Auch zu Wasser ist Fortschritt eine Schnecke

Freiwillig und auf eigene Kosten rußfrei?

Selbstverständlich geht’s nach Helmut Kohl allein darum, was hinten rauskommt, und insofern begrüßen auch die BaL, wie sicher das gesamte Mediationsforum „Zukunft Landwehrkanal“, diese flugs und überraschenderweise auch schon prämierten Bemühungen um sauberere Luft über der Spree. Den Rest des Beitrags lesen »

Fahrgastschifffahrt goes green?

Über den Umweltkurs der Berliner Großreedereien

Ein still verschiedener Arbeitskreis

Wasserkreuzer MS Brasil

Wasserkreuzer MS Brasil(!) auf dem Kanal

Den Arbeitskreis Nachhaltige Wirtschaft und Schifffahrt im Mediationsverfahren „Zukunft Landwehrkanal“ gibt es schon lange nicht mehr, und wir können eigentlich gar nicht genau angeben, unter welchen Umständen er sich auflöste. Das Interesse, weshalb die BürgervertreterInnen seinerzeit daran teilnahmen, besteht jedoch fort, zumal ihm die − bislang nicht evaluierten oder auch nur resümierten − Ergebnisse jener drei, vier AK-Sitzungen nicht sonderlich Rechnung trugen. Den Rest des Beitrags lesen »

Die Senatsverwaltung für Umwelt und Gesundheit und der Schiffsdieselruß

Die leidige Frage der Zuständigkeit

Bereits Ende August erging die Antwort von SenGUV auf die Kleine Anfrage Felicitas Kubalas (B’90/Die Grünen) zum Stand der Vorbereitungen des Senats auf die 2. Umsetzungsstufe der Umweltzone 2010, die wir hier auch mit Blick auf die unbefriedigenden Ergebnisse des Arbeitskreises Nachhaltige Wirtschaft und Schifffahrt noch etwas kommentieren wollen.

In der Antwort des Senats heißt es (auf S.4) zur Frage, was gegen die zunehmende Dieselrußbelastung durchs steigende Verkehrsaufkommen der Fahrgastschifffahrt, vor allem innerhalb der Umweltzone in der Stadtmitte, unternommen werde, unter anderem, dass, obwohl die Emissionen von Schiffsdieselmotoren denen schwerer Nutzfahrzeuge, also großer LKW, gleichkämen, ihnen die EU-Normen zehnfach höhere Grenzwerte einräumten. Jedoch spielten diese Emissionen bei der gesamtstädtischen Feinstaubbelastung auch gar keine Rolle, und verglichen mit Messstationen an der Spree (Beispiel Brückenstraße/Jannowitzbrücke) zeigten die an Hauptverkehrsstraßen zwei- bis dreimal höhere Emissionskonzentrationen.

Dieselstinker

Dieselstinker auf der Spree

Immerhin: „Eine Reduzierung der Partikelemissionen ist […] aufgrund der fehlenden Wirkungsschwelle für Dieselruß anzustreben, um lokale Belastungen an viel befahrenen Abschnitten der Wasserstraßen zu vermindern“ −, und es folgt ein Hinweis aufs Senatstestprogramm unterschiedlicher Filtersysteme, womit „die Dieselrußemission der Schiffe um 90% reduziert werden“ könnten. Inzwischen beteiligt sich bekanntlich nach einigem Zieren die Reederei Stern und Kreis mit drei ihrer Schiffe, und zwar auf freiwilliger Basis, denn „die Abwehr schädlicher Umwelteinwirkungen im Sinne des Bundesimmissionsschutzgesetzes obliegt nach dem Binnenschifffahrts-aufgabengesetz dem Bund. Das Land Berlin selbst kann keine Regelungen zum Schadstoffausstoß des Schiffsverkehrs treffen.“

Bei der Genehmigung von Anlegern spielen Emissionen offenbar gar keine Rolle, weil ja „nur ein kurzfristiges Anlegen zum Fahrgastwechsel gestattet ist“. Nur bei Beantragung von Dauerliegeplätzen würden für den Fall [!], dass es Auflagen seitens der bezirklichen [!] Umweltämter zur Reduzierung der Luft- und Lärmbelastung gebe, „diese in die wasserbehördlichen Genehmigungen übernommen“.

Antworten aus der Vergangenheit

Also man tut, was man kann, soll hier signalisiert werden, und sogar mehr als vorgeschrieben. Umso schlimmer für die Vorschriften! MdB Ströbele hat anlässlich der Podiumsdiskussion unterm Motto Landwehrkanal für Alle! am 13.9. für seine Fraktion angekündigt, eine Gesetzesinitiative einzubringen, die dem Regelunsbedarf in diesem bis dato geradezu rechtsfreien, jedenfalls keiner Umweltzone angehörenden Raum zumindest auf Bundesebene nachkommen soll.

Dieselstinker02

Mühlendammschleuse im Ruß

Um mit dem Ruß als solchem zu beginnen: Seine für Schiffspersonal und Fahrgäste relevanten Konzentrationen müssen nahe der Wasseroberfläche, unter Brücken und vor allem innerhalb der Schleusenkammern gemessen werden! Wenn im Vergleich dazu die Werte an Straßenkreuzungen tatsächlich dreimal höher lägen, wären sie ohne Gasmaske jedenfalls unpassierbar!

Falls jene ominösen Papierfilter aus italienischen Bussen wirklich 90 Prozent des Feinstaubs herausfiltern, dann sollte man nicht verschweigen, dass der Turnus, in welchem sie jeweils erneuert werden müssen, also verstopft sind, bestimmt Probleme aufwirft, denn da die Schiffe wegen ihrer für den Kanal viel zu starken Motoren meist nur im Standgas fahren können, wird der Diesel nur sehr unzureichend und mit hohen Rückständen verbrannt, wovon man sich am Kanal jederzeit mit eigener Nase überzeugen kann.

Nicht-nachhaltige gesetzliche Rahmenbedingungen

Überdies wird einerseits auf die Zuständigkeit der Bundes verwiesen, andererseits aber werden, sofern vorhanden, die Auflagen der bezirklichen Umweltämter bzgl. Luft- und Lärmemissionen in die Genehmigungspraxis von Liegeplätzen einbezogen. − Auch wenn Berlin Hauptstadt wurde, ist doch schwer vorstellbar, dass die Zuständigkeit für die Qualität seiner Luft entweder beim Bund liegt oder eben bei den Bezirken. − Und dass Lärm und Abgase der Schiffe bei „normalen“ Anlegern, die ja nur dem raschen Fahrgastwechsel dienen, kein Problem darstellen, muss denn doch verwundern.

Kurz: bei dieser Antwort drängt sich der Eindruck auf, dass hier eine durch Dieselruß inmitten einer so genannten Umweltzone hervorgerufene konkrete Gesundheitsgefährdung in unzulässiger Weise verharmlost und sich über die regelmäßigen Proteste von AnwohnerInnen zumal zu Saisonbeginn hinweggesetzt werden soll, nur damit alles so weiter gehen kann wie bisher. (Muss übrigens die WSV neben der Sicherheit und Leichtigkeit der Schifffahrt nicht auch die Abwendung von durch sie verursachte Gefahren gewährleisten?)

Vor allem gibt es längst die geruch- und geräuschlosen, sprich: emissionsfreien Alternativen. Man muss sie nur wollen und ihnen eine reelle Chance geben, wie es auf der Spree hoffentlich demnächst geschieht!

Dieseldampfer-Ruß

BaumschützerInnen-Info vom 07.04.08

Reedereien Riedel und Stern + Kreis an Senatsprojekt zur Erprobung von Partikelfiltern nun doch interessiert!

Um kurz bei diesem Thema zu verweilen: Sowohl Riedel-Geschäftsführer Lutz Freise als auch Jürgen Loch von Stern und Kreis beklagten, dass sie der Senat über sein Programm einer Erprobung von Rußfiltern in Berliner Fahrgastschiffen überhaupt nicht informiert habe, sie vielmehr erst über die Medien davon erfahren hätten, daran sehr wohl interessiert und inzwischen mit der zuständigen Senatsabteilung auch in Kontakt getreten seien.

Was hingegen die Teilnahme an jenem, bereits 2006 angelaufenen Projekt des Bundesverkehrsministerium (BMVBS) betreffe, so halten beide Herren, selbst wenn es durch einen Appell des Mediationsforum ans Ministerium noch ermöglicht würde, eine nachträgliche Teilnahme für nicht mehr sinnvoll, da die entsprechende Aufrüstung eines ihrer Schiffsmotoren erst nach Saisonende möglich sei, dieser somit frühestens 2009 bereitstehen könnte und also, da es sich um ein Langzeitversuch handele, nicht schon wie geplant 2010, sondern erst 2014 mit Ergebnissen zu rechnen sei.