Unterschiedliche ‚Beteiligungskulturen‘

Von der Grünpflege bis zu den Wasserbetrieben

Die Fällsaison ist da!

In Friedrichshain-Kreuzberg warten allein um die 150 Bäume auf die Säge, und wie jedes Jahr können wir die Bevölkerung nur auffordern, sich selbst zu überzeugen, ob das Aussehen der in ihrem Wohnumfeld auf die Fällliste geratenen Straßenbäume tatsächlich den standardisierten Fällbegründungen entspricht oder vielmehr noch einen vitalen, erhaltenswerten Eindruck machen.

Rodungen am Kanalufer

Bereits Anfang vergangener Woche nämlich bekamen wir wiederholt aufgeregte Anrufe wegen rabiater Grün’pflege‘ im Bezirk und v.a. auch am Landwehrkanal (LWK): Entgegen den Auflagen der Mediationsvereinbarung und der Empfehlungen des neuen Unterhaltungsplans der Bundesanstalt für Gewässerkunde wurden etwa am Paul-Lincke-Ufer in Kreuzberg Sträucher nicht etwa zurückgeschnitten, sondern regelrecht gerodet, was Bürger*innen veranlasste, sich bei uns zu erkundigen, ob dies mit unserem Wissen und Einverständnis geschähe. − Tut es natürlich nicht, doch unsere Mailanfragen an die Bezirksvertreterin im Expertenkreis „Zukunft LWK„, die Zuständigen und Verantwortlichen ins CC gesetzt, wurden wie immer mit lapidarem Hinweis auf Unzuständigkeit beschieden, zwar eine Information der „Leitungsgruppe“ zugesichert, doch leider blieben weitere Nachrichten aus.

Siehe unbedingt auch das Nachwort zu #Blücher und #CampusOhlauer!

Den Rest des Beitrags lesen »

Advertisements

Fischsterben mit Ansage

Entlastung ungeklärten Mischwassers in Berlins Oberflächengewässer

Offener Brief der Anwohner*innen-Initative Lausitzer Straße
an Berlins Regierenden

An den Verantwortlichen für das wahrscheinlich größte Fischsterben am Landwehrkanal

Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister Müller,

gestern [27. Juli] hat Berlin, wie alle Jahre wieder, ein extremes Starkregenereignis getroffen.

Heute musste ich feststellen, dass der Landwehrkanal in der ganzen Länge nach Gülle und Fischverwesung stinkt. In den nächsten Tagen werden wohl wieder unzählige Fische verendet sein.

Seit mehreren Jahren wird das Thema am Landwehrkanal von den Anwohner*Innen vorgetragen. Leider hat die Berliner Regierung die Wichtigkeit immer wieder ignoriert und beschwichtigt.

[Update: Entsprechenden Morgenpost-Artikel siehe hier. − Laut Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, müsse „man sich klarmachen, ‘dass der Tod der Fische ein alljährlich auftretendes Phänomen und keine Katastrophe sei. Die Fischpopulationen leiden darunter jedenfalls nicht extremʼ, so Rohland“.]

Den Rest des Beitrags lesen »

Ein Skandal als Evergreen

Fischsterben in Berlins Gewässern nach Sommerregen

[Update 20.6.: Weit über eine Tonne Fisch wurde inzwischen geborgen, von der zuständigen Stelle bei SenStadtUm verlautet beruhigend, die Bestände würden sich immer wieder erholen. Nur ist halt schon lange als unbefriedigend erkannt, dass es sich dabei hauptsächlich um den Bestand der Plötze handelt. Es fanden sich, halt in ungleich geringerem Umfang, aber auch Barsche, Hechte, Karpfen und Aale unter den Opfern, und deren Bestand, der viel zu gering ist, zu erhöhen, sollen die vorgeschlagenen ökologischen Aufwertungsmaßnahmen (z.B. strömungsberuhigte Flachwasserzonen), aber auch die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit durch Einbau von Fischtreppen im Bereich beider Schleusen dienen. Auch die mögliche Anbindung an die Tiergartengewässer wurde oft erörtert und wird jetzt im Rahmen eines „Masterplans“ (sic!) geprüft.
Mit alldem haben die Verantwortlichen auf Landesebene allerdings überhaupt keine Eile, auch wenn es sich um den Sonderfall eines innerstädtischen Gewässers handelt, reagieren vielmehr regelrecht allergisch, wenn eine Mischfinanzierung auch nur angesprochen wird und die Sache für Berlin nicht haushaltsneutral darstellbar zu werden droht. Demgegenüber geschieht alles in Umsetzung aufgegebener Ziele der WRRL (siehe auch eine Zwischenbilanz), die ja zu einem wesentlichen Bestandteil des WHG wurden, aber die Fristen werden immer wieder verlängert − das ist frustrierend und nicht länger akzeptabel, weil die Mittel bereitstehen und weil sie, wenn sich denn der Senat beteiligen müsste, verglichen mit dem Aufwand, der für andere Projekte getrieben wird, durchaus erschwinglich sind. Bislang kam nur der Verweis auf Staatssekretär Gaeblers Beantwortung der Kleinen Anfrage 17 / 12 398, die ein CDU-Abgeordneter 2013 stellte und aus der hervorgeht, dass Fischsterben aufgrund von Hobrechts Mischwasserkanalisation ein ganz regelmäßiger Vorgang im Berliner Gewässernetz sei, mit guten und schlechten Jahren (siehe Tabelle am Schluss). Bzgl. Beantwortung der aktuellen Fragen aus dem Expertenkreis wurde um Geduld gebeten. Es sind ja auch noch andere Kanäle und natürlich ist wie seit altersher die Spree betroffen.
Ansonsten bleibt die Frage, wie es um die Fortschreibung des Unterhaltungsplans steht, welche die BfG beauftragt hat und wie aus dieser Perspektive und aktuellen Erfahrung eine ökolgogische Optimierung gesehen wird. Dieses achselzuckende Zuwarten muss endlich aufhören!]

Same ol‘ story

Hat schon wieder die Saure-Gurken-Zeit begonnen? Öffnet sich das nachrichtenarme Sommerloch? Das alljährliche Fischsterben in Berlins Kanälen und der Spree, ein Übel, das im Mediationsverfahren „Zukunft Landwehrkanal“ auch nach Aussage des Senats (Kl. Anfrage 2008) mindestens seit 2008 thematisiert wurde, erschien am vergangenen Sonntag mal wieder als Sensation, noch nie dagewesen, löste gar „Ekelalarm“ aus. Sicher hat die neue Sensibilität auch mit Tourismus und Gastronomie zu tun. Doch seit nunmehr sieben Jahren haben u.a. BaL-Vertreter*innen immer wieder die Langsamkeit des Vorgehens, die Unambitioniertheit der Ziele und Anstrengungen von BWB und Senat kritisiert und schon damals eine massive Erhöhung der drei Millionen Euro, die jährlich fürs gesamte(!) Berliner Kanalnetz zur Verfügung gestellt wurden, auf mindestens sieben Mio. Euro gefordert. [Über die aktuellen Zahlen verfügen wir momentan nicht, reichen sie aber noch nach.]

Fischsterben 2015

Fischsterben im Berliner Gewässernetz 2015

Die Eingabe von z.B. „Fischsterben“ in die Suchfunktion dieses Blogs fördert jedenfalls unsere fast jährlichen einschlägigen Beiträge zutage. Herrscht also Amnesie oder Ignoranz? Beides ist gleichermaßen bedauerlich, denn ohne nachhaltigen öffentlichen Druck tut sich halt nichts. Anwohner*innen im Bereich Fraenkelufer/Admiralbrücke berichten jedenfalls, so schlimm sei es noch nie gewesen, und natürlich ist auch der Neuköllner Schifffahrtskanal betroffen. Den Rest des Beitrags lesen »

Vier Vorhaben der Berliner Wasserbetriebe

Verbesserung der Gewässergüte des LWK

Trotz der durchschnittlichen Überlänge der Forumssitzungen im Mediationsverfahren „Zukunft Landwehrkanal“ pflegen die sog. Vorhaben Dritter am Ende der Tagesordnung oft und zu Unrecht hinten runterzufallen. So pflegt’s auch jenen der Berliner Wasserbetriebe (BWB) zu ergehen, die, wie schon öfters berichtet, zusammen mit dem Senat, also der Öffentlichen Hand, zur Erhöhung der Gewässergüte die Rückhaltekapazität der Mischwasserkanalisation vergrößern wollen (bzw. nach EU-Vorgabe in Umsetzung der Bewirtschaftungsziele nach WRRL bis spätestens 2020 müssen), um bei Starkregen die Zahl der sog. Entlastungsfälle ungeklärten Oberflächenwassers in den LWK und damit der sommerlichen Massenfischsterben mindestens zu halbieren.

Müller-Breslau-Ufer ©Hyder

Müller-Breslau-Ufer ©Hyder | BWB

Da momentan die Hauptarbeit (Zielvariantenfindung) zudem in der Arbeitsgruppe Lösungssondierung geleistet und das Mediationsforum nach der Sommerpause erstmals Anfang November wieder tagen wird, lud BWB-Vertreter und Forumsmitglied Kay Joswig am 19. September kurzerhand ins BWB-Kundencenter in die Neue Jüdenstraße, wo MitarbeiterInnen der beauftragten Ingenieurbüros ihre Planungen zu insgesamt vier Bauvorhaben vorstellten. − WSA-Leiter Scholz, Mitglieder der AG LWK, Stadtrat Panhoff von F’hain-Kreuzberg, IHK-Vertreter Deitmar, BürgervertreterInnen sowie der Baumsachverständig Dr. Barsig waren mit von der Partie. Den Rest des Beitrags lesen »

Das WSA und die Stadtökologie

Zum Langen Tag der StadtNatur am Landwehrkanal

Perspektiven-Pluralismus gewährleistet

Einigermaßen raffiniert war es schon, dass das WSA, wo es sich bekanntlich mit Stadtökologie so schwer tut, ja gar nicht für zuständig hält − die sei Ländersache! −, am vergangenen Samstag (16.6.) unter genau diesem Thema zum diesjährigen Langen Tag der StadtNatur eine Veranstaltung zum Landwehrkanal und seiner Sanierung anbot, sich dabei aber vorsorglich nur durch eine externe Kraft, die Öffentlichkeitsarbeiterin in Sachen LWK, Evelyn Maria Bodenmeier, vertreten ließ. (Bei der Schiffstour am folgenden Sonntag zu den als Ausgleichsmaßnahme vorgenommenen Röhrichtanpflanzungen entlang der Unteren Havel war hingegen die Senatsverwaltung mit an Bord.)

Stadtökologische LWK-Führung zum 6. LTdStN

Stadtökologische LWK-Führung des WSA zum 6. Langen Tag der StadtNatur 2012

Den Rest des Beitrags lesen »

Lokale Fischsterben im Landwehrkanal

Belüftungsschiff fährt erst wieder seit gestern (9.6.)

Mischwasser-Entlastung

Kadaver 05

Angeschwemmte Kadaver im Urbanhafen

Nach einem Jahr Pause war’s Mitte der Woche mal wieder so weit: im Landwehrkanal erstickten die Fische. Die frühsommerlich warme Witterung hatte das Wasser immer mehr aufgeheizt, wodurch seine Fähigkeit, Sauerstoff zu binden, abnimmt, während infolge der Trockenheit organische Abfälle gehäuft auf dem Straßenland zurückblieben. Ein Übriges tun die sich für tierlieb dünkenden Mitmenschen, die Wasservögel säckeweise mit Brot und Ekmek füttern zu müssen meinen. Die Zersetzung der unvertilgt auf die Kanalsohle sinkenden Reste ist enorm sauerstoffzehrend.

Andererseits befuhr nach Aussage eines Mitarbeiters von SenGUV aber schon ab Mai  das Belüftungsschiff „MS Rudolf Kloos“ fünf Tage die Woche Nacht für Nacht den Kanal von Ober- bis Unterschleuse und pumpte Sauerstoff ins Wasser.

[Update, 11.6.: Inzwischen haben wir erfahren, dass es im Neuköllner Schifffahrstkanal (Zuständigkeitsbereich des Landes) ebenfalls ein Fischsterben gegeben hat, und zwar in Höhe Wildenbruchplatz. Dank @Martin!] Den Rest des Beitrags lesen »

Variantenvergleich im Hinblick auf Baumerhalt

BWB wollen Landwehrkanal sauberer machen

Erweiterung des Regenüberlaufkanals Lausitzer Straße und des Auslaufbauwerks am Paul-Lincke-Ufer

Wie schon wiederholt berichtet [siehe hier und hier], planen die Berliner Wasserbetriebe (BWB) zur Reduzierung der sog. Entlastungsfälle bei Starkregenereignissen, sprich: des Einleitens ungeklärten Mischwassers in den LWK, von derzeit ca. 35 auf ca. 10 im Jahr durch eine Erhöhung der Kapazität der Mischwasserkanalisation. Dadurch soll im Jahresmittel die Mischwassereinleitung immerhin um 80 Prozent reduziert werden. Damit mehr Mischwasser1 zurück gehalten und, statt direkt ins Gewässer zu fließen, zur Kläranlage geleitet werden kann, wird in den Regenüberlaufbauwerken die Schwelle [funktionell der Öffnung in Waschbecken oder Badewanne vergleichbar] erhöht und verlängert, so dass im Ernstfall das Mischwasser erst bei erheblich größeren Mengen übertritt und den kurzen Weg nimmt. Um es dann aufzunehmen, müssen aber nicht nur größere Rohre mit 1,80 Meter Durchmesser die alten DIN 800er (Ø 0,80 Meter) ersetzen, sondern auch die Auslaufbauwerke am Kanalufer verbreitert werden, um den Druck des austretenden Wassers mit Rücksicht auf die Schifffahrt soweit zu verringern, dass seine Fließgeschwindigkeit 0,3m/sec nicht überschreitet.

Wie viele Bäume werden fallen?

Zum Austausch der Rohre wird die halbe Straßenbreite beansprucht, was schon das ganze letzte Jahr hindurch ab Ecke Reichenberger entlang der Lausitzer Straße  in Kreuzberg zu beobachten war. Anlässlich der 21. Forumssitzung präsentierten nun die BWB-Mitarbeiter Kai Joswig und Wieland Flegel drei mögliche Varianten der Trassenführung im Bereich des Paul-Lincke-Ufers, denn dort trifft sie unweigerlich auf die doppelreihige Uferallee. Um das Vorhaben im Hinblick auf den Baumbestand einzuschätzen, hatten die BWB den Landschaftsarchitekten Wolfgang Klette beauftragt.

BWB-Variante 1

BWB-Variante 1 mit den drei Fällkandidatinnen

Direkt über dem unterhalb der Wasserlinie zu errichtenden, sich selbst tragenden, also nicht mit der Uferbefestigung verbundenen Auslaufbauwerk steht eine hohe, großkronige, sehr vitale und landschaftsprägende Linde, die jedoch bei Variante 1 [Folien 4 + 5] unter gar keinen Umständen zu halten sein werde. Und da auch die über hundertjährige, gusseiserne Abwasserdruckrohrleitung (ADL), welche den -Kanal kreuzt, weil unter ihr geschachtet wird, aus Sicherheitsgründen erneuert werden muss, werden bei dieser Variante, die den geraden Weg zum Ufer nimmt, in der straßennahen Baumreihe höchstwahrscheinlich zwei weitere Linden fällig, da im Zuge der Bauarbeiten erhebliche Wurzelbeschädigungen wohl nicht zu vermeiden seien. Von diesen Linden sei aber zumindest eine schon von eingeschränkter Vitalität, der Verlust der anderen aber umso schmerzlicher.

Landschaftsprägende Linde Nr. 55

Landschaftsprägende Linde Nr. 55

Angesichts des Verlusts von drei Altbäumen schien sich zunächst eine Verschwenkung der Trasse entlang der Treppe zwischen Straße und Ufer anzubieten, doch die nähere Prüfung ergab, dass bei Variante 2 [Folie 6+7] durch eines der auf Grund zweifacher Richtungsänderung anzulegenden beiden weiteren unterirdischen Bauwerke noch ein vierter Baum, der allerdings eine gegabelte Krone aufweist, bei Variante 3 [Folie 8+9] mit nur einer Richtungsänderung sogar fünf Bäume geopfert werden müssten, darunter jeweils ein bzw. zwei landschaftsprägende(r). Da die erste Variante gegenüber den beiden anderen zugleich auch die um 80 bzw. 90.000 Euro kostengünstigere sei, fällt mithin die Wahl nicht schwer, und Baustadträtin Kalepky war dankbar, dass eine Bürgervertreterin diese sogleich vorwegnahm. − Nach der einhelligen Willensbekundung des Forums werden die BWB die Planung nur für Variante 1 weiter konkretisieren.

Linde Nr. 54

Fällkandidatin: Linde Nr. 54

Allerdings soll der Baumsachverständige, der das Vertrauen der BürgervertreterInnen genießt, das Ganze noch einmal gegenchecken, auch im Hinblick auf die Festlegung der adäquaten Kompensation und die Beurteilung der Erhaltungschancen für die Bäume in der straßennahen Baumreihe.


1 Dies ist ein terminus technicus und ausdrücklich nicht mit „Schmutzwasser“ zu verwechseln, insofern es im Verhältnis 1 : 7 mit Regenwasser gemischt werde. −  Von Berliner Straßenland abfließendes Regenwasser, da versetzt mit Reifenabrieb, Hundekot u.dgl.m., als Schmutzwasser zu bezeichnen, wird deshalb gleichwohl aus fachlichen Gründen abgelehnt.

« Older entries