweisung des „Wäldchens“ als Landschaftsschutzgebiet (LSG) einzusetzen sowie zur einstweiligen Sicherstellung für die Verhängung eines Veränderungsverbots gemäß § 23 NatSchGBln. Frau Kapek geht davon aus, dass auch die Fraktionen von SPD und Linken diesem Antrag zustimmen. − Man wird sehen, was das Bezirksamt in dieser Frage vermag.

Mäusebussard

Mäusebussard am Technikmuseum