Rette Deine Stadt!

Impressionen vom zweiten Megaspree-Sternmarsch

Trotz Hitze und Fußball demonstrierten vergangenen Samstag (10.7.) über 5000 Menschen auf dem Megaspree-Sternmarsch unter dem Motto „Rette Deine Stadt“! Und wegen zweier Musikwagen gleich die Loveparade zu assoziieren und diese kraftvolle, ideenreiche und rundum gelungene Protestaktion gegen Privatisierung, Autowahn, Gentrifizierung, Zerstörung von Freiräumen und Stadtnatur, kurz: gegen eine rückwärtsgewandte, bürgerInnenferne Stadtentwicklungspolitik als unpolitisch zu diffamieren, weil da auch gefeiert und getanzt wurde, darf getrost unter Schutzbehauptung und Ausflucht abgebucht werden. Eine Party auf fünfzig, sechzig Grad heißem Asphalt wäre auch nur was für buchstäblich Abgebrühte und Hartgesottene bzw. es muss schon noch um was anderes gehen, wenn mensch das fünf Stunden aus- und durchhält. Die Afterdemo-Party hatte sie/er sich dann redlich verdient.

Neptunbrunnen besetzt!

Neptunbrunnen besetzt! - Klick zur Diashow...

Denn die Demonstrierenden, die aus allen Alters- und Bevölkerungsgruppen, Schichten und Ethnien und von Kreuz- und Prenzlauer Berg, Treptow, Mitte, Neukölln und sonst woher kamen, teilen nicht zuletzt die Einsicht, wie immens wichtig für eine solidarische Bewegung gegen die unvermindert fortschreitende Kommerzialisierung, Verödung und Vereisung aller Lebensbereiche Leidenschaft, Empathie, Humor, Extase oder schlicht: gute Gefühle sind, Positive Vibrations, wie’s dereinst mal hieß.

Angesichts einer nur noch selbstreferentiellen Politikerpolitik und einer verselbständigten Administration − in unverantwortlicher Weise völlig losgelöst von den drängenden sozialen und ökologischen Problemen dieser Stadt in Zeiten von Krise und Umbruch −, wird immer mehr Menschen klar, dass Nörgeln, Räsonieren, Abwarten und ansonsten sein eigen Ding Durchziehen nicht helfen, sondern dass es so dringend wie lange nicht mehr aufs Mittun, Mitgestalten, die eigene Fantasie, Kreativität und Initiative ankommt, aufs eigenverantwortliche sich Vernetzen und Zusammenschließen, um von unten ein Stück weit − wie auch immer nur indirekt und vermittelt − das Heft des Handelns in die Hand zu bekommen, das Steuer noch zu drehen und das Auseinanderfallen der Stadt zu verhindern. Richtig im Falschen zu leben und alternative Nischen zu behaupten, war dabei schon immer ein paradoxes Unterfangen. Mögen die Kraft und die Ausdauer, die sich da am 10. Juli unter ziemlich widriger Witterung artikulierten, nachhaltig wachsen zu einem be berlin in sehr anderem Sinn!

Diese Stadt hat Wowi und J-R nicht verdient!

Natürlich ist 2011 nach fünf Jahren auch mal wieder ganz offiziell der Citoyen aufgerufen, seiner staatsbürgerlichen Pflicht zu genügen, weshalb Heiner Funken vom Bürgerverein Gleimviertel und der Ini Mauerpark fertigstellen in seiner mitreißend-kämpferischen Adresse an die Sternmarschierenden auch gleich schon mal den Wahlkampf eröffnete, indem er, ohne freilich eine direkte Empfehlung abzugeben, unmissverständlich diagnostizierte: „Diese Stadt mit der unbändig vielgestaltigen Kreativität ihrer Kieze hat diesen Senat ohne Utopie, ohne jede Vision einfach nicht verdient!“

Die Presse-, vor allem aber die Webresonanz auf den zweiten Megaspree-Sternmarsch war beachtlich und hat viele Facetten beleuchtet. Deshalb wollen wir nur noch ein paar visuelle Impressionen beisteuern. Vorausgesetzt, Java Script ist in Eurem Browser aktiviert und ein Flash Player vorhanden, geht’s hier zur Slideshow*


* Um einen Eindruck von Stimmung und Atmosphäre eines solchen Ereignisses zu gewinnen, halten wir auch Porträt-Aufnahmen für unerlässlich, konnten die Porträtierten allerdings nicht um ihre Erlaubnis bitten, ihr Bild zu veröffentlichen. Wer jedoch ihr/sein Foto hier nicht sehen möchte, bitte melden an achim724[at]gmx[dot]net, und es wird mit dem Ausdruck des Bedauerns selbstverständlich sofort entfernt.

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Großer Aktionstag 11. Juli

Megaspree-Parade

Heinrichplatz

Heinrichplatz

Einen überaus gelungenen Aktionstag bot der vergangene Sonnabend (11. Juli) mit machtvoller, lauter, bunt-kreativer Megaspree-Parade, einem Bündnis von über 80 Initiativen, Clubs und Kultureinrichtungen, unterm Motto „Berlin frisst ihre Kinder!“, einem Sternmarsch, aus Richtung Kreuzberg, Friedrichshain und Treptow kommend, zur Jannowitzbrücke und von dort sieben-, achttausend Menschen stark zum Roten Rathaus; mit Parolen gegen die fortschreitende Privatisierung des öffentlichen Raums, unserer öffentlichen Infrastruktur, der Verschandelung des Spreeufers aus den immergleichen Profitinteressen, damit die Stadt ihre Schulden abstottere, die ihr ebendiese Interessen in jener kleinen Ouvertüre zur Großen Krise seinerzeit eingebrockt haben; gegen die Zerstörung der Kiezstrukturen und -kulturen, gegen die Gentrifizierung: die Verdrängung der sog. sozial Schwachen und MigrantInnen durch kontinuierlich steigende Mieten.

Viktoria

Viktoria vorm Roten Rathaus

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Zweite Große Paddelparade

Admiralbrücke

Unter der Admiralbrücke

Und der Landwehrkanal sah zwischen Urbanhafen und Studentenbad die zweite Paddelparade, diesmal veranstaltet vom „Aktionsbündnis Landwehrkanal für Alle!“ als Protestdemo gegen eine konzeptlose Kanalreparatur im Dienste tradierter Wirtschaftsinteressen und einer rückwärtsgewandten Denkmalpflege und für eine gesamtheitliche Sanierungsplanung. Die launische Witterung konnte die PaddlerInnen nicht davon abhalten, in noch größerer Zahl als letzten September ihre auspufflosen Gefährte zu Wasser zu lassen.

VIP-Boot

VIP-Boot Solarschiff Chassalli

Da etwelche Verlautbarungen Anlass zu Missverständnissen gegeben haben, sei an dieser Stelle noch einmal klargestellt, dass es − abgesehen von ca. 400 Metern − natürlich noch längst keine Sanierungsplanung für den LWK gibt, dass auch beileibe noch nicht feststeht, dass das WSA die Sanierung als Unterhaltungsmaßnahme durchziehen kann, also ohne Planfestellungsverfahren (PFV), das nur bei Erweiterungs- und Ausbaumaßnahmen vorgeschrieben ist, dass sich das WSA nach langem Sträuben aber gleichwohl dazu bereit erklärt hat, dennoch einen Landschaftspflegerischen Begleitplan (LPB) und eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVS) zu beauftragen, so als ob es ein PFV gäbe, das beides vorsieht. Die umfassende floristisch-faunistische Bestandserhebung und Ermittlung aller Umweltbelange wird von BI/Verein BaL wie auch den Naturschutzverbänden BUND, NABU und Grüne Liga seit Anbeginn des Verfahrens gefordert und ist, indem sie zunächst einmal die ökologische Ausgangssituation untersucht, Voraussetzung für jede ökologisch nachhaltige Sanierung. Die BaL halten an deren integrierter Gesamtplanung, wie immer wieder betont, selbstverständlich auch weiterhin fest!

Aktueller Flyer der BaL

Siehe auch unseren pünktlich zum Aktionstag erschienen aktuellen Flyer, der Vorgeschichte und bisher Erreichtes, den Stand des Mediationsverfahrens und der Sanierung sowie last not least unsere Forderungen resümiert.

Studentenbad

Abschlusskundgebung im Studentenbad