Stallschreiberblock

Vernichtung einer weiteren innerstädtischen Brachlandschaft

Wiedergewinnung von Stadt

In Umsetzung der Planungen von Herwarth + Holz zum bezirksübergreifenden Integrierten Stadtentwicklungskonzept (INSEK) bzw. Städtebaulichen Rahmenplan Luisenstadt scheint es bald zur Sache zu gehen. Anlässlich zweier Bürgerabende am 20.10.09 und 13.01.10 war, wie seinerzeit berichtet, der Bürgerbeteiligung wie so oft eher symbolisch Genüge getan worden. Jetzt hat auch die Xhainer BVV das rund 250 Seiten umfassende Konvolut als Vorlage zur Kenntnis erhalten, und demnächst soll dann bspw. der sog. Schwerpunktbereich Stallschreiberblock in Mitte zwischen Alexandrinen-, Stallschreiber-, Alte-Jakob- und Sebastianstraße durch eine sechsgeschossige Wohnbebauung mit Läden, Gastronomie und Dienstleistungen entlang der Alten Jakobstraße im Nordwesten nachverdichtet werden. Dabei geht’s natürlich auch ums Freihalten der Blickbeziehungen auf die ehemalige Luisenstädtische Kirche, vor allem aber um die Entwicklung einer vier- bis fünfgeschossigen Stadthausbebauung (Baugruppen) zur Aufwertung des ehemaligen Kolonnenwegs im Nordosten.

Stallschreiberbrache

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Wiedergewinnung von Stadt

BürgerInnen-Inititative Bäume für Kreuzberg

Vom 2. Bürgerabend zur Städtebaulichen Rahmenplanung Luisenstadt

Ein Angebot an die BürgerInnen?

Gestaltung

Das Gestaltungskonzept

Die sog. Angebotsplanung von Herwarth + Holz, steht bzw. Anregungen und Kritik des Bürgerabends Numero 2 am vergangenen Donnerstag (13.1.) werden rasch, sehr rasch noch eingearbeitet, denn am 15. Januar, also gestern, war schon Redaktionsschluss: Dann wird der Entwurf zur „Städtebaulichen Rahmenplanung Luisenstadt“ den zuständigen Stadträten von Mitte und F’hain-Kreuzberg vorgelegt, und diese wiederum leiten sie an die beiden Kommunalparlamente weiter − „zur Kenntnisnahme“, wie es heißt.

Der diesmal ausreichend beheizte Kirchenraum war seltsamerweise so abgeteilt und bestuhlt, als würde nurmehr die Hälfte interessierter BürgerInnen erwartet als zur Auftaktveranstaltung am 20. Oktober, doch trotz völlig unzureichender Bewerbung kamen diesmal zur sichtlichen Überraschung der VeranstalterInnen noch deutlich mehr, so dass Frau Thomas von der katholischen Pfarrgemeinde St. Michael auch noch die Treppe als gute Sitzgelegenheit empfehlen musste…

Der Informationsstand der von der geplanten „Wiederentdeckung von Stadt“ Betroffenen − immerhin 22.000 EinwohnerInnen im zweieinhalb qkm großen Planungsgebiet − den wir schon anlässlich jenes ersten Bürgerabends vor drei Monaten bemängelten, hat sich trotz gegenteiliger Beteuerungen zwischenzeitlich kaum verbessert, ja vor der Weihnachtspause hatten sich z. B. auch die Mitglieder der entsprechenden Fachausschüsse der BVV F’hain-Xberg noch wenig bis gar nicht informiert bzw. interessiert an diesem „großen Ost-West-Projekt“ gezeigt, da es doch ganz überwiegend nur Mitte betreffe…

Erste Garnitur der beteiligten Bezirke terminlich verhindert

Podium

Das Podium

Die Damen der Verwaltung, die auf dem Podium Platz genommen hatten: Gudrun Matthes von SenStadt, Abt. IV., mit den Bereichen Stadterneuerung, Soziale Stadt sowie Mittelvergabe gemäß Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz; Kristina Laduch, Fachbereichsleiterin Planen im Bezirksamt Mitte, die Baustadtrat Gothe vertrat; und Jutta Kalepky, Baustadträtin von Xhain, in Vertretung von Bürgermeister Schulz −, sie alle gaben sich überzeugt, dass für ausreichende Öffentlichkeitsarbeit gesorgt worden sei, doch außer Pressemitteilungen (die von der Presse nicht aufgegriffen wurden und auch im Web nicht zu finden sind) und die Verteilung von Flyern an die direkten AnwohnerInnen wussten sie wenig aufzuzählen. − Die Pläne hätten bei Bürgerfesten ausgelegen, seien intensiv mit dem Bürgerverein Luisenstadt sowie in „Stadtteilrunden“ diskutiert worden, beeilte sich noch der auch diesmal den Abend moderierende Carl Herwarth von Bittenfeld vom beauftragten Architekturbüro Herwarth + Holz zu ergänzen.

Keine Partizipation2.0 − kein webbasierter Dialog

Gestaltung 02

Gestaltungsvorschläge

Die Anregung, das Internet nicht nur einkanalig als virtuellen Schaukasten, sondern als interaktives, zweikanaliges und dazu unschlagbar kostengünstiges Medium einzusetzen, also mit Wiki, Forum oder wenigstens einer digitalen „Pinnwand“ echten Dialog zu ermöglichen, um bei diesem Großprojekt, das auf Grund seines Bezirks- und Verwaltungsebenen übergreifenden Charakters immerzu, und jetzt auch wieder von Frau Matthes, als modellhaft gepriesen wird, die gesetzlich ja nun mal vorgeschriebene BürgerInnenbeteiligung gleichermaßen modellhaft anzugehen −, dieser schon am vorigen Bürgerabend unterm Motto einer Partizipation2.0 dringend angeratene Weg wurde wieder nicht beschritten. Und das Reden von „wir haben dies und jenes eingestellt“ [was noch nicht einmal stimmte], nährt den Verdacht, dass hier was beharrlich [und vorsätzlich?] missverstanden wird.

Ausgangssituation

Herwarth von Bittenfeld beschreibt die Ausgangssituation

Natürlich ist dieses „Einstellen“ von Unterlagen, Plänen, Protokollen etc. notwendige Bedingung5, denn sonst erhalten, wie mehrere, darunter vor allem jüngere, TeilnehmerInnen zu Recht hervorhoben, die zu „Gebietsexperten“ beförderten BürgerInnen eine Stunde lang eine frontale Breitseite unterschiedlichster Daten, Fakten, Hintergründe und haben dann eine weitere Stunde Gelegenheit zur Replik [„die letzte“, wie die Senatsvertreterin zu allem Überfluss auch noch dramatisierte], aber eben keine Möglichkeit, sich im Vorfeld in Ruhe mit der Materie auseinanderzusetzen (die lt. Herwarth ein 200-Seiten-Kompendium umfasst), mit prinzipiellen wie mit Detailfragen, was doch angesichts der Komplexität des auf eine zehnjährige Umsetzungsphase angelegten Vorhabens selbstverständlich sein müsste. − Und so bleibt eben nur, sich entweder auf Einzelheiten zu kaprizieren, die mehr oder minder direkt den eigenen Wohnbereich berühren, oder allzu abstrakt übers große Ganze zu extemporieren − auf die Gefahr hin, sich in Schlagworten und Gemeinplätzen zu verlieren, was dann auf gleicher Ebene gekontert werden kann und den Nährwert des Austauschs gegen Null tendieren lässt.

Problembewusstsein der Planer6

Leitziele

Leitziele

Erfreulicherweise zeigen Herwarth + Holz, was das Gebot der Stunde, sei’s in ökologischer oder sozialer Hinsicht, angeht, ein beachtliches Maß an Problembewusstsein. Die Planer müssen jedoch den Vorgaben der (Haupt-)Verwaltung nachkommen, die durch allerlei Kampagnen für Klima- und Artenschutz, Grünes Leitbild, Lärm- und Feinstaubminderung oder Förderung des Radverkehrs zwar wenig Nachhaltiges, aber viel fürs Greenwashing tut, an ihren konkreten Taten gemessen, jedoch täglich unter Beweis stellt, das es ihr vor allem um „Aufwertung“ im monetär-materiellen Sinn geht, um in einem unserer Meinung nach völlig überholten Verständnis von „Investorenfreundlichkeit“ die „harten Standortfaktoren“ der urbanen Mitte Berlins zu stärken. Ums zuzuspitzen: Wenn vom Erhalt der „Grünen Metropole“ und unseres „ungeheuren Grünvolumens“ geredet wird, ist hauptsächlich die Tourismusindustrie der Adressat; wenn grüne, soziale und kulturelle Infrastruktur „qualifiziert“ werden sollen, dann vor allem, um die solventere Klientel in der City zu halten oder zur Rückkehr aus dem Speckgürtel zu locken.

Fördermittel von Land, Bund und EU

Frau Matthes betonte also noch mal das besondere Interesse der Senatsverwaltung an der Luisenstadt und resümierte, dass in Fortführung des Stadterneuerungsprogramms aus 66 geprüften Gebieten 13 ausgewählt worden seien, um sie binnen zehn Jahren aufzuwerten, darunter eben die nördliche Luisenstadt, für die nun vorbereitende Untersuchungen liefen, ob sie die Kriterien eines Sanierungsgebiets erfülle, so dass neben den Fördermitteln aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz auch solche für Stadterneuerung und -umbau fließen können.

Das städtebauliche Leitbild

Schwerpunktthemen

Schwerpunktthemen

Herwarth von Bittenfeld präsentierte das städtebauliche Leitbild der Rahmenplanung, in das die vielfältigen Anregungen der BürgerInnen eingearbeitet worden seien, ohne freilich auszuführen, welche wo und wie, aber nach Beschluss dieser „Angebotsplanung“ durch die beiden BVVen würden ja erst die einzelnen Projektplanungen ausgeschrieben, und bei deren konkreter Ausführung gebe es für die Betroffenen dann noch viel Gelegenheit, sich einzubringen und mitzuwirken, so dass es sich bei der gegenwärtigen Veranstaltung also keineswegs schon ums Finale handele. Die Botschaft hörten wir wohl −, doch prangen auf den Plänen bspw. schon reichlich hell- und dunkelrote Felder, die entweder Vorplanungen für Neubauvorhaben oder einen bereits verbindlich Planungsstand, nämlich die vielen bereits erteilten Bauvorbescheide signalisieren, das Ergebnis zahlreicher intensiver Arbeitsgespräche, von denen Frau Laduch vom Stadtplanungsamt Mitte berichtete. (Am 1.12. hatte es ferner eine geschlossene Veranstaltung mit den eigentlichen „Gebietsexperten“ gegeben: „Institutionen, Eigentümern, Verwaltungen“, worüber nichts an die Öffentlichkeit gedrungen ist −, doch es wurde versichert, dass denen gar nichts anderes präsentiert worden sei als uns jetzt.)

Die Ausgangslage

Maßnahmen

Maßnahmen

Städtebaulich zeigt die Luisenstadt gegenwärtig nach Westen, zum Stadtzentrum hin (Achse Lindenstraße) eine sehr urbane „Mantelzone“ mit wenig Wohnbebauung und hohem Dienstleistungsanteil, die nordöstlich entlang der Spree stark gewerblich geprägt ist. Nach Südosten hin folgen auf den „Mantel“ lockere Strukturen von mit Gewerbe durchmischter Wohnbebauung und relativ hohem Grünanteil, woran sich dann auf Kreuzberger Seite die „gründerzeitlichen“ Strukturen hochverdichteter Wohnquartiere anschließen, mit Läden, Gastronomie, kulturellen Einrichtungen, Agenturen etc., kurz: der Kreuzberger Mischung vor allem im Erdgeschoss. − Ins Auge springt die Heterogenität der städtebaulichen Struktur, die Koexistenz der Gegensätze, die durch „die Geschichte“ erzeugten Brüche und Brachen, ein Nebeneinander von Zerstörung und Aufbau.

Justierung

Wallstraßenblock

Der Wallstraßenblock

Angesichts dieser Ausgangssituation präsentierten Herwarth + Holz als städtebauliches Leitbild für die Luisenstadt eine „Justierung zwischen der (Über)Urbanisierung der Gründerzeit und der (Unter)Urbanisierung der Moderne.“ In Bewahrung und Nutzung des historischen Gedächtnisses dieses Stadtteils gelte es, seine Gebäudesubstanz (mit Ausnahme einiger abzureißender Lagerhallen am Spreeufer) zu erhalten, behutsam weiterzuentwickeln und zu ergänzen, die Lücken und Brachen zu verbinden und zu vernetzen.

Von der Wiedergewinnung eines Stadtteils zur Wiedergewinnung von Stadt

„Wiedergewinnung von Stadt“ meine in diesem Fall, das Erreichen einer hohen Wohn-, Aufenthalts- und Lebensqualität durch Entwicklung der sozialen, kulturellen und grünen Infrastruktur, Verflechtung der Luisenstadt nach innen und außen, ihre Heranführung „an neue Ufer“, also das der Spree, Schaffung bzw. Stärkung stadtraumbedeutsamer Grünverbindungen, zentraler Orte und des Geschäftszentrums, die Entwicklung der Straßen zu öffentlichen Räumen für AnwohnerInnen, Beschäftigte und BesucherInnen.

Gestaltung

Sebastianblock

Der Sebastianblock

Entlang der Achse Prinzen- und Heinrich-Heine-Straße, also in der „Mantelzone“, soll durch zahlreiche Bauvorhaben über die Schaffung von „Synapsen“ die Verschmelzung beider Stadtteile, Luisenstadt und Mitte, an zentraler Stelle beispielhaft gelingen. Nördlich der Annenstraße könne noch verdichtet und in der Folge das Heinrich-Heine-Forum als „Marktort“ in seiner Zentrumsfunktion gestärkt werden. − Die Grünanlage am Moritzplatz sei weiterzuentwickeln, auch die Erinnerung an den Grenzübergang Heinrich-Heine-Straße als eine Art „Klein-Checkpoint Charlie“ zu bewahren. − Längs der Köpenicker Straße sollen die „zerfransten“ Blockränder ergänzt werden; gegenüber des ver.di-Gebäudes gebe es noch einen Großstandort für Baugruppen. − In Abkehr vom Planwerk Innenstadt und seiner Wiederherstellung straßenbündiger Blockrandbebauung solle es entlang der Alexandrinenstraße grüngliedernde Elemente geben und auch eine entsprechende Qualifizierung entlang Heinrich-Heine- und Oranienstraße, eine Vernetzung der Grünanlagen, wenn auch nicht in direktem Anschluss, so doch  im Geiste Lennés, und eine Anbindung über Michaelkirch- und Lichtenberger Straße bis zum Volkspark Friedrichshain. − Neben dem genannten Planwerk seien auch alle übrigen kontroversen Planungen gründlich gesichtet und hinterfragt und, nach Übernahme des Brauchbaren, nunmehr ersetzt worden im Bestreben, „aus Gräben Baugruben“ zu machen, worüber übrigens verwaltungsübergreifend bereits Konsens herrsche.

Unter bzw. hinter dem Mantel definierten die Planer sechs Großräume oder Schwerpunktbereiche, und zwar der

  • Wallstraßen-
  • Sebastian-
  • Dresdener-
  • Annen-
  • Holzufer- und der
  • Stallschreiberblock

Maßnahmen

Dresdenerblock

Der Dresdenerblock

Zu den hier geplanten Maßnahmen [siehe auch unsere  − angeklickten − Fotos]: der Bebauung; bzgl. der Straßen, Wege und Plätze; der Grünanlagen und -verbindungen sowie der sozialen Infrastruktur äußerte sich Herwarth-Kollege Thomas Fenske in sehr gedrängter Form, da er ja nicht von dem Stündchen Diskussionszeit noch was abknapsen mochte. Er betonte − sicher auch in Reaktion auf das Thesenpapier (S. 1 + 2) der AG Verkehr im BV −, dass keinerlei neuen Straßenöffnungen geplant seien (auch die Dresdener Straße werde mitnichten wieder Durchgangsstraße), stattdessen aber viel radverkehrliche Maßnahmen, besonders auch auf der Annenstraße, dazu Straßenverengungen etwa durch Baumpflanzungen: Das Votum der Verkehrsberuhigung sei also aufgenommen und nur noch auf der Köpenicker, der Oranien- und der Heinrich-Heine-Straße 50 km/h vorgesehen, überall sonst aber Tempo 30 oder noch darunter! Ferner sei der ÖPNV zu verbessern, namentlich die Bus-Frequenz, der U-Bhf. Heinrich-Heine-Straße aufzuwerten, und sodann der Spreeuferweg als Freiraum offen zu halten, mit „grünen Fenstern und Trittsteinen“ (und in Absprache mit den Eigentümern), ferner der Köllnische Park zu qualifizieren und das Märkische Museum aus seinem Dörnröschenschlaf zu wecken. Die Grenze mit ehemaligem Mauerstreifen sei endgültig zu überwinden, und über Brachflächen seien bauliche Brücken zu schlagen.

Keine Chance zu qualifizierter Stellungnahme

Annenblock

Der Annenblock

Es würde unseren Rahmen sprengen, hier Leitbild, Entwicklungsziele, Gestaltungsprinzipien und „-vorschläge“ im Einzelnen zu diskutieren und zu bewerten [die offiziellen sind unseren − angeklickten − Fotos zu entnehmen], wie auch das durch die Zubilligung nur einer einzigen Stunde für Verdauung und Reaktion einigermaßen überforderte Publikum in der sogleich sehr lebhaft aufbrandenden Debatte nur einige wenige Details und Gesichtspunkte quasi herauspicken konnte und angesichts dieses künstlich erzeugten, für ernstgemeinte Beteiligung absolut kontraproduktiven Zeitdrucks einigen Unmut bekundete. Es hätte, wie gesagt, für eine qualifizierte Diskussion im Sinne wenigstens rudimentärer Beteiligungsansätze einer eingehenden Vorbereitung anhand der (kommentierten) Planunterlagen bedurft −, doch auf der anderen Seite verblüffte der Vorsitzende des Bürgervereins Luisenstadt, der offenbar in alter Tradition einmal mehr als privilegierter Träger der BürgerInnen-Beteiligung mit einigen Materialien bedacht worden war, indem er sich über die Fülle des ihm Übersandten beklagte.

Einige Schlaglichter

Nachverdichtung, Brachen und Grünanlagen

Daten

Daten

Wenn z. B. die 16 ha Brachflächen alternativ als „untergenutzte Flächen“ figurieren und andererseits für den erwarteten Bevölkerungszuwachs von 5 bis 8000 Menschen 4100 neue Wohneinheiten entstehen sollen, wird schnell klar, dass neben der Frage, in welchem Preissegment sich diese Wohnungen bewegen werden − was heißt denn in diesem Zusammenhang „Aufwertung“? −, die Art und Weise der Nachverdichtung interessieren muss. Denn angesichts der Folgen des Klimawandels, die insbesondere unsere Region und genau solche innerstädtischen Bereiche schon in wenigen Dekaden heimsuchen werden, muss Nachverdichtung sorgsam gegen den Bedarf an Freiflächen, Schattenzonen und Kaltluftentstehungsgebieten abgewogen werden. Und wenn auch die Pläne prima facie einen ordentliches grünes Netz aufzuweisen scheinen und ja auch viel von Qualifizieren, Stärken und Verbinden die Rede war, so bleibt festzuhalten, dass sich unterm Strich der Grünanteil keineswegs erhöht und hierfür von der Verwaltung auch gar kein Bedarf gesehen wird, weise dieses Stadtviertel doch einen außerordentlich guten Index auf, wenn es um fußläufig erreichbare Grünflächen gehe − so als sei Grünfläche gleich Grünfläche; so als habe ein Grünstreifen, auch wenn mitunter türkisch-deutsche Familien zum Verschnaufen damit Vorlieb nehmen mögen, irgendeine Aufenthaltsqualität. − Hier ist, wie schon öfter in diesem Blog betont, eine öffentliche, stadtnaturschutzfachlich unterlegte Leitbild-Debatte überfällig, nach welchen Kriterien wir unser öffentliches Grün künftig gestalten und pflegen wollen, um endlich den Anforderungen an ökologische Nachhaltigkeit zu genügen, und dies auch mit Blick nicht nur aufs Ballspielen, sondern auf die Naturerfahrung von Kindern und Jugendlichen und das Existenzrecht unserer nichtmenschlichen urbanen Mitwelt!

Stallschreiberblock

Der Stallschreiberblock

Und über dem Totschlagsargument, die Brachflächen, auf denen oft wertvolle Ruderalvegetation in schon weit fortgeschrittenen Entwicklungsstadien gedeiht, seien derart von Altlasten kontaminiert, dass sie erstmal eines kompletten Bodenaustauschs bedürften, sollten wir dies doch bitteschön zunächst im Einzelfall überprüfen und abwägen, anstatt das Ganze umstandslos als Bauland auszuweisen, und uns ansonsten konsequenterweise auch so akribisch um die Altlasten von morgen bekümmern, die unser heutiger Lebensstil tagtäglich produziert.

An die Wohnungsbaugesellschaften sei jedenfalls das Angebot ergangen, unter Wahrung der grün geprägten Wohnstrukturen und dem Aspekt seniorengerechten Wohnens ihren Bestand weiterzuentwickeln, doch für Standard und Ausstattungsniveau, worin private Investoren Wohnraum bereitstellen, könnten, so Senats- und Bezirksvertreterin Mitte unisono, selbstverständlich keinerlei Vorgaben gemacht werden. Primär bemesse sich die Qualität von Wohnraum ohnehin an seiner Lage. − Hier muss vor allem z. B. per Grundbucheintrag festgeschrieben werden, dass die Innenbereiche nicht unbegrenzt versiegelt und überbaut werden dürfen.

Erhalt von Möglichkeitsräumen

Unbefriedigend sei auch die Situation der alternativen Wohn- und Lebensprojekte wie z. B. des Schwarzen Kanal, die sich nur einer geduldeten Zwischennutzung auf Privatgrund mit ständiger Räumungsdrohung erfreuen. Sondernutzungsformen wie der Tresor u.a. und Möglichkeitsräume für Experimente würden auf diese Weise schrittweise verdrängt. Obwohl den Leuten lt. Frau Laduch vom Planungsamt Mitte unter persönlichem Einsatz von Stadtrat Gothe „20 bis 30 Alternativstandorte“ [sic!] angeboten worden seien, habe keiner ihren Anforderungen genügt.

In Reaktion auf die Forderung, den Mauerweg unbedingt auch weiterhin als geschichtliche Spur zu betonen und entsprechend offenzuhalten, versicherte Senatsvertreterin Matthes, das bleibe selbstverständlich weiterhin Thema.

Auch im Hinblick auf die Verkehrsberuhigung setzte es einerseits heftige Kritik seitens eines Bürgervereinsvertreters, der im „Nadelöhr“ Michaelkirchstraße, das durch einen Radstreifen noch weiter verengt werden soll, den Hauptgrund für den zweimal täglichen Rückstau des Autoverkehrs bis zum Moritzplatz sieht, deshalb also vehement für Erweiterung eintrat und dabei Schützenhilfe von AnwohnerInnen erhielt, die schließlich mit ihrem Auto nach Hause und von dort auch wieder wegkommen müssten −, während andere das vorgestellte Verkehrsberuhigungskonzept ausdrücklich lobten, das Autofahren in der Luisenstadt ja gerade unattraktiv machen solle, aber in der Ergänzung der Blockrandbebauung, zumal in Nord-Süd-Richtung, also etwa entlang der Heinrich-Heine-Straße, Schluchten entstehen sehen, die durch die hier nun mal vorherrschenden Westwinde nicht mehr durchlüftet werden könnten. Und vollends grotesk sei es, die Blockränder als Lärmschutz fürs private Grün der Innenhöfe zu errichten, zumal wir doch davon ausgehen sollten, dass Lärm und sonstige Emissionen produzierender Individualverkehr, der in Berlin schon jetzt erfreulich rückläufig sei, bald ganz der Vergangenheit angehören müsse, wenn denn überhaupt noch Verkehr in unseren Ballungszentren möglich sein soll. − Die Straße werde durch Blockrandschließung mitnichten zum öffentlichen Raum, sondern dabei allenfalls nach dem „Presswurst-Prinzip“ verfahren: ein langer eng gequetschter Abschnitt bar jeder Aufenthaltsqualität; dann eine Ab- (oder in diesem Fall Auf-)schnürung durch ein Grün- oder Freiraumsegment, woran sich der nächste schluchtartige Abschnitt anschließt.

Und wie geht’s weiter?

Mehrfache Nachfragen, wie denn im weiteren Verlauf die BürgerInnen-Beteiligung, die es bislang und ausgerechnet bei diesem modellhaften Großprojekt wieder nur in Schrumpfform gegeben habe, gehandhabt und ihrerseits noch aufgewertet werden solle; wie sich Interessierte etwa in Bebauungsplanverfahren einbringen könnten, wenn sie nicht einmal darüber informiert würden; ob nicht die Einrichtung einer Management- oder Anlaufstelle für Partizipation Sinn mache − all das blieb unbeantwortet. Pünktlich und reichlich mürrisch aufbrechende SeniorInnen lieferten den VeranstalterInnen den willkommene Anlass zum Hinweis, dass doch nun wohl genug diskutiert worden sei…


5 Carl Herwarth von Bittenfeld hat die zeitnahe Übersendung der weiter modifizierten Pläne zugesagt, die wir dann, wie schon beim letzten Mal, hier anstelle der Fotos veröffentlichen werden. Obschon gestern, wie gesagt, „Redaktionsschluss“ war, ist bislang allerdings noch nichts eingetroffen.
[Update, 21.01.
: Die Präsentation von Herwarth + Holz sowie die zugehörigen Planunterlagen finden sich nach Abschluss der Endredaktion nunmehr auf der Firmen-Website (unter den ersten beiden Fotos).]
6 Siehe auch den Herwarth-Vortrag „Klima Berlin – erste Arbeitsergebnisse“ auf der kürzlichen StadtForums-Veranstaltung 2 Grad Plus am 7. Januar im EnergieForum.

Städtebauliche Rahmenplanung Luisenstadt

BürgerInnen-Initiative Bäume für Kreuzberg

Vom ersten Bürgerabend

Das Podium

Das Podium

Die gemeinsame Einladung der Bezirke Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg an die BewohnerInnen der Quartiere, die einst die Luisenstadt bildeten, stand unterm Motto „Wiedergewinnung eines Stadtteils“ sowie den leitenden Fragestellungen: Wie können die vorhandenen Qualitäten gestärkt und wie kann das Zusammenwachsen des durch die Geschichte auseinander Gerissenen gefördert werden?

Auf der einstigen Grenze zwischen Mitte und Kreuzberg, Ost- und Westberlin gelegen, bildet die Luisenstadt einen Schwerpunkt der sozialen und integrierten Stadtteilentwicklung Berlins. Ziel müsse sein, die historische Stadtstruktur wieder erlebbar zu machen, die Verkehrs- und Wohnsituation, die Grün- und Freiflächen zu qualifizieren und das gemeinsame Leben und Arbeiten zu verbessern.

Das Publikum

Das Publikum

Und so strömte denn auch vergangenen Dienstag (20.10.) eine erkleckliche Anzahl von BürgerInnen in den Gemeindesaal der St. Michael-Kirche − bezogen auf die 22.000 EinwohnerInnen des zweieinhalb qkm großen Planungsgebiets handelte es sich freilich allenfalls um 0,3 Prozent −, wo die vom Baustadtrat des Bezirks Mitte, Ephraim Gothe, beauftragten Planer von Herwarth + Holz erste Entwürfe zur „Städtebauliche Rahmenplanung Luisenstadt“ präsentieren sollten. − Auf dem Podium saßen neben den schon Genannten die Referatsleiterin Stadterneuerung bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Maria Berning, und der Bürgermeister von Xhain, Dr. Franz Schulz.

Bürgerverein Luisenstadt als Akteur

Stadtplaner Carl Herwarth von Bittenfeld machte den Moderator und begrüßte u. a. die zahlreich erschienen Mitglieder des Bürgervereins Luisenstadt, mit denen sein Büro regen Austausch pflege. Gleich zu Beginn der Veranstaltung hatte indessen der Sprecher der AG Verkehr im Bürgerverein, Tom Albrecht, ein Thesenpapier (S. 1 + 2) verteilt, worin vor allem Besorgnisse darüber bekundet werden, dass das INSEK, also das Integrierte Stadtentwicklungskonzept, anstatt die bereits bestehenden Verkehrsprobleme im fraglichen Gebiet zu lösen, womöglich nur noch zu ihrer Vermehrung beitrage.

Ebenen- und ressortübergreifend

Senatsvertreteterin Berning freute sich dagegen, dass neben den beiden Bezirken zwei Abteilungen von SenStadt, nämlich II und IV, Städtebau und Soziale Stadt, in diese ressortübergreifende Planung involviert seien und dass Fördermittel aus gleich zwei Bund-Länder-Programmen, nämlich Städtebaulicher Denkmalschutz und Stadtumbau West, zur Verfügung stünden. Insgesamt 17 Vorhaben seien bereits auf den Weg gebracht und schon 7,5 Mio Euro investiert worden. Dabei gehe es − wir erinnern uns − um die „Revitalisierung historischer Stadtgebiete“, um die Überwindung stadtstruktureller Barrieren und die Wiedergewinnung urbaner Zusammenhänge.

Franz Schulz erinnerte launig daran, dass abgesehen von Bombennächten und Mauerbau die Umsetzung von Planungen der 50er und 60er Jahre mitunter noch mehr zur Zerstörung historischer Stadtsubstanz beitrugen und erhofft sich nun, dass am Ende dieser Rahmenplanung die Voraussetzungen für ein besseres Wohnen und Arbeiten in den Quartieren stünden und es zu produktiven Ergebnissen hinsichtlich der Gestaltung von Frei- und Grünflächen wie Verkehrsräumen komme.

Ephraim Gothe wiederum wünscht sich eine maßgebliche Prägung der Rahmenplanung durch die geschichtliche Dimension des Stadtteils, die z. B. Mauerstreifen und Mauerpark in Mitte bereits evozieren, während eine solche Gedenklandschaft im Kreuzberger Teil der Luisenstadt noch fehle, aber er sei sehr dankbar für die von Bund und Land zur Verfügung gestellten Mittel, um nun mit dem Nachbarbezirk auch in dieser Richtung zu kooperieren.

Ausgangsfragen und analytische Arbeitspläne

Carl Herwarth und sein Kollege Thomas Fenske stellten daraufhin ihre Entwürfe vor, und ihre Arbeitspläne zeugen durchaus von einem ganzheitlichen und zugleich sehr differenzierten Herangehen. In einem virtuellen Spaziergang oder vielmehr Parforce-Ritt durch die Luisenstadt fächerten sie eine breite Themenpalette auf. Noch stünden wir ja im Stadium des

  • Was ist zu tun?
  • Welche Maßnahmen sollen Vorrang haben?
  • Wie steht es um Mängel und Potenziale?
Planentwurf Verkehr

Planentwurf Verkehr ©Herwarth+Holz

Soll die verkehrliche Situation im Vordergrund stehen, die Anbindung ans Zentrum oder die Verkehrsberuhigung, die Schaffung und Verbesserung von Fuß- und Radwegen, die Erhöhung der Sicherheit, die Neugestaltung von Straßenräumen, die Mängelbeseitigung und Schaffung neuer Wegeverbindungen? Oder ist − bei derzeit nur 10 m2 Grünfläche pro EinwohnerIn, also leichter Unterversorgung und teilweise schlechtem Unterhaltungszustand (wobei der Osten noch besser dran sei als der Westen) − die Entwicklung multifunktionaler Grün- und Freiflächen mit Sicherung der Erreichbarkeit und Nutzbarkeit für alle prioritär, wobei hier noch zu unterscheiden sei zwischen dem Grün des näheren Wohnumfelds und des sog. siedlungsnahen Grüns, also der eigentlichen Parkanlagen? Sollen die großen Brachen, die entlang des Mauerstreifens kumulieren, eher grüne Refugien bilden oder als zusätzliches Bauland dienen?

Planentwurf Grünflächen ©Herwarth+Holz

Planentwurf Grünflächen ©Herwarth+Holz

Klar sei: Grüne Blöcke müssten in jedem Fall gesichert werden, und nicht zuletzt müsse es um Schaffung und Ausbau von Grünverbindungen gehen, schließlich auch um die Öffnung und Entwicklung der noch wenig erschlossenen Wasserlagen entlang der Spree. Zugleich gehe es um den Erhalt von Möglichkeitsräumen und die Duldung von Zwischennutzungen sowie darum, dem durchs Wegbrechen von Industrie und Gewerbe geschuldeten Strukturwandel Rechnung zu tragen.

Und weiter: Ist die Optimierung der sozialen Infrastruktur vorrangig, etwa − angesichts der demographischen Trends mit wachsendem Seniorenanteil, leichtem Bevölkerungsanstieg und erhöhter Nachfrage z. B. nach Kita-Plätzen − sowohl die Mehrung entsprechender Freizeitstätten für Ältere als auch die Sanierung von Kindertagesstätten und Jugendfreizeiteinrichtungen, die dem erhöhten Integrationsbedarf genügen können, die Spielplatzaufwertung oder überhaupt die Schaffung von mehr (bezahlbarer) Wohnfläche, etwa in Gestalt straßenbündiger Blockrandbebauung? Oder soll’s insgesamt mehr in Richtung einer aufgelockerten gartenstadtähnlichen Struktur gehen −, d. h. entweder zum Innenstadt- oder Vorstadtprofil?

Planentwurf Mängel + Potenziale

Planentwurf Mängel + Potenziale ©Herwarth+Holz

Bei allem dürfe die Gebietstypik nicht ignoriert, dürften bereits erbrachte Integrationsleistungen nicht übersehen werden. Den Plattenbaustrukturen in Mitte, wo bspw. 1560 neue Wohneinheiten geschaffen wurden, kontrastiert auf Kreuzberger Seite die noch erhaltene gründerzeitliche Wohnbebauung. Das Gefälle zwischen der Sanierung privater und öffentlicher Gebäude springe ins Auge. Und die Palette reiche vom privat finanzierten verdichteten und gehobenen Wohnen ums Engelbecken bis hin zu den neu-luisenstädtischen Lofts und Fellini-Appartements und andererseits den alternativen Wohnformen wie der Wagenburg Schwarzer Kanal am Engeldamm.

Kontakte zu Kiez-Akteuren

Und nicht nur mit Angehörigen des Bürgervereins gebe es rege Kontakte, sondern auch mit anderen Kiezakteuren, vom Quartiersmanagement bis zu alternativen Wohnprojekten wie den BewohnerInnen des erwähnten Queer-Projekts. Für das in Besitz von HochTief befindliche und seit Jahren von Räumung bedrohte Gelände, das nun mal keine Grün- oder Freifläche sei und bebaut werden solle, hätten jedoch auch Herwarth + Holz bislang kein Alternativgrundstück auftun können.

Meldung vom Schwarzen Kanal

Deshalb an dieser Stelle die aktuelle Meldung von einer überraschenden Wendung: Während gestern (23.10.) ein Runder Tisch mit u.a. Mittes Baustadtrat Gothe (SPD), Elke Reuter (Linke) und Frank Bertermann (Grüne) tagte und sich die PolitikerInnen abermals ratlos in punkto Ersatzgrundstück gaben, wurde kurzerhand eins in der Adalbertstraße besetzt, das dem Liegenschaftsfond gehört. Sogleich war die Staatsgewalt zur Stelle, aber auch der Runde Tisch verlagerte sich an den Ort des Geschehens und − nach einem Anruf Stadtrat Gothes − fand sich tatsächlich auch Fond-Geschäftsführer Lippmann dortselbst ein: die erste offizielle Reaktion des Liegenschaftsfonds auf Anfragen des Schwarzen Kanals überhaupt! Ergebnis längeren Palavers: die BesetzerInnen können auf dem Gelände bis zu einem ersten Verhandlungstermin mit dem Liegenschaftsfond am 26.10. bleiben. Ein weiteres Treffen mit Lippmann, Baustadtrat Gothe, Frank Bertermann, Elke Reuter und SenatsvertreterInnen soll es am 3.11. geben. Und heute, 24.10., wurde im Rahem der Queer- und Rebel-Tage auch für den Erhalt des schon seit zwanzig Jahren bestehenden Projekts demonstriert…)

Ende des Exkurses und zurück zur Rahmenplanung.

Schwerpunkte

Als wesentliche Entwicklungsbereiche benannten die Planer den Wallstraßen-, Holzufer-, Stallschreiber-, Sebastian-, Dresdener und Annenblock sowie den Moritzplatz und als Prioritäten die umfassende Neugestaltung des Michaelkirchplatz und des Areals ums Engelbecken mit der Stärkung des „imageprägenden Quartiersmittelpunkts“, ferner die Spreeuferwege und Zuwegungen aus dem Quartier mit der Öffnung der Luisenstadt zur Spree und der Aufwertung des Luisenstädtischen Kirchparks nebst Bewusstmachung des Mauerwegs, Sichtbarmachung der historischen Spuren der Kirche, Neugestaltung und Öffnung des Bethaniengeländes sowie Aufwertung des Köllnischen Parks, der Köpenicker Straße und des Kraftwerkareals.

Die BürgerInnen haben das Wort

Bürgervoten Soziales

Bürgervoten Soziales ©Herwarth+Holz

Nach dieser Breitseite von schon recht ausgereiften planerischen Vorstellungen, Strukturierungen, Gewichtungen und Priorisierungen wurden nun auch die BürgerInnen gebeten, ihre „Ideen und Anregungen“ kundzutun. Dabei gewann der vom ersten Redner geforderte Erhalt der Eisfabrik am Spreeufer gleich dadurch eine unfreiwillig komische Note, als er den Anwesenden nur umso stärker bewusst machte, dass die gefühlte Innentemperatur der unbeheizten Michaeliskirche nur wenig über dem Gefrierpunkt lag, so dass die vom Moderator gelobte Disziplin des Publikums vielleicht auch was von Kältestarre hatte.

Jedenfalls gingen die zahlreichen Beiträge der versammelten BürgerInnen überwiegend schon sehr ins Detail und beschäftigten sich zumeist mit dem öffentlichen Raum: bessere Überwege an der Annenstraße wurden gefordert, Erhöhung der Busfrequenzen, mehr Toilettenhäuschen, eine hellere nächtliche Beleuchtung der Waldemarbrücke, aber auch der Rückbau solcher „städtebaulichen Glanzlichter“ wie des Lidl-Supermarkts in der Heinrich-Heine-Straße. Im Übrigen sei das Heinrich-Heine-Forum in Mitte genauso tot wie die Eisenbahn-Markthalle in Kreuzberg.

Bürgervoten Raum + Verkehr

Bürgervoten Raum + Verkehr ©Herwarth+Holz

Und wenn es um Grünräume und -verbindungen gehe, sei bei allen ambiotionierten Zielen, auch im Hinblick auf die notwendige Adaptation an den Klimawandel und die zusätzliche Aufheizung der Innenstädte, nicht die chronische Unterfinanzierung der Grünflächenpflege zu vergessen bzw. nicht etwa durch Schaffung weiterer pflegeleichter Designeranlagen zu berücksichtigen. − Hier gilt es auf das Zulassen und den Schutz eigendynamischer Entwicklungen der Brach- und Sukzessionsflächen, auf natürliche Verjüngung, kurz: „Wildnis im urbanen Raum“ zu setzen, was einerseits nicht selten sogar kostengünstiger zu haben ist als das allenthalben zu beobachtende Ärgernis outgesourcter Kaputtpflege, und andererseits endlich unter Aspekten wie Rettung der Biodiversität sowie umweltpädagogischen Gesichtspunkten im Sinne von Entwicklung authentischer Naturerlebnisräume gesehen werden muss.

PolitikerInnen antworten

Stadtrat Gothe wurde gefragt, ob er die Essentials des siegreichen Bürgerentscheids zum Spreeufer in Kreuzberg auch für den Abschnitt in seinem Bezirk für stilbildend halte und äußerte durchaus Sympathien, sehe auch bei sechsgeschossigen Gebäuden die Obergrenze, und keinesfalls werde es Durchgangsverkehr geben. Doch die Uferpromenade sei nun mal in privater Hand: Anliegern müsse die Zufahrt gestattet und den Eigentümern z. B. die Breite eines öffentlich zugänglichen Uferstreifens erst noch stückweise abgetrotzt und mit ihnen ausgefochten werden.

Bürgervoten Wohnen

Bürgervoten Wohnen ©Herwarth+Holz

Soziale Wohnungsbauprogramme, so stellte Senatsvertreterin Berning auf entsprechende Anfragen klar, werde es nicht geben und auch an der Entscheidung des früheren Bausenators Strieder, der die Wohnungsbauförderung bekanntlich auf Null fuhr, halte der rot-rote Senat mit dem Grundsatz „Öffentliche Mittel nur für öffentliche Zwecke“ fest.

Franz Schulz sekundierte, die Wohnungsbaugenossenschaft Berolina sei doch bereits preiswert und werde erhalten. Eine soziale Komponente und Chance, um Loftbebauung oder Veräußerung von Gelände an Finanzinvestoren abzuwenden, sieht unser Bürgermeister in den Baugruppenmodellen: Nur bräuchten sie einen Baukostenzuschüsse, keinesfalls aber höhere Grundstückspreise, wofür es beim Senat leider noch kein Problembewusstsein gebe, müssten sich andererseits aber sehr wohl an der Qualifizierung des öffentlichen Straßenraums finanziell beteiligen (Stichwort: Straßenausbaubeitragsgesetz) [Nachtrag: Zum Hintergrund entspr. Nachfragen siehe auch hier + hier]. Schulz stellte ferner klar, dass es keine weiteren Baugenehmigungen für McDonald’s oder Waschstraßen mehr geben dürfe und regte an, hier eine Grenze in der Bauleitplanung zu ziehen und schlug in diesem Zusammenhang einen städtebaulichen Vertrag über Wohnfolgeeinrichtungen vor [das sind alle der Versorgung der in den Wohngebieten ansässigen Bevölkerung dienenden privaten Anlagen].

BürgerInnen-Beteiligung und Leitbild-Debatte

Bürgervoten Sonstiges

Bürgervoten Sonstiges ©Herwarth+Holz

Auf grundsätzliche Fragen nach dem Verfahren der Bürgerbeteiligung, seiner Systematisierung und Verstetigung, der Art der Erhebung von Bürgervoten, der Gewährleistung von Transparenz darüber, wie und in welcher Weise artikulierte Bedürfnisse, Interessen und Kriterien der BürgerInnen in den Planungen dann auch Berücksichtigung finden bzw. wer darüber entscheide, was warum aufgenommen bzw. verworfen werde, und wie überhaupt die notwendigerweise öffentliche Diskussion über das zu verfolgende Leitbild organisiert und geführt werden solle, erklärte Frau Berning, wir befänden uns doch noch in der analytischen Phase: das Leitbild mit Kriterienkatalog darüber, was wir für eine Luisenstadt haben wollen, unterm Kardinalkriterium der Nachhaltigkeit, stünde noch aus.

Stadtrat Gothe formulierte als Teilziel schon mal die Vermeidung langweiliger Wohnbereiche: Das Erdgeschoss solle durchgängig der gewerblichen oder öffentlichen Nutzung vorbehalten bleiben, während Bürgermeister Schulz betonte, im Hinblick auf die Entwicklung der großen Brachflächen in Mitte sei genau zu überlegen, ob wir sie als Bauland oder Grünraum nutzen wollen – diese Entscheidung treffe man nur ein Mal! Ansonsten dürfe es angesichts der Bevölkerungszuwächse nur eine äußerst behutsame Nachverdichtung geben, mit Erhalt der gartenstadtähnlichen Strukturen und harmonischer Verbindung zur gründerzeitlichen Bebauung. Der Moritzplatz z. B. solle wieder mit Baukanten gefasst, um als Platz erlebbar zu werden, in seinem nordwestlichen Teil aber der Grünzug beginnen, was wiederum  im Bebauungsplan abzusichern sei.

Ausblick

Ein Resümee sei noch verfrüht, erklärte Moderator Herwarth, die Rahmenplanung solle ja nur die grobe Richtung weisen, die Einzelflächen bedürften weiterer öffentlicher Diskussionen.

Warum nicht zur Wiedergewinnung der Luisenstadt ein Pilotprojekt Partizipation2.0 ?

An dieser Stelle wurde abermals eine umfassende und zeitnahe BürgerInnen-Information angemahnt und sodann auf die Möglichkeiten verwiesen, welche die Neuen Medien, z. B. moderierte Online-Foren, Wikis etc., unter Stichworten wie eDemocracy und eGovernment2.0 böten, um eine zweikanalig-dialogische, aktivierende Kommunikation und Interaktion zwischen Verwaltung und BürgerInnen zu ermöglichen. (In der deutschen Provinz − siehe mutatis mustandis z. B. Märker Brandenburg −, von angloamerikanischen oder skandinavischen Ländern wie üblich ganz zu schweigen, sei man da schon erheblich weiter.) Die „Städtebauliche Rahmenplanung Luisenstadt“ könne in dieser Hinsicht als Partizipation2.0 doch durchaus Pilotcharakter haben. − Die Planer, die wir diesbezüglich auch nach der Veranstaltung noch kontaktierten, versprachen, die Anregung aufzunehmen, wogegen ein Mitglied des Bürgervereins hierin die Diskriminierung all jener wittert, die noch offline seien.

Während der Veranstaltung wurden die Anregungen der BürgerInnen auf vier MindMaps mit den Überschriften

  1. Soziale Entwicklung/Versorgung
  2. Wohnumfeld
  3. Öffentlicher Raum
  4. Sonstiges

gepinnt, die wir leider abzulichten vergaßen, und da wir unmöglich alle Anregungen notieren, geschweige hier wiedergeben konnten und können, baten wir Herwarth + Holz inzwischen ums Zumailen der Inhalte jener ja öffentlich bestückten MindMaps, sind aber bis dato noch ohne jedes Feedback. Zudem wurde darauf verwiesen, dass es doch demnächst ein Protokoll gäbe … − Aktualität ist die Sache der Verwaltung und der von ihr Beauftragten nicht.

[Grafischer Update 26.10.09: Unsere letzte Aussage müssen wir erfreulicherweise sogleich relativieren: Inzwischen haben uns Herwarth + Holz auf unsere Bitte hin und nach Rücksprache mit dem Bezirksamt Mitte ihre Planentwürfe und die fotografische Dokumentation der vier Tafeln mit Bürgervoten zu   a) sozialer Infrastruktur, b) Frei- und Grünraum sowie Verkehr, c) Wohnen und Wohnumfeld sowie d) Sonstiges zur Verfügung gestellt, wofür wir uns − im Hinblick auf Transparenz und Kooperation nunmehr hoffnungsvoll gestimmt − ganz herzlich bedanken! Eine Veröffentlichung wurde an die Bedingung geknüpft, den Entwurfscharakter der Planungen noch einmal eigens zu betonen, welchem Ersuchen wir hiermit entsprechen.]

Also mal sehen, wie’s bei diesem städtebaulichen Großprojekt um die die Qualität von BürgerInnen-Beteiligung und Transparenz steht. Aufs Protokoll der BürgerInnen-Versammlung zur Neugestaltung des Alfred-Döblin-Platzes am 19. Juni oder auch nur irgendeine Rückmeldung warten wir z. B. noch heute. (Mitunter scheint uns auch unsere Verwaltung zumindest teilweise noch offline.) − Wenn wir also im Hinterkopf behalten, dass diese Rahmenplanung schon Ende Januar 2010 abgeschlossen sein soll…

Das weitere Verfahren und sein Fahrplan stellen sich nämlich dar wie folgt:

  • Einarbeitung der Anmerkungen aus dem Bürgerabend
  • Vertiefung des Gesamtkonzeptes und Erarbeitung von Entwürfen für Schwerpunktflächen
  • Zweite Luisenstadtrunde (nur Gebietsexperten – Institutionen, Eigentümer, Verwaltungen) [sic!] − 01.12.2009
  • Zweite öffentliche Veranstaltung/Präsentation und Diskussion
    der Ergebnisse − 13.01.2010
  • Abschluss der Rahmenplanung − Ende Januar 2010

Die erwähnte Unbeheiztheit des Gemeindesaals trug sicher dazu bei, dass sich die anfangs gut gefüllten Reihen noch vor Ende der Veranstaltung lichteten und nach zwei Stunden alles hastig nach draußen strebte, wo es wärmer war. Aber vielleicht werden im Januar ja Wolldecken gereicht.

Update 7.11.09
Hier die Dateien zu den Planungsentwürfen und BürgerInnen-Voten zur besseren Lesbarkeit in Originalgröße [PDF, jeweils 2-3 MB]:

Städtebauliche Rahmenplanung Luisenstadt

BürgerInnen-Inititative Bäume für Kreuzberg

Einladung zum 1. Bürgerabend am 20. Oktober

Anlässlich des morgigen 1. Bürgerabends zur städtebaulichen Rahmenplanung (18 bis 20 Uhr, Michaeliskirche, Waldemarstr. 8-10), wo der Baustadtrat von Mitte, Ephraim Gothe (SPD), in Kooperation mit dem BA Friedrichshain-Kreuzberg und SenStadt die Planungen des von ihm beauftragten Büros Herwarth + Holz vorstellen will [siehe auch die Senatspressemitteilung], deren „Ziel ist, vorhandene Brüche und Lücken im Stadtgefüge zu beheben“, möchten wir nachdrücklich daran erinnern, dass Nachverdichtung eine soziale und stadtökologische Grenze hat und keinesfalls auf Kosten der grünen Infrastruktur und öffentlicher Freiräume im Kiez gehen darf!

Wie wir aus zahlreichen Gesprächen mit Kiez-BewohnerInnen wissen, besteht bei den allermeisten keinerlei Interesse an einer kraftverkehrlichen Öffnung und Anbindung der Luisenstadt, sondern ganz im Gegenteil wünscht die überwiegende Mehrzahl der XbergerInnen eine Verkehrsberuhigung, die Förderung sanfter Mobilität, die fachkundige Qualifizierung und verbesserte Pflege der Grünbereiche sowie einen Stopp der Privatisierung und Versiegelung öffentlicher Flächen.

Deswegen möchten wir auch den Aufruf Jochen Baumanns von der AG Verkehr im Bürgerverein Luisenstadt unterstützen und ebenfalls alle interessierten Menschen im Kiez auffordern, zahlreich zu kommen und ihre Interessen deutlich zu artikulieren!

Quartiere dürfen nicht länger von oben geplant werden, sondern im Sinne der Habitat-Agenda von 1996 ist die Bevölkerung systematisch zu beteiligen und sind ihre Interessen umfassend zu berücksichtigen, d. h. es bedarf eines Konzepts zur breiten Partizipation der Bevölkerung von Anbeginn, welche sich nicht in frontalen Präsentationen von Planwerken erschöpft, sondern schon im Entwurfsstadium die BürgerInnen einbindet. Vorab muss vor allem klargestellt werden, auf welche Weise die Ergebnisse der BürgerInnen-Beteiligung in die Planungen eingehen und wer darüber entscheidet.

BaumschützerInnen-Info vom 20.04.08

Einladung der Bürgerinitiative Bäume für Kreuzberg

An alle, die sich für BürgerInnenbeteiligung, die Gestaltung des Luisenstädtischen Grünzugs und den Erhalt unserer Stadtnatur interessieren:

Kommt zahlreich zur
BürgerInnenversammlung

am Montag, 21. April, 18:30 Uhr
ins Alevitische Kulturzentrum in der
Waldemarstr. 20/Ecke Leuschnerdamm!

Eine halbe Stunde früher, also um 18:00 Uhr, startet eine offizielle Begehung am Drachenbrunnen/Oranienplatz.

Wie berichtet, haben die Grünen in Kreuzberg, allen voran Bürgermeister Franz Schulz, bereits eingeräumt,

  • dass die BürgerInnenbeteiligung an der Planung der Neugestaltung des Luisenstädtischen Grünzugs, zumindest was den Abschnitt südlich der Waldemarbrücke angeht, nicht ausreichend war;
  • dass es hier um den bekannten Zielkonflikt zwischen Denkmal- und Naturschutz geht;
  • dass eine Leitbild-Diskussion zwischen allen Beteiligten noch aussteht;
  • dass diese Diskussion ergebnisoffen geführt werden muss und
  • dass die BürgerInnenversammlung am 21. April dazu Auftakt sein soll.

Zur Rekapitulation

Hauptstreitpunkt des bisherigen, vom Planungsbüro TOPOS erstellten und im Verkehrsausschuss Anfang 2007 auch abgenickten Konzepts ist die beabsichtigte Ausschachtung und Tieferlegung der sog. Nordpromenade um 1,60 m. Dem würde fast der gesamte derzeitige Bestand an Bäumen und Büschen zum Opfer fallen!

Warum diese Tierferlegung?

Der Gartenarchitekt und Vorreiter der Volksparkbewegung, Erwin Barth, hatte Ende der 20er Jahre des vergangen Jahrhunderts die Idee, den Grünzug auf dem Gelände des zugeschütteten Luisenstädtischen Kanals so zu gestalten, dass die Perspektive schräg von unten an den Häusern empor beim Flanieren den Eindruck erwecke, man bewege sich nach wie vor auf einem Kanal.

Argumente und Gegenargumente

Tatsächlich wurden in den letzten Jahren auch alte Treppenanlagen entdeckt, weitere werden gerade ausgebuddelt, und diese archäologischen Funde von doch eher begrenzter Spektakularität sollen nun rechtfertigen, dass eine in den 80er Jahren unter wirklicher BürgerInnenbeteiliung entstandene, infolge notorisch knapper Pflegemittel seither zugegebenermaßen etwas verwahrloste Parkanlage gerodet, ja geradezuLuisenstädtische Gartenanlage nach Erwin Barth geschleift und in eine große Baustelle mit all ihren Widrigkeiten verwandelt wird, bevor wir dereinst auf historischen Treppen in eine mauergesäumte Senke hinabsteigen, um uns in rechtwinklig klinkergefassten Nischen auf Bänken der Sonne auszusetzen, die für die Arbeiterfamilien aus den Mietskasernen der Weimarer Zeit sicherlich Mangelware war, in Zeiten von Ozonloch und allgemeiner Klimaerwärmung allerdings nur mehr in homöopathischen Dosen bekömmlich ist. Die andererseits gehäuft zu erwartenden sommerlichen Starkregen werden demgegenüber mit Sicherheit die Authentizität des Kanaleindrucks erhöhen, wie ja bereits jetzt in tiefer liegenden Bereichen regelrechte Feuchtbiotope entstehen.

Andere Argumente lauten, der Grünzug müsse von Spree bis Landwehrkanal und zwischen dem „Ostbezirk“ Mitte und dem „Westbezirk“ Kreuzberg auch deshalb einheitlich und aus einem Guss gestaltet werden, um Kriegsfolgen, Mauer und Teilung auch auf diese Weise zu überwinden. — Mal ganz davon abgesehen, dass auch im Bereich des ehemaligen „Blütenstaudengarten“ zwischen Melchior- und Köpenicker Straße nach starken Anwohner-Protesten, insbesondere der Initiative Mauerstreifen, auf die vom Bezirk Mitte und dem Bürgerverein Luisenstadt favorisierte Tieferlegung verzichtet wird — es geht also doch! —, ist es durchaus diskussionswürdig, ob überhaupt versucht werden sollte, die Geschichte der Teilung durch einen Einheitsstil ungeschehen zu machen.

Respektierung der Stadtteil-Geschichte!

Zwischen Waldemarbrücke und Oranienplatz aber befand sich nun mal kein Todesstreifen, sondern hier ist vielmehr ein historisches Beispiel zu besichtigen, wie BürgerInnen sich vor aller AGENDA-21-Proklamation ehrenamtlich und erfolgreich an der Gestaltung ihres Wohnumfelds beteiligten.

Andererseits wird gerade eine Tieferlegung, also ein Graben im allgemeinen als teilend und trennend empfunden, was sich z. B. dann sehr gut nachfühlen lässt, wenn man vom sog. Waldpflanzengarten zur Waldemarbrücke spaziert: Von der östlichen auf die westliche Seite des Damms zu gelangen, ist umständlich und nur auf Umwegen möglich, wenn man nicht klettern und Mauer springen will: Einst Verbundenes wurde geteilt.

Gartendenkmalpflege im Spannungsfeld

Für diese Planung soll aus dem Senatstopf für Städtebaulichen Denkmalschutz eine erste Tranche von 600.000 Euro fließen, was der Sache natürlich eine gehörige Eigendynamik verleiht. Es ist also entscheidend, zunächst einmal auszuloten, an welche Auflagen von historizistischer Denkmalgerechtigkeit die Mittelvergaben gebunden ist und wie es um die Kompromissfähigkeit der Gartendenkmalpflege bestellt ist. Wir wollen die anwesenden VertreterInnen des Landesdenkmalamts dazu befragen. In der Taut-Siedlung und der Oderberger Str. in Prenzlauer Berg, im Großen Tiergarten, am Lauenburger Platz in Steglitz oder im Kleistpark in Schöneberg wurden in jüngeren Vergangenheit recht unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Unsere entsprechenden Nachfragen ans Bezirksamt blieben jedenfalls unbeantwortet.

Für breiten Informations- und Meinungsaustausch in ergebnisoffener Debatte!

Umso wichtiger wird die Bürgerversammlung am kommenden Montag. Das von Baustadträtin Jutta Kalepky unterzeichnete Einladungsschreiben an die BI hat, wie berichtet, die Zweifel daran bestärkt, ob es der Verwaltung überhaupt um wirkliche Bürgerbeteiligung geht, indem lediglich eine Vorstellung der bisherigen Planungsstufen von TOPOS angekündigt wird sowie dessen, was jetzt umgesetzt werden soll. Die zahlreichen Anregungen der BürgerInnen in den letzten Wochen seien bereits eingeflossen.

Die BI Bäume für Kreuzberg wünscht hingegen, wie gesagt, keine PowerPoint-gestützte Infoveranstaltung, sondern besteht auf der bereits zugesicherten ergebnisoffenen Leitbilddiskussion! Insofern sie bereits erarbeitete Planungsvarianten als Diskussionsgrundlage akzeptiert, noch bevor besagte Leitbilddiskussion auch nur ansatzweise begonnen wurde, hat sie bereits eine gewichtige Vorleistung erbracht und darf deshalb verlangen, dass auch die ökologisch ausgerichteten Planungen aus den 80er Jahren gleichrangig neben den eher denkmalorientierten als mögliche Varianten diskutiert werden! Planer, Künstler und Aktive von damals werden unter den Anwesenden sein!

Darum möchten wir unsererseits alle an einer naturnahen Grünflächen- und Gartendenkmalpflege Interessierten zu dieser BürgerInnenversammlung einladen, die wir als Beginn eines Diskussionsprozesses mit jenen verstehen, denen es eher um originalgetreue historische Rekonstruktion zu tun ist, damit am Ende die Umsetzung einer Sanierungsplanung für den Luisenstädtischen Grünzug steht, die von den BürgerInnen nicht nur akzeptiert, sondern auch gewünscht und begrüßt und deren Ergebnis von ihnen mitgepflegt und erhalten werden wird, da sie an seiner Entwicklung partizipierten.

Wir freuen uns auf Euer Kommen!

Ausführlicher Flyer hier • Unterschriftenliste zum Ausdrucken hier • Einladungsflyer hier