Reichenberger Silberlinde wird nun doch gefällt

Bäume am Landwehrkanal spenden Ersatzbaum

Fällkandidatin

Fällkandidatin, AnwohnerInnen

Eine traurige Nachricht ist zu vermelden: Der entschlossene und hartnäckige Einsatz der AnwohnerInnen-Inititative um Brita Bredel für den Erhalt der Silberlinde Nr. 144, Reichenberger/Ecke Ratiborstraße in Kreuzberg, war letztlich vergeblich: Am Donnerstag, 28. Mai [und nicht Freitag, wie zunächst ausgeschildert!], wird der stattliche Straßenbaum doch noch gefällt. Den Winter über ist ein Sekundärschaden entstanden, nämlich ein Längsriss, der den ganzen Stamm hinunter verläuft sowie ein davon abzweigender Querriss um den Stamm herum, wodurch laut Baumsachverständigem Frank Rinn die Verkehrssicherheit des Baums nicht mehr gewährleistet ist und etwa bei Sturm ein Torsionsbruch befürchtet werden muss. − Und das Amt ist an diesem Finale wohl nicht ganz unschuldig.

Eiszapfen

Eiszapfenbildung letzten Winter

Frau Bredel hatte im vergangenen Herbst nach starken Regenfällen den Austritt von Wasser am Stamm der Linde beobachtet und daraufhin sogleich den Sachverständigen als auch das Grünflächenamt schriftlich und mit Fotos informiert. Frank Rinn aus Heidelberg, der bei einer schalltomographischen Untersuchung der Linde im Frühjahr ’08 keine akuten Gefahren ausmachen konnte, hatte damals nicht mal eine Kroneneinkürzung, sondern lediglich eine Sicherungsverseilung empfohlen und dem Baum ansonsten eine gute Vitalität und Lebenserwartung bescheinigt.

Kein Ruhmesblatt fürs Friedrichshain-Kreuzberger Grünflächenamt!

Eiszapfen 02

Eiszapfen

Damit hatte Rinn dem Gutachten der Firma Kusche & Partner, womit das Amt die von AnwohnerInnen und Mitgliedern der BaL im Herbst ’07 nur knapp verhinderte Fällung des Baums begründete, diametral widersprochen und das Gegengutachten des von den BürgerInnen selber beauftragten Sachverständigen Michael Barsig bestätigt. − Vergangenen Herbst also alarmiert, tippte Rinn ferndiagnostisch auf einen Riss oder Spalt am Kronenansatz als Eintrittsstelle des Regenwassers, der dringend verschlossen werden müsste, und teilte dies auch seinem Auftraggeber, dem Bezirksamt, mit. Mehrfach forderte daraufhin auch Frau Bredel die Zuständigen auf, entsprechend tätig zu werden.

Der Längsriss

Der Längsriss

Mitarbeiter einer vom Amt beauftragten Baumpflegefirma, welche auch die empfohlene Kronenverseilung vornahmen, konnten indessen trotz „genauer Prüfung“ keinerlei Öffnung finden, und auch Amtsvertreter, die später vorbeischauten, ohne freilich die AnwohnerInnen vorher darüber zu informieren, wollen nichts entdeckt haben, doch hatten sie bei ihrer Suche leider keine Leiter dabei. Wie auch immer: oben drang das Regenwasser in den Stamm, weiter unten trat es wieder aus; der letzte Winter war bekanntlich hart, so dass zuweilen sogar ein ansehnlicher Eiskatarakt den Lindenstamm zierte und der Frost ihn schließlich aufsprengte.

Riss im Zwiesel

Von der Leiter aus unübersehbar: Wassereintrittsstelle im Zwiesel

Als Frank Rinn den Baum Mitte April dieses Jahres nun einer weiteren Schallmessung unterzog, entdeckte er, neben Längs- und Querriss, von der Leiter aus binnen einer Minute in einem Zwiesel den bewussten Spalt. Das Tomogramm aber zeigte, dass die durch einen Pilz verursachte Zersetzung inzwischen weit ins Stammholz vorgedrungen, ja sogar schon an mehreren Stellen nach außen getreten ist. Deshalb kann der Gutachter für die Standsicherheit dieses Baumes nicht mehr garantieren.

Bäume am Landwehrkanal spenden Ersatz

Silberlinde 144

Silberlinde Nr. 144

Die AnwohnerInnen haben privates Geld investiert, das Bezirksamt, das sich mit dem ersten Gegengutachten nicht zufrieden geben mochte, darauf noch weit mehr öffentliches −, und nun muss der inzwischen wieder prächtig belaubte hohe Baum, dem mensch auf den ersten Blick kaum etwas ansieht, nach anderthalbjährigem Hin und Her schließlich doch noch fallen. Verständlicherweise sind die AnwohnerInnen darüber sehr betrübt und über die unterlassene Hilfe höchst ungehalten.

Da für das Bezirksamt, das dank der Prioritätensetzung im Bürgerhaushalt zwar in die Lage versetzt wurde, auch Neupflanzungen vorzunehmen, gleichwohl nur ein schmächtiger Setzling in Frage kommt, der aber an dieser frequentierten Ecke wohl nur geringe Anwachschancen hätte, haben sich die BaL entschlossen, eine bereits etwas größer gewachsene Silberlinde zu spenden bzw. die Mehrkosten zu tragen. Und über die TU Berlin erhält der Jungbaum eins jener stabilen Schutzgitter aus Metall, die für die Neupflanzungen im Gleimviertel nicht mehr gebraucht werden.

Vielleicht gelingt − dem Beispiel des „Pankower Wegs“ in unserem Nachbarbezirk folgend − durch solche Aktionen auch der Start eines „Xhainer Wegs“ der Baumspenden und -pflanzungen seitens engagierter BürgerInnen, die sich für den Erhalt unseres (Straßen-)Baumbestands verantwortlich fühlen und selber aktiv werden wollen. Die von BürgerInnen schon vielerorts in unserm Bezirk bepflanzten, sorgsam gepflegten und − zum Schutz vor Stoßstangen wie dem Missbrauch als Hundetoilette − umfriedeten Baumscheiben machen da Hoffnung.

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