Forum beschließt Primärsanierungs-Methoden

WSD-Chef gibt Einblick ins haushalterische Absurdistan

Nach über zweieinhalb Jahren Mediationsverfahren „Zukunft LWK“ beehrte am vergangenen Montag (17.5.) überraschend und ohne offizielle Ankündigung der Präsident der WSD Ost, Thomas Menzel, die 22. Sitzung des Mediationsforums mit seinem Besuch, derweil WSA-Leiter Michael Scholz urlaubt.

Hört beim Geld die Mediation auf?

Die Leiterin der AG LWK, Frau Dr. Ernst, habe im Anschluss an die Sitzung der Lösungssondierungsgruppe am 5.5. die Lenkungsgruppe darüber informiert, dass die Beteiligten mit Ausnahme der VertreterInnen von WSA und WSD keine weitere Prüfung der Plass-Variante 6 [siehe Foto; zum Vergrößern anklicken!], sondern deren Ausschluss wünschen. Der Hinweis auf haushaltsrechtliche Zwänge, wonach alle statisch standsicheren Varianten im Pool zu verbleiben hätten, konnte deshalb nicht überzeugen, weil diese (zudem noch stillschweigend modifizierte1) Variante die Vergrabung der denkmalgeschützten Uferbefestigung und ihren „Nachvollzug“ rund 2,50 Meter in Richtung Fahrrinne vorsieht und damit gewichtige Interessen und Kriterien Beteiligter, sei’s der Reeder oder des Denkmalschutzes, missachtet, also von vornherein als nicht konsensfähig beurteilt werden muss. Wenn dessen ungeachtet eine Variante einzig aus haushalterischem Sachzwang weiterhin ernsthaft geprüft werde, konterkariere dies die Mediation bzw. lege die Grenzen dieser zeit- und kraftaufwendigen Veranstaltung im entscheidenden Moment, da es um den Beschluss von primären Sanierungsmethoden für längere Kanalabschnitte und die Beauftragung ihrer Umsetzung, kurz: ums Geld gehe, unvermittelt offen.

Wird die Zukunft eingespart?

Thomas Menzel bestätigte, dass nunmehr der Zeitpunkt gekommen sei, über Geld zu reden, eine immer konfliktreiche Angelegenheit, sparte auch nicht mit dem schon arg überholten Verweis auf Griechenland, räumte ein, dass die Präsentation des Plass’schen Variantenkatalogs zu Beginn des Verfahrens im September 2007 zwar gut gemeint, aber schlecht gemacht gewesen sei, weshalb man sich bei der Variantendiskussion auch bewusst zurückgehalten habe, eröffnete aber nun, dass eine Hochrechnung auf Basis der abschätzbaren Kosten des Pilotprojekts2 [Riedel-Anleger Maybachufer/Kottbusser Brücke] auf einen dreistelligen Millionenbetrag geführt habe.

Zum Vergleich habe die WSD Ost 2008 ein Haushaltsvolumen von insgesamt 120 Mio. Euro und, dank des Konjunkturpakets II, 2009 von 250 Mio. zur Verfügung gehabt; im laufenden „Spitzenjahr“ betrage es 300 Mio. Euro − doch wohlgemerkt für die gesamten rund 500 km Wasserstraße in ihrer Zuständigkeit.

Angesichts einer verschlechterten Haushaltslage mit ungewissen Aussichten müsse gegenüber dem BMVBS ein derart hoher Finanzbedarf für die Instandsetzung von nur 11 Kanalkilometern in der sog. Leistungsvorlage gesondert begründet und priorisiert werden. Die WSV habe schon hart darum kämpfen müssen, von den elf Milliarden des aktuellen BMVBS-Etats eine Mrd. für die Aufgaben der Bestandssicherung zu erhalten, und derzeit würden sich die Referatsleiter in Gesprächen auf Staatssekretärsebene im Finanzministerium für eine weitere Aufstockung einsetzen.

[Nachtrag vom 2.6.10: Da diese Passage offenbar Anlass zu Missverständnissen gibt, sei noch einmal deutlich gemacht, dass lt. Thomas Menzels Ausführungen die genannte eine Mrd. Euro im Etat der WSV für die Unterhaltung des gesamten Wasserstraßennetzes in ihrer Zuständigkeit vorgesehen ist. „Insgesamt erstrecken sich die Binnenwasserstraßen auf einer Gesamtlänge von ca. 7.400 km, wovon ca. 1.700 km Kanäle darstellen (WSV 2007). Zum Vergleich: Das gesamte Gewässernetz in Deutschland ersteckt sich auf eine Länge von ca. 400.000 km“, heißt es z. B. auf der Website des BfN. Für die Sanierung der 11 km LWK veranschlagte bekanntlich der damalige WSA-Leiter Brockelmann bereits im Sommer 2007 die voraussichtlichen Kosten auf 120 Mio. Euro. − Wenn nun Menzel und seine Mitarbeiter in ihrer Hochrechnung auf einen „dreistelligen Millionenbetrag“ kommen, ist das also zunächst mal nicht überraschend. Und er wird, wie ausgeführt, nicht auf einen Schlag fällig, muss aber gleichwohl, wie unschwer nachzuvollziehen, gegenüber Verkehrs- wie Finanzministerium „gesondert begründet und priorisiert werden“, sicher auch relativ zu den für die Unterhaltung sämtlicher Bundeswasserstraßen zur Verfügung stehenden Mitteln.3 ]

Für die LWK-Sanierung sei nunmehr eine Leistungskonzeption zu erstellen, daraus wiederum eine Haushaltsunterlage (HU) mit evt. mehreren Entwürfen einer Ausführungsunterlage (AU) zu entwickeln, und erst nach Genehmigung eines von diesen (unter Beobachtung des Vier-Augen- und Zwei-Ebenen-Prinzips) könne es an die Ausschreibungen gehen.

Deutsche Verwaltung prüft auch Unmögliches

Variante Plass 6 modifiziert

Variante Plass 6 (modifiziert)

Eine solche Leistungskonzeption − erste Gespräche dazu seien Ende Juni angesetzt und wenn die Konzeption stehe, werde das Forum selbstverständlich informiert − müsse die Bandbreite an Lösungen, einen „Variantenfächer“ inklusive bereits konsensual ausgeschlossener Extremlösungen bis hin zu Plass 11 geprüft werden, insofern ja selbst eine Zuschüttung des Kanals/Aufgabe des Schiffsverkehrs nicht zum Nulltarif zu haben sei. (Menzel verwies auf den Neubau des Schiffshebewerks Niederfinow, dessen gänzliche Aufgabe man ebenfalls erwogen habe −, doch hier meinten manche denn doch, dass nicht alles, was hinkt, schon ein Vergleich sei.) − Der Bundesrechnungshof müsse die HU verstehen, doch inwiefern ihm dabei indiskutable Extremlösungen helfen können, wollte sich den meisten Beteiligten einfach nicht erschließen.

Verfahren mit Vorbildfunktion

Er sei nach wie vor an einem Abschluss des Mediationsverfahrens mit guten konsensuellen Lösungen interessiert, versicherte der WSD-Chef, und das Mediationsverfahren „Zukunft LWK“ diene als Vorbild eines weiteren, dass die WSD zum Donau-Oder-Kanal [der blieb Projekt − Dank an J. Augsten für den Hinweis! − es muss natürlich heißen:] Main-Donau-Kanal eröffnet habe, um die dort unter ebenfalls schwierigen Randbedingungen festgefahrenen Parteien auch ressortübergreifend wieder miteinander ins Gespräch zu bringen.

Ins Forum aber sei er vor allem deshalb gekommen, um im Vorfeld zu erklären, weshalb einvernehmlich ausgesonderte Varianten in der Leistungskonzeption dennoch wiederkehren könnten, betonte jedoch andererseits, dass die Durchsetzbarkeit, also die politische Dimension einer Lösung in ihrem hochkomplexen Umfeld, durchaus ein Top-Kriterium bei ihrer Auswahl sei.

Haushaltslage soll technizistischen Minimalismus begründen

Die Erinnerung daran, dass angesichts der stadtökologischen Bedeutung des LWK mit seinen Ufergrünzügen und seiner Potentiale z. B. für sanfte Mobilität sich die Kosten-Nutzen-Kalküle einer modellhaften Sanierung nicht in Haushaltsperioden und technokratischen Engführungen erschöpfen dürfen, ja nicht zuletzt Menzel selber seinerzeit zu den Befürwortern einer integrierten Gesamtplanung, eines Masterplan LWK, gehört habe, bestätigte der WSD-Chef bereitwillig, konterte aber mit dem Hinweis, dass noch jeder Fürsprecher seinem Vorhaben eine singuläre Bedeutung beigemessen habe, wenn Menzel auch zugleich konzedierte, dass von den 7300 km deutscher Wasserstraßen in Kreisen der WSV die 11 km LWK wohl die bekanntesten seien.

Jahrelange ehrenamtliche Zuarbeit

Über eine derart gut vorbereitete Leistungskonzeption, wie sie die Vorarbeiten der Mediations-Arbeitskreise nunmehr ermöglichten, habe man selten verfügt. Gleichwohl gehe es um in hohem Maße standardisierte Vorgaben, um unterschiedliche Vorhaben vergleichbar zu machen, denn viele kennten den LWK ja gar nicht. Keinesfalls aber bleibe die Entscheidung allein den Finanzbeamten überlassen. − Wie tröstlich! Die erneute Anmahnung, endlich die Möglichkeiten von Finanzierung und Planung des von den BürgervertreterInnen innerhalb und außerhalb von BI/Verein BaL seit Jahren geforderten kreuzungsfreien Uferradwanderwegs auszuloten bzw. in Kooperation von Bund und Land auf den Weg zu bringen, damit sie rechtzeitig mit der Sanierungsplanung abgestimmt werden könne sowie die direkte Nachfrage, ob sich diesbezüglich im BMVBS, das zu Tiefensees Zeiten diesem Vorhaben sehr aufgeschlossen gegenüberstand, unter Ramsauer der Wind gedreht habe, wurde mit beredtem Schweigen quittiert. − Ausgerechnet in solchen, dem Gemeinwohl dienenden Belangen müssen wir, muss ganz Europa jetzt bekanntlich sparen und auf die Schuldenbremse treten…

Warum jedoch ausgerechnet jene Variante No 6, die Schifffahrt, Landschaftsbild, Landeskultur und Denkmalpflege erheblich beeinträchtigt, vor allem aber, worauf Klaus Lingenauber vom LDA mit Nachdruck hinwies, als Neubau ein PFV erforderlich machen würde, unbedingt im „Fächer“ behalten und weiter mitgeschleppt werden soll, wurde außer mit stereotypen Hinweisen auf ihre Standsicherheit und Kosteneffizienz einfach nicht zufrieden stellend erläutert. − Aufhorchen ließ auch Menzels Hinweis, dass Natur- und Baumschutz auf dieser Ebene erstmal ganz unberücksichtigt blieben.

Wie zu erwarten, leuchteten den anwesenden Vertretern von Fachverwaltungen, die mit der Erstellung von Haushaltsunterlagen wohlvertraut sind − „da bedarf es keiner Prüfung von Extremlösungen!“ − Menzels Erklärungen ebenso wenig ein wie den BürgervertreterInnen. Von deren Seite wurde erst einmal hinterfragt, wieso mit einer sehr unbestimmten Gesamtsumme hantiert werde, die sich bei den vielen Unwägbarkeiten im Zuge der Komplettsanierung auch nicht seriös hochrechnen lasse, während andererseits doch klar sei, dass es sich angesichts der zu veranschlagenden Bauzeit immer nur um Tranchen handeln werde. − Von Baukosten in dreistelliger Millionenhöhe war zudem von Anbeginn und noch zu Hartmut Brockelmanns Zeiten die Rede. (Und um noch ein technisches Detail herauszugreifen: dass bspw. der am Paul-Lincke-Ufer auf 50 Metern sehr erfolgreich getestete Crush Piler seine Kosteneffizienz erst auf längeren Strecken unter Beweis stellen kann, konnte Menzel selber bestätigen, nachdem das WNA mit dem Einsatz dieses Systems in Genthin sehr gute Erfahrungen gemacht hat.)

Das Forum hält Kurs

Varianten Kleimeier 1 + 1a

Varianten Kleimeier 1 + 1a

Glücklicherweise zeigte sich das Mediationsforum in seiner überwiegenden Mehrheit ziemlich unbeeindruckt von den Ausführungen des WSD-Präsidenten und wandte sich der überfälligen Entscheidungsfindung hinsichtlich einer Primärsanierungsmethode zu. Beim Ausschluss von Varianten handelt es sich schließlich nicht um Bauchentscheidungen, sondern sie erfolgt jeweils in Anwendung des komplexen Kriterienkatalogs, dieser Errungenschaft eines sehr langen und intensiven Diskussionsprozesses.

Variante Heideröschen

Variante „Heideröschen“ (Heier/Röske)

In die Methodenfamilie aus Teststrecke Paul-Lincke-Ufer, Kleimeier 1 und 1a sowie der Variante „Heideröschen“, einem Abkömmling der am Maybachufer derzeit umgesetzten Variante, die mit ihrer Ertüchtigung der denkmalgeschützten Uferwand durch Betoninjektionen auch in der Perspektive des Denkmalschutzes wegweisend ist, während die von Heier und Röske entwickelte Spielart durch die Variabilität in der Führung der Spundwandtrasse auch in puncto Baumschutz besticht −, in diese Familie wurde nun noch als Lösung für Sonderbereiche Plass 9 aufgenommen, welche die Gründung durch eine, auch ökologisch interessante Vorschüttung von Wasserbausteinen vorsieht, wegen der Verengung der Fahrrinne allerdings nur dort eingesetzt werden kann, wo es die Kanalbreite hergibt.

Ein entscheidender Forumsbeschluss

Je nach Situation vor Ort: Uferhöhe, Baumbestand, Schadensbild, Verkehrslast etc., soll ein zu beauftragendes Ingenieurbüro für eine Kombination von Bausteinen aus dieser Familie die globale („großer Gleitkreis“) und lokale Statik („kleiner Gleitkreis“) berechnen.

Thomas Menzel erklärte, den Forumsentscheid, also auch den Ausschluss von Plass 6 zu akzeptieren, stellte aber schon mal in Aussicht, dass sie sich im zu prüfenden Variantenfächer der Leistungskonzeption dennoch als Extremvariante wiederfinden werde, wenngleich versehen mit dem Index mangelnder Konsensfähigkeit und Durchsetzbarkeit.

Da unter diesen Umständen nicht leicht von der Hand zu weisen ist, dass womöglich auch Plass 4 wiederkehrt, deren Umsetzung trotz der irreführenden durchweg grünen Piktogramme große Verluste an ufernahem Baumbestand zur Folge hätte, forderte ein Anwohnervertreter, zwar die brauchbaren Elemente in die Methodenfamilie zu retten, aber die Plass’schen Varianten von 1 bis 11 als solche explizit auszuschließen. Da jedoch Nr. 9 unter der ursprünglichen Bezeichnung aufgenommen werde, könne er nicht zustimmen, worauf Menzel den Kompromissvorschlag machte, sie in „Unterwasservorschüttung“ umzubenennen, womit er den Anwohnerverteter schließlich dazu bewegen konnte, sich bei der nach über sechs Stunden allseits ersehnten Abstimmung nur zu enthalten.

Der entscheidende Beschluss aber lautet wie folgt:

Beschluss : „Planungsauftrag zur Kombination von Methodenelementen (Primärsanierungsmethoden)“

Beschluss des Mediationsforums „Zukunft Landwehrkanal“ auf seiner 22. Sitzung am 17. Mai 2010
(Vorbereitung durch die 4. und 5. Lösungssondierungsgruppensitzungen am 15. März 2010 und am 5. Mai 2010)

Das Forum beschließt:

„Die Elemente zur Fußsicherung und zur Mauersanierung aus den verbliebenen Varianten:

  • unter Wasser endende Fußsicherung (Teststrecke)
  • Kleimeier 1 und 1a
  • Methode Heier/Röske (inkl. Maybachufer)
  • Unterwasservorschüttung

werden durch ein Planungsbüro unter Berücksichtigung des Kriterienkatalogs und je nach Situation zu tragfähigen Varianten kombiniert, dabei sind jeweils die Standsicherheit nachzuweisen und die Kosten zu ermitteln.“

Wie geht’s weiter

Auch die Leiterin der AG LWK, Frau Dr. Ernst, betonte ihren dringenden Wunsch, nunmehr große Bauabschnitte voranzubringen − „Wir arbeiten fieberhaft daran, die Voraussetzungen zu schaffen!“ − und andererseits vergaberechtlich prüfen zu lassen, wie der Forumsbeschluss vom März 2009 endlich umgesetzt werden kann, der die Erprobung verschiedener Methoden zur In-Situ-Sanierung des über Wasser befindlichen Teils der Uferbefestigung fordert, auch um die Befürchtungen der Denkmalpflege zu zerstreuen, dass mittels einer Primärsanierungsmethode zwar die Gründung unter Wasser durch hinterfüllte Spundwände gesichert werde, danach aber erst einmal Ruhe herrsche, nichts geschehe und die Stahlbohlen jahrelang aus dem Wasser ragen. Das kann wohl in niemandes Interesse sein.

Zunächst, so die BürgervertreterInnen und Annette Ernst unisono, sollte ab Oberschleuse mit der Kampfmittelsondierung und -räumung begonnen werden, um als erstes während der kommenden Sperrperiode im Winter 10/11 den nun bereits die dritte Saison von Bauzäunen gesäumten Uferabschnitt entlang der Lohmühlenstraße anzugehen. Daran sollte sich die ebenfalls abgezäunte Strecke entlang des Prinzenbads anschließen, denn, wie schon oft betont, geht die Gefahr weniger vom drohenden Abbruch der Böschung aus als vielmehr von besagten Zäunen.

Noninvasive Methoden zur Wurzelsondierung

Den ebenfalls auf der 22. Forumssitzung gehaltenen hochinteressanten Vortrag von Professor Weihs von der HAWK Göttingen zu seinen geophysikalischen Wurzelsondierungen an Einstein- und Waterlooufer sowie an der Corneliusstraße können wir erst in einem späteren Posting behandeln.

[Update vom 22.5.: Zum Einsatz des Teams um Prof. Weihs an Einsteinufer und Corneliusstraße vom 17.-19.5. siehe auch den 52. WSA-Newsletter v. 21.5.]


1 Ursprünglich sah die Plass’sche Variante 6 nicht die Herstellung eines Bodendenkmals vor

2 Es war im November 2008 ausdrücklich Teil des Beschlusses, dass es sich hierbei um eine singuläre Lösung handelt.

3 Das Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin hat uns  inzwischen noch mit folgenden Zahlen zum eigenen Zuständigkeitsbereich versorgt:

  • 400 Kilometer Wasserstraßen
  • 1000 Kilometer Ufer
  • 17 Schleusen mit
  • 27 Schleusenkammern
  • 20 Wehre
  • 2 Pumpwerke
  • 96 eigene und 263 sonstige Brücken

Für die Unterhaltung sind jährlich insgesamt zwischen 23 und 25 Mio. EUR erforderlich.

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Ringen um die Primärsanierungsmethode

Die Lösungssondierungsgruppe hat getagt

Kurzer Blick auf den Stand des Baugeschehens

Während am Riedel-Anleger Maybachufer/Kottbusser Brücke die Firma Stump mittels Verpresslanzen die Betoninjektionen zur Ertüchtigung auch der nicht abgerutschten Uferwand fortsetzt und den Aufbau der übrigen erst dann wieder aufnehmen kann, wenn die mit Unterwasserbeton erstellte Sohle ausgehärtet ist, wird der Anleger im östlichen Bereich direkt an der Treppe vom Ausflugsverkehr schon wieder fleißig genutzt.

Der Abschluss der Crush-Piler-Teststrecke am Paul-Lincke-Ufer wurde durch Neueinsaat der Uferböschung komplettiert, und jetzt wartet alles auf die Auswertung der vielfältigen Testergebnisse, die bei der Firma Obermeyer zusammengeführt wurden. Und am Tempelhofer Ufer führte die Firma Mette auch im Abschnitt westlich des Fußgängerübergangs Möckernbrücke die wasserseitige Sicherung der Uferwand zu Ende. Die Bäume dort sind zwar längst von ihrer Balken-Anbindung befreit, doch im Unterschied zu einem Bericht andernorts konnten wegen Kapazitätsproblemen die letzten beiden Betonklötzer erst diesen Freitag (7.5.) abgeräumt werden. − Aus Sicherheitsgründen schließt das die Bauzäune leider nicht ein.

Jedenfalls hat es in Einhaltung des Zeitplans vor Ort einigen Baufortschritt gegeben, doch mit Blick auf die noch vor uns liegenden restlichen rund zehneinhalb Kilometer zu sanierender Ufer sind Entscheidungen darüber dringlich, welche primären Varianten oder Methoden auf längeren Abschnitten umgesetzt werden sollen, um die marode Uferbefestigung zunächst unter Wasser grundzusichern −, nicht nur, um endlich die mehrere Kilometer vermaledeiter Bauzäune loszuwerden, die nicht selten ihrerseits eine Gefahr darstellen (bspw. wieder wochenlang nahe Prinzenbad, wo es schon einmal einen schlimmen Unfall gegeben hat, in den Weg ragten), sondern generell, um weiteren Schädigungen der Uferbefestigung mit Gefahr neuer Havarien und sich womöglich anschließender Radikalmaßnahmen der Behörde vorzubeugen.

Statische und fließende Komponenten

Diese so genannte Primärsanierungsmethode unter Wasser, so führte die Bürgervertreterin und Architektin Ursula Kleimeier aus, ist der prägende, eher statische Teil, auf den dann die Sanierung des sichtbaren Bauwerks als die eher dynamische, fließende Komponente aufsetzen muss. Hierbei wünscht der Denkmalschutz bekanntlich einen weitestgehenden Erhalt der alten Bausubstanz, also eine In-situ-Sanierung bei möglichst geringen Eingriffen ins vorhandene Bauwerk, was natürlich auch dem Baumbestand zugute kommt. Die dabei anzuwendenden Methoden können im Laufe des zu veranschlagenden Zeitraums von drei oder mehr Jahren Bauzeit infolge weiterer Innovationen immer auch wieder variieren, so dass auch die Rede von einer „Endsanierungsvariante“ verfehlt ist.

Über den Beschluss einer Primärsanierungsmethode hinaus sollte deshalb auch endlich jenem schon über ein Jahr zurückliegenden Forumsbeschluss Rechnung getragen und an den jetzt wasserseitig gesicherten Strecken von verschiedenen, zu beauftragenden Firmen praktisch und experimentell erprobt werden, welche Verfahren sich zur Sanierung des „eigentlichen“ Denkmals: der schrägen Quaderwand oberhalb der Wasserlinie, unter den je verschiedenen örtlichen Gegebenheiten wie Mauerhöhe, Schädigungsgrad, unterschiedlich naher oder ganz fehlender Baumbestand etc. am besten eignen. − Unter Verweis auf die verbesserten personellen Kapazitäten machten die AmtsvertreterInnen hier auch entsprechende Zusagen.

Um aber zunächst den im Wortsinn fundamentalen Teil des Vorhabens zur Entscheidungsreife zu bringen, sind zwischenzeitlich auch die Mitglieder der AG Lösungssondierung in zumindest Teilerfüllung eines umfänglichen Prüfauftrags fleißig gewesen, nämlich die vorliegenden Sanierungsvarianten − von Plass 1,5,6 und 9 über Kleimeier 1 & 1a bis zu den an Maybachufer und Teststrecke Paul-Lincke-Ufer schon umgesetzten Varianten − anhand des komplexen Kriterienkatalogs des Mediationsverfahrens „Zukunft LWK“ zu bewerten.

Ein Prüfauftrag für alle

Varianten

Die Varianten

Um diese diffizile Aufgabe zu operationalisieren, hatte das Mediationsteam einige Vorarbeit geleistet und für jede der acht Varianten eine eigene Blanko-Ausfertigung des Kriterienkatalogs zum Ausfüllen bereitgestellt, doch einerseits erwies sich der Zeitraum von Mitte März bis (nach Verlängerung) 4. Mai für viele trotzdem als zu knapp, und so kamen Rückläufe denn auch vorwiegend nur von einigen (ehrenamtlich arbeitenden) BürgervertreterInnen.

Andererseits musste sich auch ein gewisser Unmut einstellen, denn während die Plass’schen Varianten zumindest eine Gesamtsanierung der Uferbefestigung skizzieren, beschäftigen sich die anderen überwiegend nur mit einem Teil, wenn auch dem primären des Vorhabens. Es drohten deshalb Äpfel mit Birnen verglichen zu werden bzw. wesentliche Themenkomplexe des Kriterienkatalogs: Mensch (Freizeit, Erholung, soziale Begegnung), Natur (-erleben), Artenvielfalt, Ökologie… werden auf dieser Stufe gar nicht zureichend eingeholt. Was der Katalog an ganzheitlichen Perspektiven und Fragestellungen zu umfassen versucht und sich erst auf der Ebene begleitender und zu integrierender Planungen − Stichworte: kreuzungsfrei-durchgängiger Uferradwanderweg, ökologische Aufwertung zu Wasser und zu Lande mit dem Ziel der Biotopvernetzung etc. − zureichend bewerten lässt, erscheint auf dieser, selbstredend unabdingbar notwendigen Planungsstufe als überkomplex und bloß fakultative „Kür“ mit der Gefahr, dass der mit so viel Aufwand erstellte Katalog gleich wieder ein Stück weit überflüssig erscheint.

WSA kennt nur zwei Kriterien?

Nach Auskunft der Leiterin der AG LWK, Frau Dr. Ernst, hingegen hat sich ihre Gruppe zwar intensiv mit dem Prüfauftrag auseinandergesetzt, doch da für WSD/WSA vor allem Standsicherheit und Kostenfrage im Vordergrund stünden, sei der vorliegende Datenbestand noch unzureichend, weshalb man zunächst einmal „das Handtuch geworfen“ habe, welche Formulierung die WSA-Vertreterin später aber relativierte.

Angesichts der diversen statischen Prüfungen, die in der Vergangenheit von der Firma GuD u.a. zu speziellen Varianten durchgeführt wurden, sowie der Tatsache, das inzwischen auch für die jeweilige Kostenschätzung durchaus Erfahrungswerte vorlägen, stieß diese Auskunft bei den BürgervertreterInnen auf Befremden. Die Vertreterin des WSD wurde hier aber nicht müde zu betonen, dass bislang nur die globale Standsicherheit, d.h. der „große Gleitkreis“, bei den verschiedenen Varianten nachgewiesen worden sei, nicht aber die lokale („kleiner Gleitkreis“), der immer nur unter Einbeziehung der örtlichen Gegebenheiten wie z. B. der Verkehrslast u.ä. geführt werden kann.

Einige der Plass’schen Varianten, die gleich eine ganze Reihe zentraler Kriterien der unterschiedlichen Interessengruppen nicht erfüllen, wurden schon Mitte März einvernehmlich ausgeschieden, und in der Sitzung der Lösungsgruppe am vergangenen Mittwoch (5. Mai) konnte nicht zuletzt dank der Vorarbeiten von BürgervertreterInnen weitere aussortiert werden −, alles freilich unterm Vorbehalt, dass auch das Forum zustimmt.

Von Varianten zu Methoden und Bausteinen

Varinatenprüfung

Varinatenprüfung

Mit dem Ausscheiden machten es sich die anwesenden VertreterInnen von WSA/WSD, Denkmalschutz und BürgerInnen wahrlich nicht leicht (von Senat, Bezirksämtern, Naturschutzverbänden und Reederschaft war niemand gekommen), denn fast jede der vorliegenden Varianten enthält zumindest Elemente, die sich unter bestimmten Gegebenheiten in Kombination einsetzen lassen bzw. könne punktuell (auf bis zu zehn, zwanzig Metern) auch auf komplette Varianten zurückgegriffen werden, die für längere Strecken völlig ungeeignet sind. Deshalb fand auch der Vorschlag breite Zustimmung, eine Art Baukasten mit verschiedenen Bausteinen zusammenzustellen, um in der Praxis flexible Anpassungen an unterschiedlichste Randbedingungen zu gewährleisten, sowie künftig nicht mehr von Sanierungsvarianten, sondern -methoden zu sprechen.

Zur Überraschung der BürgervertreterInnen präsentierte Dipl.Ing. Marcel Heier eine mit seinem Kollegen, dem Bautechniker Björn Röske (beide Mitglieder der AG LWK), entwickelte Variante, wenn auch zögerlich und widerstrebend, denn sie sei als Kind der stark mit Injektionen arbeitenden Maybachufer-Variante noch im Baby-Stadium und längst nicht zu Ende entwickelt. Daran, dass diese (von AG-Leiterin Annette Ernst flugs mit dem Codenamen „Heideschen“ bedachte) Variante nicht gleich in Bausch und Bogen verworfen wurde, wie es einer früheren der weiland Projektgruppe LWK geschah, sondern, wenn auch anfangs sehr kontrovers, intensiv diskutiert und auseinander genommen wurde, ließ sich schon indirekt schließen, dass „Heideröschen“ durchaus auf ernsthaftes Interesse stößt. Die Fachfrau unter den BürgervertreterInnen, Dipl.-Ing. Ursula Kleimeier, qualifizierte sie denn auch als hochinteressant und plädierte für eine Aufnahme in die Primärsanierungsmethoden-„Familie“, die mit vorgesetzter Spundwand arbeiten, als da wären Kleimeier 1 und 1a, die Teststrecken-Variante sowie eben „Heideröschen“.

Haushaltsordnung vs. Geist der Mediation

Dass sich die VertreterInnen von WSD und WSA überaus schwer tun, Plass’sche Varianten, und wenn sie auch vitale Interessen beteiligter Stakeholder krass verletzen wie, um mal ein Beispiel anzuführen, Nr. 6, die (in der ihrerseits heftig umstritten Deutung des WSA) eine Verwandlung der sichtbaren Uferwand in ein Bodendenkmal, also ihr Verbuddeln vorsieht, um sie rund zwei Meter Richtung Fahrrinne nachzubauen, sprich: zu imitieren, was erwartungsgemäß auf den entschiedenen Widerspruch des Co-Autoren des GgG zum LWK von 1990, Theseus Bappert, stieß (der den verhinderten Klaus Lingenauber und damit das LDA vertrat), und natürlich auch für die BürgervertreterInnen, selbst wenn die Bäume gesichert wären, nur schwer zu kommunizieren sein dürfte, entstünden doch zwangsläufig Kanten und Knicke, wo die ursprüngliche Uferwand wieder zum Vorschein kommt −, dies hartnäckige Beharren der BehördenvertreterInnen blieb den Übrigen auch dann noch schleierhaft, als haushaltsrechtliche Auflagen und Zwänge ins Feld geführt wurden, wonach alle nachweislich standsicheren Varianten in der weiteren Prüfung zu belassen seien. − Der Kompromiss lautet nun dahingehend, dass die genannte Variante noch eine Ehrenrunde durchs Forum nimmt und erst dann als nicht konsensfähig endgültig ausscheidet, wobei freilich wiederholt werden muss, dass auch bei allen andern die letzte Entscheidung erst im Forum fällt. − Auch die Variante Plass 9,  eine Rückkehr zu Lenné unter Wasser (Bappert), die sich für breite Kanalabschnitte eignet, bleibt im Rennen wie es überhaupt für Einzelfalllösungen prinzipiell die Möglichkeit geben soll, auch ausgeschiedene Varianten erneut zu diskutieren, wenn wir mal von Plass 11 absehen, die eine Zuschüttung vorschlägt…

Nun dürfen wir auf die Diskussion in der 22. Forumssitzung am 17. Mai gespannt sein, auch weil dann der Göttinger Professor Weihs und sein Doktorand die Ergebnisse der noninvasiven georadiologischen Sondierung von Wurzelverläufen ausgewählter Bäume vom vergangenen Sommer vorstellen wollen. Am 18. und 19.05. werden die beiden Wissenschaftler ihre Arbeit noch am Corneliusufer fortsetzen. „Diese Untersuchungen sollen die Untersuchungen 2009 ergänzen (im Gegensatz zu 2009 jetzt hohes Ufer, d.h. großer Grundwasserabstand)“, informiert Frau Dr. Ernst und hofft, „dass die Untersuchungen u.a. auch zeigen können, dass eine junge Kastanie am Corneliusufer weit landeinwärts verwurzelt ist, so dass sie beim etwaigen Versagen der Mauer als verhältnismäßig leichter Baum von den eigenen Wurzeln festgehalten werden kann und von ihr keine Gefahr für ein vorbeifahrendes Schiff ausgeht. Sollte dieser Nachweis gelingen, könnten deren beide Betonklotzanbindungen zeitnah entfernt werden.“

BaumschützerInnen-Info vom 10.11.08

Gibt es weitere realistische Sanierungsvarianten und wenn ja, welche?

Unter der Perspektive des Anforderungsprofils „schnell, dauerhaft und ohne <abbr title=“Planfeststellungsverfahren“>PFV</abbr>“ gibt es nach Einschätzung des WSA neben der Variante 1 (= Plass IV) keine anderen sinnvollen Möglichkeiten. Es trifft zu, dass jene bereits vor anderthalb Jahren von der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) vorgeschlagen wurde, jedoch auch von den Plass-Ingenieuren (wie auch ihre anderen zehn Varianten, insofern sie nur in erster Annäherung den Bereich des Möglichen abbilden sollten) noch nicht statisch durchgerechnet worden seien. Nun aber sei ein weiterer Ingenieur, der für den in Rede stehenden Abschnitt eine statisch definierte Lösung zu entwickeln beauftragt wurde, unabhängig von den genannten Vorarbeiten wunderbarerweise zum gleichen Ergebnis gekommen.

Im Hinblick auf die an alle AK-Mitglieder gerichteten Fragen − Welches Präjudiz wird befürchtet bei einer jetzigen Entscheidung über eine 1:1-Sanierung des betreffenden Abschnitts am Maybachufer? Welche Belange/Interessen könnten so möglicherweise vorwegnehmend nicht berücksichtigt werden? − geben wir zu bedenken, dass die peinliche Vermeidung eines PFV nicht von vornherein das Spektrum denkbarer Lösungen einengen oder gar zu Denkverboten führen darf! Die BI ist nach wie vor der Meinung, dass durchaus auch im Fall dieses 90m-„Punkts“ idealiter von einer Bedarfsermittlung und der Entwicklung eines Nutzungskonzepts im Rahmen eines sozioökonomischen und stadtökologischen Gutachtens ausgegangen und auch im Zuge des beabsichtigten Interessenbekundungsverfahrens nach weiteren innovativen Techniken geforscht werden müsste. − Andererseits verschließt sie sich auch nicht den o. g. Argumenten, warum an dieser prioritären Stelle nur zwei längst auf dem Tisch liegende Verfahren − neben Plass IV auch [nach einer Anregung Frau Kleimeiers, s.u.] noch modifiziert Plass I − einer vertieften Prüfung unterzogen werden sollen, unterstützt also die Formulierung einer entsprechenden Beschlussvorlage für die Mediationsforumssitzung am 17.11. durch den AK Sanierung!

Wider das Drauflos-Flicken!

Doch verlangt sie im Gegenzug Garantien, dass nicht binnen kurzem an anderer Stelle, mit welchen Argumenten auch immer, eine besondere Dringlichkeit behauptet und abschnittsweise zu schnellen Dauerlösungen gedrängt wird, was ja nicht zuletzt auch nach Auffassung der Autoren des Großen Denkmalgutachtens von 1990 zu Stück- und Flickwerk führen muss, indem die Planung vom Detail ausgeht und dort verharrt, anstatt vom Detail aus- und über die Analyse des komplexen multifunktionalen Systems zum technischen Element zurückzugehen.

Wir brauchen dies nicht immer wieder mit dem Label Masterplan zu etikettieren, aber das Bekenntnis zu ganzheitlichen, nachhaltigen Lösungen von SenStadt, WSA, WSD und BMVBS läuft zusehends Gefahr, sich in den Augen der Öffentlichkeit als leeres Gerede und Augenwischerei zu entpuppen, als Versuch, kritisches bürgerschaftliches Engagement zu ködern, einzuhegen, zu korrumpieren und schließlich zu verschleißen. − Und um den immer gleichen Sachzwang- und Die-Kassen-sind-leer-Argumenten präventiv zu begegnen: Gerade in der heraufziehenden Depression sind auch in ökonomischer Hinsicht ökologisch anspruchsvolle Infrastrukturinvestitionen das Gebot der Stunde (Stichwort Green New Deal) [Vgl. auch einen Kommentar vom 8.11.08 (also Nr. 3).]

Wir wollen nicht das Denkmal schleifen, sondern seine Sanierung, Nutzungsmöglichkeiten und ökologischen Funktionspotentiale auf der Höhe der Zeit, im Geiste seines Schöpfers und im Interesse der zukünftigen Generationen gestalten! Und wenn es heißt, temporäre Zwischenlösungen (und zwar solange, bis eine Gesamtplanung die wirklich dauerhafte, weil stimmige Detailplanung möglich macht) seien rausgeworfenes Geld, so fragt sich eben, ob sich angesichts eines fehlenden Gesamtkonzepts nicht isoliertes Drauflos-Flicken mittelfristig als Geldverschwendung erweist, ebenso wie angesichts solchen, offenbar von vornherein intendierten 1:1-Reparierens mit Sicherheit gefragt werden wird, wozu denn dann überhaupt Steuermittel für die Ehrenrunde der Planung durch dieses umfängliche Mediationsverfahren aufgewendet werden mussten.

Zeichen von Flexibilität?

Wir glauben auch, auf Seiten des Denkmalschutzes Anzeichen von Flexibilität bemerkt zu haben, indem bspw. der Umbau vorhandener Treppen zu Anlegestellen für kleinere und vor allem niedrigere Wasserfahrzeuge als möglich bezeichnet wurde. wenn in einem Abwägungsprozess der Nutzungsvorteil einen Eingriff ins Bauwerk gerechtfertigt erscheinen lasse.

Reeder-Vertreter Freise wiederum stellte in Aussicht, die Uferböschung sowie die Auf- und Vorbauten sowohl barrierefrei und wasser- wie landseitig entsprechend den gewandelten Anforderungen als auch denkmalverträglicher zu gestalten − denn der jetzige Zustand mit eher hässlichen Schuppen, Stromverteilerkästen u. dgl. kann schwerlich denkmalgerecht* sein − und sprach sich gar für eine aufwendige, prototypische Gestaltung aus, natürlich alles unter Finanzierungsvorbehalt.

Wir wollen deshalb an dieser Stelle auch nicht verfehlen, Lutz Freise an seine freiwillig eingegangene Verpflichtung zu erinnern, sich als eines von zehn mittelständischen Berliner Unternehmen im Pilotprojekt Corporate Social Responsibility (CSR) zu engagieren [worüber wir schon an anderer Stelle berichteten], was hoffentlich nicht nur als Ethical Branding gedacht ist. Dabei soll’s nämlich um den freiwilligen Beitrag der Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung gehen − über die gesetzlichen Forderungen hinaus.

Vorschlag Ursula Kleimeiers

In Erfüllung eines vom Arbeitkreis Sanierung den AnwohnerInnen aufgegebenen To-Do − Welche weiteren Belange spielen bei einer Entscheidung über eine Sanierung am Maybachufer eine wichtige Rolle? − (sozusagen einem ersten Schritt in die richtige Richtung), hatte Anwohnervertreterin und Architektin Ursula Kleimeier in der Umgebung des Riedel-Anlegers AnwohnerInnen und Ladeninhaber befragt [siehe hier] und u. a. erfahren, dass der Minimierung der Lärmbelastung hohe Bedeutung beigemessen wird.

Um nun die Baugrubenspundwand einzusparen und dadurch vor allem die Lärmemissionen um zehn Tage zu verkürzen, schlägt Frau Kleimeier eine Variante vor, die ähnlich Plass I in ca. 1,75m-Abstand eine Spundwand vorsetzt, diese aber im Unterschied zu Plass unter Wasser abschneidet, auf die Granitabdeckplatte verzichtet und den Zwischenraum mit Beton verfüllt. Die Reduzierung der Fahrrinnenbreite wäre unproblematisch, da einerseits der Schiffsverkehr bereits jetzt durch Dalben auf Abstand von der Uferwand gehalten wird, und andererseits über Wasser nicht sichtbar, so dass die ursprüngliche Wasserspiegelbreite erhalten und das Erscheinungsbild des Bauwerks unbeeinträchtigt bliebe.

Ob die Wahl dieser Variante jedoch, wie verschiedentlich behauptet, ein PFV erforderlich machen würde, muss von der Planfeststellungsbehörde in Magdeburg nochmals erfragt werden.


* Klaus Lingenauber, einmal dazu befragt, wie er derlei dulden oder gar genehmigen könne, meinte, das entstünde so schnell, da käme man unmöglich hinterher, während Frau Kayser auf den Einwand, unseres Wissens stehe doch das technische Bauwerk zusammen mit Böschungsgestaltung und -aufbauten, markanter Vegetation etc. als komplexes Ensemble unter Denkmalschutz, auf die Unterscheidung zwischen Denkmal- und Umgebungsdenkmalschutz verwies: bei diesem änderten sich die gesetzlichen Bestimmung ständig.